Damit das AKW Brokdorf abgeschaltet bleibt: Protest-Demonstration am 23. April

Möglicherweise am 22. April soll das AKW Brokdorf wieder ans Netz gehen, berichtet die SHZ. Seit Wochen ist es abgeschaltet, weil sich an einigen Brennstäben Roststellen über die zulässigen Grenzwerte hinaus gefunden haben und die Ursache dafür noch ungeklärt ist. Für den 23. April rufen Anti-Atom-Initiativen aus den Kreisen Steinburg, Pinneberg und Dithmarschen zu einer Protest- und Kulturmeile vor dem AKW Brokdorf auf. Abschalten, bevor es zu spät ist, fordern sie anlässlich des 31.  Jahrestages der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Am 7. Mai finden in Schleswig-Holstein Landtagswahlen statt.

Mit der Aktion wollen die Veranstalter nicht nur an die Opfer von Tschernobyl erinnern: „Sie wollen auch das Bewusstsein dafür wach halten, dass ein  jederzeit möglicher Kernschmelzunfall im AKW Brokdorf, dessen radioaktives Inventar ganz erheblich größer ist als das des AKW Tschernobyl, in Norddeutschland bis zu ca. 6 Millionen obdachlos machen könnte – so Berechnungen des Bundesamts für Strahlenschutz“, heißt es in einer Presseerklärung, die umweltFAIRaendern.de hier weiter dokumentiert:

„Dieses Risiko ist völlig unnötig; denn der Strom aus dem AKW Brokdorf wird nicht benötigt – so eine Information aus dem Energieministerium in Kiel. Das AKW wird auch nicht für die Netzstabilität gebraucht – so der Netzbetreiber Tennet. Bei der Herstellung dieses überflüssigen Produkts fallen jedes Jahr ca. zweieinhalb Castoren voll mit hochradioaktivem Atommüll an. Gering strahlender Atommüll soll in der Umgebung verteilt oder zu Kochtöpfen und anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs eingeschmolzen werden.

Erst jetzt, fast 16 Jahre nach dem terroristischen Flugzeugabsturz auf das World Trade Center in New York, ist bekannt geworden, dass AKWs teilevakuiert werden und Abfangjäger aufsteigen, um Flugzeuge, zu denen der Funkkontakt abgerissen ist, daran zu hindern, Atomkraftwerke anzugreifen. Aber der Öffentlichkeit wurde vorgegaukelt, dass dieses Szenario keine Gefahr für die AKW bedeutet. Das ist keine für das Funktionieren einer Demokratie erforderliche Transparenz: wir sind weit davon entfernt, als mündige Bürger*innen geachtet zu werden.

Bei dieser Sachlage ist es nicht akzeptabel, dass die Atomaufsichtsbehörde in Kiel noch immer nicht auf die bereits am 18.7.2016 begründete Klage von Anwohnern vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig reagiert hat, die u. a. mit dem herbeigeführten Flugzeugabsturz begründet wird. Den vorhergehenden Antrag auf Abschaltung des AKW Brokdorf hatte das Ministerium u. a. mit der Begründung “ … nach aktueller Erkenntnislage kann keine erhebliche Gefährdung … angenommen werden“ abgelehnt.

Im AKW Brokdorf wurden bei der letzten Revision Brennstäbe entdeckt, die eine mehr als doppelt so dicke Oxidschicht haben als gestattet. Dies führt zu einer Schwächung der Hüllrohre, so dass insbesondere bei Störfällen wesentlich mehr Nuklide freigesetzt werden können als bei Genehmigung angenommen. Die Entscheidung des Umweltministers ist also konsequent, das Wiederanfahren des AKW so lange zu untersagen, „bis es ausgeschlossen ist, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt.“ Indes, der geäußerten Vermutung, es handele sich um Wahlkampfgetöse, können wir uns nicht entziehen: Denn wer weiß heute schon, wer nach der Landtagswahl die Atomaufsicht leitet. Wir vermuten, dass der Betreiber viel früher von den Problemen im Reaktor wusste, aber sie nicht meldete und das AKW weiterlaufen ließ.

