Kampf um Rohstoffe: Uranabbau im Niger – Französische Geiseln des Atomkonzerns AREVA sind frei

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Kampf um Uran – Frankreichs Urangeschäfte im Niger und immer mehr Konflikte. Foto: Dirk Seifert

„Die von islamistischen Extremisten in Niger verschleppten vier Franzosen sind nach ihrer Befreiung in die Heimat zurückgekehrt.“ Das berichtet die Deutsche Welle (DW) am 30. Oktober auf ihrer Homepage. Und die FA Z schreibt: „Frankreich soll für die Freilassung von vier französischen Geiseln in Niger ein Lösegeld zwischen 20 und 25 Millionen Euro gezahlt haben. Das berichtete die Zeitung „Le Monde“ am Mittwoch unter Berufung auf Geheimdienstquellen.

Präsident François Hollande hatte am Dienstagabend im Fernsehen gesagt, es sei kein Lösegeld gezahlt worden. Frankreich habe auch keine militärische Befreiungsaktion organisiert.“ Nach Angaben der DW „befinden sich weltweit noch insgesamt sieben weitere Franzosen in den Händen von Geiselnehmern – in Syrien, Nigeria und Mali.“ Die Konflikte rund um den Uranabbau der AREVA in Niger sind eng verbunden mit den (militärischen) Auseinandersetzungen in Mali. Das zeigt sich auch daran, dass die Freilassung der Geiseln in Mali erfolgte.

Die vier jetzt freigelassenen Mitarbeiter des französischen Atomkonzerns sind im September 2010 im Norden des Niger entführt worden. Dort betreibt der AREVA-Konzern seit den 60er Jahren eine Uranmine bei Arlit. Rund ein Drittel der französischen Atomkraftwerke werden mit Brennstoff aus dieser Mine versorgt. (Eine weitere Uranmine bei Imouraren sollte eigentlich dieses Jahr neu in Betrieb genommen werden. Das ist aber wohl wegen der anhaltenden Konflikte in der Region vorerst nicht passiert.)

Die ökologischen Folgen des Uranabbaus sind katastrophal: Riesige Abraumhalden mit radioaktivem Staub werden unter freiem Himmel aufgetürmt und mit dem Wind verbreitet. Der Uranabbau und die Verarbeitung des Erzes erfordert große Mengen Wasser. Das aber ist Mangelware in der Wüstenregion im Norden des Niger. Während die Menschen dursten, wird das Wasser aus großen Tiefen für die Erzgewinnung gefördert. Krankheiten haben sich in der Region ausgebreitet, die mit dem Abbau des Urans in Verbindung gebracht werden.

In den letzten Jahren haben sich die Konflikte um den Uranabbau im Niger enorm verschärft. Häufiger ist es auch zu bewaffneten Konflikten gekommen. Derzeit verhandelt die Regierung des Niger mit Frankreich über neue Verträge über den Uranabbau. Vor wenigen Wochen demonstrierten 5.000 Menschen in Arlit.

Nach dem Kriegseinsatz französischer Truppen im benachbarten Mali wurden auch Spezialtruppen zum Schutz der Uranminen im Niger abkommandiert. Die französische Regierung sprach ausdrücklich von „eigenen Interessen“, die hier zu schützen wären. Im Mai 2013 kam es dort zu einem schweren Terroranschlag mit vielen Toten. Siehe hier auf umweltfairaendern.de und hier die FAZ vom Mai. Siehe auch hier: Internationale Uran-Konferenz Tansania – Regierung ignoriert Risiken. Über Mali: Blog der Journalistin Charlotte Wiedemann.

Während die französische Regierung Lösegeldzahlungen für die Freilassung der vier AREVA-Mitarbeiter bestreitet, schreibt die FAZ: „Nach Informationen von „Le Monde“ soll das Lösegeld aus Geheimfonds des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE (Direction générale de la sécurité extérieure) aufgebracht worden sein. Der DGSE untersteht Verteidigungminister Le Drian.“

In der FAZ vom 1. November wird ausführlich über die Hintergründe und die Verhandlungen um die Freilassung der AREVA-Mitarbeiter berichtet. Unter der Überschrift „Der Preis der Freiheit“ berichtet das Blatt: „Nach der Rückkehr der französischen Geiseln zeichnen sich Vorteile für Nigers Präsidenten und die Tuareg ab. Dies dürfte auch die Verhandlungen mit dem Urankonzern Areva betreffen.“

