Energiewirtschaft im Umbruch – Thüga überholt EnBW

Medienberichten zufolge wird die Thüga künftig zu den großen Playern unter den Stromkonzernen zählen. Ihr Umsatz liegt schon jetzt über dem der EnBW. In den umbrechenden Strommärkten verabschieden sich die bisherigen Groß-Player Schritt für Schritt vom Endkundengeschäft und weiten im Gegenzug ihr Geschäft beim Stromhandeln immer mehr aus. Eine höchst lukrative Angelegenheit, wie das Beispiel Vattenfall zeigt. Obwohl dem Konzern ab 2007 beide Atomkraftwerke in Brunsbüttel und Krümmel aufgrund schwerer Störfälle komplett ausfielen und damit eine Leistung von über 1.000 MW nicht zur Verfügung stand, konnte der schwedische Atomkonzern seine Umsätze und Gewinne in den Folgejahren weiter ausweiten und steigern. Besonders bedeutsam war dabei der wachsende Stromhandel.

Der Rückzug von E.on, RWE und Vattenfall aus dem Endkundengeschäft ermöglicht es nun der Stadtwerkeholding Thüga, sich in wachsendem Maße an den „freiwerdenden“ Unternehmen zu beteiligen. Thüga-Vorstand Gerhard Holtmeier sagte gegenüber der FTD, dass die Thüga als kommunales Netzwerk gefragter sei denn je und derzeit neue Beteiligungen mit Investitionsvolumina im Milliardenbereich plane.

Die Thüga hat derzeit rund 5,7 Millionen Kunden und einem Umsatz von 21,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Damit ist sie nun vor der EnBW die Nummer vier im deutschen Strommarkt. EnBW hatte im letzten Jahre „lediglich“ einen Umsatz von 18,8 Milliarden Euro.

Im Unterschied zu den bisherigen Großplayern, die Beteiligungen unterhalb einer beherrschenden Mehrheit von 50,1 Prozent kaum noch betreiben, ist genau dies das Geschäft der Thüga, die sich in der Regel mit einer Minderheit an Stadtwerken beteiligt. Zur Zeit sind es rund 100 solcher Beteiligungen. Die Thüga übernimmt in diesem Konzept die Aufgabe als zentraler Dienstleister, z.B. auch bei der Strombeschaffung, wahr. Derzeit, so die FTD verhandelt die Thüga mit RWE über eine Übernahme des Koblenzer Versorgers Kevag, gemeinsam mit der Stadt Koblenz. Laut FTD bemüht sich RWE derzeit außerdem um einen Verkauf seiner Frankfurter Vertriebs Firma Süwag. Eon wiederum soll interesse haben, seine Töchter Eon Mitte, Eon Westfalen Weser und Eon Thüringen zu verkaufen.

Störfälle in den älteren deutschen Atomkraftwerken (Stand: 2009)

Die folgenden Daten sind vom Stand 2009 und hier zu Archivzwecken veröffentlich:

Anzahl Störfälle in den sieben ältesten AKW und Krümmel seit Inbetriebnahme    

Reaktor

Inbetrieb

nahme

Summe seit Inbetriebnahme bis Ende Sept. 2008

Betriebsjahre bis 2009

KKB

Jun 76

455

33

KKK

Sep 83

313

26

GKN 1

Mai 76

418

33

Biblis A

Jul 74

405

35

Biblis B

Mrz 76

398

33

KKI-1

Nov 77

270

32

KKU

Sep 78

320

31

KKP-1

Mrz 79

325

30

Summe: 2904

Abkürzungen:

KKB: Brunsbüttel, KKK: Krümmel, GKN1: Neckarwestheim1,

KKI-1: Isar 1, KKU: Unterweser, KKP-1: Philippsburg 1

Vollständige Liste aller Störfälle in deutschen Atomreaktoren seit Inbetriebnahme (Quelle: BfS)

