Atomgefahren Tihange und das BMUB: Gefahr verschwiegen – Mein Gastkommentar in der Jungen Welt

Gleich zwei Atomexperten aus dem Umfeld des Umweltministeriums schlagen Alarm angesichts der jetzt aufgedeckten vermehrten »Precursor«-Störfälle in belgischen AKWs, besonders im Block 1 von Tihange (Bericht Monitor). Diese besonderen Störfälle gelten als Vorboten für Schäden im Reaktorkern, die auf signifikante Sicherheitsprobleme hinweisen, warnt der eine. Die »Alarmglocken« müssten auch im Bundesumweltministerium anspringen, sagt der andere Experte. Das jedoch hat von dieser besonderen Häufung gewusst – und geschwiegen!

In der Jungen Welt findet ihr dazu meinen Gastkommentar: Gefahr verschwiegen – Störfälle im Atomkraftwerk Tihange. Gastkommentar.

Bundesumweltministerium verharmlost Atomgefahren von Tihange 1

„Das ist eine unglaubliche Verharmlosung der Atomgefahren von Tihange 1 durch das Bundesumweltministerium (BMUB)“, so reagiert der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) auf Medienberichte, nach denen zusätzlich zu den alarmierenden Gefahren bei den Reaktorblöcken 3 (Doel) und 2 (Tihange) auch beim Block 1 in Tihange eine erhöhte Serie von Störfällen auf massive Sicherheitsrisiken verweist.

Zdebel, der auch Sprecher seiner Fraktion für den Atomausstieg ist, weiter: „Dass das BMUB offenbar über die vermehrten Precursor-Ereignisse in Tihange 1 Bescheid wusste und darüber weder die Bevölkerung informierte noch gegenüber der belgischen Atombehörde aktiv wurde, ist unerträglich. Es kann nicht angehen, dass das Ministerium die sich verschärfenden Atomgefahren herunterspielt und ansonsten nur auf die belgische Zuständigkeit verweist.

Das Umweltministerium muss endlich umfassend über die Risiken der belgischen Atommeiler informieren und den Druck auf die belgische Regierung erhöhen, bevor es vielleicht zu spät ist.  Außerdem muss endlich Schluss sein damit, dass die meisten belgischen Atommeiler mit Brennstoff aus den deutschen Uranfabriken in Gronau und Lingen versorgt werden und das BMUB bis heute dagegen nichts unternimmt.“

Keine Extrawurst für Klimakiller! Zdebel (DIE LINKE) kritisiert Entschädigungsforderungen von RWE-Boss Schmitz

Während der Handelsblatt-Energietagung in Berlin forderte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz laut Presseberichten Entschädigungen für einen baldigen Kohleausstieg. Dazu erklärt Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der LINKEN aus Münster:

„Es ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten, wenn RWE-Boss Schmitz nun auch noch Bonuszahlungen der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für die von RWE verschlafene Energiewende einfordert. Seit Jahren macht der Klimakiller Nr. 1 in Europa satte Profite und blockiert den Kohleausstieg durch massive Lobbyarbeit. Und nun verlangt Schmitz auch noch finanzielle Gegenleistungen, falls die nächste Bundesregierung einen baldigen Kohleausstieg einleitet. Getreu dem Motto: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren.

Wie eine Studie der IZES gGmbH von 2015 zeigt, lässt sich ein Rechtsanspruch auf Amortisation den Grundrechten jedenfalls nicht entnehmen. Demnach können den Anlagenbetreibern mit Blick auf höherrangige Ziele des Klimaschutzes wirtschaftliche Belastungen zugemutet werden. Klar ist: Auch die Haftung für die Ewigkeitskosten darf nicht angetastet werden. Schon einmal konnten die Energiekonzerne feiern, als sie von der großen Koalition unter gütiger Mithilfe der Grünen von den Ewigkeitskosten der Atommülllagerung befreit wurden. Das darf sich nicht wiederholen.

Einmal mehr inszeniert Schmitz den RWE-Konzern als unverzichtbaren Garanten für die Versorgungssicherheit. Dabei belegt eine Studie der Agora Energiewende, dass die 20 schmutzigsten Braunkohlekraftwerke bis 2020 problemlos abgeschaltet werden können. Genau das will DIE LINKE. Anstatt mit haltlosen Forderungen zu provozieren, sollte sich der RWE-Boss endlich um die Umstrukturierung seines Konzerns kümmern.“

Nachgefragt: Kaufen Japan und US-Unternehmen Urananreicherer URENCO?

Die japanische Regierung plant nach einem Bericht von Asian.Nikkei über eine Kooperation der staatlichen Japan Bank für International Cooperation mit dem US-amerikanischen Unternehmen Centrus Energy die Übernahme des zum Verkauf stehenden Uranunternehmens URENCO. In Deutschland betreibt URENCO die umstrittene Urananreicherungsanlage in Gronau. Mit einer Schriftlichen Frage will der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) von der Bundesregierung jetzt erfahren, welche Kenntnis sie über diese Absichten hat und wie es derzeit insgesamt um den geplanten URENCO-Verkauf steht.

Hubertus Zdebel erklärt: „Der Verkauf der URENCO ist unverantwortlich. Nicht nur, dass er den Weiterbetrieb von gefährlichen Atommeilern befördert. Die Urananreicherungsanlagen von URENCO sind technisch auch in der Lage, atomwaffenfähiges Uran herzustellen. Wer Atomausstieg und Abrüstung will, muss diese Anlagen stilllegen und nicht meistbietend verscherbeln.

