Radio Z aus Nürnberg über Plutonium-Transporte zum AKW Grohnde

Über die geplanten Plutonium-Transporte aus Sellafield über Nordenham zum AKW Grohnde berichtet Pia Mutschke in einem Interview (Audio, MP3 download) auf Radio Z  aus Nürnberg: „Dass Atomtransporte nicht ungefährlich sind, weiß inzwischen jede. In unserer Energie und Umwelt Reihe hört ihr heute welche besonderen Gefahren Plutoniumtransporte bergen und welche Lösungsansätze bestehen.

Das genaue Datum steht noch nicht fest, sicher ist allerdings: bald wird wieder Plutonium aus dem englischen Sellafield über den Hafen in Nordenham ins niedersächsische Grohnde gebracht. Dieser Transport über den Seeweg birgt einige Gefahren. Meine Kollegin Pia Mutschke hat mit Dirk Seifert, dem Energiereferenten von Robin Wood gesprochen und erfahren, warum überhaupt Plutonium und sogenannte Mox-Elemente für das Atomkraftwerk in Grohnde benutzt werden, obwohl es doch ungefährlichere Brennstoffe gibt und welche Perspektive der aufkeimende Protest in Grohnde hat. Zuerst einmal aber: Was macht Plutonium überhaupt so gefährlich?“ (siehe Audio-Link oben)

Kein (Katastrophen)Schutz, wenn es im AKW Brokdorf kracht…

Fukushima – Brokdorf: Rette sich wer kann.

In Wewelsfleth, unweit des Atomkraftwerk Brokdorf, haben am Mittwoch Abend rund 100 Menschen über den fehlenden Katastrophenschutz für den Atommeiler diskutiert. Die Ärztin Angelika Claußen von der IPPNW hatte zuvor von einer Rundreise durch die Region Fukushima berichtet.

Rund 200.000 Menschen wurden nach der Katastrophe im März 2011 aus der Sperrzone evakuiert. Doch auch in vielen anderen Regionen seien Gebiete radioaktiv hoch belastet. Nahrungsmittel sind verstrahlt und die Dekontamination verstrahlter Flächen kommt nur schwer voran, weil niemand weiß, wo radioaktiver Bauschutt, Erde und andere Materialien eigentlich hin sollen. Oft wird der strahlende Müll einfach zu Haufen aufgetürmt und unter Planen versteckt.

Karsten Hinrichsen (Brokdorf akut) und Angelika Claußen (IPPNW) informieren über Fukushima, Brokdorf und die Atomkatastrophe, Foto: Dirk Seifert

Angelika Claußen berichtet außerdem, dass die Behörden und Verantwortliche mit dem Gesundheitsschutz für die von der radioaktiven Wolke aus Fukushima betroffenen Menschen immer noch unverantwortlich umgehen. Direkt nach der Katastrophe seien in vielen Orten die Menschen viel zu spät zum Verlassen ihrer Dörfer aufgefordert worden. Selbst die vorhandenen Jobtabletten zum Schutz vor Schilddrüsenkrebs sind oftmals nicht an die Menschen verteilt worden. Offizielle Meßwerte über die radioaktive Belastung einzelner Orte würden ein trügerisches Bild für die Öffentlichkeit erzeugen. Oftmals – das hat sich durch eigene Messsungen bei der Rundreise der Ärtzeorganisation gezeigt – würden die Werte schon wenige Meter neben offiziellen Meßstationen deutlich höhere Strahlenwerte zeigen.

