Vattenfall: Ausverkauf geht weiter – VERA ist weg

Vattenfall2014
Ausverkauf bei Vattenfall geht weiter: VERA ist weg.

Achtung: Korrektur! Nicht die Stadtreinigung, sondern die Stadtentwässerung hat die VERA gekauft!

Der wirtschaftlich schwer angeschlagene Konzern Vattenfall ist weiter dabei, Geschäftsbereiche zu verkaufen. Vor wenigen Tagen vermeldete der Konzern, wie schon vor einiger Zeit hier angekündigt, den Verkauf seiner Anteile an der VERA, einer Klärschlamm-Verbrennungsanlage. Die Hamburger Stadtreinigung Hamburger Stadtentwässerung (HSE) ist nunmehr mit 60 Prozent an der VERA beteiligt. Remondis Aqua hält nach dem Verkauf die weiteren 40 Prozent. Über den Verkaufspreis machte Vattenfall keine Angaben.

Erst vor kurzem hatte Vattenfall die Müllverbrennungsanlage in der Borsigstraße an die Hamburger Stadtreinigung verkauft. Auch die noch verbleibende MVA am Rugenberger Damm wird wohl demnächst nicht mehr im Besitz von Vattenfall sein. Nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ musste Vattenfall das Stromnetz an Hamburg übergeben. Demnächst wird auch die Fernwärme wieder komplett in die öffentliche Hand gehen.

Damit ist Vattenfall aus seiner bisherigen strategischen Rolle in der Hamburger Energie- und Abfallwirtschaft von Hamburg weitgehend ausgeschieden bzw. dabei, sich zu verabschieden. Neben den stillgelegten AKWs in Brunsbüttel und Krümmel ist Vattenfall noch mit 20 Prozent am AKW Brokdorf beteiligt. Außerdem hat Vattenfall mit hohen Verlusten und zum Schaden des Klimas den Block 1 des Kohlekraftwerk Moorburg vor kurzem in Betrieb genommen. Der zweite Block soll demnächst folgen. Außerdem will Vattenfall den Bereich Erneuerbare Energie weiter betreiben. Allerdings: Damit ist Vattenfall kein integrierter Versorger mehr, sondern lediglich ein Spartenunternehmen.

Dokumentation: Pressemeldung Vattenfall | 20-03-2015 | 15:22 PM

Neue Eigentümerstruktur bei der VERA Klärschlammverbrennung GmbH

Hamburger Stadtentwässerung und Remondis Aqua übernehmen Anteile von Vattenfall

Die Vattenfall Europe New Energy GmbH hat ihren 56-prozentigen Anteil an der VERA Klärschlammverbrennung GmbH an die beiden Mitgesellschafterinnen verkauft. Die Hamburger Stadtentwässerung (HSE) übernahm 49 Prozent dieser Anteile und hält nunmehr 60 Prozent an der VERA, die Remondis Aqua GmbH & Co KG stockte ihre Anteile um sieben auf 40 Prozent auf. Für die 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesellschaft ergeben sich keine Veränderungen. Der gestern unterzeichnete Kaufvertrag steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Kartellamtes.

„Wir freuen uns über den Vertragsabschluss, durch den wir einen erfolgreichen Weiterbetrieb der Anlage und somit eine stabile Zukunft für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der VERA sichern konnten“, betont André Bandilla, Geschäftsführer der Vattenfall Europe New Energy GmbH.

Die VERA ist eine Verwertungsanlage für Rückstände aus der Abwasserbehandlung. Sie nutzt die auf dem Hamburger Hauptklärwerk am Köhlbrand anfallenden Reststoffe zur Energieerzeugung.

Naomi Klein, der Kapitalismus, das Klima und ein Hamburger Volksentscheid

IMG_0360Naomi Klein hat ein neues Buch geschrieben: „DIE ENTSCHEIDUNG – Kapitalismus vs. Klima“ heißt der Titel. „“Dieses Buch ändert alles“, steht in boulevardtauglichen Riesenlettern auf der Rückseite“, stellt die Zeit fest, der das Buch nicht wirklich gefällt. Als Sachbuch stellt es der Freitag vor. DIE ENTSCHEIDUNG? Geht natürlich gar nicht ohne Hamburg! Im Kapitel 3 zum Thema „Öffentliche Versorgung und Kostenpflicht für Umweltverschmutzer“ und zur „Überwindung der ideologischen Hindernisse auf dem Weg zu einer neuen Ökonomie“ wird ein Hamburger Volksentscheid bedeutsam, der nicht nur Atomkonzerne in die Knie zwang, sondern ein Baustein für die Wiederaneignung und dem Wunsch nach „lokaler Macht“ war. Es geht – natürlich – um „Unser Hamburg – Unser Netz“.

