Berlin. Der Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) hat heute mit einem 44 Meter langen Rotorblatt einer Windenergieanlage seine Position zur EEG-Debatte klargemacht. Das Rotorblatt wurde mit Hilfe eines Schwerlasttransporters am Samstagvormittag auf die Berliner Heinrich-von-Gagern-Straße gestellt. Die Straße befindet sich im Regierungsviertel zwischen Bundeskanzleramt und Bundestagsgebäude. Bereitgestellt wurde das Rotorblatt vom Vestas-Werk in Lauchhammer, von wo aus es bereits am Freitagabend nach Berlin Spandau gebracht wurde. Von dort ging der Transport am Samstagmorgen in die Berliner Innenstadt.
Dem Verband ging es bei der Aktion darum zu verdeutlichen, dass die Erhöhung der EEG-Umlage nur zu einem Teil auf den Ausbau Erneuerbarer Energien zurückzuführen ist. Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) haben ergeben, dass von der EEG-Umlage 2013 in Höhe von voraussichtlich 5,27 Cent die eigentlichen Förderkosten für Erneuerbare Energien gerade einmal 2,26 Cent ausmachen, darunter die Windenergie an Land sogar nur 0,21 Cent. Ein Viertel der EEG-Umlage 2013 ist auf die zunehmende Befreiung der energieintensiven Industrie zurückzuführen. Ein weiterer Faktor ist der sinkende Börsenstrompreis, von dem zwar auch die Industrie profitiert, der aber nicht an die Haushaltskunden weitergegeben wird. Im Gegenteil: Ein sinkender Börsenstrompreis, der maßgeblich durch die verstärkte Einspeisung Erneuerbaren Stroms entsteht und damit zu günstigen Preisen im Strommarkt führt, wird den Erneuerbaren nicht gut gerechnet, sondern der Umlage zugeschlagen.
Klar ist, dass auch die konventionellen Energien in den letzten Jahrzehnten umfangreich subventioniert wurden. Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) belegt, dass Kohle, Atom und Gas zwischen 1970 und 2012 mit 611 Milliarden Euro subventioniert wurden. Würde man diese Kosten ähnlich der EEG-Umlage auf den Strompreis umlegen, würden die Verbraucher für diese „Konventionelle-Energien-Umlage“ im Jahr 2012 10,2 Cent/kWh bezahlen. Es ist erstaunlich, dass die Politik dem Verbraucher gegenüber diese Kosten verschweigt.
„Mit unserer Aktion wollen wir die Verbraucher über diese Tatsachen aufklären. Sie soll auch ein Signal an die Politik sein, von der wir uns erhoffen, dass sie die tatsächlichen Kosten der Erneuerbaren Energien besser erklärt. Dazu kommt, dass in der öffentlichen Debatte die positiven Effekte der Erneuerbaren im Allgemeinen und der Windenergie im Besonderen nahezu komplett ausgeblendet werden“, betonte BWE-Präsident Hermann Albers bei seiner Rede auf der Aktion.
So etwa haben Erneuerbare im Jahr 2011 die Emission von 130 Millionen Tonnen Treibhausgas und damit auch Umweltschäden in Höhe von 10 Milliarden Euro vermieden. Allein auf den Strombereich entfielen dabei 86 Millionen Tonnen. Darüber hinaus wurde durch Erneuerbare in demselben Jahr der Import fossiler Brennstoffe in Höhe von 7,1 Milliarden Euro vermieden. Erneuerbare Energien sorgen für Arbeit. So arbeiten etwa im Windbereich heute bereits über 100.000 Menschen, Tendenz steigend. Studien gehen davon aus, dass 2020 bereits bis zu 160.000 Menschen in der Branche arbeiten werden.
„Subventionen für die Großindustrie dürfen nicht als Förderung für die Erneuerbaren getarnt werden“, forderte auch der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Dr. Aribert Peters, der ebenfalls auf der Veranstaltung sprach. „Wir brauchen die Erneuerbaren Energien, damit die Energiepreise langfristig bezahlbar bleiben“, so Peters weiter.
