Atommüll-Kommission: Aufgaben wachsen – Druck steigt

Nicht nur die Frage, wie mit dem leicht- und mittelradioaktivem Atommüll aus der ASSE und aus der Urananreicherung in Gronau umzugehen ist, sondern auch das geplante Eingangslager für 500 Castor-Behälter müssen als Konsequenz des von der Bundesregierung vorgelegten „Nationalen Entsorgungsprogramms“ jetzt Eingang in die Arbeit der Atommüll-Kommission finden. Das mahnt der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel in einem Brief an die „Kommission für hoch radioaktive Abfälle“ vor der kommenden Sitzung nächsten Montag an. Zdebel ist als Sprecher für Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE Mitglied dieser Kommission.

Die Bundesregierung hat auf Anforderung einer EU-Richtlinie ein so genanntes „Nationales Entsorgungsprogramm“ beschlossen. Darin wird beschrieben, wie die Bundesregierung sich den weiteren Umgang mit den radioaktiven Abfällen vorstellt. Der Bericht ist von der Bundesregierung allerdings unter den Vorbehalt einer Befassung durch die Atommüll-Kommission gestellt.

„Das Nationale Entsorgungsprogramm der Bundesregierung setzt die Atommüll-Kommission jetzt unter enormen Druck, denn es ist nur noch wenig Zeit, um solide auf die neuen Vorschläge zu reagieren. Allerdings fallen diese graviereden Probleme nicht vom Himmel. Schon bei der Erarbeitung des Standortauswahlgesetzes, das die Grundlage für die Kommissions-Arbeit ist, hatten wir gewarnt, dass man die Probleme bei den leicht- und mittelradioaktiven Abfällen nicht ausklammern oder zur Nebensache erklären könne und dass es einfach mehr Zeit brauche, um gute Ergebnisse erreichen zu können“, stellt Hubertus Zdebel mit Blick auf das NaPro fest.

„Jetzt wird immer deutlicher, dass die vielen „Geburtsfehler“ des Standortauswahlgesetzes als auch der Widerstand in der Kommission, die jetzt von der Bundesregierung aufgeworfenen Themen frühzeitig in die Planung zu nehmen, dazu führen, dass der Kommission die Zeit wegläuft. Ende Juni 2016 endet die Laufzeit der Kommission nach dem derzeitigen Gesetz.

Schon ohne die im NaPro gestellten neuen Aufgaben für die Kommission droht die vorgesehene und zu einem der Kernbereiche gehördende Öffentlichkeitsbeteiligung am Bericht der Kommission unter die Räder zu kommen.“

Eine der wichtigen Entscheidungen, die die Bundesregierung im NaPro getroffen hat, und die nun von der ATommüll-Kommission neu als Arbeitsauftrag zu behandeln ist, ist die Frage, wo und wie die leicht- und mittelradioaktiven Abfälle aus der ASSE und aus der Uranverarbeitung in Gronau künftig endgelagert werden könnten. Die Bundesregierung schlägt eine Prüfung vor, diese Abfälle künftig gemeinsam in dem zu findenden Lager für radioaktive Abfälle einzulagern.

Große Bedeutung für die Suche nach einem Atommülllager für hochradioaktive Abfälle dürfte dem im Nationalen Entsorgungsprogramm (NaPro) mit einem Fassungsvermögen von bis zu 500 Castor-Behältern vorgesehene „Eingangslager“ zukommen, so Zdebel weiter. Diese Lager soll nach den Vorstellungen der Bundesregierung frühzeitig am Standort des zu findenden „Endlagers“ errichtet werden.

Die Einrichtung eines derartig großen Lagers, so der Abgeordnete, wird maßgeblichen Einfluß bei der Suche nach einem „Endlager“ und der Akzeptanz in der Bevölkerung haben, da eine oberirdische Lagerung vermutlich über Jahrzehnte in diesem Eingangslager stattfinden wird. In dem Brief fordert der Abgeordnete eine umfassende Auswertung des NaPro durch die Kommission, um die dort enthaltenen Themen in der Kommissionsarbeit aufzunehmen.

