Atommüll-Alarm: Atommüll-Export und die Grünen NRW

webheader_atomalarm_originalgroesseEigentlich müsste alles klar sein, mit den Grünen in NRW, der rot-grünen Landesregierung dort und dem geplanten Atommüll-Export aus Jülich in die USA: Im rot-grünen Koalitionsvertrag NRW steht mit Bezug auf den hochradioaktiven Atommüll aus Jülich, der in 152 Castor-Behältern verpackt ist: “Wir wollen, dass die Castoren, vor allem die in Jülich lagernden, nur noch einmal transportiert werden – nämlich zu einem Endlager, wenn hierfür ein Standort gefunden ist”. (S. 41) Das war 2012. Komischerweise verhandelt seit 2012 trotz dieser klaren Ansage das unter SPD-Führung stehende Forschungsministerium von NRW gemeinsam mit der Bundesregierung über einen Export eben dieser Strahlenabfälle in die USA. Dort soll das Zeug nicht endgelagert, sondern aufgearbeitet werden.

Nimmt man den Koalitionsvertrag ernst, dann hätten diese Verhandlungen gar nicht stattfinden bzw. umgehend eingestellt werden müssen. Aber das ist nicht geschehen.

Erstaunlich ist auch, was der grüne Umweltminister in Sachen Atommüll-Exporte zu sagen hat: „Die USA-Option ist keine neue Erfindung, sondern ein bestehendes Programm“, sagt der grüne Umweltminister Johannes Remmel, „auch frühere Bundesregierungen haben Atommüll in die USA verschickt.“ Der Betreiber müsse jetzt „alle Optionen auf Herz und Nieren prüfen“. (Zitiert nach Süddeutsche Zeitung, 11. September 2014, Nr. 209, hier online)

Ja, hat der grüne Minister irgendwie den Koalitionsvertrag vergessen? Offenbar hat die Sendung WDR Westpool diese Ansage von Remmel in der SZ nicht zur Kenntnis genommen. Das Magazin berichtet nämlich: „Sollten die zuständigen SPD-geführten Ministerien der rot-grünen Landesregierung tatsächlich für einen USA-Transport sein, würde dies zu einem Konflikt innerhalb der rot-grünen Koalition führen. Denn der grüne Koalitionspartner stemmt sich vehement dagegen“. Vehement dagegen? Beim Minister Remmel klingt das ganz und gar nicht so.

Westpool meint den zuständigen Abgeordneten in der grünen Fraktion: „Wir haben uns immer dafür ausgesprochen, dass die nukleare Hinterlassenschaft in Jülich bleibt, bis wir sie in ein sicheres Endlager transportieren können“, sagte Hans Christian Markert, Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion für Anti-Atompolitik. Zudem verweist er auf den zwischen SPD und Grünen vereinbarten Koalitionsvertrag.“ Und weiter wird dort berichtet: „Dass sich an dieser Haltung etwas geändert hat, sieht Markert nicht: „Für uns bleibt es dabei: Der Koalitionsvertrag gilt.“ Genaue diese Position macht eine weitere Option unwahrscheinlich: den Transport ins Zwischenlager Ahaus. In diesem Fall käme es zu zahlreichen Atomtransporten quer durch NRW.“

Na, da sollten die Grünen Remmel und Markert noch mal miteinander reden. So ganz scheint da was nicht klar zu sein.

Anders klingt es bei Oliver Krischer. Der Bundestagsabgeordnete aus NRW nahm bereits 2013 Stellung. Allerdings stellt sich auch hier die Frage: Warum hat die grüne Landtagsfraktion in NRW eigentlich nicht längst dafür gesorgt, dass die Verhandlungen abgebrochen wurden?

Die andere Kritikerin der Grünen ist Syliva Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, die sich z.B. im genannten Artikel der Süddeutschen deutlich gegen diese Transporte ausgesprochen hat: Schon allein, weil sie schlicht illegal wären (siehe die Links oben).

