Scheitern als Erfolg: Vattenfall verkauft polnischen Stromvertrieb GZE

Erkärt Scheitern als Erfolg. Vattenfalls CEO Loseth. Foto: Vattenfall
Erklärt Scheitern als Erfolg. Vattenfalls CEO Loseth zum Ende des Polen-Geschäfts. Foto: Vattenfall

In einer Pressemitteilung berichtet Vattenfall über den Verkauf seines polnischen Stromvertriebs GZE an Tauron Polska Energia S.A.. Es ist schon kurios, wie Vattenfall diesen Verkauf noch „schön“ redet (siehe unten). Vattenfall musste bereits vor einigen Jahren feststellen, dass sein Expansionskurs rund um die Ostsee wirtschaftlich nicht funktionierte und zu Verlusten führte. Daher wurde bereits ab 2009/10 mit einem Rückzug aus einigen Ostseeländern begonnen, um sich – wie es damals hieß – auf das Kerngeschäft in Deutschland, den Niederlanden und natürlich Schweden zu konzentrieren. Inzwischen ist bekannt, dass Vattenfall derart schwer in die Krise geraten ist, dass selbst der Rückzug aus Deutschland und den Niederlanden auf der Tagesordnung steht. Das Scheitern u.a. in Polen wird jetzt sogar noch gefeiert.

Siehe dazu:

Hier die PM von Vattenfall in voller Länge:

„Transaktion erfolgreich abgeschlossen: Vattenfall hat den Verkauf seiner polnische Tochtergesellschaft Gornoslaski Zaklad Energetyczny (GZE), dem in Oberschlesien führenden Netzbetreiber und Unternehmen für Stromvertrieb und -verteilung, an den polnischen Energieversorger Tauron PE S.A. endgültig vollzogen.

Die Servicegesellschaft VBSP (Vattenfall Business Services Poland) ist ebenfalls Bestandteil des Verkaufs. Bereits am 23. August 2011 hatten sich die beiden Unternehmen über den Verkauf von GZE an Tauron geeinigt und für GZE einen Unternehmenswert von 3,5 Milliarden polnischen Zloty festgelegt. Der Eigenkapitalwert von GZE liegt zum Erwerbszeitpunkt bei rund 4,6 Milliarden Polnischen Zloty und wird in bar beglichen.

Der Verkauf ist ein wesentlicher Schritt noch in 2011 zur Umsetzung der neuen strategischen Ausrichtung von Vattenfall, die eine Konzentration auf die drei Kernmärkte Schweden, Deutschland und die Niederlande vorsieht. Die Transaktion steigert zudem die finanzielle Flexibilität des Unternehmens und trägt so zum Erreichen von Vattenfalls Ziel bei, in der Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung eine führende Rolle zu spielen.

Øystein Løseth, CEO von Vattenfall, erklärte anlässlich des Abschlusses der Transaktion: „Wir blicken auf eine sehr erfolgreiche Geschichte im polnischen Energiemarkt zurück und konnten unsere Aktivitäten in Polen in den vergangenen Jahren erfolgreich vorantreiben. Ich freue mich, dass wir nun starke neue Eigentümer gefunden haben, die bei der weiteren Entwicklung des polnischen Energiemarktes auf ein solides Fundament bauen können.“

+(Siehe oben, Øystein Løseth wird als CEO den Vattenfall Konzern verlassen. Vor wenigen Wochen hat er angekündigt, seinen Vertrag nicht zu verlängern, siehe: Vattenfall kopflos – die R… verlassen das sinkende Schiff)+

Die Vereinbarung mit Tauron umfasst die Vertriebs- und Verteilaktivitäten von GZE. Das Unternehmen mit Sitz in Gliwice ist in Oberschlesien aktiv, eine der am dichtesten besiedelten Industrieregionen im Süden Polens mit einer starken Energienachfrage. GZE liefert als Verteilnetzbetreiber ca. 10 Prozent des gesamten polnischen Stromverbrauchs. Das Versorgungsgebiet mit rund 4.200 Quadratkilometern und rund 1,1 Millionen Kunden umfasst nahezu die gesamte oberschlesische Region mit Versorgungsleitungen von insgesamt knapp 30.000 Kilometern. GZE war das erste Energieunternehmen in Polen, das die staatlich geforderte Entflechtung von Vertrieb und Verkauf erfolgreich umsetzte.

