Klimaretter: Zoff und Neuaufbau bei der Deutschen Umwelthilfe

fragezeichen„Zoff bei der Deutschen Umwelthilfe“ titeln die Klimaretter und leiten ein: „Die Organisation verliert fast ihr komplettes Energieteam – und damit ihren profiliertesten Arbeitsbereich. Der neue Leiter Peter Ahmels muss von vorn anfangen“ und weiter berichten die Autoren Verena Kern und Nick Reimer: „Zoff, miese Stimmung und kein rettendes Ufer: Die Deutsche Umwelthilfe DUH verliert fast ihr komplettes Energieteam.“ Doch worüber sich die KollegInnen bei der DUH zofften, wodurch die miese Stimmung zustande kam, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Noch unklarer bleibt der Hinweis der AutorInnen, das „kein rettendes Ufer“ in Sicht wäre. Die Folgen, über die die Klimaretter informieren, sind jedenfalls in der Tat gravierend.

Wichtige und kompetente Leute sind allesamt in den letzten Monaten gegangen und werden mit ihrer Fachkunde und mit ihren Erfahrungen nur schwer zu ersetzen sein: Jürgen Quentin, der Leiter der Anti-Kohle-Kampagne, Politikchef Gerd Rosenkranz, Cornelia Ziehm, Leiterin der Abteilung Energie und Klimaschutz. Bereits 2012 hatte sich Rainer Bake verabschiedet, jahrelang Staatssekretär im BMU unter Trittin, früher in Hessen (unter Fischer) und nicht nur in Atomfragen ein Insider. Zahlreiche wichtige Kampagnen, Recherchen und Gutachten gehen auf das Konto dieser Akteure. 

Die Nachfolger bemühen sich, den Neuaufbau anzugehen, aber das wird angesichts des Know-how-Verlustes sicher keine leichte Arbeit. Und in jedem Fall bleiben zumindest vorerst Lücken: „Einen Bereich kann die Umwelthilfe … nach dem Weggang von Rosenkranz und Ziehm aber nicht mehr abdecken: die Atommüllendlagersuche. „Da fehlt uns nun das kompetente Personal“, stellt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch fest.“

Nach Artikel in NPD naher Zeitung: Braunschweiger Veranstalter sagen Filmvorführung von „Friedlich in die Katastrophe“ ab

umweltsauberhalten-keinenazisDie Braunschweiger Initiative „slow food“ und das „Universum Dokukino“ haben eine für den 14. Januar geplante Vorführung des  Films „Friedlich in die Katastrophe“ abgesagt. Das haben die Veranstalter auf „Braunschweig online“ öffentlich bekannt gegeben. Anlaß dafür ist, dass Holger Strohm, Autor des Films, der NPD nahen rechtsextremen Zeitung Umwelt & Aktiv ein Interview gab und darin sagte, dass es „selbst unter Nazis gute Menschen“ gäbe. Für ihn sei „ein Maßstab, ob man gegen Atomenergie ist, ob man für die Menschheit ist“. Das Tun sei wichtig „und nicht, was man sagt“. Nach dem die taz das in einem Artikel kritisiert hatte und auch die BI Lüchow Dannenberg, Contratom und umweltFAIRaendern.de) sich von dieser Position distanzierten, hat Holger Strohm sich direkt als Autor in der Nazi-Zeitung verteidigt.

Auf der Braunschweig-online-Seite schreiben die Veranstalter nun zur Absage der geplanten Filmvorführung:

„Wir denken nicht das Hr. Strohm ein Rechter ist, aber seine gemachten Äußerungen gehen dahin, das er rechtes Gedankengut toleriert solange sie nur gegen Atomkraft sind und er ist überzeugt, das unter den Rechten auch gute Menschen sind.

Das sind Gedankengänge die weder slow food BS, noch Anti-Atom Gruppierungen tolerieren können.

Solange sich Hr. Strohm nicht eindeutig von seinen Worten distanziert hat, möchte wir den Film, auch wenn er Anti-Atom mäßig gut recherchiert und auf Fakten beruht, nicht zeigen!

Wir hoffen, Ihr könnt diese Entscheidung nachvollziehen!“

Weitere Information auf der Seite von Braunschweig-Online.

Siehe auch: Neo-Nazis und Umweltbewegung – “Umweltschutz = Tierschutz = Heimatschutz = Volksschutz”

*Da ich für rechtsextreme Seiten keine – auch nicht indirekte – Werbung machen will, verzichte ich darauf, auf die Seite von Umwelt & Aktiv zu verlinken.

 

Umwelt & Aktiv – ein NPD-nahes Umweltmagazin

umweltsauberhalten-keinenazisNeo-Nazis versuchen seit einiger Zeit,  „Themen aus der Mitte der Gesellschaft zu besetzen“. Dabei geht es nicht mehr nur und vor allem um „Ausländer“. Auch in der Umweltbewegung ist die Neo-Nazi-Szene inzwischen auf sehr vermittelte Art und Weise angekommen. Tierschutz und Gentechnik sind herausragende Themen, aber auch der „Atomtod aus Polen“ gehört dazu. Seit einigen Jahren ist auch das so genannte Umweltmagazin „Umwelt & Aktiv“ im Rennen, um rechte Ideologien und Politik in der Umweltbewegung zu verbreiten. Bereits 2008 berichtete die taz unter der Überschrift „Brauner Ansturm ins Grüne“ über diese Zeitschrift.

Und erst vor kurzem berichtete die Internetseite „Netz gegen Nazis“ unter der Überschrift „Braun statt Grün: Das vermeintliche Ökomagazin „Umwelt & Aktiv““. Und auch das renommierte Magazin GEO nahm sich der Thematik um die Neo-Nazis und ihrem wachsenden Engagement in der Umweltbewegung an „Braun oder grün? Rechtsradikale mischen in der Öko-Szene mit. Das ist kein Zufall. Nationalisten und Rassisten standen schon an der Wiege des Tier- und Naturschutzes“

Wie sehr die Neo-Nazis in die Umweltpolitik eindringen und versuchen, Räume für ihre menschenverachtende Politik zu gewinnen, zeigt auch dieser Artikel.

