Uran-Fabrik USA – Honeywell Metropolis: Arbeitskampf, Ausperrung und Gesundheitsschutz

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Ausgesperrt: Beschäftigte der Uranfabrik von Honeywell in Metropolis, USA. Foto: USW

Uran-Geschäfte der anderen Art: In den USA kämpfen die Beschäftigen einer Anlage zur Herstellung von Uranhexafluorid (UF6) – einem Zwischenprodukt auf dem Weg zur Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke – seit Jahren für bessere Tarifbedingungen und besseren Gesundheitsschutz. Wieder einmal hat die zum Honeywell-Konzern gehörende Geschäftsleitung im Werk in Metropolis, Süd-Illionois, die Belegschaft ausgesperrt. Darüber berichten US-Medien und The Militant.

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Herstellung von Uranhexafluorid: Honeywill, Metropolis, USA. Foto: Ncollida1106

Seit Jahren gibt es bei Honeywell Metropolis Probleme: Insgesamt 14 Monate dauerten in den Jahren 2010/11 die Auseinandersetzungen zwischen den rund 350 Beschäftigten mit der Konzernleitung um die Tarifverträge. Mit Hilfe von angelernten Streikbrechern sorgte die Konzernleitung dafür, dass zumindest ein Teil der Uranproduktion fortgesetzt werden konnte. Die zuständige Gewerkschaft, die United Steel Workers (USW), Local 7-669 warf der Konzernleitung wiederholt vor, damit die Sicherheitsstandards zu gefährden und schwere Unfälle in Kauf zu nehmen.

Im September und Dezember 2010 kam es während der Aussperrung zu Explosionen im Werk. The Militant berichtet: „In September 2010, a hydrogen explosion rocked the plant after the company started up production with replacement workers during the lockout. A second release of hydrogen fluoride used in uranium enrichment took place on Dec. 22 that year. “

Zu einer Schließung des Werks kam es nach der Katastrophe von Fukushima. Die US-Regierung hatte Nachrüstungen angeordnet, z.B. weil es Risiken bei der Erdbeben- und Tornado-Auslegung der Anlage gab. (Honeywell Metropolis makes earthquake modifications) Zwischen 2012 und 2013 ging die Anlage für neun Monate offline, mit der Folge, dass ein Teil der Beschäftigten in dieser Zeit kein Gehalt bekamen.

Auf der Homepage der lokalen Stahl-Gewerkschaft wird in einer Übersicht dargelegt, worum es bei den Auseinandersetzungen geht: „What We Are Fighting For!“ Die lange Liste, in der es auch um Fragen des Gesundheitsschutzes im Zusammenhang mit der Radioaktivität und Krebserkrankungen geht, zeigt, wie massiv der Konflikt ist.

Sinngemäß heißt es dort u.a.: „Unsere Mitglieder arbeiten mit einigen der gefährlichsten Chemikalien auf dem Planeten und Krebs verursachenden Uran und sollte ein angemessenes Gesundheitswesen erwarten. Unser Vorschlag zielt darauf ab, einen Kompromiss mit dem Unternehmen in über ein „Sub-Standard-Gesundsheitsprogramm“ zu erreichen, aber das Unternehmen hat sich geweigert, ernsthafte Verhandlungen darüber zu führen. “ Auf die Forderung nach verbessertem Gesundheitsschutz reagiert der Konzern mit dem Vorschlag, die Gehälter zu senken, um die Kosten nicht übernehmen zu müssen. 

Unfälle bei der UF6-Herstellung jedenfalls kommen vor. Auf dieser Seite von Energy-Net.org ist zu lesen, dass es im Dezember 2003 zu einem Feuer in der Anlage kam, bei dem efl Arbeiter „kontaminiert“ wurden : „There was a December 2003 fire at the 1,100 acre facility that required public evacuation of the nearby area. Eleven workers were contaminated by a UF6 leak.“

Anlagen zur Herstellung von Uranhexafluorid

Informationen über die Anlagen zur Herstellung von Uranhexafluorid gibt es vergleichsweise wenig. Vielleicht auch, weil es weltweit nur wenige gibt. Diese befinden sich in Kanada, Großbritannien, Russland, Frankreich, China (im Aufbau) und eine kleine Anlage in Brasilien. Außerdem die Anlage in Metropolis, USA. Converdyn ist der offizielle Name der dortigen Fabrik, die zu jeweils 50 Prozent den Konzernen Honeywell und General Atomic gehört. Etwa 15.000 Tonnen Uran als UF6 hat die Anlage bei einer Auslastung von rund 70 Prozent laut Angaben der World-Nuclear.org jeweils pro Jahr in den letzen Jahren hergestellt.