Keine Entwarnung nach Eon-Entscheidung bei Atommüll-Kosten

„Der Verzicht von Eon auf die geplante Abspaltung der Atomsparte ist eine gute Nachricht und ein Erfolg für alle Atomkraftgegner, die sich seit langem gegen die Eon-Pläne einsetzen. Dennoch gibt es keinen Grund, den von Wirtschaftsminister Gabriel vorgelegten Gesetzentwurf zur Haftungssicherung beiseite zu legen. Dieses Gesetz sollte nach wie vor zügig in den Bundestag eingebracht und beschlossen werden“, so Hubertus Zdebel, Sprecher der Fraktion DIE LINKE für den Atomausstieg. „Auch andere Atomkonzerne diskutierten über derartige Abspaltungen. Die Risiken, dass am Ende die Bürgerinnen und Bürger die Atomzeche zahlen müssen, bleiben weiterhin enorm groß. Schon heute ist klar, dass die bislang gebildeten 38 Milliarden Euro für die Atom-Rückstellungen möglicherweise nicht mehr vorhanden sind und obendrein nicht ausreichen werden.“

Zdebel weiter: „Viel zu lange haben zu viele Bundesregierungen die Augen vor der möglichen Katastrophe für die Steuerzahler verschlossen. Mit allen Mitteln versuchen sich die wirtschaftlich schwer angeschlagenen Atomkonzerne aus der gesetzlichen Verantwortung für die Finanzierung der Kosten des Atomausstiegs und der Atommülllagerung zu stehlen. Mit der jetzt vom Wirtschaftsministerium ins Spiel gebrachten Kommission, die über die Sicherung der Rückstellungen für die Atommüll-Entsorgung Vorschläge erarbeiten soll, wird die Tür dafür geöffnet. Erste Namen, die als Mitglieder dieser Kommission in den Medien genannt werden, machen das deutlich.

Statt einer Kommission brauchen wir jetzt die längst überfällige Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds, in den die Atomkonzerne in vollem Umfang einzahlen. Jahrzehntelang haben die Atomkonzerne fette Gewinne mit der Atomenergie gemacht. Für die Folgekosten müssen die Konzerne ohne jede Einschränkung in der Verantwortung bleiben.“

Diese Pressemeldung ist auch auf der Seite der Fraktion DIE LINKE im Bundestag erschienen.

Radioaktiv durch NRW und überall: Aktionen und Tag X gegen Urantransporte

Atomtransporte quer durch NRW und überall: „Der sogenannte Atomausstieg ist beschlossen – Atompolitik kein Thema mehr? Täglich fahren Atomtransporte quer durch die Welt um die Atomindustrie mit neuem Brennstoff zu versorgen. Uran wird abgebaut, umgewandelt, angereichert, in Brennelemente gepresst, zu Atomkraftwerken transportiert.“ So warnen zahlreiche Anti-Atom-Initiativen und rufen auf zu Aktionstagen gegen Urantransporte und einem Tag X ab dem 12.September. Am Ende der Urantransporte stehen Super-GAU-Risiken und hochradioaktiver Atommüll. Ziel ist es, entlang der Transportstrecken quer durch die Bundesrepublik und u.a. mitten durch NRW mit Aktionen auf diese Atomtransporte aufmerksam zu machen.

Auf der Durchfahrt nach Frankreich oder z.B. mit Ziel oder Absender Gronau, wo Urenco die Anreicherung von Uran zur Herstellung von Brennelementen für Atommeiler in aller Welt betreibt, rollen viele der Atomtransporte auch durch NRW. Die Uranfabriken in Gronau und in Lingen sind vom bundesdeutschen Atomausstieg ausgenommen und dürfen unbefristet weiter betrieben werden. So werden auch die Urantransporte in großer Zahl weiter rollen.

Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Bundestagsfraktion DIE LINKE: „Es ist allerhöchste Zeit, dass auch die Uranfabriken in Gronau und Lingen endlich in den Atomausstieg einbezogen werden. Dies würde auch die Zahl der riskanten Atomtransporte reduzieren.“ Der aus Münster stammende Bundestagsabgeordnete Zdebel wird sich am Samstag an einer Auftaktaktion am Hauptbahnhof beteiligen(siehe unten).

Die Anti-Atom-Initiativen wollen einen Urantransport mit Aktionen begleitet, der nach dem 12. September im Hamburger Hafen eintrifft und von dort dann seine Weiterreise in Richtung Frankreich antritt.

Zum Auftakt gibt es in Münster, Hamburg und am Grenzübergang nach Frankreich in Perl Aktionen. In Münster z.B. am 12. September von 10 – 12 Uhr vor dem Hauptausgang am Bremer Platz, wo die AktivistInnen über die Urantransporte und die Kampagne informieren wollen. Unter dem Link finden sich auch Informationen, wie der Tag X im einzelnen ablaufen soll.

