RENEGADE: AKWs wegen Luftalarm teilweise geräumt

Erneut hat es wegen eines Alarms in der Luft – dem sogenannten RENEGADE-Luftalarm – in deutschen Atomkraftwerken wegen Terrorverdacht eine teilweise Evakuierung von Beschäftigten gegeben. Darauf macht die „Grohnde-Kampagne“ mit Informationen der DeWeZet aufmerksam. Der NDR schreibt dazu: Montag sind „die niedersächsischen Atomkraftwerke Emsland, Grohnde und das bereits stillgelegte Kraftwerk Unterweser kurzzeitig evakuiert worden. Grund für diesen „Renegade“-Fall war ein Tippfehler in einer Lufthansa-Maschine, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft NDR 1 Niedersachsen. Renegade-Fälle sind solche, in denen zum Beispiel ein Flugzeug aus terroristischen Motiven als Waffe verwendet und auf Atomkraftwerke gesteuert werden könnte.“ Ob auch Atommeiler in anderen Bundesländern betroffen waren, ist dem NDR-Bericht nicht zu entnehmen. Bei einer Teilevakuierung wird das Personal auf das unbedingt nötige Maß zum Betrieb der Anlage reduziert. So soll das Risiko möglicher Innentäter reduziert werden, die einem Terrorkommando an Bord eines Flugzeugs helfen könnten. Die Bevölkerung wird über derartige Vorfälle nicht informiert und es sind auch keine Evakuierungen vorgesehen. Die AKWs bleiben trotz der Bedrohungssituation am Netz.

Der NDR informiert weiter über diesen Vorfall: „Der Pilot habe statt des Notsignals für Funkprobleme den Code für eine Flugzeugentführung eingegeben. Eine Alarmrotte der Luftwaffe stieg vom Stützpunkt Wittmund auf und näherte sich der vermeintlich entführten Maschine. In allen drei niedersächsischen Kernkraftwerken wurde gegen 8 Uhr am Vormittag der Voralarm ausgelöst. Per Lautsprecher wurden die 150 Mitarbeiter in Lingen aufgefordert, das Gelände zu verlassen. In Grohnde mussten 300 Angestellte das Gelände verlassen. Nach einer halben Stunde konnten die Mitarbeiter aller Kraftwerke zurück an ihren Arbeitsplatz. In Lingen war es der dritte „Renegade“-Fall.“

Brisant sind derartige Vorfälle, weil die noch in Betrieb befindlichen Atommeiler unter großem Druck stehen und gegen den Absturz sehr schwerer Maschinen (oder sehr schneller) nicht ausreichend gesichert sind.

Tihange und Doel jetzt abschalten: Laschet muss Verzögerungstaktik beenden

Die Reise von NRW-Ministerpräsident Laschet nach Belgien, wo er mit Premier Michel und weiteren Regierungsvertretern auch über die maroden Atommeiler Tihange und Doel sprechen will, kommentiert der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE:

„NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) muss aufhören, mit seinen durchsichtigen Manövern die umgehende Stilllegung der gefährlichen belgischen Atommeiler Tihange und Doel mit ihren zahllosen Rissen und Störfällen weiter zu verzögern. Die Reaktor-Blöcke Tihange 2 und Doel 3 können jederzeit vom Netz genommen werden – auch ohne neue von Laschet immer wieder ins Spiel gebrachte RWE-Braunkohle-Stromlieferungen. Jederzeit kann es in Tihange und Doel zu einem schweren Unfall mit katastrophalen Folgen kommen. Wir können nicht weitere Jahre warten, bis zusätzliche Stromleitungen von RWE nach Belgien verlegt sind. Abgesehen davon gibt es klimaschonende Alternativen zu RWE-Strom. Die Menschen in NRW erwarten zurecht, dass sofort etwas passiert, und das muss Laschet in Belgien endlich klar machen.

Erinnert sei an die zuletzt zusätzlich bekanntgewordenen besonders kritischen Precursor-Störfälle, die den gefährlichen Zustand der belgischen Atommeiler unterstreichen. Am Mittwoch wird sich der Umweltausschuss im Bundestag auf Antrag der Fraktion DIE LINKE mit diesen Störfällen beschäftigen.“

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