Ausgangsprodukt für die Herstellung von Uranhexafluorid ist das aus den Uranminen stammende Konzentrat, so genanntes Yellow Cake. Der Uranbergbau gilt als besonders umwelt- und gesundheitsschädigend.

Wikipedia schreibt über das Uranhexafluorid: „Es ist ein farbloser, kristalliner Feststoff, der leicht flüchtig, radioaktiv und äußerst giftig ist. Es ist eine sehr aggressive Substanz, die nahezu jeden Stoff und auch jedes biologische Gewebe angreift. Uranhexafluorid ist beständig in trockener Luft, reagiert jedoch sehr heftig mit Wasser. In den meisten Fällen wird es aus Uran(IV)-fluorid (UF4) durch Umsetzung mit elementarem Fluor (F2) gewonnen. Bei Normaldruck und einer Temperatur von 56,5 °C geht Uranhexafluorid durch Sublimation direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über.“ Kontakt mit dem Gas kann unter bestimmten Wetterbedingungen nach einem Unfall noch im mehreren hundert Meter tödliche Folgen haben.

Atomtransporte: Uran von Honeywell für Anreicherung in Gronau!

Die Anlage in den USA ist auch im großen Stil Lieferant für den deutschen Uranmarkt. In einer aktuellen Schriftlichen Kleinen Anfrage (Drucksache 18/01726, PDF) des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel vom Juni 2014 taucht Honeywell bei den Einfuhren von Natururan in Form von Uranhexafluorid zwischen 2007 und 2012 mit großen Liefermengen auf (Siehe dazu Bild mit Tabelle gleich unten). Erkennbar ist auch, dass die Mengen sich zwischen 2010 und 2012 auf jeweils rund 197.000 kg Uran gegenüber den Vorjahren reduzierten und in 2013 überhaupt keine Einfuhr erfolgte.

Ob dies mit den Arbeitskämpfen und den sicherheitstechnischen Nachrüstungen in Verbindung steht, muss offen gelassen werden. Denkbar wäre auch, dass sich die Importe aus anderen Gründen verschoben haben (z.B. Kosten).

Der größte Anteil der Einfuhren steht im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau bei Münster. Hier wird das UF6 benötigt, um den Anteil des spaltbaren Uran 235 auf das für den Betrieb in Atomkraftwerken erforderliche Niveau von rund o,7 Prozent (Natururan) auf 3 – 5 Prozent zu erhöhen. Die Anlage in Gronau ist ebenso wie die Brennelemente-Fabrik in Lingen vom Atomausstieg ausgeschlossen und verfügt über eine unbefristete Dauergenehmigung. In Gronau ist die Gewerkschaft IG BCE zuständig. Ob die sich in irgendeiner Weise mit den Arbeitskämpfen bei Honeywell in Metropolis befasst hat, ist mir derzeit unbekannt.

Ohne Atomtransporte wäre der internationale Uranhandel natürlich nicht denkbar. Viele dieser Transporte gehen durch den Hamburger Hafen, wo AtomkraftgegnerInnen derzeit aktiv sind.

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Energiewende und Ökostrom-Umlage: „Gewerkschaften klammern sich an Milliarden-Rabatte“

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Industrie will lieber Nix für die Energiewende zahlen. Foto: Dirk Seifert

Ende Oktober hatten einige Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände gemeinsam Forderungen an die laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU in Sachen Energiewende formuliert (Siehe hier). Dabei geht es unter anderem auch um den Beitrag der Industrie an der Ökostrom-Umlage. Während aus der EU und inzwischen auch von Umweltminister Altmaier (CDU) Forderungen kommen, diese Vergünstigungen für die Industrie einzustellen oder mindestens stark zu begrenzen, stellen sich Gewerkschafter gegen die Kürzungen. Der Spiegel schreibt: „Vor allem ein Zankapfel der Koalitionsgespräche bereitet den Gewerkschaftsvertretern Sorge: das Gezerre um milliardenschwere Stromrabatte. Denn je länger die Koalitionäre am Konferenztisch sitzen, desto wahrscheinlicher wird es, dass in Zukunft auch die Unternehmen stärker für den Ausbau von Wind-, Wasser- und Solarkraft zur Kasse gebeten werden.“

