Gab es ihn wirklich – den Bau an Hitlers Atombombe? Copyright: ZDF/Lukas Kronsteiner
Das ZDF hat sich auf die „Suche nach Hitlers „Atombombe““ begeben und in Verbindung mit einer recht umfangreichen Recherche eine Dokumentation gesendet. Als wissenschaftlicher Berater u.a. mit dabei Rainer Karlsch, der mit dem Buch „Hitlers Bombe“ im Jahr 2005 für Aufsehen sorgte, weil er auf bislang wenig beachtete Atomforscher in Nazi-Deutschland abstellte und über Forschungsarbeiten berichtete, die möglicherweise auf eine Art nuklearer Waffe auf dem Prinzip der Hohlladungsexplosion (Implosion) abzielten. In dem ZDF Beitrag wird außerdem über Standorte in Österreich berichtet, wo zahlreiche unterirdische Anlagen existieren, die unter Leitung des SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Hans Kammler entstanden, – Hitlers „Geheimwaffenchef“.
Die ZDF-Doumentation „Die Suche nach Hitlers „Atombombe““ ist hier in der Mediathek verfügbar. Außerdem hat das ZDF eine Pressemappe über die Doku zusammengestellt, die unten im Text weitgehend dokumentiert wird. Der Westen hat ein Interview mit Stefan Brauburger, ZDF Chefredakteur Zeitgeschichte, veröffentlicht. Auch BILD widmet der ZDF-Doku einen längeren Text.
Update: Inzwischen ist die ZDF-Doku „Die Suche nach Hitlers „Atombombe““ auch auf Youtube zu finden (siehe auch unten!).
Für den leitenden Welt-Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte Sven Felix Kellerhoff ist das Thema eher ein Mythos; „Das Dritte Reich hatte weder Uran 235 noch Plutonium 239 in ausreichender Menge. Trotzdem geht die Legende vom deutschen Nuklearprogramm in die nächste Runde. Doch handfeste Indizien gibt es nicht“, schreibt er offenbar auf Basis der Pressemappe VOR der Ausstrahlung der Doku (wenn ich das richtig lese).
umweltFAIRaendern über die Atom(waffen)forschung in Nazi-Deutschland und der jungen Bundesrepublik:
Und über Rainer Karlsch sagt er: „Zuletzt erlitt 2005 der bis dahin durchaus anerkannte Historiker Rainer Karlsch mit seinem Buch „Hitlers Bombe“ einen Totalschaden. Er hatte behauptet, Wissenschaftler um Kurt Diebner und Walther Gerlach hätten im Oktober 1944 auf Rügen und im März 1945 bei Ohrdruf in Thüringen zweimal erfolgreich Kernspaltungsbomben in der Größe späterer taktischer Nuklearwaffen getestet, also wesentlich kleiner als die US-Bomben in Hiroshima und Nagasaki. Das erwies sich als Unsinn. Karlschs Ruf war nachhaltig beschädigt.“
Unsinn ist das, was Kellerhoff hier schreibt. Nicht zuletzt Mark Walker, der seit den 90er Jahren maßgebliche Arbeiten zur Atomforschung in Nazi-Deutschland verfasst hat und in der Dokumentation ebenfalls ausführlich zu Wort kommt, hatte schon vor Jahren die wichtigsten Ergebnisse und Thesen von Karlsch unterstützt. umweltFAIRaendern hat über das Buch von Rainer Karlsch und die anschließende Kontroverse ausführlich berichtet:
Kellerhoff kritisiert weiter: „Denn was der verantwortliche ZDF-Redakteur Stefan Brauburger, ohne Zweifel ein erfahrener Geschichtsjournalist, über den Film berichtet (siehe unten, Anmerk. UFAe), macht skeptisch. Der langjährige Stellvertreter von Guido Knopp räumt auf Nachfrage ein, keinen einzigen Beweis für die Existenz deutscher Atombomben präsentieren zu können.
Nazi-Atomwaffenforscher und Ende der 50er Jahre Gründer der bundesdeutschen Atomfoschungsanlage GKSS in der Nähe von Hamburg: Kurt Diebner
Die Zutaten des Films dürften überwiegend aus Karlschs Buch bekannt sein. Da geht es offenbar einmal mehr um Gerlach und Diebner sowie um den Waffen-SS-General Hans Kammler, der KZ-Häftlinge schuften ließ, um Fabriken für die vermeintlichen „Wunderwaffen“ unter der Erde errichten zu lassen. Und es gibt Experteninterviews, zum Beispiel mit dem US-Forscher Mark Walker, der sich schon 2005 positiv zu Karlschs Buch geäußert hatte.“
Sowohl Karlsch als auch Walker haben immer wieder eingeräumt, dass es „letzte Beweise“ bislang nicht gäbe, dass allerdings Hinweise bzw. Indizien dafür sprechen, dass es eine besondere Waffenforschung gegeben habe, bei der es um eine Mischung aus Kernspaltung und Fusion ging. Ein gänzlich anderes Prinzip in jedem Fall, als die von den USA für Hiroshima und Nagasaki entwickelten Waffen. Von Bedeutung war dabei das Hohlladungsprinzip, wie es auch bei Panzerfäusten eingesetzt werde. Demnach könnten thermo-nukleare Reaktionen durch eine enorm starke Implosion ausgelöst werden. Dazu – so die These – brauche es nur geringe Mengen Spaltmaterial.
Ob diese Technik tatsächlich funktioniert haben könnte, ist eine andere Frage, als die, ob in Nazi-Deutschland an einer solchen Bombe gearbeitet wurde. Darauf verweist auch Walker in der ZDF-Dokumentation.
Vor diesem Hintergrund ist die Kritik von Kellerhoff an der Sache vorbei, wenn er zunächst sagt: „Die USA errichteten in Oak Ridge (US-Bundesstaat Tennessee) und Hanford (US-Bundesstaat Washington) sowie an weiteren Orten gigantische Fabrikkomplexe, die so viel Strom verbrauchten wie eine Millionenstadt. Dennoch stand im Juli 1945 gerade einmal genug spaltbares Material für eine Uran- und zwei Plutoniumbomben zur Verfügung; eine vierte wäre erst um den 24. August 1945 einsatzbereit gewesen.
Weil das ZDF diese Tatsache nicht kleinreden kann, dürfte es in der Dokumentation vermutlich einmal mehr, wie schon bei Karlsch, um eine grundsätzlich andere Art von Nuklearbombe gehen. Ein angeblich „alternatives Kernwaffenkonzept“. Allerdings gibt es auch dafür nicht die Spur eines Beweises, und ob die immer wieder gleichen, dafür angeführten Informationssplitter aus dritter und vierter Hand tatsächlich als zuverlässig gelten dürfen oder nicht viel eher als reine Spekulation, ist eine Frage des Standpunktes.“
Man kann, wie Kellerhoff, die vorliegenden Quellen und Indizien als „Informationssplitter“ diskreditieren, wenn man denn unbedingt will, dass an den Untersuchungen von Karlsch, Walker und jetzt in der ZDF-Doku nicht wirklich was dran ist. Das aber hilft bei der Aufklärung allerdings recht wenig.
Dennoch ist der Hinweis von Kellerhoff bedenkenswert: „Fest steht jedenfalls: Ausnahmslos alle mehr als 2000 seit 1945 gezündeten Kernwaffen beruhten entweder auf dem Plutonium-Implosionsdesign, oft auch verwendet als Zünder für eine Fusionsbombe, oder auf Kanonenrohr-Prinzip mit Uran. Es gibt lediglich Hinweise, dass jedenfalls frühe israelische Bomben auf einer Mischung beider Konstruktionen beruhten, einer Implosionskonstruktion mit U-235 als Spaltstoff.
Aber für eine „alternative“ Konstruktionsweise, für die vielleicht gar kein Uran oder Plutonium, mindestens aber deutlich weniger als in den US-Bomben nötig wäre, gibt es kein einziges Indiz. Dabei wären wohl alle möglichen Diktaturen, bis hin zu Nordkorea und dem Iran im 21. Jahrhundert, in höchstem Maße an solchen Alternativen zur extrem aufwendigen Anreicherung von spaltbarem Uran oder zur Erbrütung von Plutonium 239 in speziellen Kernreaktoren interessiert.“
Vielleicht ein Hinweis, dass die Sache am Ende nicht funktioniert hat? Das aber widerspräche nicht den Hinweisen, dass es eine solche Forschung in Nazi-Deutschland gegeben haben könnte.
Karlsch und Heiko Petermann haben in einem Folgeband zu Hitlers Atombombe die möglichen Arbeiten von Kurt Diebner in Nazi-Deutschland unter der Rubrik „Mini-Nukes“ eingeordnet. (Leider ist die Homepage von Petermann, auf der diverse Texte dazu standen, nicht mehr online verfügbar. Das Buch „Für und Wider Hitlers Bombe“ (Buchbesprechung) aus dem Jahr 2007 setzt sich intensiv mit der gegen das 2005 veröffentlichte „Hitlers Bombe“ auseinander. Zum Thema Mini-Nukes, wie sie z.B. bei der Modernisierung der US-Atomwaffen in den letzten Jahren diskutiert wurden, siehe z.B. hier Spiegel online 2005, Ottfried Nassauer/BITS 2005, Tagesspiegel 2012 und Wikipedia 6.2.).
Erich Bagge während eines Interviews 1985 für die Zeitschrift Fusion. Bagge war bereits im Uran-Verein unter Diebner bei der Atomforschung in Nazi-Deutschland aktiv. Gemeinsam mit Diebner gründete er Ende der 50er Jahre die Atomforschungsanlage GKSS.
