Vattenfalls Stern auf dem Rückzug – Was hat dich bloß so ruiniert?

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Vattenfall auf dem Rückzug? Das Deutschland-Engagement des schwedischen Stromkonzern steht offenbar in den Sternen. Foto: Dirk Seifert

Der schwedische Stromkonzern Vattenfall ist schwer angeschlagen und könnte sich auch aus seinem Geschäft in Deutschland zurückziehen. Offenbar gibt es immer mehr Stimmen, bis hinein in die schwedische Regierung, die eine solchen Rückzug fordern. Hohe finanzielle Verluste von rund vier Milliarden Euro, sinkende Gewinne in Deutschland und den Niederlanden aufgrund überteuerter Investitionen, geringer Stromnachfrage und sinkender Strompreise machen dem Unternehmen schwer zu schaffen.

Von eigentlich keiner Seite wird bestritten, wie kritisch die Lage bei Vattenfall derzeit ist und dass die Debatte um einen Rückzug ernst zu nehmen ist. Wie heftig die Probleme sind, zeigt sich z.B. daran, dass sich jetzt auch der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft IG-BCE und  Vattenfall Aufsichsrats-Vize Ulrich Freese gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters äußert: „Vattenfall hat in den letzten Jahren in anderen europäischen Ländern enorme Zukäufe getätigt“… „Wenn sich diese Aktivitäten im Nachhinein als nicht profitabel herausstellen sollten und Vattenfall deswegen jetzt zu Verkäufen in Deutschland gezwungen ist, dann kann es dabei nur um einen Gesamtverkauf und nicht um Einzelverkäufe gehen.“ Ein Auseinandernehmen des Unternehmensverbunds von Bergbau, Energie und den Tochterfirmen brächte nur Nachteile mit sich, mahnte Freese.“ Und Reuters schreibt außerdem mit Bezug auf Fresse: „Die Gewerkschaft IG BCE warnte davor, dass eine Zerschlagung des Vattenfall-Konzerns die Energiewende in Deutschland schwächen könnte.“

Eine solche Warnung macht aber nur Sinn, wenn es bei Vattenfall tatsächlich ernst zu nehmende Debatten um einen Rückzug gibt – sonst würde ein Gewerkschafter solche Statements nicht machen! Wenn aber Gewerkschaftsobere derart deutlich werden, muss es bei Vattenfall mehr als nur hoch her gehen. Und: Interessant, das Fresse dann gleich den vollständigen Rückzug ins Spiel bringt und davor warnt, nur einzelne Scheiben aus dem Deutschland-Geschäft abzutrennen.

Dahinter steckt offenbar die Sorge, dass Vattenfall – insbesondere nach dem Scheitern der Pläne für eine unterirdische Lagerung von CO2 – sich aus dem Braunkohle-Geschäft zurück ziehen könnte und damit vor allem Ostdeutschland und die Lausitz verscherbeln würde. Schon im Dezember 2012 hatte es hier erheblichen Wirbel gegeben. (Siehe: Vattenfall Braunkohle – Wirre Kommunikation und Rekordergebnis für die Klimakatastrophe). Vattenfall war von seinem Aktionär, der schwedischen Regierung, wegen seiner hohen CO2-Emissionen und viel zu wenig Investitionen in Erneuerbare Energie schwer kritisiert worden. In Ostdeutschland wurde dies als Ausstieg aus der Braunkohle aufgefasst und Vattenfall versuchte mühselig zu erklären, dass man weiter an der Braunkohle festhalten werden.

Ein Eiertanz, der nicht zu verstehen war. Heutige Pressemeldungen, nach denen Vattenfall bereits seit November den Verkauf eines sächsischen Braunkohle-Kraftwerks-Block sondiert (siehe unten), werden diese Reaktion mehr als verständlich. Offenbar wächst bei der IG BCE, die vor allem in Ostdeutschland/Lausitz im Braunkohlebergbau bei Vattenfall betroffen ist, die Sorge, dass es zum Kahlschlag kommen könnte.

Vattenfall hat inzwischen auch angekündigt, europaweit 2.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. (Siehe auch hier: Vattenfall – Streit mit Beschäftigten nimmt zu!)