Kernkraftwerke (in Betrieb)TypElektr. Leistung
(brutto) MW
Jahr der Inbetrieb­nahme (Erstkriti­kalität)Jahr der endgültigen AbschaltungAnzahl Ereignisse seit der Inbe­triebnahme1)
GKN-1Kernkraftwerk Neckarwestheim 1DWR8401976420
GKN-2Kernkraftwerk Neckarwestheim 2DWR1400198878
KBRKernkraftwerk BrokdorfDWR14801986206
KKBKernkraftwerk BrunsbüttelSWR8061976457
KKEKernkraftwerk Emsland, LingenDWR14001988116
KKGKernkraftwerk GrafenrheinfeldDWR13451981215
KKI-1Kernkraftwerk Isar 1, EssenbachSWR9121977273
KKI-2Kernkraftwerk Isar 2, EssenbachDWR1475198870
KKKKernkraftwerk KrümmelSWR14021983316
KKP-1Kernkraftwerk Philippsburg 1SWR9261979333
KKP-2Kernkraftwerk Philippsburg 2DWR14581984179
KKUKernkraftwerk Unterweser, EsenshammDWR14101978328
KRB-II-BKernkraftwerk Gundremmingen BSWR13441984102 + 72)
KRB-II-CKernkraftwerk Gundremmingen CSWR1344198495
KWB-AKernkraftwerk Biblis ADWR12251974413 + 42)
KWB-BKernkraftwerk Biblis BDWR13001976410
KWGKernkraftwerk GrohndeDWR14301984211
Kernkraftwerke (außer Betrieb)TypElektr. Leistung
(brutto) MW
Jahr der Inbetriebnahme
(Erstkritikalität)
Jahr der endgültigen AbschaltungAnzahl Ereignisse seit der Inbe­triebnahme1)
AVRArbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor JülichHTR151966198878
KKRKernkraftwerk RheinsbergDWR7019661990363)
KKSKernkraftwerk StadeDWR67219722003316
KMKKernkraftwerk Mülheim-KärlichDWR130219862001 4)180
KNK-IIKompakte natriumgekühlte Kernanlage, Eggenstein-LeopoldshafenSNR2119771991129
KRB-AKernkraftwerk Gundremmingen ASWR2501966197726
KGR-1-5Kernkraftwerk GreifswaldDWRje 4401973 bis 1989199087 3)
KWLKernkraftwerk LingenSWR2681968197730
KWOKernkraftwerk ObrigheimDWR35719682005267
KWWKernkraftwerk WürgassenSWR67019711994278
MZFRMehrzweckforschungsreaktor, Eggenstein-LeopoldshafenDWR571965198446
THTR-300Thorium-Hochtemperaturreaktor, Hamm-UentropHTR30819831988125
VAKVersuchsatomkraftwerk KahlSWR161960198534

1) Stand: 30.09.2009
2) Ereignisse in gemeinsamen Einrichtungen der Doppelblockanlage
3) Ereignisse ab dem 03.10.1990
4) Stillstand bereits seit 1988 infolge Gerichtsbeschluss

Abkürzung der Reaktortypen:

DWRDruckwasserreaktor
HTRHochtemperaturreaktor
SNRSchneller Brutreaktor
SWRSiedewasserreaktor

Schwere Atomunfälle International

Pannen und Störfälle, die häufig auch zu Notabschaltungen des gesamten Reaktors führen, sind in den deutschen Atomkraftwerken an der Tagesordnung. Allein in den Monaten Juli – September 2008 hatten die deutschen Atommeiler 21 Störfälle zu melden. im Jahr 2007 waren es insgesamt 118 Störfälle. Insgesamt 20 weitere Störfälle ereigneten sich in Anlagen zur Ver- und Entsorgung von radioaktiven Materialien. Das Bundesamt für Strahlenschutz führt eine Statistik über die Unfälle und Pannen, die Sie hier einsehen können.

Automatische Notabschaltungen sind eine schwere Belastung und Herausforderung für die Technik und Materialien in einem Atomreaktor. Innerhalb kürzester Zeit muß ein AKW bei einer solchen Notabschaltung von Volllastbetrieb auf Null runter gefahren und die Kettenreaktion zuverlässig unterbrochen werden. Zahlreiche Sicherheitseinrichtungen müssen automatisch angefahren, die Wärme im Reaktor abgeführt und die Kühlung aufrecht erhalten werden. Ein Vorgang, der mit einem voll beladenen LKW verglichen werden kann, der mit einer Vollbremsung auf der Autobahn zum stehen gebracht werden muß.

Doch immer wieder kommt es auch zu außerordentlich schweren Störfällen, die deutlich machen, dass das Risiko der Atomenergie nicht zu beherrschen ist und die gravierende Auswirkungen für Mensch und Umwelt haben.

Einige der herausragenden Beispiele führen wir im Folgenden auf:

Super-GAU in Tschernobyl

Am 26. April 1986 um 1 Uhr 23 explodierte der Atomreaktor des Block 4 in Tschernobyl und löste damit den bisher schwersten Super-GAU in der Geschichte der Atomenergienutzung aus. Eine radioaktive Wolke zog über weite Teile der ehemaligen Sowjetunion und über Europa.