Thematisiert wurde auch, dass in dieser Woche vorgelegte Papier des Bundesumweltministers zum EEG. „Wir begrüßen, dass Peter Altmaier die Debatte wieder in einen geordneten Prozess und in einen Dialog zurückführen will. Daran werden wir uns beteiligen. Die vorgeschlagene Deckelung ist jedoch für die Windenergie ein völlig ungeeignetes Instrument, das der Realität bei Planung und Finanzierung von Windenergieprojekten nicht gerecht wird. Zwischen erster Planung und Umsetzung eines Projektes vergehen vier, fünf oder sogar mehr Jahre. Ein Unternehmen, das nicht weiß, ob bei Fertigstellung des Projektes überhaupt noch seine wirtschaftliche Grundlage gegeben ist, wird so ein Projekt nicht mehr entwickeln können“, erklärte BWE-Präsident Albers.
Erste Fotos der Aktion finden Sie in unserer Bildergalerie
Mit einem Schuss Sarkasmus ließe sich mit Blick auf die Geschäftspolitik von Vattenfall in Sachen Bürgerfreundlichkeit und Klimaschutz ein Lied anstimmen. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern….“ – oder doch?
Was viele in Hamburg nur am Rande wahrnehmen, weil es weit im tiefen Osten der Republik stattfindet: In der Lausitz pflügt der Stromkonzerne noch immer die Erde um, um an die dortige Braunkohle zu kommen.
Vattenfall: 80 Prozent Braunkohlestrom – Mehr CO2 geht fast nicht mehr!
Das dieser Konzern wie kein zweiter in Deutschland seinen Strom aus der besonders klima- und umweltschädlichen ostdeutschen Braunkohle herstellt, wird in Hamburg nicht gern erwähnt. Während in Deutschland insgesamt jede vierte Kilowattstunde aus Braunkohle stammt, also 25 Prozent der Stromerzeugung, erzeugt Vattenfall über 80 Prozent seines Stroms aus Braunkohle! Der Rest kommt aus Steinkohle und dem Atomkraftwerk Brokdorf!
Die Braunkohle wird großflächig im Tagebau gefördert: Dafür werden nicht nur Landschaften zerstört, sondern auch immer wieder ganze Dörfer abgebaggert, Menschen gegen ihren Willen umgesiedelt und wertvolle Naturschutzgebiete für immer zerstört. Vattenfall hat viel Erfahrung und Routine, um Menschen für seine Interessen notfalls auch zu vertreiben!
Anike Peters von Greenpeace berichtet in diesem Text über die Vattenfallpolitik in der ostdeutschen Lausitz (PDF) und seine Folgen (nicht nur) für die Dörfer und die Menschen: „Als Folge würden die Ortschaften Atterwasch, Grabko, Kerkwitz (Tagebau Jänschwalde-Nord) und Proschim (Tagebau Welzow-Süd II) sowie Teile weiterer Orte zerstört. Gewachsene Strukturen und alte Kultur, wie etwa die 1294 erbaute Dorfkirche von Atterwasch, würden ausradiert. Weitere 3.500 Menschen würden gegen ihren Willen umgesiedelt. “
Wenn sich dieser Konzern gesprächs- und dialogbereit zeigt, dann muss man wissen, wie das einzuschätzen ist: Es geht nicht darum, womöglich Einsicht zu zeigen, Renditeziele für den Klimaschutz vielleicht zu reduzieren und so zu anderen Konzepten für neue Anlagen zu kommen … Dialog heißt für Vattenfall am Ende, dass Bürger einfach nicht verstehen, wie gut es der Konzern meint und läßt Behörden und Gerichte entscheiden! Sofern sich die BürgerInnen die teuren und langwierigen Verfahren überhaupt leisten können.