Tatsächlich scheinen sich immer mehr Stimmen in Schweden dahin gehend zu äußern, dass es möglicherweise besser wäre, das Vattenfall-Abenteuer in Deutschland zu beenden. „Das sozialdemokratische „Aftonbladet“ nennt ihn (den Konzern Vattenfall) einen „arroganten Umweltschurken““, berichtet das Handelsblatt. Auch den schwedischen Grünen scheint das klimaschädliche Wirken von Vattenfall in Deutschland nicht zu gefallen. Vor allem aber schreibt das Handelsblatt: „Vereinzelt wird auch im Regierungslager für einen Verkauf der deutschen Beteiligungen plädiert. „Es ist hoffnungslos für ein Staatsunternehmen, bei uns den schwedischen Vorgaben für die Klimapolitik zu folgen und in Deutschland denen deutscher Politiker“ seufzte der liberale Wirtschaftspolitiker Carl B. Hamilton im Rundfunk. Sein Wunsch: „Hauptsache, sie können teuer verkaufen.““

Seit Wochen stehen Regierungspolitiker in der schwedischen Presse ebenso unter Druck wie das Vattenfall-Managment selbst: Konkreter Anlass ist der Kauf des niederländischen Stromkonzerns Nuon im Jahr 2009, der sich jetzt auf die Gewinne von Vattenfall deutlich negativ auswirkt. Der Preis gilt als völlig überteuert: “Der Kaufpreis von über zehn Milliarden Euro war von vielen Seiten als zu hoch kritisiert worden. Nach der Übernahme sei Vattenfall deshalb regelmäßig hinter den Gewinnerwartungen zurückgeblieben.” Radio Schweden berichtet: “Die schwedische Regierung hat jegliche Verantwortung beim Vattenfall-Geschäft in den Niederlanden abgewiesen.“ (siehe hier). Allerdings: Damit ist die Sache nicht vom Tisch: Denn der für Nuon gezahlte Preis ist selbst laut Aussage des seit Ende 2009 amtierenden Vattenfallchefs Öystein Löseth, der bei Vertragsabschluss noch für Nuon arbeitete, viel zu hoch gewesen.” (Siehe: “Schweden empört sich über Vattenfalls Größenwahn”) Das wird noch einiges zu klären sein, wer für die enorme Fehlinvestition verantwortlich ist.

Selbst die Kommunikations-Abteilung bei Vattenfall Deutschland bestätigt, dass die Debatte über einen Rückzug von Vattenfall aus Deutschland sehr ernst zu nehmen ist: „Vattenfall-Sprecher Banek meint: „Die Debatte ist absolut relevant, ob wir statt eines internationalen Konzerns wieder ein skandinavischer Regionalversorger sein sollen.““, zitiert das Handelsblatt.

Als Begründung werden nicht nur massive finanzielle Verluste und daraus resultierende Probleme genannt. Auch die völlig unterschiedlichen Anforderungen und Realitäten zwischen Schweden und Deutschland werden betont: In Schweden soll auch über 2020 hinaus der Anteil der Atomenergie rund 50 Prozent betragen und Vattenfall soll mit dem Neubau von Atomkraftwerken seinen Beitrag leisten. In Deutschland ist der Atomausstieg beschlossene Sache und die nach Fukushima abgeschalteten AKWs Brunsbüttel und Krümmel stellen nicht nur einen finanziellen Verlust dar. Die Pannenserien in diesen AKWs und kommunikative Fehler bis hin zu Falschdarstellungen haben Vattenfalls Image in Deutschland weitgehend ruiniert. Meldungen, dass Vattenfall weiter auf Atomkurs ist, versteht in Deutschland niemand mehr.

Umgekehrt ist man in Schweden mehr als nur irritiert, dass Vattenfalls Engagement in Deutschland wegen der enorm hohen Braunkohleverbrennung dazu führt, dass ein schwedisches Unternehmen europaweit zu den schlimmsten Klimasündern gehört. Auch hier räumt der deutsche Vattenfall-Sprecher ein, dass es massive Probleme mit dem Headquarter in Schweden gibt. Das Manager-Magazin zitiert: „Es ist in Schweden kaum zu vermitteln, warum wir in Deutschland auf Braunkohle setzen müssen“, räumt Vattenfalls Kommunikationschef Ivo Banek ein.

Über 80 Prozent des Vattenfall-Strom in Deutschland wird in der besonders klimaschädlichen Braunkohleverbrennung erzeugt. Dabei wird die Braunkohle im Tagebau abgebaut, große Landstriche vor allem in der Lausitz verwüstet und Dörfer abgerissen und Menschen vertrieben, wenn sie dem Abbau im Wege sind. Wiederholt protestierten Betroffene aus der Lausitz in Stockholm. (Siehe: Vattenfall – Ganze Dörfer müssen weg und Radio Schweden – “Vattenfall zaghaft bei grünem Strom” und Vattenfall, Bürgerinteressen und der Klimaschutz – Dorf weg, Braunkohle her!)

