Plutonium-Transporte – BUND fordert Sicherheitskontrolle des Atomfrachters Atlantic Osprey

Plutonium-Frachter: Kritik an Sicherheitsmängel hält an!

In den nächsten Tagen startet erneut ein Transport mit hochgefährlichen Plutonium-Brennelementen aus Sellafield/UK für das AKW Grohnde. Für den Seeweg soll erneut der überalterte Atomfrachter Atlantic Osprey eingesetzt werden. In Nordenham soll der Schiffstransport dann auf der Straße fortgesetzt werden. Für Grohnde und Nordenham rufen Initiativen zu Protesten auf.

Aufgrund der zahlreichen Hinweise, dass die Atlantic Osprey nicht die erforderlichen Sicherheitsstandards beim Transport mit Plutonium erfüllt, hat jetzt der BUND Cuxhaven den niedersächischen Innenminister Uwe Schünemann (CDU) aufgefordert, das Atomschiff einer umfasssenden Inspektion zu unterziehen.

In einer Pressemitteilung heißt es: „Der BUND Cuxhaven sieht es als zwingend notwendig an, das Atomtransportschiff „Atlantic Opsrey“ beim nächsten Anlauf eines deutschen Hafens einer umfassenden Inspektion entsprechend den Vorschriften der Internationalen Maritimen Organisation IMO zu unterziehen.“

Das Schreiben finden sie hier als Dokumentation:

„Überfällige Sicherheitsinspektion des Atomtransportschiffes „Atlantic Osprey“ nach dem „Paris Memorandum of Understanding on Port State Control“ (PMoU) der „International  Maritime Organisation“ (IMO)

Sehr geehrter Herr Minister,
mit dem Atomtransportschiff „Atlantic Osprey“, im Besitz der britischen National Decommissioning Authority (NDA), sind Transporte von MOX-Brennelementen und atomaren Abfällen über den Hafen von Nordenham geplant. In der jüngsten Vergangenheit ist dieses Schiff wiederholt durch Sicherheits- und Dokumentationsmängel bei Inspektionen in Frankreich aufgefallen.

Auch die letzte Fahrt nach Nordenham am 23. September 2012 erfolgte unter Verletzung von Annex 8, Absatz 11, Spiegelstrich 4 und Absatz 12, Spiegelstriche 5,6,7 und 8 des PMoU. Die Verletzung dieser internationalen Vorschriften des PMoU in der Fassung der 32.ten Änderung vom 11. Mai 2010, in Kraft getreten am 1. Januar 2011 zieht eine umfassende Inspektion beim nächsten Hafenanlauf nach sich.
Ferner ist das „Safety Management Certificate“ des Schiffes am 29.9.2012 abgelaufen.
Nach dem 29.9.2012 hat das Schiff noch eine Reise nach Antwerpen unternommen, eventuell ohne gültiges Sicherheitszertifikat.
Laut Aussage des Bundesamtes für Strahlenschutz obliegt Ihrem Hause die bundesweite Richtlinienkompetenz für Auflagen und Anforderungen an Transporte radioaktiven Materials.

Ihr Haus ist bekannt dafür, daß es auf anderen Rechtsgebieten bundesdeutsche Gesetze und Verordnungen rigoros anwendet und durchsetzt. Im Falle eines Transportes von radioaktivem Material mit erheblichem Gefährdungspotential für die Bevölkerung und die Umwelt in weitem Umkreis um den Transportweg, wie jetzt wieder mit der „Atlantic Osprey“ vorgesehen, erwarten wir von Ihnen, daß Sie zwingende internationale Vorschriften zur Anwendung bringen werden.

Sollten Sie dies nicht beabsichtigen, bitten wir um Mitteilung, warum dies nicht erfolgen soll.
Mit freundlichen Grüßen
BUND Kreisgruppe Cuxhaven“

Plutoniumfabriken in Sellafield – Lagerung nuklearer Abfälle ist „untragbares Risiko“

Plutoniumfabriken in Sellafield. Atommüll ohne Ende. Foto Simon Ledingham

Die Kosten für Stilllegung der britischen Plutoniumfabriken in Sellafield explodieren und „untragbare Risiken“ gehen von Atommüll aus, der in heruntergekommenen Gebäuden gelagert wird . So berichtet die BBC auf ihrer Homepage mit Bezug auf einen Bericht des National Audit Office (NAO).

Darauf hat der BUND Cuxhaven in einer Pressemitteilung hingewiesen. In Sellafield haben auch deutsche AKW-Betreiber jahrelang hochradioaktive Brennelemente aufarbeiten lassen, um das darin befindliche Plutonium herauszutrennen und so genannte MOX-Brennelemente für den erneuten Reaktoreinsatz herzustellen.  Ein solcher MOX-Transport soll in den nächsten Tagen z.B. das AKW Grohnde erreichen.