Im Zusammenhang mit der Fusion, ausgelöst durch extrem hohen Druck in einer Hohlladungsexplosion, ist auch ein Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1957 interessant, in dem u.a. anderen Kurt Diebner und Erich Bagge mit besonderen Forschungen aus der NS-Zeit erwähnt sind. In dem Artikel zu russischen und us-amerikanischen Forschungen an der Fusionsbombe unter der Überschrift Die Sonne auf Erden heißt es u.a.: „Die Meldungen der deutschen Tageszeitungen vermittelten den Eindruck als habe der Hamburger Physiker Dr. Kurt Diebner das Problem, die Sonne auf Erden scheinen zu lassen, schon weitgehend gelöst. Aber der deutsche Atomforscher, der heute die Durag-Apparatebaufirma leitet, hat sich zunächst ein viel bescheideneres Ziel gesteckt: Er will kurzzeitig hohe Temperaturen erzeugen, wie sie auch im Sterninnern herrschen, also dort, wo sich die wärmespendenden Verschmelzungsprozesse abspielen.
Schon während des letzten Krieges hatte er mit diesen Experimenten begonnen. 1939 hatte er dem Heereswaffenamt vorgeschlagen, die Uranspaltung, die Professor Otto Hahn damals gerade entdeckt hatte, für Kriegszwecke nutzbar zu machen.
Neben seiner Tätigkeit im deutschen „Uranverein“ – wie die Atomforschergruppe während des Krieges hieß – war Diebner als physikalischer Berater des OKH mit Sprengstofffragen beschäftigt gewesen und hatte an der Entwicklung der Panzerfaust Anteil. In ihr war das Prinzip der Hohlladung angewandt worden: In der Sprengladung war ein trichterförmiger Hohlraum ausgespart, so daß sich die Detonationswelle auf einen Punkt konzentrierte. In diesem Punkt wurden Temperaturen von enormer Höhe erreicht. Diebner überlegte: Konnte man diese Hitzegrade nicht zur Verschmelzung von schwerem Wasserstoff benutzen? „Ich kam auf den Trichter“, erinnert sich Diebner, „eine Hohlkugel aus Sprengstoff mit schwerem Wasser zu füllen.“
Aber der gewaltige Knall der Detonation der Kugel von etwa 40 cm Durchmesser brachte nicht das gewünschte Ergebnis. Zusammen mit dem Hamburger Atomforscher Professor, Dr. Erich Bagge möchte Diebner, diese Forschungen jetzt wiederaufnehmen.
„Es gibt da einen Dreh“, meint Professor Bagge, „durch den wir die Temperatur noch erheblich erhöhen können.“ Er hofft durch diesen Kunstgriff, über den er sich nicht näher äußern will, so hohe Hitzegrade bei der Detonation eitler Hohlladung erzielen zu können daß die Verschmelzung von schwerem Wasserstoff in Gang kommt. Die deutschen Babcock-Werke haben sich bereit gefunden, die geplanten Versuche der beiden Hamburger Atomforscher zu unterstützen. Die beiden Physiker nähren sogar die kühne Erwartung, daß man ihr geplantes Wasserstoffbombenbaby dereinst zur Erzeugung von nutzbarer Energie verwenden könne.“ (Siehe auch: Diebner 1962 in der Zeitschrift Kerntechnik: „Fusionsprozess mit Hilfe konvergenter Stoßwellen….“, Kerntechnik Band 4, Heft 3, S. 89ff.)
Dabei muss berücksichtigt werden, dass derartige Forschung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg strikt verboten war. Dass aber diese Variante einer Fusionstechnik durchaus eine ernste Sache war, hatte im Jahr 2000 auch Roland Kollert in einer – natürlich ebenfalls heftig umstrittenen – Studie für die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler dargelegt. (Roland Kollert, Atomtechnik als Instrument westdeutscher Nachkriegs-Außenpolitik, Die militärisch-politische Nutzung „friedlicher“ Kernenergietechnik in der Bundesrepublik Deutschland, PDF, zur Kontroverse sind weitere Texte unten auf dieser Seite zu finden.)
Mit diesen Hinweisen bzw. Quellen – mit denen sich meines Erachtens auch die ZDF-Doku zu wenig beschäftigt, setzt sich der Welt-Autor in seinem Beitrag nicht weiter auseinander.
Kesselhoff kritisiert die ZDF-Doku auch mit Blick auf die dort als neu eingeordneten Quellen und schreibt z.B.: „Im Übrigen ist das Dokument, das im ZDF-Film präsentiert werden soll, auch keineswegs neu. Schon 2005 zitierte der US-Jurist und Historiker Stephen P. Halbrook das Dokument bei einer Tagung in Lugano; sein Vortrag ist auch im Internet veröffentlicht. Kesselrings angebliches Zitat ist sogar schon im Juni 1945 veröffentlicht worden, in der Züricher „Weltwoche„.“
Die ZDF-Dokumentation geht auch intensiv auf die vielen unterirdischen Fabrikanlagen und die Waffenforschung der Nazis ein. Dabei von herausragender Bedeutung ist der eingangs genannte SS-Mann Hans Kammler. Vor allem Anlagen in Österreich werden dabei ausführlich vorgestellt. Darunter die unterirdischen Stollen des Projekts „Bergkristall“. Auf Kammler und diese unterirdischen Anlagen, von denen es natürlich auch viele in Deutschland gab, werde ich bei anderer Gelegenheit noch mal in diesem Blog zurückkommen.
Das ZDF hat zur TV-Dokumentation eine Pressemappe zusammengestellt.
Darin nimmt Stefan Brauburger, Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte unter der Überschrift „Auf der Spur von Hitlers Bombe – 70 Jahre nach Hiroshima“ Stellung:
„Es ist ein weiterer wichtiger Jahrestag zu einem Ereignis, an das man nicht oft genug erinnern kann.
Die Zerstörung der beiden japanischen Großstädte, erst Hiroshima, dann Nagasaki, markiert eine Zeitenwende. Zum ersten Mal führte der Mensch der Welt vor Augen, dass er in der Lage ist, alles Leben auf der Erde auszulöschen. Mehr als 100 000 Menschen starben nach den Abwurf der beiden Bomben sofort. Weitere Hunderttausende erlagen den Folgen der nuklearen Detonationen. In späteren Jahrzehnten erreichte die Zahl der einsatzfähigen nuklearen Sprengköpfe die Dimension des Overkills.
Aber wie fing es an? Nachdem der deutsche Chemiker Otto Hahn 1938 die Kernspaltung entdeckt hatte, entfaltete die nukleare Forschung weltweit eine ungeahnte Dynamik. Im Zweiten Weltkrieg und noch bis Mitte der 1950er Jahre ging es nur um die militärische Nutzung der Kernspaltung. Der Impuls, die US-Bombe zu bauen, rührte aus der Furcht, die Deutschen könnten als erste über die neue Vernichtungswaffe verfügen. Vor den Nazis nach Amerika geflohene Physiker bedrängten den US-Präsidenten, die Atombombe zu bauen. So begann ein unerklärter Wettlauf zwischen den USA und Deutschland.
Nach dem Krieg ging die historische Forschung davon aus, die deutsche Seite habe die Entwicklung der Bombe mitten im Krieg fallengelassen, aus Mangel an Willen, Können oder Material. Hitler-Deutschland sei zu keinem Zeitpunkt in der Lage gewesen, eine Kernwaffe zu konstruieren. Angesichts der verheerenden Atombombeneinsätze gegen Japan, bereute Einstein zutiefst seine Entscheidung, den Brief zum Bau der Bombe an den amerikanischen Präsidenten unterzeichnet zu haben.
Jüngere Forschungen sprechen jedoch dafür, dass von der deutschen Atomforschung durchaus eine reale Gefahr ausging. „Das wichtigste ist meiner Meinung nach die Aussage, dass die Deutschen die deutsche Atombombe doch geschaffen haben“, bewertet der renommierte russische Militärhistoriker Wladimir Sacharow einen Bericht Marschall Schukows an Stalin vom Oktober 1945. Auch der Militärexperte im Deutschen Historischen Institut Moskau, Matthias Uhl, gibt im Interview für die ZDF-Dokumentation „Die Suche nach Hitlers ‚Atombombe‘“ Einblicke in neuere Forschungen. „Aus den russischen Dokumenten geht hervor, dass es darum ging, Raketen mit einem nuklearen Sprengkopf zu kombinieren“, so Uhl.
Die Autoren des Filmes zum deutschen Atomwaffenprojekt begeben sich auf Spurensuche. Sie richten den Blick auf Schauplätze und Akteure, die mit dem Bombenbau in Verbindung gebracht werden, gehen der Frage nach, wie knapp der Wettlauf um die vernichtende Waffe wirklich war. Dokumente, Verhörprotokolle, Zeitzeugnisse sowie Hinweise auf bislang unbekannte Anlagen unter Tage sprechen dafür, dass die Entwicklung ab 1944 immer weiter forciert wurde. Von nuklearen Tests berichten russische, amerikanische und französische Quellen.
Vor allem die „SS hat in den letzten beiden Jahren des Krieges mit aller Macht versucht, die Raketen-Waffenproduktion so weit wie möglich unter ihre Kontrolle zu bringen. Das betraf selbstverständlich auch die Entwicklung nuklearer Waffen“, sagt US-Wissenschaftshistoriker Mark Walker.
