Vattenfall-Krise: 1.000 Jobs weniger in Deutschland?

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Vattenfall-Krise: Arbeitsplatzabbau droht. Foto: Dirk Seifert

Die Milliardenverluste von Vattenfall in den letzten Jahren und deutliche Gewinnrückgänge haben jetzt offenbar auch für die Beschäftigten in Deutschland Konsequenzen. Nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts sind „mehr als 1000 Jobs in Gefahr“. Erst vor wenigen Tagen waren Pläne bekannt geworden, dass Vattenfall europaweit 2.000 Stellen abbauen will. Die Hälfte davon soll nun offenbar in Deutschland gestrichen werden.

Die Spekulationen, dass die Probleme bei dem schwedischen Staatskonzern dazu führen könnten, dass sich Vattenfall insgesamt aus dem deutschen Markt zurückziehen könnte, nehmen seit Wochen immer mehr zu: Vattenfalls Stern auf dem Rückzug – Was hat dich bloß so ruiniert?

Der Abbau von Arbeitsplätzen spitzt sich nun weiter zu. Aber längst ist ein weitergehender Personalabbau im Gange: Bereits Mitte November 2011 setzte Vattenfall den Kolleginnen und Kollegen des Kundenservice das Messer auf die Brust: 900 von ihnen sollten drastische Gehaltssenkungen hinnehmen, oder sie würden verkauft, hatte der Vorstand angedroht. Im Januar 2012 einigten sich Betriebsrat und Vattenfall, dass der Kundenservice zwar im Unternehmen bleibt, aber 300 Stellen in den nächsten Jahren sozial verträglich abgebaut werden. Siehe auch hier: Vattenfall – Streit mit Beschäftigten nimmt zu!

Laut Abendblatt wird der Aufsichtsrat von Vattenfall am 7. März zu einer Strategiesitzung zusammenkommen. „Es geht um viel an diesem Tag. Denn der schwedische Staatskonzern hat sich in den vergangenen Jahren durch immer neue Zukäufe verschuldet. Jetzt zieht Vattenfall-Chef Øystein Løseth die Notbremse. Um zu sparen, sollen nach Informationen des Abendblatts auch Stellen gestrichen werden. Mehr als tausend Mitarbeiter könnten in Deutschland betroffen sein – auch in Hamburg. Vattenfall versucht jedoch, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.“

Gestern war bekannt geworden, dass Vattenfall bereits seit November letzten Jahres mit zwei Banken den Verkauf eines 920 MW-Blocks des Braunkohlekraftwerk im sächsischen Lippenstedt sondiert. Dabei geht es Vattenfall nicht nur um die Erlöse aus dem Verkauf, um die Bilanzen zu verbessern, sondern auch darum, dass „400 Mitarbeiter an den neuen Eigentümer übergeben“, berichtet das Abendblatt. Interessenten gibt es aber noch nicht.

Die Beschäftigten bei Vattenfall sollen für den 7. März Proteste in Berlin angekündigt haben.(siehe hier die Seite der Verdi-Betriebsgruppe Berlin)

Gespannt sein darf man, wie die Gewerkschaften Verdi, IG BCE und die IG Metall weiter reagieren. Aktuell laufen bei Vattenfall Tarifverhandlungen, bei denen es nicht nur um mehr Gehalt geht, sondern auch darum, dass Vattenfall betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2020 ausschließt. Die ersten beiden Verhandlungsrunden sind bislang ergebnislos verlaufen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Meldungen dürfte das keine leichte Aufgabe für die Gewerkschaften werden. Bereits im Dezember 2012 hatte die die Verdi-Betriebsgruppe von Vattenfall in Berlin in einem Flugblatt die Konzernstrategie von Vattenfall kritisiert (PDF): „Mit der Verlagerung der Konzernsteuerung nach Schweden erscheint Vattenfall nach außen und innen immer führungs- und konzeptloser. Die Zentralisierung der Konzernstruktur wirkt kontraproduktiv in Zeiten einer Energiewende mit ausgeprägt dezentralem Charakter.“ Ohne es weiter zu erläutern stellte die Betriebsgruppe fest, dass weitere Probleme drohen: „Ein weiterer teurer Managementfehler, den am Ende wieder die Beschäftigten bezahlen müssen, bahnt sich an.“ (Hier das Flugblatt „Vattenfall auf dem Irrweg“ der Verdi-Betriebsgruppe zum download).

