Wie soll es mit Vattenfall Deutschland jetzt weiter gehen? Darüber sollen am 14. August auf einer Mitarbeiterversammlung der Vattenfall GmbH die Hamburger Beschäftigten informiert werden. Das ganze findet im CCH statt. Auf der Gästeliste steht auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Schulz.
Öffentliche Stellungnahmen oder Informationen seitens der Hamburger Gewerkschaften, vor allem der IG Metall, liegen bislang nicht vor.
Es geht um einiges: Schon jetzt stehen mindestens 1.500 Arbeitsplätze auf der Abschussliste, davon ein größerer Teil auch in Hamburg. Ein weiterer Personalabbau dürfte aufgrund der Ertrags- und Finanzlage des Konzerns folgen.
In Hamburg mobilisieren GewerkschafterInnen für den Volksentscheid von Unser Hamburg – Unser Netz mit einem Aufruf, denn man hier unterschreiben kann.
Angesichts enormer Verluste und Schulden hat der schwedische Eigentümer vor etwas über einer Woche klar gemacht, dass der Konzern zum 1. Januar 2014 aufgespalten wird. Die Geschäfte in Deutschland, den Niederlanden und England werden in eine eigenständige Gesellschaft überführt. Für viele Insider der entscheidende Hinweis, dass sich Vattenfall aus Deutschland endgültig verabschieden und sich wieder auf das skandinavische Kerngeschäft zurück ziehen wird.
Nur die Frage, wie schnell und wie konkret das gehen wird, ist noch Verhandlungssache. Bei der Gewerkschaft IG BCE ist offenbar klar: Bis Ende 2014 wird Vattenfall das Braunkohle-Geschäft aufgeben. Dazu zählen sowohl die Braunkohle-Tagebaue als auch die Kraftwerke, mit denen Vattenfall in Deutschland mehr als 80 Prozent seines Stroms erzeugt. Das ist also der größte Teil des Unternehmens in Deutschland. Angekündigt ist auch schon seit längerem, die Anteile an einem weiteren Braunkohlekraftwerk bei Leipzig zu verkaufen. Ebenso angekündigt ist der Verkauf der 20 Prozent Anteile am AKW Brokdorf.
Viel bleibt dann nicht mehr nach: Ein unwirtschaftliches Kohlekraftwerk in Moorburg, die Strom- und Fernwärmenetze in Berlin und Hamburg inkl. einiger kleinerer Kraftwerke und zwei stillgelegte Atomkraftwerke in Brunsbüttel und Krümmel inkl. des dazugehörigen Atommülls.
Strom- und Fernwärme könnte auch noch schnell verloren, wenn die Volksentscheide in Hamburg „Unser Hamburg – Unser Netz in Hamburg“ (22. September, vollständige Rekommunalisierung der Netze für Strom, Fernwärme samt Stromerzeugung (beide noch Vattenfall und Gas (E.on)) und der Berliner Energietisch (3. November, Stromnetz und Gründung von kommunalen Stadtwerken) erfolgreich sind. Vielleicht wäre es ohnehin das beste, wenn Vattenfall jetzt einfach aussteigt?!!
Vattenfall in der Krise: Texte auf umweltFAIRaendern.de:
Ruft zum Volksentscheid für die vollständige Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg auf: Gero Lücking vom Ökostrom-Unternehmen Lichtblick. Foto: Lichtblick
Das Ökostrom-Unternehmen Lichtblick hat sich in einem Positionspapier für den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ am 22. September ausgesprochen. Während das Unternehmen sich grundsätzlich gegen die Rekommunalisierung ausspricht (siehe unten), sieht Lichtblick in Hamburg aber gute Gründe, diesen Schritt zu tun. Für Lichtblick sind die Verträge zwischen der Stadt Hamburg und den Atom- und Kohlekonzernen Vattenfall und E.on „ein beispielloser Skandal, sie sind ein großer Rückschritt für den Wettbewerb und die Energiewende“.
Bereits im Mai 2012 hatte Geschäftsführer Gero Lücking klare Worte für den Deal zwischen der Hansestadt und Vattenfall/E.on gefunden: „Die Entscheidung der Hamburger Bürgerschaft ist teuer, aber nichts wert. Es ist der Versuch, der Hamburger Netzinitiative politisch den Wind aus den Segeln zu nehmen“ und … „Jetzt ist es ein Deal, der Eon und insbesondere Vattenfall dient.“ (Vollständig nachzulesen auf Klimaretter.info unter der Überschrift: Der Hamburger SPD-Senat im Bett mit Vattenfall). Außerdem in der Rubrik Filz in diesem Blog: Energienetze Hamburg – SPD mit Vattenfall im Bett.
