Atommüll-Alarm – Tatorte in Deutschland – Kampagnenstart am 13. September

Anti-Atom-Initiativen rufen auf: «Atommüll-Alarm – Tatorte in Deutschland» heißt das Motto einer bundesweiten Kampagne, die vom 13. September bis 31. Oktober stattfinden wird. Auf einer Atommüllkonferenz am gestrigen Samstag in Kassel, hatte Peter Dickel von der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD über die bisherigen Pläne informiert. Mit dem Atommüll-Alarm soll gezeigt werden, wo überall gefährliche radioaktive Abfälle gelagert werden. 80 Anti-Atom-AktivistInnen hatten an der Tagung teilgenommen.

Siehe auch hier Reimar Paul in der jungen welt: Spitze des Eisbergs

Auf der Tagung in Kassel wurde über die Pläne der Atomwirtschaft diskutiert, sich mit einer Bundesstiftung (Bad Bank) aus der Verantwortung für die Kosten bei der Atommülllagerung zu verabschieden. Prof. Dr. Wolfgang Irrek von der Hochschule Ruhr West informierte in einem Referat über die „Die Ewigkeitslasten der deutschen Atomindustrie“ (hier als PDF) und die „Finanzierung von Stilllegung, Rückbau und Entsorgung kommerzieller Atomkraftwerke“. Bei „AntiAtomAktuell“ ist dazu auch ein Text von Irrek veröffentlicht.

Peter Dickel sagt laut DPA weiter: „Die Betreiber von Kernkraftwerken dürften nicht aus der Verantwortung für die dauerhafte sichere Lagerung von Atommüll entlassen werden, forderte Dickel.“ Die Anti-Atom-Bewegung sei nicht grundsätzlich dagegen, den Abbau stillgelegter Reaktoren und die Endlagerfrage einer öffentlichen Stiftung oder einem Fonds zu übergeben. Dies hatten die Energiekonzerne wegen des deutschen Atomausstiegs vorgeschlagen. Die Idee stamme ursprünglich von Kernkraftgegnern, sagte Dickel. Es komme auf die Ausgestaltung an. Die Energiewirtschaft müsse für die sogenannten «Ewigkeitskosten« aufkommen, forderte er.“

Außerdem befasste sich die Konferenz mit den Folgen des Uranabbaus in der DDR. „Die Wismut sei über viele Jahre der drittgrößte Uranproduzent der Welt gewesen und habe viele radioaktive Altlasten hinterlassen.“ Über Uranmüll in Thüringen und Sachsen informierten Frank Lange und Dieter Barth vom Kirchlichen Umweltkreis Ronneburg. Erst vor wenigen Wochen hatte die internationale Ärtzeorganisation IPPNW in Ronneburg eine Fachtagung über die Risiken von Niedrigstrahlung durchgeführt.

Atommüll-Alarm: Export von 457 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll in die USA?

Hier im AVR in Jülich ist der Atommüll erzeugt worden, dessen Lagerung heute nicht gesichert ist. Foto: Betreiber
Hier im AVR in Jülich ist der Atommüll erzeugt worden, dessen Lagerung heute nicht gesichert ist. Foto: Betreiber

Der Atom-Wahnsinn nimmt kein Ende. Mindestens 152 hochradioaktive Castor-Behälter mit Atommüll sollen in die USA exportiert werden. Darüber verhandeln deutsche und us-amerkanische Behörden und das (Atom)Forschungszentrum in Jülich derzeit. In den USA wird aber über noch mehr Atomtransporte gesprochen. Dort ist die Rede davon, dass außerdem  305 weitere Castor-Behälter mit dem hochradioaktiven Atommüll aus dem Betrieb des AKW THTR Hamm-Uentrop zur Savannah River Site (USA) kommen sollen. Die Aachener Nachrichten haben vor wenigen Tagen ausführlich über die Hintergründe zu diesen Planungen berichtet. Mit einer Kleinen Anfrage will der Linke Bundestags-Abgeordnete Hubertus Zdebel von der Bundesregierung  jetzt in Erfahrung bringen, was genau geplant ist.