Auch für das Personal bei Vattenfall zeichnet die Betriebsgruppe ein dramatisches Bild: „Auf klarem Kurs bleibt Vattenfall beim Umgang mit den Mitarbeitern. Permanent wird die Belegschaft mit Plänen zum Personalabbau – und in dessen Folge – auch mit betriebsbedingten Kündigungen bedroht. Zeitgleich wird die Ausbildung in Frage gestellt. Für alle wahrnehmbar werden die Unternehmen weiter strukturell zerschlagen. Endzeitstimmung bei den Kolleginnen und Kollegen!“

So offenkundig der Druck der Konzernleitung angesichts der Krise bei Vattenfall ist: Alternativen jenseits von Vattenfall kommen bei den Betriebsräten und deren Gewerkschaften nicht an: In Hamburg und Berlin haben sich starke Bürgerbündnisse auf den Weg gemacht, die heute noch von Vattenfall betriebenen Stromnetze und in Hamburg zusätzlich noch das gesamte Fernwärmenetz samt Kraftwerken und Kunden vollständig zu rekommunalisieren. Während in Berlin derzeit das Volksbegehren läuft, ist in Hamburg klar, dass es am 22. September zum Volksentscheid kommen wird.

Für die Beschäftigten könnte das bedeuten, jenseits einer privatwirtschaftlich organisierten Aktiengesellschaft mit dem Streben nach hohen Gewinnmargen wieder im öffentlichen Bereich tätig zu sein. In einem kommunalen Unternehmen, dass nicht maximalem Profit verpflichtet ist, sondern der Daseinsvorsorge. (Siehe auch: Heinz-J. Bontrup und Ralf-M. Marquardt, Arbeitspapier derBöckler-Stiftung, “Chancen und Risiken der Energiewende” (download als PDF).)

Doch mit dieser Perspektive tun sich die Gewerkschaften schwer, die sonst gern die Energieversorgung als Bereich der Daseinsvorsorge immer wieder als wichtigen Grundpfeiler betonen.

Gewerkschaften, Energiewende und Rekommunalisierung:

Rekommunalisierung – Schweres Thema ausgerechnet für Gewerkschafter

Die Energiewende ist eine Chance für Arbeitsplätze

Chancen und Risiken der Energiewende

 

Vattenfalls Stern auf dem Rückzug – Was hat dich bloß so ruiniert?

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Vattenfall auf dem Rückzug? Das Deutschland-Engagement des schwedischen Stromkonzern steht offenbar in den Sternen. Foto: Dirk Seifert

Der schwedische Stromkonzern Vattenfall ist schwer angeschlagen und könnte sich auch aus seinem Geschäft in Deutschland zurückziehen. Offenbar gibt es immer mehr Stimmen, bis hinein in die schwedische Regierung, die eine solchen Rückzug fordern. Hohe finanzielle Verluste von rund vier Milliarden Euro, sinkende Gewinne in Deutschland und den Niederlanden aufgrund überteuerter Investitionen, geringer Stromnachfrage und sinkender Strompreise machen dem Unternehmen schwer zu schaffen.

Von eigentlich keiner Seite wird bestritten, wie kritisch die Lage bei Vattenfall derzeit ist und dass die Debatte um einen Rückzug ernst zu nehmen ist. Wie heftig die Probleme sind, zeigt sich z.B. daran, dass sich jetzt auch der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft IG-BCE und  Vattenfall Aufsichsrats-Vize Ulrich Freese gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters äußert: „Vattenfall hat in den letzten Jahren in anderen europäischen Ländern enorme Zukäufe getätigt“… „Wenn sich diese Aktivitäten im Nachhinein als nicht profitabel herausstellen sollten und Vattenfall deswegen jetzt zu Verkäufen in Deutschland gezwungen ist, dann kann es dabei nur um einen Gesamtverkauf und nicht um Einzelverkäufe gehen.“ Ein Auseinandernehmen des Unternehmensverbunds von Bergbau, Energie und den Tochterfirmen brächte nur Nachteile mit sich, mahnte Freese.“ Und Reuters schreibt außerdem mit Bezug auf Fresse: „Die Gewerkschaft IG BCE warnte davor, dass eine Zerschlagung des Vattenfall-Konzerns die Energiewende in Deutschland schwächen könnte.“