Der Niger verhandelt derzeit mit AREVA über neue Verträge zum Uranabbau. Nicht zuletzt geht es darum, dass das bitterarme Land in der Sahelregion mehr Geld von den AREVA-Gewinnen abgekommen will. Bislang zeigt sich AREVA nur wenig kompromissbereit. Die FAZ berichtet, dass „ein 46 Jahre alter Targi aus Niger namens Mohamed Akotey, seines Zeichens Chefunterhändler des nigrischen Präsidenten Mahamadou Issoufou bei den Verhandlungen mit den Geiselnehmern“ von großer Bedeutung war. „Akotey gelang es nicht nur, vier Menschen aus unmenschlicher Gefangenschaft zu befreien. Er lieferte dem nigrischen Präsidenten zugleich ein außerordentliches Druckmittel für die Verhandlungen mit dem staatlichen französischen Urankonzern Areva über eine künftige Gewinnbeteiligung an die Hand. Und er sorgte dafür, dass die Tuareg in Mali, die im Frühjahr 2012 einen Krieg vom Zaun gebrochen hatten, ihr neues Image als freundliche Retter in einen politischen Vorteil ummünzen können.“ Akotey ist Aufsichtsratsvorsitzender von Imouraren SA, der nigrischen Tochterfirma von Areva.

Uran aus dem Niger auch in Deutschland im Einsatz.

Auch Deutschland dürfte mit Uran aus dem Niger beliefert werden. Offiziell bestätigt die Bundesregierung, dass Uran aus Frankreich bezogen werde, weigert sich aber detailliertere Angaben zu dem Ursprung des „französischen“ Urans zu machen. Da Frankreich auf dem eigenen Staatsgebiet keinen Uranabbau betreibt und rund ein Drittel seines Urans aus dem Niger bezieht, ist es sehr wahrscheinlich, dass z.B. in den Uranfabriken in Gronau und Lingen auch Uran aus dem Niger über französische Lieferungen verarbeitet wird. Die Uranfabrik in Lingen, die Brennelemente für Atomkraftwerke herstellt, ist zu 100 Prozent im Besitz der AREVA.

Siehe auch:

 

Uran für Frankreich: Tausende demonstrieren im Niger gegen Atomkonzern AREVA

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Niger und Uranabbau: Proteste gegen den französischen Atomkonzern AREVA. Foto: Dirk Seifert

Niger, Afrika: Der französische Atomkonzern AREVA bekommt Ärger. Am vergangenen Samstag demonstrierten rund 5.000 Menschen in Arlit gegen den Konzern, der dort in der Region seit den 60er Jahren eine der größten Uranminen betreibt. Darüber berichtet unter anderem die Agentur Reuters. Seit vielen Jahren gibt es über den Uranabbau in dem Wüstenstaat im Bereich der Sahelzone immer wieder massive Proteste, teilweise sogar bewaffnet. Mehrere Mitarbeiter von AREVA sind entführt worden. Nach dem Militäreinsatz Frankreichs im benachbarten Mali waren französische Spezialkräfte auch im Niger an den Uranminen der AREVA stationiert worden. Im Sommer kam es dennoch zu einem massiven Terroranschlag auf die Uranmine bei Arlit, bei dem es zu Toten und schweren Schäden kam. Die Regierung des Nigers versucht derzeit in Verhandlungen mit AREVA die bisherigen Verträge zum Uranabbau zu verändern.

Siehe auch hier: Niger: Krieg um Uran – Terroranschläge auf Uranmine des französischen Atomkonzerns AREVA

Die Proteste richten sich stark gegen die Bedingungen, unter denen das Uran gefördert wird. In der Wüstenregion verbraucht der Abbau extreme Wassermengen, die aus sehr großen Tiefen gefördert werden und anschließend verseucht sind. Viele Menschen in der Region leiden unter dem Mangel an Wasser. In den beiden Minen Cominak und Somair an denen der nigerische Staat mit etwas über 30 Prozent beteiligt ist, werden im Jahr rund 4.500 Tonnen Uran produziert, rund ein Drittel des französischen Bedarfs. Ende des Jahres laufen die bestehenden Verträge aus.

Mehr über Niger und Uran beim Uranium-Network hier.

