Kommt es wie in Geesthacht auch bei der Stilllegung des Atomforschungsreaktors in Berlin zu einem konsensorientierten Dialogprozess mit einer Begleitgruppe aus BürgerInnen, Initiativen und KommunalvertreterInnen? Eine erste Veranstaltung, bei der der Betreiber des BER II seine Vorstellungen vor etwa 100 Interessierten präsentierte, fand Mitte November statt. Es gab außerdem reichlich Fragen und reichlich kritische Beiträge. Jetzt hat der Betreiber diese auf seiner Homepage veröffentlicht. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob der Betreiber und eine zu gründende Begleitgruppe sich auf ein gemeinsames Verständnis für einen solchen Prozess einigen können. Ende 2019 soll der Forschungsreaktor II endgültig stillgelegt werden.
Die Daten sind hier beim Helmholtz-Zentrum Berlin online zu finden.
Über die Ankündigung für einen solchen konsensorientierten Dialog und die Veranstaltung informierte umweltFAIRaendern hier:
Über den Dialogprozess zur Stilllegung der ehemaligen Atomforschungsanlage GKSS beim Helmholtz Zentrum Geesthacht, der seit über vier Jahren stattfindet, hier mehr Informationen (außerdem die Stichwortsuche für weitere Informationen zu GKSS HZG Dialog):
Gegen den Neubau der Rheinbrücke der Autobahn A1 bei Leverkusen mehrt sich Kritik. In der Sendung „Frontal 21“ vom 17. Oktober dieses Jahres kommen Experten zu Wort, die von „Gefahren schwerster Verkehrsunfälle“ ausgehen. Ein Umweltberater schätzt, dass die Kosten für die Entsorgung des Giftmülls im Gebiet Dhünnaue auf bis zu 1,5 Milliarden Euro ansteigen könnte. Umweltexperte und NRW-Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) hat dies zum Anlass genommen, der Bundesregierung kritische Fragen zu stellen.
„Ich möchte von der Bundesregierung wissen, wie sie sicherstellt, dass sich der Neubau der Rheinbrücke nicht zum Milliardengrab entwickelt“, so Zdebel. „Immerhin geht es hier um das Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler“. Zdebel sieht die Bundesregierung in der Pflicht, den Hinweisen der Experten auf mögliche Gefahren für die Verkehrssicherheit nachzugehen.
DIE LINKE in Leverkusen sieht sich in der Kritik am Neubau der Rheinbrücke bestätigt. Müsseref Raubach, Kreissprecherin der LINKEN in Leverkusen erklärt: „Die kritischen Hinweise von Experten dürfen nicht weiter ignoriert werden. Der Neubau könnte zum Fiasko werden. Es ist höchste Zeit, über Alternativen nachzudenken. Dafür werden wir gemeinsam mit den Initiativen weiter Druck machen.“
Wie weiter bei der Lagerung hochradioaktiver Atomabfälle? Unter dem Titel „Die Zivilgesellschaft im Standortauswahlverfahren weiter stärken – Bundestag und Bundesregierung in der Pflicht“ lädt das Nationale Begleitgremium (NBG) für kommenden Mittwoch zu einer Veranstaltung nach Berlin, zu der auch der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) eingeladen ist. Für Zdebel ist klar: „Nicht nur bei der Suche nach einem dauerhaften Atommülllager brauchen wir ein Maximum an Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung. Auch bei der Zwischenlagerung des Atommülls ist das erforderlich. Es ist gut, dass das Nationale Begleitgremium diese Debatte einfordert und die Bundestagsabgeordneten in die Pflicht nimmt.“
„Die Zivilgesellschaft im Standortauswahlverfahren weiter stärken – Bundestag und Bundesregierung in der Pflicht“, Veranstaltung des Nationalen Begleitgremiums, 6. Dezember 2017, 16.00 Uhr – 19.00 Uhr. Vertretung des Saarlandes beim Bund In den Ministergärten 4, 10117 Berlin.
Weiter sagt Zdebel: „Das Nationale Begleitgremium ist als eine Art unabhängiger Wächter im Rahmen des Standortauswahlgesetzes eingerichtet worden und soll sicherstellen, dass die neue Suche nach einem solchen dauerhaften Atommülllager ergebnisoffen, wissenschaftsbasiert, tranparent auf einer „weißen Landkarte“ und ohne Vorfestlegungen auf Gorleben stattfindet. Das muss auch die Leitlinie für die anstehende Erweiterung des NBG von jetzt neun auf dann 18 Mitglieder sein. Die Mitglieder sollen keinen Länderinteressen vertreten oder Gutachter sein, sondern wirtschaftlich und politisch unabhängig das Verfahren überwachen.
