Whistle-Blower über Sichtheitsmängel bei Atomtransporten der Stena Line Rostock – Schweden

atomtransporte-stena-linie-ndr-whistle-blower
Risiko fährt mit: Atomtransporte bei der Fährverbindung der Stena Line nach Schweden. Foto: Screen-Shot des Panarama-Berichts vom NDR.

Auf Basis der Informationen eines Whistle-Blowers über die mangelhaften Sicherheitseinrichtungen bei Atomtransporten mit der Passagierfähren der Stena Line zwischen Rostock und Trelleborg in Schweden berichtet die Panorama-Redaktion des NDR in einem TV-Beitrag. Vor allem bei den Transporten mit dem besonders riskanten Uranhexafluorid zeigen sich gravierende Sicherheitsmängel. Die Fähren transportieren auf den oberen Decks Passagiere. In den unteren Decks werden LKW auch mit Gefahrgütern und PKW geladen.

Uranhexafluorid (UF6) steht im Zusammenhang mit der Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke. Es wird benutzt, um in Zentrifugen das spaltbare Uran235 anzureichern. In Deutschland wird das in der zum URENCO-Konzern gehörenden Urananlage in Gronau getan. Von hier aus wird angereichertes Uran auch nach Schweden geliefert, wo es in Västerås, nordwestlich von Stockholm zu Brennelementen verarbeitet wird. Anschließend werden von dort aus die frischen Brennelemente an Atomkraftwerke in aller Welt ausgeliefert – u.a. wiederum über die Fährverbindung Trelleborg – Rostock.

Die Brennelemente-Fabrik in Schweden gehört heute dem Westinghouse-Konzern. Das Nuklear-Forum.ch schreibt: „Die Westinghouse Nuclear Fuel besitzt zehn Produktionsstätten weltweit, darunter zwei in Europa: Springfields Fuels Limited (Preston, Lancashire, Grossbritannien) und Westinghouse Electric Sweden (Västeras, Schweden). Die Westinghouse liefert Brennstoff für insgesamt 153 Kernkraftwerkseinheiten weltweit.“ Unter anderem beliefert Westinghouse von Schweden aus auch bundesdeutsche Atomkraftwerke von E.on.

Kommt es bei Atomtransporten mit Uranhexafluorid auf den Fähren zu einem Brand, können schnell  hohe Temperaturen unter Deck entstehen. Ein Experte wird in dem Beitrag zitiert, der von Feuer mit bis zu 1.000 Grad Celsius spricht. Die Behälter für Uranhexafluorid, die auf diesen Fähren transportiert werden, sind jedoch nur für Feuer bis 800 Grad getestet. Diese Temperatur müssen sie eine halbe Stunde lang überstehen, ohne undicht zu werden.

Höhere Temperaturen können zu einem früheren Versagen führen. Feuer wird an Bord der Stena-Schiffe nicht wie z.B. auf reinen Frachtschiffen mit CO2 bekämpft, sondern mit Wasser-Sprenglern. Diese können zwar das Feuer kühlen, nicht aber wirklich löschen, berichtet Panorama. Kommt es auf offener See zu einem Feuer und zu einem Behälterversagen, würde das hochgiftige und äußerst aggressive UF6 vor allem durch die Fluorverbindungen zur Todesfalle: Durch das Löschwasser würde Flusssäure entstehen, die sich gasförmig ausbreitet und damit zur akuten Lebensgefahr für die Passagiere werden würde.

Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter und atompolitischer Sprecher der Links-Fraktion, stellte jüngst mit Blick auf Atomtransporte und Lagerung von UF6 fest: „Uranhexafluorid ist ein hochgefährlicher ätzender und radioaktiver Stoff. Die Behälter halten einem Feuer von 800 Grad nur maximal eine halbe Stunde stand. Nach einer Freisetzung entsteht Flusssäure, die Lungen verätzt und sogar Glas zerfrisst. Todesfälle in vielen hundert Metern Entfernung sind nicht ausgeschlossen.“

Erst vor wenigen Tagen machten auch  AtomkraftgegnerInnen im Rahmen eines Anti-Atom-Camps in Kiel auf die Atomtransporte mit der Stena Line aufmerksam.

Uranfabrik Gronau: Uran-Lager verzögert sich – mehr Atomtransporte künftig nach England.

Zdebel-URENCO-Aug2014
Hat einiges vor. Zdebel will die Urananreicherungsanlage Gronau stilllegen.

