„DAS ATOMDESASTER – Die verdrängte Ernsthaftigkeit bei der Suche nach einem Atomendlager“

Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive und andere Atomabfälle wird sich – Stand jetzt – um vermutlich Jahrzehnte verzögern. Damit werden diese brisanten Strahlenabfälle weiterhin an vielen Standorten quer durch Republik und nicht nur an den ehemaligen AKWs  oberirdisch aufbewahrt. Ob die jeweiligen Behälter, in denen der Strahlenabfall verpackt ist, auch dafür geeignet sind und welche Gefahren bei 100+ statt bislang geplanter 40 Jahren „Zwischenlagerung“ hinzukommen: Das ist die eine bedeutsame Frage, die weit oben auf der Tagesordnung in Fragen Sicherheit und Schutz der Bevölkerung stehen. Eine andere: Wie konnte es dazu kommen, dass die sogenannte Endlagerung immer noch in weitere Ferne ist? Darüber denken in einem Beitrag im „Blog der Republik“ Michael Müller, damaliger Co-Vorsitzender der Endlager-Kommission von Bundestag und Bundesrat und Jürgen Voges, Journalist, Mitarbeiter der genannten Kommission und später im Nationalen Begleitgremium (NBG) zuständig für die Umsetzung des sogenannten Standortauswahlgesetzes nach.

Dokumentation: DAS ATOMDESASTER – Die verdrängte Ernsthaftigkeit bei der Suche nach einem Atomendlager – Ein Gastbeitrag von Michael Müller und Jürgen Voges – Die kurze, aber sehr folgenreiche Zeit der Atomenergie

Mitte der 1950er Jahre wurde die friedliche Nutzung der Atomenergie als Weg in ein neues Zeitalter des Wohlstands gepriesen. Die gewaltige Kraft der nuklearen Energiequelle wurde als schier unendlich hingestellt, die alle Energieprobleme der Menschheit lösen würde. Der Grund für die Atomenergie lag auch darin, mit dem Slogan „Atomkraft für den Frieden“ von der katastrophalen Vernichtungskraft der militärischen Atomkernspaltung abzulenken. Doch der Traum von der friedlichen Nutzung ist in unserem Land nach den beiden Größten Anzunehmenden Unfällen (GAU)* in Tschernobyl und Fukushima geplatzt. Aber trotz des Abschaltens aller deutschen Atomkraftwerke ist das kurze, aber riskante und teure Zeitalter der Atomenergie noch nicht vorbei. Das Erbe ist hochradioaktiven Abfall, der über eine Million Jahre in einem sicheren Verschluss gelagert werden muss, damit es nicht zu Schädigungen für Mensch und Natur kommen kann.

Hier im Blog der Republik weiterlesen.

  • * In beiden Fällen handelte es sich nicht um einen GAU, sondern um einen Super-GAU. Der Größte Anzunehmende Unfall GAU ist derjenige, der von der Anlage beherrscht wird. Dafür ist der Meiler technisch ausgelegt worden. Diese Auslegung ist in Tschernobyl und Fukushima überschritten worden. Daher muss es Super-GAU heißen.
  • Alles zum Thema Endlagersuche auf umweltFAIRaendern.de

 

AKW Krümmel erhält endlich nach neun Jahren Genehmigung zur Stilllegung

Die ziemlich langsamste Atombehörde in der Bundesrepublik mit Sitz in Schleswig-Holstein hat es nunmehr geschafft und dem Vattenfall-Reaktor Krümmel, östlich von Hamburg, die Stilllegungs- und Rückbau-Genehmigung erteilt. Das AKW Krümmel gehört zu denjenigen Atomkraftwerken, denen die Regierung Merkel direkt nach der Mehrfach-Katastrophe von Fukushima die Lizenz zum Weiterbetrieb entzogen hatte. Tatsächlich war das marode AKW – eine „Montagsversion“ eines Siedewasserreaktors mit deutscher Weiterentwicklung und rund 1.400 MW – bereits seit 2007 fast durch die Bank wegen Störfällen und Sicherheitsmängeln nicht mehr am Netz. 2007 war es zu einem Feuer in einem der Transformatoren gekommen, auf der Rückseite der Anlage in der Nähe des Reaktors. Dabei drang Rauch in die Steuerwarte ein, die Kontrollmannschaft musste mit Gasmasken arbeiten, die Feuerwehr war im Großeinsatz. Im Zuge der folgenden Reparaturen ignorierte Vattenfall Auflagen und Anforderungen der Atomaufsicht und sorgte so mit immer neuen Mängeln für Probleme.

Wenn es in der PM aus Kiel heißt, dass diese Genehmigung nun „rund einen Monat früher als zunächst erwartet, … erteilt und an die Betreibergesellschaft Vattenfall übergeben werden“ konnte, dann ist das an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten. Auch wenn Vattenfall zunächst den Stilllegungs-Antrag seit 2011 selbst erheblich verzögert hatte: Schließlich hatte Vattenfall dann im Jahr 2015 den Antrag bei der Genehmigungsbehörde eingereicht. Also fast neun Jahre hat die Atombehörde in Kiel für die Stilllegungs-Genehmigung gebraucht. Andere Bundesländer haben derartige Genehmigungen deutlich schneller erteilt.