URENCO selbst erklärt auf seiner Homepage, dass es bislang keine Gespräche zwischen dem Unternehmen und der japanischen Regierung in dieser Frage gäbe. Das aber hat der Bericht von Asian.Nikkei gar nicht behauptet. Insofern besteht weiterhin dringender Aufklärungsbedarf durch die Bundesregierung.“

Mehr über URENCO und den geplanten Verlauf:

URENCO versorgt über den Weltmarkt rund ein Drittel der Atomkraftwerke mit angereichertem Uran zur Herstellung von Brennelementen. Die je zu einem Drittel im Besitz von Großbritannien, den Niederlanden und den beiden deutschen Konzernen E.on und RWE gehörende URENCO betreibt entsprechende Anlagen in Gronau (BRD), Almelo (NL), Capenhurst (GB) und in den USA. Die Gronauer Anlage der URENCO ist vom bundesdeutschen Atomausstieg bis heute ausgenommen und steht in der Kritik, weil sie selbst für die maroden Atommeiler in Belgien (Tihange, Doel) Brennstoff liefert.

Die japanische Regierung, die nach dem Fukushima-Desaster mit aller Macht daran arbeitet, die dortigen Atommeiler wieder in Betrieb zu nehmen, will mit einem Kauf der URENCO offenbar auch erreichen, dass vor allem der russische Weltmarktführer Tenex (Rosatom) nicht weiter an Einfluss bei der Brennstoffversorgung für Atomkraftwerke erhält. Für die USA geht es außerdem darum, Zugriff auf die Urananreicherungstechnologie zu bekommen, nachdem die letzte vorhandene Anlage, die Paducah Gaseous Diffusion Plant, im Jahr 2013 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt wurde. Seitdem verfügten die USA über keine eigene Urananreicherungsmöglichkeiten mehr.

Ohne eigene Urananreicherungsanlagen kommen die USA inzwischen derart unter Druck, dass sie mittelfristig nicht mal mehr ausreichend Uran zur Verfügung hat, um das dringend benötigte Tritium für sein Atomwaffenprogramm in ausreichender Menge herstellen zu können. Um das künftig zu gewährleisten, hat sie über den AKW-Betreiber TVO jüngst Lieferverträge mit der URENCO vereinbart, obwohl diese nur für friedliche Zwecke Uran liefern dürfte. Ab 2020 soll URENCO Uran für insgesamt bis zu vier US-Reaktoren liefern, in denen das Atomwaffen-Tritium hergestellt wird.

Seit Jahren machen die Atomkonzerne E.on und RWE sowie die britische Regierung druck, um die URENCO zu verkaufen. Die deutschen Konzerne würden das sogar über einen Börsenverkauf abwickeln wollen, um möglichst hohe Verkaufserlöse daraus zu erzielen.

Die bisherige Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder geweigert, die bundesdeutsche Uranfabrik der URENCO in Gronau in den Atomausstieg in Deutschland einzubeziehen (ebenso wie die Uranfabrik in Lingen).

Erst als Reaktion auf den massiven Protest, dass die deutschen Uranfabriken selbst so marode Atomreaktoren in Grenznähe wie in Belgien (Doel, Tihange) oder Frankreich (Cattenom, Fessenheim) beliefern, sorgte dafür, dass das Bundesumweltministerium unter der Ministerin Barbara Hendricks im Dezember 2017 endlich Gutachten veröffentlichte, die die Möglichkeiten einer atomrechtlichen Stilllegung von Gronau und Lingen darlegen. Konkrete Maßnahmen aber sind immer noch nicht erfolgt.

Bahnstrecken-Ausbau Münster-Lünen verzögert sich weiter

Trotz gegenteiligen Versprechens aus dem Bundesverkehrsministerium: Der Teilausbau der Bahnstrecke Münster-Lünen ist bisher noch nicht in den „vordringlichen Bedarf“  im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans hochgestuft worden. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage des Münsteraner Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (DIE LINKE) hervor. Im Klartext: Der Ausbau liegt hinter dem Zeitplan; denn der parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), hatte im Rahmen der Münsteraner Bahnhofseröffnung im Sommer 2017  feierlich verkündet, dass die Höherstufung bis „Ende des Jahres“ abgeschlossen werde.

Zdebel erklärt: „Ohne eine Höherstufung des Bauprojektes passiert gar nichts. Die Bundesregierung hat mir geantwortet, dass die für die Höherstufung notwendige Wirtschaftlichkeitsberechnung noch nicht abgeschlossen sei. Die Antwort bestätigt meinen damaligen Verdacht, dass es sich bei der vollmundigen Verkündung eines schnellen Teilausbaus der Strecke – kurz vor der Bundestagswahl – um ein Wahlkampfmanöver gehandelt hat.

Es muss jedoch betont werden, dass auch ein Teilausbau noch unzureichend wäre. Wir LINKEN fordern weiterhin einen vollständigen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Münster-Lünen, damit die Fahrgäste davon wirklich etwas haben. Dass der vollständige Ausbau der Bahnstrecke von der Großen Koalition nicht für notwendig gehalten wird, ist Ausdruck einer verfehlten Verkehrspolitik, welche die Bahninfrastruktur zugunsten von größenwahnsinnigen und teuren Prestigeprojekten wie Stuttgart 21 verkommen lässt.“

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