Es ist absehbar – der Termin wurde schon mehrmals verschoben – dass in den nächsten Jahren 7 Behälter mit hoch radioaktiven Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield ohne Öffentlichkeitsbeteiligung nach Brokdorf transportiert werden. Die Gemeinde Brokdorf hat sich dagegen ausgesprochen. Dadurch wird das radioaktive Inventar des Zwischenlagers erheblich erhöht.

Wir werben darum, dass wieder mehr Menschen erkennen, dass Politik und Gerichte nicht den Atomausstieg vollenden sondern der Widerstand der Betroffenen, die ihr Recht und das ihrer Kinder auf Leben und Gesundheit verteidigen und bewahren wollen.“

Ostermarsch Gronau: Auf die Straße für atomare Abrüstung und Atomausstieg – „Abschalten der Uranfabrik in Gronau heißt abrüsten“

Der Münsteraner Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) wird sich am kommenden Karfreitag am Ostermarsch in Gronau beteiligen. Der Sprecher für den Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE ruft alle Umwelt- und Friedensbewegten in der Region zur Teilnahme auf: „Die Atomanreicherungsanlage in Gronau muss endlich stillgelegt werden. Frieden und Atomenergie gehen nicht zusammen. Die sogenannte friedliche Nutzung der Atomkraft ist ein Mythos: Immer wieder wird die zivile Nutzung von Atomkraft dazu benutzt, die militärische Nutzung der Atomtechnologie voran zu treiben.“

Zdebel weiter: „Die Uranfabrik in Gronau ist vom Atomausstieg ausgenommen. Sie beliefert weiter Atomkraftwerke in der ganzen Welt mit angereichertem Uran und sorgt so weltweit für Atomgefahren. Auch der radioaktive Brennstoff für die maroden belgischen Meiler in Tihange und Doel ist ‚Made in Gronau‘. Radioaktive Wolken machen aber nicht an Grenzen halt. Ein Super-GAU in Tihange und Doel würde auch NRW treffen. Es ist makaber, dass die Bundesregierung weiterhin an den Ausfuhrgenehmigungen aus Gronau nach Tihange und Doel festhält.

Mit der Urananreicherungs-Technik der Gaszentrifugen, die in Gronau zum Einsatz kommt, könnte jederzeit auch atomwaffenfähiges Uran hergestellt werden. Die Urananreicherung der URENCO in Gronau ist somit der Schlüssel zur Atombombe. Abschalten heißt abrüsten. Grund genug also, gemeinsam in Gronau für das Ende dieser Atomanlage zu demonstrieren!“

Der Ostermarsch in Gronau startet am Karfreitag, den 14. April 2017 um 13 Uhr vor dem Bahnhof in Gronau.

Atommüll-Gefahren und Zukunft: Atommüllreport bekommt für radioaktive Jugend-Bildung Unterstützung

Wie werden Menschen in der Zukunft mit dem Atommüll umgehen? Was werden sie von den Gefahren noch wissen, wenn Atomkraftwerke längst Geschichte geworden sind? Eines der Projekte, mit denen Teile der Anti-Atom-Bewegung einen „Know-How-Abriss“ verhindern wollen, ist der Atommüllreport. Mit einer Sommerakademie (2.–6. August 2017, Wolfenbüttel) wendet sich dieses Projekt jetzt zum Thema „Atomares Erbe – Die „Herausforderungen für die nächste Generation““ an junge Leute, vor allem an Studierende. In Zusammenarbeit mit der BUND-Jugend bekommt der Atommüllreport nun Unterstützung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Mit insgesamt 110.000 Euro sollen in den nächsten zwei Jahren Jugend-Projekte und Bildungsmaterial unterstützt werden: „Mit dem neuen Projekt wollen wir darüber hinaus dazu beitragen, das gesammelte kritische Wissen über den Atommüll aktiv an die nächste Generation weiterzugeben“, sagt Ursula Schönberger vom „Trägerkreis Atommüllreport“. (Fotos: © Deutsche Bundesstiftung Umwelt)