Nach Angaben der BBC lagert in Sellafield, der größten und gefährlichsten Atomanlage in Großbritanien, soviel hoch- und mittelaktiver Atommüll, dass damit 27 Swimming-Poole der Olympia-Klasse gefüllt werden könnten. „The plant is the UK’s largest and most hazardous nuclear site, storing enough high and intermediate level radioactive waste to fill 27 Olympic-sized swimming pools.“

Die BBC schreibt, dass ein „untragbares Risiko“ von den gefährlichen Abfällen ausgeht, die in heruntergekommenen Gebäuden in Sellafield gelagert werden. „An „intolerable risk“ is being posed by hazardous waste stored in run-down buildings at Sellafield nuclear plant, a watchdog has found.“

Bereits jetzt sind die Strände rund um die Plutoniumfabriken von Sellafield stark radioaktiv verseucht. Regelmäßig werden dort radiaktive Hot-Spots gefunden und müssen von Spezialteams geborgen werden. Siehe dazu: Plutoniumfabriken Sellafield – radioaktive Hotspots am Strand

Die NAO ist eine Kontrolleinrichtung, etwa vergleichbar mit dem deutschen Rechnungshof und überwacht staatliche Programme und Maßnahmen. Der Bericht kritisiert scharf, dass die Stilllegungs- und Rückbaumaßnahmen bei den zahlreichen Atomanlagen auf dem Sellafield-Gelände zu langsam laufen und außerdem viel zu teuer sind. Die NAO warnt davor, dass die Stilllegungskosten außer Kontrolle geraten können. In den fünf Jahrzehnten des Betriebs in Sellafield hätten die Betreiber es versäumt, langfristige Konzepte für den Umgang mit dem Atommüll zu entwickeln.

„The National Audit Office (NAO) also said that for 50 years, the operators of the Cumbria installation failed to develop a long-term plan for waste. Costs of plant-decommissioning has also spiralled out of control, it said.“

Inzwischen haben die Betreiber einen neuen Stilllegungsplan erarbeitet, nach dem der erste Plan wegen erheblicher Unzulänglichkeiten keinen Bestand hatte. In einer Pressemitteilung der NAO heißt es: „The Authority achieved an important milestone in May 2011 when it approved a more robust lifetime plan for the clean-up of Sellafield site by 2120, replacing a previous unrealistic plan.“

Doch Amyas Morse, Vorstand des National Audit Office, sieht auch im neuen Plan erhebliche Probleme. Sie begrüßt zwar, dass die Betreiber jetzt einen etwas genaueren Zeitplan vorgestellt haben. Aber auch dieser Plan könne nur ungefähr angeben, wie lange es dauern wird, die radioaktiven Abfälle unter Kontrolle zu bringen und was das am Ende kosten wird.  So könnte nicht gesagt werden bis wann und mit welchen Kosten Anlagen fertigestellt sein werden, um den hochradioaktiven Atommüll aus alten Teichen und Silos zu sichern: „For example, there is considerable uncertainty over the time required and cost of completing facilities to treat and store highly radioactive material held in deteriorating legacy ponds and silos.“

Dass die Stilllegungskosten enorme Dimensionen haben und völlig außer Kontrolle geraten könnten, zeigen die Pläne: Waren von den Betreibern zunächst Kosten in Höhe von rund 47 Milliarden Pfund geplant, sind in dem neuen Plan insgesamt 67 Milliarden Pfund veranschlagt. „The improved lifetime plan contributed to an increase in the Authority’s provision for decommissioning the site to £67 billion (undiscounted) as at March 2012, up from £47 billion as at March 2009.“

Angesichts dieser Kostenexplosion wächst die Sorge, dass der Strahlen- und Umweltschutz reduziert wird, um Kosten sparen zu können. Für die Umweltorganisation Friends of the Earth ist der katastrophale Umgang mit dem Atommüll laut BBC ein „nationaler Skandal“ mit erheblichen Risiken für die Menschen und die Umwelt rund um Sellafield.

Dr Ruth Balogh, von West Cumbria and North Lakes Friends of the Earth, sagte: „The UK’s failure to deal with highly hazardous nuclear waste at Sellafield is a national scandal that poses a significant risk to local people and the environment.“

Weil die Regierung die Risiken im Umgang mit dem anfallenden Atommüll komplett ignoriert habe, fordert die Umweltorganisation, dass neue Atomkraftwerke nicht gebaut werden dürften, solange man mit dem bereits angefallen Atommüll nicht umgehen kann. „The government has completely ignored the urgent need for interim measures to deal with this radioactive waste. We shouldn’t build any new nuclear reactors if we can’t deal with the radioactive mess that’s already been created.“

Die vollständige Pressemitteilung der NAO finden Sie unter www.nao.org.uk/publications/1213/sellafield_risk_reduction.aspx . Eine Kurzfassung des NAO Berichts finden Sie hier und die Langfassung hier (jeweils PDF).

Dank für den Hinweis an die BUND Kreisgruppe Cuxhaven, Norbert Welker, Cuxhaven.

 

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