Das weiß Vattenfall und darauf setzt das Unternehmen! Immer wieder bedeuten Klagen gegen Kohlekraftwerke und ähnliches selbst für die großen Umweltverbände ein enormes finanzielles Risiko, da die Kosten leicht in die hunderttausende Euro gehen. Für Vattenfall ist das die Portokasse, für Umweltorganisationen im Zweifelsfall das Ende!
Wenn Vattenfall für die Braunkohle ganze Dörfer abgräbt, dann ist das für den Konzern eine Sache von Entschädigungs-Verhandlungen, bei denen Vattenfall den Menschen für den Verlust von Heimat und Kultur möglichst wenig geben will. Und später rühmt sich Vattenfall dann auch noch, wenn sie zerstörte Naturschutzgebiete renaturieren und mit den Vorteilen für den Tourismus werben. (siehe auch hier: Lausitzer Braunkohle)
Und ohne jede Scham traut sich Vattenfall das dann auch noch als Teil der Energiewende zu verkaufen: Die Braunkohle, die drei mal so viel CO2 in die Umwelt pustet wie Erdgas, soll laut Vattenfall die Brücke für die Erneuerbaren Energien sein. Einfach ekelhaft, was sich die Werbeschwätzer bei Vattenfall ausdenken, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu verkaufen.
Diese Braunkohle-Wirklichkeiten sind in Hamburg nur wenig bekannt. Aber es ist gut zu wissen, mit welcher Konsequenz und Härte das Unternehmen bereit ist, seine wirtschaftlichen Interessen gegen betroffene Menschen durchzusetzen: Die Menschen in der Lausitz wissen das!
Klima- und Umweltschutz wie Vattenfall das versteht: Tagebau bei Cottbus. Foto: Dirk Seifert
Dass sich Vattenfall als freundlicher Partner für Hamburg anbiedert und dabei seit kurzem sogar noch vom SPD-Senat in Hamburg mit einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent an den Strom- und Fernwärmenetzen unterstützt wird, ist vor diesem Hintergrund kaum zu glauben. Doch Lobbyarbeit und eine geschickte Personalpolitik gepaart mit viel Macht hilft, den Einfluss bei den „Entscheidern“ dort oben zu sichern! Da werden Transparenz und Beteiligung eher langweilig und anstrengend.
Dennoch: Die Zahl der Konflikte, die die wirtschaftlichen Interessen von Vattenfall hervorrufen, mehren sich. Überall wo Vattenfall auftaucht gibt es in und um Hamburg Ärger.
In der Umgebung des stillgelegten Pannenmeilers Krümmel in Geesthacht klagt Vattenfall vor dem Bundesverfassungsgericht auf Schadensersatz und verrät nicht, wie der Reaktor nun weiter stillgelegt werden soll. Der Bau des 1.600 MW Klimakiller Kraftwerks in Moorburg hatte zahllose Konflikte und Demonstrationen zur Folge, die damit verbundene Moorburg-Fernwärmetrasse konnte nach heftigen Protesten schließlich gerichtlich gestoppt werden.
Nicht einmal mehr an den Lesetagen, mit denen sich Vattenfall mit einem ordentlichen Schuss Greenwashing zum Kulturagenten aufspielt, kann sich das Unternehmen erfreuen, weil es immer mehr Proteste auslöst: Im letzten Jahre gaben die Lesetage ohne Atomstrom mit so vielen Prominenten im Angebot Contra, dass die Vattenfall-Autoren in den Medien kaum noch auftauchten und selbst der NDR musste seine Medienpartnerschaft einstellen. Auch die „Lesetage selber machen„, die mit einer Vielzahl eher kleinerer Veranstaltungen grasswurzelartig dagegen halten sorgen dafür, dass Vattenfall immer schlechter dasteht.