Die Atommüllproblematik ist nicht nur eine hochriskante, sondern auch sehr komplizierte. Dabei geht es nicht nur um das neue Suchverfahren für ein unterirdisches Dauerlager für hochradioaktiven Atommüll. Immer mehr wird die Zwischenlagerung dieser Abfälle zum Risiko und auch bei dem vermeintlich harmloseren leicht- und mittelradioaktiven Müll sind die Probleme enorm. Von Rostfässern bis hin zur immer wieder verzögerten Inbetriebnahme des Schachts Konrad für diese Abfälle. All das über Atommüll in der Anti-Atom-Bewegung vorhandene Knowhow soll aufgearbeitet und für junge Menschen zugänglich gemacht werden, heißt es in einer PM der DBU anlässlich eines Treffens mit den Projektträgern am Schacht Konrad in Salzgitter, an dem auch der Bundestagsabgeordnete und Kuratoriumsmitglied Matthias Miersch teilnahm. Der stellte fest: „Die Atommülldebatte ist noch nie einfach gewesen“, sagt Dr. Matthias Miersch. Weiter sagte er: „Viele Generationen werden von diesem komplexen Thema noch betroffen sein. Daher ist es wichtig, das umfangreiche und über Jahrzehnte aufgebaute Wissen in der Zivilgesellschaft an die junge Generation weiterzugeben. Ein solcher Wissenstransfer trägt zu einer sachlichen und kompetenten Diskussion bei.“

Der Atommüllreport wird von zahlreichen Akteuren aus der Anti-Atom-Bewegung getragen und soll eher als wissenschaftliche Plattform atomkritisches Wissen zusammenführen und für die Zukunft verfügbar machen und halten. Ein äußerst ehrgeiziges Ziel. In der Selbstdarstellung auf der Homepage des Atommüllreports heißt es dazu: „Das Fachportal atommuellreport.de leistet einerseits einen Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung um einen verantwortbaren Umgang mit Atommüll. Andererseits soll es als langfristige Ressource das Wissen über den Atommüll über viele Jahrzehnte erhalten.“ Hervorgegangen ist der Atommüllreport aus den Aktivitäten der Atommüllkonferenz der Anti-Atom-Initiativen, die zweimal im Jahr tagt.

Ein Aspekt, der die Akteure beim Atommüllreport antreibt, ist, dieses atomkritische Wissen auch den nachfolgenden Generationen zu vermitteln und daher geht ein sehr gezielter Blick auf die junge Generation. In der DBU-PM ist zu lesen: „Es waren in der Vergangenheit oft die Anti-Atom-Bewegung und ihre Experten, die auf Sicherheitsprobleme beim Umgang mit dem Atommüll aufmerksam gemacht haben. Diesen kritischen Blick wird auch ein neues Suchverfahren dringend brauchen“, sagt Thorben Becker vom BUND. Doch Wissen alleine reicht nach Darstellung der Projektbeteiligten nicht aus, um zu gewährleisten, dass auch kommende Generationen fundierte, sachliche und wissensbasierte Diskussionen führen. Daher sei die BUNDjugend mit ihren 60.000 Mitgliedern mit ins Boot geholt worden.“

Dass das Atommüllthema vielen jungen Menschen durchaus im Bewusstsein, aber es dennoch kaum in der gesellschaftlichen Debatte ist, machte der Vertreter der BUND-Jugend deutlich: „„Jugendstudien und internationale Umfragen zeigen, dass ein Großteil der deutschen Schüler das Thema Atommüll gleichrangig neben den Umweltthemen Luftverschmutzung, Aussterben von Tieren und Pflanzen sowie Energieknappheit im Blick hat“, verdeutlicht Gert Sanders vom BUNDjugend Bundesverband. Das heiße aber nicht automatisch, dass Jugendliche sich für diese – ihnen wichtige – Themen engagierten. Junge Menschen seien vor allem mit persönlichen Zukunftsfragen beschäftigt. Ausschlaggebend für ein gemeinnütziges Engagement seien für Jugendliche aktive Mitgestaltungsmöglichkeiten.“