Laut jüngerer Dokumentenfunde haben kaum bekannte Gruppen von Technikern an der Waffenentwicklung gearbeitet. Dem SS-General Hans Kammler wuchs nach und nach die Rolle eines „Geheimwaffenchefs“ zu. Von mustergültigen Bombenbauplänen ist auf russischer Seite die Rede, in deutschen und amerikanischen Quellen ist von verschiedenen Wegen zur Gewinnung von Spaltstoffen und zur Entwicklung von Fusionsbomben zu lesen. . Auch eine von der US-Regierung autorisierte Darstellung von Nachforschungen auf deutschem Boden spricht von signifikanten Fortschritten beim Bau von Atombomben zu.
Doch die Suche stößt an Grenzen. Einen gegenständlichen Beweis dafür, dass die Deutschen es tatsächlich vermochten, Spaltstoff hochgradig – bis zur Waffenfähigkeit – anzureichern gibt es weiterhin nicht. Und dass sie am Ende wirklich über eine wie auch immer geartete funktionsfähige Waffe verfügten, ist ebenfalls nicht nachweisbar. Der Film weist jedoch in Richtungen, in die es sich weiter zu forschen lohnt, zu messen, unterirdische Anlagen zu erkunden oder zu warten: auf eine baldige Öffnung noch immer verschlossener Archivbestände.“
ZITATE zum Filmprojekt „Die Suche nach Hitlers ‘Atombombe‘“
Zitat aus dem Bericht des Marschalls Schukow an Stalin vom Oktober 1945 zum Stand des deutschen Atomprojekts:
„Auf Grundlage des von uns gesammelten Materials kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass die Deutschen gute Resultate auf dem Gebiet der theoretischen und praktischen Erforschung und Anwendung der Kernenergie bis hin zum Bau einer Atombombe erreicht haben“.
Zitate aus einer von der US-Regierung autorisierten Bekanntmachung für den 26. August 1945 zu den Ergebnissen aufwändiger Erkundungen im Machtbereich NS-Deutschlands. Verschiedene Spezialeinheiten und Geheimdienste hatten eine aufwändige Suche nach technischen Erfindungen und moderner Waffentechnik betrieben:
„Deutschlands Geheimprojekte während des Krieges reichen von Experimenten mit der Atombombe bis ..“
„Sie machten nicht nur signifikante Fortschritte in der Entwicklung einer Atombombe…“
Ein Bericht des sowjetischen Militärgeheimdienstes GRU vom 23. März 1945 beschreibt den Test einer neuartigen deutschen Bombe in Thüringen und enthält eine detaillierte Konstruktionsbeschreibung der Kernspaltungsbombe, die nach dem Implosionsprinzip funktioniert. Der Bericht wird an Stalin weitergeleitet und dem wissenschaftlichen Leiter des sowjetischen Atomprojekts, Igor Kurtschatow, zur Auswertung übergeben:
Volkskommissariat für Verteidigung der UdSSR
Hauptabteilung der militärischen Aufklärung der Roten Armee
23. März 1945, Moskau
An den Chef des Generalstabes der Roten Armee, Armeegeneral Gen. Antonov
Bericht:
Unsere zuverlässige Quelle in Deutschland meldet:
„In der letzten Zeit haben die Deutschen in Thüringen zwei große Explosionen durchgeführt. Sie fanden in einem Waldgebiet unter strengster Geheimhaltung statt. Vom Zentrum der Explosion wurden Bäume bis zu einer Entfernung von fünfhundert bis sechshundert Metern gefällt. Für die Versuche errichtete Befestigungen und Bauten wurden zerstört. Kriegsgefangene, die sich im Explosionszentrum befanden, kamen um, wobei häufig von ihnen keine Spuren blieben. Andere Kriegsgefangene, die sich in einigem Abstand zur Zentrum der Explosion aufhielten, trugen Verbrennungen an Gesicht und Körper davon, deren Grad von der Entfernung zum Zentrum abhing.
Die Tests wurden in einem entlegenen Gebiet durchgeführt. In den Versuchsobjekten gilt die höchste Geheimhaltungsstufe. Das Ein- und Ausfahren ist nur mit Spezialausweisen erlaubt. SS-Kommandos haben das Gebiet abgeriegelt und verhörten jeden, der sich diesem Gebiet näherte.
Die Bombe enthält vermutlich U235 und hat ein Gewicht von zwei Tonnen. Sie wurde auf einem speziell dafür konstruierten Flachwagen transportiert. Mit ihr zusammen wurden Tanks mit flüssigem Sauerstoff gebracht. Die Bombe wurde permanent von zwanzig SS-Männern mit Hunden bewacht.
Die Bombenexplosion wurde von einer starken Detonationswelle und der Entwicklung hoher Temperaturen begleitet. Außerdem wurde ein starker radioaktiver Effekt beobachtet. Die Bombe stellt eine Kugel mit einem Durchmesser von 130 Zentimetern dar.“
Die Bombe besteht aus:
1. Einer Hochspannungsentladungsröhre, die ihre Energie von speziellen Generatoren bezieht
2. Einer Kugel aus metallischem Uran 235
3. Einem Verzögerer
4. Einem Schutzkasten
5. Dem Sprengstoff
6. Einer Detonationsanlage
7. Einem Stahlmantel
Alle Teile der Bombe werden ineinander montiert.
Der Inititator oder der Zünder der Bombe
Besteht aus einer speziellen Röhre, die schnelle Neutronen erzeugt. Durch spezielle Generatoren wird in der Röhre hohe Spannung geschaffen. Im Ergebnis wirken die schnellen Neutronen auf den aktiven Stoff ein.
Spaltstoff
Aktiver Stoff der Bombe ist Uran 235. Es stellt eine Kugel dar, in die durch eine Öffnung der Initiator eingeführt wird. Die Öffnung wird danach mit einem Pfropfen verschlossen, der aus Uran 235 besteht.
Der Schutzmantel
Die Urankugel wird in ein Gehäuse aus Aluminium eingeschlossen, das mit Cadmium beschichtet ist. Dies bremst die thermischen Neutronen stark ab, die vom Uran 235 freigesetzt werden und eine vorzeitige Detonation verursachen könnten.
Sprengstoff
Hinter der Cadmiumschicht befindet sich Sprengstoff, der aus porösem Trinutrotoluol besteht, das mit flüssigem Sauerstoff durchtränkt ist. Trinutrotoluol besteht aus Blöcken, die eine spezielle Form haben. Die innere Oberfläche der Blöcke hat sphärischen Durchmesser, der mit der äußeren Oberfläche des Cadmiums übereinstimmt. Zu jedem der Blöcke ist ein Detonator mit zwei Elektrozündern verlegt.
Hülle
Das Trinutrotoluol ist mit einer Schutzhülle aus einer leichten Aluminiumlegierung bedeckt. Oben auf der Hülle wird die Sprengvorrichtung befestigt.
Äußere Hülle
Oberhalb der Sprengvorrichtung wird die äußere Hülle aus gepanzertem Stahl montiert.
Haube
Auf die gepanzerte Hülle kann eine Haube aus einer leichten Legierung montiert werden, für die nachfolgende Montage der Bombe auf eine Rakete vom Typ „V“.
Der Zusammenbau der Bombe
Die Kugel, die aus metallischem Uran besteht, wird in einen Schutzbehälter platziert, der aus mit Cadmium beschichtetem Aluminium besteht, so dass die Öffnung in der Kugel mit der Öffnung im Behälter übereinstimmt. Über diese Öffnung wird der Initiator eingeführt und anschließend wird die Öffnung mit einem Pfropfen aus Uran verschlossen. Danach wird die mit Cadmium beschichtete Aluminiumkugel mit einem Pfropfen verschlossen, auf den der letzte Trinutrotoluol-Block gelegt wird. Ferner wird über die das Trinutrotoluol deckende Öffnung flüsiger Sauerstoff gepumpt. Danach ist die Bombe einsatzbereit.
Der Zünder der Bombe
Das Zünden der Bombe wird mit Hilfe einer Hochspannungsentladungsröhre ausgeführt. Sie erzeugt einen Neutronenstrom, der den aktiven Stoff angreift. Im Prozess der Einwirkung des Neutronenstroms auf das Uran, aus dem Element 93 freigesetzt wird, der das Zustandekommen einer Kettenreaktion beschleunigt. Ferner bringt die Sprengvorrichtung den Sprengstoff zur Explosion, worauf ein zum Zentrum gerichteter Schlag passiert, der durch die Explosion der äußeren Schicht des Trinutrotoluols in Mischung mit flüssigem Sauerstoff ausgelöst wird. Dies erlaubt das Uran über die kritische Masse zu bringen. Vor der Zündung wird die Urankugel mit Gamma-Strahlen, der eine Energie von nicht mehr als 6 Mio. Volt besitzen, bestrahlt, was zu einer Steigerung seiner Sprengfähigkeit führen soll.
Fazit:
Ohne Zweifel führen die Deutschen Tests einer Bombe mit großer Zerstörungskraft durch. Im Falle ihres erfolgreichen Tests und der Herstellung solcher Bomben in ausreichender Menge werden sie über eine Waffe verfügen, die in der Lage ist, unsere Offensive zu verlangsamen.“
Leiter der Hauptverwaltung der Militärischen Aufklärung
Generalleutnant Iljitshov
4 Exemplare:
Exemplar Nr. 1 Gen. Stalin
Exemplar Nr. 2 Gen. Molotov
Exemplar Nr. 3 Gen. Antonov
Exemplar Nr. 4 zu den Akten
16 Blätter
Quelle: Schreiben des Chefs der Hauptverwaltung für militärische Aufklärung, Generalleutnant Iwan I. Ilitshov, an den Chef des Generalstabes der Roten Armee, General Antonov, vom 23.3.1945, Verteiler: Stalin, Molotov, Antonov, Archiv des Präsidenten der Russischen Föderation, Fonds 93, Abteilung 81 (45), Liste 37.
