Atommüll-Alarm: Konzerne machen Gewinne – BürgerInnen sollen zahlen – Bundesrat vertagt sich

Karte_A4_rgb_2-AMKDie Atomenergie kommt uns teuer zu stehen. Während nach einer neuen Studie des BUND die Konzerne durch die Rückstellungen für die Atommüllentsorgung um die 79 Mrd. Euro an zusätzlichen Gewinnen eingefahren haben, wollen sie sich durch die Gründung einer staatseigenen Stiftung von den enormen Kostenrisiken bei der Atommüll-Entsorgung verabschieden. Dafür wollen sie als Einmalzahlung 36 Mrd. Euro zahlen und dann aus der Verantwortung entlassen werden. Ein extrem schlechter Deal für die SteuerzahlerInnen, ein extremer guter Deal für die Atomkonzerne.

Studie zu Risiken der Finanzierung von Atomenergie-Kosten. BUND fordert Übertragung von Rückstellungen der AKW-Betreiber in öffentlich-rechtlichen Fonds (PDF).

Eine Entscheidung über die Bad-Bank-Initiative der Konzerne durch die Bundesregierung steht noch aus. Allerdings hatte die Bundesumweltministerin Hendricks jüngst erklärt, dass Gespräche dazu stattfinden. Eine Initiative zum Umgang mit den Entsorgungs-Rückstellungen im Bundesrat ist gerade vertragt worden. Die FAZ meldet dazu auf Basis von dpa: „Nach Bedenken vor allem Nordrhein-Westfalens hat der Bundesrat am Freitag eine Entscheidung über den Umgang mit den Milliarden-Rückstellungen der Atomkonzerne vertagt. Der von Schleswig-Holstein, Hessen und Rheinland-Pfalz eingebrachte Antrag sieht vor, die Rückstellungen in Höhe von 38,5 Milliarden Euro so zu sichern, dass sie auch bei der Insolvenz eines Energiekonzerns zur Verfügung stehen. Eine Idee ist ein öffentlicher Fonds. Zudem soll geprüft werden, ob die Rücklagen für den Rückbau der Atomkraftwerke und die Entsorgung des Atommülls insgesamt ausreichend sind. NRW sorgt sich besonders um neue Belastungen für die Versorger RWE und Eon und verweist auf deutlich gesunkene Steuerzahlungen der Konzerne.“ NRW? Ja, da wird rot-grün regiert!

Richtig sauer ist Schleswig-Holsteins grüner Energieminister Robert Habeck, der den Bundesratsantrag mit auf den Weg gebracht hatte. Er kritisiert in einer PM (PDF) zwar nicht die rot-grüne Landesregierung von NRW direkt, spricht aber davon, dass die „Atomlobby ihre Interessen gegen die der Allgemeinheit durchgesetzt“ hat und ergänzt: „Es ist empörend, wie wenig Widerstandskraft in der Politik gegen den Lobbyismus der Atomkonzerne vorhanden ist. Die Atomlobby hat sich gegenüber vielen Landesregierungen durchgesetzt. Wenn die Politik nicht dafür sorgt, dass die Rückstellungen gesichert werden, bleiben die Steuerzahler eines Tages auf Milliardenkosten sitzen“.

Weitere Informationen zum Thema auf umweltFAIRaendern.de

Atommüll Alarm – Tatorte in Deutschland: Atommüll aus Jülich in die USA? US-Aktivist auf Inforeise

webheader_atomalarm_originalgroesseHochradioaktiver Atommüll aus Jülich soll in 152 Castor-Behältern in die USA abgeschoben werden. Möglicherweise sogar noch viel mehr: In den USA läuft eine förmliche Umweltprüfung für den Atommüllimport , in dem auch die derzeit in Ahaus lagernden Abfälle (305 Castor-Behälter) aus dem THTR Hamm-Uentrop Thema sind. Tom Clements, Anti-Atom-Aktivist aus den USA, ist ab diesem Wochenende auf Einladung von Anti-Atom-Initiativen auf einer Informationsreise durch Deutschland unterwegs. Er ist „Nachbar“ des Atomkomplex „Savannah River Site“. Dort soll nach den bundesdeutschen Plänen der Atommüll landen. Auftakt der Inforeise ist am Sonntag. Dann wird Tom Clements vor der (Atom)Forschungsanlage in Jülich dabei sein. Außerdem wird in Ahaus demonstriert, wo der Atommüll aus dem THTR lagert.