Naomi Klein schreibt: „Der Volksentscheid fiel knapp aus, aber am 22. September 2013 eroberten sich die Bewohner der zweitgrößten deutschen Stadt ihre Macht zurück. An jenem Tag stimmten 50,9 Prozent der Wahlberechtigten Hamburgs dafür, ihr Strom-, Gas- und Fernheizungsnetz der Kontrolle der Stadt zu unterstellen und eine Welle des Ausverkaufs an Privatunternehmen rückgängig zu machen, die über zehn Jahre zuvor stattgefunden hatte.“ (Seite 122)

Drei Jahre dauerte diese Auseinandersetzung über die Volksinitiative, das Volksbegehren und schließlich dem besagten Volksentscheid. Und mit der Rückeroberung „lokaler Macht“, wie Naomi Klein das nach einem Gespräch mit der damaligen Kampagnen-Leiterin Wiebke Hansen zusammenfasst, haben die HamburgerInnen also eingegriffen in DIE ENTSCHEIDUNG zwischen Kapitalismus und Klima. Na, das muss man dann im Buch mal genauer nachlesen. Etwas regionaler, aber mit großem Potential, hat umweltFAIRaendern zum Thema berichtet:

Vattenfall zerfällt weiter: Verluste im Geschäftsjahr 2014

Vattenfall-AKW-Brunsbuettel-Dez2013-15Vattenfall zerfällt und macht weiterhin Verluste. Das Handelsblatt berichtet: „Operativ sei 2014 ein Fehlbetrag von 2,2 Milliarden Schwedischen Kronen (umgerechnet 233 Millionen Euro) aufgelaufen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Ursache hierfür seien auch hohe Abschreibungen und eine schwächere Nachfrage nach Strom und Gas wegen des warmen Wetters gewesen. 2013 hatte Vattenfall sogar einen Verlust von 6,2 Milliarden Kronen verbucht. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres ging es etwas bergauf.“ Hohe Abschreibungen? Das sind vor allem Fehlinvestitionen und Verlustabschreibungen. Z.B. für das Klimakiller-Kohle-Kraftwerk in Hamburg Moorburg mussten in der Summe inzwischen eine Milliarde Euro abgeschrieben werden und auch die viel zu teure Investition beim niederländischen Nuon drückt immer noch auf die Bilanz von Vattenfall. „Vattenfall zerfällt weiter: Verluste im Geschäftsjahr 2014“ weiterlesen

HamburgerEnergieWende Wärmeversorgung: Standort Wedel ist zu teuer – Umweltbehörde räumt „ernstzunehmende Handlungsalternativen“ ein

HEW1Fernwärme aus Wedel zur Versorgung in Hamburg? Für die HamburgerEnergieWende inkl. Klimaschutz ist der Standort Wedel um bis zu 170 Millionen Euro im Vergleich zu möglichen Alternativen in Stellingen zu teuer. Zu diesem Ergebnis kommt eine gutachterliche Stellungnahme im Rahmen der Diskussion um die Alternativen für den Ersatz des veralteten und besonders klimaschädlichen Kohle-Heizkraftwerks in Wedel. Die Umweltbehörde unter Jutta Blankau räumt inzwischen ein: Es gibt „ernstzunehmende Handlungsalternativen“. Bereits vor rund zwei Wochen hatten Umwelt- und Energie-Initiativen, darunter der BUND Hamburg, in einer weiteren Stellungnahme ihre Anforderungen an die HamburgerEnergieWende und die Alternativen bei der Fernwärmeerzeugung der Umweltbehörde auf den Tisch gelegt.