Als aktuellen Hinweis, wie tiefgreifend Vattenfalls Probleme und wie ernst die Debatte um einen Rückzug aus dem Deutschland-Geschäft sind, wird in den hiesigen Medien darin gesehen, das Vattenfall den Verkauf des Block R des Braunkohlekraftwerks im sächsischen Lippenstedt sondiert. Der Block hat eine Leistung von 920 MW. Diese Sondierung, so das Manager-Magazin „habe bereits im November mit zwei Investmentbanken“ begonnen.

Immer wieder war in den letzten Jahren darüber spekuliert worden, dass Vattenfall aufgrund seiner enorm hohen CO2-Emisssionen und den Forderungen aus Schweden, diese endlich deutlich zu senken, Kraftwerksbeteiligungen abstoßen würde. Zuletzt musste Vattenfall sogar einräumen, dass die Klimaschutz-Verabredungen mit der Stadt Berlin kaum einzuhalten wären. Nun wird aus Spekulationen möglicherweise Realität.

Allerdings wäre ein solcher Verkauf, wenn er denn angesichts des Stromüberangebots, der sinkenden Strompreise und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien überhaupt gelingt, nur ein kleiner Schritt, der das Problem noch lange nicht löst. Denn gerade erst ist in Boxberg ein neuer Braunkohle-Kraftwerksblock in Betrieb genommen worden und in 2014 soll in Hamburg-Moorburg ein 1.600 MW Steinkohlekraftwerk ans Netz gehen.

Nicht nur die Reduzierung der absurd hohen CO2-Emissionen für Vattenfall Deutschland stellt ein kaum lösbares Problem dar. Hinzu kommt, dass auch massive finanzielle Probleme damit verbunden sind.

Vor allem das im Bau befindliche Steinkohlekraftwerks Moorburg könnte Vattenfall zusätzlich teuer zu stehen kommen: Aufgrund von Bauverzögerungen von über zwei Jahren, hohen Umweltauflagen und weitgehenden Einschränkungen bei der Kühlwasserentnahme aus der Elbe sowie der entgegen ehemaligen Planungen nicht mehr möglichen Fernwärmeauskopplung, haben sich die Herstellungs- und Betriebskosten deutlich verteuert. Ob dieses Kraftwerk jemals wirtschaftlich betrieben werden kann, steht derzeit in den Sternen und vieles spricht dafür, dass dieses Kraftwerk die Bilanzen von Vattenfall zusätzlich schwer belasten wird.

Damit nicht genug: In Berlin und Hamburg droht dem Unternehmen der Verlust der Stromnetze, in Hamburg auch der Verlust des gewinnträchtigen Fernwärmenetzes samt der mit ihm verbundenen Erzeugungsanlagen einschließlich aller Kunden.

In Hamburg wird darüber im September ein Volksentscheid stattfinden, der die Energienetze der Hansestadt wieder zu 100 Prozent in die öffentliche Hand bringen will. Und eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Hamburger Abendblatt kommt im Februar zu dem Ergebnis, das 64 Prozent der HamburgerInnen diese Forderung unterstützen. In Berlin läuft noch bis Juni ein Volksbegehren, um Vattenfall das Stromnetz abzunehmen und kommunale Stadtwerke zu gründen. Selbst in Schweden geht man davon aus, dass Vattenfall keine Chance hat, die Netze als Geschäftsbereich zu retten. Der Sender Radio Schweden stellte jüngst im Grunde beschönigend auf seiner Homepage fest: “Die Energiewende in Deutschland wird den staatlichen schwedischen Energiekonzern Vattenfall vermutlich sein Stromnetz in Berlin kosten.“ (siehe: Berlin: Kein Stromnetz mehr für Vattenfall?!)

Siehe auch: Vattenfall – Kein Partner für Hamburg

Kleiner Kulturtipp zum Schluss: Die Sterne – Was hat dich bloß so ruiniert?

Rückschlag für Vattenfall – Schadensersatzklage für Atomausstieg ausgesetzt!

