Braune Geschichte: Bundesbehörde reagiert auf wachsenden Druck

Das „Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe“ (BGR) reagiert auf den wachsenden Druck über die bis heute nicht erfolgte Aufarbeitung ihrer Nazi-Geschichte. Auf ihrer Homepage hat die BGR auf der „Geschichts-Seite“ nun eine Ergänzung vorgenommen, in der die fehlende Aufarbeitung eingeräumt wird und nun von der großen Bedeutung einer solchen Aufarbeitung die Rede ist. Die Formulierung folgt der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE, siehe unten). Gleichzeitig hat die Bundesanstalt die Seite über die Präsidenten der BGR aus dem Netz genommen. Darunter waren mit Hans-Joachim Martini, Alfred Bentz und Gerhard Richter-Bernburg ehemalige Präsidenten, die als Geologen an der Kriegsführung in Nazi-Deutschland großen Anteil hatten. Darüber berichteten vor wenigen Tagen auch die Süddeutsche Zeitung und die Tagesschau.

Hubertus Zdebel: „Es ist gut, wenn nun endlich die braune Geschichte der BGR und ihrer Vorgängerorganisationen in den Focus gerät und eine Aufarbeitung in Gang kommt. Wie tief der Sumpf ist, zeigt ja die neue Untersuchung über die Nazi-Geschichte des Justizministeriums. Die Geologen in Nazi-Deutschland waren für die Kriegsführung von entscheidender Bedeutung. Wenn die BGR nun aber schamvoll die Seite mit der Auflistung der früheren Präsidenten einfach aus dem Netz nimmt, ist das mehr als peinlich. Auch hier wäre ein Hinweis, dass die Aussagen zu den Präsidenten mit Blick auf ihre Tätigkeit in Nazi-Deutschland und ihre Kriegs-Beteiligung noch aufgeklärt werden müssen, sinnvoller, aber vor allem angebracht gewesen.“

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Auszug: Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des MdB Hubertus Zdebel (Fraktion DIE LINKE) zur fehlenden Aufarbeitung der Nazi-Geschichte der BGR

In der Antwort auf die Kleine Anfrage Drs. 18/9732 von Zdebel teilt die Bundesregierung mit: „Die Fragen 25 und 26 werden aufgrund ihres Zusammenhangs gemeinsam wie folgt beantwortet: Die systematische geschichtliche Untersuchung und wissenschaftliche Aufarbeitung der 1958 gegründeten Bundesanstalt für Bodenforschung (BfB), die 1975 in Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) umbenannt wurde, und ihrer Vorläufereinrichtungen steht noch aus (siehe Antwort zu den Fragen 7 und 8, Abs. 2 in Bundestagsdrucksache 18/4238). Der Untersuchung kommt aus Sicht des BMWi sowie auch des BGR eine große Bedeutung zu. Auf Basis der Erfahrungen aus der  BMWi-Geschichtskommission wird das BMWi gemeinsam mit der BGR dazu weitere konkrete Schritte einleiten, um eine systematische, wissenschaftlich unabhängige Aufarbeitung bei der BGR durchzuführen. Die entsprechenden Gespräche dazu sind bereits in Vorbereitung.“

Zum Hintergrund auch:

Dokumente über den Ex-BGR-Präsidenten Dr. Hans-Joachim Martini und die Kriegsführung im Nationalsozialismus

Welche Rolle spielten führende Geologen und spätere Präsidenten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wie Alfred Bentz, Hans-Joachim Martini und Gerhard Richter-(Bernburg) in der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg? Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel legt jetzt in einem ersten Schritt mit Blick auf den ehemaligen Präsidenten der BGR, Hans-Joachim Martini, Original-Dokumente im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Geologe im „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ und in der 1939 gegründeten „Slowakischen Repulik“ vor. Diese zeigen, dass Martini 1937 in die NSDAP und 1942 in die SS  eingetreten ist und seine Tätigkeit bedeutsam für die Kriegsführung durch Nazi-Deutschland, vor allem auf dem Gebiet der Erlangung kriegsnotwendiger Rohstoffe, war. Einen Schaden nahm Martini im Nachkriegsdeutschland dadurch nicht. Von 1962 – 1969 war er Präsident der BGR. Noch heute ist er Namensgeber für eine Stiftung, die aufgrund von Medienberichten im Verdacht steht, dass Gutachten der BGR möglicherweise über die Hans-Joachim-Martini-Stiftung durch Gelder aus der Wirtschaft beeinflusst worden sind.