Jetzt heißt es in dem Positionspapier: „LichtBlick befürwortet das Volksbegehren „Unser Hamburg – Unser Netz“ und ruft dazu auf, beim Volksentscheid am 22. September 2013 parallel zur Bundestagswahl für die vollständige Rekommunalisierung des Strom-, Gas- und Fernwärmenetzes zu stimmen“. Obwohl der Ökostromer grundsätzlich gegen eine weitere Zerteilung in kleinere Netzgesellschaften votiert und die Regulierung durch die Netzagentur für insgesamt ausreichend hält, ist Hamburg ein Sonderfall, der die Rekommunalisierung notwendig macht.
Vor allem die „Geheimverträge“ zwischen der Stadt Hamburg und Vattenfall sowie E.on kritisiert Lichtblick. Diese würden „umfassend und in unzulässiger Weise in den wettbewerblichen Bereich der Energieerzeugung des gesamten Energiemarktes“ eingreifen, heißt es. Die Verträge sorgen dafür, dass die „Oligopol-Stellung von Vattenfall und Eon im Hamburger Markt langfristig (ge)festigt“ wird.
Goldesel Fernwärme
Ebenso scharf kritisiert Lichtblick die Verträge zur Vattenfall-Fernwärme. Weil hier – anders als bei Gas und Strom – die Regulierung durch die Netzagentur nicht gilt, sichern die Verträge mit Vattenfall ein Monopol: „Das Monopol aus Netzbetrieb, Energieerzeugung und Vertrieb existiert hier noch immer und macht das Fernwärmenetz zum Goldesel der Konzerne.“ Die Öffnung der Fernwärmeversorgung nach der vollständigen Rekommunalisierung würde für Klima und Umwelt erhebliche Vorteile bringen. Einerseits wäre es dann möglich, dass auch im Fernwärmenetz unterschiedliche – erneuerbare – Energien von unterschiedlichen Anbietern/Erzeugern eingespeist werden könnte. Andererseits könnte die Fernwärme dann als Speicher für Erneuerbare Energien ausgebaut werden. Beides würde die Energiewende unterstützen, so Lichtblick in dem Positionspapier.
Ökostromer Lichtblick: Position zum Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“
LichtBlick befürwortet das Volksbegehren „Unser Hamburg – Unser Netz“ und ruft dazu auf, beim Volksentscheid am 22. September 2013 parallel zur Bundestagswahl für die vollständige Rekommunalisierung des Strom-, Gas- und Fernwärmenetzes zu stimmen.
LichtBlick unterstützt den Volksentscheid aus einer differenzierten Position heraus. Denn grundsätzlich lehnen wir den Trend zur Rekommunalisierung der Strom- und Gasnetze aus folgenden Gründen ab:
Es gibt heute bereits über 1.600 Netzbetreiber in Deutschland. Die meisten von Ihnen sind mit den technischen und wirtschaftlichen Anforderungen der Energiewende überfordert. Sie sind ein Hemmschuh für den Umbau des Energiesystems. Die Zahl der Netzbetreiber muss deshalb deutlich auf 20 bis 40 sinken. Denn nur große, mit geeigneten Fachleuten ausgerüstete und finanziell starke Netzbetreiber sind in der Lage, die komplexen Herausforderungen der Energiewende zu meistern.
Der Betrieb der Strom- und Gasnetze ist durch die Bundesnetzagentur reguliert – unabhängig vom Eigentümer gibt es klare Spielregeln für den Netzbetrieb. Die Netze haben eine „dienende Funktion“. Der Betreiber muss allen Wettbewerbern bei der Energieproduktion und beim Energievertrieb einen freien, reibungslosen Zugang zum natürlichen Monopol Netz ermöglichen. Die Gestaltungsspielräume, die den Kommunen durch die Übernahme der Netze entstehen, sind eng begrenzt. Sie werden von den Befürwortern der Rekommunalisierung regelmäßig überschätzt.
