„Vattenfall stellte letztes Jahr fast 20.000 Berliner Haushalten den Strom ab. 1,8 Millionen mal mahnte Vattenfall fällige Rechnungen an. Dies ergab eine kleine Anfrage der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus“. Das teilt der Berliner Energietisch heute in einer Pressemitteilung mit. In Berlin läuft derzeit noch bis Juni 2013 das Volksbegehren für die Rekommunalisierung des Stromnetzes, dass derzeit noch von Vattenfall betrieben wird. Außerdem sollen in Berlin neue Stadtwerke gegründet werden. Vattenfall ist derzeit schwer angeschlagen. „Vattenfall sperrt 20.000 Berliner Haushalten den Stromanschluss“ weiterlesen
Schlagwort: Energiewende
„Vattenfall – bald Tschüss und weg?“

„Irgendwann sagen die Tschüss und weg“, meint ein Vattenfall-Manager über seine Bosse aus Stockholm.“ Das berichtet der Berliner Tagesspiegel in einer „Analyse“ über die derzeitige Lage bei dem schwedischen Stromkonzern Vattenfall. Das Unternehmen ist finanziell angeschlagen, hat in den letzten Jahren mindestens vier Milliarden Euro Verlust gemacht. Und die Ertragslage sieht auch zukünftig schlecht aus, denn es gibt zuviel Strom im Markt, die Börsenpreise sind im Keller und könnten durch die Erneuerbaren Energien weiter sinken. Schon im letzten Geschäftsjahr musste Vattenfall daher einen Gewinnrückgang verbuchen. Selbst ein kompletter Rückzug von Vattenfall aus Deutschland wird derzeit nicht mehr ausgeschlossen: “Vattenfall-Sprecher Banek meint: „Die Debatte ist absolut relevant, ob wir statt eines internationalen Konzerns wieder ein skandinavischer Regionalversorger sein sollen.“”, berichtet u.a. das Handelsblatt (siehe hier).
Die finanziellen Probleme verstärken die Frage nach dem strategischen Kurs von Vattenfall, nicht nur beim Eigentümer, dem schwedischen Staat. Viele Schweden sind auch über den hohen Braunkohleanteil und den damit enorm hohen CO2-Emissionen von Vattenfall entsetzt. Kein Wunder, war Schweden doch in den 80er und 90er Jahren in hohem Maße von den Emissionen aus Kohlekraftwerken schwer betroffen: Damals führten die nicht gefilterten Emissionen aus den nordeuropäischen Schloten zu saurem Regen. Reihenweise kippten in Schweden die Seen um, starben die Fische und kam es großflächig zum Waldsterben. Da kommt es nicht gut, wenn ausgerechnet ein schwedisches Unternehmen wie Vattenfall heute zur Top 5 der CO2-Emittenten in Europa gehört und damit zu einem der klimaschädlichsten Unternehmen überhaupt.
Ankündigungen von Vattenfall, ein Braunkohlekraftwerk in Lippendorf zu verkaufen bestärkt vor allem in Deutschland den Verdacht, dass damit der Ausstieg von Vattenfall aus der Braunkohle, vielleicht sogar aus Deutschland insgesamt beginnt.
Die Stimmung im Konzern wird offenbar auch immer explosiver. Derzeit laufen die Tarifverhandlungen zwischen den Gewerkschaften IG BCE, Verdi und IG Metall auf der einen Seite und der Konzernleitung auf der anderen ohnehin schon im schwierigen Fahrwasser. Die Konzernleitung will bestimmte Service-Bereiche auslagern oder die Gehälter senken. Bereits im letzten Jahr war der „sozialverträgliche Abbau“ von über 300 Stellen in Berlin und Hamburg beschlossen worden. Doch dieser Prozess soll weiter gehen.
