Waffen-Uran und Plutonium in Atommeilern – Alternativen wurden nicht verfolgt!

Die Berichte der Süddeutschen Zeitung über den massiven Einsatz von Waffen-Uran aus Russland in deutschen Atomkraftwerken wirft ein tiefes Schlaglicht auf die militärisch-zivile Atomenergienutzung.

Die Enthüllungen werfen auch ein neues Licht darauf, warum in Deutschland die Debatte über alternative Möglichkeiten zum Einsatz plutoniumhaltiger MOX-Brennelemente aus der Wiederaufarbeitung Anfang der 2000er Jahre vollständig zum Erliegen kam.

In Deutschland ist in den 90er Jahren intensiv darüber diskutiert worden, wie das durch die Wiederaufarbeitung in Frankreich und England anfallende Plutonium am besten vor militärischen Zugriffen geschützt werden könnte. Die AKW-Betreiber und die damalige Bundesregierung unter Kanzler Kohl setzten vor allem auf die MOX-Strategie.

Für nahezu alle AKWs stellten die Betreiber Gehmigungsanträge. Trotz enorm hoher Kosten (die damals komplett an die Stromkunden weiter gegeben wurden), sollte das MOX in den Reaktoren eingesetzt werden. Nach dem Reaktoreinsatz – so die Betreiber – wären die MOX-Brennelemente hochradioaktiv und das für Atomwaffen nutzbare Plutonium nur unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen wieder abzutrennen. Atomlobbyisten als Friedensengel: Wie nebenbei sicherte diese Strategie natürlich den weiteren Betrieb der AKWs.

Gegen diese Strategie haben vor allem die Anti-Atom-Bewegung, kritische Gutachter und Vertreter der Friedensbewegung Widerspruch erhoben und sich für die Verglasung des Plutoniums ausgesprochen. Auch ohne Reaktoreinsatz würde das in der Wiederaufarbeitung separierte Plutonium in eine hochradioaktive Matrix eingebaut. Auch eine weitere Variante war in der Debatte: Die Herstellung von „schlechten“ MOX-Brennstäben, die anschließend in bestrahlte Brennelemente eingebaut werden (Brennstablagerung, Mies-Mox). Mehr dazu (PDF, S.25ff, Plutonium – powerd by HEW).

Das Öko-Institut Darmstadt – damals eines der führenden kritischen Institute gegen die Atomenergie und Grünen-nah – hatte mehrfach in Studien den MOX-Einsatz kritisiert und 1999 für die Umweltbehörde Hamburg eine detaillierte Studie über die Alternativen erarbeitet. Diese Studie zeigte, dass die Alternativen machbar sind. (Siehe auch hier)

(Die Studie, die leider nicht als PDF vorliegt, hat den Titel: „Realisierbarkeit der Verglasung von Plutonium zusammen mit hochradioaktiven Abfällen sowie der Fertigung von MOX-Lagerstäben zur Direkten Endlagerung als Alternativen zum Einsatz von MOX-Brennelementen“, Küppers, C.; Sailer, M.; Liebert, W. (IANUS); 1999, (Auftraggeber: Freie und Hansestadt Hamburg))

Auch die SPD-Landesregierung in Schleswig-Holstein hatte sich immer wieder gegen den MOX-Einsatz ausgesprochen (in Brokdorf wird MOX eingesetzt; in den AKWs Brunsbüttel und Krümmel hatten die damaligen HEW, heute Vattenfall, zwar Anträge gestellt, aber aufgrund der großen Proteste und der Sicherheitsrisiken nicht weiter verfolgt.)

Die SPD hielt damals die Plutonium-Wirtschaft für verfassungswidrig und drohte mit einer Klage. Alle Plutonium-Anlagen in Deutschland scheiterten am massiven Widerstand: In Hanau musste die MOX-Fabrik geschlossen werden, die Fabrik zur Herstellung von Plutonium, die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf wurde nie gebaut, der Schnelle Brüter in Kalkar wurde nie in Betrieb genommen.

Allerdings: Mit der ersten rot-grünen Bundesregierung und den Verhandlungen über einen Atomkonsens bricht die Debatte über Alternativen zum MOX-Einsatz weitgehend zusammen. Auch das Öko-Institut stellte seine Bemühungen ein und schien sich nun mit der MOX-Strategie der AKW-Betreiber abzufinden.