Obwohl Krümmel in einem maroden Zustand war, hatte Vattenfall die Bundesrepublik im Rahmen der ehemaligen Energiecharta vor einem Schiedsgericht in den USA verklagt, um Schadensersatz für die nach Fukushima erfolgte Abschaltung einzuklagen.

KRÜMMEL/KIEL. Schleswig-Holstein hat einen weiteren Meilenstein auf dem Weg des Atomausstiegs erreicht. So konnte heute (20.06.2024), rund einen Monat früher als zunächst erwartet, die Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau des Kernkraftwerks Krümmel erteilt und an die Betreibergesellschaft Vattenfall übergeben werden.

„Der Atomausstieg in Krümmel schreitet voran. Mit der heute erteilten Genehmigung geht der ehemals größte Siedewasserreaktor der Welt in die Abbauphase. Die Betreibergesellschaft Vattenfall hat die Antragsstellung sicherheitsgerichtet und konstruktiv vorangebracht. Genau diese Herangehensweise wird auch den sicheren Abbau des Kernkraftwerks gewährleisten. Ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen auf der Anlage sichere und erfolgreiche Rückbauarbeiten. Sie leisten den Menschen in unserem Land einen wichtigen Dienst.“

Die Abbauarbeiten in Krümmel werden voraussichtlich rund 15 Jahre in Anspruch nehmen. Die ersten vorbereitenden Maßnahmen wurden bereits im Nachbetrieb durchgeführt: So wurden zum Beispiel die Brennelemente in das Zwischenlager (Standort Krümmel) gebracht und die umfangreiche Systemdekontamination zur Strahlenminimierung durchgeführt.

Der Strahlenschutz besitzt während des gesamten Abbaus oberste Priorität. Alle Abbauschritte des Kernkraftwerks werden daher eng von der atomrechtlichen Aufsicht überwacht. Viele Teilschritte, wie etwa der Abbau von Systemen, bedürfen einer Zustimmung der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde, damit die Rahmenbedingungen und das Ziel der Strahlenminimierung bestmöglich eingehalten werden. Für das Genehmigungsverfahren erhebt das Land von der Betreibergesellschaft Vattenfall eine Gebühr in Höhe von einer Million Euro.

Informationen zum Genehmigungsbescheid:

Der Genehmigungsbescheid für die Stilllegung und den Abbau des Kernkraftwerks umfasst die gesamte Abbauphase bis hin zum Ende der atomrechtlichen Überwachung. Hierzu zählt beispielsweise auch die Neuregelung der zulässigen radioaktiven Ableitungen (Luft und Wasser) sowie der Umgang mit schwach- und mittelradioaktiven Stoffen. Die Ableitungswerte wurden gegenüber den bisherigen Werten teilweise deutlich reduziert und unterschreiten damit die gesetzlichen Grenzwerte.

Der Genehmigungsbescheid regelt zudem die Rahmenbedingungen für sogenannte atomrechtliche Freigaben. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, nach dem Stoffe, die der atomrechtlichen Überwachung unterliegen und damit als potenziell radioaktiv gelten, aus dem Bereich des Strahlenschutzrechts entlassen werden können. Dafür braucht es den Nachweis, dass von den Stoffen lediglich eine zu vernachlässigende Strahlung ausgeht, die deutlich unterhalb der natürlichen Schwankungsbreite liegt. Jede einzelne Freigabe bedarf einer ausdrücklichen Zustimmung der Reaktorsicherheitsbehörde, die wiederum unabhängige Sachverständige hinzuzieht.

 

Mahnmale oder Denkmale der nuklearen und gesellschaftlichen Kernspaltung

Mit dem Ende der Atomstromerzeugung in Deutschland ist an verschiedenen Orten auch eine Diskussion in Gang gekommen, wie der gesellschaftliche Umgang mit dem nuklearen Erbe aussehen könnte. In Grafenrheinfeld drängelt die Regionalpolitik, nun endlich die weithin sichtbaren Kühltürme am AKW zu sprengen. Im August sollen die Atom-Mahnmale verschwinden. Aus den Augen aus dem Sinn? In Berlin hatten deutsche Wissenschaftler die Kernspaltung mitten im Faschismus entdeckt. Die Geschichte der Atomenergie beginnt im Krieg, mit Atombomben. Erst später werden „Atoms for Peace“ erfunden. „Erinnerungsorte und Wissensspeicher“ heißt eine Veranstaltung des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BaSE) am 1. Juli in Berlin, die darüber nachdenkt, stillgelegte „Atomkraftwerke als Denkmäler“ zu nutzen.