Vor allem die alten, vergleichsweise guten Verträge der ehemaligen HEW und Bewag-Beschäftigten sollen eingedampft werden. Die Gewerkschaften hingegen wollen 6,5 Porzent mehr Lohn und vor allem eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2020. Und in diese Konfliktlage hinein hat der Konzern nun angekündigt, 2.500 Arbeitsplätze, davon 1.500 in Deutschland, streichen zu wollen. Da hängt der Haussegen bei den Vattenfall-MitarbeiterInnen natürlich schief. Selbst das Managment macht sich offenbar nun immer mehr Sorgen. Der Tagesspiegel berichtet: „Die Stimmung ist mies im Unternehmen. Führungskräfte sind demotiviert, weil sie innerhalb der komplexen Struktur keine Entscheidungen mehr treffen dürfen. Ständiges Umstrukturieren hat zu einer Kultur der Selbstbeschäftigung geführt, die weit weg ist vom Markt. „Keiner hat mehr Spaß bei der Arbeit“, heißt es in der Zentrale in Berlin-Mitte. Alle wichtigen Entscheidungen fallen in Stockholm.“
Es sind scheinbare Kleinigkeiten, die die Verärgerung immer mehr anheizen. So berichtet der Tagespiegel von einer Sitzung des Aufsichtsrats in Berlin, auf der Løseth und Bonde die Mitglieder über das neueste Sparprogramm informierten. „Die Sitzung wurde überraschend abgebrochen, weil die beiden nach Schweden zurückmussten. „Unverschämt“, schimpfte ein Aufsichtsrat, der den Vorfall symptomatisch findet für das gestörte Verhältnis. Der Verdruss von Aufsichtsräten und Belegschaft nehme zu, weil den Skandinaviern das Gespür fehle für das deutsche System der Unternehmensführung und Mitbestimmung. Und weil sie vielleicht die Freude am deutschen Markt verlieren.“
Weiteres Ungemach für Vattenfall steht außerdem auf der Tagesordnung: In Berlin und Hamburg könnten Bürgerbewegungen noch in diesem Jahr dafür sorgen, dass Vattenfall die Verfügung über die Stromnetze und die Ferwärme (in Hamburg) verliert. Mit dem neuen Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg steht Vattenfall ein weiteres Verlustprojekt ins Haus. Das 1.600 MW Steinkohlekraftwerk soll 2014 ans Netz gehen und dürfte dann vor allem Verluste, aber kaum Gewinne einfahren.
“First we take Berlin: Wie Bürger die Stromnetze in den Großstädten übernehmen”
Vattenfalls Stern auf dem Rückzug – Was hat dich bloß so ruiniert?
GIB MIR MEIN NETZ ZURÜCK I + II – Zwei Metropolen für die Energiewende
Strom-Kriege: Das Imperium schlägt zurück
Bundesregierung gegen Energiewende und Arbeitsplätze
Die Politik der Bundesregierung führt immer mehr zu einer Blockade bei der Energiewende. Die Vorschläge aus Regierungskreisen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz im Bereich der onshore Windenergie zu ändern, führen laut Meldungen aus der Branche immer mehr zur Verunsicherung bei Investoren. Das könne nicht nur negative Folgen beim Ausbau der Windenergie haben, sondern auch Arbeitsplätze gefährden.
„Der Bundesumweltminister gefährdet eine ganze Branche aufgrund nicht nachvollziehbarer und intransparenter Berechnungen“, griff der Vizepräsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Andreas Jesse, Peter Altmaier an. Und weiter: „Die Bundesregierung gefährdet mit ihren geplanten Änderungen am Erneuerbare-Energiengesetz Milliarden-Investitionen und rund 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Bereits jetzt sind Investoren stark verunsichert. Der Ausbau der Windenergie ist bereits völlig ins Stocken gekommen.“
Auf Telepolis berichtet Wolfgang Romrehm über ein Pressegespräch von Vertretern der Windenergiebranche. Dort wurde auch ein Modell für die künftige Vergütung von Windstrom vorgestellt: „Der BWE hat einige Vorschläge entwickelt, mit denen bei der Onshore-Wind-Vergütung nach seinen Berechnungen 60 bis 70 Millionen Euro jährlich gespart werden könnten, ohne dass der Ausbau gefährdet würde.
Unter anderem wird ein Modell vorgeschlagen, dass die Vergütung von Windstrom je nach Qualität des Standorts stark differenzieren würde. An den besten Standorten gebe es dann pro Kilowattstunde nur noch 5,9 Cent pro Kilowattstunde, an den schlechtesten hingegen 9,6 Cent. Das würde die Anreize für den Ausbau im Binnenland in Nähe zu den Verbrauchern sogar noch stärken und Dezentralisierung vorantreiben.“
Radio Schweden: „Vattenfall lässt liberianische Bauern im Stich“
Wo Vattenfall auftaucht gibt es Probleme: „Der staatliche Energiekonzern Vattenfall steht nach verfehlten Bioenergie-Investitionen im westafrikanischen Liberia unter Druck. Gemeinsam mit dem ebenfalls staatlichen Entwicklungsunternehmen Swedfund sollen die Schweden die Hauptverantwortung beim Scheitern eines großangelegten Entwicklungsprojekts tragen. Leidtragende sind die liberianischen Bauern, zeigt ein neuer Untersuchungsbericht“, berichtet Radio Schweden gestern auf seiner Homepage.