Auch über die Inhalte der Kooperation zwischen der DBU, dem Atomüllreport und der BUND-Jugend wird in der Pressemitteilung einiges gesagt: „In der bislang auf zwei Jahre vereinbarten Förderzeit steht einiges auf dem Plan: „BUNDjugend und der „Atommüllreport“ werden zusammen drei Themen-Workshops durchführen: In einem ersten stehen aktuelle technische Gegegebenheiten rund um Transport und Lagerung von Atommüll im Blickfeld. Ein zweiter Workshop hat die Geschichte des gesellschaftspolitischen Konflikts zum Inhalt. Und in einem dritten werden die Organisation von Beteiligungsprozessen und die Konzeption einer Beteiligungsbox, die gesammelte Materialen enthält, entwickelt. Für Schüler der achten Klassen werden zusammen mit Pädagogen Unterrichtseinheiten und Bildungsmaterialien zum Thema erarbeitet. Die BUNDjugend wird zusammen mit anderen Jugendorganisationen ein Netzwerk „Wissensmanagement zum Thema Atommüll und Beteiligung“ aufbauen. Außerdem gehe es bei dem Projekt darum, von Jugendlichen zu lernen, welche Kommunikationswege – wie etwa Facebook, Twitter und Co. – geeignet sind, um die zukünftigen Entscheidungsträger am ehesten für die Herausforderung zu gewinnen, die der Umgang mit dem Abfall der Atomenergie bedeutet.“

EU-Richtlinie, Atomgesetz-Novelle, Schacht Konrad: Mitspracherechte der Anrainerstaaten fehlen – Schacht Konrad braucht Alternativenvergleich

Gesetze zur Atomenergie im Wochenrhythmus: Gestern wurde das Atomgesetz zur Umsetzung einer EU-Richtlinie zum 15. Mal geändert. Mangelhaft das Ganze, stellte Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomenergie der Fraktion DIE LINKE gestern Abend im Plenum des Bundestages fest. Zu einem weiteren Antrag in der gleichen Debatte zum geplanten Atommülllager im Schacht Konrad stellte der Abgeordnete fest: Ohne ein vergleichendes Suchverfahren und entsprechende Sicherheitskriterien, wie es jetzt bei den hochradioaktiven Abfällen und Gorleben laufen solle, darf Konrad nicht in Betrieb gehen. Hier darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.

Die Richtlinie EU/Euratom-Richtlinie 2014/87 verfolgt Änderungen zu Sicherheitszielen, regelt den Austausch zwischen Atomaufsichten der EU-Staaten und schreibt minimale Informationspflichten für AKW-Betreiber und Behörden vor. Aus Sicht des Bundesumweltministeriums ist die Richtlinie ein Erfolg: „Deutschland konnte im Verhandlungsgang nahezu alle grundsätzlichen Forderungen zum Inhalt der Richtlinie durchsetzen.“

Ganz anders bewertet Hubertus Zdebel von der Bundestagsfraktion DIE LINKE die EU-Richtlinie. In seiner Rede kritisierte er: „Lediglich Informationen über Sicherheitsprobleme von Atomkraftwerken zwischen den EU-Staaten auszutauschen, wie jetzt vorgesehen, reicht bei weitem nicht aus; denn die wesentlichen Entscheidungen werden weiterhin durch die jeweilige nationale Behörde getroffen.“

Zdebel fordert zur Umsetzung der Atomgesetz-Änderung auf Basis der EU-Richtlinie: „Machen wir doch einmal den Realitätscheck, was das Ganze angeht. Von sichereren Reaktoren ist in der Wirklichkeit nichts zu spüren. Immer ältere Atommeiler sind am Netz. Sie werden unter immer abenteuerlicheren Bedingungen von der jeweiligen Atomaufsichtsbehörde gesundgebetet. Ein Blick über die Grenze nach Belgien genügt: Trotz aller toller EU-Richtlinien und deren jeweils nationaler Umsetzung bleiben selbst so marode Atommeiler wie die in Tihange und Doel in Betrieb. Gleichzeitig lässt es die Bundesregierung zu, dass Uranbrennstoff aus deutschen Fabriken in Gronau und Lingen in großem Stil für den Weiterbetrieb der Atommeiler in Belgien sorgen, und das, obwohl diese selbst aus Sicht des Bundesumweltministeriums dringend abgeschaltet gehören. Es ist eine überaus kuriose Sicherheit, die uns hier verkauft werden soll. Was hier erklärt wird, passt doch hinten und vorn nicht zusammen.“