Dennoch berichtet der wissenschaftliche Leiter des sowjetischen Atomprojekts, Kurchatow, im März ‘45 an Stalin, er sei wegen der relativ geringen Sprengwirkung des beschriebenen Tests nicht ganz überzeugt, dass die Deutschen eine Atombombe wie auf dem Bauplan zündeten – sondern eher einen Vorläufer, ein Testmodell.“
Außerdem sind in der ZDF-Pressemappe die folgenden Zitate aus den Interviews zum Film enthalten:
„Sehr interessant ist eigentlich der Bericht des Marschalls Schukow an Stalin über das deutsche Atomprojekt…Das wichtigste ist doch meiner Meinung nach die Aussage, dass die Deutschen die deutsche Atombombe doch geschaffen haben.“
Zur Quellenlage:
„Ich kann drei Gruppen von neuen Quellen zu dem Thema nennen, die GRU-Berichte, in zweiter Linie Berichte des NKWD, in dritter Linie Dokumente aus dem Dienstarchiv des Atomministeriums der UDSSR, dort gibt es sowohl Berichte der Aufklärungsdienste als auch Verhörprotokolle der deutschen Atomphysiker.“
Zur Rolle der SS:
„Bekannt ist, dass die überwiegende Mehrheit von den deutschen hochtechnologischen Projekten, die kriegswichtig waren, am Ende des Krieges unter die Kontrolle der SS gelangten, das hatte auch mit dem Attentat des 20. Juli zu tun. Es ging um das Raketenprojekt und selbstverständlich auch das Atomprojekt. Und hier ist die Rolle von SS-General Hans Kammler wichtig. Er war der einzige Akteur in dieser Geschichte, der die Raketentechnik mit der Atomwaffe zusammenbringen konnte.“
Dr. Matthias Uhl, Historiker, Deutsches Historisches Institut Moskau
Zu Schukow-Bericht:
„Der Schukow-Bericht versuchte auf der Grundlage der Informationen, die die Rote Armee in der sowjetischen besetzten Zone Deutschlands sammeln konnte nachzuweisen, welchen Kenntnisstand und vor allem Forschungsstand die deutschen Atomwissenschaftler haben. Auf der Grundlage der gesammelten Informationen kam man schließlich zu dem Schluss, die Deutschen hätten es tatsächlich bis zur Entwicklung einer Atomwaffe geschafft.“
Zur Frage der Kombination von nuklearer Waffe und Rakete:
„Man hatte ganz klar erkannt, dass ein konventioneller Sprengkopf den militärischen Erfordernissen nicht gerecht wird, deshalb versuchte man dafür entweder Chemiewaffen-Köpfe zu entwickeln oder aber man setzte dabei auf neue, nukleare Waffen, sowohl auf die Verunreinigung durch radioaktive Substanzen, aber dachte auch selber dann bereits, bestimmte nukleare Sprengköpfe auf die Spitzen der Raketen zu setzen, das bestätigen zahlreiche sowjetische Geheimdienstberichte.“
Zur Rolle von Hitlers „Geheimwaffenchef“ Hans Kammler:
„Kammler erhält von Hitler und Himmler schrittweise immer mehr Kompetenzen bei der Entwicklung von Geheimwaffen, so dass er schließlich zu einer zentralen Person in diesem Bereich wird“.
„Er war der Mann, der dafür die notwendigen Ressourcen bündelte, um diese Projekte noch zu einem erfolgreichen Abschluss bringen zu können.“
„Kammler verfügte über ein hohes Managertalent und war bereit, ein hohes Risiko einzugehen und für die Erreichung seiner Ziele über Leichen zu gehen“.
„Es ist anzunehmen, dass Kammler in Gusen (bei Linz) versuchte, ein Zentrum für die deutsche Geheimwaffenentwicklung zu schaffen, das zeigen seine Bemühungen, sowohl Raketentechnologie, Atomtechnologie als auch Flugzeugtechnologie in diesem Raum zu konzentrieren und unter seiner Führung dort zusammenzufassen.“
Sergej Lev Davidow, russischer Kernwaffenexperte, begleitete mehrere sowjetische Atomtests
Zum beigefügten deutschen Bomben-Bauplan der GRU-Berichte
„Mich hat sehr beeindruckt, wie kenntnisreich und qualifiziert das Dokument ist. Dies kann nicht von einem normalen Agenten stammen, nur von einer speziell ausgebildeten Person, die entsprechende Kenntnisse besitzt. Da ist alles so genau beschrieben, als würde es vom Erfinder der Bombe selber kommen.“
Dazu Matthias Uhl (zum Bomben-Bauplan)
„Wir wissen ganz genau, es ist eine bewährte, überprüfte Quelle gewesen. Diese Quelle hatte Zugang zu Bereichen der SS, die mit Waffenentwicklung im Atombombenbereich vertraut war.“
Prof. Mark Walker, Wissenschaftshistoriker, Universität Schenectady / New York
Zur Rolle der SS:
„Die SS versuchte in den letzten beiden Jahren des Krieges, die High-Tech-Waffenproduktion mit aller Macht unter ihre Kontrolle zu bringen. Das betraf selbstverständlich auch die Entwicklung nuklearer Waffen. Wissenschaftler versuchten unter der Führung der SS bis zum Kriegsende, solche neuartigen Waffen herzustellen.“
Zu einem weiteren Bombentyp (neben dem Konzept der Uranbombe):
„Es ist nicht ganz klar, was es war. Ein eigener Typ von nuklearen Waffen, an denen Wissenschaftler am Ende des Krieges arbeiteten. Es ging darum, mit höchstem explosivem Druck möglicherweise sogar Fusionsreaktionen hervorzurufen unter Einbeziehung von Kernspaltung.“
„Allerdings muss gesagt werden, dass es sich hier nicht um eine Waffe wie die Hiroshima-Bombe handelte. Diese Gruppe arbeitete eben an anderen Typen.“
„Ich bin jedoch skeptisch, dass das gelang und dass sie es tatsächlich geschafft haben.“
Zur Frage der Realisierung:
„Die Frage ist, ob so etwas unter äußerst schwierigen Bedingungen kurz vor Ende des Krieges von den Deutschen bewerkstelligt werden konnte. Das heißt nicht, dass man es nicht versucht hat. Und ich lege auf diese Unterscheidung Wert. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln dass es Menschen gab, die alles taten, um an das Ziel zu gelangen.“
Dr. Rainer Karlsch, Wirtschafts- und Unternehmenshistoriker, Berlin
Zu Äußerungen Hitlers zur neuen Waffe:
„Als Ion Antonescu Hitler besuchte, standen sowjetische Truppen bereits an der rumänischen Grenze. Der rumänische Diktator wollte am liebsten aus diesem Krieg ausscheiden. Hitler hat alles versucht um ihn an seiner Seite zu halten und hat Antoniscu über neueste Waffenentwicklungen informiert. Er sprach von einer V3 und einer V4, von einer Vernichtungswaffe die im Umkreis von 2-3 km alles zerstören sollte. Wenn wir den Zerstörungsradius berücksichtigen, kann es nur eine nukleare Waffe gewesen sein oder eine große Kohlenstaubbombe mit gewaltiger Explosionskraft, auch an so einer Entwicklung wurde in Deutschland gearbeitet.“
Zu Berichten über Waffentest an die Amerikaner:
„Über den Test einer neuartigen deutschen Waffe in Thüringen ist nicht nur der sowjetischen Generalstab Ende März informiert worden, sondern auch der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte Eisenhower. Er erhielt den Report eines deutschen Offiziers der diesen Test gesehen hat. Eisenhower hat das Gebiet überfliegen lassen. Es ist allerdings nichts festgestellt worden.“
Und schließlich sind der ZDF-Pressemappe zur Dokumentation „Die Suche nach Hitlers „Atombombe““ Reaktionen von Historikern zu den unterirdischen Anlagen in Österreich zu entnehmen, die neue Forschungen in dieser Sache für erforderlich halten:
„Wirbel um ZDF-Recherchen zu NS-Unterwelt in Österreich: Historiker raten zu neuen Forschungen (Gastbeitrag von Rainer Keplinger/ORF, Redaktion „Am Schauplatz“)
Bei Recherchen für die ZDF-Dokumentation „Die Suche nach Hitlers Bombe“ ist der österreichische Filmautor Andreas Sulzer auf bislang unbekannte Bildmaterialien, Dokumente und Zeitzeugenberichte gestoßen. Diese förderten Erstaunliches zutage: Die unterirdischen NS-Anlagen bei St. Georgen an der Gusen (bei Linz) sollen weitaus größere Ausmaße gehabt haben als bisher angenommen. Die schon bisher bekannte Rüstungsfabrik “B8 Bergkristall” war demnach nur ein Teil einer weitaus größeren NS-Anlage. Der Umstand, dass dort womöglich Geheimwaffen produziert wurden, ruft jetzt besorgte Bürger auf den Plan. Auf welchem Grund wurden Siedlungen errichtet, könnten Altlasten unter Tage zur Gefahr werden, besteht die Gefahr einer Kontaminierung des Bodens? So fragen sich viele.