 

Holger Strohm schreibt in rechtsextremer Umweltzeitung

umweltsauberhalten-keinenazisHolger Strohm, Autor des Buches und des Films „Friedlich in die Katastrophe“ schreibt jetzt auf der Homepage der rechtsextremen Zeitung Umwelt & Aktiv(*). Darin wehrt er sich gegen angebliche Verleumdungen seitens der taz, der BI Lüchow Dannenberg und durch umweltFAIRaendern. Die taz hatte Anfang Dezember in einem Artikel kritisiert, dass Holger Strohm der rechtsextremen Zeitung ein Interview anlässlich seines Films gegeben hatte. In dem Interview hatte Strohm sich außerdem dahingehend geäußert, dass es „selbst unter Nazis gute Menschen“ gebe. Für ihn sei „ein Maßstab, ob man gegen Atomenergie ist, ob man für die Menschheit ist“. Das Tun sei wichtig „und nicht, was man sagt“.

Die taz kritisierte zum einen: „Mit dem Interview hilft er dem Magazin bei der Etablierung über die Szenegrenze hinweg.“ Und zum anderen stellte die taz mit Blick auf seine Äußerungen fest: „Seine Erkenntnis, dass Nazis sich „für die Menschheit“ einsetzten, ist, gelinde gesagt, ein Euphemismus.“ Und auf umweltfairaendern.de heißt es: „Sie verharmlosen die Verbrechen der Neo-Nazis!“ Achtung: Niemand warf Strohm vor, dass er Neo-Nazis sei.

Gegen diese Kritik will sich Holger Strohm nun als Autor auf der Seite der rechtsextremen Umweltzeitung zur Wehr setzen. Nachdem er zuvor behauptet hatte, dass er von der Veröffentlichung des Interviews in dieser NPD-nahen Zeitung nichts gewusst habe und sich der Interviewer nicht an Absprachen gehalten hätte, nutzt Strohm nun also ausgerechnet diese Zeitung für seine Verteidigung – und leistet damit weiterhin genau das, was ihm zuvor vorgeworfen wurde: Verharmlosung von Neo-Nazis!

Strohm schreibt auf der NPD-nahen Seite: „Die systematische, generalstabsmäßig durchgesetzte Verleumdungskampagne gegen mich, ich sei Nazi, antisemitisch und ausländerfeindlich, hat mir ziemlich zugesetzt und mir den Schlaf geraubt.“

Genau was Strohm hier nun behauptet, hat ihm weder die taz, die BI Lüchow Dannenberg, ContrAtom noch umweltFAIRaendern vorgeworfen!

Indem Strohm aber Vorwürfe konstruiert, die zumindest die von ihm genannten gar nicht erhoben haben, stilisiert er sich zu einem Opfer, zu einem – natürlich zu unrecht – Verfolgten! Folglich würden seine Kritiker ihn „auf die übelste Art (zu) verleumden.“

Das ist nichts weiter als ein sehr sehr einfacher rhetorischer Trick.

Zu fragen wäre dann noch, was Strohm eigentlich mit „systematische, generalstabsmäßig durchgesetzte Verleumdungskampagne“ meint? Selbst wenn man außer acht lässt, dass er gegen Vorwürfe anschreibt, die niemand bislang erhoben hat: Haben taz, BI Lüchow Dannenberg, contrAtom, umweltFAIRaendern sich (im Geheimen) getroffen und eine solche Verleumdungskampagne gegen Holger Strohm entwickelt? Mit oder ohne dem Verfassungsschutz? Und wer war noch dabei und hat sich bislang nicht geoutet?

Im Community-Teil der Wochenzeitung FREITAG hat „asansörpress35“ schon im Oktober 2012 die Antwort gegeben: Hinter der Kritik an seiner Person und seinem „zu kritischen“ Film  sowie den anonymen Mails, die er bekomme und in denen er beschimpft werde, soll er festgestellt haben: „Wie Strohm auf Zuschauernachfrage im Hamburger Kino antwortete, vermutet er dahinter den „Verfassungschutz oder von ihm Bezahlte“.“ Na dann!

Dass Strohm sich jetzt aktiv als Autor auf der Seite der rechtsextremen Umwelt & Aktiv erneut zu Wort meldet und sich damit „unter den Schutz“ einer NPD-nahen Zeitung stellt, um sich gegen die konstruierten Verleumder zur Wehr zu setzen, unterstützt den Vorwurf, dass Strohm damit dieser NPD-nahen Zeitung zu mehr Aufmerksamkeit über die Szenegrenzen hinweg verhilft. Und er macht weiterhin klar, dass er Rechtsextremisten als Bündnispartner im Anti-Atom-Kampf für akzeptabel hält. Damit trägt Strohm – der kein Nazi ist – dazu bei, dass die Nazis und ihre Verbrechen verharmlost werden und gesellschaftlich Raum gewinnen.

Davon muss sich die Anti-Atom-Bewegung distanzieren. Nazis und diejenigen, die sie salonfähig machen wollen, haben nicht nur in der Anti-Atom-Bewegung nichts zu suchen!

Zu den Aktivitäten von Neo-Nazis in der Umweltbewegung siehe hier.