Im Jahre 2006 ist noch eine Fläche von 150.000 Quadratkilometern radioaktiv verseucht, die sich über die heutige Ukraine, Weißrussland und Russland erstreckt. Obwohl das ganze Ausmaß der gesundheitlichen Folgen dieser Katastrophe nie ganz geklärt werden kann, schätzen WissenschaftlerInnen die Zahl der zu erwartenden Todesopfer auf 66.000 bis 150.000. Hunderttausende von der Strahlung betroffene Menschen leiden an zum Teil schweren Krankheiten. Auch in Westeuropa kam es in der Folge des Tschernobyl-Unfalls zu einem signifikanten Anstieg von Fehlbildungen und frühem Versterben bei Neugeborenen.

Trotz dieser Erkenntnisse rechnen internationale Organisationen wie die IAEA die Zahlen bewusst klein und verharmlosen die Gefahren der Atomenergie.

Bricht der damals in alle Eile errichtete Betonmantel – der so genannten Sarkophag, kann der noch immer hochradiaktive Inhalt des Reaktors für eine weitere Katastrophe sorgen. Tschernobyl macht klar, dass die Risiken der Atomenergie unverantwortlich sind und alle Atomkraftwerke stillgelegt werden müssen!

Laut Meldungen der Nachrichtenagentur AFP vom 23. April 2008 soll nun zunächst ein Atommüll-Lager und eine Wiederaufbereitungsanlage am Unglücksort errichtet werden.

Atomkatastrophe – Harrisburg war nur der Anfang

Am 27. März jährt sich zum 30. Mal die Atomkatastrophe in dem AKW Three Mile Island in Harrisburg. Nach einem Störfall kommt es zu einer teilweisen Kernschmelze. Um haaresbreite gelingt es den Techniker, den Super-Gau zu verhindern. Die Reaktorkatastrophe von Harrisburg war der Anfang vom Ausstieg aus der Atomenergie. In den USA bracht das Atomprogramm zusammen, Schweden beschloss den Ausstieg… Was passierte damals in Harrisburg? Und wie ist die aktuelle Situation heute? Lesen Sie mehr…

Atomexplosion im japanischen Tokaimura

Am 30. September 1999 kommt es in der japanischen Urananlage in Tokaimura zu einem überaus schweren Unfall, den die Internationale Atomenergiebehörde inzwischen in die Stufe fünf der bis zu Stufe sieben reichenden Skala eingeordnet hat. Aufgrund von zahlreichen Handhabungsfehler kommt es in der Anlage zu einer unkontrollierten Kettenreaktion. Zahlreichen ArbeiterInnen und Menschen in der Umgebung der Anlage werden radiaktiv belastet.

Mehr über den Unfallverlauf in Tokaimura aus der Monatszeitung ak – analyse und kritik

Forsmark, Schweden: Atomarer Blindflug

Am 25. Juli 2006 schrammt Nordeuropa nur knapp an einer atomaren Katastrophe vorbei. In dem von Vattenfall betriebenen Atommeiler Forsmark springt nach einem Kurzschluß die gesamte Notstromversorgung nicht an. Die Reaktormannschaft betreibt das Atomkraftwerk für fast eine halbe Stunde im Blindflug – ohne jede Information über die tatsächliche Lage im Reaktor.

Mehr bei Telepolis und aus Süddeutsche Rundschau

Brunsbüttel 2001: Wasserstoff-Explosion im Reaktor

Den vorläufigen Höhepunkt seiner Störfallserie erreichte das AKW Brunsbüttel am 14. Dezember 2001 mit dem wohl schwersten Störfall, der sich in den letzten 20 Jahren in einem deutschen Atomkraftwerk ereignete. Eine Knallgasexplosion zerfetzte ein 10 cm dickes Stahlrohr in unmittelbarer Nähe des Reaktordruckbehälters. Bruchstücke des Rohres flogen wie Geschosse umher und richteten auch in der Umgebung Schäden an. Glücklicherweise wurden keine sicherheitsrelevanten Einrichtungen getroffen. Nur ein einfaches Rückschlagventil, das bei der Explosion zudem beschädigt wurde, verhinderte das Ausströmen des unter hohem Druck stehenden radioaktiven Dampfes. Das Ausströmen hätte den Verlust von Kühlmittel bedeutet, was zu einer Kernschmelze, also dem Super-GAU, führen kann. Ein „Tschernobyl in klein“ – dieselbe Explosion zwei Meter weiter, und man hätte für nichts mehr garantieren können.