Mehrere Tageszeitungen berichten heute über den Atommüll in der Urananreicherungsanlage in Gronau. Anlaß  ist die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel. Demnach lagern in Gronau Ende Juli insgesamt 18.510 Tonnen hochgiftiges Uranhexafluorid (abgereichert und als Natururan) unter freiem Himmel. Eine neue Lagerhalle, die eigentlich schon in diesem Jahr in Betrieb gehen sollte, soll demnach nun erst 2015 eingeweiht werden. Dieses neue Uran-Lager ist ohne zeitliche Befristung genehmigt. Anti-Atom-Initiativen befürchten, auf diese Weise ein „Endlager durch die Hintertür“ entstehen könnte.  Zdebel verweist außerdem darauf, dass künftig auch Uran-Transporte im Pendelverkehr über den Ärmelkanal zwischen einer neuen Konversions-Anlage in Capenhurst (Großbritannien) und der Anlage in Gronau vermehrt stattfinden werden. 2016 soll diese neue Anlage in Betrieb gehen. Denkbar ist, dass diese Atomtransporte dann auch über die Häfen in Bremen stattfinden könnten. „Uranfabrik Gronau: Uran-Lager verzögert sich – mehr Atomtransporte künftig nach England.“ weiterlesen

Atomtransporte: Geheimer Uran-Zug von Köln Richtung Mosel und Frankreich

atommuell_gleise
Seit Montag unterwegs durch Deutschland. Güterzug mit 51 Uran-Containern zur Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke. Heute Morgen ging es von Köln weiter Richtung Frankreich.

Der Atomzug mit insgesamt 51 Uran-Container ist weiter auf der Fahrt durch Deutschland Richtung Frankreich unterwegs. Nachdem er gestern über Bremen, Osnabrück, Münster über Hamm in Köln eingetroffen ist, setzte er zumindest einer der beiden Teilzüge mit 29 Uran-Containern die Reise von Köln ab 5.50 Uhr heute morgen fort und rollte um 6.07 Uhr durch Bonn-Beuel. Ein weiterer Zug ist mit 22 Uran-Containern unterwegs. Weiter geht die Fahrt entlang der Mosel in Richtung Narbonne. In Frankreich soll das Uran vorbereitet werden, um darauf Brennelemente für Atomreaktoren herzustellen. Danach ist das Uran hochradioaktiv.

Dass Uran stammt aus Namibia, Kasachstan und Usbekistan, wo es unter Einsatz hochgiftiger Substanzen aus der Erde geholt wird. Uranbergbau ist mit großen Umwelt- und Gesundheitsgefährdungen verbunden. Tagelang hatten AtomkraftgegnerInnen im Hamburger Hafen die Uran-Container beobachtet und am frühen Montag Morgen die Abfahrt zunächst mit einer Ankett-Aktion gestoppt.

Die NOZ aus Osnabrück gerichtet gleich zweimal über die geheimen Atomtransporte durch NRW  und Deutschland. „Karten auf den Tisch“ fordert das Blatt und berichtet: Geheimer Atomtransport rollt durch Hauptbahnhof Osnabrück. Die Region Osnabrück sei ein Atom-Drehkreuz und spielt damit auf die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen an.

Die Fabrik der Betreiberfirma „Advanced Nuclear Fuels“ in Lingen ist nicht der einzige Standort in der Region, an dem mit strahlenden Produkten Geld verdient wird. Etwa 40 Autokilometer im Südwesten liegt die Urananreicherungsanlage Gronau der Firma Urenco , eine einmalige Fabrik in Deutschland. Am Rande Westfalens wird Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken aufgearbeitet. Zusammen mit der Urananreicherungslage von Urenco im wiederum rund 40 Kilometer entfernten niederländischen Almelo bilden Gronau und Lingen eine Art Atomdreieck auf der Landkarte“

Das Blatt stützt sich bei seinen Angaben über die Zahl der Atomtransporte in der Region auf Angaben des Bundesamt für Strahlenschutz und stellt fest: „Macht also allein für das Atomdreieck Lingen-Almelo-Gronau 1608 Transporte.“

Vor Reportern wird gewarnt – Atomtransporte auf Passagierfähren zwischen Rostock und Trelleborg

stena_line_protest_klein-1024x768
Protest gegen Atomtransporte mit der Stena Line in Kiel. Foto: Anti-Atom-Camp

Die Panaroma-Redaktion des NDR berichtet aktuell über Atomtransporte zwischen Schweden und Deutschland auf der Fährverbindung Rostock – Trelleborg. Auch über diese Linie finden zahlreiche Atomtransporte statt – im Unterdeck der Passagierfähren! „Seit 2009 hat das Bundesamt für Strahlenschutz 70 Transporte von Uranhexafluorid auf Fähren genehmigt. Dieser Stoff ist eine äußerst giftige, radioaktive und korrosive Verbindung aus Uran und Fluor, die in der Uran-Anreicherung eingesetzt wird“, meldet Panorama. Im weiteren Bericht wird ein Insider zitiert, der vom Umgang der Stena Line mit dem Thema und den Risiken informiert.