Immer mehr Unternehmen sind in den letzten Jahren von der schwarz-gelben Bundesregierung von der Beteiligung an der Ökostrom-Umlage befreit worden. Mit der Folge: Die privaten Stromkunden und das Gewerbe mussten deren Anteil an der Umlage übernehmen und tragen damit auch zu den Strompreissteigerungen bei. Zunächst waren diese Ausnahmen für besonders energieintensive Unternehmen gedacht, die im internationalen Konkurrenzkampf standen.

Das Gejammer der Industrie um die Strompreise nimmt derzeit immer mehr zu und es wird mit Entlassungen und Abwanderung gedroht. In breiter Front wird an nahezu allen Stellen die Energiewende zusammen geschossen: Nachdem die schwarz-gelbe Bundesregierung bereits beim Ausbau der Solarenergie auf die Bremse getreten ist, soll nun der Ausbau der Windenergie an Land weiter reguliert werden. Obwohl wesentlich teurer als der Ausbau der Windenergie an Land, soll aber der OFF-Shore-Wind weiter unterstützt werden. Hier sind vor allem die altbekannten Groß-Konzerne am Start. Gleichzeitig wird heftig debattiert, wie man Kohlekraftwerke finanziell besser stellen kann.

Klar, dass die Unternehmen sich in Sachen Umlage-Befreiungen jetzt mächtig ins Zeug legen. Und ebenso klar: Dann ist die IG BCE nicht weit. „Ich wünsche mir von der Koalition einen neuen Realismus mit Blick auf die Energiewende“, kritisiert Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE). Die Umstellung auf erneuerbare Energien sei richtig, aber „irrsinnig teuer“ geworden, sagte er SPIEGEL ONLINE. Die Politik lasse außer Acht, dass der Strom für Firmen und Gewerbe trotzdem bezahlbar bleiben müsse“.

Es ist nicht sonderlich verwunderlich, dass die IG BCE sich für eine Bremse bei der Energiewende einsetzt. Sie organisiert vor allem die KollegInnen im Braunkohle-Tagebau und den Kraftwerken vor allem von Vattenfall und RWE. Je schneller die dezentrale Energiewende mit Wind und Sonne voran kommt, desto mehr kommen die Klimakiller-Kraftwerke in die roten Zahlen.

Der Druck auf die Ausnahmeregelungen bei der Umlage kommt vor allem aus der EU. Denkbar wäre, dass diese Ausnahmen nicht gänzlich abgeschafft, aber deutlich begrenzt werden. Laut Spiegel hätte das vor allem für die Bereiche der IG BCE folgen: „Von Braunkohlebergbau bis Zementindustrie sind fast nur Wirtschaftszweige betroffen, die die drittgrößte Gewerkschaft IG BCE betreffen. Rund 600 Millionen Euro mehr wären jedes Jahr fällig. „Wenn die Unternehmen die volle Umlage zahlen müssten, würde das für viele das Aus bedeuten“, warnt Vassiliadis.“

Für die Industriebereiche, die die IG Metall organisiert, wäre eine solche Begrenzung nur ein geringes Problem, wie der Spiegel weiter berichtet: „Doch auch die einzelnen Gewerkschaften ziehen nicht an einem Strang, sondern verfolgen unterschiedliche Interessen. So kämpft IG-Metall-Vorstand Angelika Thomas dafür, dass die stark exportorientierten Stahl- und Aluminiumproduzenten weiter von den lukrativen Vorteilen profitieren. „Die Ausnahmen müssen auf stromintensive Betriebe, die im internationalen Wettbewerb stehen, begrenzt bleiben“, fordert sie. Wenn Altmaier und Kraft dafür in Brüssel die Ausnahmen manch anderer Industriezweige opfern, könnte die IG Metall wohl gut damit leben.“

Statt Energiewende: Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände fordern Sicherung alter Strukturen

RWE funkt Mayday – Noch mehr Arbeitsplätze sollen weg

Darf ein Volksentscheid zwei Milliarden kosten und wie ist es mit der Finanzierung der Kampagnen. Meyer-Wellmann stellt viele Fragen zum Volksentscheid. Foto Dirk Seifert
Krise bei RWE – Geld fehlt immer mehr. Foto Dirk Seifert