Alle bei der Endlagersuche Beteiligten gehen davon aus, dass es deutlich länger als bislang angenommen brauchen wird, um ein solches dauerhaftes Atomlager zu finden. Daher wird die Zwischenlagerung dieser hochgefährlichen Abfälle deutlich länger dauern. Das stellt neue Sicherheitsanforderungen an die Castor-Behälter und die Lagergebäude. Hinzu kommen wachsende Terrorgefahren, die bessere Schutzkonzepte für die Zwischenlagerung fordern.
Wer einen gesellschaftlichen Konsens beim künftigen Umgang mit den hochradioaktiven Abfällen anstrebt, kann also nicht allein auf die Endlagerung schauen und lediglich dort Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Auch bei der Zwischenlagerung an den vielen Standorten müssen die betroffenen Menschen einbezogen werden.“
Mit dem radioaktiven Kobald60 verunreinigte Uranbrennelemente aus dem AKW Krümmel will Vattenfall vermutlich bei der AREVA in Richland, USA bearbeiten lassen. Eine der dortigen Anlagen dient der Reinigung von Uranmaterial, das Schadstoffe aufgenommen hat, wie es bei den Vattenfall-Brennelementen der Fall ist. Der Tri-City-Herald berichtete im April 2017 darüber, dass AREVA derzeit die dortige Anlage modernisiert. AREVA hatte zuletzt im AKW Krümmel die Dekontamination durchgeführt (siehe Link unten). Vattenfall hatte angekündigt, bis Ende 2018 insgesamt 12 solcher verunreinigter Brennelemente in die USA transportieren zu wollen. Die AREVA-Anlage am Columbia River befindet sich in der Nähe der alten nuklearen Militäranlagen der Hanford-Site. (Foto: AREVA Brennelementefertigung Lingen)
Die verunreinigten Brennelemente sind entstanden, weil Vattenfall in Krümmel vorgesehen hatte, zwölft neue Brennelemente in den Reaktor einzusetzen. Dazu waren sie in das Nasslager gestellt worden, welches mit dem Reaktor in Verbindung steht, in denen sich die hochradioaktiven Brennelemente befinden, die für die Wärmeerzeugung zuständig sind. Doch dazu kam es nicht mehr. Wiederholte Störfälle sorgten in den Jahren zwischen 2007 und 2009 dafür, dass das AKW Krümmel nicht wieder in Betrieb gehen konnte und nach Fukushima endgültig abgeschaltet wurde. Durch das Einsetzen in das Nasslager wurden die frischen Brennelemente mit Kobald60 kontaminiert.
Um das in diesen verunreinigten Brennelementen enthaltene Uran für andere Reaktoren wieder nutzbar zu machen, sollen diese in einer Spezialanlage der AREVA in Richland mit Lösungsmitteln gereinigt und das Uran aus den Brennstäben entfernt werden.
Der Tri-City-Herald berichtet über die Anlage: „Areva’s Werk in Richland beschäftigt ca. 600 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 2.300 Brennelemente und mehr als 92 Millionen Brennelemente hergestellt. Sie liefert kommerzielle Druckwasserreaktoren und Siedewasserreaktoren. Ende 2015 erhielt das Unternehmen den weltweit ersten Auftrag zur Herstellung von Kernbrennstoff für kleine modulare Reaktoren und unterzeichnete einen Vertrag mit NuScale Power of Oregon. Das Richland-Werk ist etwa 45 Jahre alt und befindet sich seit 2001 im Besitz von Areva.“
Über die Atomfabriken der benachbarten Hanford-Site berichtete der Spiegel 1996 in einem Artikel. Darin geht es um die Plutonium-Brennelemente aus dem stillgelegten Schnellen Brüter in Kalkar und um Tritium für Atomwaffen.
AREVA selbst schreibt über die Anlage: „Der in Richland erzeugte Kraftstoff macht fünf Prozent des in den USA erzeugten Stroms aus und produziert seit mehr als 40 Jahren Kraftstoff. Im Jahr 2009 erhielt der Standort Richland die erste 40 Jahre dauernde Lizenzverlängerung der Nuclear Regulatory Commission.
Screenshot: AREVA-Richland
Die Anlage in Richland ist für die Verarbeitung von Uran bis zu 5,0 Gew.-% U235 zugelassen und verfügt über eine Kapazität von bis zu 1.800 Tonnen kommerzieller Kernbrennstoffe pro Jahr. Der Standort ist vollständig integriert, einschließlich Gadolinia-Brennstoff (Pellets und Stäbe), Herstellung der oberen und unteren Endstücke, Komponentenherstellung und Uranrückgewinnung.