UPDATE 4. April: Die taz berichtet über den Konflikt um das Vattenfall-Geschäft in Liberia und die Folgen für die dortigen Bauern. Siehe hier.
Vattenfall will mit dem Einsatz von Biomasse seine extrem hohen CO2-Emissionen senken, z.B. in dem diese Biomasse in Kohlekraftwerken zugefeuert wird. In Liberia, einem der ärmsten Länder der Welt, wollte Vattenfall zu diesem Zweck im großen Stil einsteigen.
Doch nur zwei Jahre nach dem Start Mitte 2010 ist das Projekt auch schon zu Ende. Radio Schweden schreibt: „Vattenfall selbst war ursprünglich mit 30 Millionen Euro in das Projekt eingestiegen und hat letztlich laut dem Untersuchungsbericht einen Verlust von umgerechnet mehr als 150 Millionen Euro erlitten. Nach Aussage von Vattenfall habe die Infrastruktur vor Ort, sowie die Ausrüstung und Organisation in Liberia nicht den Erwartungen entsprochen.“
Den Schaden tragen jetzt die ohnehin schon armen Bauern, berichtet Radio Schweden auf Basis des genannten Berichts. Den vollständigen Artikel mit detaillierten Informationen gibt es hier.
Noch mehr Lesen gegen Vattenfall – „Lesen ohne Atomstrom – Die Erneuerbaren Lesetage“ 2013
Während Vattenfall heute im Verbund mit der Kultursenatorin im Hamb
urger Rathaus seine Greenwashing-Lesetage 2013 vorstellte, präsentierte „Lesen ohne Atomstrom“ im Deutschen Schaupielhaus „Die Erneuerbaren Lesetage“. Zum dritten Mal geht das Projekt gegen Vattenfall ins Lese-Rennen. Als Höhepunkte der kostenlosen Veranstaltungen vom 21. – 26. April werden u.a. dabei sein: Iris Berben, Jean Ziegler, Hannes Jaenicke. Elke Heidenreich, Joachim Król, Roger Willemsen, Jakob Augstein, Corny Littmann, Ulrich Waller, Jan Plewka, Ben Becker, Wolfgang Niedecken und viele andere. Angesichts dieser Liste und solcher Unterstützer wie den Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, dem Goethe-Institut, dem Hamburger Sport Verein (HSV) und diverser anderer dürfte man im Hause Vattenfall „not very amused“ sein.
Gegenwind bekommt Vattenfall auch von einer weiteren Lese-Reihe: Die HEW-Lesetage für den Hamburger Energie Wechsel finden vom 15.-20. April statt. Das komplette HEW-Programm online.
Die Lesetage ohne Atomstrom „setzen mit vielen anderen erneut ein beeindruckendes Zeichen für eine Zukunft ohne Atomenergie, für die Beschleunigung der Energiewende – und gegen den Kulturmissbrauch des Atomkonzerns Vattenfall mit seinen so genannten „Vattenfall-Lesetagen““, heißt es auf deren Homepage.
„Lesen ohne Atomstrom“: Ein Volksentscheid am 22. September kann den „dubiosen Deal“ mit Vattenfall noch stoppen.
Und: „Vattenfall benimmt sich, als gehöre ihnen diese Stadt – was angesichts der devoten Anbiederung des Senats an den Atomkonzern nicht verwundert.“ Oliver Neß, Sprecher der „Erneuerbaren Lesetage“: „Die Kulturbehörde finanziert aus Steuergeldern … weiter das Greenwashing Vattenfalls – und dies, obgleich der Atomkonzern die deutschen Steuerzahler derzeit vor Gericht verklagt. Vattenfall fordert drei Milliarden Euro „Schadenersatz für den Atomausstieg“. Ergänzend will der Senat Vattenfall auch noch das Hamburger Stromnetz dauerhaft überlassen. Ein Volksentscheid am 22. September kann den dubiosen Deal noch stoppen.“
VertreterInnen der Volksentscheid-Initiative Unser Hamburg – Unser Netz werden auf einigen Veranstaltungen dabei sein. Siehe auch hier: Vollständige Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg ist machbar.
Die Grüne Bürgerschaftsfraktion kritisierte heute per PM, dass Vattenfall mit Unterstützung des SPD-Senats und der Kultursenatorin im Rathaus die Lesetage präsentieren konnte – ausgerechnet am Jahrestag der Fukushima-Katastrophe. Das Hamburger Abendblatt, Medienpartner der Vattenfall-Lesetage, berichtete unter dem Titel: Vattenfall-Lesetage-feiern-15-Geburtstag. Außerdem berichtet die Taz-Hamburg über beide Veranstaltungen.