Der Betreiber legte im Umgang mit dem Störfall ein Besorgnis erregendes Sicherheitsverständnis an den Tag. Obwohl Signale in der Leitwarte den Störfall anzeigten und sie auch die Erschütterung durch die Explosion registrierten, wurde eine vergleichsweise harmlose Leckage angenommen – ein Ventil abgesperrt – und der Reaktor weiter betrieben. Ein klarer Fall von „Profit vor Sicherheit“. Erst zwei Monate später, als die Aufsichtsbehörde Bedenken hatte und auf eine Inspektion drängte, wurde entdeckt, was wirklich passiert war, und der Reaktor endlich abgeschaltet. Die Aufsichtsbehörde leitete daraufhin eine umfangreiche Untersuchung ein – wegen der offensichtlichen technischen Defizite und auch wegen Zweifeln an der Zuverlässigkeit des Betreibers und der Fachkunde der zuständigen Personen. Eigentlich Gründe genug, die Anlage endgültig stillzulegen – trotzdem wurden nur einige technische und organisatorische Änderungen vorgenommen, einige verantwortliche Personen entlassen und der Reaktor am 26.3.2003, nach 13 Monaten Stillstandszeit, wieder in Betrieb genommen.

Im Zuge der Untersuchungen wurde auch entdeckt, dass dies nicht die erste Explosion im Reaktor war: Irgendwann vor 1992 war es in der gleichen Leitung, in dem Bereich, der nicht durch das Rückschlagventil abgesperrt ist, unbemerkt schon einmal zu einer etwas kleineren Knallgasexplosion (im Jargon der Betreiber harmlos klingend „Radiolysegasreaktion“) gekommen, die das Rohr jedoch glücklicherweise „nur“ verformt hatte.

Bericht der Landesregierung Schleswig-Holstein (PDF) zu diesem Störfall.

Brunsbüttel 1978: Stundenlang dringt radioaktiver Dampf in die Umwelt

18. Juni 1978: Zwei Jahre nach der Inbetriebnahme des AKW Brunsbüttel kommt es zum Abriss eines Blindstutzen. Über mehrere Stunden gelangen 100 Tonnen leicht radioaktiven Dampfes zunächst ins Maschinenhaus des Kernkraftwerks, dann über Druckentlastungskappen und den Abluftkamin ins Freie. Der Störfall wird tagelang vertuscht und erst ein anonymer Anrufer sorgt dafür, dass die Öffentlichkeit von diesem schweren Störfall erfährt. Der Betriebsführer muß später seinen Hut nehmen, als bekannt  wurde, dass die Reaktormannschaft versucht hatte, die automatische Notabschaltung des Reaktors durch Manipulationen zu verhindern.Zwei Jahre bleibt der Reaktor abgeschaltet.

Das Hamburger Abendblatt schrieb 1980 dies

Biblis: Ahnungslos auf dem Weg zum Super-Gau

Am 16.-17. Dezember 1987 schrammte das AKW Biblis-A bei einem Kühlmittelverlust-Störfall nur knapp an einem Super-GAU vorbei – einer der schwersten Störfälle in der Geschichte der Atomkraft in Deutschland. Ein Ventil, das das unter hohem Druck stehende radioaktive Kühlwasser des Primärkreislaufes vom Notkühlsystem trennt, versagte beim Anfahren des Reaktors und schloss nicht, was von der Betriebsmannschaft aber über 16 Stunden lang nicht bemerkt wurde. Eine leuchtende Warnlampe auf der Leitwarte wurde von zwei aufeinander folgenden Schichten die ganze Zeit entweder übersehen oder für einen Defekt der Anzeige gehalten. Erst die dritte Schicht bemerkte den Fehler.

Statt den Reaktor sofort herunterzufahren, versucht die Betriebsmannschaft mit einem Trick, das Ventil zu schließen. Ein Kontrollventil, dass den Primärkreislauf von einer Messleitung trennt, die für den hohen Druck nicht ausgelegt ist, wird absichtlich geöffnet, um das defekte Ventil „durchzuspülen“, was aber misslang. In der Folge strömten 107 Liter radioaktives Kühlwasser aus, gelangten über die Messleitung in den Ringraum außerhalb des Sicherheitsbehälters und von dort in die Atmosphäre. Nur durch Glück gelang es, das Kontrollventil gegen den hohen Druck wieder zu schließen. Wäre das nicht gelungen, hätte die Messleitung wegen des hohen Druckes platzen können, und ein Verlust großer Mengen Kühlmittel wäre unvermeidlich gewesen. Ein solcher Kühlmittelverlust kann zu einer Kernschmelze und damit zum Super-GAU führen.

Skandalös an diesem schweren Störfall war auch, dass der Betreiber RWE die Öffentlichkeit nicht unterrichtete. Erst ein Jahr später, im Dezember 1988 wurde dieser Vorfall durch eine us-amerikanische Zeitung bekannt.