Die Anlage in Richland hat einen Trockenumwandlungsprozess patentiert, der eine einzigartige Methode zur Umwandlung von Uraniumhexafluorid (UF6)-Gas in UO2-Pulver darstellt. Das Verfahren erzeugt im Wesentlichen keine flüssigen Abfälle, was im Vergleich zu konkurrierenden „nassen“ Verfahren einen erheblichen Umweltvorteil darstellt. Die drei Trockenumwandlungslinien produzieren das Energieäquivalent von 30.000 Tonnen Kohle pro Stunde.“
„Investigationsdokumentation in den vier großen, Kernenergie nutzenden Ländern Belgien, Deutschland, Frankreich und USA: Alles, was die nukleare Sicherheit berührt, ist Militärgeheimnis. Und damit bestgehütet. Wer darüber informiert, könnte gar Terroristen auf „böse Gedanken“ bringen. Doch wie sicher sind die Bürger im Fall eines nuklearen Terroranschlags?“ So kündigt ARTE-TV die Ausstrahlung einer fast zweistündigen Thema-Sendung mit dem Titel „Terror: Atomkraftwerke im Visier“ an.
Die Terror-Risiken wachsen, an Atomkraftwerken und Zwischenlagern erfolgen Nachrüstungen, um die Sicherheit zu erhöhen. Aber reichen die aus? Eine unabhängige Bewertung ist für die Öffentlichkeit nicht mehr möglich, da die Maßnahmen unter Geheimhaltung stattfinden. Zuletzt hatten Greenpeace und der BUND auf die neuen Terrorgefahren und die gravierenden Sicherheitsmängel aufmerksam gemacht. Mit einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Schleswig wurde die Genehmigung für das Castor-Atommüll-Zwischenlager in Brunsbüttel aufgehoben, weil Sicherheitsnachweise nicht erbracht werden konnten.
ARTE-TV weiter: „Tatsächlich haben selbst die verantwortlichen Politiker keinen Zugang zu den Informationen. Aber wie hoch ist das Risiko eines nuklearen Terroranschlags wirklich? Auf der ganzen Welt verteilt stehen insgesamt 400 Atommeiler. Die meisten wurden zu einer Zeit entworfen und gebaut, als ein Terroranschlag auf ein Kernkraftwerk jenseits des Vorstellbaren lag.
Heute sind Reaktoren potenzielle Ziele von Anschlägen durch Kamikazepiloten, Drohnen oder bewaffnete Truppen. Mit der Entwicklung neuer Technologien geht das erhöhte Risiko von Cyber-Angriffen einher. Terroristen ändern ihre Vorgehensweisen und machen sich die Fortschritte der Technologie zunutze. Die Geheimdienste bewerten unablässig den Bedrohungsgrad und die Anschlagsformen, denen nukleare Anlagen potenziell ausgesetzt sind.
Die Staaten erlegen Betreibern ständig schärfere Sicherheitsvorkehrungen auf. Dabei ist die Atomindustrie längst nicht mehr so solvent wie früher. Die Westinghouse Electric Corporation, der US-amerikanische Weltmarktführer für Atommeiler, meldete Anfang 2017 Insolvenz an. In den Vereinigten Staaten, wo die Kernkraft in privaten Händen liegt, schreiben die meisten Kernkraftwerke rote Zahlen, in Frankreich wächst der Schuldenberg bei AREVA und EDF. Hat die Atomindustrie unter diesen Bedingungen überhaupt noch die Mittel, um die Sicherheit bei einem Terroranschlag zu garantieren?
Kernkraftwerke sind allerdings nicht die einzige Schwachstelle: Wie organisiert sich die internationale Gemeinschaft, um spaltbares und radioaktives Material zu sichern und illegalen Handel zu verhindern? Der Film ermittelt in den vier großen Nuklearländern Belgien, Deutschland, Frankreich und USA, um die Antwort auf eine Frage zu finden, die uns alle betrifft: Geheimnis hin oder her – sind die Staaten und die Atomindustrie überhaupt noch in der Lage, für den Fall eines Atom-Anschlags die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu garantieren?“
Die Sendung ist online in der Arte-Mediathek verfügbar vom 5. Dezember 2017 bis zum 3. Februar 2018; Nächste Ausstrahlung : Dienstag, 5. Dezember um 20:15