Reuters berichtet: „We’re showing Areva that we are fed up and we’re demonstrating our support for the government in the contract renewal negotiations,“ Azaoua Mamane, an Arlit civil society spokesman, said in an interview with a private radio station.“ Und weiter: „We don’t have enough drinking water while the company pumps 20 million cubic meters of water each year for free. The government must negotiate a win-win partnership,“ Mamane said. Areva spokesmen in Niger and Paris declined to comment.

Der Niger und viele Menschen in der Region fordern höhere Einnahmen für das bitter arme Land aus dem Mining und dass AREVA erheblich mehr für die Verbesserung der Infrastruktur, für den Ausbau von Straßen, aber auch hinsichtlich der Umwelt- und Arbeitsbedingungen tun müsse. So sei laut AFP im Straßenbau auch radioaktiv belastetes Material aus den Minen eingesetzt worden. Auch AFP bezieht sich auf Äußerungen von Mamane: “The protester s were singing the songs against Areva accusing it to be polluting their environment that is already very hostile, to be causing radioactivity and not to care about peoples’ everyday’s concerns”, said an MP who was participating in this manifestation.
“ The population is inheriting 50 million tons of radioactive tailings that are stocked in Arlit and Areva continue to pump out 20 million cubic meters of water every year while people die of thirst”, denounced Mamane: „According to him, “the streets and habitats of Arlit are constructed by radioactive materials and the aquifer waters are drying because of Areva”.
“What is worse is that Areva continues to deny all this”, he regretted.  The prime minister of Niger Brigi Rafini, confirmed on Oct 6, 2013 that Niger is going to look into the mining contracts with Areva very carefully. The contracts he says are unfair.“

Außerdem heißt es bei AFP: “The protester s were singing the songs against Areva accusing it to be polluting their environment that is already very hostile, to be causing radioactivity and not to care about peoples’ everyday’s concerns”, said an MP who was participating in this manifestation. “ The population is inheriting 50 million tons of radioactive tailings that are stocked in Arlit and Areva continue to pump out 20 million cubic meters of water every year while people die of thirst”, denounced Mamane.

Uranbergbau in Tansania – Konferenz über die Risiken

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Atomgeschäfte sind noch lange nicht am Ende: Weltweit werden neue Uranminen erschlossen. Finanziert auch von deutschen Banken. Auch in Tansania sollen neue Uranminen entstehen. Aktion der Naturfreunde, Foto: Uwe Hiksch

Weltweit sind Konzerne auf der Suche nach neuen Uranvorkommen. So auch im ostafrikanischen Tansania. An zwei Standorten finden seit Jahren Untersuchungen statt, um Uranminen in Betrieb zu nehmen. Weitere Untersuchungen laufen derzeit in der Nähe des Kilimandscharo im Norden von Tansania.

Im Niger, in Namibia und in Südafrika wird das Uran seit Jahren mit enormen Umweltschäden und Gesundheitsrisiken abgebaut. Im krisengeschüttelten Mali werden Erkundungen durchgeführt.  Grund genug für die IPPNW in der Schweiz vom 1. – 6. Oktober eine internationale Konferenz über die Risiken des Uranabbaus in Tansania durchzuführen. (Das vorläufige Programm steht hier online, PDF). Beteiligt ist auch das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Dar es Salaam und das Uranium Network.

Immer mehr werden afrikanische Staaten für die weltweite Versorgung mit Uran für die Atomkraftwerke und möglicherweise auch anderer Zwecke von Bedeutung. (Siehe auch hier: Uranium-Network Afrika) Schon jetzt ist z.B. der Niger einer der weltweit wichtigsten Lieferanten für Uran. Vor allem der französische Atomkonzern AREVA beutet hier in der Wüstenregion der Sahelzone Uran aus. Aufgrund zahlreicher Konflikte in der Sahelzone stehen die AREVA-Minen inzwischen sogar unter dem Schutz französischer Truppen. Nach dem Militäreinsatz im benachbarten Mali hat es auch gegen die Urananlagen der AREVA im Niger schwere Anschläge gegeben.

