Atomenergie Made in Niedersachsen: Uran aus Lingen für neuen Atomreaktor in Finnland

Uranhexafluorid Sattelzug der Bremer Spedition Kieserling am 23.01.12 bei der Ausfahrt am HHLA ContainerBurchardkai Hamburger Hafen - Der Sattelschlepper HB - UQ UF6_Transport_Hamburg_Hafen_20120123_02g
Atomtransport im Hamburger Hafen. Hier mit Uranhexafluorid. Neuerdings werden auch frische Brennelemente in Hamburg wieder umgeschlagen.

Die zum AREVA-Konzern gehörende Uranfabrik im niedersächsischen Lingen produziert und liefert die Brennelemente für den noch im Bau befindlichen neuen Atomreaktor im finnischen Olkiluoto. Damit sorgen deutsche Atomanlagen weiter dafür, dass Atomkraftwerke in aller Welt betrieben werden können. Soweit bekannt, sind frische Brennelemente zuletzt am 7. Februar von Lingen aus per LKW nach Hamburg transportiert und am Unikai auf ein Schiff Richtung Finnland verladen worden.

Die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen gehört wie die Urananreicherungsanlage in Gronau (NRW) zu den beiden Atomanlagen, die vom vermeintlichen Atomausstieg in keiner Weise betroffen sind. Ihr Betrieb ist bis heute nicht befristet worden.

Der Atomtransport von Lingen über Hamburg nach Finnland ist in einer Anfrage der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft gelistet.  Das Gewicht des spaltbaren Uranbrennstoffs betrug 25,96 Tonnen. Der letzte bekannte Atomtransport von Lingen nach Olkiluoto fand nach den Daten aus Hamburg am 19. März 2012 statt. Auch damals sind 25,96 Tonnen spaltbares Uran als Brennelemente per LKW und Schiffsumschlag im Hamburger Hafen nach Finnland gegangen.

Soweit anhand der Hamburger Daten (siehe unten) und denen vom BfS erkennbar, scheint es seit Anfang 2012 bislang nur diese beiden Transporte mit frischen Brennelementen nach Finnland gegeben zu haben. Dabei bestand im letzten Jahr eine Genehmigung mit der Nummer 7187  (für die Nuclear Cargo Servive, NCS) von insgesamt 15 Transporten für frische Brennelemente. Die Genehmigung war am 09.03.2012 erteilt worden und galt bis zum 01.09.2012. Auch das BfS nennt jedoch nur einen einzigen Transport im Rahmen dieser Genehmigung am 19.03.2012.

Unklar ist, warum in 2012 nur einer von den geplanten 15 Atomtransporten stattgefunden hat. Gründe könnten entweder Probleme bei der Herstellung der Brennelemente in Lingen sein oder aber die Verzögerungen beim Bau des Reaktors in Olkiluoto.

Der Umschlag frischer Uranbrennelemente im Hamburger Hafen ist in den letzten Jahren eher unüblich. Möglicherweise ist das eine Folge des Verbots von Atomtransporten durch Bremen. Bremen hat im Frühjahr 2012 seine beiden Häfen für derartige radioaktive Frachten gesperrt. Siehe dazu: Hansestadt Bremen lehnt Atomtransport-Anträge ab!

Auf der Seite der Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Strahlenschutz, ist heute (18. Februar) bislang keine Genehmigung für den Transport am 7.2. angeführt (Stand der Liste mit den gültigen Genehmigungen ist der 08.02.2012) Das BfS veröffentlicht vorliegende Genehmigungen (PDF) angeblich dann, wenn der erste Atomtransport im Rahmen der Genehmigung stattgefunden hat.

Rot-Grün in Niedersachsen will Sicherheit von Uranfabrik in Lingen prüfen

Ohne die Anlage in Lingen explizit zu nennen, hat die neue rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen mit Blick auf die Uranfabrik angekündigt: „Sicherheitsüberprüfung anderer Atomanlagen – Alle anderen niedersächsischen Atomanlagen einschließlich der atomaren Zwischenlager und Unternehmen, die radioaktive Stoffe bearbeiten oder entsorgen, werden gleichfalls einer Sicherheitsüberprüfung nach dem Stand von Wissenschaft und Technik unterzogen. Die Sicherheitsphilosophie der atomaren Zwischenlager ist grundsätzlich zu überdenken.“ Seite 88, Koalitionsvertrag als PDF)

Kleine Anfragen der Linken aus der Hamburgischen Bürgerschaft zu Atomtransporten im Jahr 2012 (alle PDF):

Atomtransporte-Hamburg-Drucksache 20-2843

Atomtransporte-Hamburg-Drucksache 20-3680

Atomtransporte-Hamburg-Drucksache 20-4783

Atomtransporte-Genehmigungen beim BFS mit Datum 08.02.2013

Zum Thema Atomtransporte siehe auch:

Atomtransporte in Hamburg – über 60 mal radioaktiv durch die Hansestadt

Atommüll unterwegs in Hamburg – 44 Atomtransporte seit Anfang August

Risiko Atomtransporte – Radioaktiv quer durch Städte und Häfen

Atomtransporte in Bremen und Gronau

Hansestadt Bremen lehnt Atomtransport-Anträge ab!

Uranfabrik Gronau – Atomtransporte per LKW unterwegs

Plutonium-Brennelemente – Alternativen zum Einsatz im Atomreaktor

 

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar verfassen