Auf der Tagung dabei ist der Architekt Philipp Oswalt. In einem Beitrag des NDR vom Februar ist zu lesen, dass er „fordert, dass Kernkraftwerke für die Nachwelt als Kulturgüter bewahrt werden müssen: „Das ist eigentlich selbstverständlich, dass so etwas unter Denkmalschutz kommt.““ (NDR, 20.2.2024) Auch Karsten Hinrichsen aus Brokdorf findet das Thema wichtig, wie er dem NDR mitteilte. Mit Stefan Rettich von der Uni Kassel sprach der DLF zum Thema „Atommeiler als Architekturdenkmäler? Der Stadtplaner Stefan Rettich im Gespräch„. Die Süddeutsche hatte zum Thema im Januar 2023 Überlegungen angestellt. Im Wendland steht das Gorleben-Archiv als Erinnerungs-Wächter und in Braunschweig das Archiv Deutsches Atomerbe.

Dokumentation 1 von BaSE: Atomkraftwerke als Denkmäler: Erinnerungsort und Wissensspeicher

Anfang 01.07.2024 12:30 Uhr – Ende 01.07.2024 19:50 Uhr – Veranstaltungsort Berlin

Vor gut einem Jahr sind die letzten Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet worden. Damit wurde die Stromerzeugung aus dieser Hochrisikotechnologie endgültig beendet. Vorausgegangen war ein jahrzehntelanger gesellschaftlicher Konflikt um die Atomenergie und die Entsorgung ihrer radioaktiven Hinterlassenschaften.

Was wird nun aus den Standorten der Atomkraftwerke? Sollen diese Orte von historischer Bedeutung komplett verschwinden oder können sie als Ort der Erinnerung erhalten bleiben?

Am 01. Juli 2024 lädt das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) in Kooperation mit der Universität Kassel und dem Deutschen Technikmuseum Berlin zu einer öffentlichen Fachtagung mit anschließender Podiumsdiskussion nach Berlin ein. Thematisch wird es an diesem Tag um einen umfassenden Blick auf den Denkmalwert von ehemaligen Atomkraftwerken und Möglichkeiten ihrer alternativen Nachnutzungen gehen.

Die Veranstaltung wird um 12:30 Uhr mit Beiträgen von Expert:innen verschiedener Fachrichtungen beginnen. Ab 18:20 Uhr schließt sich eine moderierte Podiumsdiskussion an, die bis etwa 19:50 Uhr dauern wird. Anschließend wird es ein Get-Together geben.

Hier können Sie sich das Programm der Veranstaltung herunterladen.

Montag, 01.07.2024 Von 12:30 Uhr bis 19:50 Uhr mit anschließendem Get-Together Anmeldung für die Veranstaltung

Adresse: Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin

Trebbiner Straße 9 – 10963 Berlin
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Dokumentation 2 – Ausstellung „Nach der Kernkraft – Konversionen des Atomzeitalters“

Schau in Berlin-Tiergarten präsentiert Ideen für AKW-Nachnutzung

Datum 15.12.2022

Deutschland steigt aus der Nutzung der Atomenergie aus. Was bleibt? Rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfall muss sicher in einem Endlager untergebracht werden. Und was geschieht mit den Atomkraftwerken? Sie sind Teil der Landschaft geworden. Gibt es neue Verwendungen? Was wäre denkbar?

Studierende der Universität Kassel haben sich Gedanken gemacht, wie eine Nachnutzung aussehen könnte und die Ausstellung „Nach der Kernkraft – Konversionen des Atomzeitalters“ gestaltet. Ihre Ideen sind phantasievoll, visionär, mutig. Es braucht Vorstellungskraft für diese „unbequemen Denkmäler“.

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung hat diese Ausstellung in seine Räume nach Berlin-Tiergarten geholt. Denn: Denkanstöße geben, Debatten und Austausch fördern – für ein Bundesamt, das die Öffentlichkeit in seine Arbeit einbindet, ist dies von essenzieller Bedeutung.

Zu sehen ist die Ausstellung vom 15. Dezember bis 15. April täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr im Foyer des

Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung
Wegelystraße 8 – 10623 Berlin-Tiergarten.

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Dokumentation 3 von der BASE Seite – Atomkraftwerke als Denkmäler erhalten? Ein kurzes Interview

Welche Perspektiven bietet die Ausstellung „Nach der Kernkraft – Konversionen des Atomzeitalters“? Darüber sprachen BASE-Präsident Wolfram König und zwei ehemalige Studierende des Fachbereichs Städtebau der Universität Kassel: Rina Gashi, heute Städtebaureferendarin beim Land Niedersachsen, und Marius Freund, heute Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dipl.-Ing. Stefan Rettich.