Die Stellungnahme zum wirtschaftlichen Standortvergleich zwischen Wedel und Stellingen (PDF), wo im Sommer die bisherige Müllverbrennungsanlage dichtgemacht wird, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Zwischen 140 und 170 Mio. Euro ist demnach der Standort in Stellingen günstiger als das entfernte Wedel. Damit dürfte die Debatte um den Wedel-Kohle-Ersatz im Rahmen der Umsetzung des Volksentscheids „Unser Hamburg – Unser Netz“ neue Impulse erhalten.

Matthias Ederhof von der EnergieNetzGenossenschaft und Prof. Dietrich Rabenstein haben die wissenschaftliche Stellungnahme erarbeitet und kommen zu der zentralen Aussage: „Der Bau und die Nutzung eines neuen Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerks am Standort Stellingen ist rund 140 Mio. € günstiger als am bisher von Vattenfall und vom Hamburger Senat bevorzugten Standort Wedel. Eine Alternative zum Bau eines GuD-Heizkraftwerks in Stellingen, die dem Volksentscheid besser entspricht, bildet der Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks. Für dieses ergeben sich am Standort Stellingen Kostenvorteile von rund 170 Mio. €.“

Nach dem Volksentscheid: Wärme-Dialog sorgt für Impulse und neue Chancen

Seit dem erfolgreichen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ und der damit anstehenden Rekommunalisierung auch der Fernwärmeversorgung läuft endlich wieder eine intensive Debatte auch um die Alternativen zum Kohleheizkraftwerk Wedel, das mit seinen hohen CO2-Emissionen nicht eben klimaverträglich ist. Der seinerzeit von Vattenfall und Minderheitspartner Hamburg aus der Tasche gezauberte Plan, ein „Innovationskraftwerk“ als Ersatz zu bauen, stieß schnell auf massive Kritik. Zu groß, zu unflexibel hieß es unter anderem.

Nach dem Volksentscheid und mit Kurs auf die 100-prozentige Kommunalisierung der Fernwärme, also ohne Vattenfall, setzte Anfang 2014 der sogenannte Wärme-Dialog ein. Bürgerinitiativen und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen fingen an, Alternativen zu untersuchen und zu fordern. Ihr Ziel, analog zum gewonnenen Volksentscheid: Die Alternative zum alten Kohleheizkraftwerk Wedel müsse dezentral und am besten Erneuerbar sein. Damit war auch die Frage nach Standort-Alternativen im Raum.

Unter dem Druck des Volksentscheids und angesichts der Vorschläge aus dem Wärme-Dialog konnte sich nach langer Gegenwehr auch die Umweltbehörde nicht mehr entziehen. Ohne Vattenfall hatte die Behörde unter Jutta Blankau keine eigenen Konzepte. Im Sommer 2014 endlich beauftragte sie die BET, den lange geforderten Alternativenvergleich auf den Weg zu bringen.

Nicht zuletzt auch wegen der freundlichen Ermahnung aus dem Rathaus wurden auch die Initiativen aus dem Wärme-Dialog beteiligt. Es war – wie zu hören ist, ein gutes Stück Arbeit, die von der Behörde vorgegebenen Rahmenbedingungen aufzubohren und für halbwegs faire Ausgangsparameter und Bewertungsmaßstäbe zu sorgen.

Erfolgsorientierter Dialog für mehr Klimaschutz: Umweltbehörde räumt „ernstzunehmende Handlungsalternativen“ ein.

Schon vor der jetzt hier vorgestellten Stellungnahme zu den wirtschaftlichen Vor- und Nachteilen für den Neubau einer klimaverträglichen Alternative zwischen Wedel und Stellingen war es im Rahmen des Wärme-Dialogs in der Debatte um das BET-Gutachten klar: Es gibt wirtschaftliche Alternativen zu den bisherigen Planungen. Das musste inzwischen auch die Umweltbehörde öffentlich einräumen, die weiterhin an den alten Plänen klebt.