Anfragen für eine Drehgenehmigung wurden abgelehnt. Schlimmer noch, die Linie warnte direkt vor den Journalisten: „Diesmal bitten wir ganz offiziell um eine Drehgenehmigung. Doch die wird abgelehnt. Wir finden heraus: Die Verantwortlichen warnen sogar intern vor unseren Reportern. Per Mail und Aushang werden Stena-Line-Mitarbeiter angewiesen, nun besonders wachsam zu sein. Darin heißt es: „Bitte erlauben Sie niemandem, während des Ladevorgangs oder der Überfahrt in die Nähe dieser Transporte zu kommen. Bitte achten Sie auf Menschen, die Passagiere filmen oder interviewen.““

Weiter schreiben die AutorInnen Alexa Höber & Ingo Thöne: „Wie in einem Fahndungsaufruf werden die Namen unserer Reporter genannt und auch ein Foto veröffentlicht. Auf unsere schriftliche Nachfrage, warum das Unternehmen per Steckbrief vor unseren Reportern warnt, erhalten wir keine Antwort. Doch der Insider vermutet: „Stena Line ist sich sehr bewusst, dass die Atomproblematik ein heißes Eisen ist. Dass sie in der Gesellschaft stark unter Druck stehen könnten, wenn das öffentlich wird – und damit auch Kunden verlieren. Insofern haben sie ein großes Interesse, dass dies nicht an die Öffentlichkeit gerät.““

Panorama wird heute Abend über diesen Vorgang berichten. UmweltFAIRaendern hatte im März 2014 über die Atomtransporte mit den Passagierfähren über die Stena Line geschrieben. Die Grünen in Rostock hatten ein Ende der dortigen Atomtransporte gefordert, nachdem in Hamburg bei Kontrollen immer wieder Sicherheitsmängel bis hin zu befristeten Beförderungsverboten ausgesprochen worden waren.

Unter dem Link zu dem Beitrag befindet sich auch ein Video über diese Atomtransporte durch Rostock und über die Fähren, gemacht von örtlichen Anti-Atom-Initiativen.

Proteste gegen Atomtransporte mit der Stena Line gab es jüngst auch in Kiel. Das dortige Anti-Atom-Camp verteilte u.a. Flyer an die Passagiere mit dem Titel: „Stena Line – Das Strahlungsrisiko fährt mit“ – in deutsch und schwedisch!

Atomtransporte: Uran-Zug in NRW unterwegs

2017_1808_uranzugblockade_hh70-foto-eichhoernchen
AtomkraftgegnerInnen in Hamburg stoppten gestern mit einer Ankett-Aktion einen Atomzug mit 51 Container voller Uranerzkonzentrat. Foto: Eichhörnchen

Der Atomtransport mit 51 Containern – ausgeteilt in zwei Züge – voller Uranerzkonzentrat (Yellow Cake) ist unterwegs durch Nordrhein-Westfalen (NRW). Gegen 2.30 Uhr letzte Nacht durchfuhr der Zug mit dem Uran aus Namibia, Kasachstan und Usbekistan den Hauptbahnhof in Osnabrück und wenig später Münster in Richtung Hamm. Auf der Weiterfahrt nach Narbonne in Südfrankreich, wo das Uran für die Herstellung von Brennelementen zum Einsatz im Atomkraftwerken vorbereitet wird, wird der Uran-Zug auch über Köln und Bonn fahren und dann die Mosel entlang Richtung Grenze. Gestern war der Zug im Hamburger Hafen gestartet und zunächst für mehrere Stunden von AtomkraftgegnerInnen mit einer Ankett-Aktion aufgehalten worden.

Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der Linken und atompolitischer Sprecher sagte gestern per PM: „Das Uran soll zu Brennelementen für Atomkraftwerke verarbeitet werden und ist zunächst für eine Anlage in Südfrankreich bestimmt. Vermutlich wird ein Teil dieses sogenannten Yellow Cakes auch irgendwann in den Uranfabriken in Gronau und Lingen wieder auftauchen. In Gronau erfolgt die Anreicherung des Urans, in Lingen werden Brennelemente hergestellt. Nach dem Einsatz im Atomreaktor ist das Uran hochradioaktiv – die dauerhafte Lagerung ist vollkommen ungeklärt.“

DSC01627Die Taz-Hamburg berichtet heute „Uran-Zug im Hamburger Hafen blockiert“ und schreibt „Mit erheblicher Verspätung startete am Montag ein Atomzug mit 51 Containern Uranerzkonzentrat aus Kasachstan, Namibia und Usbekistan seine Reise vom Verladebahnhof Hamburg-Maschen durch Niedersachsen und Bremen in Richtung Frankreich. Anti-Atom-Aktivisten hatten am Morgen die Abfahrt am Güterbahnhof Hamburg-Veddel fünf Stunden lang blockiert, indem sie sich an die Gleise gekettet hatten.“

Auch über die vier Container mit Uranerz, die über Wochen entgegen einer Mitteilung des Hamburger Senats im Hafen gelagert waren, berichtet das Blatt. Inzwischen hatte der Senat – nachdem Anti-Atom-Initiativen mit ihren Beobachtungen auf die immer noch in Hamburg befindlichen radioaktiven Container aufmerksam gemacht hatten – eingeräumt, leichtfertig falsch informiert zu haben.

„Mit an Bord des Zuges waren laut dem Innenbehörden-Sprecher Frank Reschreiter auch jene vier Container aus Kasachstan, die der russische Atomfrachter „Sheksna“ vor vier Wochen im Hamburger Hafen angeliefert hatte. Die Container waren von der Wasserschutzpolizei festgehalten worden, da die so Sicherheitssiegel für Gefahrguttransporte – die sogenannten CSC-Plaketten – abgelaufen waren. Das Amt für Arbeitsschutz erteilte trotzdem die Genehmigung zum Weitertransport.“ Weiter berichtet von Appen: „Entgegen der offiziellen Senatsangabe, nach der die vier Container Hamburg umgehend verlassen hätten, waren sie am vergangenen Freitag von Aktivisten eines Anti-Atom-Camps aufgespürt worden, als diese eine erneute Anlieferung von Uranerzkonzentrat-Containern der „Sheksna“ am Südwest-Terminal beobachteten. Die Umschlagsfirma C. Steinweg hatte die vier Container auf ihrem Gelände fast einen Monat einfach zwischengelagert.“

Schließlich stellt die Taz fest: „Hamburg ist mit offiziell 180 Atomtransporten 2013 die internationale Drehscheibe im Urangeschäft. „Wir wollen mit unserer Aktion darauf aufmerksam machen, dass fast täglich Atomtransporte über den Hamburger Hafen abgewickelt werden“, sagte eine Aktivistin. Udo Buchholz vom Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) warf der Politik „Geheimniskrämerei und Verschleierung“ vor. Nach seinen Angaben werden weder die Feuerwehr noch das Deutsche Rote Kreuz über die Routen der Transporte informiert.“ KVA, 19.8.2014 taz Nord Nr. 10490 Nord Aktuell 79 Zeilen, KVA S. 21

Weitere Berichte über den Atomzug aus dem Hamburger Hafen: Die Bild schreibt “Anti-Atom-Aktivisten stoppen Uran-Zug“,  das Bonner Magazin rhein:raum informiert: “Wieder Atomtransport erwartet“. Bei der Mopo: “Anti-Atom-Aktivisten ketten sich an Gleise – Zug gestoppt“, das Greenpeace-Magazin stellt fest: “Atomkraftgegner blockieren Uranzug in Hamburg“. Der Deutschlandfunk informiert in der Reihe “Umwelt und Verbraucher” kurioserweise über “Ausschreitungen bei Atomtransport in Hamburg” (Audio-Link). Die Taz berichtet: “Täglich rollt der Kernbrennstoff” mit vielen Zahlen über Atomtransporte, das Neue Deutschland schreibt über:”Uranpulver per Schiff und Zug” und Hubertus Zdebel von der Links-Fraktion stellt fest: “Nach Aktion gegen Atomtransport in Hamburg: 50 Container mit radioaktivem Uran sollen quer durch Deutschland nach Südfrankreich” Außerdem haben auch viele TV-Sender, wie z.B. RTL über die Aktion (danke Udo!) von heute berichtet.

×