I did it – Keine EU-Subventionen für neue Atomkraftwerke! Online beschweren!

radioaktiv-03Die EU-Kommission will weiter staatliche Subventionen für den Neubau von Atomkraftwerken erlauben. Das hat die letzte Kommission auf ihrer letzten Sitzung mit Blick auf die Planungen für einen neuen Reaktor im britischen Hinkley Point beschlossen. Österreich und inzwischen auch Luxemburg (siehe Kurier) klagen gegen den Beschluss „Support SA.34947“ vom 8. Oktober 2014. Die Ökostrom-Rebellen der EWS Schönau haben eine Beschwerde an die Kommission verfasst und fordern die Rücknahme. Das Gute ist: Online können alle BürgerInnen der EU das ebenfalls unterstützen und die Initiative unterschreiben. Ich habe das grad getan. Jetzt seit ihr dran!

Österreichs Regierung informiert hier umfassend über die Kritik und Bedenken. (Den Link zur Klage finde ich grad nicht.)

Eigentlich gibt es da nichts zu zögern, aber für die innere Besinnung folgt gleich der EWS-Text, der die Beschwerde unterstützt  und der an die zuständige Generalsekretärin geht. Wichtiger Hintergrund der Kommissionsentscheidung ist übrigens der EURATOM-Vertrag, der bis heute die EU-Staaten zur Förderung der Atomenergie verpflichtet! Die Bundesregierung weigert sich seit Jahren, diesen Vertrag zu ändern oder zu kündigen.

Aktiv sind zu diesem Thema auch die Naturfreunde, die auf dieser Seite über den Euratom-Vertrag informieren, die Bundesregierung auffordern, gegen den EU-Kommissions-Beschluss zur Subventionierung von Hinkley Point vorzugehen und den Euratom-Vertrag endlich zu kündigen. In einer aktuellen Pressemitteilung unterstreicht Uwe Hiksch, Mitglied des Bundesvorstandes der NaturFreunde Deutschlands, diese Forderungen noch einmal: „Die Begründung der skandalösen Subventionierung des Neubaus des AKW Hinkley Point C mit dem Atomfördervertrag EURATOM macht deutlich, dass dieser Vertrag endlich verschwinden muss. Die NaturFreunde Deutschlands fordern die Bundesregierung auf, wirksame Schritte zu unternehmen, damit der EURATOM-Vertrag gekündigt wird.“

Die Beschwerde der EWS Schönau zum mitmachen:

Sehr geehrte Frau Generalsekretärin,

mit Ihrem Beschluss „Support SA.34947“ vom 8. Oktober 2014 hat die Europäische Kommission staatliche Beihilfen für ein neues Atomkraftwerk im englischen Hinkley Point genehmigt. Die britische Regierung sieht vor, der EDF-Betreibergesellschaft Bürgschaften in Höhe von über 21 Milliarden Euro für den Bau des Atomkraftwerks zuzusichern. Noch schwerer wiegt jedoch die garantierte Vergütung für diesen Atomstrom: Mit Beginn der Stromerzeugung wird der Garantiepreis bei rund 11 Cent pro Kilowattstunde liegen. Dieser soll über einen Zeitraum von 35 Jahren gewährt werden, dazu kommt noch ein jährlicher Inflationsausgleich. Nach Berechnungen der Financial Times wächst dadurch die Garantievergütung bis zum Ende des Förderzeitraums auf 35 Cent je Kilowattstunde an.

Nur durch diese Subventionen wird der Bau unrentabler Atomreaktoren möglich – auch 60 Jahre nach Beginn der zivilen Nutzung ist die Atomenergie immer noch unwirtschaftlich. Doch nicht nur die exorbitanten Kosten, auch die immensen Gefahren der Hochrisikotechnologie und die unlösbare Frage der Müllentsorgung werden auf die Bürgerinnen und Bürger abgewälzt. Zugleich werden durch diese Beihilfengewährung die Erneuerbaren Energien als klima- und verbraucherfreundliche Alternative massiv benachteiligt und ausgebremst.