Eine solche Warnung macht aber nur Sinn, wenn es bei Vattenfall tatsächlich ernst zu nehmende Debatten um einen Rückzug gibt – sonst würde ein Gewerkschafter solche Statements nicht machen! Wenn aber Gewerkschaftsobere derart deutlich werden, muss es bei Vattenfall mehr als nur hoch her gehen. Und: Interessant, das Fresse dann gleich den vollständigen Rückzug ins Spiel bringt und davor warnt, nur einzelne Scheiben aus dem Deutschland-Geschäft abzutrennen.

Dahinter steckt offenbar die Sorge, dass Vattenfall – insbesondere nach dem Scheitern der Pläne für eine unterirdische Lagerung von CO2 – sich aus dem Braunkohle-Geschäft zurück ziehen könnte und damit vor allem Ostdeutschland und die Lausitz verscherbeln würde. Schon im Dezember 2012 hatte es hier erheblichen Wirbel gegeben. (Siehe: Vattenfall Braunkohle – Wirre Kommunikation und Rekordergebnis für die Klimakatastrophe). Vattenfall war von seinem Aktionär, der schwedischen Regierung, wegen seiner hohen CO2-Emissionen und viel zu wenig Investitionen in Erneuerbare Energie schwer kritisiert worden. In Ostdeutschland wurde dies als Ausstieg aus der Braunkohle aufgefasst und Vattenfall versuchte mühselig zu erklären, dass man weiter an der Braunkohle festhalten werden.

Ein Eiertanz, der nicht zu verstehen war. Heutige Pressemeldungen, nach denen Vattenfall bereits seit November den Verkauf eines sächsischen Braunkohle-Kraftwerks-Block sondiert (siehe unten), werden diese Reaktion mehr als verständlich. Offenbar wächst bei der IG BCE, die vor allem in Ostdeutschland/Lausitz im Braunkohlebergbau bei Vattenfall betroffen ist, die Sorge, dass es zum Kahlschlag kommen könnte.

Vattenfall hat inzwischen auch angekündigt, europaweit 2.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. (Siehe auch hier: Vattenfall – Streit mit Beschäftigten nimmt zu!)

Tatsächlich scheinen sich immer mehr Stimmen in Schweden dahin gehend zu äußern, dass es möglicherweise besser wäre, das Vattenfall-Abenteuer in Deutschland zu beenden. „Das sozialdemokratische „Aftonbladet“ nennt ihn (den Konzern Vattenfall) einen „arroganten Umweltschurken““, berichtet das Handelsblatt. Auch den schwedischen Grünen scheint das klimaschädliche Wirken von Vattenfall in Deutschland nicht zu gefallen. Vor allem aber schreibt das Handelsblatt: „Vereinzelt wird auch im Regierungslager für einen Verkauf der deutschen Beteiligungen plädiert. „Es ist hoffnungslos für ein Staatsunternehmen, bei uns den schwedischen Vorgaben für die Klimapolitik zu folgen und in Deutschland denen deutscher Politiker“ seufzte der liberale Wirtschaftspolitiker Carl B. Hamilton im Rundfunk. Sein Wunsch: „Hauptsache, sie können teuer verkaufen.““

Seit Wochen stehen Regierungspolitiker in der schwedischen Presse ebenso unter Druck wie das Vattenfall-Managment selbst: Konkreter Anlass ist der Kauf des niederländischen Stromkonzerns Nuon im Jahr 2009, der sich jetzt auf die Gewinne von Vattenfall deutlich negativ auswirkt. Der Preis gilt als völlig überteuert: “Der Kaufpreis von über zehn Milliarden Euro war von vielen Seiten als zu hoch kritisiert worden. Nach der Übernahme sei Vattenfall deshalb regelmäßig hinter den Gewinnerwartungen zurückgeblieben.” Radio Schweden berichtet: “Die schwedische Regierung hat jegliche Verantwortung beim Vattenfall-Geschäft in den Niederlanden abgewiesen.“ (siehe hier). Allerdings: Damit ist die Sache nicht vom Tisch: Denn der für Nuon gezahlte Preis ist selbst laut Aussage des seit Ende 2009 amtierenden Vattenfallchefs Öystein Löseth, der bei Vertragsabschluss noch für Nuon arbeitete, viel zu hoch gewesen.” (Siehe: “Schweden empört sich über Vattenfalls Größenwahn”) Das wird noch einiges zu klären sein, wer für die enorme Fehlinvestition verantwortlich ist.