Die Aachener Nachrichten schreiben: „Eine im April unterzeichnete bilaterale Übereinkunft zwischen der deutschen und der US-Regierung hält die grundsätzliche Bereitschaft der Amerikaner zur Aufnahme des Jülicher Materials fest. Vorausgesetzt eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die wohl noch bis zum Ende dieses Jahres läuft, fällt unbedenklich aus.“ Dabei geht es um enorme Kosten, die von der Bundesregierung bezahlt werden müssten. „Donald Bridge, der über 30 Jahre als Manager in der Savannah River Site-Anlage tätig war, hofft auf einen positiven Ausgang. Er ist davon überzeugt, dass die Lieferungen aus Deutschland die Zukunft gut bezahlter Arbeitsplätze in der Region sichern. „Die deutsche Regierung wird für die Erforschung und Entwicklung und Aufbereitung über die kommenden fünf bis sechs Jahre rund eine Milliarde Dollar zahlen.“

Doch es geht offenbar nicht nur um den Atommüll aus Jülich, dessen Lagerung vor Ort derzeit nur noch über Ausnahmeverordnungen möglich ist, weil es massive Sicherheitsbedenken gibt.

In den USA wird auch darüber gesprochen, dass weiterer Atommüll aus Deutschland zur SRS kommen wird. „Gegenüber unserer Zeitung beruft sich der promovierte Wissenschaftler auf Zahlen, die Vertreter der US-Regierung und der Bundesstaaten bei der Anhörung in Augusta im Juni öffentlich machten. Dabei sei neben Jülich explizit auch „von einem zweiten Reaktor“ die Rede gewesen. Diese Informationen schienen nur für den Hausgebrauch bestimmt gewesen zu sein. Mit diesem zweiten Reaktor kann nur der THTR gemeint sein, da er der einzige Reaktor in Deutschland ist, der mit ähnlichen Brennelementen betrieben wurde wie der Versuchsreaktor in Jülich.“

Eigentlich ist der Export von Atommüll in Deutschland verboten. Ausgenommen ist der Müll aus Forschungsreaktoren. Der AVR und auch der THTR aber sind keine Forschungsreaktoren gewesen, sondern haben als Versuchs- und Demonstrations-Reaktoren Strom in das öffentliche Netz eingespeist. Das Bundesamt für Strahlenschutz listet diese Anlagen daher nicht unter der Rubrik Forschung auf, sondern als Atomkraftwerke. Die Bundesregierung versucht aber nun, den AVR als Forschungsanlage zu deklarieren, um den hochradioaktiven Atommüll in die USA exportieren zu können. Das dürfte noch für erhebliche Konflikte sorgen.

Amtliche Bestätigungen gibt es für die Pläne, dass auch der Atommüll des THTR in die USA sollen, gibt es bislang noch nicht. Daher auch die erwähnte Anfrage des Linken-Abgeordneten. Mit den Antworten ist für nächste Woche zu rechnen.

Die AN schreibt weiter: „Die US-Regierung will sich dazu offiziell nicht äußern. Aus dem NRW-Forschungsministerium hieß es am Montag, dass von deutscher Seite derzeit nur der Transport der Jülicher Castoren geprüft werde. Gleichzeitig wolle man nicht ausschließen, dass die amerikanische Umweltverträglichkeitsstudie auch den Transport des Brennstoffes aus Hamm-Uentrop umfasse.“

Nicht nur in Deutschland sind Anti-Atom-Initiativen alarmiert. Auch in den USA regt sich Widerstand gegen diese Atomtransporte: „Tom Clement von der Bürgerinitiative „SRS Watch“ hat vor allem was den aus Jülich geplanten Transport anbelangt einen Verdacht. Beide Seiten versuchten ihrer jeweiligen Öffentlichkeit eine beschönigte Version der Atommüll-Pläne zu verkaufen. „Sie versuchen, einen seit 25 Jahren stillgelegten Reaktor als Forschungsreaktor umzudefinieren“, beschwert sich Clement in der Lokalpresse über die Taktik der Ministerien. Tatsächlich sei Jülich kommerziell genutzt worden.“

Tom Clement wird in der letzten September-Woche in die Bundesrepublik kommen und gemeinsam mit Anti-Atom-Gruppen auf einer Rundreise über diese Wahnsinns-Pläne informieren. Unter anderem wird er in Düsseldorf, in Jülich und Ahaus sowie in Hamburg und in Berlin zahlreiche Pressegespräche führen und auf Veranstaltungen informieren.

Video: Atomtransport mit Uranerzkonzentrat – Durchfahrt in Köln

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Angekettet vor dem Atomtransport mit Uran-Containern. Foto: Pay Numrich

Atomtransport mit Uranerzkonzentrat am 20. August bei der Durchfahrt in Köln. Darüber berichtete umweltFAIRaendern.de auf Basis von Informationen von Anti-Atom-AktivistInnen in diesem Artikel: Atomtransporte: Geheimer Uran-Zug von Köln Richtung Mosel und Frankreich. Hier ist nun ein Video von der Durchfahrt im frühen Morgengrauen durch Köln.