Als Bürger/-in der Europäischen Union bin ich nicht bereit, diese Entscheidung zu akzeptieren. Daher schließe ich mich hiermit der Beschwerde der Elektrizitätswerke Schönau Vertriebs GmbH vom 28.11.2014 an und fordere Sie eindringlich auf, den Beschluss zum Support SA.34947 zurückzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Chance für Hamburger EnergieWende: Vattenfall bricht neugeordnet zusammen

HEW1Wir erleben live den Untergang eines Stromgiganten: In einem rasenden Tempo fällt der Vattenfall-Konzern auseinander. Bereits im April soll die gesamte Braunkohlesparte des schwedischen Staatskonzerns verkaufsfertig sein. Darüber berichten heute zahlreiche Medien, u.a. die Klimaretter. Zu diesem Datum wird der zusammenbrechende Konzern auch schon wieder eine neue Organisationsstruktur erhalten. Die erst vor kurzem eingeführte regionale Struktur wird angesichts fehlender Masse nun nach kurzer Zeit schon wieder über Bord geworfen. Jetzt will sich der Konzern entlang der verbliebenen „sechs Geschäftseinheiten Wärme, Windkraft, Kunden & Lösungen, Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb, Erzeugung und Handel & Märkte“ organisieren, teilt das Unternehmen zum Jahresbeginn mit. Definitiv wird am 1. April die Braunkohlesparte abgetrennt: „Die Braunkohle-Aktivitäten von Vattenfall Mining & Generation werden vor dem Hintergrund der geplanten neuen Eigentümerstruktur in einer separaten Einheit geführt.“ (Vattenfall PM, siehe unten in voller Länge)

„Bis zum Beginn des zweiten Jahresquartals will Vattenfall seine Braunkohlesparte in der Lausitz „verkaufsfähig“ machen, um von diesem Zeitpunkt an nach Interessenten zu suchen. Über den Zeitplan informierte Brandenburgs neuer Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD) am Mittwoch den Wirtschafts- und Energieausschuss des Landtages. Das bestätigte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums“, berichten die Klimaretter. Der Citi-Bank dürfte demnach ein entsprechender Auftrag vorliegen.

Die neue Struktur des Konzerns macht klar, dass Vattenfall vor allem im Bereich Windkraft und beim Stromverkauf (Sales) bzw. Stromhandel-Handel (Trading) und bei der Wärme noch im deutschen Geschäft bleiben will. Hier sind die letzten halbwegs umsatzstarken Bereiche des künftigen Sparten-Unternehmens. Mit dem bisherigen „integrierten“ Konzern hat das aber kaum noch was zu tun. In Hamburg hat Vattenfall bereits das Stromnetz nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ verloren, 2018/19 wird die Stadt Hamburg auch die Fernwärme übernehmen. Auch in Berlin droht trotz aller dortigen Pannen, dass Vattenfall an Bedeutung verlieren wird.

Wenn die Braunkohle verkauft ist, bleibt dem Konzern nicht mehr viel. In Moorburg steht  – eher ein Klotz am Bein, auch wenn Vattenfall damit ein wenig Geld verdienen wird – ein nagelneues Kohlekraftwerk, das in den nächsten Wochen in Betrieb gehen soll (und bereits Schuldabschreibungen von einer Milliarde Euro hinter sich hat). Krümmel und Brunsbüttel sind endgültig abgeschaltet und müssen demontiert werden. Mit 20 Prozent ist Vattenfall am AKW Brokdorf beteiligt, Abschaltetermin ist 2021. Auch aus der Müllverbrennung zieht sich Vattenfall zurück. Eine Anlage in Hamburg ist bereits verkauft, die zweite wird folgen. Ebenso in Ostdeutschland. Auch in Dänemark versucht der Konzern den Rückzug aus der Kohle und dem Müll.

Vattenfall als vermeintlicher Stromkonzern ist in Deutschland am Ende!

Hamburg muss handeln!

Hamburg sollte nun dringend schauen, wie es mit dem rasanten Zusammenbruch von Vattenfall umgeht. Direkt betroffen ist die Stadt bei der Fernwärme-Versorgung. Nicht nur bei der Fernwärme in Hamburg muss man die dringende Sorge haben, dass Vattenfall angesichts der Übernahme durch die Stadt alles Geld aus dem Laden ziehen wird, Investitionen wo immer möglich vermeidet und das Netz damit noch mehr am Rande des grad noch erträglichen fahren wird.