Was verbindet das BASE mit einer Ausstellung aus dem Fachgebiet Städtebau?
Wolfram König: Mit der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke in Deutschland wird deutlicher wie schwer es ist, die Aufmerksamkeit für die Lösung der sicheren Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig haben wir nicht nur den Auftrag als Gesellschaft, den Ausstieg aus dieser Form der Energieerzeugung einschließlich ihrer Abfälle zu vollziehen, sondern es stellt sich ebenfalls die Frage: Wie können wir mit dem Wissen und den Hinterlassenschaften dieser Technologie so umgehen, dass daraus die richtigen Rückschlüsse für eine zukunftsfähige Lebensweise ermöglicht wird. Die Ausstellung leistet genau hierbei Hervorragendes, denn sie fordert zum Hinterfragen des bisher Selbstverständlichen auf: Statt Abriss der strahlungsfreien Gebäude sollten diese als Lernorte für eine nachhaltige Zukunft genutzt werden.

Welche Motivation hatten Sie als Student:innen, sich diesem Thema zu widmen?
Rina Gashi: Es gab natürlich eine intrinsische Motivation und die Leidenschaft zum städtebaulichen Entwerfen, denn ein AKW ist ebenfalls eine bauliche Anlage, zu der man sich Gedanken machen kann: Wie sieht es eigentlich mit der Nachnutzung dieses Gebäudes aus?
Marius Freund: Wir kennen natürlich die Diskussion in der Familie oder mit Freunden über die Atomkraft. Aber den Ort, den kennt man eigentlich nicht. So ein AKW ist ja auch irgendwie ein mystischer Ort. Zudem haben wir schnell gemerkt: So ein AKW ist echt groß! Und es stecken gigantische Mengen Material darin, wirklich hochwertige Baustoffe – die dann einfach auf Deponien verschwinden. Doch hochverstrahlt ist davon nur ein kleiner Teil. Und da kam dann die Motivation dazu: Das Material kann man noch anders nutzen.

Aus dem stillgelegten AKW Biblis soll ein „Lebenskraftwerk“ entstehen. Was kann man sich darunter vorstellen?
Rina Gashi: Die Idee ist aus dem Standort des Kraftwerks entstanden: Biblis hat einen speziellen Naturraum. Das AKW selbst liegt eingebettet in Landwirtschaft, Natur- und Vogelschutzgebieten und gehört überdies zum UNESCO-Geopark Bergstraße Odenwald. Somit wirkte das AKW-Gelände wie ein fehlendes Puzzleteil in der Landschaft. Der Titel „Lebenskraftwerk“ kommt daher, weil ein neues Leben für Flora und Fauna, insbesondere für bedrohte Tier- und Pflanzenarten generiert werden soll. Der Gedanke war: Was wäre, wenn das AKW Habitat für bedrohte Tier- und Pflanzenarten werden würde. Es soll aber auch ein Ort für die Bevölkerung geschaffen werden, was natürlich paradox ist, da ein AKW ein sehr verschlossener, für die Öffentlichkeit nicht zugänglicher Ort ist. Es geht also um eine natürliche Rückeroberung dieses Raums.

Und der Plan für das AKW Brokdorf ist in der Ausstellung die Umwandlung in ein „Kernkraftmuseum“. Wie könnte ein solches aussehen?
Marius Freund: Bei der Ankunft im neuen, gläsernen Museumsfoyer starten die großen Betonröhren, die man auch von außen sehen kann. Diese führen über drei Routen durch das Gebäude. Die erste ist die Produktionsroute. Man läuft den Kreislauf ab, der auch zur Stromproduktion genutzt wurde. Die zweite Route ist der Sicherheit gewidmet, denn ich würde schätzen, dass ca. die Hälfte eines AKW-Gebäudes dafür da ist, die Sicherheit zu gewährleisten. Und die letzte Route zeigt dann im Außenraum die Protestgeschichte von Brokdorf, denn das AKW hat ja wegen der Protestkultur eine sehr wichtige Rolle gespielt.

Wie sehen Sie diese Projekt-Ideen, Herr König?
Wolfram König: Der Wert aller Vorschläge zur Um- und Weiternutzung liegt meines Erachtens insbesondere in der Aufforderung, unseren Blick auf die Anlagen aus einer anderen Perspektive zu richten. Das bisher verfolgte Ziel, die Kraftwerksstandorte wieder zu einer sogenannten grünen Wiese zu machen, muss insbesondere mit den Menschen vor Ort zur Diskussion gestellt werden. Wir dürfen dabei jedoch nicht ausblenden, dass an allen Kernkraftwerksstandorten noch über Jahrzehnte Zwischenlager mit hochradioaktiven Abfällen existieren werden. Eine Hypothek aus dem Kernkraftwerksbetrieb, die die Nutzungsmöglichkeiten einschränken und uns gleichzeitig mahnen, konsequent die Standortfrage für ein Endlager in Deutschland einer Beantwortung zuzuführen.