Nach Vattenfall funkt nun auch der Atom- und Kohlekonzern RWE Mayday. Eine über Jahre verfehlte Energiepolitik und Schulden von rund 35 Milliarden Euro haben den Konzern in eine schwere Krise gestürzt. Im Handelsblatt wird RWE-Chef Terium mit folgenden Worten zitiert: „Die Erträge reichen nicht, um unsere Schulden zu bedienen. Um es klar zu sagen: eine gefährliche Situation“, warnte Terium.“ Terium spricht sogar davon, dass RWE die Krise nur überstehen könnte, wenn sich ein Partner findet, der sich am Unternehmen beteiligt. (Siehe auch hier Spiegel online)

RWE soll nun geschrumpft werden. Einerseits durch den Verkauf von Beteiligungen wie der DEA, andererseits aber auch durch einen weiteren massiven Personalabbau. Schon vor einiger Zeit hatte der Konzern angekündigt, insgesamt 500 Millionen Euro bei den Personalkosten zu sparen. Diese Einsparsumme wird nun offenbar noch einmal deutlich erhöht. Konkrete Zahlen wurden aber seitens des RWE-Vorstands bislang nicht genannt.

Siehe auch: Atom- und Braunkohlekonzern RWE: Nochmals 3.000 Arbeitsplätze werden abgebaut

Gegenüber der Presse erklärt RWE die gefallenen Strompreise und die Energiewende als Gründe für die schlechte Lage. Die Auslastung der konventionellen Kraftwerke sei durch die Erneuerbaren Energien nicht mehr ausreichend, um diese wirtschaftlich zu betreiben.  30-40 Prozent der Kraftwerke seien betroffen, deshalb wolle RWE rund 3100 MW abschalten. Sinnigerweise droht RWE dann auch gleich damit, dass es zu Stromausfällen kommen könne, wenn der Konzern seine Drohung wahr macht.

Die Energiewende ist allerdings nur ein Grund, warum die Konzerne wie RWE, E.on und Vattenfall so schwer in die Krise geraten. Die Konzerne plagt eine extrem hohe Schuldenlast, die mit der Energiewende gar nichts zu tun hat. Seit der Liberalisierung der Strommärkte Anfang 2000 haben die Unternehmen auf Teufel komm raus in Europa investiert und zahlreiche Unternehmen aufgekauft. So wollten sie zu Globalplayern werden. Doch Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch Fehlspekulationen, haben dazu geführt, dass aus den erhofften Gewinnen schwere Verluste wurden. Hier liegen die eigentlichen Gründe für die extrem hohe Schuldenlast. Ähnlich hoch wie RWE sollen die Schulden bei E.on sein, bei Vattenfall sollen sie um die 20 Mrd. Euro liegen.

Nicht nur Vattenfall kann ein Lied von diesen Fehlinvestitionen singen: Bei der Übernahme des niederländischen Stromkonzerns Nuon hat Vattenfall einen viel zu hohen Preis bezahlt und musste Verlustabschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen. Siehe auch: Vattenfall finanziell angeschlagen – Vier Milliarden Euro in den Sand gesetzt.

Angesichts der Horrormeldungen aus den alten Stromkonzernen, die zu einem guten Teil selbst gemacht sind und jetzt dazu führen, dass die Krisenbewältigung in hohem Maße auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird, ist die gemeinsame Erklärung von IG Metall, IG BCE sowie dem Bundesverband der Deutschen Industrie und dem Arbeitgeberverband BDA von letzter Woche schon bemerkenswert. Ohne auch nur mit einem Wort auf die grundsätzlichen Krisenursachen und den personellen Kahlschlag einzugehen, schließen sich die beiden Gewerkschaften den Forderungen der Kapitalverbände an. Siehe dazu: Statt Energiewende: Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände fordern Sicherung alter Strukturen

Vattenfall Deutschland zerfällt: Verkauf der Braunkohle-Sparte bis Ende 2014

Der Countdown zum Vattenfall-Ausstieg aus der Braunkohle hat begonnen. Verkauft Vattenfall bis spätestens Herbst 2014? Foto: Dirk Seifert
Der Countdown zum Vattenfall-Ausstieg aus der Braunkohle hat begonnen. Verkauft Vattenfall bis spätestens Herbst 2014? Foto: Dirk Seifert

