Plutonium ausgeliefert: Die letzten MOX-Brennelemente sind in den Reaktoren – Atomtransporte finden nicht mehr statt

Atomtransporte mit Plutonium-Uran-Brennelementen (MOX) zu deutschen Atomkraftwerken wird es nicht mehr geben. In einigen Meilern sind sie noch im Einsatz und in den AKWs Brokdorf, Isar 2 und Emsland (Lingen) warten derartige Brennelemente noch auf den Einsatz in den Reaktoren. Aber die aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und England stammenden Plutonium-Mengen sind inzwischen zu MOX-Brennelementen verarbeitet und an die AKWs ausgeliefert worden. Das teilte das Bundesumweltministerium auf Anfrage von umweltFAIRaendern mit.

Die bestehenden Reaktoren sind eigentlich auf den Einsatz von reinen Uran-Brennelementen ausgelegt. MOX-Brennelemente sind eine Art „Notlösung“ der Atomwirtschaft gewesen, nachdem die Planungen für einen Plutonium-Reaktor-Pfad mit dem Scheitern der WAA Wackersdorf und dem Schnellen Brüter in Kalkar gescheitert waren. Im Zusammenhang mit Planungen in den USA zum Einsatz derartiger Brennelemente räumte E.on diese Probleme vor einiger Zeit im Grunde ein: E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme. In Deutschland allerdings behaupteten die Betreiber immer wieder, dass der MOX-Einsatz keinerlei Schwierigkeiten machen würde. Dabei waren mit dem Plutonium-Einsatz nicht nur technisch „anspruchsvolle“ Betriebsfahrweisen im Reaktor verbunden, sondern auch erhöhte Sicherheitskontrollen hinsichtlich der grundsätzlichen Atomwaffenfähigkeit des Plutoniums.

Der MOX-Einsatz wurde erst schrittweise ab Mitte der 1980er Jahre eingeführt. Der Hintergrund: Gerichte forderten für den Betrieb der Atommeiler einen sogenannten „Entsorgungsnachweis“ für den Atommüll. Die damaligen Bundesregierungen konstruierten daher mit der Entscheidung für einen Atommüllstandort Gorleben ein künftiges Endlager. Die Wiederaufarbeitung der Brennelemente im Ausland wurde kurzerhand als Verwertung bezeichnet. Das dabei entstandene Plutonium war zwar im Grunde überflüssig (wenn man von militärischen Motiven absieht) und viel zu teuer, aber dieser Weg verschaffte die erforderliche Zeit den Atommüll zwischenzulagern, bis das vermeintliche Endlager irgendwann mal fertig würde. Dass das alles vorn und hinten nicht hinhaute, ist heute jedem klar. Auf diesem abenteuerlichen Konstrukt im Umgang mit dem hochgefährlichen Atommüll aber basierte rechtlich der Betreib der AKWs.

Zu den Hintergründen dieser besonderen Brennelemente und deren Einsatz in den AKWs ist hier mehr nachzulesen:

Atomwaffenfähiges Plutonium auf geheimer Auslands-Reise – Gescheiterte Plutonium-Wirtschaft und nukleare Risiken

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Atomtransporte mit waffenfähigem Plutonium aus Deutschland und der Schweiz. Mit gepanzerten Spezialfahrzeugen der Firma DAHER-Transkem und unter hohem Sicherheitsaufwand wurden auch mehr als 500 Gramm Plutonium über Nordenham in die USA verschifft. Foto: Transkem

Unter höchster Sicherheitsstufe ist ein Gemisch aus hochangereichertem Uran und Plutonium (MOX) aus Deutschland und der Schweiz in die USA transportiert worden. Der Anreicherungsgrad des Urans beträgt dabei mehr als 20 Prozent des spaltbaren Anteils Uran 235. Insgesamt sollen über 500 Gramm Plutonium enthalten gewesen sein. In drei gepanzerten Spezialfahrzeugen unter massivem Polizeischutz war das als Pulver und als Pellets vorliegende Uran-Plutonium-Gemisch am 25.1.2016 über Nordenham in die USA verschifft worden. Das bestätigt das Bundesumweltministerium auf Anfrage. Zu den Einzelheiten will das Ministerium derzeit keine weiteren Angaben machen, da die USA um entsprechende Geheimhaltung gebeten haben. Hintergrund ist ein Proliferationsabkommen, nachdem die USA (hochangereicherte) Kernbrennstoffe aufnehmen, um einem militärischen Missbrauch vorzubeugen. „Atomwaffenfähiges Plutonium auf geheimer Auslands-Reise – Gescheiterte Plutonium-Wirtschaft und nukleare Risiken“ weiterlesen

Nationalsozialismus: Zwangsarbeiter bei HEW – Kraftwerk Alt Garge – Einige parlamentarische Anfragen

hew-alt-garge-zwangsarbeit-1Über 70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus ist die Auseinandersetzung mit den Verbrechen noch lange nicht zu Ende. Eines der Themen, das derzeit wieder in der Aufmerksamkeit steht, ist die Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen. Vor wenigen Wochen hatte umweltFAIRaendern zwei Beiträge in Erinnerung gebracht, die sich mit der Zwangsarbeit bei den Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW) beschäftigten. 1994, im 100. Jahr der Gründung der HEW, stand die Entschädigung von Häftlingen einer Außenstelle des KZ Neuengamme, die am Bau eines HEW Kohlekraftwerks in Alt Garge auf der niedersächsischen Seite der Elbe eingesetzt worden waren, im öffentlichen Interesse. UmweltFAIRaendern veröffentlicht zusätzliche Dokumente: Vier Schriftliche Kleine Anfragen aus der Hamburgischen Bürgerschaft. „Nationalsozialismus: Zwangsarbeiter bei HEW – Kraftwerk Alt Garge – Einige parlamentarische Anfragen“ weiterlesen

Hanau, Plutonium, Transnuklear-Skandal: „Der Anfang vom Ende des Atomdorfs“

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„Atomdorf“ Hanau im Stadtteil Wolfgang. Foto: ?