Im Wedeler Tageblatt war jüngst zu lesen: „Drei Wochen vor der Bürgerschaftswahl hält sich Umweltsenatorin Jutta Blankau (SPD) zu dem heiklen Thema bedeckt. Auf Anfrage lässt sie mitteilen, die Gutachter hätten die Sinnhaftigkeit des GuDs zwar grundsätzlich bestätigt, aber auch „ernstzunehmende Handlungsalternativen“ genannt. Beispielsweise zentrale und dezentrale Gasmotoren. Nun müssten die Experten die noch offenen Fragestellungen abarbeiten.“

Zu diesem Ergebnis kommen auch die Umweltverbände und -Initiativen in ihrer jetzigen Stellungnahme zum laufenden Gutachterprozess. In dem Schreiben an die Behörde und die Gutachter halten sie fest: „Wir möchten als positive Entwicklung hervorheben, dass es neben einem möglichen neuen GuDKraftwerk erstmals auch zwei weitere gutachterlich mindestens gleichwertige technische Alternativen gibt, nämlich „Gasmotoren-Kraftwerk an einem zentralen Standort“ und „Mehrere kleinere Gasmotoren-Kraftwerke an dezentralen Standorten“.

Die Stellungnahme von BUND Hamburg, Hamburger Energietisch (HET) und KEBAP und anderen zum Gutachtenprozess mit BET Aachen und dem Alternativenvergleich ist hier als PDF.

Anforderungen im Wärme-Dialog an Behörde und Gutachter

Doch noch sind viele Dinge zu klären: „Im Sitzungsverlauf ist es zu einer erheblichen Veränderung und Erweiterung des Prüfbedarfs gekommen. Um das avisierte Ziel der Fertigstellung eines belastbaren Gutachtens im Frühjahr 2015 zu erreichen, bedarf es einer zügigen Ergänzung des Gutachtenauftrags. Daher bitten wir Sie um eine zeitnahe Information darüber, wann und wie Sie dies sicherstellen. Falls es bereits zu einer Vertragsänderung kam, bitten wir um Übersendung des neuen Vertrags.“

Auf Anfrage teilte Wiebke Hansen vom BUND Hamburg mit, dass die Antwort noch ausstehe, betonte aber, dass bei der Sitzung des Umweltausschusses am 13.1.2015 ein Vertreter des Amts für Natur- und Ressourcenschutz der Umweltbehörde im Beisein der Senatorin die Notwendigkeit einer genaueren Prüfung des Standorts Stellingen betont hat.

 

Chance für Hamburger EnergieWende: Vattenfall bricht neugeordnet zusammen

HEW1Wir erleben live den Untergang eines Stromgiganten: In einem rasenden Tempo fällt der Vattenfall-Konzern auseinander. Bereits im April soll die gesamte Braunkohlesparte des schwedischen Staatskonzerns verkaufsfertig sein. Darüber berichten heute zahlreiche Medien, u.a. die Klimaretter. Zu diesem Datum wird der zusammenbrechende Konzern auch schon wieder eine neue Organisationsstruktur erhalten. Die erst vor kurzem eingeführte regionale Struktur wird angesichts fehlender Masse nun nach kurzer Zeit schon wieder über Bord geworfen. Jetzt will sich der Konzern entlang der verbliebenen „sechs Geschäftseinheiten Wärme, Windkraft, Kunden & Lösungen, Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb, Erzeugung und Handel & Märkte“ organisieren, teilt das Unternehmen zum Jahresbeginn mit. Definitiv wird am 1. April die Braunkohlesparte abgetrennt: „Die Braunkohle-Aktivitäten von Vattenfall Mining & Generation werden vor dem Hintergrund der geplanten neuen Eigentümerstruktur in einer separaten Einheit geführt.“ (Vattenfall PM, siehe unten in voller Länge)

„Bis zum Beginn des zweiten Jahresquartals will Vattenfall seine Braunkohlesparte in der Lausitz „verkaufsfähig“ machen, um von diesem Zeitpunkt an nach Interessenten zu suchen. Über den Zeitplan informierte Brandenburgs neuer Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD) am Mittwoch den Wirtschafts- und Energieausschuss des Landtages. Das bestätigte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums“, berichten die Klimaretter. Der Citi-Bank dürfte demnach ein entsprechender Auftrag vorliegen.

Die neue Struktur des Konzerns macht klar, dass Vattenfall vor allem im Bereich Windkraft und beim Stromverkauf (Sales) bzw. Stromhandel-Handel (Trading) und bei der Wärme noch im deutschen Geschäft bleiben will. Hier sind die letzten halbwegs umsatzstarken Bereiche des künftigen Sparten-Unternehmens. Mit dem bisherigen „integrierten“ Konzern hat das aber kaum noch was zu tun. In Hamburg hat Vattenfall bereits das Stromnetz nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ verloren, 2018/19 wird die Stadt Hamburg auch die Fernwärme übernehmen. Auch in Berlin droht trotz aller dortigen Pannen, dass Vattenfall an Bedeutung verlieren wird.