Aber es lohnt auch die Debatte, was aus der Restmasse Vattenfall möglicherweise noch für die HamburgerEnergieWende rausgeholt werden kann. Vor allem der Stromkundenbereich im Bereich von „Vattenfall Sales“. Vattenfall behauptet, bundesweit etwa 2,3 Millionen Stromkunden zu haben. Für Hamburg wäre daher eine Größenordnung von etwa 800.000 Kunden durchaus wahrscheinlich. Im Zuge der Rekommunalisierung der Energienetze erhöht sich vor allem auch aus der Fernwärme-Erzeugung die kommunale Stromproduktion. Mit Hamburg Energie steht grundsätzlich ein kundenorientiertes kommunales Unternehmen zur Verfügung, das bereits jetzt 100.000 Kunden im Bereich Strom und Gas hat.

Hamburg wäre jetzt vermutlich sehr gut beraten, zu prüfen, ob und wie eine schnellere Übernahme der Fernwärme machbar sein kann und möglicherweise auch andere zusammenbrechende Geschäftsfelder wie der Stromkundenbereich übernommen werden könnten. Für die Hamburger EnergieWende und den Umbau hin zu einer klimaverträglichen, dezentralen und erneuerbaren kommunalen Energieversorgung wäre der Untergang von Vattenfall möglicherweise eine große Chance.

Dokumentation: Pressemeldungen | 15-01-2015 | 11:00 AM

Vattenfall: Neue Organisationsstruktur zur Unterstützung der künftigen strategischen Ausrichtung

Vattenfall hat heute, dem 15.01.2015, seine neue Organisation und die oberste Führungsebene bekannt gegeben. Das sind wichtige Schritte zur Unterstützung der künftigen strategischen Ausrichtung.

Die vom 1. April 2015 an geltende Struktur ersetzt die derzeitige regionale Struktur. Die Neuorganisation ist Teil der Überarbeitung der Unternehmensstrategie, die vom neuen Managementteam Schritt für Schritt entschieden werden soll.

„Vattenfall agiert in einem sehr anspruchsvollen Markt, in dem Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit ein Muss für jeden erfolgreichen Teilnehmer sind. Um unsere Anstrengungen stärker konzentrieren zu können, müssen wir entscheiden, wie wir vorangehen. Zuerst legen wir die generelle strategische Ausrichtung fest, wobei einige Dinge für mich offenkundig sind: Wir müssen unsere Position als europäisches Unternehmen verteidigen, wir müssen unsere Kundenangebote hinsichtlich Nachhaltigkeit weiterentwickeln und wir werden ein Energieversorger sein, der sich auf emissionsfreie oder emissionseffizienten Lösungen konzentriert“, betont Magnus Hall, Präsident und CEO von Vattenfall AB.

Die Neuorganisation entspricht der grundlegenden strategischen Ausrichtung des Verwaltungsrats und ersetzt die derzeit bestehende Organisation in regionalen Einheiten. Vom 1. April 2015 an werden alle Aktivitäten in den sechs Geschäftseinheiten Wärme, Windkraft, Kunden & Lösungen, Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb, Erzeugung und Handel & Märkte organisiert.

„Die Organisation muss uns und unsere Aktivitäten bei den Herausforderungen im Markt unterstützen. Die Geschäftseinheiten bekommen die Möglichkeit, die Strategie zu verfeinern und sie in ihre Planungen und Aktivitäten zu integrieren. Der Schwerpunkt liegt dabei sowohl auf dem eigentlichen Geschäft als auch auf Synergien zwischen den Ländern“, so Magnus Hall weiter.

Die Neuorganisation sieht vier Stabsfunktionen vor: CFO und dessen Zuständigkeiten, Recht, Strategische Entwicklung und Personal. Die Braunkohle-Aktivitäten von Vattenfall Mining & Generation werden vor dem Hintergrund der geplanten neuen Eigentümerstruktur in einer separaten Einheit geführt.

Einhergehend mit der Neuorganisation wird ab 1. April die neue oberste Führungsebene die Organisation weiter gestalten und zugleich Kontinuität wahren. Eine wesentliche Aufgabe des künftigen Managements wird die Ausarbeitung der Strategie im Detail und ihre Anpassung an die jeweiligen Geschäftsaktivitäten sein. „Das neue Managementteam ist ausgesprochen vielfältig – sowohl hinsichtlich Nationalität und Geschlecht als auch in Bezug auf Persönlichkeiten und Erfahrungen. Es spiegelt unsere strategischen Möglichkeiten und unsere europäische Ausrichtung wider. Das Team vereint viele Eigenschaften und jeder von ihnen ist bereit, Vattenfall auf einen neuen Weg zu führen“, unterstreicht Magnus Hall.