Deutsches Atomerbe aus Plutoniumforschung: Stilllegung und Rückbau in Karlsruhe

Ein kostenträchtiges und riskantes atomares Erbe ist die Stilllegung und der Rückbau der Atomanlagen, die als staatliche Forschungsprojekte seit den 1950/60er Jahren errichtet worden sind. Noch für einige Jahrzehnte wird der Rückbau dieser Atomanlagen andauern, mit imensen Kosten für die Steuerzahler:innen. Und immer wieder kommt es zu erheblichen Verzögerungen, weil das radioaktive Atomerbe oftmals mehr Probleme bereitet, als ehemals gedacht. Bereits im Januar – und kaum von der Öffentlichkeit beachtet – hat das Umweltministerium in Baden-Württemberg eine Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau der ehemaligen „Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)“ erteilt. Das ist auf der Homepage des Ministeriums unter „Bekanntmachungen“ zu finden, wo sowohl die Bekanntmachtung selbst, als auch die erteilte 30. Stilllegungsgenehmigung jeweils als PDF zu finden sind. Heute heißt die Atomforschungsanlage Karlsruhe etwas neutraler: Karlsruher Institut für Technik. (Foto: KTE)

Die WAK Karlsruhe müsste eigentlich besser als Plutonium- und Uran-Abtrennungs-Pilot-Anlage bezeichnet werden. Sie war der Prototyp für die dann später in Wackersdorf geplannte WAA. Nach massiven Protesten sowohl rund um das bayerische Wackersdorf in der Oberpfalz auch in in der Bundesrepublik wurden die Planungen für den Bau der Plutoniumfabrik schließlich Ende der 1980er Jahre aufgegeben

Die WAK Karlsruhe war als Forschungsanlage brisant, weil das dort aus verbrauchtem Brennstoff abgetrennte Plutonium grundsätzlich auch für den Einsatz in Atomwaffen geeignet war. Offiziell aber sollte sie dazu dienen, die bisherigen Leichtwasserreaktoren Marke Biblis oder Krümmel durch sogenannten Brut-Reaktoren zu ersetzen. In Kalkar am Niederrhein sollte so ein Plutonium-Reaktor entstehen, auch Schneller Brüter genannt. Auch diese Anlage der Plutoniumwirtschaft ist schließlich nie in Betrieb genommen worden. Eine entsprechende Versuchsanlage für Kalkar ist ebenfalls in der damalogen Atomforschungsanlage in Karlsruhe betrieben worden: Die sogenannte „Kompakte Natriumgekühlte Kernreaktoranlage Karlsruhe (KNK)“.

Und: Um all den nuklearen Wahnsinn schrittweise einzupacken brauchte es sogar noch eine neue Anlage zur Verglasung der Plutoniumabfälle, die VEK.

Zuletzt meldete sich die für den Rückbau in Karlsruhe zuständigte Unternehmung KTE mit dieser PM im Mai 2024 zu Wort: Rückbau der kerntechnischen Anlagen am KIT Campus Nord schreitet sichtbar voran (PDF)

Dokumentation von der Seite des Umweltministeriums BaWü:

Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg über die Erteilung einer Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) „Demontage Resteinrichtungen HWL“ (30. Stilllegungsgenehmigung)

Bekanntmachung herunterladen [PDF; 01/24; 96 KB]
Genehmigung herunterladen [PDF; 01/24; 424 KB]

Siehe die Bekanntmachung auch hier direkt und hier die Genehmigung – jeweils als PDF.

Kompakte Natriumgekühlte Kernreaktoranlage Karlsruhe (KNK)

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg der 10. Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau der Kompakten Natriumgekühlten Kernreaktoranlage Karlsruhe (KNK).

Bekanntmachung herunterladen [PDF; 07/21; 84 KB]
Genehmigung herunterladen [PDF; 07/21; 330 KB]

Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg über die Erteilung einer Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK): „Abbau der Abschirmung R162/R065 b, c, d“ (28. Stilllegungsgenehmigung).

Bekanntmachung herunterladen [PDF; 06/21; 206 KB]
Genehmigung herunterladen [PDF; 06/21; 304 KB]

Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg über die Erteilung einer Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK): „Teilrückbau der Wastebrücke“ (27. Stilllegungsgenehmigung).

Bekanntmachung herunterladen [PDF; 03/21; 97 KB]
Genehmigung herunterladen [PDF; 03/21; 448 KB]

Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE)

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg über die Durchführung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) in einem atomrechtlichen Genehmigungsverfahren betreffend Kompakte Natriumgekühlte Kernreaktoranlage Karlsruhe (KNK), Abbauvorhaben „10. Stilllegungsgenehmigung“.

Bekanntmachung herunterladen [PDF; 10/20; 60 KB]

Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg über die Durchführung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) in einem atomrechtlichen Genehmigungsverfahren betreffend Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK), Änderungsvorhaben WAK-2019-036 „Abbau der ehemaligen Abschirmung zwischen den Räumen R162 und R065b, c, d im 1. OG des Prozessgebäudes (PG)“

Bekanntmachung herunterladen [PDF; 10/20; 60 KB]

Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg über die Durchführung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) in einem atomrechtlichen Genehmigungsverfahren betreffend Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK), Änderungsvorhaben WAK-2019-026 „Ausbau des Wasserbeckens im Prozessgebäude (PG)“.