In der internationalen Presse schlug die Nachricht über diese NS-Anlagen 2014 hohe Wellen. Denn schon seit Jahren gibt es Mutmaßungen über nukleare Forschungen der Nazis. Die Behörden in Oberösterreich reagierten auch prompt: Eine 16köpfige Kommission – bestehend aus Historikern, Archäologen, Vertretern des Innenministeriums und des Denkmalamtes – wurde beauftragt, die Fragen nach einem größeren Stollensystem und einer eventuellen Nuklearforschung der Nazis zu klären. Ziel war die „objektive, fachlich fundierte, wissenschaftlich methodische sowie interdisziplinäre Evaluierung durch hochrangige Experten/innen“. Drei Monate (!) nach der Einsetzung, Ende Januar 2015, trat die Kommission mit einer eindeutigen Botschaft an die Öffentlichkeit. Keine einzige Vermutung oder Annahme habe einer wissenschaftlichen Überprüfung standgehalten, hieß es, somit bestehe auch kein Forschungsbedarf.
Erste Kritik an diesem Gutachten kam aus den Reihen des Gusen-Gedenkdienst-Komitees. Man bemängelte, dass keine internationalen Experten hinzugezogen worden seien und auch keine Mitarbeiter des Komitees. Journalisten der ORF-Sendung „Am Schauplatz“ hinterfragten den „Expertenbericht“. Filmemacher Andreas Sulzer stellte der ORF-Redaktion die Ergebnisse seiner Recherchen zur Verfügung: Geheimdienstakten, geoelektrische Untersuchungen des Bodens sowie eine Einschätzung eines UNSCOM-Inspekteurs für ABC-Waffen lassen darauf schließen, dass ein großes Gebiet von St. Georgen/Gusen während des NS-Regimes unterminiert wurde. Sulzer war es auch, der außerhalb des bekannten Stollensystems graben ließ – und tatsächlich stieß man auf zwei Bauwerke. Die Behörden in Österreich wiegelten ab. Bei den ausgegrabenen Betonstrukturen handle es sich lediglich um Überreste eines Lüftungsschachtes und um eine Aufzeigerdeckung eines Schießstandes.
Lieferungen von Substanzen in das Konzentrationslager Gusen, die anhand von „Wagenkontrollbüchern“ (Buchhaltung über Bahn-Lieferungen von und nach Gusen) nachvollzogen werden können, taten die Behörden in ihrem Bericht als irrelevant ab. Zahlreiche Einträge weisen aber auf gelieferte Komponenten hin, die sowohl für eine nuklear- als auch eine raketentechnische Rüstung sprechen. Diese Indizien werden von Nuklear-Experten, Zeitzeugen und Dokumenten gestützt. Die ORF Sendung “Am Schauplatz” hat die unterschiedlichen Positionen zu diesem Thema beleuchtet und u.a. auf Falschbehauptungen hingewiesen, mit dem die Behörden ihren Standpunkt zu untermauern suchten, wonach keine nukleartechnischen Aktivitäten in St. Georgen/Gusen nachzuweisen seien.
Eine überhöhte radioaktive Strahlung der Region im Stollenbereich verunsichert derzeit die Bevölkerung und weckt Befürchtungen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich direkt neben dem Eingang zu „Bergkristall“ ein Brunnen befindet, der mehrere Gemeinden mit Trinkwasser versorgt. Über dem Normalbereich liegende Strahlenwerte würden von Radon-Gas ausgehen und seien natürlichen Ursprungs, versuchen Experten zu beruhigen. Schutzmaßnahmen hat man dennoch getroffen; ein Aufenthalt im Stollen darf nur kurze Zeit erfolgen.
Ein Bergbauspezialist aus Thüringen, dessen Unternehmen 2002 mit Arbeiten an der Sicherung der Anlage befasst war, versteht die Verharmlosung des Problems nicht, er hat andere Erfahrungen gemacht: „Wir haben damals selbstständig Strahlenmessungen durchgeführt und waren erschrocken über die Höhe der Strahlenbelastung – und haben dann zum Schutz unserer Mitarbeiter, mitunter gegen die Meinung der Auftraggeberschaft, wettertechnische Maßnahmen ergriffen, um die Belastung durch Strahlung auszudünnen.”
Die Diskussion um die NS-Stollen wurde und wird in Österreich durchaus kontrovers, emotional und teilweise auch aggressiv geführt. Den Stein ins Rollen und Licht in die Sache zu bringen – dazu haben der ORF mit seiner Sendung sowie die ZDF-Recherchen beigetragen. Nur vorzunehmende wissenschaftlich/historische Untersuchungen werden letztendlich Klarheit schaffen.
„Atomwaffen werden wir in dieser unterirdischen Welt sicher nicht finden, aber es ist möglich, dass wir hier ein Tor aufstoßen, von dem noch niemand weiß, was uns dort erwartet“, sagt der Kriegsfolgenforscher Prof. Stefan Karner. Er und auch renommierte Historiker wie Prof. Wladimir Sacharow, Dr. Matthias Uhl, Prof. Mark Walker und Dr. Rainer Karlsch empfehlen ein wissenschaftliches Projekt mit internationalen Experten, in dem der Gesamtkomplex „Bergkristall“ neu aufgearbeitet wird.“
Kurt Diebner, einer der führenden Köpfe der Atom-Forschung in Nazi-Deutschland. Noch 1956 hatte er offenbar Angst vor dem „Zuchthaus“.
„Bei dem Versuch mit W. Tautorus in Verbindung zu treten, zeigte sich, daß Tautorus gar nicht auffindbar war, und daß es sich um einen ehemaligen kaufmännischen Angestellten handelte, der (nach E.B.) jene Arbeiten nie gesehen hatte. Tautorus wurde (nach E.B.) von Diebner nur als Pseudonym benutzt, da „er fürchtete, wegen dieser Liste (noch 1956!) ins Zuchthaus zu kommen“ (Kommentar überflüssig!).“ (Quelle: Arnold, Heinrich: Zu einem autobiographischen Brief von Robert Döpel an Fritz Straßmann (PDF), 2012, Technische Universität Ilmenau, S 14).
Kurt Diebner und die NS-Kernwaffe
Mitte der 2000er Jahre löste das von Rainer Karlsch verfasste Buch über „Hitlers Bombe“ eine umfassende Diskussion über die Atomforschung in Nazi-Deutschland zwischen 1938 und 1945 aus. Karlsch veröffentlichte nach umfangreichen Studien neue Dokumente und präsentierte Augenzeugenberichte. Waren bislang vor allem die Forschungen und (irreführenden) Darstellungen von Heisenberg, Weizsäcker (Die Zeit: Warum Hitler die Bombe nicht baute) etc. im Mittelpunkt, lenkte Karlsch die Aufmerksamkeit stärker auf die Tätigkeiten von Kurt Diebner.
Diebner war zunächst im Waffenheeresamt „Chefkoordinator“ des Uranvereins, forschte aber auch selbst an konkreten Zielsetzungen zur Atomenergie. Mit dem Begriff „Bombe“ meinte Karlsch nicht eine Atombombe, wie sie die USA 1945 über Hiroshima und Nagasaki zündeten. Zum Bau einer derartigen Atomwaffe waren die deutschen Forscher aufgrund der Kriegsumstände und mangelnder Ressourcen nicht in der Lage. Was Karlsch als Hitlers Bombe bezeichnet, ist eher im Bereich einer taktischen Atomwaffe anzusiedeln. Der Historiker Mark Walker („Die Uranmaschine“) stellte fest: „Es gab keine Atombombe, es war eine Kernwaffe“ (siehe Strahlentelex, 2005, PDF). Genauer müsste man vermutlich von Mini-Nukes sprechen. Siehe dazu hier Otfried Nassauer und hier Spiegel Online.
Im März 1945 sollen im Rahmen dieser Forschungen von Diebner im thüringischen Ohrdruf/Stadtfilm bis zu 700 Menschen ums Leben gekommen sein. In einem Briefwechsel mit dem Kernchemiker Fritz Straßmann berichtet der Atomphysiker Robert Döpel – beide ebenfalls aktiv in der NS-Atomforschung – davon, dass laut Erich Bagge Kurt Diebner das Pseudonym Walter Tautorus nutze, weil dieser noch 1956 das Zuchthaus fürchtete. (Erich Bagge gründete gemeinsam mit Kurt Diebner am 18. April 1956 die Atomforschungsanlage „Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt GmbH“ (GKSS) östlich von Hamburg.)
In dem Beitrag „Spurensuche Hitlers Bombe“ auf diesem Blog war zu den Atom-Experimenten von Diebner zu lesen: „Sie brachten in Ohrdruf eine unterkritische Masse in einer Bombe nach dem Hohlladungsprinzip zur Explosion. Dabei wurde wohl eine Urankugel durch das synchrone Zünden vieler Sprengsätze zur Kritikalität verdichtet. Ströme an Neutronen schossen auf den Spaltstoff. Hier bleibt offen, wie genau die superkritische Anordnung erzielt wurde. Karlsch vergleicht es mit einer taktischen Kernwaffe. Ein nuklearer Ablauf, der neben Hitze und Druck radioaktive Strahlung freisetzt und Konventionelles übertrifft. Dieser Strahleneffekt gleiche dem der Neutronenwaffe. (zitiert nach: Wolfgang G. Schwanitz vom Deutschen Orient-Institut Hamburg in einer Rezension über das Buch von Karlsch.)
Zwei solcher Explosionen sollen am 3. oder 4. und am 12. März 1945 im thüringischen Ohrdruf stattgefunden haben. Zuvor habe es einen ersten Test auf der Halbinsel Bug auf Rügen am 12. Oktober 1944 gegeben. 500 – 700 Tote soll es bei dem Versuch Anfang März gegeben haben, fast alles KZ-Häftlinge.