Dabei wurde das Thema vor dem Hintergrund der amerikanisch-russischen Abrüstungsverhandlungen Anfang 2000 immer bedeutsamer. Vor allem in der Friedensbewegung wurde nun weltweit verstärkt darüber diskutiert, wie man die großen Mengen an Waffen-Uran und Plutonium möglichst „umweltverträglich“ und für weitere Waffenzwecke unzugänglich machen konnte.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet vor dem Hintergrund, dass deutsche Atomkonzerne seit Jahren russisches Waffen-Uran als Brennstoff einsetzen: „Vertrauliche Papiere führender Atommanager enthüllen einen wüsten Verdacht: Sie sollen geplant haben, die Bundesregierung auszutricksen und mit Abrüstungsplänen längere Laufzeiten durchzuboxen.“

Der SZ liegen offenbar diverse Papiere vor, die zeigen sollen, mit welchen Tricks die AKW-Betreiber vorgingen. „Im Jahr 2001 machten sich Atommanager in Berlin dafür stark, in Zukunft auch den noch gefährlicheren Atombombenstoff Plutonium aus Militärbeständen Russlands in deutschen AKW abzufeuern – gegen den Rat von Umweltschützern und Atomexperten. Man eruierte die politische Lage und resümierte erfreut, die Bundesregierung sei für das Thema grundsätzlich offen. So steht es in einem internen EnBW-Schreiben an Ex-EnBW-Chef Gerhard Goll zur Vorbereitung auf ein Gespräch mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) 2001.“

Bedeutsam aber sind die Hinweise der SZ, dass nicht nur die SPD-Führung in diese Vorgänge verwickelt war: „Selbst die Grünen hatte die Branche nach eigener Lesart im Griff: „Überraschenderweise gibt es bei den Grünen dank guten Lobbyings durch die richtigen Leute eine vergleichsweise hohe Akzeptanz“, schreibt der Chef der EnBW-Kraftwerke AG, Michael Gaßner, an Goll…“

Ungeachtet der Frage, wer die „richtigen Leute“ waren: Der Druck der AKW-Betreiber, Waffen-Uran und Plutonium in den AKWs einzusetzen, um damit Laufzeiten zu verlängern, hätte vermutlich öffentlich zu einer heftigen eher negativen Reaktion geführt. Vermutlich deshalb hat die Atomlobby das auch nicht an die große Glocke gehängt, sondern eher im Stillen vorangetrieben.

Warum aber Grüne und ihnen nahestehende Experten geschwiegen haben sollten, wenn sie von den Plänen der Atomlobby wussten, wirft erhebliche Fragen auf!

Aber in der Tat ist es auffällig, dass Anfang der 2000er Jahre die Debatte um alternative Möglichkeiten zum MOX-Einsatz in Deutschland fast völlig verschwindet. Allerdings: Auch in den USA wird diese Diskussion schon 2002 eingestellt und der Weg Richtung MOX-Einsatz vorbereitet. Die New York Times berichtet im Zusammenhang mit der Diskussion über eine im Bau befindliche Plutoniumfabrik in den USA: „A cheaper alternative, encasing it in glass, was canceled in 2002 by President George W. Bush’s administration. The energy secretary at the time, Spencer Abraham, is now the non-executive chairman of the American arm of Areva, a French company that is the world’s largest mox producer and is primarily responsible for building the South Carolina plant.“

Weitere Informationen siehe auch hier: Verdammt in alle Ewigkeit – Plutonium in Atomreaktoren (PDF)

E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme

E.on sieht nur Nachteile bei MOX -teurer, schwerer herzustellen, Probleme im Reaktor und bei der anschließenden Entsorgung.

Wolfgang Faber von E.on räumt ein, dass  plutoniumhaltige MOX-Brennelemente eine Vielzahl von Nachteilen bei der Herstellung, im Reaktoreinsatz und danach bei der Entsorgung haben. Das hat Faber, Leiter  für Brennelementeinsatz und Entsorgung bei der E.ON Kernkraft GmbH, im Herbst 2011 bei einem Meeting des US Nuclear Waste Technical Review Board in einem Vortrag (PDF) eingeräumt. In dem Vortrag sind auch Fotos von dem Transportbehälter für die MOX-Brennelemente zu sehen, der Behälter heißt MK4.

In den USA wird derzeit intensiv über einen möglichen Einsatz von MOX-Brennelementen in den Atomkraftwerken diskutiert.