Hier die Terminübersicht: Atommüll Alarm – Tatorte in Deutschland – Stationen der Rundreise von Tom Clements, US-Aktivist von SavannahRiverSite-Watch.

Unterstützen: Online-Protest gegen die unverantwortliche Atommülllagerung.

Sonntag, 21.9. in Jülich
Anti-Atom Spaziergang am FZJ, Rurtalbahn-Haltestelle „Forschungszentrum“, 14 Uhr

Außerdem Demonstration in Ahaus: Sonntag, den 21. September 2014 um 14.00 Uhr am BZA!

Siehe dazu auch die PM des BBU als PDF.

Montag, 22.9. in Düsseldorf
Infoveranstaltung im Townhouse (früher Kolping-Haus), Bilkerstraße 36, 19 Uhr

Dienstag, 23.9. in Jülich
Podiumsdiskussion im Bonhöfer-Haus der evangelischen Kirche, 18.30 Uhr

Mittwoch, 24.9. in Hamburg
Infoveranstaltung in der Werkstatt 3 (W3), Nernstweg 32 – 34, 19.30 Uhr

Außerdem  gibt es folgende Termin mit Tom Clements:

Montag, 22.9. Landespressekonferenz Düsseldorf

Montag, 22.9. Gespräche mit Landtagsfraktionen Düsseldorf

Dienstag, 23.9. Besichtigung des Reaktors und des Castor-Lagers in Jülich

Mittwoch, 24.9. Pressegespräch in Ahaus

Donnerstag und Freitag 25./26.9. Gespräche mit Bundestagsabgeordneten in Berlin

Freitag 26.9. Gespräche mit JournalistInnen in Berlin.

 

Atommüll-Alarm: Rechtswidrige Atommüllexporte aus Jülich in die USA – Kritik wächst

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Bislang kommerzieller Reaktor für die Stromerzeugung – nun auf einmal ein Forschungsreaktor. Brennelemente aus dem AVR Jülich sollen in die USA abgeschoben werden. Foto: Dirk Seifert

Die Auseinandersetzungen um den von der Bundes- und der Landesregierung in NRW geplanten Export von 152 Castorbehältern mit hochradioaktiven Brennelementen aus Jülich in die USA nimmt an Schärfe zu. Der Atomrechtsexperte Dr. Ulrich Wollenteit hat heute in einem Gutachten für Greenpeace dargelegt, dass ein Export gegen bundesdeutsches Atomrecht verstoßen würde. Greenpeace, wie auch zahlreiche Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände, bezeichnen die geplanten 152 Castor-Transporte in die USA als „illegal“. Heinz Smital von Greenpeace nannte auf einer Pressekonferenz den Umgang der Jülich-Betreiber  mit dem Atommüll als „verantwortungslos“. Der Reaktor AVR ist aus Sicht von RA Wollenteit als kommerzieller Reaktor zu betrachten. Ein Export ist damit nicht zulässig.

Die Pressemitteilung von Greenpeace ist hier zu finden, das Rechtsgutachten ist hier als PDF online.

Auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel hält den Export des Atommülls aus Jülich in die USA für rechtswidrig. Erst vor wenigen Tagen hatte er die Antworten der Bundesregierung auf eine vom ihm gestellte kleine Anfrage kritisiert.