Selbst die Kommunikations-Abteilung bei Vattenfall Deutschland bestätigt, dass die Debatte über einen Rückzug von Vattenfall aus Deutschland sehr ernst zu nehmen ist: „Vattenfall-Sprecher Banek meint: „Die Debatte ist absolut relevant, ob wir statt eines internationalen Konzerns wieder ein skandinavischer Regionalversorger sein sollen.““, zitiert das Handelsblatt.

Als Begründung werden nicht nur massive finanzielle Verluste und daraus resultierende Probleme genannt. Auch die völlig unterschiedlichen Anforderungen und Realitäten zwischen Schweden und Deutschland werden betont: In Schweden soll auch über 2020 hinaus der Anteil der Atomenergie rund 50 Prozent betragen und Vattenfall soll mit dem Neubau von Atomkraftwerken seinen Beitrag leisten. In Deutschland ist der Atomausstieg beschlossene Sache und die nach Fukushima abgeschalteten AKWs Brunsbüttel und Krümmel stellen nicht nur einen finanziellen Verlust dar. Die Pannenserien in diesen AKWs und kommunikative Fehler bis hin zu Falschdarstellungen haben Vattenfalls Image in Deutschland weitgehend ruiniert. Meldungen, dass Vattenfall weiter auf Atomkurs ist, versteht in Deutschland niemand mehr.

Umgekehrt ist man in Schweden mehr als nur irritiert, dass Vattenfalls Engagement in Deutschland wegen der enorm hohen Braunkohleverbrennung dazu führt, dass ein schwedisches Unternehmen europaweit zu den schlimmsten Klimasündern gehört. Auch hier räumt der deutsche Vattenfall-Sprecher ein, dass es massive Probleme mit dem Headquarter in Schweden gibt. Das Manager-Magazin zitiert: „Es ist in Schweden kaum zu vermitteln, warum wir in Deutschland auf Braunkohle setzen müssen“, räumt Vattenfalls Kommunikationschef Ivo Banek ein.

Über 80 Prozent des Vattenfall-Strom in Deutschland wird in der besonders klimaschädlichen Braunkohleverbrennung erzeugt. Dabei wird die Braunkohle im Tagebau abgebaut, große Landstriche vor allem in der Lausitz verwüstet und Dörfer abgerissen und Menschen vertrieben, wenn sie dem Abbau im Wege sind. Wiederholt protestierten Betroffene aus der Lausitz in Stockholm. (Siehe: Vattenfall – Ganze Dörfer müssen weg und Radio Schweden – “Vattenfall zaghaft bei grünem Strom” und Vattenfall, Bürgerinteressen und der Klimaschutz – Dorf weg, Braunkohle her!)

Als aktuellen Hinweis, wie tiefgreifend Vattenfalls Probleme und wie ernst die Debatte um einen Rückzug aus dem Deutschland-Geschäft sind, wird in den hiesigen Medien darin gesehen, das Vattenfall den Verkauf des Block R des Braunkohlekraftwerks im sächsischen Lippenstedt sondiert. Der Block hat eine Leistung von 920 MW. Diese Sondierung, so das Manager-Magazin „habe bereits im November mit zwei Investmentbanken“ begonnen.

Immer wieder war in den letzten Jahren darüber spekuliert worden, dass Vattenfall aufgrund seiner enorm hohen CO2-Emisssionen und den Forderungen aus Schweden, diese endlich deutlich zu senken, Kraftwerksbeteiligungen abstoßen würde. Zuletzt musste Vattenfall sogar einräumen, dass die Klimaschutz-Verabredungen mit der Stadt Berlin kaum einzuhalten wären. Nun wird aus Spekulationen möglicherweise Realität.