Unter dem Stichwort/Ortsnamen „Stadtfilm“ heißt es auf Wikipedia: „Bereits im August 1943 richtete die Forschungsgruppe um Kurt Diebner ein Kernforschungslabor in den Kellergewölben der damaligen Mittelschule ein. Dort wurden Experimente zur Urankernspaltung und Brennversuche mit Uran und Deuteriumoxide durchgeführt. Dieses Labor bestand bis Anfang April 1945, als Diebner angesichts der nahenden Alliierten mit seinen Forschungsergebnissen Richtung Bayern flüchtete.“ (Stadtfilm liegt rund 26 km Luftlinie von Ohrdruf entfernt.)
Schwanitz nennt diese Explosions-Versuche einen „technologischen Nebenpfad“ und nennt die Verantwortlichen: „Ihn beschritt unter dem Reichsführer der SS Himmler und Rüstungsminister Speer eine Physiker-Gruppe um Kurt Diebner, Walther Gerlach und SS-General Hans Kammler. Während letzterer die Absicherung stellte, war Diebner seit 1939 ehrgeiziger Leiter des Referats Atomphysik im Heereswaffenamt und Organisator der deutschen Nuklearforschung. In der bisherigen Forschung galt er nur als Randfigur wie auch Gerlach, den Hermann Göring Ende 1943 mit der entsprechenden Forschung beauftragt hatte. Sie brachten in Ohrdruf eine unterkritische Masse in einer Bombe nach dem Hohlladungsprinzip zur Explosion.“
! Definitive Belege, dass es diese Explosionen gegeben hat, sind bis heute nicht erbracht. Karlsch führt dazu Augenzeugenberichte an. Versuche, mit technischen Mitteln über das Ausmessen von Bodenproben einen Nachweis über die Explosionen zu erhalten, sind bislang ohne wirkliches Ergebnis geblieben (siehe dazu ausführlich: „Spurensuche Hitlers Bombe“).
Bereits Anfang der 1990er Jahre wird Kurt Diebner in der Forschung zusehends als Kontrahent des Nobelpreisträgers Heisenberg dargestellt. 1991 macht z.B. Wolfgang Menge den Fernsehfilm „Ende der Unschuld“ und untersucht die Rolle deutscher Wissenschaftler bei der Erfindung der Atombombe. Die Zeit berichtet darüber unter der Überschrift: „Denn sie wußten, was sie tun„.
Dort heißt es: „Kurt Diebner dagegen, Kernphysiker und Regierungsrat im Heereswaffenamt, der bis Mitte 1942 offiziell leitete, was die Wehrmacht als „Atomkackerei“ verspottete, gesteht ohne Wenn und Aber, daß die Bombe gebaut werden sollte und daß alle im Verein – mit einer Ausnahme – Parteigenossen waren. Schon bald nach dem 1. September 1939, dem Überfall auf Polen, hatte er erklärt: „Ich habe vor, eine Uranbombe zu bauen, so schnell es geht.“ Und er wußte auch, die Kettenreaktion „wird die Welt verändern“. Der Zeit-Autor Michael Schwellen erwähnt, dass Menge mit „äußerster Akribie recherchiert“ habe.
Besonders wichtig ist der Hinweis: „Die Dialoge beruhen oft auf wörtlichen Zitaten aus Tagebüchern und Interviews. Professor Erich Dagge, ein von Diebner rekrutierter Assistent Heisenbergs und auch in Farmhall interniert, stand als wissenschaftlichen Berater dem Filmteam zur Verfügung.“
Dabei unterläuft der Zeit ein nicht unwichtiger Tippfehler: Nicht Dagge, sondern Bagge muss es heißen (zu Erich Bagge und Kurt Diebner siehe weiter unten).
Die bisherigen Ausführungen sollen darlegen, dass unter der Regie von Kurt Diebner trotz vieler Widrigkeiten intensiv und zielstrebig an der Entwicklung einer Kern-Waffe für Nazi-Deutschland gearbeitet wurde. Bei den Experimenten zur Entwicklung einer solchen thermo-nuklearen Bombe kamen nach heute vorliegenden Untersuchungen möglicherweise bis zu 700 Menschen ums Leben.
Zahlreichen Forschungsberichten ist zu entnehmen, dass Diebner ein gewisses „persönliches“ Problem hatte. Immer hatte der „Praktiker“ im Schatten des großen Heisenbergs gestanden, obwohl seine Forschungen in Nazi-Deutschland durchaus mit denen von Heisenberg mithalten konnten. Z.B. erzielten seine Experimente mit einer Würfelanordnung von Uran erheblich bessere Ergebnisse auf dem Weg zu einer sich selbst erhaltenden Kettenreaktion für einen Reaktor, als die Versuche von Heisenberg. Aber Diebners Engagement für eine „Nazi-Kernwaffe“ war spätestens nach 1945 nicht sonderlich opportun und es war besser, darüber nicht allzu laut zu sprechen. Darauf verweist Karlsch in Hitlers Bombe (S. 286 ff).
Tautorus und Bagges Hinweis auf Diebners Angst vor dem Zuchthaus
Aber Diebner wollte seine „Verdienste“ offenbar nicht völlig übersehen wissen. 1956 veröffentlichte er unter dem eingangs zitierten Pseudonym „Werner Tautorus“ eine Liste der Geheimarbeiten des Uranvereins. In seinem Buch Hitlers Bombe schreibt Karlsch: „Gewissermaßen flankierend zur Bildung der GKSS, betätigte sich Diebner als Herausgeber der Zeitschriften »Atomkernenergie« und »Kerntechnik«. Außerdem publizierte er unter Verwendung des Namens seines Durag-Geschäftspartners, Werner Tautorus, eine Liste der Geheimarbeiten des Uranvereins sowie weitere Arbeiten zur Geschichte der Kernspaltung.(98)“ (Seite 285, „Werner Tautorus (alias Kurt Diebner), Die deutschen Geheimarbeiten zur Kernenergieverwertung während des Zweiten Weltkrieges 1939-1945, in: Atomenergie, 1956.) (Gemeinsam mit Erich Bagge gehört Diebner zu den Herausgebern und Gründern dieser Zeitschrift. Die Durag ist eine Firma, die Diebner gründete.)
Diese Veröffentlichung von Werner Tautorus spielt bei dem Zitat am Anfang dieses Artikels eine wichtige Rolle. Das Zitat stammt aus einem Brief des Kernphysikers Döpel an den Kernchemiker Straßmann, „als jemanden, „der an der Herausarbeitung der Grundlagen des ganzen Unternehmens ausschlaggebend beteiligt“ war.“ (Arnold Heinrich: Zu einem autobiographischen Brief von Robert Döpel an Fritz Stratmann, PDF auf diesem Server, das Original steht hier als PDF online, 2012, S.1). Döpel hatte eng mit Heisenberg zusammen gearbeitet. Straßmann wiederum hatte mit Otto Hahn und Lise Meitner die Kernspaltung entdeckt (wofür Otto Hahn den Nobelpreis bekam).
Der Schriftverkehr fand zwischen 1979/80 statt. Kurt Diebner war bereits im Juli 1964 gestorben. In der Zeitung „Atomkernenergie“ Bd. 29 hatte Erich Bagge 1977 einen Artikel unter dem Titel „Kernenergie in Deutschland – eine historische Richtigstellung“ veröffentlicht, in dem er die Verdienste Kurt Diebners offenbar posthum herausstellen wollte (Der Artikel liegt mir leider noch nicht vor). Bagge berichtet dort offenbar über die von Diebner vorgenommenen Experimente, die Bagge zufolge erfolgreicher verlaufen wären, als die Forschungen von Heisenberg und Döpel. Döpel jedenfalls schreibt in dem Brief: „Herr Bagge behauptet dort, sein Freund Dr . K. Diebner habe im Jahre 1943 „als Erster die Realisierbarkeit einer [Uran] – Kettenreaktion überzeugend bewiesen.“ Döpel ist offenbar über diese Aussage von Bagge empört, vor allem, weil Bagge ein Experiment von Heisenberg und Döpel aus dem Mai 1942 nicht anführte. Ein Experiment, das laut Döpel erfolgreich gewesen sei und dessen Neutronen-Überschuss „über allem Zweifel lag, und die von allen Mitgliedern des „U-Vereins“ anerkannt wurde“.
Döpel nimmt offenbar Kontakt zu Erich Bagge auf und schreibt in dem Brief an Straßmann weiter: „Auf Anfrage behauptete Herr Bagge, diese Arbeit ebenso wenig zu kennen, wie Herr Diebner und verwies auf eine Liste der Deutschen Uran-Arbeiten während des Krieges von W. Tautorus. Dort fehlte unsere entscheidende Arbeit „LIV“ tatsächlich.“
Wie oben bereits beschrieben, versucht Döpel mit diesem Tautorus erfolglos Kontakt aufzunehmen. Erst dann – so steht zu vermuten – erklärt Bagge, dass es sich bei dem Namen um ein Pseudonym von Kurt Diebner handelt. Wichtig ist die Erklärung von Bagge, warum sich Diebner dazu noch 1956 veranlasst sah. Döpel schreibt, dass Diebner laut Bagge dieses Pseudonym benutzt hätte, „da „er fürchtete, wegen dieser Liste (noch 1956!) ins Zuchthaus zu kommen“ (Kommentar überflüssig!). Wenn „LIV“ in jenem Bericht nicht angeführt wäre, dann habe Diebner und auch er (E.B.) nichts davon gewußt.“ (Seite 14 in dem Bericht von Heinrich Arnold).