Trotz dieser grundsätzlichen Skepsis unterstützt LichtBlick das Volksbegehren „Unser Hamburg – Unser Netz“, weil in Hamburg eine Sondersituation vorliegt:
Die Stadt Hamburg hat durch einen umfassenden Vertrag mit den Konzernen Vattenfall und Eon zum Teilrückkauf von 25,1 Prozent der Netze eine einmalige Situation geschaffen. Denn durch die Geheimverträge werden nicht nur die Besitzverhältnisse der Netze neu geregelt. Die Verträge greifen auch umfassend und in unzulässiger Weise in den wettbewerblichen Bereich der Energieerzeugung und des gesamten Energiemarktes ein.
So enthalten die Verträge Zusagen zum Bau eines neuen Kraftwerks als Ersatz für das Heizkraftwerk Wedel, zum Aufbau virtueller Kraftwerke mit Blockheizkraftwerken sowie zur Zusammenarbeit im Bereich von Speicherlösungen, Elektromobilität, Smart Grid-Projekten, der Nutzung industrieller Abwärme sowie der Einspeisung erneuerbarer Energien. Das Abkommen ist so umfassend, dass es die Oligopol-Stellung von Vattenfall und Eon im Hamburger Markt langfristig festigt. (1) Die Verträge sind ein beispielloser Skandal, sie sind ein großer Rückschritt für den Wettbewerb und die Energiewende. Denn nun kommen nicht mehr die wirtschaftlichsten und umweltfreundlichsten Lösungen zum Zuge, sondern die von den Atom- und Kohlekonzernen Vattenfall und Eon favorisierten Optionen.
Zudem gibt es eine Sondersituation im Bereich der Fernwärmenetze: Während es beim Strom- und Gasnetz aufgrund der Regulierung weitgehend unbedeutend ist, ob der Eigner privat oder öffentlich ist, stellt sich die Situation im Fernwärmenetz anders dar. Im Unterschied zum Strom- und Gasmarkt ist der Fernwärmemarkt noch nicht liberalisiert. Das Monopol aus Netzbetrieb, Energieerzeugung und Vertrieb existiert hier noch immer und macht das Fernwärmenetz zum Goldesel der Konzerne. Ein vollständiger Übergang in die Hand der Stadt Hamburg würde die Chance einer echten Öffnung des Fernwärmenetzes für konkurrierende Energieerzeuger bieten. Dies brächte folgende zwei Vorteile:
(1) Alle Unternehmen könnten künftig ihre Wärme zu fairen Konditionen in das Fernwärmenetz einspeisen. Das ist eine Option, die auch für unsere LichtBlick ZuhauseKraftwerke hochinteressant wäre – denn dieser Markt ist uns und anderen Wettbewerbern bisher verschlossen. Zudem könnten konkurrierende Energieversorger eigene Wärmprodukte anbieten, so dass Fernwärmekunden künftig ihren Anbieter genau so frei wählen könnten wie heute bereits Strom- und Gaskunden. In Hamburg könnte über die Rekommunalisierung also der Startschuss für die Liberalisierung des Fernwärmemarktes in Deutschland fallen – zum Wohle der Verbraucher, die heute aufgrund des fehlenden Wettbewerbs überhöhte Wärmepreise zahlen. Voraussetzung wäre allerdings der politische Wille des kommunalen Besitzers Stadt Hamburg, den Fernwärmemarkt zu öffnen.
(2) Die Liberalisierung des Fernwärmemarktes kann zudem eine wichtige Rolle für die Energiewende spielen. Wenn in Zukunft große Mengen regenerativ erzeugten Stroms zu immer mehr Zeiten keine unmittelbare Nachfrage gegenübersteht, kann dieser Strom in Wärme umgewandelt und in Fernwärmenetzen zwischengespeichert werden. Die Fernwärmenetze stellen also eine wichtige Infrastruktur dar, um fluktuierende Stromerzeugung nutzen und ausgleichen zu können. Da die Energiewende ein Projekt der gesamten Gesellschaft ist, muss die dafür benötigte Infrastruktur allen Marktteilnehmern zur Verfügung stehen. Denn es kann nicht sein, dass nur die Unternehmen, die aus historischen Gründen die Infrastruktur der Fernwärmenetze besitzen, Zugriff auf diese Netze haben und Produkte und Dienstleistungen im Rahmen der Energiewende anbieten können.