Und schließlich könnte Vattenfall und der Atomkonzern E.on mit den nächsten Bundestagswahlen Hamburg gar ganz verlieren. Dann nämlich wird im Hamburg per Volksentscheid darüber abgestimmt, dass diese beiden Konzerne nicht länger für die Strom-, Fernwärme- und Gasnetze zuständig sind – sondern ein vollständig öffentliches Unternehmen. Das soll dann nicht Wirtschaftsinteressen und maximale Gewinne fördern, sondern Klimaschutz und Energiewende.
… schreibt die Lausitzer Rundschau: „Die Nacht der kreativen Köpfe ist zu einer festen Institution in Cottbus geworden. In diesem Jahr können Besucher am 13. Oktober unter Hunderten Angeboten an 20 Veranstaltungsorten wählen.
Puh, da haben wir noch mal Glück gehabt! Die Denken Gott sei Dank nur eine Nacht lang nach. Nicht auszudenken, was dabei rauskommen würde, wenn die auch noch die anderen 364 Nächte oder gar Tage nachdenken würden.
Und die haben offenbar einen Spezialisten: „Jens Seiler – „Jens der Denker“ genannt – gibt seine Methoden weiter.“ Vorsicht, wenn sie am 13. Oktober in der Nähe von Cottbus sind!
Bei Vattenfall ist alles Energiewende und Klimschutz: noch mehr Braunkohle hilft dabei! Foto: Dirk Seifert
Vattenfall ist weiter auf Kurs Klimakatastrophe. Heute ging ein neuer klimaschädlicher Block eines Braunkohlekraftwerk am ostdeutschen Standort in Boxberg offiziell in Betrieb. In die Anlage mit 675 Megawatt wurden rund eine Milliarde Euro investiert, wie der Energiekonzern Vattenfall am Donnerstag in Boxberg mitteilte.
Die Welt berichtet in ihrer Ausgabe: „Der neue Block R ist laut Vattenfall auf dem „besten derzeit möglichen technischen Stand“, was zum Klimaschutz beitrage. Mit einem Wirkungsgrad von mehr als 43 Prozent werde das neue Kraftwerk etwa 20 Prozent weniger CO2 ausstoßen als ältere Braunkohlekraftwerke, hieß es.“ Tolle Sache, Vattenfall. Nur, habt ihr auch irgendwelche älteren Braunkohlekraftwerke abgeschaltet? Nein? Ähem, ist weniger dann nicht eher mehr?
Die besonders klimaschädliche Braunkohle trägt bei euch zum Klimaschutz bei. Das schaffen wirklich nur wenige!
Und natürlich darf auch die Energiewende nicht fehlen: „Vattenfall selbst nennt den neuen Kraftwerksblock einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Mit dem Atomausstieg verbleibe in Deutschland allein die Braunkohle als günstige, zuverlässige Energiequelle, sagte Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka.“
Offenbar ist überhaupt alles was Vattenfall macht gut für das Klima, für die Energiewende und für was nicht noch alles? Nur komisch, dass sich immer alle darüber aufregen, wie z.B. in Hamburg mit dem Bau eines unbedingt auch für die Energiewende und den Klimaschutz wichtigen neuen Mega-Kraftwerks. In diese Energiewende von Vattenfall passt auch das im Bau befindliche neue 1.600 Megawatt Kohlekraftwerk in Moorburg, dass 2014 voll für den Klimaschutz in Hamburg ans Netz gehen soll.
Klimaschutz bei Vattenfall! 80 Prozent der Stomerzeugung stammen aus der besonders klima- und umweltschädlichen Braunkohle. Klimaschutz kennt Vattenfall in Wirtschafts-Daten übersetzt nur als PR. Foto: Dirk Seifert
Am Standort Wedel soll ein altes kohlebefeuertes Heizkraftwerk durch ein neues gasbefeuertes GuD-Kraftwerk ersetzt werden. Antragsteller sind Vattenfall und die Stadt Hamburg. Doch mehr als 1.200 Einwendungen wurden erhoben. Von Menschen und Organisationen, die sagen: JA, zur Energiewende, aber nein zu den Planungen von Vattenfall und Hamburg. Das hat mit fehlender Beteiligung und fehlender Transparenz zu tun, aber auch mit Belastungen, die aus der besonderen Nähe des Kraftwerks zu einem Wohngebiet resultieren. Die aber auch damit zu tun haben, dass ein eher kleines altes Kraftwerk durch ein neues enorm großes Kraftwerk ersetzt werden soll.