Allerdings wäre ein solcher Verkauf, wenn er denn angesichts des Stromüberangebots, der sinkenden Strompreise und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien überhaupt gelingt, nur ein kleiner Schritt, der das Problem noch lange nicht löst. Denn gerade erst ist in Boxberg ein neuer Braunkohle-Kraftwerksblock in Betrieb genommen worden und in 2014 soll in Hamburg-Moorburg ein 1.600 MW Steinkohlekraftwerk ans Netz gehen.

Nicht nur die Reduzierung der absurd hohen CO2-Emissionen für Vattenfall Deutschland stellt ein kaum lösbares Problem dar. Hinzu kommt, dass auch massive finanzielle Probleme damit verbunden sind.

Vor allem das im Bau befindliche Steinkohlekraftwerks Moorburg könnte Vattenfall zusätzlich teuer zu stehen kommen: Aufgrund von Bauverzögerungen von über zwei Jahren, hohen Umweltauflagen und weitgehenden Einschränkungen bei der Kühlwasserentnahme aus der Elbe sowie der entgegen ehemaligen Planungen nicht mehr möglichen Fernwärmeauskopplung, haben sich die Herstellungs- und Betriebskosten deutlich verteuert. Ob dieses Kraftwerk jemals wirtschaftlich betrieben werden kann, steht derzeit in den Sternen und vieles spricht dafür, dass dieses Kraftwerk die Bilanzen von Vattenfall zusätzlich schwer belasten wird.

Damit nicht genug: In Berlin und Hamburg droht dem Unternehmen der Verlust der Stromnetze, in Hamburg auch der Verlust des gewinnträchtigen Fernwärmenetzes samt der mit ihm verbundenen Erzeugungsanlagen einschließlich aller Kunden.

In Hamburg wird darüber im September ein Volksentscheid stattfinden, der die Energienetze der Hansestadt wieder zu 100 Prozent in die öffentliche Hand bringen will. Und eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Hamburger Abendblatt kommt im Februar zu dem Ergebnis, das 64 Prozent der HamburgerInnen diese Forderung unterstützen. In Berlin läuft noch bis Juni ein Volksbegehren, um Vattenfall das Stromnetz abzunehmen und kommunale Stadtwerke zu gründen. Selbst in Schweden geht man davon aus, dass Vattenfall keine Chance hat, die Netze als Geschäftsbereich zu retten. Der Sender Radio Schweden stellte jüngst im Grunde beschönigend auf seiner Homepage fest: “Die Energiewende in Deutschland wird den staatlichen schwedischen Energiekonzern Vattenfall vermutlich sein Stromnetz in Berlin kosten.“ (siehe: Berlin: Kein Stromnetz mehr für Vattenfall?!)

Siehe auch: Vattenfall – Kein Partner für Hamburg

Kleiner Kulturtipp zum Schluss: Die Sterne – Was hat dich bloß so ruiniert?

Bester Dokumentarfilm 2012: Antje Huberts „Das Ding am Deich“ ausgezeichnet.

plakat_ddadAm Rande der letzten Berlinale hat der „Verband der deutschen Filmkritik“ den von Antje Hubert gemachten Film „Das Ding am Deich“ über den Widerstand gegen das AKW Brokdorf zum besten Dokumentarfilm 2012 gewählt. Der VDFK ist ein „Interessenverband von überwiegend Filmjournalisten, aber auch Filmwissenschaftlern und Filmhistorikern, die in Presse, Funk und/oder Fernsehen tätig sind“. Die Mitglieder des VDFK entscheiden jährlich über den „Preis der deutschen Filmkritik“, den der Verband in den Sparten Regie, Debütfilm, Darsteller, Darstellerin, Dokumentarfilm, Buch, Bildgestaltung, Kamera und Musik sowie Kurz- und Experimentalfilm vergibt.

Siehe auch: Nicht nur Kino – DAS DING AM DEICH startet – der Widerstand geht weiter

Zum Filmtrailer geht es hier.