Wenn die Braunkohle verkauft ist, bleibt dem Konzern nicht mehr viel. In Moorburg steht  – eher ein Klotz am Bein, auch wenn Vattenfall damit ein wenig Geld verdienen wird – ein nagelneues Kohlekraftwerk, das in den nächsten Wochen in Betrieb gehen soll (und bereits Schuldabschreibungen von einer Milliarde Euro hinter sich hat). Krümmel und Brunsbüttel sind endgültig abgeschaltet und müssen demontiert werden. Mit 20 Prozent ist Vattenfall am AKW Brokdorf beteiligt, Abschaltetermin ist 2021. Auch aus der Müllverbrennung zieht sich Vattenfall zurück. Eine Anlage in Hamburg ist bereits verkauft, die zweite wird folgen. Ebenso in Ostdeutschland. Auch in Dänemark versucht der Konzern den Rückzug aus der Kohle und dem Müll.

Vattenfall als vermeintlicher Stromkonzern ist in Deutschland am Ende!

Hamburg muss handeln!

Hamburg sollte nun dringend schauen, wie es mit dem rasanten Zusammenbruch von Vattenfall umgeht. Direkt betroffen ist die Stadt bei der Fernwärme-Versorgung. Nicht nur bei der Fernwärme in Hamburg muss man die dringende Sorge haben, dass Vattenfall angesichts der Übernahme durch die Stadt alles Geld aus dem Laden ziehen wird, Investitionen wo immer möglich vermeidet und das Netz damit noch mehr am Rande des grad noch erträglichen fahren wird.

Aber es lohnt auch die Debatte, was aus der Restmasse Vattenfall möglicherweise noch für die HamburgerEnergieWende rausgeholt werden kann. Vor allem der Stromkundenbereich im Bereich von „Vattenfall Sales“. Vattenfall behauptet, bundesweit etwa 2,3 Millionen Stromkunden zu haben. Für Hamburg wäre daher eine Größenordnung von etwa 800.000 Kunden durchaus wahrscheinlich. Im Zuge der Rekommunalisierung der Energienetze erhöht sich vor allem auch aus der Fernwärme-Erzeugung die kommunale Stromproduktion. Mit Hamburg Energie steht grundsätzlich ein kundenorientiertes kommunales Unternehmen zur Verfügung, das bereits jetzt 100.000 Kunden im Bereich Strom und Gas hat.

Hamburg wäre jetzt vermutlich sehr gut beraten, zu prüfen, ob und wie eine schnellere Übernahme der Fernwärme machbar sein kann und möglicherweise auch andere zusammenbrechende Geschäftsfelder wie der Stromkundenbereich übernommen werden könnten. Für die Hamburger EnergieWende und den Umbau hin zu einer klimaverträglichen, dezentralen und erneuerbaren kommunalen Energieversorgung wäre der Untergang von Vattenfall möglicherweise eine große Chance.

Dokumentation: Pressemeldungen | 15-01-2015 | 11:00 AM

Vattenfall: Neue Organisationsstruktur zur Unterstützung der künftigen strategischen Ausrichtung

Vattenfall hat heute, dem 15.01.2015, seine neue Organisation und die oberste Führungsebene bekannt gegeben. Das sind wichtige Schritte zur Unterstützung der künftigen strategischen Ausrichtung.

Die vom 1. April 2015 an geltende Struktur ersetzt die derzeitige regionale Struktur. Die Neuorganisation ist Teil der Überarbeitung der Unternehmensstrategie, die vom neuen Managementteam Schritt für Schritt entschieden werden soll.

„Vattenfall agiert in einem sehr anspruchsvollen Markt, in dem Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit ein Muss für jeden erfolgreichen Teilnehmer sind. Um unsere Anstrengungen stärker konzentrieren zu können, müssen wir entscheiden, wie wir vorangehen. Zuerst legen wir die generelle strategische Ausrichtung fest, wobei einige Dinge für mich offenkundig sind: Wir müssen unsere Position als europäisches Unternehmen verteidigen, wir müssen unsere Kundenangebote hinsichtlich Nachhaltigkeit weiterentwickeln und wir werden ein Energieversorger sein, der sich auf emissionsfreie oder emissionseffizienten Lösungen konzentriert“, betont Magnus Hall, Präsident und CEO von Vattenfall AB.