Die neue oberste Führungsebene :

Magnus Hall, Präsident und CEO
Ingrid Bonde, Leiterin der Stabsfunktion Finanzen und stellvertretende CEO
Anne Gynnerstedt, Leiterin der Stabsfunktion Recht und CEO-Büro
Andreas Regnell, Leiter der Stabsfunktion Strategische Entwicklung
Kerstin Ahlfont, Leiterin der Stabsfunktion Personal
Tuomo Hatakka, Leiter der Geschäftseinheit Wärme, Bereich Mining & Generation
Annika Viklund, Leiterin der Geschäftseinheit Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb
Gunnar Groebler, Leiter der Geschäftseinheit Windkraft
Torbjörn Wahlborg, Leiter der Geschäftseinheit Erzeugung
Martijn Hagens, Leiter der Geschäftseinheit Kunden & Lösungen
Stefan Dohler, Leiter der Geschäftseinheit Handel & Märkte

Die Geschäftseinheiten ab 1. April:

Wärme: Als größter Wärmeproduzent Europas versorgen wir Kunden in Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Dänemark mit Fernwärme und erzeugen Strom in hocheffizienten Anlagen
Windkraft: Mit 1.000 Windturbinen in Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien ist Vattenfall einer der größten Entwickler von Offshore-Windanlagen in Europa.
Kunden & Lösungen: Mehr als 6 Mio. Stromkunden in Finnland, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Schweden. Vattenfall bietet verschiedene Kundenlösungen zur Steigerung der Nachhaltigkeit
Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb in Schweden und in Berlin
Erzeugung: Emissionsfreie Stromerzeugung mit Wasserkraft und Kernenergie
Handel & Märkte: Das Handelsgeschäft von Vattenfall deckt alle Rohstoffe im Bereich Energie ab und bietet umfangreiche Unterstützung im Großhandelsbereich für interne und externe Kunden

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:

Stefan Müller, Vattenfall GmbH, Head of Media Relations Germany, Telefon 030 8182 2320, Fax 030 8182 2315, stefan.mueller@vattenfall.de

Hamburger Energie Wende: Alternativen für Fernwärme-Werk Wedel

HEW1Die Umsetzung des Volksentscheids zur Rekommunalisierung der Energienetze bringt auch in der schwierigen Debatte um das marode Kohle-Heizkraftwerk in Wedel, mit dem ein Teil der Hamburger Fernwärme erzeugt wird, erste positive Entwicklungen. Ein Ersatz des alten Kraftwerks könnte einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz in Hamburg leisten. Ohne eine umfassende Prüfung von ökologisch sinnvollen Alternativen wollten Umweltbehörde und noch-Mehrheitseigentümer Vattenfall schlicht ein doppelt so großes Gaskraftwerk in Wedel errichten. Erst nach dem Volksentscheid hat im Sommer 2014 endlich die dringend erforderliche Alternativen-Prüfung begonnen. Dabei zeigt sich, es gibt gute Alternativen zum bisherigen Plan und als Standort kommt möglicherweise nicht nur Wedel in Betracht. Dies ist die Zwischenbilanz, die der BUND gemeinsam mit anderen Initiativen in einem Schreiben an die Hamburger Umweltbehörde darstellt.

Auf eine handliche Formel bringt die Mopo (tatsächlich!) die ganze Geschichte: „Endspurt für das veraltete Steinkohlekraftwerk in Wedel. In diesem Jahr müssen Stadt und Vattenfall eine Entscheidung für die Zukunft treffen. Die Möglichkeiten: Das Kraftwerk wird fit gemacht. Oder: Das geplante Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) wird gebaut. Oder: Es wird doch alles anders.“ Richtig, vermutlich wird alles anders:

Darin betont der BUND: „Wir möchten als positive Entwicklung hervorheben, dass es neben einem möglichen neuen GuD-Kraftwerk erstmals auch zwei weitere gutachterlich mindestens gleichwertige technische Alternativen gibt, nämlich „Gasmotoren-Kraftwerk an einem zentralen Standort“ und „Mehrere kleinere Gasmotoren-Kraftwerke an dezentralen Standorten“.