Bekanntmachung herunterladen [PDF; 10/20; 60 KB]

Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg über die Durchführung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) in einem atomrechtlichen Genehmigungsverfahren betreffend die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK), Abbauvorhaben im Rückbaubereich 5.5 „Demontage der Resteinrichtungen HWL“

Bekanntmachung herunterladen [PDF; 09/20; 66 KB; nicht barrierefrei]

Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg über die Durchführung des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) in einem atomrechtlichen Genehmigungsverfahren betreffend Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK), Änderungsvorhaben „Teilrückbau der Wastebrücke“.

Bekanntmachung herunterladen [PDF; 05/20; 55 KB]

Zivile Nuklear-Aufrüstung: Anreicherung von Uran wird ausgebaut und deutlich erhöht – Stichwort HALEU

Als Folge des Krieges Russlands gegen die Ukraine wird der Weltmarkt für angereicherte Uranbrennstoffe in den westlichen Staaten ausgebaut und mit neuen Anreicherungs-Stufen hochgefahren. Hohe Bedeutung wird dabei einer Anreicherung von Uran-235 auf knapp unterhalb der Atomwaffenfähigkeit eingeräumt. HALEU (High-Assay Low-Enriched Uranium) ist der Fachbegriff für diesen besonderen Uranbrennstoff. Mit einer Anreicherung von bis zu fast 20 Prozent des spaltbaren Uran 235 erreicht dieses Hoch-Angereicherte-Niedrig-Angereicherte-Uran fast Atomwaffenfähigkeit.

Auch die teilweise deutsche URENCO mit Uranfabriken in Gronau (D), Almelo (NL), Capenhurst (UK) und in New-Mexico (USA) spielt in diesen Planungen mit. Seitens der Bundesregierung gibt es offenbar keine Bedenken gegen diese nukleare Aufrüstung. Aber auch Frankreich und die USA sind derzeit dabei, bei der Anreicherung des spaltbaren Urans 235 die Produktions-Mengen zu erhöhen und an einigen Standorten sogar neue Produktlinien für fast atomwaffenfähiges angereichertes Uran 235 knapp unterhalb 20 Prozent zu puschen. Sowohl für die Atomforschung an neuen Reaktorkonzepten als auch für nuklear angetriebene Militär-U-Boote und Schiffe braucht es dieses neuartige, als HALEU, bezeichnete Uran.

  • Das Unternehmen URENCO gehört je zu einem Drittel dem britischen Staat, den Niederlanden und Deutschland. In Deutschland gehören RWE und E.ON jeweils ein Sechstel der Anteile. Die Technik der URENCO ist in der Anlage, auch hochangereichertes Uran für Atomwaffen herzustellen. Daher unterliegt sie strengen Kontrollen der IAEO. Ihr Betrieb ist in mehreren internationalen Kontrollverträgen geregelt. Der Vertrag von Almelo ist Grundlage diese Regimes.Weitere völkerrechtlich bedeutsame Verträge neben dem Atomwaffensperrvertrag sind die Verträge von Cardiff, von Washington und von Paris.
  • Zu den Kontrollverträgen für die URENCO-Anreicherung: Die internationalen Verträge und der Super-Gau der Weiterverbreitung
  • Zur Entwicklung der Uran-Märkte siehe auch den Artikel „Uran für die Welt“  – Von Klaus Max Smolka, Almelo in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2023, Nr. 142, S. 17 (Paywall)

Ausbau statt Stilllegung: Urananreicherung Deutschland und Niederlande

Der teilweise deutsche Urankonzern URENCO ist dabei, die Herstellung von spaltbarem nuklearen Uran-Brennstoff massiv auszubauen. Im bundesdeutschen Gronau werden dazu unter Geheimhaltung neue sogenannte Ultrazentrifugen installiert, mit der die bisherige Menge  von Uran-Brennstoff für herkömmliche Atomreaktoren hochgefahren werden soll. Gegenüber Medien erklärte bereits am 23. Juni 2023 der Geschäftsführer der URENCO in Gronau, Dr. Jörg Harren: „Der Urenco geht es gut. Wir erweitern, wir bauen aus. Selbst in Deutschland tauscht man Zentrifugen aus und fügt teilweise kleine Kapazitätserweiterungen hinzu. Es gibt Investitionen im dreistelligen Millionenbereich.“ (Halterner Zeitung vom 23.06.2023, Seite 20 / Aus der Region)

URENCO liefert z.B. das angereicherte Uran für Atomreaktoren in der Ukraine oder z.B. für die Vereinigten Arabischen Emirate, die in den letzten Jahre vier Atommeiler in Betrieb genommen haben und einen weiteren Ausbau planen. Rund 10 Prozent des Weltmarkts werden vom Standort Gronau versorgt.