Großes Interesse und kritische Diskussion: Rund 100 Menschen waren auf der Veranstaltung zum katastrophalen Katastrophenschutz rund um das AKW Brokdorf. Foto: Dirk Seifert

Mit Blick auf das AKW Brokdorf machte Karsten Hinrichsen von der Initiative „Brokdorf-akut“ deutlich, dass es auch in diesem Reaktor jederzeit zum Super-Gau kommen könne. Nicht nur sei das AKW, wie im Stresstest der Bundesregierung dargelegt, gegen Abstürze schwerer Flugzeuge nicht gesichert. Auch Hochwasser und Druckwellen von Explosionen könnten zur Katastrophe führen. Der Grüne Landtagsabgeordnete Bernd Voss bestätigte, dass der Katastrophenschutz in Schleswig-Holstein gravierende Mängel aufweise. So sei bezogen auf eine mögliche Katastrophe das Zusammenwirken von verschiedenen Naturereignissen und Schadensfällen in keiner Weise berücksichtigt. Die Maßnahmen für Evakuierungen sind nur auf einen kleinen Umkreis rund um das AKW begrenzt. Außerdem sei nicht berücksichtigt, dass es z.B. nach einem schweren Unfall aufgrund von Hochwasser und Deichbrüchen nicht nur im AKW, sondern z.B. auch im benachbarten Industriegebiet von Brunsbüttel, zu katastrophalen Folgen kommen könne. Auf solche Szenarien ist der Katastrophenschutz nicht ausgelegt.

Das hat im Frühjahr 2012 auch eine Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz dargelegt und erst vor wenigen Tagen hat Deutschlands oberster Katastrophenschützer eingeräumt, dass es große Defizite vor allem mit Blick auf Evakuierungen gebe. (dazu auch hier mehr Informationen)

Ebenso unberücksichtigt ist bis heute, dass die Freisetzung von Radioaktivität deutlich länger dauern kann, als bislang in den Katastrophenplänen unterstellt (50 Stunden). Fukushima und auch Tschernobyl haben aber gezeigt, dass die Freisetzung über Tage und Wochen andauern kann. Dabei würde sich die Richtung der Freisetzung von Radioaktivität mit den Wetterbedingungen immer wieder ändern und viel größere Gebiete verstrahlen können. Im heutigen Katastrophenschutz wird aber davon ausgegangen, dass Maßnahmen nur in direkter Nähe des Atommeilers und auch nur in einer Windrichtung erfolgen müssten.

Hinrichsen machte an einem einfachen Beispiel deutlich, wie schnell es in Brokdorf zur Katastrophe kommen kann: Sollte ein großes Containerschiff (Länge ca. 300 Meter) die Ruder-Kontrolle auf der Elbe verlieren und in die Kühlwasser-Ansauganlage des Atommeilers krachen, könnte es schnell soweit sein. Dann müsste die Notkühlung zum Einsatz kommen. Die aber liegt laut Hinrichsen direkt neben der normalen Ansauganlage und könnte bei so einem Unfall auch gleich betroffen sein. Dann wäre die Kühlung des Reaktors nur noch begrenzt möglich. Dann heißt es: Rette sich wer kann.

Die Veranstaltung in Wewelsfleth fand im Rahmen der dezentralen Aktionswoche von Anti-Atom-Organisationen für die Stilllegung des AKW Brokdorf statt. Dazu hier mehr Informationen.

Plutonium-Brennelemente – Alternativen zum Einsatz im Atomreaktor

Hochgefährlich: Hinter dickem Bleiglas werden Plutonium-Brennelemet-Pallets gefertigt. Foto: Sellafield

Die Plutonium-Transporte von Sellafield über den Hafen von Nordenham zum AKW Grohnde haben die Frage aufgeworfen, welche Alternativen es zum Einsatz in den AKWs gibt. E.on selbst hatte während eines Hearings in den USA zum MOX-Einsatz in einem Vortrag diverse Mängel und Probleme aufgezeigt: Die MOX-Brennelemente sind gegenüber herkömmlichen Uran-Brennstäben deutlich teurer. Der Umgang im Reaktor erhöht die Probleme. Selbst bei der Lagerung der abgebrannten Brennelemente ist ihre höhere Radioaktivität/Wärme von Schaden.