Die gesamte Rede des MdB Hubertus Zdebel (DIE LINKE):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit der heute zu debattierenden Atomgesetzänderung will die Bundesregierung eine Euratom-Richtlinie in nationales Recht umsetzen. Dabei geht es, so der Anspruch, um die Verbesserung der Information der Öffentlichkeit, um die Verbesserung der Zusammenarbeit der Atomaufsichtsbehörden zwischen den EU-Staaten und um die Verbesserung der Sicherheit der in Europa und Deutschland noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke. Es sollen also alles Verbesserungen sein.

Machen wir doch einmal den Realitätscheck, was das Ganze angeht. Von sichereren Reaktoren ist in der Wirklichkeit nichts zu spüren. Immer ältere Atommeiler sind am Netz. Sie werden unter immer abenteuerlicheren Bedingungen von der jeweiligen Atomaufsichtsbehörde gesundgebetet. Ein Blick über die Grenze nach Belgien genügt: Trotz aller toller EU-Richtlinien und deren jeweils nationaler Umsetzung bleiben selbst so marode Atommeiler wie die in Tihange und Doel in Betrieb. Gleichzeitig lässt es die Bundesregierung zu, dass Uranbrennstoff aus deutschen Fabriken in Gronau und Lingen in großem Stil für den Weiterbetrieb der Atommeiler in Belgien sorgen, und das, obwohl diese selbst aus Sicht des Bundesumweltministeriums dringend abgeschaltet gehören. Es ist eine überaus kuriose Sicherheit, die uns hier verkauft werden soll. Was hier erklärt wird, passt doch hinten und vorn nicht zusammen.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Auch in Sachen verbesserter Informationspolitik gegenüber der Bevölkerung kann man nur den Kopf schütteln. Am 10. März – das ist gerade einmal drei Wochen her – blockierten Atomkraftgegnerinnen und -gegner das AKW Brokdorf. Während der laufenden Aktion wurden sie in Anwesenheit von Pressevertretern aufgefordert, ihre Aktion zu unterbrechen. Wäre das nicht passiert, hätte niemand in Deutschland je von dem Flugterroralarm „Renegade“ und von der teilweisen Evakuierung der Mitarbeiter in den Atomkraftwerken erfahren. Eine sofortige Information der Bevölkerung über solche Vorgänge ist nämlich nicht vorgesehen.

(Zuruf von Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin)

– Das haben Sie selber in der Antwort auf eine Anfrage gesagt, die ich letztens gestellt habe. – So weit zur Realität.

Das wird durch die Gesetzesnovelle nicht besser. Lediglich Informationen über Sicherheitsprobleme von Atomkraftwerken zwischen den EU-Staaten auszutauschen, wie jetzt vorgesehen, reicht bei weitem nicht aus; denn die wesentlichen Entscheidungen werden weiterhin durch die jeweilige nationale Behörde getroffen.

Die Bundesregierung hat es versäumt, mehr Mitspracherechte für die EU-Kommission und die betroffenen Anrainerstaaten einzufordern, um auf den weiteren Betrieb störanfälliger Atomkraftwerke wie in Tihange in Belgien unmittelbar einwirken zu können.

(Beifall bei der LINKEN)

Das ist nämlich nicht Bestandteil der Umsetzung der EU-Richtlinie.

Die radioaktiven Wolken machen nicht an Grenzen halt. Deswegen fordern wir Linken schon seit langem mehr Mitbestimmungsrechte für die betroffenen Staaten in den Grenzregionen.

