Neue US-Studie: Erhöhte Krebssterblichkeit in der Nähe von Atomkraftwerken – Fachtagung der Ärzt*innen der IPPNW

Seit Jahren warnen Expert*innen, darunter auch der mit einem Nobelpreis ausgezeichneten Ärzt*innen der IPPNW, vor den gesundheitlichen Risiken auch im Normalbetrieb von Atomkraftwerken. Denn unweigerlich kommt es beim Betrieb der Atommeiler zu radioaktiven Abgaben an die Umwelt, z.B. über das Kühlwasser oder über den Kamin in die Luft. So gering diese radioaktiven Abgaben sein mögen: Schon Anfang der 2000er Jahre zeigte eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Kinder auch. Jetzt zeigt auch eine neue Harvard-Studie: Die Nähe zu Kernkraftwerken ist mit einer erhöhten Krebssterblichkeit verbunden.“ Am 7. März findet aus Anlass der Jahrestage der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima eine Fachtagung der IPPNW statt. Dort werden die gesundheitlichen Folgen der Atomenergienutzung und der radioaktiven Strahlen im Focus stehen.

Über die Folgen von radioaktiver Strahlung, auch im Bereich der sogenannten Niedrigstrahlung bestehen seit Jahrzehnten Kontroversen, obwohl die Forschungen in Zusammenhang mit den Atombomben-Abwürfen 1945 in Japan, die Forschungen nach Tschernobyl 1986 und vielen anderen Anlässen deutlich die Risiken aufzeigen. Es gibt keine ungefährliche Radioaktivität oder gar einen Grenzwert. Und vor allem auf Kinder wirkt radioaktive Strahlung schädlich ein.

Eine amtliche Studie kam 2003 nach einer umfassenden Untersuchung zu der Feststellung, dass es ein erhöhtes Krebsrisiko für Kleinkinder in der Umgebung von Atomanlagen in Deutschland gibt. Interessierte Kreise bestritten diese Fakten mit dem Hinweis, dass das aufgrund der niedrigen radioaktiven Abgaben nicht sein können.

Eine weitere Überprüfung der sogenannten Kik-Studie des BfS von Anfang der 2000er Jahre kam im Jahr 2008 zu diesem Ergebnis über den Zusammenhang von Kinderkrebserkrankungen in Verbindung den Standorten von Atomkraftwerken (hier als PDF beim Bundesamt für Strahlenschutz): „Die Studie umfasste 1.592 an Krebs erkrankte Kinder und 4.735 nicht erkrankte Kinder unter fünf Jahren. Bei den nicht erkrankten Kindern handelt es sich um so genannte Kontrollen, deren Lebensumstände den erkrankten Kindern möglichst gleichen. Untersucht wurden für den Zeitraum von 1980 bis 2003 die 41 Landkreise in der Umgebung der 16 Standorte der insgesamt 22 Atomkraftwerke in Deutschland. Das Risiko, an einem Krebs oder an Leukämie zu erkranken, steigt danach statistisch signifikant mit der Nähe
des Wohnortes zum Standort eines Atomreaktors an. Dieser Befund ist hauptsächlich auf Leukämien bei den unter fünf Jahre alten Kindern zurückzuführen.“ (Siehe ausführlich auch hier beim BfS)

Andere Studien haben z.B. ein erhöhtes Krebsrisiko für Beschäftigte in britischen Atomanlagen aufgezeigt etc. Auch die Internationalen Ärzt*innen zur Verhütung des Atomkrieges IPPNW zeigen mit ihren Studien immer wieder die Risiken der radioaktiven Niedrigstrahlung auf.  Mit Blick auf die genannten Kinderkrebsstudie stellte die IPPNW schon 2007 fest: „Es ist Zeit zu handeln. (PDF)

Dokumentation der o.g. PM hier:

For immediate release: February 23, 2026

Boston, MA—U.S. counties located closer to operational nuclear power plants (NPPs) have higher rates of cancer mortality than those located farther away, according to a new study led by Harvard T.H. Chan School of Public Health.

The study is the first of the 21st century to analyze proximity to NPPs and cancer mortality across all NPPs and every U.S. county. The researchers emphasized that the findings are not enough to establish causality but do highlight the need for further research into nuclear power’s health impacts.

The study was published Feb. 23, 2026, in Nature Communications.

Numerous studies on the potential link between NPPs and cancer have been conducted around the world, with conflicting results. In the U.S., these studies have been rare and limited in their scope, focused on a single NPP and its surrounding community.