Vattenfall veröffentlicht die hier enthaltenen Informationen gemäß dem schwedischen Wertpapiermarktgesetz.“

Energiewende – Mitbestimmung: Enercon-Servicebeschäftigte haben ihre Betriebsräte gewählt

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Mehr Mitbestimmung beim Windanlagenbauer Enercon: Erstmals Betriebsräte gewählt. Foto: Dirk Seifert

Die IG Metall teilt heute in einer Pressemeldung mit: „Die Beschäftigten der neun Servicegesellschaften des Windkraftanlagenbauers Enercon haben erstmals in ihrer Geschichte Betriebsräte gewählt. Etwa 75 Prozent der rund 2200 Beschäftigten haben ihre Stimme abgegeben – und damit ein klares Votum für Demokratie in ihren Betrieben. 77 neugewählte Betriebsratsmitglieder nehmen nun ihre Arbeit auf.“ Weiter heißt es: „Die 2200 Beschäftigten der neun regionalen Servicegesellschaften des Windkraftanlagenherstellers Enercon haben Ende November erstmals Betriebsräte gewählt. Gut drei Viertel der Beschäftigten haben sich an der Wahl beteiligt. Viele Beschäftigte waren dazu hunderte Kilometer weit zu den Wahllokalen angereist.

77 neugewählte Betriebsratsmitglieder nehmen nun ihre Arbeit auf. Davon hatten 43 auf Listen der IG Metall kandidiert oder waren als gewerkschaftlich organisierte Kandidaten angetreten. Damit stellen die gewerkschaftlich orientierten Kollegen deutlich mehr als die Hälfte der neu gewählten Betriebsratsmitglieder bei den Servicegesellschaften des größten deutschen Windkraftanlagenbauers. Mit den Vertretern der anderen Listen wollen sie künftig eng zusammenarbeiten und sich gemeinsam für das Wohl der Beschäftigten einsetzen.

Gemeinsam Veränderungen gestalten – nicht gegeneinander

Die IG Metall hatte die Betriebsratswahlen Anfang September eingeleitet. In den Monaten davor hatten sich zahlreiche Enercon-Servicemitarbeiter mit dem Wunsch nach einem Betriebsrat an die Gewerkschaft gewandt. Für gesundheits- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen bei der oft harten Montagearbeit an den oft über hundert Meter hohen Windrädern. Für mehr Qualifizierung und eine faire Bezahlung. Und vor allem für mehr Wertschätzung im Unternehmen und Mitsprache auf Augenhöhe.
Mit diesen Themen sind die Kandidaten der IG Metall zur Wahl angetreten. In den kommenden Monaten wollen sie nun die Arbeit angehen und Veränderungen gestalten – nicht gegen das Unternehmen, wie sie stets betonen, sondern gemeinsam mit Enercon.

Im Vorfeld der Wahlen hatten Betriebsräte und ehrenamtliche Metaller aus anderen Betrieben die Enercon-Beschäftigten solidarisch unterstützt. Landtags- und Bundestagsabgeordnete sprachen sich in Videobotschaften für die Wahl von Betriebsräten aus. Die IG Metall hat die Wahlen mit zahlreichen Aktionen und Infoständen begleitet – und die gewählten Wahlvorstände bei der Vorbereitung der Wahlen fachlich unterstützt.