(Beifall bei der LINKEN)

Wir fordern von der Bundesregierung jetzt ganz aktuell, im Zuge der anstehenden Brexit-Verhandlungen, bei denen es auch um den Euratom-Vertrag gehen wird, über gemeinsame Sicherheitsüberprüfungen sowie gemeinsame Entscheidungen der Behörden bei grenznahen Kraftwerken zu verhandeln. Setzen Sie das bitte durch!

(Beifall bei der LINKEN)

Ein Wort noch zum Grünenantrag zum Schacht Konrad, der hier auch zur Abstimmung steht, auf den ich aus Zeitgründen aber leider nicht lange eingehen kann. Natürlich kann eine Inbetriebnahme als Endlagerstandort für schwach- und mittelradioaktiven Müll nur auf Basis des aktuellen Standes von Wissenschaft und Technik erfolgen. Insofern folgen wir dem Grünenantrag. Aber auch beim Schacht Konrad – zumindest das will ich ansprechen – fehlt jeder Alternativenvergleich mit anderen Standorten, genauso wie er bei Gorleben fehlt und gefehlt hat. Deswegen fordern wir Linken: Ohne ein vergleichendes Suchverfahren und entsprechende Sicherheitskriterien, wie es jetzt bei den hochradioaktiven Abfällen laufen soll, darf Konrad nicht in Betrieb gehen. Hier darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.

(Beifall bei der LINKEN)

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit zu später Stunde.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Atomkonzerne – Tot gesagte leben wohl länger

Die Atomkonzerne RWE, E.on, Vattenfall und EnBW machen die atomare Schlussrechnung und sind zufrieden. Dank den Beschlüssen von Grünen, SPD und CDU/CSU werden sie von der Verantwortung für die Finanzierung der Atommüllkosten gegen eine Einmalzahlung befreit. Das verhagelt ihnen jetzt noch mal die Bilanzen. Aber die Talsohle sei nun erreicht oder gar durchschritten, so die Statements aus den Konzernzentralen in Essen, Düsseldorf und anderswo. Eben noch als Pleite-Unternehmen gehandelt, ist jetzt strategische Neuausrichtung angesagt. Die SteuerzahlerInnen übernehmen die Altlasten und das atomare Risiko.

Bei E.on und Co ist man zunehmend entspannt, nachdem Grüne, SPD und CDU/CSU im Bundestag den Weg für die Neuregelung der Atommüll-Entsorgung freigemacht und die Konzerne von der dauerhaften Verantwortung für den Atommüll befreit haben. Auch der von den Konzernen zusätzlich geforderte öffentlich-rechtliche Vertrag, mit dem das Gesetzespaket zusätzlich gegen spätere Änderungswünsche durch den Bundestag abgesichert werden soll, soll in trockenen Tüchern sein, wie es heißt. Dafür müssen die Atomkonzerne nicht mal alle Klagen gegen Deutschland in Sachen Atomenergie zurücknehmen. Etwas 11 Mrd. Euro könnten E.on und die anderen vom Steuerzahler zurückbekommen, sollten die Klagen gegen die Uranbrennelementesteuer und die Washingtoner Endschädigungsklage von Vattenfall erfolgreich verlaufen.

Einmalig müssen die Konzerne jetzt zum Sommer 2017 insgesamt knappe 24 Mrd. Euro in einen öffentlich-rechtlichen Fonds einzahlen. Danach sind sie von allen weiteren Kosten und Forderungen in Sachen Atommülllagerung befreit. Ein Schnäppchen und eine enorme Entlastung für die Unternehmen.

Noch vor wenigen Wochen hieß es im Bundestag: Die Konzerne könnten zusammenbrechen und deshalb müsse man sie jetzt aus der Kostenhaftung entlassen, sonst bliebe am Ende für die Steuerzahler gar nichts übrig.