In der Folge stellt sich heraus, dass Bagge offenbar nicht so ganz die Wahrheit erzählt hat. Insgesamt zwei Jahre dauert die Korrespondenz mit Bagge offenbar. Am Schluss stellte sich für Döpel heraus, „daß E. Bagge und K. Diebner in ihrer im Mai 1957 plublizierten Broschüre „Von der Uranspaltung bis Calder Hall“ die Leipziger Arbeit von K. und R. Döpel und W. Heisenberg selbst (im positiven Sinne!) an vier Stellen zitiert haben ( S. 27; S. 40; S. 41 oben; S. 42 oben). Auf S. 41 schrieben die Herren Bagge und Diebner 1956/57: „Der in den Wintermonaten 1941/42 (in Wirklichkeit März-Mai 1942) durchgeführte Leipziger Versuch von Döpel ergab zum ersten Mal eine über die Meßfehlergrenze hinausgehende positive on1-Produktion“; aber etwa in der gleichen Zeit ließen sie die „Tautorus“-Liste erscheinen, in der sie LIV nicht mehr kannten!!“
Döpel war über diese Dinge hell empört und spricht abschließend davon, dass er einen „solchen Skandal“ in der „Deutschen Physik“ seit der „Rupp“-Affäre 1930-1935 bis heute nicht erlebt“ habe. (Interessant dürfte sein, ob Döpel mit Erich Bagge schriftlich über diese Vorgänge im Kontakt standen und ob es diese Briefe noch gibt.)
Ich zitiere diese Passage aus dem Briefwechsel von Döpel mit Straßmann in dieser Ausführlichkeit, weil zumindest in dieser Darstellung der Eindruck entsteht, dass Erich Bagge sich gegenüber Diebner einerseits freundschaftlich verbunden, ja selbst nach dessen Tod noch „verpflichtet“ fühlte. Das wiederum ist von Bedeutung, wenn Bagge andererseits gegenüber Döpel auf die Ängste von Diebner verweist, der offenbar noch 1956 fürchtete, dass seine Forschungen im Faschismus zu „Zuchthaus“ hätten führen können. Bagge und Diebner müssen also durchaus enger befreundet gewesen sein, wenn Bagge über diese Dinge wusste. Unklar ist, ob Bagge über die Experimente in Ohrdruf informiert war.
Bagge spricht dabei davon, dass die „Liste“ der geheimen Uranarbeiten der Grund für diese Angst gewesen wäre. Zu vermuten ist, dass es nicht so sehr diese Liste selbst war, die Diebner Sorgen machte – wenn denn der Hinweis von Bagge zutreffend ist. Bereits in dem 2005 veröffentlichten Buch Hitlers Bombe schreibt auch Rainer Karlsch – wie dargelegt – zu dem von Diebner verwendeten Pseudonym Werner Tautorus. Karlsch kannte zu diesem Zeitpunkt die von Arnold 2012 veröffentlichten Briefe von Döpel an Straßmann vermutlich noch nicht.
Aber Karlsch schreibt mit Blick auf eine stattliche Anzahl von Patentanmeldungen, die von Diebner, Bagge, Winterberg(*) und anderen gehäuft ab 1955 angemeldet werden. Einige dieser Patentschriften stehen aus Sicht von Karlsch in Zusammenhang mit den Experimenten in Ohrdruf. (* Winterberg ist offenbar ein Mitarbeiter von Diebner bei der von ihm nach 1945 gegründeten Firma Durag.)
Riskante Patentanmeldungen und Gründe zum Schweigen
„Besonders interessant sind zwei zurückgezogene Patentanmeldungen von Diebner und Winterberg zu »Verfahren zur Zündung thermonuklearer Reaktionen mittels konvergenter Detonationsverdichtungsstöße« und zu einem »Verfahren zur elektromagnetischen Zündung thermonuklearer Kernbrennstoffe«. (102) Im Anspruch der ersten Patentschrift heißt es, das Verfahren eigne sich zur »Zündung von thermonuklearen Kernbrennstoffen«, die geeignet seien für Sprengungen und für »ballistische Ladungen, insbesondere kleine Wasserstoffbomben, sowie für industrielle Zwecke.« (103) Offensichtlich waren Diebner und Winterberg mit diesen Patentanmeldungen zu weit vorgeprescht. Dies muss ihnen bald klar geworden sein, und so zogen sie die Patentschriften zurück. 1961 folgten weitere Patentanmeldungen auf dem Gebiet der Kernfusion, nun aber mit eindeutig zivilem Nutzen. (104)“ (Karlsch, S. 286)
Karlsch stellt fest, dass von diesen „Hintergründen der Kernwaffentests“ in Deutschland und den „Geheimnissen der Konstruktion der Bombe“ nur ein kleiner Personenkreis Kenntnis hatte. Gute Voraussetzungen also auch für die späteren Patentanmeldungen.
Zu diesem Kreis zählt Karlsch „Gerlach, Haxel und Diebner sowie einige ihrer Mitarbeiter. Keiner von ihnen erwähnte später gegenüber Dritten die Tests in Thüringen.“
Weiter heißt es: „Für ihr Schweigen hatten die Wissenschaftler triftige Gründe. Beim Test am 3. März 1945 waren einige hundert Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge ums Leben gekommen. Wer dafür die Verantwortung trug, wissen wir nicht. Kammler ließ jedenfalls die Spuren beseitigen und die Toten verbrennen.
Gerlach und Diebner hatten offensichtlich Angst, dass man sie als Kriegsverbrecher anklagt. Ohrdruf – auch dieser Ortsname symbolisierte die Verbrechen des NS-Regimes.“ (S. 286, zu dem erwähnten Kammler: Hans Kammler war SS-General und für die Experimente in Ohrdruf zuständig, siehe dazu auch die Seiten des Bergbauvereins Ronneburg.)
Die Ausführungen von Karlsch sind an dieser Stelle sicherlich eher spekulativ, Belege für eine „offensichtliche Angst“ führt er selbst in diesem Zusammenhang nicht an. Allerdings könnte man die Hinweise von Bagge, von denen Döpel in dem Schriftverkehr mit Straßmann berichtet und die von Arnold 2012 veröffentlich wurden, als konkreten Hinweis verstehen, dass Karlsch richtig liegt. Die Sorge von Kurt Diebner, dass ihm mit den bis zu 700 getöteten Menschen in Folge seiner Kernwaffen-Experimente in Ohrdruf als Verantwortlicher „Zuchthaus“ drohen könnte, ist zumindest nachvollziehbar.
Kurt Diebner und Erich Bagge, Nazi-Atom-Forscher.
Erich Bagge und Kurt Diebner hatten bereits frühzeitig Kontakt. In dem Artikel „Eine Waffenschmiede? Kernwaffen- und Reaktorforschung am Kaiser Wilhelm Instititut (KWI) für Physik“ (PDF) schreibt Mark Walker (im Jahr 2005): 1939 war das KWI vom Heereswaffenamt (HWA) übernommen worden. Damit verbunden war die Absicht, das KWI „in den Dienst der Rüstungsforschung zu stellen“. Und: „Kurt Diebner, ein Physiker aus der Forschungsabteilung des HWA, wurde zum geschäftsführenden Direktor des KWI für Physik ernannt.“ (Walker, Eine Waffenschmiede?, S. 9)
Diebner wendet sich an „einen jungen Kernphysiker seiner Bekanntschaft“, um Unterstützung bei der Einstellung weiterer wissenschaftlicher Mitarbeiter für das KWI für Physik zu bekommen. Dieser junge Kernphysiker ist Erich Bagge (S. 10). Bagge empfiehlt Diebner Werner Heisenberg als führenden theoretischen Physiker in Deutschland, bei dem Bagge seine Doktorarbeit geschrieben hat. Ein Vorschlag, den Diebner aufgreift. Walker hält fest: …“aber zunächst war Diebner in erster Linie damit beschäftigt, die Kernspaltung für militärische Zwecke zu erschließen und dankbar, daß sich ein Physiker von Heisenbergs Format und Ansehen seinem Projekt angeschlossen hatte. (9)“ (S. 10)
Bagge befasst sich derweil nach Walker am KWI für Physik mit „einer neuen Trennungsmethode von Uran, der „Isotopenschleuse“ und verweist dabei auf eine Veröffentlichung aus 1942: „Erich Bagge, „Über die Möglichkeit einer Anreicherung der leichten Uranisotope mit der Isotopenschleuse“, 16. März 1942, ADM, G-124.“ (S. 13)
Wie auch viele andere Forscher ist sich Diebner frühzeitig (39/40) der Möglichkeiten zur Nutzung der Atomenergie als Sprengstoff bzw. Waffe bewusst. Bereits im März 1939 hatte der französische Physiker Frédéric Joliot-Curie auf diese Möglichkeit hingewiesen. Spätestens im April 1939 ist das auch zahlreichen deutschen Wissenschaftlern bekannt. Die Gründung des „Uranvereins“ läuft an. Ausgehend vom Reichserziehungsministerium (!) wird die Physikalisch Technische Reichsanstalt einbezogen, die eine Expertenkonferenz organisiert. Auch das Oberkommando des Heeres wird aktiv, nachdem es von Paul Harteck (Hamburg) und seinem Assistenten Wilhelm Groth in einem Brief vom 24. April 1939 über die Möglichkeiten der Kernspaltung für die Entwicklung von Sprengstoffen informiert worden war, deren Wirkung die von konventionellen Sprengstoffen um ein Vielfaches übertreffen wird.