Fracking-„Verbot“ der Regierung ist ein Fracking-Erlaubnisgesetz

Hubertus Zdebel

 Von Hubertus Zdebel, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit für die Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Zu Beginn ihrer Amtszeit sprach Bundesumweltministerin Hendricks (SPD) davon, Fracking gesetzlich verbieten zu wollen, und führte zurecht die Gefahren für Mensch und Umwelt an, die durch die Gasförderung entstehen. Inzwischen spricht die SPD-Ministerin nur noch von einem Fracking-Moratorium bis 2021. Gemeinsam mit Bundeswirtschaftsminister Gabriel (SPD) bereitet sie ein Paket an Gesetzesentwürfen vor und hat nun angekündigt, dass es die angeblich „strengsten Regeln weltweit“ enthalten solle – doch faktisch laufen die geplanten Regelungen auf ein Fracking-Erlaubnisgesetz hinaus. Gaskonzerne wie ExxonMobil und Wintershall drängen schon lange darauf, in Deutschland und Europa „unkonventionelles“ Erdgas mit Hilfe von „Hydraulic Fracturing“, kurz Fracking, zu fördern. Bei Fracking werden große Mengen Wasser mit Sand und zum Teil hochgiftigen Chemikalien versetzt und unter hohem Druck in die Tiefe gepresst, um Gas tragendes Gestein aufzubrechen.

Geplante Regelungen ermöglichen Fracking

Wenngleich Hendricks noch keine endgültigen Vorschläge vorgelegt hat, ist aus ihren Verlautbarungen erkennbar, dass sie lediglich längst hinfällige Regelungen anstrebt. Im Kern soll den Energiekonzernen aber während des Fracking-Moratoriums erlaubt werden, „Probebohrungen“ vorzunehmen sowie unterhalb von 3000 Metern zu fracken. Lediglich die Erdgasförderung oberhalb von 3000 Metern und in Wasserschutzgebieten sollen verboten werden.

Damit wären nach Zahlen der Bundesanstalt für Rohstoffe und Geologie (BRG) mindestens sechs Milliarden Kubikmeter Schiefergas von dem Verbot ausgenommen. Von einem Verbot von Fracking zur Förderung unkonventioneller Erdgasvorkommen zu sprechen, ist also reine Augenwischerei. Tatsächlich bedeuten die Vorschläge eine weitreichende Fracking-Erlaubnis. Damit sind die beiden sozialdemokratisch geführten Ministerien einmal mehr vor den Industriekonzernen eingeknickt.

Fracking-Lobby führt Propagandafeldzug

Die Fracking-Lobby setzt alles daran, in einem öffentlichen Propagandafeldzug die Gefahren von Fracking kleinzureden und das Vorhaben der Regierung zu unterstützen. So ist es den Frackingkonzernen inzwischen gelungen, die bisher Fracking-kritische Wasserwirtschaft dazu zu bewegen, sich nicht mehr gegen eine Erlaubnis von Fracking zu positionieren. Sowohl Wasserwirtschaft als auch Frackingkonzerne sind im Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) organisiert und haben sich auf eine gemeinsame Position verständigt: „Fracking ja, aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen“, wird Henning Deters, Vorstandschef bei Gelsenwasser, einem der größten Trinkwasserlieferanten Deutschlands, in einem Pressebericht zitiert.

In den letzten Tagen häuften sich prompt Fracking-freundliche Medienberichte, in denen erklärt wurde, dass die Gefahren angeblich übertrieben wären. Angeblich habe etwa ExxonMobil inzwischen eine Frac-Flüssigkeit ohne giftige Chemikalien entwickelt und damit seien die Vorbehalte gegen den Einsatz von Fracking hinfällig. Doch durch Fracking droht auch weiterhin die Verunreinigung des Trinkwassers durch Methan und giftiges Lagerstättenwasser aus unteren Gesteinsschichten. Diese können durch Unfälle sowie undichte Bohrlochabdichtungen in das Grundwasser gelangen.

Es gibt kein sauberes Fracking

Zudem fällt bei Fracking sogenanntes „Flowback“, eine Mischung aus dem natürlich vorhandenen Lagerstättenwasser und Frac-Flüssigkeit, an. Dieses Flowback enthält neben einer Vielzahl an möglichen Frac-Chemikalien häufig auch natürlich vorhandene radioaktive Isotope, Quecksilber und Benzol. Für die Entsorgung des Flowback-Wassers ist noch keine Lösung in Sicht. Zum Teil wird es einfach wieder in sogenannte Versenkbohrungen zurückgepresst, was zu Erdbeben führen kann und bereits geführt hat. So bebt die Erde in Fracking-Regionen etwa in Niedersachsen und in den Niederlanden häufiger als vor dem Beginn der Gasförderung.