Es gibt massive Zweifel, ob die Vattenfall-Planungen für das neue Kraftwerk tatsächlich was mit Energiewende und Klimaschutz zu tun haben. Denn auffällig ist: Zwar behaupten Vattenfall und Stadt Hamburg, dass das vermeintliche „Innovationskraftwerk“ einen mächtigen Schritt nach vorn bedeutet, aber konkret fehlt jede klare und belastbare Aussage, z.B. was die CO2-Emissionen betrifft.
Die Strategie von Vattenfall und Co ist offenkundig: Weil Gas und GuD-Kraftwerke als besonders ökologisch gelten, muss das neue Kraftwerk für die Energiewende und den Klimaschutz taugen! Immerhin wird ja ein Kohle-Heizkraftwerk ersetzt.
Für das Folgende gilt: Vattenfall und die Stadt Hamburg verweigern bis heute konkrete Daten, mit denen verlässliche Aussagen über die CO2-Belastungen durch das neue gegenüber dem alten Kraftwerk möglich sind. Daher können nur Spekulationen angestellt werden, um verständlich zu machen, warum das neue Kraftwerk gegenüber dem alten gar keine Verbesserung darstellen muss – auch wenn Gas durch Kohle ersetzt wird. Auf die Größe einerseits und die Betriebsweise andererseits kommt es an – über letzteres aber schweigt in bekannter Manier der Konzern Vattenfall und die Stadt Hamburg – Betriebsgeheimnis nennt man das!
Spekulationen über CO2-Emissionen und Klimaschutz des geplanten Kraftwerks
Allgemein gilt die Faustformel, dass Gas nur etwa die Hälfte der CO2-Emissionen gegenüber der Kohleverbrennung zur Folge hat. Auf dieser Faustformel beruht offenbar bei vielen derzeit die Annahme, dass das neue GuD-Wedel also in jedem Fall besser für den Klimaschutz ist als das bisherige Kraftwerk mit Kohlefeuerung. Aber: So richtig die Faustformel ist, so wenig hat das mit der konkreten Wirklichkeit zu tun.
Denn einerseits kommt es darauf an, wie die Leistungsdaten des neuen Kraftwerks sich gegenüber dem alten Kraftwerk verändern. Und genauso wichtig ist es andererseits, wie das neue Kraftwerk im Vergleich zum alten Kraftwerk konkret „gefahren“ wird! Erst wenn beides bekannt ist, können Aussagen über die tatsächlichen CO2-Emissionen gemacht werden. Richtig ist nur – auch eine Faustformel – es ist besser Kraftwerke mit Gasfeuerung zu bauen, als Kraftwerke mit Kohlefeuerung. Trotz dieser Faustformel ist aber auch richtig: Ein Kraftwerk mit 200 MW auf Gasbasis hat so in etwa die gleichen CO2-Emissionen wie ein Kohlekraftwerk mit 100 MW – für den Klimaschutz wäre das ein Nullsummenspiel!
Wie die Betriebsweise des neuen – größeren – GuD-Kraftwerks konkret sein wird, ist also entscheidend, um beurteilen zu können, wie die CO2-Emissionen tatsächlich sein könnten.
Würden wir es uns so einfach machen wie Vattenfall und Mitbetreiber Stadt Hamburg, dann könnten wir nun einfach sagen: Da das alte kohlebefeuerte Kraftwerk Wedel durch ein bis zu doppelt so großes gasbetriebenes Kraftwerk ersetzt werden soll, gibt es gar keine CO2-Einsparungen bzw. das neue Kraftwerk könnte sogar noch mehr CO2-Emissionen zur Folge haben.