Die Reaktionen auf das Interview von Holger Strohm gibt es hier zum nachlesen: BI Lüchow Dannenberg, Contratom und umweltFAIRaendern.de

Nur noch ein Hinweis zur Meinungsfreiheit: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

(*): Nicht ganz klar ist, wann der Artikel online ging. Auf der Startseite steht der 22. Dezember, im Text selbst wird der 2. Dezember genannt. Letzteres kann aber kaum zutreffen, weil an diesem Tag erst die Kritik in der Taz erschien, die auf dieses Interview aufmerksam machte. Auch die Reaktionen von BI Lüchow Dannenberg, ContrAtom und umweltFAIRaendern erfolgten erst ab bzw. nach dem 2. Dezember. Daher dürfte der 22. Dezember der zutreffende Veröffentlichungstermin sein.

Da ich für rechtsextreme Seiten keine – auch nicht indirekte – Werbung machen will, verzichte ich darauf, auf die Seite und den Text zu verlinken.

 

Neo-Nazis und Umweltbewegung – „Umweltschutz = Tierschutz = Heimatschutz = Volksschutz“

antifa
Umweltpolitik ohne Nazis

Nicht erst die NSU-Morde und das völlige Versagen der Geheimdienste machen erneut deutlich, wie gefährlich Neo-Nazis in Deutschland sind und wie schwer sich die Staatsgewalt ausgerechnet im Umgang mit dieser rechten Szene tut. Die Wahlerfolge der Nazi-Parteien, aber vor allem die Vielzahl von Freundeskreisen, Kameradschaften und sonstigen Bündnissen zeigt, dass neofaschistische und rechte Ideologien immer mehr Raum greifen. Hinzu kommt, dass die Neo-Nazis einen massiven strategischen politischen und kulturellen Wandel vollzogen haben. Immer mehr mischen sich äußerlich nicht besonders auffällige Neo-Nazis in Bürgerbündnisse ein, die mit „softeren“ Argumentationen gesellschaftliche Räume für ihre Ideologie und Politik zu vergrößern suchen. Auch in der Umwelt- und Anti-Atom-Politik ist das in den letzten Jahren vermehrt zu bemerken. So warnte die NPD im Bundestagswahlkampf 2011 vor dem „Atomtod aus Polen“ und ruft zum Ökostromwechsel auf. Erst im Mai 2011 musste die Anti-Atom-Initiative Schwerin einen NPD-Funktionär rausschmeißen, nachdem dieser versucht hatte, sich in der BI zu engagieren.

Es gibt gute Gründe, dass sich die Anti-Atom- und die Umweltbewegung intensiver mit den Neo-Nazis und ihrem Engagement in diesen Politikfeldern auseinandersetzt. Das zeigte sich erst jüngst wieder: Nach eigenen Angaben gab Holger Strohm, Autor des Buches und des Films „Friedlich in die Katastrophe“ einem – wie er sagt – „Anti-Atom-Aktivisten aus dem Wendland“ ein Interview. Dieses erschien dann – angeblich ohne die vereinbarte Autorisation des Interviews – in der rechtsextremen Zeitung „Umwelt & Aktiv“. In dem Interview hatte Strohm dann aber auch gesagt, dass es “selbst unter Nazis gute Menschen” gäbe. Die taz – und auch die BI Lüchow Dannenberg, Contratom und dieser Blog hier – haben Holger Strohm daher vorgeworfen, er würde die Verbrechen der Nazis verharmlosen (wohlgemerkt: Der Vorwurf lautet nicht, dass Holger Strohm Neo-Nazi sei!!) und sich distanziert. Inzwischen hat Strohm nicht nur in einem offenen Brief an die taz reagiert, sondern schreibt unter der Überschrift „Holger Strohm wehrt sich gegen die Verleumdungen der taz“ nunmehr unter seinem Namen auf der Homepage der rechtsextremen Zeitung!

Gründe genug, sich mit den Rechtsextremen und ihrer Umwelt- und Anti-Atom-Politik genauer zu befassen. Daher wird hier ein Text vom Januar 2012 von der Homepage „Endstation Rechts“ dokumentiert, den der Autor Andreas Speit verfasst hat. Der gibt einen Überblick, zu welchen umweltpolitischen Themen und wie sich Rechtsextreme engagieren. Auch die rechtsextreme Zeitung Umwelt & Aktiv wird dabei unter die Lupe genommen. Das Original des Textes gibt es hier.

DOKUMENTATION:
„Mittwoch, 25. Januar 2012- Projekte und Positionen völkischer Ökologie

«Schweinemast – Nein Danke.» Der Titel des Flugblatts dürfte nicht nur Vegetarier und Veganer ansprechen. In vielen Briefkästen, an Wohnhäusern und einigen Ablagen in Einkaufszentren fand sich in Bad Oldesloe das farbige Informationsblatt gegen eine geplante Schweinemastanlage.

Ein einschlägiges Zitat wurde hervorgehoben: «Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.» Wer kennt sie nicht, diese indianische Weissagung, die den Crees zugeschrieben wird? Seit fast 40 Jahren greift die alternative Bewegung auf diese Mahnung zurück. Die Kritik an einer materialistischen Weltsicht, in der Natur und Tierwelt allein unter ökonomischer Verwertungslogik wahrgenommen werden, ziert T-Shirts, Plakate, Aufkleber und Buttons. Keine Tierrechtsgruppe oder Umweltinitiative verteilte aber das Flugblatt im Juli 2011 in der schleswig-holsteinischen Stadt. Bei regnerischem Wetter steckten die «Autonomen Nationalen Sozialisten Stormarn» das Blatt in Briefkästen und legten es auf Packtischen aus. Ihre «nationale» und «sozialistische» Ausrichtung verheimlichten die «nationalen Aktivisten» nicht. Auf dem Flugblatt prangt gut sichtbar ihr Name und das Logo für diese Aktion: Ein Kreis mit der Inschrift des Gruppennamens in dessen Mitte eine schwarze und grüne Fahne mit einer Tiertatze zu sehen ist. Knapp 30 Kilometer von Bad Oldesloe entfernt, in Köthel, soll die Mastanlage für 1490 Tiere entstehen. In der Gemeinde mit rund 330 Anwohnern sprachen sich 70 Prozent gegen das Bauvorhaben aus. Bereits zweimal lehnte die Gemeindevertretung 2010 das Vorhaben eines Bauerns aus Trittau ab. Eine Bürgerinitiative «Keine Schweinemast in Köthel» führte seit Bekanntwerden des Projektes Informations- und Protestveranstaltungen durch. Trotz positiven Bauvorbescheides des Bad Oldesloer Kreisbauamtes lehnte die Gemeindevertretung den Bau im Juli 2011 erneut ab. Mit der Flugblattaktion griffen die «Autonomen Nationalen Sozialisten Stormarn» in die laufende Auseinandersetzung ein. Überraschung über so eine Aktion verrät mehr über die Überraschten als über die Überrascher.