Siehe auch:

Dokument 1: Über Hans Martini und die Anregung durch den Reichwirtschaftsminister Keppler zur Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes Klasse 1
Das Dokument stammt aus dem Nationalarchiv in Prag. Hier als PDF

„Auf sämtlichen Gebieten hat Dr. Martini durch überdurchschnittliche Umsicht und Tatkraft zu Gunsten der Wehrwirtschaft und damit der Kriegsführung erhebliche Erfolge erzielt, sodass die Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes 1. Klasse gerechtfertigt erscheint.“ Das wird Hans-Joachim Martini im Sommer 1944 bescheinigt, nach dem der Präsident des Reichsamts für Bodenforschung, Staatssekretär W. Keppler in einem von seinem Stellvertreter Dr. Brockamp gezeichneten Brief vom 26. Juni 1944 die Anregung ausgesprochen hatte, „Herrn Dr. Martini für die Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes 1. Klasse vorzuschlagen“.  In dem Brief werden Martini „auf dem gesamten Gebiet der Bodenforschung  erhebliche Leistungen“ bescheinigt, die „der Wehrwirtschaft auf ihren vielseitigen Gebieten sehr zu Gute gekommen sind.“

Weiter heißt es in der Beurteilung über das Wirken von Dr. Martini in diesem Dokument:

„Dr. Martini ist Leiter des Referats Bodenforschung. In dieser Eigenschaft leitet er alle Arbeiten zur Erschliessung nutzbarer Lagerstätten im Protektorat (Böhmen). Durch Vereinbarung zwischen dem Deutschen Staatsministerium und dem Reichsamt für Bodenforschung sind ihm die gleichen Arbeiten für die Erz- und Minerallagerstätten der Slowakei übertragen worden. Darüber hinaus ist Dr. Martini bei allen Aufgaben im Rahmen des Programms zur bombensicheren Verlagerung kriegswichtiger Industrien, allen grundsätzlichen Arbeiten im Rahmen des Mineralölprogramms und des Manganprogramms, sowie bei dem Programm zur Aufrechterhaltung und Wiederingangsetzung von Mineralölverarbeitungsbetrieben massgeblich beteiligt. Ferner leitet er den Arbeitsausschuss für unterirdische Verlagerung des Luftwaffenausschusses und gehört ausserdem dem Arbeitsstäben des Moldauausschusses, des Beraunausschusses und der Sachverständnigenkommission für dne Bau und Betrieb des Oder – Donau – Kanals an.

Auf sämtlichen Gebieten hat Dr. Martini durch überdurchschnittliche Umsicht und Tatkraft zu Gunsten der Wehrwirtschaft und damit der Kriegsführung erhebliche Erfolge erzielt, sodass die Verleihung des Kriegsverdienstkrezes 1. Klasse gerechtfertigt erscheint.

Dokument 2: Über Dr. Hans-Joachim Martini in einem „politischen Gutachten“
Das Dokument stammt aus dem Nationalarchiv in Prag. Hier als PDF

Dr. Hans-Joachim Martini war Mitglied der NSDAP (Nr. 4669292 seit 1. Mai 1937) und seit 1942 Mitglied /Nr. 456753) der SS als Untersturmführer. Die Kreisleitung der NSDAP in Prag betont im Herbst 1944:

Herrr „Dr. Martini hat sich schon in seiner Jugend am völkischen Leben aktiv beteiligt. Er ist in politischer wie auch charakterlicher Hinsicht als einwandfrei anzusehen.“  Zum „politischen Verhalten“ in der Zeit vor 1938 heißt es in der Bewertung zu seiner Ernennung zum Regierungsgeologien: „1924 – 1929 Mitglied des jungdeutschen Ordens“. Sein „Verhalten zum Nationalsozialismus“ wäre „positiv“ und sein „Verhalten gegenüber Juden“ wird als „ablehnend“ beschrieben. (Quelle: (politisches Gutachten))