Wir sehen mit dem Volksentscheid die Chance, zum Wohle der Verbraucher und im Sinne der Energiewende für mehr Wettbewerb auf dem Hamburger Energiemarkt zu sorgen.
Deshalb unterstützt LichtBlick die Initiative „Unser Hamburg – Unser Netz“.
LichtBlick SE Gero Lücking, Geschäftsführender Direktor Energiewirtschaft Ralph Kampwirth, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation
Hamburg, im Mai 2013
(1) Quelle: Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, Senatsdrucksache 20/2392 vom 29.11.2011 und Senatsdrucksache 20/2949 vom 24.1.2012.
E.on Chef Teyssen: Sein eigenes Gehalt wird erhöht. Dafür müssen viele tausende Beschäftigte gehen. Foto: Dirk Seifert.
Den Beschäftigten bei Vattenfall und E.on droht der Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“. Das jedenfalls muss man glauben, wenn man die Statements von einigen GewerkschafterInnen hört, z.B. vom Verdi-Fachbereich 02 Versorgung. Kein Wort haben die Gewerkschafts-KollegInnen für massiven Kahlschlag, der auch bei E.on längst im Gange ist und vielen tausend KollegInnen den Job kostet. Daher hier noch mal einige Daten über die Lage für die Beschäftigten im E.on-Konzern.
Von zuvor 79.000 Arbeitsplätzen sind zum Beginn 2013 nur noch 72.000 vorhanden. Das sind 7.000 Arbeitsplätze, die der Energiegigant in den letzten Jahren nach einer Reihe von Fehlinvestitionen und einer völlig verfehlten Energiepolitik abgebaut hat. Auf dem Rücken der Beschäftigten werden die Folgen dieser Fehler der Chefabteilung ausgetragen. Weltweit streicht der Konzern insgesamt 11.000 Stellen, 6.000 davon in Deutschland. Das berichtete die WAZ im März.
„Eon treibt auch den Stellenabbau voran. Im Zuge des Sparprogramms „Eon 2.0″ seien bislang mehr als 3000 Arbeitsplätze abgebaut worden, erklärte die scheidende Personalchefin Regine Stachelhaus.“ Die WAZ berichtet auch: „Insgesamt schrumpfte die Eon-Belegschaft laut Geschäftsbericht innerhalb eines Jahres sogar von knapp 79 000 auf 72 000 Beschäftigte.“
Während KollegInnen ihre Arbeitsplätze verlieren und mächtig Druck auf die Einkommen und auf die Verfügbarkeit gemacht wird, haben sich die Konzernchefs massive Gehaltserhöhungen bewilligt: „Der Eon-Vorstand ließ sich seine Arbeit im vergangenen Jahr deutlich besser bezahlen als 2011. Die Gesamtbezüge für das sechsköpfige Gremium erhöhten sich von 17,6 auf 21,7 Millionen Euro. Für Konzernchef Teyssen weist der Geschäftsbericht ein Gehalt in Höhe von 5,7 Millionen Euro aus, im Jahr zuvor waren es noch 4,5 Millionen Euro.“
In Hamburg mobilisieren GewerkschafterInnen für den Volksentscheid von Unser Hamburg – Unser Netz mit einem Aufruf, denn man hier unterschreiben kann.
Verblüffend, wie E.on Chef Teyssen das begründet : Der „Gewinn des Konzerns sei 2012 „massiv höher“ gewesen als im Jahr 2011, auch die Dividende für die Aktionäre werde angehoben. Teyssen kündigte an, dass der Vorstand ein neues Vergütungssystem bekomme.“
Auch die Pensionsansprüche der Eon-Vorstände sind erhöht worden: „Allein der Barwert der Pension des 53-jährigen Teyssen liegt mittlerweile bei 16,4 Millionen Euro – nach 11,7 Millionen Euro im Vorjahr. Auch Eon-Vorstandsmitglied Bernhard Reutersberg (59) darf mit bemerkenswerten Ruhegeldzahlungen rechnen. Der Barwert seiner Pension hat nunmehr die Schwelle von zehn Millionen Euro überschritten.“
Und während die KollegInnen in die Röhre gucken, gibt es für die Aktionäre auch noch eine schöne Nachricht für das Geschäftsjahr 2012: „Unter dem Strich verbuchte der Konzern nach einem Verlust von 1,86 Milliarden Euro im Krisenjahr 2011 nun mit 2,64 Milliarden Euro wieder Gewinne.“
Von all diesen Dingen, die da unter der Regie von Teyssen bei E.on ablaufen schweigen die GewerkschafterInnen vom Fachbereich 02 in Hamburg in ihrem Papier zum anstehenden Volksentscheid und der vollständigen Rekommunalisierung der Energienetze von Vattenfall und E.on. Sollten sich die Beschäftigten über diese Dinge keine Sorgen machen? Hallo Verdi: Wie ist das?