In den vergangenen Jahren wendete sich die Szene von Nationaldemokratischer Partei Deutschlands (NPD) über Freie Kameradschaften (FK) bis zu den Autonomen Nationalisten (AN) sozialen Problemen und lokalen Konflikten zu. Die Themen der gesellschaftlichen Mitte, mahnt seit 1996 der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt die Partei, sollen die Themen der extremen Rechten sein.

In diesem strategischen Kontext sind Umwelt-, Natur- und Tierschutz Themenfelder in Ost und West. Die Sorge, die die Rechtsextremisten umtreibt ist, dass der Missbrauch der «deutschen Natur» die Beschädigung der «Substanz des deutschen Volkes» vorantreibe. Die Freien Aktivisten Wolfenbüttel/Salzgitter klebten denn auch in der niedersächsischen Region Sticker «Umwelt- und Tierschutz ist Selbstschutz für uns Menschen» und verteilten Flugblätter mit der Botschaft, Tiere nicht unbedacht zu verschenken. Im sächsischen Landtag betont die NPD-Fraktion, dass der «Ausstieg aus der Kernenergie nur im gesamteuropäischen Rahmen vollzogen werden kann» und fordert, Ökostrom zu fördern. Der Landesverband der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) Rheinland-Pfalz berichtet in ihrer Schülerzeitung Schinderhannes von einer NPD-Aktion gegen gentechnisch verändertes Saatgut vor dem Landtag Mecklenburg-Vorpommerns. Im dortigen Landtag macht sich die NPD-Fraktion gegen genmanipulierte Kartoffeln stark und fordert, die Massentierhaltung einzudämmen. Im ersten Ordnungsruf , dem Mitteilungsblatt der NPD-Fraktion, ist ihr Nein zu gentechnisch veränderten Organismen das Titelthema. Im Kampf um den Wiedereinzug warnte die NPD 2011 vor dem «Atomtod aus Polen». Die Szene eint die parteipolitische Parole «Umweltschutz ist nicht grün» und die weltanschauliche Gleichung «Umweltschutz = Tierschutz = Heimatschutz = Volksschutz».

Publizistische Projekte: «Umweltschutz ist nicht grün»

In der extrem-rechten Szene hat sich das Magazin Umwelt & Aktiv (U&A) zu der ökologischen Publikation entwickelt. 2007 erschien erstmals das Magazin mit dem Untertitel «Umweltschutz – Tierschutz – Heimatschutz» auf dessen letzter Seite die Redaktion um Christoph Hofer hervorhebt: «Umweltschutz ist nicht grün». Sie führt aus: «Der Schutz der Natur beginnt vor Ort, in den heimischen Wäldern, Bergen, Seen und Stränden, kurz in der Heimat. Und dazu gehört auch der Schutz der Kultur als gewachsener Träger des Umwelt- und Tierschutzes vor Ort, frei von kommerziellen Zwängen» und sie betont: «Wir werden nicht länger jenen Menschen das Thema Umwelt- und Naturschutz überlassen, denen gar nichts an der Heimat liegt».

Auf der Website von U&A findet sich das Editorial der Erstausgabe mit dieser Kampfansage wieder. Kaum ein Thema des Magazins, dessen Titelblatt Sonnenblumen, Kühe, Wale und Bäume zierte, das ökologisch Interessierte nicht angesprochen hätte: von Vorteilen der Permakultur, über E10-Boykott, Rosen aus Afrika, Pangasius als schlimmer Industriefisch, Gartengifte und Energiesparlampen.

2008 starrt in der ersten Ausgabe des Jahres allerdings das bekannte Gesicht von Uncle Sam die Leserschaft an. Es besteht zur Hälfte aus Schädelknochen, das Hemd ist blutverschmiert, in der Jackentasche steckt genmanipulierter Mais. «Amerika weltweit?» titelt die Redaktion provokant. Im Magazin erläutert der Autor die Titel-Botschaft: Für ihn sind die Patentierung von Saatgut und die Ausbreitung von Gen-Mais nichts anderes als Methoden der USA, ihre Macht zu sichern.

Schon nach den ersten Ausgaben fiel anderen extrem-rechten Redaktionen U&A auf, das offiziell als «Rundbrief an Mitglieder und Freunde des Umweltvereins Midgard e.V.» mit Postfachadresse im bayrischen Traunstein erscheint. So lässt die NPD-Monatszeitung Deutsche Stimme (DS) im Januar 2009 Laura Horn in einem Interview das Magazin vorstellen. «Zu unseren Zielen gehört auch, das politische Feld des Umweltschutzes wieder mit heimatverbundenen Kräften zu besetzten», sagt die Mitbegründerin von U&A. Ihre Zeitschrift sei «die einzige Umweltzeitung aus dem konservativen […] Spektrum und sie versichert auch, sich «Tabu-Themen» anzunehmen.

