Dokumentation aus iz3w: „Uran – ist das ein Thema, das ausreicht für einen Schwerpunkt in der iz3w? Das fragte ein Jahr vor der Veröffentlichung die iz3w-Redaktion. In Kooperation mit der AG uranium-network.org sammelten wir Fragen. Die AG uranium-network.org arbeitet innerhalb des Freiburger Vereins Menschenrechte 3000. In verschiedenen Ländern unterstützt sie KritikerInnen des Uranabbaus in ihrer politischen Arbeit und ermöglicht Betroffenen, ihre Argumente und Fragen in einen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess einzubringen. Die Zusammenarbeit mit der AG hat es erleichtert, Perspektiven aus Nord und Süd zusammen zu denken. Das hat auch zum Umfang des Schwerpunktes beigetragen.“
„Übrigens: weitere Aspekte sind im südnordfunk – der Magazinsendungdes iz3w – zu finden. Ob das Thema Uran über nunmehr 24 Heftseiten spannend aufgezogen werden kann, das können die geneigten LeserInnen nach der Lektüre nun selber beantworten.“
Risiko fährt mit: Atomtransporte bei der Fährverbindung der Stena Line nach Schweden. Foto: Screen-Shot des Panarama-Berichts vom NDR.
Auf Basis der Informationen eines Whistle-Blowers über die mangelhaften Sicherheitseinrichtungen bei Atomtransporten mit der Passagierfähren der Stena Line zwischen Rostock und Trelleborg in Schweden berichtet die Panorama-Redaktion des NDR in einem TV-Beitrag. Vor allem bei den Transporten mit dem besonders riskanten Uranhexafluorid zeigen sich gravierende Sicherheitsmängel. Die Fähren transportieren auf den oberen Decks Passagiere. In den unteren Decks werden LKW auch mit Gefahrgütern und PKW geladen.
Uranhexafluorid (UF6) steht im Zusammenhang mit der Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke. Es wird benutzt, um in Zentrifugen das spaltbare Uran235 anzureichern. In Deutschland wird das in der zum URENCO-Konzern gehörenden Urananlage in Gronau getan. Von hier aus wird angereichertes Uran auch nach Schweden geliefert, wo es in Västerås, nordwestlich von Stockholm zu Brennelementen verarbeitet wird. Anschließend werden von dort aus die frischen Brennelemente an Atomkraftwerke in aller Welt ausgeliefert – u.a. wiederum über die Fährverbindung Trelleborg – Rostock.
Die Brennelemente-Fabrik in Schweden gehört heute dem Westinghouse-Konzern. Das Nuklear-Forum.ch schreibt: „Die Westinghouse Nuclear Fuel besitzt zehn Produktionsstätten weltweit, darunter zwei in Europa: Springfields Fuels Limited (Preston, Lancashire, Grossbritannien) und Westinghouse Electric Sweden (Västeras, Schweden). Die Westinghouse liefert Brennstoff für insgesamt 153 Kernkraftwerkseinheiten weltweit.“ Unter anderem beliefert Westinghouse von Schweden aus auch bundesdeutsche Atomkraftwerke von E.on.
Kommt es bei Atomtransporten mit Uranhexafluorid auf den Fähren zu einem Brand, können schnell hohe Temperaturen unter Deck entstehen. Ein Experte wird in dem Beitrag zitiert, der von Feuer mit bis zu 1.000 Grad Celsius spricht. Die Behälter für Uranhexafluorid, die auf diesen Fähren transportiert werden, sind jedoch nur für Feuer bis 800 Grad getestet. Diese Temperatur müssen sie eine halbe Stunde lang überstehen, ohne undicht zu werden.
Höhere Temperaturen können zu einem früheren Versagen führen. Feuer wird an Bord der Stena-Schiffe nicht wie z.B. auf reinen Frachtschiffen mit CO2 bekämpft, sondern mit Wasser-Sprenglern. Diese können zwar das Feuer kühlen, nicht aber wirklich löschen, berichtet Panorama. Kommt es auf offener See zu einem Feuer und zu einem Behälterversagen, würde das hochgiftige und äußerst aggressive UF6 vor allem durch die Fluorverbindungen zur Todesfalle: Durch das Löschwasser würde Flusssäure entstehen, die sich gasförmig ausbreitet und damit zur akuten Lebensgefahr für die Passagiere werden würde.
Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter und atompolitischer Sprecher der Links-Fraktion, stellte jüngst mit Blick auf Atomtransporte und Lagerung von UF6 fest: „Uranhexafluorid ist ein hochgefährlicher ätzender und radioaktiver Stoff. Die Behälter halten einem Feuer von 800 Grad nur maximal eine halbe Stunde stand. Nach einer Freisetzung entsteht Flusssäure, die Lungen verätzt und sogar Glas zerfrisst. Todesfälle in vielen hundert Metern Entfernung sind nicht ausgeschlossen.“