Windscale / Sellafield – Reaktor in Flammen

Am 7.-10. Oktober 1957 – Bei Wartungsarbeiten in dem auch zur Atomwaffenproduktion (Plutonium) genutzten Atommeiler im britischen Windscale – heute als Sellafield bekannt – gerät der Reaktor in Brand. 10 Tonnen Uran und 2.000 Tonnen Graphit stehen in Flammen, eine radioaktive Wolke steigt aus den Abluftkaminen und verbreitet sich über Teile Nordeuropas. Alle Versuche der Betreiber, den Brand unter Kontrolle zu bekommen, scheitern. Schließlich riskiert die Betreibermannschaft alles auf eine Karte zu setzen, in dem sie es mit Wasser als Löschmittel probiert. Völlig unklar ist in diesem Moment, ob das funktionieren kann oder ob dadurch nicht Wasserstoff erzeugt wird, der möglicherweise in Kontakt mit Sauerstoff explodiert. Aber die Rettungsleute haben Glück, das Feuer kann im letzten Moment gelöscht werden.

Von all dem erfährt die Öffentlichkeit nichts. Die britische Regierung vertuscht den Störfall und dessen Ausmaß über 30 Jahre lang. Der Plutonium-Reaktor wird abgeschaltet, noch heute ist die strahlende Ruine nicht abgebaut.

Brennelemente-Zwischenlager Ahaus geht an GNS

Der Focus berichtet, dass der Energiekonzern Steag seine bisherige Beteiligung an dem Brennelemente-Zwischenlager Ahaus (BZA) an die GNS verkauft hat. Demnach trenne sich Steag zum 1. Juli von seiner 45-Prozent-BZA-Beteiligung, teilte die Steag Energy Services am Montag in Essen mit. Über den Kaufpreis – so der Focus – sei Stillschweigen vereinbart worden.

Die GNS gehört den Atomkonzernen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe. Sie hält bereits die anderen Anteile. Mit seinen Beteiligungen am Atommülllager Ahaus und weiteren Atommüllstandorten verdienen die Atomkonzerne nicht nur durch den Betrieb der AKWs, sondern auch noch mit dem dabei anfallenden Atommüll! Das Zwischenlager für radioaktiven Abfall im westfälischen Ahaus wurde 1992 in Betrieb genommen.

Informationen über das Atommülllager in Ahaus auf der Homepage der BI Ahaus.

Klagen der Atomkonzerne – Konzerne schüren Ängste mit Phantasiezahlen

E.on und RWE klagen vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Atomausstieg und träumen von Entschädigungen im Umfang von 15 Milliarden Euro. Vattenfall wird in Washington klagen, weil der Atomausstieg eine Investitions-Diskriminierung darstelle. Und ob Vattenfall und EnBW sich auch noch an das Bundesverfassungsgericht wenden, entscheidet sich die nächsten Tage.

Das sind die Maßnahmen, mit denen die Atomkonzerne die Energiewende an die Wand fahren wollen und weiter Hardliner gegen den Ausbau der Erneuerbaren Energien bleiben. Eine Möglichkeit, denen die Rote Karte zu zeigen, ist der Ökostromwechsel. Das ist a.) ganz einfach, b.) tut es nicht weh und c.) es schmerzt die Atomstromunternehmen. Wie man das macht und zu wem man wechseln sollte, erfährt man unter „Atomausstieg selber machen„.

„Angst schüren – das ist denn auch zweifellos eines der Motive von E.ON und RWE für ihre Verfassungsklage gegen den Atomausstieg“, kommentiert Jürgen Döschner vom WDR auf Tagesschau.de. Er kritisiert nicht nur die Panikmache und die absurden Zahlenspiele zwischen Schadensersatz, vermeintlich wegen der Energiewende steigenden Strompreisen und Hororzahlen für den Netzausbau. Döschner zeigt auch die Richtung auf, in der die Bundesregierung den Atomkonzernen mal zeigen könnte wo der Hammer hängt: „Und wenn es wirklich juristisch eng werden sollte für die Bundesregierung, dann sollte sie vielleicht ihrerseits mal die Gerichte bemühen – zum Beispiel, um prüfen zu lassen, wie es denn bestellt ist um den gesetzlich vorgeschriebenen Entsorgungsnachweis oder um die Versicherung möglicher AKW-Unfälle. Dabei könnte sich nämlich die Ansicht mancher Juristen bestätigen, dass die Betriebsgenehmigungen für sämtliche Atomkraftwerke in Deutschland längst erloschen sind.“ Quelle: Tagesschau.de

 

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