Nach einer Darstellung der Eigenschaften von Plutonium als Brennstoff kommt Faber in dem Vortrag zu dem Ergebnis:

„MOX are …

  • …more expensive (at least German situation)
  • …more difficult to fabricate
  • …more complicated to handle on-site
  • …more closely supervised by IAEA
  • …more appreciated by IFM-people
  • …in need of longer post-operating storage time
  • …more difficult in intermediate storage period

…than Uranium FA.“ (die PDF ist auch hier online)

Damit unterstützt dieses Statement die Kritiker des MOX-Einsatzes. Die AKW-Betreiber versuchen meist zu bestreiten, dass es diese Nachteile gibt (siehe auch hier). Durch den hohen Plutoniumanteil ist nicht nur die Herstellung extrem kompliziert und nur unter hohen – teuren – Sicherheitsvorkehrungen zu machen; deswegen wird die MOX-Fabrik in Sellafield derzeit auch geschlossen! MOX ist demnach auch im Reaktor schwerer zu hantieren, muss nach dem Einsatz aufgrund seiner höheren Aktivität und Temperatur länger im AKW abklingen und stellt auch danach noch größere Probleme dar.

BürgerInitiativen und Umweltorganisationen, aber auch Parteien und Abgeordnete protestieren seit Wochen gegen den geplanten Transport von Plutonium-Brennelementen zum AKW Grohnde. Diese sind vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt. Aktuell laufen in Sellafield/UK die Vorbereitungen für den Transport der ersten acht MOX-Brennelemente, die in zwei MK4-Behältern verpackt zuerst per Schiff und dann mit einem Spezial-LKW zum AKW Grohnde gebracht werden sollen. Der Transport wird mit dem Plutonium-Frachter Atlantic Osprey abgewickelt, der eine Vielzahl von Sicherheitsmängeln aufweist. Für November ist ein weiterer Transport mit erneut acht MOX-Elementen geplant.

Zur Problematik der Plutonium-Brennelemente siehe auch diese ältere Broschüre, die eine Vielzahl der Probleme darstellt und von der GAL-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg herausgegeben wurde: VERDAMMT IN ALLE EWIGKEIT – Plutonium in Atomreaktoren (PDF, 1998)

Plutonium-Transporte zum AKW Grohnde – Kritik wächst

Besser keine Plutonium für das AKW Grohnde. Proteste wachsen. Foto: Dirk Seifert

Die Kritik an den geplanten Plutoniumtransporten aus der englischen Atomfabrik Sellafield zum AKW Grohnde wächst. Auch die Linken im Niedersächsischen Landtag und in der Bremer Bürgerschaft haben sich jetzt noch einmal gegen die gefährlichen Plutoniumtransporte und den Einsatz der MOX-Brennelemete im AKW Grohnde ausgesprochen.

Während letztes Wochenende mehrere Hundert AtomkraftgegnerInnen in Nordenham und am AKW Grohnde protestierten, wollen sich die KommunalpolitkerInnen im Kreis Wesermarsch (Nordenham) am Montag zu einer Sondersitzung treffen. Die dortigen Katastrophenschutzbehörden sind bis heute nicht über die Transporte informiert.

In der Kritik steht nicht nur der Landtransport der Plutonium-Stäbe. Gravierende Sicherheitsmängel weist vor allem das Schiff auf, mit dem die riskante Fracht von England zum Umschlagshafen in Nordenham gebracht werden soll. Französische Behörden haben die mangelnde Sicherheit der Atlantic Osprey bereits 2010 kritisiert. Bürgerinitiativen haben inzwischen in einem Schreiben an den Vorsitzenden gefordert, dass sich der Hafenauschusses des Niedersächsischen Landtages mit dem Plutoniumtransport und der mangelnden Sicherheit der Atlantic Osprey beschäftigt. Das Schiff ist im Gegensatz zu anderen Atomfrachtern nur einwandig gebaut und verfügt nur über eine Antriebs-Maschine.