Zuvor hatten in Hamburg AtomkraftgegnerInnen den Zug mit dem Uran (Yellow Cake) aus Namibia, Kasachstan und Usbekistan mit einer Ankett-Aktion gestoppt.

Das Video von der Durchfahrt des Atomtransports in Köln:

Weitere Informationen unter diesen Links:
www.antiatomplenum.blogsport.de
www.antiatomkoeln.de

Atomtransporte Hamburg – Kontrollen und strahlende Frachten

Container mit Uranerz im Hamburger Hafen, einer von zahlreichen Atomtransporten in Hamburg, Foto: Tim Christensen
Container mit Uranerz im Hamburger Hafen, einer von zahlreichen Atomtransporten in Hamburg, Foto: Tim Christensen

Atomtransporte in Hamburg – Beanstandungen durch die Wasserschutzpolizei, Sicherheitsmängel, Beförderungsverbote,  Falschmeldungen des Hamburger Senats: Mit zahlreichen Aktivitäten haben AtomkraftgegnerInnen in den letzten Wochen dafür gesorgt, dass die Geheimhaltung bei den Atomtransporten immer weniger funktioniert – und immer mehr über die Risiken und Pannen bei der Durchführung bekannt wird. Die Fraktionen von Linken und Grünen in der Hamburgischen Bürgerschaft haben die Zwischenfälle mit den Atomtransporten der letzten Woche zum Anlass für Schriftliche Kleine Anfragen an den Hamburger Senat genommen.

Seit dem Mai 9. Mai bis zum 14. August haben laut der Antwort des Senats auf die Anfrage der Linksfraktion insgesamt 49 Atomtransporte durch Hamburg stattgefunden, davon 23 mit angereichertem Uran (sogenannte Kernbrennstoffe) und 26 mit „sonstigen radioaktiven Stoffen“. Hier die Anfrage der Linken sowie die Anfrage der Grünen, jeweils als PDF.

Zuletzt berichtete Birgit Gärtner auf Telepolis zu den Urantransporten über Hamburg.

Auf die Anfrage der Links-Fraktion teilt der Senat mit: „In dem Zeitraum vom 19. Juni 2014 bis zum 18. August 2014 wurden durch die Wasserschutzpolizei 91 Kontrollen im Zusammenhang mit dem Transport radioaktiver Güter durchgeführt. Davon verliefen 71 Kontrollen ohne Beanstandungen, 20 Kontrollen führten zu Mängeln formaler oder sicherheitsrelevanter Art. In keinem Fall kam es durch die festgestellten Mängel zu schädigenden Beeinträchtigungen des Gefahrgutes oder deren Verpackung.“

Damit gab es im angegebenen Zeitraum also bei rund einem fünftel der Kontrollen Beanstandungen durch die Wasserschutzpolizei.

Zuletzt waren die Transporte mit Uranerzkonzentrat aus Kasachstan, Usbekistan und Namibia während der Aktionen von AtomkraftgegnerInnen im Hamburger Hafen im Blickpunkt. Unter welchen umwelt- und gesundheitsschädlichen Umständen in Namibia das Uran aus der Erde geholt wird, ist hier zu lesen:

Auch in Rostock wird radioaktives Material über den dortigen Hafen transportiert:

Angereicherte Gefahr – Globale Geschäfte mit Uran

Urangestein-Wismut-2014-Ippnw-TagungDokumentation aus iz3w: „Uran – ist das ein Thema, das ausreicht für einen Schwerpunkt in der iz3w? Das fragte ein Jahr vor der Veröffentlichung die iz3w-Redaktion. In Kooperation mit der AG uranium-network.org sammelten wir Fragen. Die AG uranium-network.org arbeitet innerhalb des Freiburger Vereins Menschenrechte 3000. In verschiedenen Ländern unterstützt sie KritikerInnen des Uranabbaus in ihrer politischen Arbeit und ermöglicht Betroffenen, ihre Argumente und Fragen in einen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess einzubringen. Die Zusammenarbeit mit der AG hat es erleichtert, Perspektiven aus Nord und Süd zusammen zu denken. Das hat auch zum Umfang des Schwerpunktes beigetragen.“

„Übrigens: weitere Aspekte sind im südnordfunk – der Magazinsendungdes iz3w – zu finden. Ob das Thema Uran über nunmehr 24 Heftseiten spannend aufgezogen werden kann, das können die geneigten LeserInnen nach der Lektüre nun selber beantworten.“

Einige Texte aus dem Schwerpukt-Heft sind auch online. Das alles steht hier.

Siehe auch: Südnordfunk, Abgebaut, angereichert, endgelagert? Das weltweite Geschäft mit Uran

Einige Artikel zu Urangeschäften auf umweltFAIRaendern:

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