Die Neuorganisation entspricht der grundlegenden strategischen Ausrichtung des Verwaltungsrats und ersetzt die derzeit bestehende Organisation in regionalen Einheiten. Vom 1. April 2015 an werden alle Aktivitäten in den sechs Geschäftseinheiten Wärme, Windkraft, Kunden & Lösungen, Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb, Erzeugung und Handel & Märkte organisiert.

„Die Organisation muss uns und unsere Aktivitäten bei den Herausforderungen im Markt unterstützen. Die Geschäftseinheiten bekommen die Möglichkeit, die Strategie zu verfeinern und sie in ihre Planungen und Aktivitäten zu integrieren. Der Schwerpunkt liegt dabei sowohl auf dem eigentlichen Geschäft als auch auf Synergien zwischen den Ländern“, so Magnus Hall weiter.

Die Neuorganisation sieht vier Stabsfunktionen vor: CFO und dessen Zuständigkeiten, Recht, Strategische Entwicklung und Personal. Die Braunkohle-Aktivitäten von Vattenfall Mining & Generation werden vor dem Hintergrund der geplanten neuen Eigentümerstruktur in einer separaten Einheit geführt.

Einhergehend mit der Neuorganisation wird ab 1. April die neue oberste Führungsebene die Organisation weiter gestalten und zugleich Kontinuität wahren. Eine wesentliche Aufgabe des künftigen Managements wird die Ausarbeitung der Strategie im Detail und ihre Anpassung an die jeweiligen Geschäftsaktivitäten sein. „Das neue Managementteam ist ausgesprochen vielfältig – sowohl hinsichtlich Nationalität und Geschlecht als auch in Bezug auf Persönlichkeiten und Erfahrungen. Es spiegelt unsere strategischen Möglichkeiten und unsere europäische Ausrichtung wider. Das Team vereint viele Eigenschaften und jeder von ihnen ist bereit, Vattenfall auf einen neuen Weg zu führen“, unterstreicht Magnus Hall.

Die neue oberste Führungsebene :

Magnus Hall, Präsident und CEO
Ingrid Bonde, Leiterin der Stabsfunktion Finanzen und stellvertretende CEO
Anne Gynnerstedt, Leiterin der Stabsfunktion Recht und CEO-Büro
Andreas Regnell, Leiter der Stabsfunktion Strategische Entwicklung
Kerstin Ahlfont, Leiterin der Stabsfunktion Personal
Tuomo Hatakka, Leiter der Geschäftseinheit Wärme, Bereich Mining & Generation
Annika Viklund, Leiterin der Geschäftseinheit Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb
Gunnar Groebler, Leiter der Geschäftseinheit Windkraft
Torbjörn Wahlborg, Leiter der Geschäftseinheit Erzeugung
Martijn Hagens, Leiter der Geschäftseinheit Kunden & Lösungen
Stefan Dohler, Leiter der Geschäftseinheit Handel & Märkte

Die Geschäftseinheiten ab 1. April:

Wärme: Als größter Wärmeproduzent Europas versorgen wir Kunden in Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Dänemark mit Fernwärme und erzeugen Strom in hocheffizienten Anlagen
Windkraft: Mit 1.000 Windturbinen in Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien ist Vattenfall einer der größten Entwickler von Offshore-Windanlagen in Europa.
Kunden & Lösungen: Mehr als 6 Mio. Stromkunden in Finnland, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Schweden. Vattenfall bietet verschiedene Kundenlösungen zur Steigerung der Nachhaltigkeit
Übertragungs- und Verteilnetzbetrieb in Schweden und in Berlin
Erzeugung: Emissionsfreie Stromerzeugung mit Wasserkraft und Kernenergie
Handel & Märkte: Das Handelsgeschäft von Vattenfall deckt alle Rohstoffe im Bereich Energie ab und bietet umfangreiche Unterstützung im Großhandelsbereich für interne und externe Kunden

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:

Stefan Müller, Vattenfall GmbH, Head of Media Relations Germany, Telefon 030 8182 2320, Fax 030 8182 2315, stefan.mueller@vattenfall.de

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