Der Brief an die Umweltbehörde hier als PDF, die umfangreiche Stellungnahme ist hier als PDF zum download.

Positiv hervorgehoben wird auch: „Weiterhin stellten die Gutachter erstmals in Aussicht, dass der Ersatzbedarf bei Optimierung des Fernwärmenetzes möglicherweise viel geringer ausfällt als 250 MW.“ Die Dimensionierung der erforderlichen Ersatzkapazität für die künftige Fernwärmeversorgung ist unter anderem auch umstritten, weil Vattenfall als Noch-Eigentümer zahlreiche Daten als „Betriebsgeheimnis“ behandelt, so dass wichtige Grundlagen in einigen Fragen nur schwer zu ermitteln sind.

Massive Kritik gibt es vor allem an den Bewertungskriterien, mit denen der Gutachter BET im Auftrag der Umweltbehörde die jeweiligen Alternativen einordnet. Das stellt der BUND in der knappen Formulierung „Unsere bereits früher geäußerte Kritik am Bewertungsverfahren der Varianten bleibt jedoch unverändert“ fest.

  • Über die Sitzung des Umweltausschusses mit den VertreterInnen der Volksentscheidsinitiative, einem Vertreter der Arbeitnehmer und aus der Wirtschaft berichtet auch das „bundesumweltportal“ in Form einer Grünen Presserklärung. Darin heißt es u.a.: „Der vom Büro BET geleitete Beteiligungsprozess hat ein wichtiges Ergebnis erbracht: Es gibt für die Fernwärme Lösungen, die hinsichtlich der Versorgungssicherheit mit einem Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) in Wedel mindestens gleichwertig sind. Der SPD-Senat hat sich von Anfang an ohne Alternativenprüfung auf das Großkraftwerk in Wedel festgelegt. Aber Rechthaberei allein ist kein energiepolitisches Konzept. Heute ist klar, dass Vattenfall dieses Kraftwerk längst nicht mehr bauen will, weil es im Strommarkt wirtschaftlich nicht bestehen könnte. Entsprechend dem Vertrag zwischen Senat und Vattenfall droht damit der Weiterbetrieb des jahrzehntealten Kohlekraftwerks. Das wäre das genaue Gegenteil von dem, was die Hamburgerinnen und Hamburger beim Volksentscheid beschlossen haben. Energieversorgung und Klimaschutz sind beim SPD-Senat nicht in guten Händen.““

Wie schwierig aber auch intensiv der Prozess ist, zeigen die Themen, die auf einem Treffen im Dezember auf die ToDo-Liste genommen wurden:

„Die abgestimmten Prüfungserweiterungen fassen wir wie folgt zusammen:

  • Suche und Eignungsprüfung dezentraler Standorte
  • Stellingen als zentraler alternativer Standort
  • Untersuchung (nicht jedoch als Investment), ob und wie die Netzstruktur durch stärkere Verbindungen zwischen dem Ost-, Mittel- und Westteil des Netzes optimiert werden kann
  • Darstellung, ob es zur Aufrechterhaltung der Netzhydraulik notwendig ist, im Westen
    Hamburgs ein Kraftwerk mit mindestens 250 MW am Netz zu haben
  • geänderte Einsatzreihenfolge der Heizkraftwerke
  • Berechnung eines Biomasse-Heizkraftwerks mit 30 MW Wärme und 18 MW Strom (KWK in kleiner Variante) als Modell (und nicht als zukünftige Größenordnung)“

Damit nicht genug. Zu weiteren Aspekten, die in der Debatte sind, erwarten BUND und Co noch Klarstellungen, dass diese in die Untersuchung aufgenommen werden:

„Folgende Fragen sind offen geblieben:

  • Die Folie zu den angedachten Standorten im Westen fehlte.
  • Warum wurde nur das KWK-Potenzial untersucht?
  • Nähere Aufschlüsselung der Aufwandspositionen für die Unterhaltung der
    Fernwärmetrasse
  • Die Darstellung der mathematischen Begründung der systemischen Methode sowie aller angewendeten Formeln
  • Welche konkreten Maßnahmen wurden von BET für die Variante „Ertüchtigung Wedel“ in die Berechnungen einbezogen?“