Warum der Atomindustrie und staatlichen Aufsicht bis heute mit tiefsten Misstrauen begegnet wird? Einer von vielen Gründen ist der Transnuklear-Skandal, der inzwischen über 25 Jahre zurückliegt und eine bis dahin kaum fassbare kriminelle Energie sichtbar machte. Im Zentrum damals die Manager einiger Atomkonzerne und die Orte Hanau in Hessen und Mol in Belgien. Eine umfassende Reportage über die ehemalige Atomschmiede in Hanau hat Ludger Fittkau jetzt auf Deutschlandradio Kultur veröffentlicht: „Vor 25 Jahren begann der Prozess zum größten Skandal in der Geschichte der deutschen Atomindustrie. Führende Manager der Hanauer Firma Transnuklear waren angeklagt, im großen Stil Atommüll in Belgien unsachgemäß entsorgt und teilweise ins Meer gekippt zu haben“, heißt es eingangs in dem Beitrag.

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Auch der Spiegel berichtete natürlich über den Atom-Skandal. Titelfoto Januar 1988

Schmiergeldzahlungen, Atommüll-Panschereien und unglaubliche Umweltsauereien wurden damals bekannt. Hanau: Das war auch der Ort der Plutonium-Anlagen von Siemens, dort stand ein Plutonium-Bunker. Im Tonnen-Maßstab wurde mit diesem Super-Gift und Ausgangsmaterial für die Atombombe gearbeitet. Der Skandal leitete das Ende des Atomdorfs in Hanau ein. Fittkau besuchte Hanau für seine Reportage in Begleitung von Angelika Gunkel und Elmar Dietz, einem Urgestein des Widerstands gegen den dortigen Atomkomplex. Aber auch Klaus Traube und andere „Zeugen“ kommen in dem Beitrag zu Wort. Restlos geklärt wurden die Vorgänge rund um den Transnuklear-Skandal nicht, stellt Fittkau fest und verweist damit auch auf die Gegenwart: Das Misstrauen in die Atomlobby bleibt.

Berichte über den damaligen Atomkomplex Hanau und den Transnuklear-Skandal finden sich auf Anti-Atom-Aktuell und auch hier beim autonomen Zentrum Metzgerstraße Hanau. Im Januar 1988 berichtete der Spiegel so.

Hanau ist auch der Ort einer Rede von Robert Jungk. Wenige Wochen nach der Katastrophe von Tschernobyl sprach er auf einer Großdemonstration vor rund 10.000 TeilnehmerInnen in Hanau: „Macht kaputt, was euch kaputt macht“. Die ARD schreibt dazu: „Der Journalist und Autor Robert Jungk ist vor allem für seine Wortschöpfung „Atomstaat“ berühmt geworden – und für sein gleichnamiges Buch, das 1977 erschien. Wie er später erzählte, kam er 1976 bei der ersten großen Demonstration gegen das Atomkraftwerk in Brokdorf auf den Begriff. Als er die mit Helmen, Hunden und Stöcken ausgerüsteten Polizisten sah, musste er an den Publizisten Eugen Kogon denken – und an sein Werk „Der SS-Staat“. Zeit seines Lebens kämpfte Jungk gegen Atomwaffen und gegen Kernkraftwerke. In der friedlichen Nutzung der Atomenergie sah er nur „die naive Schwester der militärischen“. 1986 forderte er auf einer Anti-Atom-Demo in Hanau: „Macht kaputt, was Euch kaputt macht!“ Damit handelte er sich eine Anzeige wegen Landfriedensbruches ein, das Verfahren wurde aber eingestellt.“

Über das Gerichtsverfahren gegen Jungk berichte 1988 die Zeit: „Robert und der Schwarze Block„.

Ankommen in Berlin ohne Vattenfall

Verliert Vattenfall das Berliner Stromnetz auch ohne Volksentscheid? Foto: Dirk Seifert
Demontiert, weil nicht mehr bezahlbar. Vattenfall-Werbung im Berliner Hauptbahnhof: Geschichte!

Ein Konzern verschwindet, Schritt für Schritt. Nicht nur viele saudumme Fehler der Vorstandsspitze sind für die schwere Vattenfall-Krise verantwortlich. Auch so nette Dinge wie der Volksentscheid „Unser Hamburg – unser Netz“ hat dazu beigetragen, dass Vattenfall a. kleiner und b. ärmer geworden ist. Als Folge der Krise hat Vattenfall seine Sponsoren-Tätigkeit zusammengestrichen. Die Partnerschaft mit dem Olympischen Sportbund wurde gestrichen, die Lesetage und die Cyclassics sind inzwischen Geschichte und: Am Berliner Hauptbahnhof hat Vattenfall inzwischen auch die Leuchtreklame abbauen lassen. So ist das!

Vattenfall und Krise. Alle Texte auf umweltFAIRaendern.de

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