 

Flüchtlinge schützen – Rassismus ächten – Naziterror bekämpfen

Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen haben sich mit geflüchteten Menschen solidarisiert und einen gemeinsamen Aufruf gegen Rassismus und Naziterror unterzeichnet. Darin heißt es:

„Angriffe von Nazis und Rassisten auf Menschen, die vor Krieg und Elend fliehen, sind nicht nur Straftaten gegen Leib und Leben von Einzelnen, sondern zugleich ein Anschlag auf den demokratischen und sozialen Rechtsstaat. Sie sind inakzeptabel und reihen sich ein in die lange Kette rassistischer Gewalttaten in unserem Land. Angesichts dieser Bedrohung fordern wir, dass mit aller Härte des Rechtsstaates gegen Nazigewalttäter und ihre Mitläufer vorgegangen wird. Wer Asylunterkünfte angreift und volksverhetzende Parolen skandiert, ist kein ‚besorgter Bürger‘, sondern ein Krimineller.

Wir stehen an der Seite der vielen engagierten Menschen in Deutschland, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Diese verdienen mehr Unterstützung. Wir fordern weiterhin ernsthafte europäische Anstrengungen zur Bekämpfung der Fluchtursachen. Bis sie erfolgreich sind, brauchen wir keine weiteren Abschottungs- und Angstdebatten, sondern den klaren Willen, Flüchtlinge schnell und gut zu integrieren.“

Der fraktionsübergreifende Aufruf ist hier nachzulesen.

Atommüll-Kosten: Kommission als Fluchtweg für die Konzerne?

Der atomare Wahnsinn in Form von radioaktivem Atommüll wird immer mehr zu einer neuen Kraftprobe. Es geht um Milliarden-Summen und die Frage: Wird die Bundesregierung durchsetzen, dass die Atomkonzerne weiterhin in vollem Umfang für die Kosten bei der Stilllegung von Atomanlagen und der Lagerung der radioaktiver Abfälle in der Pflicht bleiben, wie es seit Jahrzehnten im Atomgesetz festgelegt ist? Oder wird die Große Koalition vor der Atomwirtschaft einknicken und die enormen Kosten für den Atommüll mindestens teilweise den SteuerzahlerInnen neu aufladen? Mit einem Haftungssicherungsgesetz und einer Kommission will Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) diese Frage nun angehen, um die Bad-Bank-Pläne der Konzerne zu blockieren. Vor allem die Kommission könnte aber zur Hintertür werden, durch die die Konzerne zu einer Kostenentlastung in Milliardenhöhe kommen.

Entsorgungs-Rückstellungen: Politisch gewollte Begüngstigung der Atomkonzerne

Das Atom-Abenteuer droht immer mehr zum finanziellen Desaster zu werden. Jahrelang galt: Die Konzerne zahlen für die Stilllegung der Atomanlagen und für die anschließende Lagerung des Atommülls. Dafür haben sie von den StromkundInnen Milliarden-Summen eingestrichen und diese entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen als Rücklagen mit enormem Steuervorteilen in ihren Bilanzen verbucht. Doch schon immer mangelte es an Vorschriften für die Konzerne, dieses Geld sicher aufzubewahren. Die Realität war: Mit dem Rückstellungen für die „Entsorgung“ konnten die Konzerne ohne jede Einschränkung spekulieren und ihre Investitionen tätigen. Keine der letzten Bundesregierungen seit 2000 hat diesen offenkundigen Missstand angepackt und für eine Sicherung dieser Rückstellungen gesorgt.

In 2011 hatte sich der Bundesrechnungshof umfänglich zu den Rückstellungen geäußert und massiv auf zahlreiche Risiken hingewiesen. Die FR berichtete: „Ärger um „Kriegskasse“ der Konzerne“. Der Rechnungshof warnte, dass die Behörden nicht einmal in der Lage wären, die Atomkonzerne in Sachen Rückstellungen zu kontrollieren und auch, dass die tatsächlichen Kosten weit höher liegen könnten, als unterstellt. (Der Bericht ist hier als PDF.Hier die Unterrichtung des Bundstags als Drucksache.) Gegenüber den Forderungen, die Kontrollrechte zu verbessern, stellte sich die Bundesregierung taub.