To expand the evidence base, the researchers conducted a national assessment of NPPs and cancer mortality between 2000 and 2018 using “continuous proximity.” They used advanced statistical modeling that captured the cumulative impact of all nearby NPPs, rather than just one. The locations and dates of operation of U.S. NPPs—as well as some nearby in Canada—were obtained from the U.S. Energy Information Administration, and county-level data on cancer mortality was obtained from the Centers for Disease Control and Prevention. The researchers controlled for potential confounders in each county, including educational attainment, median household income, racial composition, average temperature and relative humidity, smoking prevalence, BMI, and proximity to the nearest hospital.

The study found that U.S. counties located closer to nuclear power plants experienced higher cancer mortality rates, even after accounting for socioeconomic, environmental, and health care factors. The researchers estimated that over the course of the study period, roughly 115,000 cancer deaths across the U.S. (or about 6,400 deaths per year) were attributable to proximity to NPPs. The association was strongest among older adults.

“Our study suggests that living near a NPP may carry a measurable cancer risk—one that lessens with distance,” said senior author Petros Koutrakis, Akira Yamaguchi Professor of Environmental Health and Human Habitation. “We recommend that more studies be done that address the issue of NPPs and health impacts, particularly at a time when nuclear power is being promoted as a clean solution to climate change.”

The researchers noted that the results are consistent with the results of a similar study they conducted in Massachusetts, which identified elevated cancer incidence among populations living closer to NPPs.

They also noted some limitations to the study, including that it did not incorporate direct radiation measurements and instead assumed equal impact by all NPPs.


Article information

“National Analysis of Cancer Mortality and Proximity to Nuclear Power Plants in the United States,” Yazan Alwadi, Barrak Alahmad, Carolina L. Zilli Vieira, Philip J. Landrigan, David C. Christiani, Eric Garshick, Marco Kaltofen, Brent Coull, Joel Schwartz, John S. Evans, Petros Koutrakis, Nature Communications, February 23, 2026, doi: 10.1038/s41467-026-69285-4

 

Russisch-französische nukleare Zusammenarbeit in Deutschland: Bundesregierung will grünes Licht geben

Der Atom-Deal zwischen Frankreich und Russland, am bundesdeutschen Standort im emsländischen Lingen gemeinsam Uran-Brennstoff für den Einsatz in Atomkraftwerken russischer Bauweise herzustellen, steht offenbar kurz vor eine Zustimmung durch die Bundesregierung. Darüber berichten Medien jetzt mit Bezug auf ein US-Medium. Schon zum Jahreswechsel waren entsprechende Informationen aus Kreisen der Bundesregierung zu hören gewesen.

  • Siehe hier z.B: NTV. „Die Bundesregierung gibt einem Medienbericht zufolge grünes Licht für ein umstrittenes Nuklearprojekt in Niedersachsen – trotz russischer Beteiligung. Wie das Portal Politico berichtete, will die Regierung das Projekt durch eine atomrechtliche Bewertung unter Auflagen erlauben. Konkret geht es um ein Vorhaben des Kraftwerksunternehmens Advanced Nuclear Fuels (ANF), eine Tochter des französischen Atomkonzerns Framatome.“

Der französische Atomgigant Framatome will durch die Kooperation mit Russland die speziellen Brennelemente produzieren und hat schon entsprechende Lieferverträge mit osteuropäischen AKW-Betreibern abgeschlossen. Im Unterschied zu westlichen Reaktorlinien, bei denen die Brennelemente viereckig sind, haben russische Reaktoren sechseckige Elemente. Das hat erhebliche Relevanz für den Einsatz.

Der für die Genehmigung zuständige grüne Umweltminister in Niedersachsen hatte erhebliche Sicherheitsrisiken wegen der Beteiligung des russischen Atomkonzerns Rosatom vor dem Hintergrund des Kriegs gegen die Ukraine moniert und „Entscheidungshilfe“ von der Bundesregierung eingefordert, in deren Auftrag das Landesministerium die Genehmigung nach Atomrecht bearbeitet. Die Bundesregierung will aber offenbar Frankreich bei diesem Deal nicht verprellen.

Russland liefert für den Deal die Genehmigungen und Zertifikate, mit denen ein Einsatz derartige Brennelemente aus Lingen sofort machbar wäre. Das französische Unternehmen steht innerhalb der EU auch in Konkurrenz zu dem den USA zugerechneten Konzern Westinghouse, der in den letzten Jahren in das Geschäft für die Brennelemente-Fertigung für Reaktoren russischer Bauweise eingestiegen ist – ohne mit Rosatom zu kooperieren.

