Nichts gelernt aus Fukushima – Katastrophenschutz in Deuschland

Rund um das AKW Brokdorf findet derzeit eine dezentrale Aktionswoche zum katastrophalen Katastrophenschutz statt. Am AKW Grohnde kommt es am Samstag zu einer Katastrophenschutzübung unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Am Mittwoch hat es in Weweselfleth bei Brokdorf  eine Veranstaltung gegeben, auf der Angelika Claußen von der Ärzteorganisation IPPNW einen Vortrag über ihre Fukushima-Reise und den fehlenden Katastrophenschutz bei deutschen Atomreaktoren gehalten hat. Den Vortrag „Nichts gelernt aus Fukushima – Katastrophenschutz in Deuschland“ finden Sie hier als PDF online.

Kastrophenschutzübung AKW Grohnde – Der Bürger ist nicht vorgesehen

Katastrophenschutzübung für das AKW Grohnde – Bürger sind nicht vorgsehen. Foto: Dirk Seifert

Die Polizeidirektion Göttingen teilt mit: „Anlässlich der Übungsreihe „Katastrophenschutzübungen im Zusammenhang mit einem kerntechnischen Unfall im Gemeinschaftskraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont“ findet am Samstag, 10. November 2012 die finale Abschlussübung statt.“ Dazu lädt die Polizei auch für ein separates Pressegrogramm JournalistInnen nach Hameln in die Heinrich-Kielhorn-Schule ein, damit die Presse „in Wort und Bild“ die Möglichkeit zur Berichterstattung hat. Das Presseprogamm umfasst die Punkte: Empfang durch Pressesprecherin Polizeidirektion Göttingen und Pressesprecherin Landkreis Hameln-Pyrmont.

Dann wird es aber ernst: “ – Aushändigung der Akkreditierungsausweise, – Kurze Darstellung des Programms und der Übungslage, – Bustransfer zum Gemeinschaftskraftwerk Grohnde  Besucherzentrum Gemeinschaftskraftwerk Grohnde, – Empfang durch die Pressesprecherin, – Infoprogramm, – Bustransfer,  Feuerwehrtechnische Zentrale Kirchohsen, – Fahrzeugausstellung z.B. Kerntechnischer Hilfszug, ABC-Erkunder, Messfahrzeug NLWKN, Messleitkomponente BBK usw.,  – Bustransfer, 13.00 Uhr Imbiss mit Möglichkeit zur Besichtigung der Ausstellung im Foyer des Kreishaus des LK Hameln- Pyrmont“. Und dann noch der Höhepunkt: Pressekonferenz mit Polizeipräsident Robert Kruse, PD Göttingen, Landrat Rüdiger Butte, Landkreis Hameln- Pyrmont,  Landrätin Angela Schürzeberg, Landkreis Holzminden , Udo Nolte, Nds. Ministerium für Inneres und Sport , Sabine Meißner, Leiterin des Stabes Landkreis Hameln-Pyrmont, – Hilke Vollmer, Pressesprecherin PD Göttingen, (Moderation)

Was genau die Üben? Keine Ahnung. Auf der Seite des Kreises Hamel-Pyrmont erfährt man zwar, dass das Verkehrsamt am Mittwoch geschlossen war, nicht aber was die Katastrophenschützer rund um das AKW Grohnde üben. Selbst auf der Seite, wo aktuell die neuen – mangelhaften – Katastrophenpläne ausliegen, ist dazu nichts zu finden. Auch auf den Seiten der Polizeidirektion in Göttingen oder Hameln gibt es keine weiteren Informationen.

Ist aber auch nicht so wichtig. Denn eine Beteiligung der Bevölkerung ist ohnehin nicht vorgesehen und würde vermutlich den ganzen Ablauf der „finalen Abschlussübung“ nur stören.

Doch nicht nur die Bürger dürfen nicht mitspielen. Auch VertreterInnen atomkritischer Organisationen und Initiativen müssen „leider drausen bleiben“. Auf Anfrage der Grohnde-Initiativen, u.a. die Ärztin Angelika Claußen von der IPPNW als Beobachterin zuzulassen, teil die Leiterin für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Götting mit: No Go, denn es dürfen „ausschließlich Funktionsträger, die der Amtsverschwiegenheit unterliegen, zur Übung“ erscheinen. Naja, nicht nur. „Presseöffentlich ist diese Veranstaltung nur für akkreditierte Journalisten.“ Klar, da ist für Ärztinnen oder so gar keine Chance.

Für die Bürgerinitiativen rund um das AKW Grohnde ist das ein deutlicher Hinweis, dass die Behörden bei der Übung die „kritische Öffentlichkeit aussperren“ und Innenminister Schünemann ohnehin nur „eine Show-Veranstaltung plant“ und eine „echte Auseinandersetzung,“ z.B. im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung für die Bevölkerung in der Rattenfängerhalle in Hameln scheut.