Atommüll in die USA – Eine Übereinkunft zwischen Regierungen

webheader_atomalarm_originalgroesseMindestens 152 Atomtransporte aus Jülich in die USA? Ein „Statment of Intent“ hat die zuständige US-Behörde mit dem Bundesforschungsministerium und dem entsprechenden Ministerium in NRW vereinbart, um deutschen Atommüll in dem Atomkomplex Savannah River Site (South Carolina) aufarbeiten zu lassen. Doch möglicherweise soll nicht nur der Jülicher Atommüll auf transatlantische Reise gehen. In den USA bereitet man sich zusätzlich auf 305 Castoren vor, die mit abgebrannten Brennelementen aus dem Atomkraftwerk THTR Hamm-Uentrop gefüllt sind. Bislang behauptet die Bundesregierung, diese weiteren Transporte seien kein Thema. (Siehe dazu die Links unten).

umweltFAIRaendern dokumentiert hier dieses Statement of Intent (PDF), das die Bundesregierung bislang nicht veröffentlicht hat. Es ist datiert vom Ende März / Anfang April 2014.

 

Atomreaktor Jülich: Bloß nicht umkippen

Hier im AVR in Jülich ist der Atommüll erzeugt worden, dessen Lagerung heute nicht gesichert ist. Foto: Betreiber
Atomruine – total verstrahlt: Das Atomkraftwerk AVR in Jülich. Foto: Betreiber

Anti Atom Initiativen aus NRW warnen vor einem weiteren Experiment in der ehemaligen Atomforschungsanlage Jülich. Dort lagern nicht nur 152 Castorbehälter mit hochradioaktivem Atommüll in einer nicht ausreichend sicheren Lagerhalle. Nun soll auch noch der „mit 2100 Tonnen extrem schwere und hochgradig u.a. mit Strontium-90, Cäsium-137 und Kohlenstoff-14 radioaktiv belastete AVR-Atomreaktorbehälter neben dem Forschungszentrum Jülich (soll) ab Ende September/ Anfang Oktober in einem riskanten und weltweit einzigartigen Verladeverfahren gekippt und 300 m weiter in eine unsichere Billig-Lagerhalle transportiert werden und dort 60 Jahre oder länger bleiben.“ So heißt es in einer Pressemitteilung vom gestrigen Donnerstag. Die Initiativen fordern, das waghalsige Experiment zu stoppen und zunächst Alternativen zu prüfen.

„Nach einem jahrelang vertuschten schweren Störfall im Jahr 1978 ist nämlich nicht nur der Reaktordruckbehälter (RDB) bis heute stark verstrahlt, sondern auch der Boden darunter. Der RDB kann wegen der Verstrahlung nicht zerlegt werden. Das enorme Gewicht des RDB und seine extrem hohes strahlendes Inventar stellen ein großes Sicherheitsrisiko bei dem geplanten Manöver dar. Andere Möglichkeiten, die radioaktive Bodenbelastung z. B. durch chemische Reinigung des Bodens zu beseitigen, sind vom Betreiber nie ausreichend geprüft worden. Bis heute ist die Bevölkerung über die konkreten Zeitpläne, Kosten und Maßnahmen der Verladung und Sanierung nicht hinreichend informiert.

In dieser Woche wurden uns weitere Neuigkeiten zu diesem Debakel zugespielt. Offenbar ist der Reaktorbehälter nicht ausreichend dicht und wird bei der Lagerung ständig radioaktiven Kohlenstoff-14 emittieren, sodass jetzt heimlich eine zusätzliche Genehmigung dafür beantragt werden musste. Weiterhin deuten sich Zusatzkosten bei der geplanten Bodensanierung in dreistelliger Millionenhöhe an. Wir fordern weitere Informationen.

Außerdem fragen wir, warum das vorgesehene Lager für den Reaktorbehälter den Sicherheitsanforderungen genügen soll, wenn andererseits nach Aussagen der Landesregierung ein Castorenlager in Jülich wegen Erdbebengefahr und Bodenverflüssigung nicht möglich sein soll.

Wir fordern Bundesregierung, NRW-Landesregierung, Forschungszentrum Jülich und AVR/EWN auf, zunächst eine umfassende Prüfung von Alternativen zur riskanten Verlagerung des stark verstrahlten Druckbehälters durchzuführen. Dazu muss die Verlagerung ausgesetzt werden. An dieser Alternativen-Prüfung muss die Bevölkerung intensiv beteiligt werden.