„Sauberes“ Fracking kann es also nicht geben. Angesichts der Risiken für Mensch und Umwelt ist es unverantwortlich, Fracking selbst unter Einsatz nicht-toxischer Frack-Flüssigkeiten und unter verschärften Auflagen zu erlauben. Nur ein vom Bundestag beschlossenes ausnahmsloses Fracking-Verbot in Deutschland bietet ausreichende Rechtssicherheit und kann sicherstellen, dass Fracking durch die Hintertür nicht doch ermöglicht wird. Deshalb fordert DIE LINKE, Fracking ohne Ausnahme gesetzlich zu verbieten.

Was kostet die Ewigkeit? Atommüll-Alarm – Tatorte in Deutschland

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Atommülllager Schacht Konrad: Wird nicht fertig, wird immer teurer. Foto: Dirk Seifert

Atommüll ohne Ende. Die Anti-Atom-Bewegung ist seit dem Wochenende mit einer Kampagne bundesweit unterwegs, mit der sie auf die ungelösten Probleme aufmerksam machen will: „Atommüll – Alarm: Tatorte in Deutschland“. Nicht nur die Fragen der Lagerung, der Sicherheit und des Strahlenschutzes sind einzigartig. Auch bei der Finanzierung der für die Lagerung der radioaktiven Abfälle anfallenden Kosten, sind viele Dinge ungelöst. Von Ewigkeitskosten ist die Rede. Die Konzerne haben während der Betriebszeiten Rückstellungen gebildet, um den späteren Abbau und die Atommülllagerung finanzieren zu können. Doch steht dieses Kapital heute tatsächlich zur Verfügung? Und vor allem: Reicht es aus, um die immer mehr explodierenden Kosten bei der Stilllegung und der Lagerung tatsächlich zu bezahlen?

Auf einer Veranstaltung am kommenden Mittwochen in Berlin (17. 09. 2014, 19.00 Uhr, taz.café, Rudi-Dutschke-Str. 23, 10969 Berlin) werden von den Initiatoren der Atommüll-Kampagne nicht nur das neue Infoportal www.atommuellreport.de vorgestellt, sondern auch eine neue Studie des BUND, die sich mit der Frage befasst, wie die Sicherung der Ewigkeitskosten der Atomenergie erreicht werden kann.

Es diskutieren: Ursula Schönberger (Politikwissenschaftlerin), Thorben Becker (BUND), Swantje Küchler (FÖS), Wolfgang Ehmke (BI Lüchow Dannenberg), Vertreter des Umweltministeriums (angefragt).

Bereits vor wenigen Wochen hatte auf der Atommüllkonferenz in Kassel eine Debatte über die aktuellen Pläne der Atomwirtschaft stattgefunden. Im Frühjahr hatten die Atomkonzerne eine Bundesstiftung (Bad Bank) vorgeschlagen, die den Betrieb der Atomkraftwerke übernehmen und für die Stilllegung und Atommülllagerung zuständig sein soll. Rund 36 Mrd. Euro wollen die Konzerne dieser Stiftung übertragen – danach dann aber von jeder weiteren Zahlung für den Atommüll befreit werden. Sie wollen sich also vom Verursacherprinzip freikaufen und die weitere Verantwortung für die in ihren Atommeilern erzeugten Abfälle nicht mehr tragen. Auf der Tagung in Kassel referierte Prof. Dr. Wolfgang Irrek von der Hochschule Ruhr West in einem Referat über die “Die Ewigkeitslasten der deutschen Atomindustrie” (hier als PDF) und die “Finanzierung von Stilllegung, Rückbau und Entsorgung kommerzieller Atomkraftwerke”. Bei “AntiAtomAktuell” ist dazu auch ein Text von Irrek veröffentlicht.

Siehe auch: www.atommuell-alarm.info

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