Gibt es etwa ein Demokratie-Problem bei der SPD in Hamburg? Foto: Dirk Seifert
Update 23.45: Na da ist was los – in der SPD und ich Sachen Volksentscheid. Aber jetzt ist alles wieder wie gestern – Erklärung folgt gleich unten. Vorweg: Der Hinweis auf der Seite der SPD-Eimsbüttel-Nord ist wieder dort, wo her hingehört. Im Laufe des heutigen Abends wurde der auf der Homepage veröffentlichte Hinweis auf eine Broschüre der SPD-Linken, in der diese zum Ja für den Volksentscheid aufrufen und in der sie für eine offene Debatte in der SPD plädieren – wieder zurückdatiert und unter dem Veröffentlichungsdatum 29. Juli eingeordnet. Sehr schön. Da wurde im District wohl miteinander geredet.
Was bis hierhin geschah: (Text mit Stand vom 30.7., 19.19 Uhr)
Ja, was ist denn da los? Wundersame Dinge passieren auf den Internet-Seiten der Hamburger SPD. Gibt es da möglicherweise Ärger hinter den Kulissen? Gar schlimmeres? Gestern erschien ein Hinweis auf der Seite der SPD-Eimsbüttel-Nord – über den heute die taz mit Bezug auf diesen Hinweis schrieb – und jetzt plötzlich ist der Hinweis nicht mehr von gestern, sondern vom 3. Juli (siehe Foto unten). Ein wundersamer Zeitsprung! Oder sollten sich da ein paar SPD-Spitzen-Genossen geärgert haben? Oder gar schlimmeres?
Der Reihe nach: Die stellvertretende Vorsitzende des Bezirks (UPDATE: DESTRICTS!), Carola Ensslen, hatte am gestrigen Montag – den 29.7. – einen Hinweis samt Downloadlink (update: Siehe jetzt wieder oben!) auf die von SPD-Linken herausgegebene Broschüre „Hamburger Diskurs Energiewende“ auf der Homepage der SPD-Eimsbüttel-Nord veröffentlicht (Text siehe unten). Darin widersprechen die GenossInnen der SPD-Mehrheitsposition zum Volksentscheid und fordern dazu auf, mit Ja beim Volksentscheid abzustimmen. Und sie fordern, dass endlich in der SPD offen über die Energiewende und die Frage der Rekommunalisierung diskutiert wird. Ein unglaublicher Vorgang innerhalb der SPD!
Auch die taz stellt fest: „Es ist ein Affront gegen den Hamburger Bürgermeister und SPD-Landesvorsitzenden Olaf Scholz“ und trifft damit wohl tatsächlich die Stimmung in den Parteispitzen… NEIN NEIN, möchte man da als kleiner Blogger frohgemut und positiv ausrufen: Es ist nur Demokratie und freie Meinungsäußerung.
Ist es das?
Screenshot der Homepage: Neues Datum.
Jedenfalls: heute, am 30. Juli gibt es den Hinweis vom 29. Juli nicht mehr auf der Homepage der SPD-Eimsbüttel-Nord. Erst wenn man die Suchfunktion nutzt, findet man den Text wieder. Jetzt mit Datum vom 3. Juli.
UPDATE: zwischenzeitlich lautete der Link: http://spd-eimsbuettel-nord.de/2013/07/03/hamburger-diskurs-energiewende-erschienen/, Siehe nebenstehendes Foto!)
Was soll denn das? Offenkundig ist zwischen gestern und heute das (Speicher)Datum geändert worden, damit der Text im Seitenranking deutlich weiter nach hinten rutschte und nicht mehr oben im Bereich der Startseite sichtbar war. Warum?
Darüber wird hier in den nächsten Tagen zu berichten sein.