Volksentscheid Energienetze Hamburg – Gutachten zerlegt Vorwürfe der CDU

energiewende_retten_sonne-SunEnergyEuropeGmbHDie Volksentscheids-Initiative „Unser Hamburg – Unser Netz“ hat sich jetzt auf Basis eines Gutachtens gegen die Vorwürfe aus den Reihen der CDU und anderer zur Wehr gesetzt, sie würde rechtswidrig Steuermittel für politische Kampagnen einsetzen. Die CDU und andere politischen Vertreter in Hamburg versuchen derzeit den Volksentscheid in Hamburg zu verhindern (Verfassungsklage) und die Träger-Initiativen in Mißkredit zu bringen. Der Grund: Den Unternehmen Vattenfall und E.on droht in Hamburg mit dem Volksentscheid im September 2013 der Verlust der Energienetze für Strom, Fernwärme und Gas. Das hat zuletzt eine repräsentative Umfrage des Hamburger Abendblatts gezeigt.

Jetzt hat die Professorin Dr. Birgit Weitemeyer vom „Lehrstuhl für Steuerrecht“  und  Direktorin des Instituts für Stiftungsrecht und das Recht der Non-Profit-Organisationen von der Bucerius Law School mit einem Gutachten zu Wort gemeldet. Die Rechtsexpertin kommt, so berichtet das Hamburger Abendblatt, zu einem klaren Ergebnis: „Danach ist das auch finanzielle Engagement des BUND in der Netze-Initiative zulässig. „Die von der Rechtsprechung (…) aufgestellten Anforderungen an das zulässige Maß politischen Engagements im Rahmen gemeinnütziger Tätigkeit werden (…) eingehalten“, heißt es darin.“

Auch die Verbraucherzentrale und deren Geschäftsführer Günter Hörmann weisen die Vorwürfe aus der CDU zurück. Auf ihrer Homepage nimmt die VZ-HH ausführlich Stellung, warum sie sich für die Interessen der VerbraucherInnen bei der Rekommunalisierung der Energienetze engagiert.

Das Abendblatt berichtet: „Die Verbraucherzentrale habe 2010 und 2011 insgesamt 9500 Euro an die Initiative gezahlt – bei jährlichen Eigeneinnahmen von rund einer Million Euro. „Es ist kein Cent Steuergeld an die Initiative geflossen“, sagte Hörmann. Im Übrigen wundere er sich, warum jetzt die Initiative auf diesem Wege angegriffen werden, anstatt sachlich über den Rückkauf der Netze zu diskutieren.“

Haltlos waren und sind auch die Vorwürfe gegen die Kirche, die gemeinsam mit der Verbraucherzentrale und dem BUND Hamburg zu den „Vertrauenspersonen“ der Volksentscheids-Initiative gehört. Der Vertreter Theo Christiansen stellte fest, dass „es im Falle der Kirche keines Anerkennungsaktes des Finanzamtes bedürfe, „sodass eine Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt auch nicht aberkannt werden kann“.“

Scheuerl und seine CDU-Fraktion dürften mit ihren Vorwürfen gegen die Initiative nun erst mal einiges zu verdauen haben, denn hinter der Studie von Professorin Dr. Birgit Weitemeyer steht einiges an Know-how. Zu den Sachfragen jedenfalls hat die CDU bis heute wenig zu bieten. Schon deshalb hat sie sich zum Schutz von Vattenfall- und E.on-Interessen auf Argumente aus der Trickkiste verlegt.

Siehe auch hier: Vollständige Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg ist machbar

GIB MIR MEIN NETZ ZURÜCK I + II – Zwei Metropolen für die Energiewende

Berlin-Banner130x130gneu_Logo_Unser-Netz_CMYK-DruckDie zwei größten Metropolen in Deutschland wollen die Energiewende. In Berlin und Hamburg streiten zwei breite Bürgerbündnisse dafür, die Energienetze zu rekommunalisieren und den alten Stromkonzernen die Rote Karte zu zeigen. Darüber berichtet das neue ROBIN WOOD Magazin. Das neue Heft steht online unter diesem Link. Das Magazin kann als Printausgabe hier bestellt werden.

Die beiden Artikel zu Hamburg und Berlin gibt es unter diesem Link als PDF.

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