Gestern hat die Linken-Fraktion in Hannover ihre Kritik an den Transporten bekräftigt: „Der umweltpolitische Sprecher der LINKEN im Landtag, Kurt Herzog, sagte: „Wenn es in Niedersachsen um Atomkraft geht, spielen Sicherheit und der Schutz von Mensch und Umwelt keine Rolle mehr. Die Verantwortlichen halten es offenbar nicht einmal für notwendig, die Landräte der betroffenen Kreise zu informieren!“

So fehle der ‚Atlantic Osprey‘ z.B. die doppelwandige Außenhaut. Zudem haben sich in 2010 französische Behörden gegen einen weiteren Einsatz des Schiffes ausgesprochen. Es wäre unverzüglich zu klären, aus welchen Gründen. Herzog: „E.on als verantwortliches Unternehmen setzt Mensch und Natur mit diesem Transport unkalkulierbaren Gefahren aus – und die Aufsichtsbehörden schauen zu.“ Doch nicht nur der Transport, auch der Betrieb von MOX-Brennelementen sei unverantwortlich; ihr Einsatz könne die Auswirkungen eines Reaktorunfalls noch verschlimmern, wie das Beispiel Fukushima gezeigt habe. „Schon ein Millionstel Gramm Plutonium kann Krebs auslösen, wenn man es einatmet. Deshalb muss der Transport von und der AKW-Betrieb mit MOX-Brennelementen verhindert werden“, so Herzog. DIE LINKE fordert daher ein Verbot des Einsatzes und Transportes plutoniumhaltiger Mischoxidbrennelemente.“

In Bremen hat die Linken-Fraktion einen Antrag in die Bürgerschaft (Drs. 18/564, 11. September 2012) eingebracht. Allerdings wurde der Antrag auf der letzten Sitzung nicht behandelt. Darin soll die Bürgerschaft beschließen:

„1. Der Senat wird aufgefordert, gegenüber dem Bundesamt für Strahlenschutz und dem Bundesumweltamt Sicherheitsbedenken anzumelden.
2. Der Senat wird aufgefordert, die Bedenken gegebenenfalls auch in der Kommission „Sicherung und Schutz kerntechnischer Einrichtungen“ zu äußern.
3. Der Senat wird gebeten, auf die niedersächsische Landesregierung einzuwirken mit dem Ziel, auch dieses von der Gefährlichkeit des anstehenden Transports zu überzeugen und Schritte dagegen einzuleiten.“

Stilllegung AKWs Brunsbüttel und Krümmel – Vattenfall sucht billige Lösung

Voller Saal, viele Fragen – kaum Antworten – Vattenfall sagt nicht, wie es mit den AKWs Brunsbüttel und Krümmel weiter geht. Foto: Dirk Seifert

Was Vattenfall mit den beiden stillgelegten Atommeilern Krümmel und Brunsbüttel vor hat war auch gestern auf der Veranstaltung der Stadt Geesthacht nicht zu erfahren. Während EnBW, E.on und RWE bereits entschieden haben, ihre stillgelegten AKWs zurückzubauen, hält sich Vattenfall noch alles offen.

Ingo Neuhaus, der bei Vattenfall für die Stilllegung zuständig ist, hatte den weit über 200 BürgerInnen im überfüllten Ratssaal wenig konkretes zu sagen: Vattenfall prüfe derzeit, ob der Rückbau oder der „sichere Einschluss“ die für das Unternehmen beste Lösung sei. Dabei betonte er immer wieder, dass dabei selbstverständlich auch wirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle spielten.

Fricke, Kraftwerksleiter Krümmel und Neuhaus, zuständig für Stilllegung bei Vattenfall. Klare Antworten fehlten…. Foto: Dirk Seifert

Viele ZuschauerInnen – das zeigten die Fragen – bekamen immer mehr den Eindruck, dass Vattenfall vor allem auf Zeit spiele und möglicherweise darauf hofft, zumindest das AKW Krümmel solange im einem fast betriebsfähigen Zustand zu halten, bis das Bundesverfassungsgericht über die Klage der Atomkonzerne entschieden hat. Der Eindruck, dass Vattenfall die billigste Lösung für die Stilllegung der Atommeiler suche, wurde auch durch eine Entscheidung des Konzerns vor wenigen Wochen unterstützt: Vattenfall wandelt seine Atombeteiligungen zu einer GmbH um. Entscheidend dabei ist, dass damit der bisher bestehende Beherrschungsvertrag mit der Vattenfall AG (Schweden) aufgelöst wird. Damit entzieht sich der Gesamtkonzern auch der finanziellen Verantwort für die Kosten bei der Stilllegung oder im Falle schwerer Unfälle. Reichen die Einlagen der GmbH nicht aus, ist nicht mehr der schwedische Mutterkonzern in der Pflicht, sondern der deutsche Steuerzahler.