Die Frage der Alternativen zum MOX-Einsatz in Atomkraftwerken ist in Deutschland intensiv in den 90er Jahren diskutiert worden. In den USA findet diese Debatte derzeit statt. 1999 veröffentlichte das Öko-Institut Darmstadt im Auftrag der Hamburger Umweltbehörde eine detaillierte Studie, die die Möglichkeiten untersucht hat. Neben der Frage, wie atomare Gefahren in Folge von Unfällen beim Transport und Reaktoreinsatz minimiert werden könnten, war dabei auch zu klären, das atomwaffenfähige Plutonium in einen Zustand zu überführen, der es für militärische Zwecke schwer zugänglich machen würde.

Die Studie des Ökoinstituts untersuchte u.a. sowohl die Verglasung des Plutoniums mit Atommüll aus der Wiederaufarbeitung, als auch das so genannte „Mies-Mox“: Das Plutonium wird zu schlechten Brennstäben verarbeitet, die für einen Einsatz im Reaktor nicht taugen würden und dann in hochradioaktive Uranbrennelemente eingebaut und zur Lagerung freigegeben.

Die Studie steht hier als PDF zum download bereit (Dank an das Ökoinstitut und Tobias Darge, Göttingen).

Vattenfall und Konzern-Klagen – Demokratieabbau als Standortfaktor

Für das marode und stillgelegte AKW Krümmel will Vattenfall vor dem Weltbankgericht in Washington eine Milliarden-Entschädigung durchsetzen. Foto: Dirk Seifert

Das Neue Deutschland berichtet in einem Artikel über die Rolle des internationalen Weltbankgerichts in Washington. Immer mehr würden Konzerne vor diesem äußerst undemokratischen  Gericht klagen, um gegen Entscheidungen nationaler Regierungen vorzugehen. Die Klagen führen dazu, dass nationale Umweltauflagen umgangen werden und demokratische Entscheidungen in Frage gestellt werden.

Darunter auch mehrfach der Atomkonzern Vattenfall. Vor einigen Jahre verklagte das Unternehmen die Bundesrepublik Deutschland, weil die Hamburger Umweltbehörde bei der Genehmigung des Steinkohlekraftwerks in Moorburg zu hohe Umweltauflagen verhängt hatte. Derzeit laufen Vattenfall-Klagen gegen den Atomausstieg. Der Atomkonzern will mehrere Milliarden Schadensersatz für die Stilllegung seiner

Pannenreaktoren Brunsbüttel und Krümmel.

Atomfirmen sind überall – Eckert & Ziegler und GE-Healthcare

Es gibt rund um Braunschweig nicht nur Atommülllager… Foto: Dirk Seifert

Der Großraum Braunschweig ist inzwischen überregional als „Weltatomerbe Braunschweiger Land“ bekannt. Die Großstadt in Niedersachsen liegt zwischen dem vom Absaufen bedrohten Skandal-Bergwerk Asse II und dem Atommülllager Schacht Konrad – beides in Fahrradentfernung.

Jetzt sind weitere Atomfirmen in die Schlagzeilen geraten und beunruhigen die Bevölkerung. Von den Firmen Eckert & Ziegler und GE-Healthcare am Stadtrand
Braunschweigs im Ortsteil Thune war bis zum letzten Jahr nur bekannt, dass sie
nuklearmedizinische Produkte herstellen und gebrauchte Strahlenquellen und andere
Reststoffe zurücknehmen. Die ROBIN WOOD Regionalgruppe Braunschweig ist nicht nur mit Aktionen und Transparenten vor Ort aktiv. Sie hat auch monatelang intensiv über die Strahlenbelastung durch die Anlagen recherchiert. Mit erschreckenden Ergebnissen. Über eine komplizierte und schwierige Spurensuche der Regionalgruppe berichtet Udo Sorgatz. (PDF) in der Ausgabe 02/2012 des ROBIN WOOD Magazins.

Siehe aktuelle Informationen über die Auseinandersetzungen zu diesen Atomfirmen hier.

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