Bei Johannes Teyssen, Vorstandschef bei E.on, klingt das ganz und gar nicht so. Zwar müssen auf das letzte Geschäftsjahr erneute hohe Schulden abgeschrieben werden. Aber die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitiert ihn am gestrigen Dienstag unter der Überschrift „Die Atomfolgekosten werfen Eon nicht um“ mit Blick auf das Kommende: „Mit dem neuen Geschäftsjahr wird Eon erstmals ein ,strunz normales‘ Unternehmen mit einer ,strunz normalen‘ Bilanz sein“ und die FAZ ergänzt: „Mit Blick auf die Bilanz schließt Teyssen weitere böse Überraschungen aus. „Da haben die Aktionäre nichts Weiteres mehr zu befürchten.“

Die Kosten und Risiken des atomaren Wahnsinns hätte man nun mit „gewaltigen Wertberichtigungen auf die Tochtergesellschaft Uniper, die das konventionelle Kraftwerksgeschäft und den globalen Energiehandel übernommen hat“, abgeschrieben. Teyssen spricht sogar davon, dass eine „berechtigte Chance auf eine Wertaufholung“ bestehe und höhere Erträge wieder möglich sind: „Ich sehe eher positive Tendenzen auf uns zukommen, negative kann ich mir kaum vorstellen“, versichert er. Die meisten Investoren sähen das offenbar genauso, meint Teyssen mit Blick auf die vor einigen Tagen erfolgreich abgeschlossene Kapitalerhöhung.“

Da redet keiner, der nicht eine Zukunft für seinen Laden sieht. Die FAZ schreibt weiter: „Insgesamt muss der Konzern im Sommer rund 10 Milliarden Euro für die Überweisung an den Nuklearfonds bereitstellen. „Wir haben einen zweistelligen Milliardenbetrag an liquiden Mitteln in der Bilanz und könnten das ganz theoretisch sogar weitgehend aus eigenen Mitteln bezahlen“, rückt Teyssen den Eindruck zurecht, dass Eon die Puste ausgehen könnte. Dennoch werde man zur Stärkung der Liquidität und zur Abdeckung von Rückzahlungen aktuell bestehender Anleihen nach achtjähriger Abstinenz in diesem Jahr voraussichtlich wieder den Anleihemarkt bemühen. „Nach aktueller Planung reden wir dabei über einen Gesamtbetrag von bis zu 3 Milliarden Euro“, sagt Teyssen, der mit einer großen Aufnahmebereitschaft für die Anleihen rechnet. „Wir würden sicherlich auf ein hohes Interesse des Kapitalmarkts stoßen“, ist er überzeugt. Die voraussichtlichen Zinsbelastungen sieht er je nach Laufzeit und Plazierungszeitpunkt gegenwärtig bei 0,5 bis 1,5 Prozent.“

Auch bei der fast schon tot gesagten RWE läuft es nach der Haftungsbefreiung wieder besser, auch wenn die atomare Schlussbilanz noch abgearbeitet werden muss. Probleme hat RWE zusätzlich noch durch den hohen Anteil Braunkohle. Insofern wird der laufende Umbau von RWE schwieriger im Vergleich zu E.on und bezahlen müssen das die beteiligten Kommunen und Städte, die auf ihre Dividende verzichten müssen oder nur in geringem Umfang erhalten.

Dennoch: Doch schon im Januar vermeldete das Unternehmen, dass es die Einzahlungen in den Atommüll-Fonds zum 1. Juli 2017 stemmen wird. Für das zurückliegende Geschäftsjahr wird auch RWE daher einen Verlust von rund sechs Mrd. Euro verbuchen, berichtet die Wirtschafts-Woche.

Im Februar berichtet der Tagesspiegel über RWE: „Die Neuregelung der kerntechnischen Entsorgung ist sinnvoll, bedeutet für RWE aber eine gewaltige finanzielle Kraftanstrengung“, erklärte RWE-Finanzvorstand Markus Krebber. Das Unternehmen wolle seinen fälligen Beitrag von 6,8 Milliarden Euro für den Atommüllfonds zum 1. Juli zu entrichten, um damit „aus der Haftung für vorwiegend politisch induzierte Risiken der Entsorgung entlassen zu werden“ und eine Zinsbelastung für ausstehende Zahlungen zu vermeiden.“ Aber auch bei RWE ist die Talsohle nun durchschritten: „Ungeachtet des Milliardenverlusts verwies RWE auch auf positive Aspekte in der Geschäftsentwicklung.“

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