Im Interview mit der vom DVU-Gründer Gerhard Frey verantworteten National-Zeitung erklärt Horn erneut ihr Ziel, eine «Umweltzeitung aus dem rechtskonservativen Lager» herausgeben zu wollen. In der ersten Ausgabe des vierteljährlich erscheinenden Magazins macht sie die politische Zielsetzung, ihre vermeintlich konservative Ausrichtung deutlich, als sie mit Blick auf Juden und Muslime fragte: «Darf man das betäubungslose Töten in der BRD nicht strikt verbieten, weil man sonst unter Rassismus-Verdacht gerät?». Der Orient kenne noch andere «religiöse Bräuche», die auch in die Bundesrepublik «importiert» werden könnten, «damit sich die Migranten wie zu Hause fühlen», die «Genitalverstümmelung an Mädchen, die vom Koran ausdrücklich abgesegnete Prügelstrafe für Frauen, den Schleierzwang, das Auspeitschen, das Steinigen und Handabhacken nach der ‚Scharia’». Und sie antwortet selbst: «Es ist mehr als an der Zeit, diesen als Religionsfreiheit deklarierten Diaspora-Romantik-Reibach abzuschaffen!».

Über den Verein und das Magazin mag die U&A-Autorin Claudia Laimer nicht so gern reden. «Wir leben auch sehr umweltbewusst», sagte sie gegenüber der taz 2008. Mehr wollte sie nicht sagen; auch nichts zu ihrer Nähe zu Hofer, der auch dem Verein vorsteht. Nicht ohne Grund. «Der Vereinsvorsitzende und Herausgeber, Christoph Hofer war niederbayrischer NPD-Bezirksvorsitzender und -Kreisvorsitzender in Rottal-Inn» erläutert Robert Andreasch, Rechtsextremismusexperte für Bayern. Dem Vereinsregister ist zu entnehmen, dass Laimers Ehemann, Hans-Günter, Schatzmeister bei Midgard ist. 2003 kandidierte ihr Mann für die NPD bei der Bezirkswahl in Passau-Land. In Meinach betreibt sie einen Biohof. Hier soll U&A ausgelegen haben. An der Tür stritt sie aber gegenüber Kontraste, dem Politikmagazin des Bayrischen Fernsehens, ab, das Magazin Kunden nahe gebracht zu haben und Kassenprüferin des Vereins zu sein. Fragen wollte sie nicht beantworten: «Weil ich das jetzt nicht mache», sagt sie in der Sendung vom 11. Mai 2011.

Die Zurückhaltung verwundert wenig. Interne E-Mails der NPD, die Februar 2011 verschiedenen Redaktionen zugespielt worden sind, belegen, dass Redaktionsmitglieder zu der Partei ein enges Verhältnis haben. «Laura Horn» ist das Pseudonym von Berthild Haese, der Frau des langjährigen NPD-Kaders Peter Haese, der auch ihre Artikel bearbeitet. Die inhaltliche Nähe zur völkischen Ideologie der NPD konnte aber nicht erst durch interne Mails erkannt werden. In dem mehrfarbigen Magazin, dessen Seitenstärke von 31 bis 40 Seiten schwankt, wird in der Rubrik «Heimatschutz» immer wieder vermeintliches germanisches Brauchtum oder deutsche Kultur vorgestellt, Julfeste, Tischsprüche, Jahreskreisfeste, 1.-Mai-Bräuche, Winter -sonnenwendfeiern und Liedgut – auch für die Kinder. «Langsam und schleichend wandern Sitten aus fremden Ländern ein, während traditionelle Bräuche immer mehr verkommen», warnt die Redaktion. Die «fremdländischen Bräuche» würden gerade Kindern durch die Medien «aufoktroyiert». Und sie mahnt: «Das Unterbinden von deutschen oder europäischen Traditionen und der Kniefall vor einer Minderheit ist nicht nur beschämend, sondern sollte Anlass zu ernster Sorge geben!».

Diese Nähe zum völkischen Verständnis möchte Laura Horn / Berthild Haese gar nicht leugnen. Im Interview mit der DS bezieht sie sich positiv auf eine politische Klassifizierung der taz. «Umwelt & Aktiv», so die Redakteurin sei «die einzige Umweltzeitung» aus dem «völkischen […] Spektrum», wie «die taz es formulieren würde».

Positionierung der extremen Rechten: «Realpolitischer Heimatschutz statt pseudogrüner Öko-Folklore» bei der NPD

Die NPD als die Partei des völkisch-nationalistischen Spektrums hebt hervor, dass sie eine der ersten Parteien war, die ökologische Positionen vertreten habe. «Ein ökologisch denkender Mensch», führte in den 1970er-Jahren der NPD-Bundesvorsitzende Martin Mußgnug aus, nehme «automatisch eine rechte Position ein». Keine bloße Propaganda: In diesen Jahren war in der marxistischen Linken der Fortschrittsoptimismus stark verankert. «Während Liberalisten und Marxisten weltweit dem Wahn vom ewigen Wirtschaftswachstum huldigten, waren es zuerst rechte Mahner, die vor diesem Irrweg warnten» verkündete Mußgnug.

Er verschwieg aber, dass in «der Linken» viele Linke diesen Wachstums- und Fortschrittsoptimismus nicht teilten. Hier wird nicht bloß verschwiegen, sondern auch verharmlost. Denn die umweltpolitischen Forderungen der NPD gingen (und gehen) nie mit weltweit ökologischen, sozialen und emanzipatorischen Vorstellungen einher. Die völkischen Motive waren 1967, drei Jahre nach der NPD-Gründung, virulent. In den Deutschen Nachrichten, eine Wochenzeitung der NPD, wurde am 24. November 1967 zur Bedeutung der Bauern dargelegt: «In ihrem vollmechanisierten Dasein haben sie die Verbindung mit dem Ursprünglichen eingebüßt, den Kontakt zu Pflanze, Tier und Lebendigen verloren […] Einst war bäuerliche Lebensart Urgrund und Nährboden für die deutsche Kultur schlechthin. Im bäuerlichen Brauchtum offenbart sich die deutsche Seele […] Wer darum die deutsche Seele töten wollte, wer das deutsche Volk in seinen Wesenskern treffen wollte, der musste dieses Brauchtum vernichten! Und dieses Ziel haben die Feinde unseres Volkes unbeirrt und brutal verfolgt».