Der 1984 gegründete Enercon-Konzern ist Deutschlands größter Windkraftanlagenhersteller, mit rund 11.000 Arbeitnehmern in zahlreichen Tochtergesellschaften. Einen Betriebsrat hatten bis jetzt nur sehr wenige. Für die Beschäftigten in den Service-Töchtern war dies die erste Betriebsratswahl in ihrer Geschichte.“

Vattenfall: Verzweifelt gesucht – Lösungen aus der Krise.

Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter für Hamburg und Norddeutschland: Über Börsengände und andere Krisenbewältigungen. Foto: Vattenfall
Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter für Hamburg und Norddeutschland: Über Börsengänge und andere Krisenbewältigungen. Foto: Vattenfall

Vattenfall bleibt seiner Linie von Informations-Wirrwarr treu: „“Wir erwarten, dass Vattenfall im ersten Halbjahr an potenzielle Interessenten für sein Geschäft in Kontinentaleuropa und Großbritannien herantritt“, sagte ein mit Versorgerthemen befasster Banker. Zwei weitere mit der Sache vertraute Personen sagten, Vattenfall werde wohl erst die Wahlen in Schweden im September abwarten bevor man einen Verkauf starte.“ Das schreibt das Hamburger Abendblatt am 29. November 2013.  Die Meldung erscheint kurioserweise unter der Überschrift: „Vattenfall: Kein Verkauf von deutscher Sparte“. Denn: „Diesen Spekulationen widersprach Vattenfall am Donnerstag vehement. „Es gibt ein glasklares Dementi unseres schwedischen Eigners“, sagte Vattenfall-Sprecher Stefan Müller dem Abendblatt.“

Zuvor hatte Reuters laut Abendblatt berichtet: „Die Banken Citi und Rothschild hätten eine strategische Analyse zu dem Geschäft abgeschlossen und gingen ab Anfang nächsten Jahres auf die Suche nach Käufern, sagten zwei mit dem Vorgang Vertraute am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.“

Das Dementi von Vattenfall scheint aber nicht zutreffend, denn heute vermeldet wiederum das Abendblatt mit Bezug auf ein Interview mit dem Hamburger Vattenfall-Chef Pieter Wasmuth: „Nachdem der Mutterkonzern beschlossen hatte, sein deutsches, niederländisches und britisches Geschäft künftig als eigenständige Tochter zu führen, schließt Wasmuth auch einen Börsengang nicht aus. „Das ist eine Möglichkeit. Ein Börsengang heißt aber nicht, dass man zu 100 Prozent veräußert wird.“ Man öffne sich damit für weitere Kapitalgeber.“

Damit aber bestätigt Wasmuth zumindest indirekt genau das, was inzwischen immer wieder aus Bankenkreisen und aus dem Umfeld der Beschäftigten von Vattenfall zu hören ist und was zahlreiche Medien seit Monaten berichten (siehe unten).

Außerdem erklärt Wasmuth, dass man bei Vattenfall darüber diskutieren wolle, ob das Hamburger Geschäft künftig wieder unter dem alten Namen „HEW – Hamburgische Electricitäts Werke“ laufen solle. Aus HEW wurde Vattenfall und aus Vattenfall nun wieder HEW. Toll!

Die Hinweise, dass Vattenfall sein Deutschland-Geschäft bzw. seine Geschäfte in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden abstoßen will, mehren sich in den letzten Monaten. Auch von einem Börsengang ist immer wieder die Rede gewesen.

So hat erst jüngst der Brandenburgische Wirtschaftsminister nach einem Besuch bei der schwedischen Regierung (Eigentümer) und bei Vattenfall darüber informiert, dass es für die Braunkohle in der Lausitz einen neuen strategischen Partner geben wird. Verkäufe von Braunkohlekraftwerken stehen ebenso auf dem Plan, wie der Verkauf von Off-Shore-Windparks in England. Auch über einen Verkauf der 20 Prozent Anteile am AKW Brokdorf wurde bereits in den Medien berichtet. Siehe: Vattenfall steigt aus: Anteile am AKW Brokdorf sollen verkauft werden (E.on hält mit 80 Prozent die Mehrheit am AKW Brokdorf).