Dokument 3: Unterlagen über Dr. Martini bezüglich seiner Bewerbung um Aufnahme in die SS, darunter auch ein von Martini handschriftlich verfasster Lebenslauf. Unterlagen des Rasse- und Siedlungshauptamts (RuSHA) waren zwingend erforderlich, um Mitglied der SS zu werden. Das Dokument stammt aus dem Bundesarchiv. Hier als PDF

Beschönigender Nachruf

Im Oktober 1969 kam Dr. Hans Martini bei einem Autounfall ums Leben. Im folgenden wird aus einem Nachruf von Georg Richard Schultze zitiert, der hier online ist (PDF). In diesem Nachruf wird deutlich, wie sehr das Wirken von Martini und sein Anteil an der Kriegsführung von Nazi-Deutschland verharmlost bzw. verdrängt wird.

„Die weltweite Atmosphäre eines solchen Elternhauses mit gutbürgerlicher Tradition und die Umwelt des Heimatstädtchens an den sonnigen Hängen des Westharzes haben Martinis Charakter und Lebensweg unverkennbar geprägt: Frohe Lebensbejahung, gewinnende Konzilianz, klare Urteile und konsequente Entscheidungen kennzeichneten sein Wesen.“

„So wird Herr Martini in unserer Erinnerung weiterleben als das Vorbild eines liebenswerten Kollegen und geachteten Fachmannes, der eine unkomplizierte, edle Denkungsart mit erstaunlicher Schaffenskraft und wachem Gemeinschaftssinn in sich vereinigte.“

In dieser verblümten Sprache widmet sich Schultze auch der Zeit im Nationalsozialismus: 1940 wird dem  „zum Bezirksgeologen ernannten Herrn Martini wird die Leitung der Arbeitsstelle Prag des Reichsamtes für Bodenforschung und damit das Referat Bodenforschung beim Reichsprotektor in Böhmen und Mähren übertragen. Das entscheidende Wort bei der überaus geschickten Auswahl hat damals sicher Herr A. Bentz gesprochen, dessen glückliche Hand wir in den Abhandlungen der B. W. G. Bd. XVII (1965) auf S. 241ff. mehrfach hervorheben konnten. Jedenfalls ist es eine Bewährungsprobe großen Ausmaßes gewesen, daß es Herrn Martini gelungen ist, mit einem wissenschaftlich und praktisch eminent wichtigen Auftrag in einer politisch so fehlgeleiteten Umgebung die Anerkennung, das Vertrauen und sogar die Freundschaft seiner tschechischen Kollegen in einer dem „Großdeutschen Reiche“ feindlichen Atmosphäre zu erwerben. In den düsteren Tagen des Zusammenbruchs, wo niemand wissen konnte, wie es weitergehen würde, gibt es – zum Glück für ihn – ein Ziel: das heimatliche Bockenem, wo er Frau und Familie weiß.“

NEIN zu CETA in Hamburg und überall! Jetzt ist die SPD dran!

p1080913Die SPD sollte ein Problem haben, wenn sie am Montag über ihr Votum zu CETA befindet. Über 60.000 !! in Hamburg und weitere zigtausend in den sechs anderen Städten. Eine machtvolle Basisdemonstration gegen die Handelsverträge der Konzerne und einen ungerechten Welthandel.  Mit dabei auch der (Hamburger) BUND, der seit Monaten gemeinsamen mit vielen anderen Organisationen an diesem Aufstand gegen CETA mitgewirkt hat. Hier berichten NDR und Tagesschau. Die Homepage des Hamburger Bündnisses ist hier online. Mehr Fotos… „NEIN zu CETA in Hamburg und überall! Jetzt ist die SPD dran!“ weiterlesen

Wuppertal Institut feiert 25. Geburtstag: Die AG Umwelt der Bundestagsfraktion DIE LINKE gratuliert

Anlässlich des 25. Gründungsjahres vom Wuppertal Institut gratuliert die AG Umwelt, Energie und Bau der Bundestagsfraktion DIE LINKE. recht herzlich! Wir dokumentieren das Glückwunschschreiben: Lieber Prof. Dr. Uwe Schneidewind, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie feiert sein 25-jähriges Bestehen. Dazu wollen wir – die AG Umwelt, Energie, Bau der Bundestagsfraktion DIE LINKE. – Ihnen recht herzlich gratulieren.