Selbst als im Mai 2014 die Bad-Bank-Pläne der Atomkonzerne über Medienberichte bekannt wurden, tat die Bundesregierung zunächst so, als wisse sie darüber nichts, musste dann aber eingestehen, dass sie darüber bereits im Februar 2014 informiert war. (Die Welt, siehe dazu auch Drucksache 18/35 (PDF)) Bundeskanzlerin Merkel reagierte zwar mit dem Hinweis Im „Grundsatz muss es dabei bleiben“, dass die Unternehmen die Verantwortung für die Entsorgung von Atommüll tragen und sie es ablehne, die Risiken auf Staat und Steuerzahler abzuwälzen. Allerdings schränkte sie auch ein: „Eine einseitige (Hervorhebung durch den Autor) Verlagerung der Risiken werden wir nicht mitmachen.“ (FAZ, Mai 2014)

An den Schlupflöchern wird gearbeitet – eine Kommission

So radikal es klingt und so richtig es ist, wenn Gabriel und das Wirtschaftsministerium nun mit dem vorgelegten Konzernhaftungsgesetz daran gehen, die mit den Bad-Bank-Plänen der Konzerne beabsichtigte Flucht vor der Kosten-Verantwortung bei der Atommüll-Entsorgung zu verhindern. An einer Vereinbarung mit den Atomkonzernen, nach der es zu einer vermutlich massiven Entlastung bei den Atommüllkosten zum Schaden der SteuerzahlerInnen kommen könnte, wird bereits intensiv gearbeitet.

Auf der einen Seite ist das Wirtschaftsministerium mit der dringend notwendigen Haftungssicherung dabei, den Konzernen den einfachen Ausweg aus ihrer gesetzlichen Verantwortung für die Atommüllkosten abzuschneiden. Auf der anderen Seite aber wird an Modellen und Begründungen gearbeitet, dass die Unternehmen von Teilen der Kosten befreien soll.

Inzwischen ist neben einer öffentlich-rechtlichen Stiftung vor allem von Wirtschaftsseite von der Gründung einer Stiftung die Rede. U.a. der ehemalige Wirtschaftsminister Werner Müller hat diese jüngst wieder ins Spiel gebracht (Wirtschaftswoche). Müller ist unter anderem Chef der RAG-Stiftung, die für die Folgen des Steinkohlebergbaus zuständig ist und einigen als Vorbild auch für eine Lösung bei den Atommüllkosten vorschwebt. Zentral ist: Nach einer Einmalzahlung der Unternehmen endet die Verantwortung.

Ende Mai meldet die Wirtschaftswoche in einem weiteren Artikel: „Vor diesem Hintergrund arbeitet Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) fieberhaft an Eckpfeilern für eine mögliche Stiftung. Die könnte, so die Überlegung, die Rückstellungen der Konzerne für die Atomkraft sichern und gleichzeitig den Staat in die Pflicht nehmen, falls dieses Geld nicht reicht.“

Die Konstruktion, die nun immer mehr Raum greift: Mit der Entscheidung zum Atomausstieg nach Fukushima wären die Konzerne nicht in der Lage, die erforderlichen Rückstellungen in ausreichender Höhe zu erwirtschaften. Dies hatte z.B. RWE-Chef Peter Terium jüngst als Horrorgemälde an die Wand gemalt. (Tagessschau) Die gewünschte Folge solcher Aussagen: Der Staat müsse nun in die Pflicht, die Kosten für die Atommüll-Entsorgung zumindest teilweise übernehmen. Davon, dass die Unternehmen mit dem Rückstellungen jahrzehntelang Monopoly gespielt haben und sich dabei mächtig verzockt haben, ist nicht die Rede.

Mit dem gleichen Ziel argumentiert auch E.on. Von E.on Chef Theyssen ist im Handelsblatt zu lesen: „„Ist es denn richtig, dass derjenige für alle Ewigkeit haftet, der die Kernkraftwerke derzeit besitzt, oder derjenige, der sie gebaut hat?“, fragte er am Donnerstag bei einem Auftritt vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf. Letzteres wäre in manchen Fällen nämlich der Staat selbst.“ Gemeint sind damit ehemalige Unternehmen wie die HEW in Hamburg oder das Bayernwerk. Und er versteigt sich sogar in die Behauptung: „In der Geschichte der Bundesregierung ist kein Atomkraftwerk gebaut worden, das nicht vom Staat bestellt wurde.“

Dass E.on, Vattenfall und Co diese Unternehmen nach der Liberalisierung der Strommärkte in der EU – samt aller damit verbundenen Pflichten und mitsamt aller Rückstellungen – übernommen hat: Kein Wort.