Im Zusammenhang mit dem Volksentscheid über die Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg, sagte Wasmuth dem Abendblatt auch: „Bisher beschäftigt Vattenfall rund 4000 Mitarbeiter in der Stadt. Deren Zahl könnte dramatisch sinken, falls der Versorger die Konzession verliert. Dann müsste der neue Konzessionär rund 800 Beschäftigte der Netzservice-Gesellschaft von Vattenfall übernehmen. Zudem müssten 120 Mitarbeiter zur Stadt wechseln, wenn diese das Netz von Vattenfall kauft.“

Zum Thema Arbeitsplätze und Vattenfall, siehe hier.

Außerdem –  Vattenfall in der Krise:

Kein Atomstrom: UNO und Weltbank fördern Ausbau erneuerbarer Energien für Entwicklungsländer

UNO und Weltbank: Elektrizifizierung von Entwicklungsländern ohne Atomstrom, aber mit Wind und Sonne. Foto: Dirk Seifert
UNO und Weltbank: Elektrifizierung von Entwicklungsländern ohne Atomstrom, aber mit Wind und Sonne. Foto: Dirk Seifert

Vor wenigen Tagen haben die UNO und die Weltbank angekündigt, ein Programm zur Elektrifizierung von Entwicklungsländern zu entwickeln. Atomenergie wird dabei keine Rolle spielen. «Wir machen nicht in Atomkraft», sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim am Mittwoch in New York. In einigen der ärmsten Länder haben gerade einmal zehn Prozent der Bevölkerung Zugang zu Strom.

Die Zeit und viele andere Zeitungen, u.a. die Aargauer Zeitung in der Nordschweiz, berichten zu diesem Vorhaben. Gemeinsam mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon stellte Jim Yong Kim zugleich ein Programm vor, mit dem alle Menschen auf der Welt bis 2030 Strom haben sollen. Kim zufolge sind 600 bis 800 Milliarden Dollar (440 bis 590 Milliarden Euro) jährlich notwendig, um das gesteckte Ziel bis 2030 zu erreichen.

Schwerpunkt der Elektrifizierung sollen vor allem „neue Energieformen“ sein, beispielsweise Windkraft und Sonnenenergie. Atomkraft dagegen sei in vielen Ländern „ein extrem sensibles politisches Thema“, sagte Kim. Auf dieses Eis wolle sich seine Institution nicht begeben. Die Weltbank arbeitet den Angaben zufolge derzeit an konkreten Elektrifizierungsplänen für 42 Staaten, die im Juni 2014 fertig sein sollen.

Vattenfall verkauft Energiewende: Englische Windparks werden abgestoßen

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Vattenfall verkauft Windanlagen in England. Foto: Dirk Seifert

Der angeschlagene Vattenfall-Konzern steigt Schritt für Schritt aus dem Kontinental-Geschäft in Europa aus (siehe unten). Jetzt sollen die Windkraftanlagen in England verkauft werden. Darüber berichtet die Lausitzer Rundschau. „Die Anlage Ormonde vor der englischen Westküste dürfte rund 400 bis 500 Millionen Pfund (umgerechnet 480 bis 600 Millionen Euro) einbringen, verlautete aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen in Stockholm.“ Der Verkauf soll im nächsten Jahr erfolgen.

Laut Interactive Investor hat Vattenfall Morgan Stanley mit den Verkaufsverhandlungen beauftragt. Vattenfall betreibt in England derzeit sechs große Windparks und hat dafür seit 2008 insgesamt rund 2,3 Milliarden Euro investiert.

Der Verkauf von Ormonde ist offenbar als erster Schritt geplant: „The first asset to come on the block is Vattenfall’s Project Ormonde, a 150 megawatt facility in the Irish Sea, the sources familiar with that transaction said. It could fetch around 400-500 million pounds ($650-$810 million), one of them said.“

Siehe auch:

 

 

 

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