Auch am niederländischen Standort in Almelo soll die Produktion dieses „konventionellen“ Urans mit einer Anreicherung von 3 bis maximal 6 Prozent Uran 235 für die Herstellungen von Brennstoff zum Einsatz in herkömmlichen Leichtwasserreaktoren erhöht werden. Die diese Mengen-Erhöhung braucht braucht es in Almelo und Gronau derzeit noch keine neuen Genehmigungen. Beide Anlagen hatten nach dem Super-Gau in Fukushima, dem Atomausstieg in einigen Ländern und aufgrund der Stilllegung von Reaktoren die Produktion in den letzten Jahren runterfahren müssen.

Diese Maßnahmen sind Reaktionen auf den Angriff Russlands gegen die Ukraine. Urenco Gronau hatte direkt nach dem Angriff als freiwillige Maßnahmen erklärt, kein angereichertes Uran mehr aus Russland beziehen zu wollen Ein Boykott im Rahmen der EU-Sanktionen gegen Russland für Uran-Lieferungen aus Russland erfolgt derzeit nicht. Diese und weitere Maßnahmen westlicher Staaten sollen aber in den nächsten Jahren die Abhängigkeit von russischem angereichertem Uran reduzieren.

Teilweise deutsche URENCO: Erweiterung mit LEU+ in den USA

In den USA hat die dortige URENCO-Anlage laut einer Mitteilung des Unternehmens vom März einen grundsätzlichen positiven Bescheid von  den dortigen Behörden erhalten, künftig die Herstellung von nuklearem Brennstoff mit einem Anteil von Uran235 von bislang 5 (5,5) Prozent auf bis zu 10 Prozent zu erhöhen. Diese Bereich der Anreicherung mit Uran235 wird als LEU+ bezeichnet, weil er über dem herkömmlichen Anreicherungsgrad von bisheriger Leichtwasserreaktoren liegt. Eine endgültige Genehmigung, die Anlage entsprechend aufzurüsten würde laut URENCO zum Ende 2024 erwartet.

Wörtlich heißt es: NRC Accepts Urenco USA’s License Amendment Request for LEU+ – „On March 8, 2024, the Nuclear Regulatory Commission (NRC) accepted Urenco USA’s License Amendment Request (LAR) to increase enrichment levels from 5.5% to 10% (Low Enriched Uranium+ or LEU+). The NRC has agreed to review our request and expects to make a final decision by the end of 2024. “This marks a positive milestone for Urenco USA and the industry. We remain dedicated to advancing sustainable energy by supporting this strategic effort to supply advanced fuels for current and future nuclear reactors,” stated Paul Lorskulsint, Chief Nuclear Officer and LEU+ Executive Sponsor.“

USA bauen nationale Anreicherung und HALEU-Herstellung auf.

Unabhängig von den URENCO-Planungen für die LEU+-Anreicherung sind die USA dabei, eine eigene Anreicherungstechnik neu zu entwickeln und marktfähig zu machen. Dazu wird mit massiver Unterstützung der US-Regierung ein Eigenentwicklung von Ultragaszentrifugen entwickelt. Im ersten Schritt hat die Regierung mit Centrus Energy eine Pilot- bzw. Testanlage mit 19 Zentrifugen zur Anreicherung von HALEU auf den Weg gebracht.

Bei WNN heißt es dazu: „Die USA entwickeln auch ein inländisches Angebot an HALEU. Im November letzten Jahres lieferte Centrus Energy die erste HALEU, die in ihrer American Centrifuge Plant in Piketon, Ohio, produziert wurde, an das US-Energieministerium (DOE). Der Bau der 16-Khütten-Demonstrations-Kaskade-Anlage begann 2019 unter Vertrag mit der DOE. Die Lieferung von mehr als 20 Kilogramm HALEU an die DOE durch Centrus bedeutet, dass die erste Phase des Vertrages nun abgeschlossen ist und Centrus mit der zweiten Phase vorangehen kann: ein ganzes Jahr der HALEU-Produktion in der 900 Kilogramm pro Jahr Werk.“

Diese Planungen reichen in den USA schon einige Jahre zurück, nachdem Anfang der 2000er Jahre die bisherige Anreicherungstechnik in den US, die Gasdiffusion, aus Kostengründen endgültig stillgelegt worden ist. Die Regierung Trump hatte schließlich mit wichtigen Initiativen und Gesetzen eine massiver nationale Erneuerung der Uranwirtschaft vorbereitet und auf den Weg gebracht, die von den Demokraten unter Biden nahtlos weitere verfolgt wird.