Mit dem Vorschlag zur Einrichtung einer Kommission, die sich mit der Sicherung der „Entsorgungs-Kosten“ befassen soll und jetzt vom Wirtschaftsministerium forciert wird, wird die Tür vor allem auch für diese Stimmen und Überlegungen aufgemacht, die den Konzernen einen Ausweg aus der Kosten-Verantwortung bereiten wollen. Erste Namen, die in Verbindung mit der Kommissions-Besetzung in den Medien genannt werden, verstärken diesen Verdacht. Vorschläge zur Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds liegen längst auf dem Tisch. Gabriel selbst hat sich im Frühjahr ein umfassendes Gutachten über den Lagezustand und was zu tun wäre (Becker Büttner Held, Irrek (PDF), erstellen lassen.

Angeschlagene Konzerne – Die Konzerne sind selbst verantwortlich

Heute sollten bislang rund 38 Mrd. Euro an „Entsorgungs“-Rückstellungen bereitstehen. Doch erhebliche Fehl-Spekulationen und die Ignoranz der Konzernchefs gegenüber der Energiewende haben dazu geführt, dass E.on, RWE, Vattenfall und EnBW vor einem Scherbenhaufen stehen. Es ist inzwischen insbesondere nach den o.g. Terium Äußerungen, ob diese Rückstellungen tatsächlich verfügbar sind. Denn Schuldenberge von um die 30 Mrd. Euro bei RWE und E.on, vermutetete 20 Mrd bei Vattenfall, sind nicht nur Ausdruck des Versagens der Chefetagen. Sie sind angesichts wegbrechender Einnahmen auch ein Alarmsignal für die SteuerzahlerInnen, dass sie am Ende die Zeche zahlen müssen.

Wichtig für die aktuelle Krise der Atomkonzerne ist: Sie selbst sind maßgeblich verantwortlich! Greenpeace wies erst kürzlich mit einer Studie darauf hin: „Die prekäre Lage der vier großen Stromkonzerne RWE, Eon, Vattenfall und EnBW ist gravierenden und anhaltenden Managementfehlern geschuldet, nicht primär der Energiewende.“

Doch von ihrer eigenen Verantwortung für die wirtschaftliche Misere wollen die Atom-Vorstände natürlich nichts wissen. E.on, RWE und Vattenfall sind dabei, ihre Konzernstrukturen umzukrempeln. Die verlustreichen Geschäftsfelder Atom- und Kohle sollen ausgegliedert (E.on, Vorbereitungen bei RWE) oder gleich ganz abgestoßen werden (Vattenfall Braunkohle Lausitz, Haftungsbegrenzung auf das Deutschland-Geschäft, die Konzernmutter in Schweden ist haftungsfrei). So sollen die Risiken in Varianten von BAD-BANK-Modellen gebündelt werden. Gehen die Konkurs – wären die SteuerzahlerInnen dran.

Unanständiger Deal in Vorbereitung

Für Moral kann man sich nichts kaufen, heißt es sicherlich zurecht. Aber man muss schon feststellen: Das Verhalten der Atomkonzerne, die Jahrzehnte alle gesetzlichen und steuerlichen Vorteile für Bau und Betrieb von Atomkraftwerken hemmungslos ausgenutzt haben und dafür zu einem der schwersten gesellschaftlichen Konflike in der Geschichte der Bundesrepublik massiv beigetragen haben, ist unverantwortlich und eine Schande!

Dies umso mehr, wenn man berücksichtigt, dass Atommülllager wie ASSE und Morsleben, in denen unter katastrophalen Bedingungen Berge von radioaktiven Abfällen aus den Atomkraftwerken der Konzerne liegen, ohnehin schon mit Steuermitteln bezahlt werden. Allein dies schlägt schon jetzt mit über 10 Mrd. Euro zu Lasten der BürgerInnen zu Buche. Jetzt ist es die Pflicht und Schuldigkeit der Konzerne, ihren Teil der Rechnung zu begleichen.

Richtig ist aber auch und das ist das entscheidende: Die Konzerne konnten und können die Gewinne privatisieren und die Verluste sozialisieren, weil die herrschende Politik sie hat gewähren lassen. Damit muss endlich Schluss sein.

Anträge für die Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds zur Sicherung der Atom-Rückstellungen liegen dem Bundestag bereits seit längerer Zeit vor. Eine Haftungssicherung werden wir sicher unterstützen, damit die Konzerne in der Pflicht bleiben. Eine Reduzierung oder Begrenzung der Verantwortung für die dauerhaften Kosten beim Atommüll darf es nicht geben. Die Bundesregierung muss durchsetzen, was die BürgerInnen zurecht erwarten und was gesetzlich klar geregelt ist: Die Konzerne tragen die Kosten für ihre Atommüllgeschäfte!

 

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