Bäuerliches Brauchtum wird als ureigener Volkscharakter getreu völkischen Denkens vorgestellt. Bürger gegen Bauer ist das alte Motiv gegen eine moderne Gesellschaft, die das deutsche Volk auslöschen will. In der Wochenzeitung heißt es am 28. April 1967, dass der «vermeintliche Fortschritt [des] Industriezeitalters […] nur die seelische Verarmung» verursache.

Diese Sorge des Verlustes der «gesundheitlichen Substanz» durch eine verfehlte Umweltpolitik bewegte 1973 die Partei auf ihrem Bundesparteitag. Die Mitglieder stimmten zu, einen Passus «Volksgesundheit und Umweltschutz» in das Parteiprogramm aufzunehmen. Der Titel offenbart die Intention. In Angst um das «gesunde Erbgut» des deutschen Volkes erklären sie, dass «der Schutz der Natur und Umwelt […] unerlässliche Vorbedingung für die Erhaltung des menschlichen Lebensraums und der Volksgesundheit [sei]. Umwelt- und Naturschutz müssen deshalb zu leitenden Gedanken der Politik erhoben werden».

Fünf Jahre später verdichten die JN in ihrem «Ökologischen Manifest» diese Vorstellungen. 1977 betont die NPD-Jugendorganisation darin, dass «Umwelt- und Naturschutz» zusammen mit «Volks- und Lebens -schutz» als leitende Gedanken bestimmend sein sollen. Knapp 35 Jahre später findet sich diese moderne Form der Blut-und-Boden-Ideologie weiterhin in den umweltpolitischen Parteiforderungen.

Im aktuellen Parteiprogramm, 2010 auf dem Bundesparteitag beschlossen, wird das Bauerntum als unbedingt förderlich herausgestellt. Unter «Landwirtschaft und Naturschutz» heißt es: «Der deutsche Bauernstand ist von enormer wirtschaftlicher und auch kultureller Bedeutung und verdient daher den Schutz des Staates». Das Verbot gentechnisch veränderter Waren wird gefordert und gemahnt «Tiere sind keine Wegwerfware». Die Partei erklärt weiter, dass Tierversuche nur bei «äußerster Notwendigkeit» zulässig sein sollten und die Massen -tierhaltung grundsätzlich abzulehnen wäre. Die einzelnen Forderungen sind in die rechte Weltanschauung eingepasst. Im Programm wird einleitend betont: «Deutsche Landschaften sind Kulturlandschaften. Deshalb kann Umweltschutz grundsätzlich nicht getrennt von der kulturellen Entwicklung gesehen werden», und weiter: «Der Materialismus […] hat die Zerstörung der natürlichen Lebens -grundlage» vorangetrieben.

Das Programm spiegelt sich in der Politik wider. Im sächsischen Landtag sprach sich der NPD-Abgeordnete Winfried Petzold gegen die gemeinsame Agrarpolitik der EU aus. Sein Credo folgt fast wortgetreu der Idealisierung des «deutschen Bauern»: «Der deutsche Bauernstand […] ist immer noch von enormer wirtschaftlicher und auch kultureller Bedeutung und verdient daher den Schutz des Staates».

Im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns greift die NPD regelmäßig in die Debatte um genmanipuliertes Saatgut ein. Auffallend: In den Berichten des Parteiorgans Deutsche Stimme (DS) wird die Sorge um das deutsche Erbgut nicht wortwörtlich erwähnt. Oft heißt es nur: «Der Anbau gentechnisch veränderter Organismen stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Natur dar, der mit unübersehbaren Folgen für Mensch und Natur verbunden ist».

Lutz Giesen, NPD-Kader aus Mecklenburg-Vorpommern, betont in einem sehr langen Artikel in der DS auch nur, dass «die Auswirkungen» auf Mensch und Natur nicht absehbar seien. Etwas deutlicher führt er aus: «Gerade für Volkstreue steht aber nicht die Profitmaximierung im Mittelpunkt unseres Wollens, sondern der Nutzen für unser Volk».

Mit der moderaten Wortwahl scheint die politische Grundausrichtung bewusst verharmlost zu werden. Einschlägiger berichtet am 24. Mai 2011 allerdings der sächsische NPD-Fraktionsmitarbeiter Peter Schreiber über eine Debatte im Meißner Kreistag zu Gen-Maisanbau. Schreiber, selbst Kreistagsmitglied, wirft den dortigen Grünen vor, einen NPD-Antrag zum «Ausstieg aus der Agro-Gentechnik» abgelehnt zu haben. Die Grünen hatten Nein gesagt, erklärt der Grüne Kreisrat Volker Herold, weil der NPD-Antrag «voll mit nationalsozialistischer Ideologie war» und sie generell keinem Antrag dieser Partei zustimmen würden.

«Biologisch korrekt oder lieber politisch korrekt?», fragt Schreiber rhetorisch in dem Beitrag «Realpolitischer Heimatschutz statt pseudogrüner Öko-Folklore», der auf verschiedenen Szenewebsites gelesen werden kann.