URENCO in Großbritannien: Massiver Aufbau einer HALEU-Produktion geplant

Nach übereinstimmenden Meldungen finanziert die britische Regierung als Miteigentümer von URENCO mit fast 200 Millionen Pfund am Standort Capenhurst (UK) künftig die Herstellung von neuartigem Uranbrennstoff, sogenanntem HALEU. Mit einer Anreicherung des spaltbaren Uran235 von bis zu 19,75 Prozent liegt dieser nur noch knapp unterhalb der Atomwaffenfähigkeit und kann sowohl für neuartige Reaktorkonzepte (Stichwort SMR) als auch für nukleare Antriebe von militärischen Schiffen und U-Booten verwendet werden. WNN berichtet wörtlich: „196 Millionen GBP (245 Millionen US-Dollar) für den Bau einer Urananreicherungsanlage mit der Kapazität, bis 2031 bis zu 10 Tonnen hochassays niedrig angereichertes Uran (HALEU) pro Jahr zu produzieren.“

Diese Maßnahme wird von höchster politischer Ebene angekündigt: „Der britische Premierminister Rishi Sunak sagte, dass der Bau der Urananreicherungsanlage für die Gewährleistung der nuklearen und energiepolitischen Sicherheit des Landes unerlässlich sei.“ Großbrittanien ist Atomwaffenstaat und seit einigen Jahren dabei, dass erforderliche Know-How auch mit Maßnahmen im vermeintlich zivilen Atombereich zu erhalten bzw. auszubauen. Unter anderem der Bau des völlig überteuerten AKW Hinkley Point wird in diesem Zusammenhang genannt.

Frankreich erweitert ebenfalls und setzt auf HALEU

Auch Frankreich ist dabei, seine Uran-Anreicherung aufzurüsten und strebt dabei auch die Herstellung von HALEU an. Frankreichs Urananreicherung basiert inzwischen vollständig auf der Technik der Ultrazentrifugen von URENCO. Mitte der 2000er Jahre war dazu mit dem genannten Vertrag von Paris die Kooperation zwischen Frankreich (Orano) und der URENCO-Tochter ETC vereinbart worden.

WNN: „Im September (2023) enthüllte Orano Pläne, die Anreicherungskapazität in seiner Urananreicherungsanlage Georges Besse II (GB-II) in Frankreich zu erweitern, und sagte, dass es den Regulierungsprozess zur Herstellung von HALEU dort begonnen habe.“

Frankreich ist auf höher angereichertes Uran im Bereich LEU+ bzw. HALEU auch für sein militärische Atomprogramm abhängig. Dort werden z.B. die Atom-U-Boot-Antriebe mit Uran235 unterhalb von 20 Prozent betrieben. Der Ankündigung zufolge lässt sich annehmen, dass Uran 235 in der auf URENCO-Technik basierenden Anlage GB-II bis zu 19,75 Prozent angereichert werden soll. Damit wäre die Schwelle zur Atomwaffenfähig zwar knapp unterschritten, aber solche Uran aus GB-II könnte damit auch künftig in Atom-U-Booten landen.

Ist Produktion von HALEU und LEU+ rechtlich für URENCO zulässig?

Ob diese Nutzung der zivilen Uranfabriken zur Anreicherung von LEU+ und HALEU zulässig ist, ist zumindest eine kritische Debatte wert. Dazu wären die Verträge von Almelo etc. zu analysieren. (Siehe oben)

URENCO hatte vor einigen Jahren im Zusammenhang mit der Lieferung von herkömmlich angereichertem Uran für US-Atomreaktoren der TVO in Watts-Bar keine rechtlichen Probleme gesehen. In den US-Reaktoren in Watts-Bar wird von den USA Tritium für den Einsatz in Atomsprengköpfen hergestellt. Tritium ist eine Art Booster und verstärkt die Wirkung von Atomwaffen um ein Vielfaches. Zwar produzieren die Reaktoren auch Strom, aber die Fahrweise der Anlagen weicht von der betriebsweise üblicher Reaktoren deutlich ab, um ein mögliches Optimum von Tritium in den eingesetzten Lithium-Absorbern zu erreichen. URENCO sah natürlich keine Probleme, diese Reaktoren mit Uran zu beliefern, obwohl diese Reaktoren zwingender Bestandteil des US-Atomwaffenprogramms sind.

Die US-Regierung entschied sich jedoch gegen die Lieferung von URENCO, weil ihnen das Risiko zu hoch war, dass dies als militärische Nutzung ziviler Atomenergie-Technik von Nicht-Atomwaffen-Staaten (Deutschland, Niederlande) ausgelegt hätte werden können. Ein wichtiger Grund für diese Entscheidung dürfte aber auch gespielt haben, dass mit der Ablehnung von URENCO-Lieferungen die finanziellen Mittel für den Aufbau einer neuen US-Anreicherungstechnik leichter zu begründen waren. Amercia First.

Einige der genutzten Quellen:

<https://urencousa.com/news/sustainability/2024/nrc-accepts-uusas-license-amendment-request-for-leu>

<https://www.urenco.com/news/global/2024/advanced-fuels-announcement>

<https://www.world-nuclear-news.org/Articles/UK-aims-for-Urenco-built-HALEU-facility-by-2031>

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