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Vattenfalls Schadensersatz-Klage für die Abschaltung der AKWs Brunsbüttel und Krümmel vor dem ICSID in Washington ist derzeit ausgesetzt. Foto: Dirk Seifert

Vattenfall muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Die Schadensersatzklage vor dem Schiedsgericht ICSID in Washington ist derzeit ausgesetzt. Vattenfall hat dort die Bundesrepublik Deutschland auf eine Summe von rund 3,5 Mrd. Euro für die Stilllegung der AKWs Krümmel und Brunsbüttel verklagt. Nach dem Atomdesaster in Fukushima vor rund zwei Jahren hatte die Bundesregierung per Atomgesetzänderung die beiden und sechs weitere Atommeiler aus Sicherheitsgründen abgeschaltet.

Der Rechtsstreit in Washington wird sich nun in die Länge ziehen. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung von Anfang Februar 2013 ist das Verfahren vorerst ausgesetzt worden, „weil der zuständige Richter Dan Price des Schiedsgerichts ICSID in Washington im Januar zurücktrat, verlautete aus Verfahrenskreisen. Der Konzern bestätigte dies.“

UPDATE: Neuere Informationen finden sich hier: Vattenfalls Anwälte gegen Deutschland: “Wenn du Frieden willst, sei kriegsbereit”

Weiter berichtet die SZ: „Der ehemalige US-Regierungsberater Price trat den Angaben zufolge zurück, nachdem das Gericht Klarheit über seine früheren Regierungskontakte nach Deutschland haben wollte. Vattenfall muss nun einen neuen Schiedsrichter benennen. Bis der sich in den komplexen Fall eingearbeitet hat, dürften jedoch erneut Monate vergehen, hieß es aus Verfahrenskreisen. Damit ist offen, wann der Prozess fortgesetzt werden kann.“

Vattenfall klagt nicht zum ersten Mal vor dem Weltbank-Gericht gegen die Bundesrepublik. Bereits vor einigen Jahren nahm Vattenfall die Umweltauflagen der Umweltbehörde für das im Bau befindliche Steinkohlekraftwerk Hamburg-Moorburg zum Anlaß, in Washington Klage gegen Deutschland zu erheben.

Als in Deutschland aktives Unternehmen mit Hauptsitz in Schweden kann es vor diesem Gericht wegen Diskriminierung klagen. E.on, RWE und EnBW steht dieser Weg nicht zur Verfügung. Daher haben sie – und auch Vattenfall zusätzlich – ihre Schadensersatzklagen an das Bundesverfassungsgericht adressiert. Mit Klagen vor dem Washingtoner Gericht versuchen Unternehmen sich oftmals inzwischen auch gegen kostspielige Umweltauflagen zu wehren.

Dazu mehr hier: Vattenfalls Entschädigungsklagen gegen die Bundesrepublik – Weltbankgericht als Politik und

Vattenfall und Konzern-Klagen – Demokratieabbau als Standortfaktor und

Neue AKWs und Entschädigungsklagen – Energiewende nur mit ohne Vattenfall

Volksentscheid Energienetze Hamburg – Gutachten zerlegt Vorwürfe der CDU

energiewende_retten_sonne-SunEnergyEuropeGmbHDie Volksentscheids-Initiative „Unser Hamburg – Unser Netz“ hat sich jetzt auf Basis eines Gutachtens gegen die Vorwürfe aus den Reihen der CDU und anderer zur Wehr gesetzt, sie würde rechtswidrig Steuermittel für politische Kampagnen einsetzen. Die CDU und andere politischen Vertreter in Hamburg versuchen derzeit den Volksentscheid in Hamburg zu verhindern (Verfassungsklage) und die Träger-Initiativen in Mißkredit zu bringen. Der Grund: Den Unternehmen Vattenfall und E.on droht in Hamburg mit dem Volksentscheid im September 2013 der Verlust der Energienetze für Strom, Fernwärme und Gas. Das hat zuletzt eine repräsentative Umfrage des Hamburger Abendblatts gezeigt.

Jetzt hat die Professorin Dr. Birgit Weitemeyer vom „Lehrstuhl für Steuerrecht“  und  Direktorin des Instituts für Stiftungsrecht und das Recht der Non-Profit-Organisationen von der Bucerius Law School mit einem Gutachten zu Wort gemeldet. Die Rechtsexpertin kommt, so berichtet das Hamburger Abendblatt, zu einem klaren Ergebnis: „Danach ist das auch finanzielle Engagement des BUND in der Netze-Initiative zulässig. „Die von der Rechtsprechung (…) aufgestellten Anforderungen an das zulässige Maß politischen Engagements im Rahmen gemeinnütziger Tätigkeit werden (…) eingehalten“, heißt es darin.“

Auch die Verbraucherzentrale und deren Geschäftsführer Günter Hörmann weisen die Vorwürfe aus der CDU zurück. Auf ihrer Homepage nimmt die VZ-HH ausführlich Stellung, warum sie sich für die Interessen der VerbraucherInnen bei der Rekommunalisierung der Energienetze engagiert.