Und er antwortet: «Das Beispiel im Kreistag Meißen zeigt, dass die […] GRÜNEN ihre Öko-Propaganda längst nur noch zur Bemäntelung ihrer wahren, gesellschaftspolitischen Zielsetzungen, etwa im Bereich der ‚Migrations-politik’ oder mit ihrem Eintreten für das ‚Gender-Mainstreaming’-Konzept […] einsetzen. Die Zerstörung der Familie, der Völker und einer von uns Nationalen als natürlich empfundenen Ordnung […] ist die wahre Aufgabe der ‚grünen’ Mogelpackung». Im Vorwurf des NPD-Kaders, der auch auf der Website von U&A veröffentlich ist, schwingt die enge Verzahnung der «natürlichen Ordnung» von Volk und Vaterland mit. Er ist auch nicht der erste, der Umweltschutz- und Einwanderungspolitik miteinander verbindet. Die NPD verschweigt nicht, wer diese Verbindung mit entwarf, Herbert Gruhl (1921 – 1993) und Baldur Springmann (1912 – 2003).

Braune Traditionen am konservativen Rand: die ÖDP

Im März 2011 erinnert Rolf Lehmann in der DS vor allem an Herbert Gruhl, Autor des Umweltbestsellers «Ein Planet wird geplündert» von 1975, Vorsitzender des Bundes für Natur- und Umweltschutz (BUND) und CDU-Bundestagsabgeordneter. Er behauptet, dass heute «niemand» mehr unter den Grünen ihre Namen kennen würde.

Bei der Gründung der Grünen als Partei, 1980, waren Herbert Gruhl und Baldur Springmann involviert, verließen sie aber später wegen ihres «linken Kurses», ein Prozess, der 1982 zur Gründung der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) durch Gruhl und Springmann führte. Nach der Gründung übernahm Gruhl den Vorsitz und Springmann wurde einer der stellvertretenden Vorsitzenden. Der Weggang von den Grünen ist für Lehmann der Beginn des Verlustes des ökologischen Parteiprofils. Das Grünen-Programm «wurde nun ein Warenhauskatalog vor allem aus egozentrischen Randgruppen-Interessen (Schwule, Lesben, Emanzen, Pädophile, Soziologen)».

Gruhl hingegen hätte die natürlichen Zusammenhänge von Mensch und Natur betont, nicht ohne zur «Multikultur» anzumerken, dass der Begriff ein Widerspruch sei. «Wenn viele Kulturen in einen Raum zusammengemixt würden», gibt Lehmann Gruhl wieder, würde «ein Gemisch» entstehen, «dessen Wert mit zunehmender Durchmischung sinkt». Grundsätzlich, so hebt er hervor, habe Gruhl das «Einwanderungsproblem immer als ein ökologisches Problem» verstanden.

«Auch für Nationaldemokraten ist das eine richtige und wichtige Erkenntnis», schreibt Lehmann. Mitnichten gibt er Gruhl, der auch das Bundesverdienstkreuz erhielt, bewusst verzerrt wieder. In der RTL-Plus-Show führte Gruhl am 14. April 1992 im Streitgespräch diese Sichtweise aus und antwortete weiter auf die Vorhaltung, ob das nicht die These des «unwerten Lebens» sei: «Das ist ein Gesetz der Entropie, das wir besonders in der Ökologie haben, und dieses Gesetz gilt auch für menschliche Kulturen.»

In der Herbert-Gruhl-Gesellschaft (HGG) wird bis heute sein Ansehen gepflegt. Bei der ÖDP wird ihr Gründer inzwischen differenzierter betrachtet. Kritisch steht die Partei auch zu früheren Beschlüssen. 1986 hatte die ÖDP ein Zehn-Punkte-Papier «Ökologisches Gleichgewicht und Bevölkerungsdichte» beschlossen. Unter Punkt Zwei wird Immigrationspolitik mit Ökologie eng verbunden: «Die Bundesrepublik gehört zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Erde und kann aus diesem Grunde mit Sicherheit kein Einwanderungsland sein. Störungen des ökologischen Gleichgewichts und die Zerstörung natürlicher Lebensräume gehen mit der Bevölkerungsdichte Hand in Hand. Der positive Effekt einer Entlastung der Bevölkerungsdichte durch Verminderung der Geburten darf aber auch nicht durch Zuwanderung von außen wieder beseitigt werden».

Trotz der Forderung der Geburtenkontrolle lehnte die ÖDP Abtreibungen ab. Ende der 1980er-Jahre warfen antifaschistische Initiativen der Partei vor, rechtslastig zu sein. In der ÖDP kam es – auch wegen dieser Vorhaltungen – zum Bruch zwischen Parteivorsitzender und Partei. Auf der Bundeswebsite räumt die ÖDP 2011 selbstkritisch ein: «Der Vorwurf der ‹Rechtslastigkeit› basierte auf der kategorischen Ablehnung der Abtreibung, tendenziell ausländerfeindlichen Aussagen in früheren Parteiprogrammen und der mangelnden Abgrenzung zu rechtsextremen Vereinigungen», und ihre Gründer hätten sich im Vorfeld des Parteitags 1989 «mit Leuten» eingelassen, «denen man völkisches Gedankengut unterstellen konnte».

Braune Akteure auf ökologischen Wegen in Mecklenburg-Vorpommern

Ein Sandweg führt zu der Schmiede. Lächelnd grüßt Jan Krauter vom Trecker. Drei Jungs spielen vor der Scheune, in der die Schmiede ist. «Gern zeige ich Ihnen die Schmiede», sagt er und öffnet die Scheune: Ein mit Naturmaterialien renovierter Raum, an dem eine Buchbinderei angeschlossen ist. Feine Schmiedekunst, Klingen, aber auch Kerzenständer, sind ausgestellt. Nachfragen zu den liebevoll verwendeten Naturmaterialien beantwortet er gerne. Auch zu den Schmiedekursen ist er sehr auskunftsfreudig. Über regionale Vernetzungen mag der jetzige Schmied und frühere Bankkaufmann allerdings weniger sagen. Mitte der 1990er-Jahre gehörte er zu jenen Rechtsgesinnten die sich offensichtlich im Geiste der Artamanen in der Region von Teterow und Güstrow in der Mecklenburgischen Schweiz ansiedelten.