Die wohl zunächst wichtigste Information, die Neuhaus geben konnte: Vattenfall wird zunächst eine Entscheidung für das AKW Brunsbüttel treffen, danach erst für Krümmel. Wann das sein wird, sagte er trotz Nachfragen nicht.

Das ist – auch mit Blick auf die Entschädigungsklagen von Vattenfall – wirtschaftlich durchaus einleuchtend. Brunsbüttel ist deutlich älter als Krümmel und hat mit rund 700 MW nur die halbe Leistung im Vergleich zu Krümmel, bei fast gleicher Anzahl von Beschäftigten. Der Reaktor, der immer wieder wegen Sicherheitsmängeln teilweise über Jahre nicht am Netz war und seit 2007 keinen Strom mehr produzieren durfte, stand wirtschaftlich ohnehin vor dem Aus: Noch vor der Laufzeitverlängerungsentscheidung der Bundesregierung hatte E.on – mit einem Drittel am AKW Brunsbüttel beteiligt – relativ unmißverständlich deutlich gemacht, dass der Konzern für den maroden Reaktor wirtschaftlich keine Zukunft mehr sehe. Die Vattenfall-Entscheidung, nun zunächst die Stilllegung des AKW Brunsbüttel vorzubereiten, bevor man sich bei Krümmel entscheide, sorgte für erheblichen Unmut bei den ZuhörerInnen und unterstützte die vorhandenen Zweifel, dass Vattenfall Krümmel so lange wie möglich betriebsbereit erhalten wolle.

Auch das spielte für diesen Eindruck eine Rolle: Je später Vattenfall sich für eine Stilllegungsvariante entscheidet, desto länger kann das Unternehmen steuerfreie Entsorgungs-Rückstellungen bilden und je später Maßnahmen angegangen werden, desto später müssen Zahlungen aus diesen Geldern getätigt werden, was für Vattenfall auch deutliche Zinsvorteile bringt. Konkrete Antworten zu diesen Thema gab es – richtig – von Vattenfall nicht.

Wolfgang Cloosters (li) von der Atomaufsicht Schleswig-Holstein kritisierte Vattenfall scharf, kann aber wegen Lücken im Atomgesetz nichts machen…. Foto: Dirk Seifert

Wolfgang Cloosters, Chef der Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein, kritisierte dieses Zögern von Vattenfall in Sachen Stilllegungsantrag mehrfach scharf, verwies aber auch darauf, dass das Atomgesetz hier eine große Lücke aufweise: Die Atomaufsicht hat derzeit nicht das Recht, Vattenfall eine Frist zu setzen oder Anordnungen zur Vorlage eines Stilllegungskonzeptes zu erteilen. Erst eine bundesgesetzliche Änderung könnte dies ermöglichen. Gleichzeitig forderte Cloosters, dass nur der sofortige Rückbau sinnvoll sei und kündigte an, dass die neue Landesregierung über den Bundesrat eine Initiative plane, das Atomgesetz in der Weise zu ändern, dass der Rückbau vorgeschrieben und der Einschluss untersagt werde.

Wolfgang Neumann von der Intac Hannover: Keine Pauschallösungen, sondern sicherheitsorientierte Analysen und Bürgerbeteiligung, bevor Entscheidungen getroffen werden. Foto: Dirk Seifert

Wolfgang Neumann von der INTAC, ehemals Gruppe Ökologie und unabhängiger Atomexperte, warnte allerdings, pauschale Lösungen anzustreben. Vielmehr sei aus ökologischen und Strahlenschutzgründen erforderlich, die Möglichkeiten und Alternativen genauestens zu betrachten. Auch eine Mischung aus Rückbau und Einschluss sei eine Möglichkeit, die nicht von vornherein auszuschließen ist. Wichtig sei es vor allem, der Öffentlichkeitsbeteiligung einen großen Raum zu geben, um die jeweiligen Alternativen umfangreich und kritisch zu diskutieren, bevor dann am Ende eine Entscheidung durch die Behörde getroffen würde.