Tobias Darge von der Regionalkonferenr Grohnde: „Man will den Bevölkerungsschutz ohne die Bevölkerung organisieren, weder wird sie bei der Übung beteiligt, sondern es wird nur eine Stabsübung geben, noch soll sie sehen, was sie bei einer Atomkatastrophe erwartet.“

Siehe auch hier. Der fehlende Katastrophenschutz ist aktuell auch Thema einer Aktionswoche rund um das AKW Brokdorf. Dazu mehr hier.

 

 

E.on reagiert auf Aktionswoche gegen AKW Brokdorf: Keine Panik – alles sicher!

„Zur „Aktionswoche Katastrophale Risiken – AKW Brokdorf stilllegen“ übersandte gestern das Eon Kernkraft unserer Zeitung eine Stellungnahme,“ meldet die shz.de heute in ihrer Onlineausgabe. Vom 5. – 11. November läuft in Schleswig-Holstein und Hamburg eine dezentrale Aktionswoche von Anti-Atom-Initiativen und Umweltorganisationen über die Sicherheitsmängel des AKW Brokdorf. Im Zentrum dabei steht der katastrophale Katastrophenschutz. Im Falle eines Super-GAU, so die Initiativen, gibt es für die Bevölkerung keinen ausreichenden Schutz. Dann heißt es nur noch: Rette sich wer kann.

Heute, am Freitag (9.11.), gibt es in Hamburg ab 16 Uhr eine Mahnwache von ROBIN WOOD und X-1000malquer in der Spitalerstrasse und am Samstag wird es in Elmshorn zu einer Demonstration kommen: Auftakt ist ab 10.30 Uhr an den Kreuzungen Steindamm/Reichenstraße/Hamburger Straße, Gerberstraße/Wedenkamp sowie Kaltenweide/Friedensallee/Bauerweg/Mühlendamm. Von dort soll der Protestzug zum Alten Markt ziehen, wo um 11.30 Uhr eine Kundgebung beginnt. „Wir wollen die Gefahren der Atomkraft wieder in das öffentliche Bewusstsein bringen“, begründete Karla Braunschweig von der Anti-Atom-Initiative im Kreis Pinneberg die Demonstration. (Infos)

Offenbar ist E.on unangenehm berührt von dieser Aktionswoche. Aus Sicht von E.on sei das AKW Brokdorf vollkommen sicher. Ausdrücklich wird von Hauke Rathjen, Öffentlichkeitsbereich des Kernkraftwerks Brokdorf, die örtliche Initiative kritisiert: „Die Aussage von „Brokdorf akut“, dass es jederzeit auch in Brokdorf zu einem Kernschmelzunfall kommen könne, entbehre jeglicher Grundlage. Rathjen: „Bestünde auch nur der geringste Zweifel daran, müsste die für die Aufsicht verantwortliche Behörde unverzüglich tätig werden.“

Zu den Hinweisen von E.on (siehe den Link oben) in Sachen Erdbebenauslegung gibt es von der Initiative Brokdorf akut unter diesem Link Argumente.

Am Mittwoch hatte es in Wewelsfleht, dem Nachbarort des AKW Brokdorf, eine sehr gut besuchte Veranstaltung gegeben, auf der von der Katastrophe in Fukushima und die Konsequenzen für Brokdorf und den Katastrophenschutz informiert wurde. Offenbar reagiert der Atomkonzern E.on auf die dort vorgebrachten Argumente. SHZ.de berichtet über diese Veranstaltung hier.

Initiative Brokdorf-akut: „Sind die Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein erdbebensicher?“

AKW Brokdorf: Sicher bei Erdbeben? Foto: Gabriele Planthaber / pixelio.de

Die Initiative Brokdorf-akut  stellt mit einer Pressemitteilung die Frage: „Sind die Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein erdbebensicher?“ und erläutert im weiteren:

„Das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung hat im Jahr 1994 für das Geologische Landesamt Schleswig-Holstein ein seismologisches Gutachten (sG) zum Standort des AKW Brunsbüttel erarbeitet. Es empfiehlt, ein Bemessungserdbeben der Intensitätsskala I = 7 nach Medvedev, Sponheuer und Karnik (MSK) festzulegen.

Mittlerweile sind die AKW Brunsbüttel und Krümmel vom Netz. Wir weisen jedoch darauf hin, dass auch ausgelagerte Brennelemente, falls sie nicht  gekühlt werden, zu Nuklidfreisetzungen führen können. In den AKW Brunsbüttel und Krümmel lagern die abgebrannten Brennelemente im Abklingbecken außerhalb des Sicherheitsbehälters.