Das Abendblatt berichtet: „Die Verbraucherzentrale habe 2010 und 2011 insgesamt 9500 Euro an die Initiative gezahlt – bei jährlichen Eigeneinnahmen von rund einer Million Euro. „Es ist kein Cent Steuergeld an die Initiative geflossen“, sagte Hörmann. Im Übrigen wundere er sich, warum jetzt die Initiative auf diesem Wege angegriffen werden, anstatt sachlich über den Rückkauf der Netze zu diskutieren.“

Haltlos waren und sind auch die Vorwürfe gegen die Kirche, die gemeinsam mit der Verbraucherzentrale und dem BUND Hamburg zu den „Vertrauenspersonen“ der Volksentscheids-Initiative gehört. Der Vertreter Theo Christiansen stellte fest, dass „es im Falle der Kirche keines Anerkennungsaktes des Finanzamtes bedürfe, „sodass eine Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt auch nicht aberkannt werden kann“.“

Scheuerl und seine CDU-Fraktion dürften mit ihren Vorwürfen gegen die Initiative nun erst mal einiges zu verdauen haben, denn hinter der Studie von Professorin Dr. Birgit Weitemeyer steht einiges an Know-how. Zu den Sachfragen jedenfalls hat die CDU bis heute wenig zu bieten. Schon deshalb hat sie sich zum Schutz von Vattenfall- und E.on-Interessen auf Argumente aus der Trickkiste verlegt.

Siehe auch hier: Vollständige Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg ist machbar

GIB MIR MEIN NETZ ZURÜCK I + II – Zwei Metropolen für die Energiewende

Berlin-Banner130x130gneu_Logo_Unser-Netz_CMYK-DruckDie zwei größten Metropolen in Deutschland wollen die Energiewende. In Berlin und Hamburg streiten zwei breite Bürgerbündnisse dafür, die Energienetze zu rekommunalisieren und den alten Stromkonzernen die Rote Karte zu zeigen. Darüber berichtet das neue ROBIN WOOD Magazin. Das neue Heft steht online unter diesem Link. Das Magazin kann als Printausgabe hier bestellt werden.

Die beiden Artikel zu Hamburg und Berlin gibt es unter diesem Link als PDF.

Strom-Kriege: Das Imperium schlägt zurück

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Scheitert die Energiewende an Altmaier, Rössler, Vattenfall, E.on und Co? Foto: Jan-Korff-Petersen/pixelio.de

Wahnsinn? Die großen Stromkonzerne klagen seit mehr als einem Jahr darüber, dass die niedrigen Strompreise ihre hübschen Gewinnbilanzen negativ belasten. Nachzulesen in den Quartalsberichten der Konzerne. Es gibt Strom im Überangebot, dass zeigen auch die niedrigen Preise an der Strombörse. Und hier ist auch einer der Fehler für die Ermittlung der Zulage beim Erneuerbare Energien Gesetz. Die Zeit schreibt richtigerweise: „Ein Problem bei der Höhe der Umlage ist schließlich der Preis an der Strombörse. Denn es ist ja die Differenz dieses allgemeinen Strompreises zum Preis für grünen Strom, die die Verbraucher extra berappen müssen. Ist der Börsenpreis hoch, schrumpft also die Umlage, ist er niedrig, steigt sie.“

Genau diesen Mechanismus aber will Altmaier gar nicht angehen: „Ihn behandelt Altmaier aber gar nicht, obwohl er derzeit extrem niedrig ist.“ Und das dieser Strompreis so niedrig ist hat seinen Grund in einem weiteren Problem: Das Scheitern des Emissionshandels. Die Preise für ein Zertifikat sind im Keller. Es gibt viel zu viele Zertifikate. Die Anzahl müsste – wenn das Instrument überhaupt einen Sinn ergeben soll – drastisch gesenkt werden, damit die Preise wieder steigen. Doch das scheitert, wie so vieles bei der Energiewende, spätestens am Wirtschaftsministerium unter Rösler.  Auch die Zeit sieht hier das Problem: „Das (die Strompreise an der Börse) wiederum liegt unter anderem daran, dass der Handel mit den Emissionsrechten für Klimagase nicht funktioniert. Würde der durch geeignete Gesetze wiederbelebt, würde die Umlage sofort sinken.“

Hinzu kommen vor allem die vielen Ausnahmen für große Stromkunden aus der Industrie. Darüber wird zwar derzeit begrenzt gesprochen, viel zu erwarten ist jedoch wohl nicht. Klar ist: Das EEG muss verändert werden, um bestehende Mängel zu beseitigen, die die Kosten und Umlage besser regeln. Aber diese Veränderung muss den Ausbau der Erneuerbaren Energien unterstützen und verbessern! Fukushima und Klimakatastrophe lassen grüßen.