Hamburger Energie Wende und Ersatz-Fernwärme-Werk Wedel: Nicht ergebnisoffen – Bündnis kritisiert Umweltbehörde

HEW1Die Umsetzung der Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg ist auf dem Weg und vor allem zum verstärkten Klimaschutz ist eine der zentralen Aufgaben die Ablösung des alten Kohle-Heizkraftwerks in Wedel. Diese Anlage versorgt vor allem den Hamburger Westen mit Fernwärme. Streit gibt es um die Frage, mit welchen Alternativen das veraltete Kraftwerk ersetzt werden soll. Der Senat und Vattenfall favorisieren offenbar eine Modernisierung des Kraftwerks oder den Ersatz durch eine größere zentrale Anlage mit Gas-Betrieb. Nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – unser Netz“ ist aber für die Initiativen klar, dass es dezentraler Technologien bedarf und dabei Erneuerbare Energien zum Tragen kommen müssen. Das haben der BUND und andere Initiativen wie der Hamburger Energietisch heute bestärkt.

Die Presseerklärung (s.u.) steht im Zusammenhang mit einer detaillierten fachlichen Stellungnahme der Initiativen zur laufenden Debatte um die Alternativen, die heute der Umweltbehörde und dem für diese Untersuchung beauftragten Gutachter übergeben wurde. Darin werden nicht nur zahlreiche Vorschläge für das weitere Vorgehen gemacht, sondern auch als weiterer bzw. neuer Standort die Flächen in Stellingen genannt. Dort wird im kommenden Sommer die bisherige Müllverbrennungsanlage stillgelegt, nachdem die Stadt auch die ehemals von Vattenfall betriebene Müllverbrennungsanlage am Rugenberger Damm gekauft hat. Die Initiativen sehen in der Fläche in Stellingen erhebliche Kostenvorteile gegenüber dem bisherigen Standort Wedel.

„Ersatz Kraftwerk Wedel: Erste wichtige energiepolitische Entscheidung nach Volksentscheid Gutachterprozess in der entscheidenden Runde / BUND und weitere NGO mahnen zusätzliche Prüfungen an

Für 2015 wird die erste wichtige energiepolitische Investitionsentscheidung nach dem erfolgreichen Volksentscheid im September 2013 erwartet. Das alte Kohlekraftwerk am Standort Wedel zur Versorgung der Hamburger Fernwärme muss ersetzt werden. Ein Gutachterprozess, in der erstmals die besten technische und klimapolitische Alternativen geprüft werden, ist bereits zu einigen Zwischenergebnissen gekommen. Der BUND Hamburg und weitere beteiligte NGO fordern nun eine Erweiterung des Prüfauftrages.

„Es sind zwar mit diesem Gutachterprozess erstmals wichtige Daten und alternative Prüfansätze auf den Tisch gekommen – aber es wurde auch deutlich, dass die Stadt weiterhin an der ursprünglichen Planung eines Gaskraftwerkes am Standort Wedel festhält. Wir appellieren daher an die zuständige Fachbehörde, nicht im bloßen Akzeptanzmanagement zu verharren, sondern den Gutachterprozess wirklich ergebnisoffen zu gestalten“, so die Vertreter von BUND Hamburg, Hamburger Energietisch (HET) und KEBAP.

Die NGOs haben zudem ein aktuelles Zwischenergebnis des Gutachterprozesses dokumentiert und die aus ihrer Sicht wichtigsten Fragen, die noch nicht beantwortet worden sind, zusammengestellt. Dieses Schreiben ist heute an die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt geschickt worden. Positiv heben die NGOs hervor, dass bereits schon jetzt weitere technische Varianten als gleichrangig mit dem ursprünglich geplanten Gaskraftwerk bewertet werden. Diese Varianten beinhalten zum Beispiel ein modulares Gasmotorenkraftwerk an einem oder mehreren Standorten – ähnlich wie es jetzt in Kiel geplant wird.

Im Gutachterprozess sind allerdings wichtige Fragen zum tatsächlichen Wärmebedarf, zu alternativen Standorten (z. B. Stellingen), zu hydraulischen Umbauoptionen des vorhandenen Fernwärmenetzes und die Nutzung der Erneuerbarer Energien im Sinne des Volksentscheids offen geblieben.