Richtig an dieser Betrachtung wäre: Je mehr das neue Kraftwerk in der Größe/Leistung gegenüber dem alten Kraftwerk nach oben abweicht, desto kleiner dürften die potentiell möglichen CO2-Einsparungen beim Wechsel von Kohle- auf Gasbefeuerung werden!
Doch Faustformeln helfen dem Klima nicht wirklich! Deshalb bleibt auch hier nur die Forderung an Vattenfall und den Senat: Die Fakten müssen auf den Tisch, Gutachten geöffnet werden! Ein Moratorium ist unerläßlich!
Vattenfall hat öffentlich gesagt, dass es mit dem neuen Kraftwerk „rund um die Uhr über das ganze Jahr“ Strom erzeugen will. Doch mit solchen Statements lässt sich über die CO2-Emissionen nichts aussagen.
Um das Problem zu veranschaulichen: Angenommen, das neue Kraftwerk mit seiner elektrischen Leistung von 470 MW (niedrige Angabe aus der Werbebroschüre Vattenfall) würde ein ganzes Jahr auf Volllast durchlaufen, also 8.600 Stunden im Jahr. Dann würde das neue Kraftwerk 3.440.000.000 kWh erzeugen. Das alte Kraftwerk würde bei einer elektrischen Leistung von 250 MW bei Volllast und 8600 Stunden 2.150.000.000 kWh Strom erzeugen. Würden wir nun die Kilowattstunden mit einem Faktor 0,5 für Gas und 1,0 für Kohle multiplizieren um die CO2-Einheiten (das ist nicht die Menge in Gramm oder Kilo sondern nun eine Verhältniszahl!!), dann käme dabei heraus: 1720 Einheiten bei Gasfeuerung zu 2150 Einheiten bei Kohlefeuerung!
Nun kommen aber entscheidende weitere Paramenter ins Spiel. Einerseits ist kaum anzunehmen, dass ein Kraftwerk eingebunden in einem komplexen Energiesystem mit einem steigenden Anteil Erneuerbarer Energie permanent auf Volllast betrieben werden kann. Und: Jedes Kraftwerk hat mit technischen Problemen zu tun und muss regelmäßig gewartet werden. Vor diesem Hintergrund wäre zu vermuten, dass vor allem mit Blick auf die Wartung das Kohlekraftwerk gegenüber dem GuD-Kraftwerk längere Wartungszeiten hat und daher für die Stromerzeugung weniger zur Verfügung steht.
Vattenfall nennt auf seiner Homepage für das alte Kraftwerk in Wedel (Kohle) folgende Zahl: „Durchschnittliche Jahresstromerzeugung: 1200 GWh.“
Mit Blick auf die eben genannte rein rechnernische Volllast/8600 Stunden ist das eine deutliche Differenz zu den 2150 GWh, die maximal möglich wären. Es handelt sich hier also um nur noch fast die Hälfte der Stromerzeugung, die real erbracht wird. Anders ausgedrückt: Bei einer installierten Leistung von 250 MW wird über das ganze Jahr gerechnet real nur eine Leistung von ca. 130 MW genutzt! Oder anders: Statt 8600 Stunden Vollast braucht es nur etwas mehr als 4.300 Stunden Volllast, um diese Menge Strom zu erzeugen. Damit würden sich analog zu dem obigen Beispiel auch die CO2-Emissionen (Verhältnis!) halbieren!
Würde sich die Betriebsweise für das neue Kraftwerk genau so wie bei dem alten Kraftwerk verhalten, würde das für die CO2-Emissionen mit Blick auf das obige theoretische Beispiel keine Veränderungen ergeben!