Seit einigen Jahren versuchen unterschiedlich rechts-motivierte Familien im ländlichen Raum ein neues Leben im Einklang mit Natur und Heimat aufzubauen. In verschiedenen Bundesländern bemühen sie sich, in kleinen und größeren Siedlungsprojekten völkisch zu leben. Vor Ort, in Ost und West, bauen sie auch Netzwerke von ökologischen Unternehmen und biologischen Betrieben auf. Die politische Intention, zwischen ökologischer Landwirtschaft, biologi schem Handel und vermeintlich traditionellem Leben, wird selten offen erklärt.

«Nicht nur er streitet jede rechtspolitische Motivation ab», sagte Richard Scherer, vom Freundeskreis Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Güstrow, in Bezug auf Krauter der taz . Vor ein paar Jahren war nicht nur Scherer über die Siedler überrascht, die so gar nicht dem Klischee von Neonazis entsprechen. Gern zeigen sich diese Siedler, wie der Biobauer Helmut Ernst und der Händler von Öko-Baustoffen Huwald Fröhlich, nur als ökologisch bewusste Anwohner. In der neu-rechten Wochenzeitung Junge Freiheit wurden die drei Herren allerdings im Kontext der Artamanen vorgestellt und ihre Intention wohlwollend dargelegt.

Den theoretischen Kontext ihres Siedlungsgedankens offenbart Fröhlich auch in dem Band «Opposition für Deutschland», herausgegeben von dem früheren NPD-Funktionär und ehemaligen Waldorfschullehrer Andreas Molau: Die Bibel würde ein «orientalisches Naturerleben» wiedergeben, schreibt er, «für uns Deutsche» seien aber die «nordischen Überlieferungen eine wichtige Quelle zum Verständnis des Verhältnisses unserer Ahnen zu ihrer Umwelt». Christentum und Humanismus seien «ihrem Wesen nach widernatürlich».

Das Engagement jener Herren beschäftigt die Region bis heute. «Sehr», sagt eine Expertin der Arbeitsgemeinschaft Völkische Siedler. Die verstärkte Ansiedlung von völkisch Motivierten in Mecklenburg-Vorpommern führte zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft, in der Präventionsexperten der Regionalzentren für demokratische Kultur, des Vereins Soziale Bildung und der Opferberatung Lobbi e.V. zusammenarbeiten. Vor allem die Festigung und Verstetigung solcher Projekte beschäftigt die Arbeitsgemeinschaft. Sie beobachten auch den Zuzug von NPD-nahen Personen und Familien. «Uns scheint, dass die ‚Artamanen’ Freelancer waren, jetzt kommen Kader aus verschiedenen rechtextremen Strukturen», sagt die Expertin. Im Landkreis Güstrow leben alleine ein Dutzend «nationale Familien», zu denen etwa 60 Kinder gehören.

Auf dem Szeneportal «Mupinfo», das der NPD-Landesvize David Petereit verantwortet, findet sich in der Rubik «Hintergrund» ein Beitrag über die 1923 entstandene Artamanenbewegung. Unter dem Titel «Rückkehr» schreibt Stephan Jurisch nicht nur über die Geschichte dieser «alternativen Lebensgestaltung». Er betont, dass die Zukunft in «unumstößlichen kleinen Gemeinschaften der bäuerlichen Siedlung in Mitteldeutschland» läge: «Es sind nicht die Schlechtesten, die sich gegen die befremdende Zivilisation wehren».

Nicht erst zuziehen musste Tino Müller. In Ueckermünde ist der NPD-Landtagsabgeordnete groß geworden. Als «Ökotante» wird seine Frau Antje Müller im Wohnort Ferdinandshof eher wahrgenommen, denn als «Rechtsextreme». Die Mutter von zwei Söhnen interessiert sich auch sehr für Heidentum und Natur. Gern trägt sie Wollröcke und ihre Haare zu Zöpfen oder Kränzen geflochten. Im Kindergarten ihres jüngsten Kindes bot sie «alte Haushaltspraktiken» an. Ein Anzeigenblättchen berichtete über eine private Aktion der Frau beim Kornschroten und Brotbacken mit Kindern.

Die Entstehung einer braunen Ökobewegung?

Die braune Bio-Szene ist inzwischen gut vernetzt. Ein reger Internet-Handel, Seminarangebote oder Ferien auf dem Biohof gehören zum Angebot. Der Style der Autonomen Nationalisten passt nicht in das ökologische Bild. Aber die politische Vernetzung funktioniert dank eines völkischen Umweltverständnisses über Szenegrenzen hinweg.

Die Autonomen Nationalen Sozialisten Stormarn haben so auch weiter Natur- und Tierschutzthemen auf ihrer Website aufgegriffen. Auf der Straße verteilten sie jedoch bis Ende August 2011 keine weiteren Flugblätter gegen die Schweinemast. «Wir haben die Aktion natürlich wahrgenommen», sagt Frank Kieper, Sprecher der Bürgerinitiative «Keine Schweinemast in Köthel». Die Bürgerinitiative schaut auch nicht weg. «Wir beobachten das, weil wir mit denen nichts zu tun haben wollen» sagt Kieper und versichert, in der Bürgerinitiative sei von denen keiner. Dort, wo das Agieren der extremen Rechten nicht verschwiegen wird, fällt ihnen auch die Etablierung schwer. «Wir sind überparteilich und freuen uns über jede Unterstützung», sagt Kieper und betont erneut: «Diese Rechtsextremen sind aber mehr als unerwünscht».

Autor: Andreas Speit, Lizenz: CC“
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