Mit seiner Anlage in Schweden hat Westinghouse in den letzten Jahren mit hohem Aufwand die Lizenzen und Genehmigungen bei den jeweiligen Behörden ins Osteuropa qualifizieren müssen. Dabei spielte auch die Unterstützung der Ukraine eine große Rolle, die im eigenen Land mehrere Reaktoren russischer Bauweise betreibt. Die Anlagen sind auch immer wieder in das Kriegsgeschehen einbezogen. Grüne und Linke im Bundestag und zahlreiche Anti-Atom-Organisationen hatten versucht, die Genehmigung für die Produktion in Lingen zu verhindern.

  • umweltFAIRaendern hat in zahlreichen Beiträgen über diese Problematik und die Hintergründe informiert. Bitte dazu die Suchfunktion auf dieser Seite nutzen.

 

Protokoll Landtag NRW. Ausschuss. Wirtschaftsministerin – Zeche zahlt deutscher Kohlestandort – Ein nuklearer Hoffnungsträger THTR Hamm auf dem Atommüll-Schrotthaufen

Vermutlich ist der Titel zu kompliziert. Aber das ist diese ganze Atomsache nun mal. Auch wenn derzeit oft eher verniedlichend von den Perspektiven gesprochen wird, ohne die Risiken zu betrachten. Nicht klug. Ein solches Desaster und WEM es WAS kostet passiert gerade wenig beachtet in Hamm in NRW. Eigentlich müssten die damaligen Betreiber des Atommeilers unter Führung von RWE den Rückbau des Ende der 1980 Jahre stilllegten AKWs bezahlen. Dumm nur, das diese Gesellschaft mit begrenzter Haftung GmbH irgendwie Pleite gegangen ist, weil mit dem sogenannten Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor THTR einfach kein Geld zu verdienen war, weil er einfach nicht funktionierte. Trotz allen offiziellen und nicht-offiziellen „Experten“. Der THTR wurde maximal gehypte damals. Möglicherweise ähnlich, wie heute das herbeireden der Atomfusion, obwohle wir derzeit ganz andere Probobleme haben. Aber: Mehr als eine Milliarde Euro könnte dieser atomare Blödsinn aus den 1970er Jahren kosten, den die damaligen Volksparteien immer mit Unterstützung der FDP gegen alle aufkommenden Widerstände durchgesetzt hatten. Die Zeche zahlt entweder ein Kohleland-Steuerzahler in NRW oder einer aus der Bundesrepublik inkl. exDDR. Eine Grüne Ministerin Mona Neubaur erzählt das Desaster im zuständigen Ausschuss des Landtags NRW im Dezember 2025 so …

Auszug aus dem Protokoll der Sitzung aus der Parlamentsdokumentation NRW, hier mit dem Link zur dortigen Quelle, als PDF:

9 Aktuelle Entwicklungen beim THTR-300 (Bericht auf Wunsch der Landesre-
gierung)

Ministerin Mona Neubaur (MWIKE) berichtet:

Seit dem 1. Dezember 2025 befinden wir uns daher nun in der in der Bundesrepublik
Deutschland historisch einmaligen Situation, die Sicherheit des Betriebs eines im
sicheren Einschluss befindlichen Kernkraftwerks im Wege der Ersatzvornahme ge-
währleisten zu müssen. Das bedeutet, dass die Atomaufsicht des Ministeriums für
Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie mithilfe des fachkundigen Unterneh-
mens „RWE Nuclear“ die sicherheitstechnisch notwendigen Aufgaben und Maßnah-
men durchführt.

Die anfallenden Kosten werden zuerst vom MWIKE getragen. Ein entsprechender
Titel wurde vorsorglich in den Haushalt 2025 aufgenommen. Dieser Titel steht mei-
nem Haus auch für das Jahr 2026 und die weiteren Jahre zur Verfügung.“

Nucleonics – Good News – Bad News – Not Prince – Family anyway

Youtube with the song:

– Da war auch diese irre Stimme. Roger Chapmann – Wikipedi weiß dazu was. Der Text ist was mit Demokratie, oder nicht?

What is the point, you’ll never win
We’re up at your throats before you begin
Closing your ears to other men’s views
Change for the good, would not bring bad news

Turning your heads away from the crowd
Turning much further than we can allow

Turning your heads away from the crowd
Turning much further than we can allow

Why change the rules, say those at the top
To those at the bottom, caught looking up

Turning your heads away from the crowd
Turning much further than we can allow

Too many bodies, doubting your worth
Shout to the people, salt of the earth

Turning your heads away from the crowd
Turning much further than we can allow

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