Bei Wikipedia ist unter dem Stichwort „Uranprojekt“ (18.05.2014) weiter zu lesen: „Dieser Brief landete letztendlich bei Kurt Diebner, dem Fachmann des Heeres für Sprengstoffe und Kernphysik. Dieser forderte umgehend Mittel beim Heer an, um in Kummersdorf südlich Berlins ein Versuchslabor einrichten zu können. Diebner wurde daraufhin zum Leiter einer neu eingerichteten Kernforschungsabteilung im Heereswaffenamt ernannt. Gleichzeitig befahl die Heeresleitung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, ihre Uranforschungsversuche unverzüglich einzustellen. Fortan galten alle Äußerungen zu Uranreaktoren und Uranwaffen als geheim.[3]„
Auch hier ist von der gemeinsamen Arbeit zwischen Diebner und Erich Bagge zu lesen: „Im September 1939, also gleich nach Kriegsbeginn, wurden Deutschlands führende Kernphysiker nach Berlin in das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik zitiert. Diebner entwarf zusammen mit dem Kernphysiker Erich Bagge am 20. September 1939 ein Programm mit Titel „Vorbereitender Arbeitsplan zur Aufnahme von Versuchen für die Nutzbarmachung der Kernspaltung“, das die Forschungsarbeiten koordinieren sollte.“ (Quelle siehe oben: Uranprojekt bei Wikipedia, Anmerkung zu dem Beitrag bei Wikipedia: Auffällig an dem Text ist, dass die von Karlsch und anderen vorgelegten Forschungsergebnisse sehr pauschal abgetan werden: „Es gibt keine Beweise dafür, dass gegen Kriegsende kleinere Kernwaffentests unternommen wurden, wie gelegentlich behauptet.“)
1957 veröffentlichte der Rowohlt-Verlag ein Buch von Bagge, Diebner, Jay mit dem Titel „Von der Uranspaltung bis Calder Hall“. Auf dieses Buch wurde in den Briefen von Döpel an Straßmann weiter oben hingewiesen. Dort wird „Über die Verfasser“ Erich Bagge und Kurt Diebner berichtet, nachzulesen in diesem Auszug aus dem Buch als PDF.) In dem Buch schreiben Bagge und Diebner „Zur Entwicklung der Kernenergieverwertung in Deutschland“, darunter das Kapitel „Fortschritt und Hemmung im Zeichen des Krieges“. In diesem Aufsatz gibt es auch ein Kapitel 4. „Aus dem Internierungs-Tagebuch“. Darin wird aus dem Tagebuch von Erich Bagge berichtet. In dem Buch wird der Zeitraum von April 1945 bis März 1946 berichtet. Bagge ebenso wie Diebner waren mit acht weiteren am deutschen Atomprogramm beteiligten Wissenschaftlern von den Briten für rund ein Jahr in Farm Hall interniert worden.
Walker schreibt: „Im Februar 1942 erstellte Diebner mit Wissenschaftlerkollegen einen umfangreichen Übersichtsbericht über das Uranprojekt unter dem Titel „Energiegewinnung aus Uran“. (39) Das Bemerkenswerte an diesem Bericht ist seine detaillierte, doch gleichzeitig zurückhaltende Erörterung nuklearer Sprengstoffe.“ (S. 22)
Weiter zitiert er aus diesem Bericht von Diebner und anderen: „Wenn sie – wie man nach den Laboratoriumsversuchen erwarten muß – erfolgreich ist, sind der Weiterentwicklung drei Aufgaben gestellt:
1. Die Ausgestaltung der Maschine zu einem technisch brauchbaren Apparat. 2. Die technische, zumal wehrtechnische Verwendung der Maschine [Schiffsantrieb; U-Bootsmaschine; Flugzeuge und Landfahrzeuge; feststehende Energiequelle; Quelle durchdringender Strahlung und radioaktiver Substanzen für die physikalischen und medizinisch-biologischen Gebiete]. 3. Die Herstellung eines Uransprengstoffs. […] (40)“
Wenngleich das hier angeführte noch keine Realität war, sondern nur eine Auflistung der Möglichkeiten; bereits 1942 sind den deutschen Forschern die Anwendungsmöglichkeiten also völlig bewusst: Schiffsantriebe, Atomreaktoren als U-Boot-Antrieb, als Atomkraftwerk und die Atombombe.
Walker berichtet über die Waffen-Experimente von Kurt Diebner und Walther Gerlach:
„Mit Gerlachs Unterstützung setzte Diebners Team seine Arbeiten fort. In einem letzten Reaktorversuch, G-IV, wurde eine kugelsymmetrische Anordnung von Uranwürfeln verwendet. (73) Möglicherweise war dieser Versuch kurzfristig sogar erfolgreich, endete aber offenbar mit einem Unfall. Neuesten Erkenntnissen zufolge waren einige von Diebners Wissenschaftlern in den letzten verzweifelten Kriegsmonaten einen entscheidenden Schritt vorangekommen und es war ihnen gelungen, eine Kernwaffe zu bauen und zu testen. (74)
Diese Waffe war nicht mit den Atombomben zu vergleichen, die im folgenden August über Japan abgeworfen werden sollten. Vielmehr wurde hierbei versucht Sprengstoff in Form von Hohlladungen einzusetzen, um Kernspaltung in kleinen Proben entscheidend angereicherten Urans hervorzurufen und Kernfusion in einer kleinen Menge Lithiumdeuterid. Es ist nicht eindeutig erwiesen, ob diese Apparatur dergestalt funktionierte, daß sie es schaffte, Kernreaktionen zu produzieren. Zweifellos jedoch entwickelte und testete eine Gruppe deutscher Wissenschaftler nach eigenem Dafürhalten eine Kernwaffe. Diebner und Gerlach hielten diese Waffe und den damit verbundenen Test streng geheim. Keiner der anderen am Uranprojekt beteiligten Wissenschaftler, noch nicht einmal Heisenberg und Weizsäcker, erfuhren etwas davon.“ (S. 33, vergleiche die Fußnoten in der verlinkten PDF).
Nach dem Krieg – Patente und die Gründung der GKSS
Weiter schreibt Karlsch über Diebner und auch sein Verhältnis zu Erich Bagge: „Diebner war ein vielseitiger Mensch. Am erstaunlichsten war seine emsige Tätigkeit als Patentanmelder. Zumeist war er der Ideengeber, während Bagge die Möglichkeiten seines Universitätslabors zur Prüfung der Erfindungen nutzte. An einzelnen Erfindungen wirkte auch sein junger Mitarbeiter Friedwardt Winterberg mit. (99) Als Patentanmelder fungierten neben den Genannten auch Mitglieder der Familie Diebner, Mitarbeiter der Durag und andere Personen. Die Erlöse aus den Patenten wurden zu 90 Prozent zwischen Bagge und Diebner geteilt. Auch Ingenieur Schlottau, der in Diebners Team gearbeitet hatte, wurde mit zehn Prozent an den Erlösen beteiligt. Die Patentanmeldungen konzentrierten sich auf drei Gebiete: technische Apparate, Kernreaktoren und Kernfusionsprozesse. (100)“
Insgesamt 18 Patentschriften von Diebner und Bagge sind ab Mai 1955, als das alliierte Forschungsverbot augehoben wurde, im Umfang mehrerer hundert Seiten verfasst worden, darunter laut Karlsch auch solche zu Kernfussionsprozessen. „Man fragt sich unwillkürlich, wie es möglich war, dass zwei Wissenschaftler unmittelbar nach dem Fall des Forschungsverbotes derart viele Patentschriften einreichen konnten. Sie müssen daran schon seit längerer Zeit gearbeitet haben.“ (S.285). Diebner habe demnach auf seine Erfahrungen in Gottow zurück gegriffen. Dabei sei auch ein „zweistufiger Kernreaktor“ 1955 als Patent dabei gewesen, „der dem Brüten von Plutonium diente“.
1956 gründen Diebner und Bagge gemeinsam die bereits erwähnte Atomforschungseinrichtung GKSS in Geesthacht, östlich von Hamburg. Hier sollen offiziell nukleare Antriebe für Handelsschiffe entwickelt werden.
Im Jahr 2006 feierte die GKSS ihr 50 jähriges bestehen. In dem Jubiläums-Bericht auf der Homepage der 2010 zum Helmholtz-Zentrum Geesthacht umbenannten Atomforschungsanlage zu diesem Jubiläum ist über die Gründungsväter nichts mehr zu lesen. Lediglich in dem Link zu einer PDF (Broschüre) wird im Kapitel über die Gründung das Original eines Protokolls abgebildet. Mit Datum vom 29. Juli 1955 wird dort über die Bestellung eines Vorstands der „Studiengesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffahrt und Industrie“ berichtet. Lediglich in diesem Protokoll sind „Professor Dr. Bagge und Dr. Kurt Diebner“ angeführt. Über ihre Geschichte oder sonstige Umstände der Gründung der Atomforschungsanlage wird mit keiner Silbe eingegangen.
1989 war eine Broschüre erschienen: GKSS – … Dort wird sich intensiv seitens der Herausgeber mit der Geschichte der Atomforschungsanlage auseinandergesetzt. Unter anderem auch in einem Kapitel „Geesthacht – Das braune Atomzentrum“. Die Broschüre lohnt bis heute der Lektüre und steht hier als PDF zum download bereit. Insbesondere wird sie auch im Lichte neuerer Studien zur bundesdeutschen Atom-Politik in den 50er und folgenden Jahren erneut interessant. In einem Übersichtsartikel wird die Broschüre auch in diesem Text vorgestellt: Atomforschungsanlage GKSS – Forschung an der Atombombe?