Die wichtige Arbeit Ihres Forschungsinstituts mit seiner über die Jahre wachsenden Bedeutung und Strahlkraft verfolgen wir mit großem Interesse und tiefem Respekt. Herausragende Meilensteine der deutschen Öko-Forschung aus Ihrem Haus haben nicht nur unsere politische Arbeit maßgeblich mitgeprägt, sondern auch die vieler unserer aktiven und ehemaligen MitarbeiterInnen. So etwa die zum “Faktor Vier”, zur Berechnung des “Ökologischen Rucksacks”, zur erstmaligen Entwicklung von Leitbildern der Agenda 21 für mehr Effizienz und Suffizienz, zur Rolle Deutschlands und seiner Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung in einer globalen Weltwirtschaft oder die ungezählten Studien über Transformationswege hin zu einer dekarbonisierten, ressourcenschonenden und sozial gerechten Gesellschaft.

Als PolitikerInnen in den Bereichen Umwelt, Klima und Energie wissen wir um die Schwierigkeit, die oft komplexen Sachzusammenhänge und Wechselwirkungen in diesen Fachbereichen und mit anderen gesellschaftlichen Bereichen verständlich zu erklären. Deshalb schätzen wir auch Ihre besonderen Verdienste um die Popularisierung der oft nicht einfach zu vermittelnden Themen. Ebenso ist Ihr Institut bis heute ein idealer Ort für neue Ideen und Stätte des Lernens und Lehrens.

Für Ihr weiteres Schaffen wünschen wir Ihnen alles Gute und viel Erfolg!

Mit freundlichem Gruß,

die AG Umwelt, Energie, Bau der Bundestagsfraktion DIE LINKE.

 

UnterzeichnerInnen:

Caren Lay (stellvertretende Fraktionsvorsitzende und wohnungspolitische Sprecherin)

Eva Bulling-Schröter (klima- und energiepolitische Sprecherin)

Ralph Lenkert (umweltpolitischer Sprecher)

Birgit Menz (nachhaltigkeitspolitische Sprecherin)

Hubertus Zdebel (atompolitischer Sprecher)

Einladung Fachgespräch: Folgekosten der Atomenergie und Braunkohle

Initiiert von den Abgeordneten Eva Bulling-Schröter und Hubertus Zdebel lädt die Bundestagsfraktion DIE LINKE zum Fachgespräch über die „Sicherung der Finanzierung von Nachsorgepflichten im Atom- und Kohlebereich“. 

Das Fachgespräch findet am 30. September 2016 von 13 bis 17 Uhr im Bundestag (Paul-Löbe-Haus) statt. Wir freuen uns auf spannende Vorträge und Diskussionen u.a. mit Swantje Fiedler (Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft), Hartmut Gaßner (Kanzlei Gaßner, Groth, Siederer & Coll.), Stefanie Langkamp (Klima-Allianz), Tobias Münchmeyer (Greenpeace), Daniela Setton (IASS Potsdam) und Jochen Stay (.ausgestrahlt).

Wir würden uns sehr freuen, Sie vor Ort begrüßen zu dürfen. Zur Anmeldung füllen Sie bitte das angehängte Anmeldeformular aus und faxen/mailen es an uns zurück. Wir bitten um eine Rückmeldung bis spätestens 26. September 2016.

Mit freundlichen Grüßen

Eva Bulling-Schröter
MdB, Energie- und klimapolitische Sprecherin

Hubertus Zdebel
MdB, Sprecher für Atomausstieg

Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

www.linksfraktion.de

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