Siehe hier: Niger: Krieg um Uran – Terroranschläge auf Uranmine des französischen Atomkonzerns AREVA und hier: Kriegseinsatz in Mali weitet sich aus: Frankreich schützt wirtschaftliche Interessen am Uranabbau im Niger

In Deutschland wird Uran in Gronau verarbeitet. Dort steht eine Anreicherungsanlage, mit der das Natururan für den Einsatz in Atomkraftwerken aufgearbeitet wird. Trotz des in Deutschland beschlossenen Atomausstiegs hat diese Anlage eine unbefristete Genehmigung und kann noch auf Jahrzehnte betrieben werden. Offizielle Daten, woher das Uran stammt, das in Gronau verarbeitet wird, werden von der  Bundesregierung nicht veröffentlicht. Anzunehmen ist aber, dass über Lieferungen von AREVA aus Frankreich auch Uran aus dem Niger in Gronau verarbeitet wird. Die Umweltorganisation ROBIN WOOD informiert hier über die Hintergründe der zum URENCO-Konzern gehörenden Uranfabrik in Gronau.

Ebenso finden sich auf dieser Seite viele Informationen um die URENCO-Fabrik in Gronau.

In Deutschland ebenso wie z.B. in Frankreich findet Uranabbau nicht mehr statt. Das hat auch mit den erheblichen Umweltauswirkungen und Gesundheitsrisiken zu tun. Bis heute ist das Gelände der Wismut AG ein Sanierungsfall. Mit vielen Milliarden Euro werden dort die strahlenden Hinterlassenschaften seit Anfang der 90er Jahre bearbeitet – und die Arbeiten dauern immer noch an. Dort wurde seit den 50er Jahren für die damalige Sowjetunion Uran abgebaut. Bis heute sind tausende Menschen an den Folgen erkrankt. Dazu ein Überblick auf der Seite von ContrAtom.

Hier einige Informationen zum Uranabbau in Tansania und den Folgen:

Uranabbau in Tansania – Bevölkerung ohne Information über Pläne und Risiken, Reisebericht von Ute Koczy MdB und Prof. Egon Jüttner MdB, 8. – 14. August 2010

Geplanter Uranabbau in Tansania – jetzt schon viele Erkrankungen, Niema Movassat, MdB DIE LINKE, 24.04.2013

Über eine Aktion gegen den Uranabbau im Naturschutzgebieten Tansanias berichtet das Tanzania-Netzwerk hier.

Dazu auch dieser Artikel aus Geo: Uranabbau im Selous-Reservat? Afrikas größtes Schutzgebiet ist bedroht, weil Tansania Rohstoffe fördern will. Umweltverbände protestieren gegen die Pläne. (Februar 2013)

Die Deutsche Welle berichtet hier ausführlich über Rohstoffe und Uranabbau: Armes reiches Tansania

Info zur Konferenz in Tansania: October 1-6, 2013
Conference and African Regional Meeting
„Uranium Mining: Impact on Health and the Environment“
Dar Es Salaam and Bahi/Dodoma, United Republic of Tanzania
The demand for uranium, the fuel for nuclear power plants and nuclear bombs, creates an apparent need for more mining operations. For this reason and because of insufficient local regulation, uranium-mining companies are increasingly focusing on African countries. However, the local populations are not usually informed about the possible long-term consequences of uranium mining on their health and environment. Register for the conference by emailing Ms. Claudia Burgler, sekretariat@ippnw.ch.

URENCO: Atomtransporte künftig von Gronau nach England

robinwood_uranfabrig_gronauAb 2016 werden Atomtransporte aus der zum URENCO-Konzern gehörenden Uranfabrik Gronau nach Großbritannien erfolgen. Das ist das Ergebnis aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Dorothée Menzner. (Drucksache 17/12446, PDF) „URENCO: Atomtransporte künftig von Gronau nach England“ weiterlesen

Atomtransporte: 117 mal radioaktive Kernbrennstoffe durch Hamburg im Jahr 2012

Uranhexafluorid Sattelzug der Bremer Spedition Kieserling am 23.01.12 bei der Ausfahrt am HHLA ContainerBurchardkai Hamburger Hafen - Der Sattelschlepper HB - UQ UF6_Transport_Hamburg_Hafen_20120123_02g
Atomtransporter im Hamburger Hafen

Insgesamt 117 genehmigungspflichtige Atomtransporte haben im Jahr 2012 durch die Hansestadt Hamburg stattgefunden! Das geht aus den Antworten des Hamburger Senats auf Schriftliche Kleine Anfragen von Abgeordneten der LINKEN im Laufe des Jahres (zuletzt Drucksache 20/6819) hervor. „Atomtransporte: 117 mal radioaktive Kernbrennstoffe durch Hamburg im Jahr 2012“ weiterlesen

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