„Schmutzige Atomwaffen“ – Risiken der Atomenergie wachsen – Urananreicherung in Gronau steht zum Verkauf

atomwaffenfrei-jetzt„2000 Tonnen waffenfähiges radioaktives Material sind im Umlauf – die Sorge, dass Terroristen davon etwas in die Hände fällt, ist groß“, berichtet der Spiegel anlässlich der Konferenz von Staats- und Regierungschefs aus mehr als 50 Ländern in Den Haag, die vor wenigen Tagen stattfand (siehe auch hier die Welt). Weiter zitiert das Online-Magazin den niederländischen Ministerpräsidenten und Gastgeber Mark Rutte, der vor den Gefahren durch sogenannte schmutzige Bomben warnte: „“Skrupellose Terroristen werden sich nicht scheuen, jede Waffe zu nutzen, die sie in die Hände bekommen“, sagte er am Montag zu der möglichen Beimischung von radioaktivem Material zu herkömmlichen Sprengsätzen. In den vergangenen Jahren habe es echte Fortschritte bei der Sicherung von Strahlenquellen gegeben. 2000 Tonnen waffenfähiges Material seien aber noch immer im Umlauf.“ 

Mit den Risiken der Weiter-Verbreitung von Atomwaffen-Technik hat die niederländische Regierung derzeit auch höchstselbst zu tun. Beteiligt dran ist auch die Bundesrepublik sowie die Atomkonzerne E.on und RWE: Die Uranfabriken der URENCO in Almelo (NL), Gronau (D), Capenhurst (GB) sowie eine weitere in den USA sollen auf Druck der britischen Regierung und der deutschen Konzerne E.on und RWE verkauft werden. In diesen Anlagen wird Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken angereichert. Technisch sind diese Anlagen aber auch in der Lage, waffenfähiges Uran herzustellen. Deshalb gelten die URENCO-Anlagen als Hochsicherheits-Bereich und unterliegen strengster Geheimhaltung. Die Niederländer stehen den Verkaufsplänen skeptisch gegenüber, weil sie befürchten, dass die Kontrolle über diese atomwaffentaugliche Technik deutlich erschwert werde, wenn künftig private Konzerne Eigentümer werden.

Die niederländischen Christdemokraten sprachen jüngst bei einer Anhörung im Parlament davon, dass der Verkauf ein „Spiel mit dem Feuer“ wäre. „Die Urananreicherung ist der einfachste Weg zur Atombombe“, stellte Michael Sailer, Mitglied der Reaktor-Sicherheitskommission und Vorsitzender der Entsorgungskommission, im April 2013 fest.

Mehr zum Thema Gronau, Urenco, Verkauf und Niederlande.

Die Ärzteorganisationen IPPNW verweist in einer PM zurecht darauf, dass die Debatte um Diebstahl und „schmutzige Bomben“ aber nicht vergessen machen sollte, dass es enorme Gefahren durch die in den Bunkern zahlreicher Staaten lagernden Atomwaffen gäbe: „Das Risiko für die Menschheit, das die 17.000 Atomwaffen weltweit darstellen (ca. 2.000 befinden sich auf höchster Alarmstufe) wurde in der Erklärung aus Den Haag nicht erwähnt.“

Weiter kommentiert die international tätige Organisation: „Die Ärzteorganisation IPPNW kritisiert die Ergebnisse des nuklearen Sicherheitsgipfels in Den Haag als Ablenkung von der eigentlichen Aufgabe, Atomwaffen weltweit zu beseitigen. Auch wenn die nukleare Sicherheit wichtig ist: Die humanitären Folgen eines Einsatzes bleiben aus medizinischer Sicht das zentrale Thema. Zwei Staatskonferenzen zum Thema humanitäre Folgen von Atomwaffen in Norwegen 2013 und Mexiko 2014 haben diese Ansicht bestätigt. Noch in diesem Jahr treffen sich wieder Staaten in Wien, um darüber zu sprechen wie ein Atomwaffeneinsatz und seine katastrophalen Folgen für die Menschheit verhindert werden können.“

Und schließlich verweist die IPPNW darauf, dass man nicht vor Atomgefahren warnen könne, ohne gleichzeitig auch die Atomkraftwerke zum Thema zu machen: „Nukleare Sicherheit wurde auf dem Gipfel in Den Haag weitgehend auf das Thema Diebstahl von Materialien für den Bau von Atomwaffen begrenzt. Damit erkennen die nuklearen Lieferländer und Atomwaffenstaaten zwar an, dass ihre massiven Vorräte an spaltbaren Materialien ein Sicherheitsrisiko darstellen. Gleichzeitig halten sie trotz der Lehren aus Tschernobyl und Fukushima weiterhin  an der zivilen Atomenergie fest. Die Gefahr, denen die Menschen aufgrund aller Atomkraftwerke weltweit ausgesetzt sind, wird verschwiegen.“

E.on schaltet ab – Atommeiler in Grafenrheinfeld geht früher vom Netz – weiter machen…

Hallo E.on: Warum dann nicht auch gleich das AKW Brokdorf abschalten? Am 26. April, zum Tschernoby-Jahrestag, ist dort Protest- und Kulturmeile.
Hallo E.on: Warum dann nicht auch gleich das AKW Brokdorf abschalten? Am 26. April, zum Tschernobyl-Jahrestag, ist dort Protest- und Kulturmeile.

Peter Ramsauer dürfte sich ärgern. Da faselte der ehemalige Verkehrsminister noch vor wenigen Tagen was von längeren Atomlaufzeiten, um billigen Strom zu erzeugen und jetzt sagt E.on: No Way! Das bayerische AKW Grafenrheinfeld soll nach Ankündigung des Konzerns nun im Mai 2015 endgültig vom Netz gehen. Einige Monate vor dem im Atomgesetz nach Fukushima festgelegten Termin Ende Dezember 2015. Damit will E.on rund 80 Millionen Euro an Steuern einsparen, berichtet der Spiegel. Die Entscheidung von E.on ist auch ein Hinweis, wie tiefgreifend der Ausbau der Erneuerbaren Energie die Energiewirtschaft verwandelt. „E.on schaltet ab – Atommeiler in Grafenrheinfeld geht früher vom Netz – weiter machen…“ weiterlesen

Neustart bei der Endlagersuche? „Den Unsinn Gorleben beenden“

Atommuell-Tagung-Berlin-Maerz2014-DNR-1
Anti-Atom-Bewegung in der Debatte: Atommüll-Tagung am 28./29. März 2014 in Berlin. Foto: Dirk Seifert

Neustart bei der Endlagersuche? „Das geht nur, wenn klar ist, „dass der Unsinn Gorleben beendet wird“.“ Das sagt Michael Müller, heute Chef der Naturfreunde, SPD-Umweltexperte und früherer parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium in einem Interview bei den Klimarettern.

Hintergrund für das Interview mit Müller ist das im letzten Sommer beschlossene Endlagersuchgesetz und die im Moment laufende Debatte um die Besetzung einer entsprechenden Kommission, die mit gesellschaftlichen VertreterInnen besetzt werden soll. Bislang lehnt die Anti-Atom-Bewegung eine Beteiligung daran ab, weil aus ihrer Sicht zu viele Mängel und Konstruktionsfehler in dem Gesetz stecken. Dazu hat am letzten Wochenende in Berlin eine von den Verbänden organisierte Tagung „Atommüll ohne Ende“ stattgefunden, auf der umfänglich und kontrovers über „einen besseren Umgang“ mit dem Müll gestritten wurde. „Neustart bei der Endlagersuche? „Den Unsinn Gorleben beenden““ weiterlesen

×