Wir weisen sie auf den Sonntagsspaziergang am 21.09.14 um 14:00 ab der Haltestelle „Forschungszentrum“ zum Tor des FZJ hin zu dem Anti Atomgruppen aus der ganzen BRD aufrufen. Zeitgleich findet ein Sonntagsspaziergang am Atommüllzwischenlager Ahaus statt.“

Unterzeichner:

AKW Nee Gruppe Aachen

Anti-Atom Bonn www.antiatombonn.de

Anti-Atom Euskirchen www.antiatomeuskirchen.blogsport.de

AAPK, Anti_Atom_Plenum Köln

Atommüll Alarm – Tatorte in Deutschland: Atommüll aus Jülich in die USA? US-Aktivist auf Inforeise

webheader_atomalarm_originalgroesseHochradioaktiver Atommüll aus Jülich soll in 152 Castor-Behältern in die USA abgeschoben werden. Möglicherweise sogar noch viel mehr: In den USA läuft eine förmliche Umweltprüfung für den Atommüllimport , in dem auch die derzeit in Ahaus lagernden Abfälle (305 Castor-Behälter) aus dem THTR Hamm-Uentrop Thema sind. Tom Clements, Anti-Atom-Aktivist aus den USA, ist ab diesem Wochenende auf Einladung von Anti-Atom-Initiativen auf einer Informationsreise durch Deutschland unterwegs. Er ist „Nachbar“ des Atomkomplex „Savannah River Site“. Dort soll nach den bundesdeutschen Plänen der Atommüll landen. Auftakt der Inforeise ist am Sonntag. Dann wird Tom Clements vor der (Atom)Forschungsanlage in Jülich dabei sein. Außerdem wird in Ahaus demonstriert, wo der Atommüll aus dem THTR lagert.

Hier die Terminübersicht: Atommüll Alarm – Tatorte in Deutschland – Stationen der Rundreise von Tom Clements, US-Aktivist von SavannahRiverSite-Watch.

Unterstützen: Online-Protest gegen die unverantwortliche Atommülllagerung.

Sonntag, 21.9. in Jülich
Anti-Atom Spaziergang am FZJ, Rurtalbahn-Haltestelle „Forschungszentrum“, 14 Uhr

Außerdem Demonstration in Ahaus: Sonntag, den 21. September 2014 um 14.00 Uhr am BZA!

Siehe dazu auch die PM des BBU als PDF.

Montag, 22.9. in Düsseldorf
Infoveranstaltung im Townhouse (früher Kolping-Haus), Bilkerstraße 36, 19 Uhr

Dienstag, 23.9. in Jülich
Podiumsdiskussion im Bonhöfer-Haus der evangelischen Kirche, 18.30 Uhr

Mittwoch, 24.9. in Hamburg
Infoveranstaltung in der Werkstatt 3 (W3), Nernstweg 32 – 34, 19.30 Uhr

Außerdem  gibt es folgende Termin mit Tom Clements:

Montag, 22.9. Landespressekonferenz Düsseldorf

Montag, 22.9. Gespräche mit Landtagsfraktionen Düsseldorf

Dienstag, 23.9. Besichtigung des Reaktors und des Castor-Lagers in Jülich

Mittwoch, 24.9. Pressegespräch in Ahaus

Donnerstag und Freitag 25./26.9. Gespräche mit Bundestagsabgeordneten in Berlin

Freitag 26.9. Gespräche mit JournalistInnen in Berlin.

 

Atommüll-Alarm: Rechtswidrige Atommüllexporte aus Jülich in die USA – Kritik wächst

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Bislang kommerzieller Reaktor für die Stromerzeugung – nun auf einmal ein Forschungsreaktor. Brennelemente aus dem AVR Jülich sollen in die USA abgeschoben werden. Foto: Dirk Seifert

Die Auseinandersetzungen um den von der Bundes- und der Landesregierung in NRW geplanten Export von 152 Castorbehältern mit hochradioaktiven Brennelementen aus Jülich in die USA nimmt an Schärfe zu. Der Atomrechtsexperte Dr. Ulrich Wollenteit hat heute in einem Gutachten für Greenpeace dargelegt, dass ein Export gegen bundesdeutsches Atomrecht verstoßen würde. Greenpeace, wie auch zahlreiche Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände, bezeichnen die geplanten 152 Castor-Transporte in die USA als „illegal“. Heinz Smital von Greenpeace nannte auf einer Pressekonferenz den Umgang der Jülich-Betreiber  mit dem Atommüll als „verantwortungslos“. Der Reaktor AVR ist aus Sicht von RA Wollenteit als kommerzieller Reaktor zu betrachten. Ein Export ist damit nicht zulässig.

Die Pressemitteilung von Greenpeace ist hier zu finden, das Rechtsgutachten ist hier als PDF online.

Auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel hält den Export des Atommülls aus Jülich in die USA für rechtswidrig. Erst vor wenigen Tagen hatte er die Antworten der Bundesregierung auf eine vom ihm gestellte kleine Anfrage kritisiert.

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