Sollte aber das neue GuD-Kraftwerk bei einer deutlich höheren elektrischen Leistung mehr Stunden im Jahr in Betrieb sein als das bisherige Kraftwerk (genau darauf könnte der oben genannte Hinweis von Vattenfall hindeuten), dann würden sich die CO2-Einsparungen gegenüber dem alten Kraftwerk schnell weiter reduzieren und unter bestimmten Bedingungen könnte es sogar dazu kommen, dass die Emissionen über den heutigen liegen würden! Genau hier aber liegt die „Zone“, in der sich entscheidet, ob das neue Kraftwerk tatsächlich auch zum Klimaschutz beiträgt.
These: Würde das neue Kraftwerk mit einer „Werbebroschüren-Leistung“ von 460 MW elektrisch bei zwei Monaten Wartung (sehr großer Zeitraum) durchgängig auf Volllast laufen, würde das bei dann 7160 Betriebsstunden eine Stromproduktion von 3.293.600.000 kWh bedeuten. Während nach Angaben von Vattenfall das alte Kraftwerk 1.200 GWh erzeugt und das neue Kraftwerk in dieser Annahme fast 3.300 GWh errreicht, würde das also den CO2-Einsparungseffekt des Umstiegs von Kohle auf Gas bei weitem überschreiten! Während im alten Kohle-Kraftwerk „nur“ 1.200 CO2-Einheiten erzeugt würden, würde das neue Gas-Kraftwerk 1.650 CO2-Einheiten erzeugen! Eine weitere Steigerung der Stomerzeugung in der neuen Anlage würde diese Werte noch mehr erhöhen!
Für ein vollständigeres Bild muss nun noch die thermische Leistung betrachtet werden: Thermisch sollen sich laut „Werbebroschüre“ die beiden Kraftwerke nur geringfügig unterscheiden, das neue etwas weniger Leistung haben als das alte Kraftwerk. Per Faustformel würde das für die CO2-Emissionen also bedeuten – wenn beide Kraftwerke in gleicher Weise für die Fernwärme genutzt werden, dass sich die Emissionen bezogen auf die thermische Leistung durch das neue Kraftwerk halbieren würden. Ein höherer Wirkungsgrad der neuen Anlage gegenüber der alten würde sogar noch etwas mehr CO2-Reduzierungen möglich machen. Ob das in der Summe wirklich so ist, ist unbekannt. Kann sein, muss aber nicht!
Fassen wir das mal zusammen, dann ergibt sich folgende Spekulation:
Während sich bei fast gleicher Wärmeleistung eine Reduzierung der CO2-Emissionen um die Hälfte ergibt, steigen die CO2-Emissionen bei der Stromproduktion im neuen Kraftwerk um rund 40 Prozent an. In der Summe ergibt das lediglich eine CO2-Einsparung von 10 Prozent.
Steigt die Stromerzeugung und sinkt die Wärmeversorgung, wäre gar keine CO2-Einsparung die Folge. Und das bei einem Einsatz von fast 500 Millionen Euro, die die Stadt Hamburg und Vattenfall in den Neubau in Wedel investieren!
NOCHMAL: All das sind Spekulationen, die nur deshalb hier gemacht werden, weil Vattenfall und die Stadt Hamburg zwar einen Beitrag des neuen Kraftwerks zum Klimaschutz behaupten, aber keinerlei Informationen auf den Tisch legen, um tatsächlich konkrete Aussagen treffen oder diese prüfen zu können!! Jede Information wird verweigert! Auch der SPD-Senat legt dazu nichts vor! Genau die aber haben die Verantwortung, diese Sachverhalte darzustellen – nicht sie zu verschleiern!
Die hier getätigten Spekulationen sollen zumindest den Versuch darzustellen, vor welchem MÖGLICHEN Hintergrund wir davon ausgehen, dass das neue GuD-Kraftwerk einfach keinen Sinn für die Energiewende und den Klimaschutz ergibt, sondern nur für die Geschäftsinteressen von Vattenfall!