Hier aber noch mal einige Fakten und Gedanken dazu, wie es um die Gemütsverfassung der SPD-Basis mit Blick auf die vom Bürgermeister verordnete Partnerschaft mit den Atomkonzernen Vattenfall und E.on wirklich stehen könnte:
Laut einer Meinungsumfrage des Abendblatts aus dem Frühjahr ist nicht nur eine Mehrheit der HamburgerInnen dafür, dass nicht länger Vattenfall und E.on die Netze betreiben sollen. Auch 72 Prozent der SPD-WählerInnen sympathisieren demnach mit der Forderung, dass die Netze vollständig in die öffentliche Hand gehören. Angesichts derart hoher Sympathiewerte unter den WählerInnen ist es eigentlich nur erstaunlich, dass innerhalb der SPD nicht mehr um die Frage Rekommunalisierung der Netze gestritten wird. Selten war es so still in der Partei. Zustimmung?
Wohl kaum: Auch unter SPD-Mitgliedern traut kaum einer den Atomkonzernen Vattenfall und E.on über den Weg. Auch sie haben erlebt, wie Vattenfall nach den Pannenserien in den AKWs Brunsbüttel und Krümmel die Bevölkerung angelogen hat. Die wissen von den ewigen Preistreibereien, davon, dass diese Unternehmen mit Laufzeitverlängerung für Atommeiler die Energiewende zu Fall bringen wollten.
Viele SPD-Mitglieder haben nach der für die SPD verheerenden letzten Bundestagswahl aktiv die Menschenkette zwischen den AKWs Brunsbüttel und Krümmel unterstützt, haben gemeinsam mit Anti-Atom-Initiativen daran gewirkt, dass 120.000 Menschen für den Atomausstieg – und gegen Vattenfall und E.on – auf die Straße gingen. Das war für viele SPD-GenossInnen nicht nur ein politisches Erlebnis, sondern auch ein sehr emotionales. Endlich mal so richtig gemeinsam mit Bürgerinitiativen gemeinsam auf der Straße! Kam in den Jahren unter Schröder und Nachfolgern ja nicht wirklich oft vor.
Oftmals hieß es nach dem Wahldesaster, nachdem die Partei am Boden lag: „Endlich können wir mal sagen, was wir denken und dafür auch aktiv sein.“ Für viele SPD-GenossInnen waren die Menschenkette und die anschließenden Großdemonstrationen vor und nach Fukushima ein Großerlebnis: Die Basis war gefordert und engagierte sich. Und jetzt – einen Wahlsieg später und unter „König“ Scholz sollen sie es richtig finden, dass die Dinosaurier-Konzerne Vattenfall und E.on ihre „Partner für Hamburg“ sein sollen? Konzerne, die vor dem Verfassungsgericht und Schiedsgericht in Washington die Bundesbürger mit milliardenschweren Schadensersatzklagen für den Atomausstieg bedrohen?
Es ist doch eigentlich ein Wunder, dass die Hamburger SPD bislang – in Totenstille erstarrt – den Kurs der Führung mitmacht. Einen Kurs, bei dem selbst das konservative Abendblatt fassungslos wird, als Vattenfall krisengebeutelt vor wenigen Tagen ankündigt, sich möglicherweise ganz aus Deutschland zurück zu ziehen.
Demokratie braucht Mut. In der SPD offenbar derzeit mehr, also an anderen Orten dieser Republik!
** Der Text auf der Homepage der SPD-Eimsbüttel Nord lautete: „Eine aktuelle Ausgabe des Hamburger Diskurses setzt sich intensiv mit dem Volksentscheid Energienetze auseinander, der in Hamburg parallel zur Bundestagswahl stattfindet. Das Ergebnis kann man unschwer dem Foto der Titelseite entnehmen. Der Diskurs will die nicht wirklich geführte Diskussion in der SPD anregen. Der weitere Inhalt spricht für sich. Empfehlung: Lesen und die Argumente losgelöst von Polemik und Angstmache (z. B. vor Schulden) auf sich wirken lassen.“ Nebenstehend war das kleines Bildchen die Titelseite zu sehen und per Anklicken konnte die Broschüre als PDF heruntergeladen werden.
Wer nicht lesen will, muss hören: Wer sich über Vattenfall und die Krise des Atom- und Kohleunternehmens auf dem Laufenden halten will, kann das auch per MP3. Hier gibt es mal als kleinen Überblick Audio-Material vom Deutschlandradio.