„Wir gehen davon aus, dass sich die BSU der Beantwortung wichtiger Fragen nicht verstellt. Nur mit einer fundierten Grundlage kann eine belastbare Investitionsentscheidung in diesem Jahr getroffen werden. Und da die Stadt Hamburg spätestens 2019 die Fernwärme von Vattenfall übernimmt, wird sich die geforderte Sorgfalt sowohl betriebswirtschaftlich als auch klimapolitisch auszahlen“, so Manfred Braasch vom BUND Hamburg.“

Hamburger EnergieWende: „Auf dem Weg ins Erneuerbare Wilhelmsburg“

HEW1Wie geht die Hamburger EnergieWende (HEW)? In vielen kleinen Schritten, könnte man einfach behaupten. Einen solchen Schritt stellt vielleicht die Veranstaltung der IBA Hamburg GmbH dar, die am 26. Januar im IBA Dock stattfinden wird. Kurioserweise wird – kurz vor den anstehenden Bürgerschaftswahlen Mitte Februar – sogar die noch amtierende Umweltsenatorin Jutta Blankau an der Diskussion über „erfolgreichen Klimaschutz auf nationaler, regionaler und Quartiersebene“ teilnehmen.

Gleich um die Ecke von Wilhelmsburg geht dann ein anderer wichtiger Baustein für die Klimakatastrophe in Betrieb: Vattenfall will – so der Vorsatz – mit vielen Jahren Verspätung den ersten Block des 1.600 MW Kohlekraftwerks Moorburg in Betrieb nehmen. Eine sicherlich ärgerliche Kulisse, vor dem über Klimaschutz in Wilhelmsburg debattiert werden muss. Aber so ist Vattenfall eben.

Die Einladung der IBA als Dokumentation: „Im Jahr 2010 erschien der Energieatlas der IBA Hamburg. Vier Jahre lang wurde das darin entwickelte Klimaschutzkonzept Erneuerbares Wilhelmsburg im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg praktisch und mit viel positiver Resonanz umgesetzt. Mit Ende der Internationalen Bauausstellung stellt sich daher nun auch für das Klimaschutzkonzept die Frage, wie es weitergeht.

„Im Energieatlas – Werkbericht 1 ziehen wir aus den bisherigen Erfahrungen Bilanz und stellen die Umsetzung und Weiterentwicklung des Konzeptes in den Kontext aktueller Diskussionen zur Energiewende.

Zur Präsentation des Werkberichtes 1 möchten wir Sie nun herzlich einladen:

ENERGIEATLAS – WERKBERICHT 1
Auf dem Weg ins Erneuerbare Wilhelmsburg — Resultate und Ausblicke
26. Januar 2015 auf dem IBA DOCK, 13.00 Uhr Fachforum, 18.30 Uhr Buchpräsentation und Diskussion

Fachforum: Ab 13 Uhr werden im Rahmen einer Fachveranstaltung einige Aspekte des Werkberichtes genauer vorgestellt. Themen wie das Gebäude-Monitoring einzelner IBA-Projekte, Fragen der Sanierung, die Einbindung dezentraler Stromproduktion und die Erstellung einer Wärmestrategie für die Stadt Hamburg möchten wir mit Ihnen diskutieren. Das genaue Programm finden Sie laufend aktualisiert unter www.iba-hamburg.de/aktuelles.

Buchpräsentation und Diskussion: Ab 18.30 Uhr wird die Publikation feierlich präsentiert. Gemeinsam mit der Hamburger Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt Jutta Blankau diskutieren die Herausgeber Uli Hellweg (IBA Hamburg), Dr. Klaus Müschen (Umweltbundesamt) und Prof. Manfred Hegger (TU Darmstadt), wie erfolgreicher Klimaschutz auf nationaler, regionaler und Quartiersebene organisiert werden kann. Wer übernimmt die Verantwortung und steuert die Prozesse? Welche Folgen ergeben sich für die städtebaulich-architektonischen Planungen?

Anmeldung: Wir möchten Sie herzlich zu der Veranstaltung einladen und freuen uns über Ihre Anmeldung bis zum 20.1.2015 unter anmeldung@iba-hamburg.de. Bitte geben Sie im Falle Ihrer Anmeldung an, ob Sie an einem oder beiden Veranstaltungsteilen teilnehmen werden.

Veranstaltungsort: IBA DOCK, Am Zollhafen 12, 20539 Hamburg (Nähe S-Bahn Hamburg-Veddel)“

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