Das Ende von Vattenfall in Deutschland ist eingeläutet. In den nächsten Tagen wird sich der für die Vattenfall-Braunkohle in der Lausitz zuständige Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) mit dem Management treffen, um über die weiteren Schritte zu beraten. Für die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ist offenbar klar, dass ein Verkauf der Lausitzer Tagebaue und Kraftwerke durch den Energiekonzern Vattenfall bis Herbst 2014 auf dem Plan steht. Dann wird in Schweden gewählt und bis dahin will Vattenfall das Braunkohle-Geschäft abgewickelt haben.

Die Märkische-Oder-Zeitung berichtet: „Er „glaube zu erkennen“, dass sich Vattenfall von der Braunkohle-Energieerzeugung trennen werde, sagt der stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Ulrich Freese, der im Aufsichtsrat der deutschen Vattenfall GmbH sitzt und zudem bei den für die Tagebaue und Kraftwerke zuständigen Töchtern stellvertretender Aufsichtsratschef ist. Der Staatskonzern werde wohl noch vor der schwedischen Parlamentswahl im September 2014 Fakten schaffen.“

Gerüchten zufolge, soll Vattenfall bereits vor einigen Wochen Richtung rot-roter Landesregierung in Brandenburg sein Interesse an einem Verkauf der Braunkohle-Sparte signalisiert haben.

Die MOZ schreibt weiter: „Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) liegen noch keine Informationen über die Pläne vor. Auf seine Einladung hin werde es deshalb „sobald als möglich ein Gespräch mit der Geschäftsführung geben“. Dies habe Vattenfall am Mittwoch zugesagt. Dass nicht nur Vattenfall, sondern auch die anderen Energiekonzerne über Umstrukturierungen nachdächten, zeige, dass es dringend „einer Koordinierung der Energiewende durch die Bundesregierung“ bedürfe, sagte er.“

Vor zwei Tagen hatte Vattenfall eingeräumt, dass der Konzern finanziell schwer angeschlagen ist und ein umfassendes Sanierungskonzept vorgestellt. Nach milliardenschweren Verlusten soll zum Jahreswechsel das schwedische Kerngeschäft und die Geschäfte in Deutschland, Niederlande und England komplett getrennt werden. Damit wird der Ausstieg aus dem Deutschland-Geschäft vorbereitet. Siehe dazu ausführlich: Handelsblatt: Vattenfall sucht Investoren für Komplettübernahme des Deutschland-Geschäfts und: Vattenfall-Krise: Konzern wird gespalten – Vorbereitung, dass Vattenfall Tschüss sagt?!

Dieser Ausstieg wird – so muss man bei den bisherigen Äußerungen aus unterschiedlichen Vattenfall-Quellen wohl vermuten – schrittweise erfolgen und schließt Kooperationen nicht aus. Im „Brennstoffspiegel“ heißt es unter der Überschrift „Ganze Regionen stehen auf dem Prüfstand“ weiter: „Vattenfall wolle sich daher in Zukunft auf die Suche nach Partnern auf dem europäischen Festland machen, erklärte Løseth. „Das können finanzielle Partner oder strategische Partner sein und es kann einzelne Einheiten, Cluster oder die ganze Region betreffen.“ Mit der Teilung besitze das Unternehmen die notwendige Flexibilität um diese Schritte umzusetzen. Zu möglichen Partnern wollte sich Løseth auf Nachfrage von Dow Jones nicht äußern. Es müssten aber alle Möglichkeiten ausgelotet werden. „Jedes Kraftwerk hat einen Preis. Das erklärt den Standpunkt, den wir vertreten“, sagte der Vorstandschef während einer Telefonkonferenz.“

 

Ohne Perspektive? Schlechte Stimmung bei Vattenfall-Beschäftigten

Wie geht es im abgeschalteten AKW Krümmel weiter. Die MitarbeiterInnen sind verunsichert. Foto: Dirk Seifert
Wie geht es im abgeschalteten AKW Krümmel weiter. Die MitarbeiterInnen sind verunsichert. Foto: Dirk Seifert

Die Stimmung unter den Vattenfall-MitarbeiterInnen im AKW Krümmel ist im Keller – so richtig! Noch immer ist unklar, was mit dem Reaktor in Zukunft passieren soll. Vattenfall hat bis heute nicht erklärt, ob der Rückbau angestrebt oder ob es zu einem dauerhaften Einschluss der Anlage kommen wird. Nicht nur die Öffentlichkeit, auch die MitarbeiterInnen tappen im Dunkeln und wissen nicht, wie es weiter geht. Ende Mai hatte Vattenfall-Geschäftsführer Wasmuth weiter für Verunsicherung gesorgt, indem er in der Bergedorfer Zeitung ausführlich über den dauerhaften Einschluss „spekulierte“. „Ohne Endlager wird Krümmel zur Atom-Ruine“ titelte die Zeitung.