Die Vorgehensweise im sG war entsprechend den Vorgaben des Kerntechnischen Ausschuss (KTA 2201) zur „Auslegung von Kernkraftwerken gegen seismische Einwirkungen“ wie folgt:

Als sog. Bemessungserdbeben ist das stärkste bekannte Erdbeben in einem Umkreis von 200 km um die Atomanlage zu berücksichtigen. Die sicherheitsrelevanten Anlagenteile müssen den Beschleunigungen aus dem Bemessungserdbeben standhalten. Das stärkste für AKW in SH zu berücksichtigende Erdbeben ist das von Alfhausen, nördlich Osnabrück, aus dem Jahr 1770. Da Alfhausen und Brunsbüttel laut KTA 2201 als „tektonische Einheit“ zu betrachten sind, wurde als potentieller Erdbebenherd die Sockelstörung durch den Salzstock Belmhusen, ca. 5 km nordwestlich vom AKW Brunsbüttel, identifiziert. Erdbebenwellen benötigen nur ca. 2 Sekunden bis zum AKW Brunsbüttel.

Die Initiative Brokdorf-akut verurteilt die Vorgehensweise bei der Definition des Bemessungserdbebens als fahrlässig; denn

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich in der norddeutschen Tiefebene (in deren Untergrund sich viele Salzstöcke befinden) stärkere Erdbeben ereignen als das von Alfhausen.

Das AKW Brokdorf ist allenfalls gegen ein Erdbeben der Stärke I = 7 (MSK) ausgelegt. Es liegt ca. 15 km vom Salzstock Belmhusen entfernt. Der Salzstock von Krempe liegt ca. 9 km entfernt. Der geringe Abstand zwischen dem AKW Brokdorf und der Sockelstörung lässt nur ca. 3 Sekunden Zeit, um die sicherheitsrelevanten Anlagenteile abzufahren.

Der EU-Stresstest schlägt für das AKW Brokdorf die Nachrüstung mit einem Erdbebenwarngerät auf der Reaktorplatte vor. Das wird derzeit installiert. Dadurch wird keinerlei Sicherheitsgewinn erzielt. Mit dem Gerät kann lediglich dokumentiert werden, dass Erdbebenwellen das AKW erreicht haben.

Die Initiative Brokdorf-akut weist darauf hin, dass das AKW Brokdorf von weiteren starken Erschütterungen getroffen werden kann: Absturz eines großen Verkehrsflugzeugs, Explosionen auf Schiffen und Beschuss mit Beton- und Stahl-brechenden Waffen.

Kontakt: Eilhard Stelzner, Tel: 04827/3512 oder Karsten Hinrichsen, Tel: 04829/7080″

Feature auf DLF – Das Plutonium-Desaster

Plutoniumfabriken in Sellafield/UK, Foto Simon Ledingham

Im Deutschlandradio ist ein Feature über Plutonium gesendet worden. Anlass sind die bevorstehenden Transporte zum AKW Grohnde, die über den Hafen von Nordenham aus Sellafield kommen sollen. Dagegen gibt es zahlreiche Proteste.

Hier ist der Audio-Link zu dem Feature „Energie für eine Ewigkeit– Das Plutonium-Desaster“ von Andrea Rehmsmeier. Auf Deutschland-Radio wird das Feature so angekündigt: „Plutonium ist der Traum des Physikers, aber der Albtraum des Ingenieurs, heißt es. Sechs Kilogramm des Schwermetalls löschten 1945 Nagasaki aus. Aber bis heute ist es nicht gelungen, die gewaltige Energie der Atomkerne sinnvoll für zivile Zwecke einzusetzen.

Kein anderer Stoff ist je so teuer produziert worden. Kein anderer Energieträger wird heute in ähnlich großem Stil zur Stromerzeugung eingesetzt, obwohl er nur Kosten und Sicherheitsprobleme, aber keinerlei Vorteil mit sich bringt. Kein Stoff, der in so kleinen Dosen tödlich wirkt, wurde je in so großen Mengen hergestellt. In der Frühzeit der Nuklearära verkörperte Plutonium die Physikervision vom geschlossenen Brennstoffkreislauf, eine Art nukleares Perpetuum Mobile mit schnellen Brütern und Wiederaufbereitungsanlagen.

Heute weckt es Schreckensvisionen von Atombomben in Terroristenhänden. Die radioaktive Spur, der die Sendung folgt, führt von der Wüste des US-Staates Idaho in das Atomtestgebiet von Nevada, vom deutschen Atommüll in Sellafield bis in die Kernforschungslaboratorien in Russland. DLF 2012″

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