Doch das Gegenteil ist das Ziel der Bundesregierung. Altmaier und Rössler wollen nun mit einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe eine Lösung finden. Auch wenn darüber konkret nicht verhandelt wird: Klar ist, dass in den Wirtschaftskreisen von CDU und FDP – sicherlich mit Zustimmung der großen Stromkonzerne – dass EEG sturmreif geschossen werden soll. Immer mehr wird davon gesprochen, den Vorrang der Einspeisung erneuerbarer Energien und für Strom aus KraftWärmeKopplung, wie sie im EEG geregelt ist, aufzugeben. Aus dem Wirtschaftsflügel wird gefordert, dass der billigste Strom Vorrang haben müsse und Rösslers FDP hat schon mehrmals das EEG als sozialistische Zwangsmaßnahme bezeichnet und die Rückkehr zur Marktwirtschaft gefordert. In der Summe kann das nur zu einer Politik führen, die den wirtschaftlichen Interessen der großen Konzerne Marke E.on, RWE, Vattenfall und EnBW hilft.

(Update, 26.2.2013): Über diese Forderungen berichtet Nick Reimers auf Klimaretter.info in einem Beitrag über eine Veranstaltung des Wirtschaftsrat der CDU. (Update Ende)

Es geht um die Strommärkte und wer sie kontrolliert: Bis Fukushima waren sich die Atomkonzerne sicher, dass sie die Kontrolle behalten können. Mit dem Beschluss der schwarz-gelben Bundesregierung für die Laufzeitverlängerung der Atommeiler standen den Konzernen Milliardengewinne ins Haus. Die waren auch nötigt, nachdem sie sich bei ihren Expansionskreuzügen durch Europa und in Folge der Finanzkrise oftmals heftig verspekuliert hatten und z.T. Milliardenverluste eingefahren hatten. (z.B. Vattenfall: “Schweden empört sich über Vattenfalls Größenwahn”) Doch mit der Katastrophe von Fukushima, der Rücknahme der Laufzeitverlängerung und der Abschaltung von acht Atomkraftwerken durch die CDU/CSU/FDP – Regierung standen die Stromgiganten am Abgrund: Finanziel ohnehin angeschlagen, mussten sie erhebliche Gewinnerwartungen aus der Laufzeitverlängerung abschreiben und jahrelange falsche Strukturentscheidungen in Großkraftwerkstechnologien korrigieren.

Während die Stromkonzerne strauchelten, setzte sich der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter fort. Inzwischen tragen sie  – gestützt auf Bürgergenossenschaften und Kommunen – mit 25 Prozent zur Stromerzeugung bei. ein Viertel des Marktes ist nicht mehr unter Kontrolle der vier Konzerne. Schlimmer noch: Die Solarenergie hat die Strompreise für Spitzenlaststrom deutlich reduziert (und damit zu  den gesunkenen Strompreisen beigetragen) – zum Schaden von E.on, Vattenfall und Co. Während die Kosten für Erneuerbaren Energien Jahr für Jahr sinken, werden die konventionellen Energien teurer. Z.B. weil  die Preise für Steinkohle gestiegen sind.

Nur bei der OFF-SHORE-Windenergie spielen die großen Vier heute eine Rolle. Der Ausbau an Land findet sowohl bei der Windenergie, als auch bei Solarstrom ohne sie statt. Und bei der Windenergie auf See interessiert die Stromkonzerne auch ihr sonstiges Geschwätz von hohen Strompreisen durch die Energiewende in keinster Wiese: Dabei kostet Windstrom auf See den VerbraucherInnen doppelt soviel wie Land-Windstrom und oben drauf soll er noch für die Risiken bei der Anbindung der Off-Shore-Anlagen an die Stromnetze zur Kasse gebeten werden.

Klar ist: Die Energiewende müssen wir selber machen!

Z.B: Volksbegehren für die Rekommunalisierung der Stromnetze in Berlin unterstützen: Stromnetze ohne Vattenfall: Volksbegehren „Neue Energie für Berlin“ gestartet

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