Offiziell gibt es keine Informationen, aber hinter vorgehaltener Hand ist zu erfahren: Inzwischen sollen viele qualifizierte MitarbeiterInnen das Handtuch geschmissen haben. Einige haben sich längst auf andere Stellen beworben und sich neue Jobs bei anderen AKWs gesucht. Ein Teil der Belegschaft ist von Vattenfall in andere Unternehmensbereiche „versetzt“ worden. Für diejenigen, die noch im Atommeiler die Wartung betreiben, wächst die Verunsicherung über die Zukunft ihrer Arbeitsplätze und die Sinnhaftigkeit. Käme es zum dauerhaften Einschluss des Atommeilers würden sie kaum noch eine Perspektive haben, denn nach einigen Umbau-Arbeiten wäre für die meisten der Geesthachter MitarbeiterInnen „Schicht im Schacht“.

In allen Vattenfall-Bereichen – nicht nur im abgeschalteten AKW Krümmel – ist die Unzufriedenheit und Verunsicherung bei den Beschäftigten groß. Immer neue Umstrukturierungen und die bange Frage, wie lange Vattenfall überhaupt noch in Deutschland am Markt sein wird, drücken mächtig auf die Motivation.

Die Lage bei Vattenfall ist extrem: Der Konzern hat sich in den letzen Jahren enorm verspekuliert und mindestens 20 Mrd. an Schulden aufgebaut. Für die Schweden ist vor allem das Braunkohle-Engagement der Deutschland-Abteilung ein Dorn im Auge. Während im Heimatland Schweden Klimaschutz groß geschrieben wird, verhagelt ausgerechnet der Vattenfall-Konzern mit seinem Deutschland-Geschäft die sonst vorbildliche Klimabilanz. In immer kürzeren Intervallen ist von einem totalen Rückzug aus dem deutschen Markt zu hören. Das sorgt für Unsicherheit bei den KollegInnen.

Erst im März war von Vattenfall-Sprecher Ivo Banek sehr deutlich zu hören: „Die Debatte ist absolut relevant, ob wir statt eines internationalen Konzerns wieder ein skandinavischer Regionalversorger sein sollen.“, berichtete u.a. das Handelsblatt. Siehe hier: “Vattenfall – bald Tschüss und weg?” und hier: Vattenfalls Stern auf dem Rückzug – Was hat dich bloß so ruiniert?

Als Vattenfall vor wenigen Monaten bekannt gab, ein erstes Braunkohlekraftwerk zu verkaufen, reagierte die gesamte Lausitz mit Panik: Für viele war das ein erster sichtbarer Schritt, dass Vattenfall möglicherweise kurz vor dem Koffer-Packen ist. Siehe dazu: Keine “Mördergrube”: Vattenfall irritiert die gesamte Lausitz

Das Ergebnis spüren die KollegInnen in Form von enormem Arbeitsdruck und Personaleinsparungen im gesamten Konzern. Allein in Deutschland sollen mindestens 1.500 Arbeitsplätze verschwinden. Das hat Vattenfall im Mai verkündet – mitten in den Tarifverhandlungen mit der IG Metall, der IG BCE und Verdi. Doch erstaunlich ist: An die Öffentlichkeit dringt über die Stimmungslage bei den Beschäftigten nichts, auch die GewerkschafterInnen schweigen dazu.

Wie wenig die MitarbeiterInnen mit dem schwedischen Eigentümer – der Englisch zur Unternehmenssprache erklärt hat – seit der Übernahme Anfang der 2000er Jahre klar kommen bzw. sich mit Vattenfall identifizieren, merkt man in Gesprächen sehr schnell. Noch heute fühlen sich die meisten KollegInnen in und um Hamburg als HEWler.

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