Die Fakten, die Vattenfall zu nennen wusste, sind überaus spärlich: Kraftwerksleiter Torsten Fricke erklärte, das die rund 800 bestrahlten Brennelemente aus dem Reaktor von Krümmel inzwischen allesamt in das Nasslager überführt worden sind und der Reaktor damit keine Brennstoffe mehr enthält. Im Nasslager befinden sich jetzt ca. 1000 bestrahlte Brennelemente. Zu der Frage, wann denn endlich die Castor-Behälter zur Verfügung stünden, damit die Brennelemente vom Nasslager in das Standortlager – und damit raus aus dem AKW – überführt werden können, konnte oder wollte er keine Angaben machen. Unklar blieb auch, wie das Unternehmen mit defekten Brennelementen und mit solchen Brennelementen umgehen will, die nur kurz im Reaktor waren. Konkrete Zahlen wollte er nicht nennen.

Bei den Castorbehältern für die Siedewasserreaktoren scheitert es derzeit nicht nur, weil die Fertigungskapazitäten beim Hersteller GNS viel zu klein sind: Der neue Castorbehälter für höher abgebrannte Brennelemente ist immer noch nicht genehmigt, so dass die Fertigung noch nicht einmal anlaufen kann. (Vermutlich erst nächstes Jahr wird das zuständige Bundesamt für Strahlenschutz eine solche Genehmigung erteilen, wenn der Behälter die Sicherheitsanforderungen für die mehr Wärme und höhere Strahlung erzeugenden Brennelemente erfüllt.)

Zum AKW Brunsbüttel erklärte Neuhaus, dass es dort 13 defekte Brennstäbe gäbe und das die Castorbehälter inzwischen fest bestellt sind. Wann die jedoch geliefert würden, konnte er nicht sagen.

Plutonium für AKW Grohnde – Katastrophenschutzbehörde Wesermarsch nicht informiert

Sicherheit geht anders! Plutonium-Frachter Atlantic Osprey, eine alte Autofähre….

Ob der geplante Transport mit gefährlichen Plutonium-Brennelementen von Sellafield / England über den Hafen von Nordenham zum AKW Grohnde schon angelaufen ist, ist derzeit aufgrund der Geheimhaltung noch unklar. Aktuelle Infos gibt es hier und auf Twitter.

Landkreis: Katastrophenschutz ist nicht informiert

Allerdings: Die zuständigen Katastrophenschutzbehörden im Kreis Wesermarsch sind nach Angeben von Landrat Michael Höbrink (SPD) bislang nicht über den Plutonium-Transport informiert. Radio Bremen berichtet online: „Höbrink sagte, er sei von keiner Seite informiert worden, was genau ankommt oder wie gefährlich die Brennelemente sind. Er weiß nur, dass das Schiff in der zweiten Septemberhälfte Nordenham ansteuern soll. „Wir sind die Katastophenschutzbehörde und im Ernstfall wissen wir gar nichts“, so Höbrink weiter.“

Am kommenden Montag wird es zu einer gemeinsamen Sitzung des Kreistags Wesermarsch und dem Rat der Stadt Nordenham kommen, teilt Radio Bremen weiter mit. Dort wollen die Kommunalpolitiker und für den Katastrophenschutz zuständigen Verantwortlichen sich über die Risiken informieren. Dazu wird auch ein Vertreter der für Atomtransporte zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Strahlenschutz, an der Sitzung teilnehmen.

Es wäre schon einigermaßen ignorant, wenn E.on und die am Plutonium-Transport beteiligten anderen Unternehmen den Transport durchziehen würden, bevor sich die betroffenen PolitikerInnen nicht ein Bild über die Sicherheitslage gemacht haben.

Sicherheitsmängel des Schiff-Transports mit der Atlantic Osprey

Nicht nur auf der Straße ist der Plutonium-Transport ein großes Risiko. Im Falle eines Unfalls im Zusammenhang mit einem Feuer von mehr als einer halben Stunde besteht die Gefahr, dass das Plutonium freigesetzt werden könnte.

Auch schon der Schiffstransport mit der veralteten Atlantic Osprey ist unverantwortlich: Während andere Plutoniumfrachter zweiwandig gebaut sind, ist die Atlantic Osprey nur einwandig. Bei einem Unfall oder einer Kollission würde das Wasser daher äußerst schnell eindringen können. Hinzu kommt, dass das Schiff mit nur einer Maschine ausgestattet ist.

Vermutlich aus diesen Gründen hat die französische Behörde für Atomsicherheit (ANS) bereits 2010 Bedenken gegen den Einsatz dieses Frachters geäußert.

Die Atlantic Osprey ist ein RoRo-Schiff mit einer Heckklappe, die zum Be- und Entladen benutzt wird. Eigentlich als Frachter für Autotransporte in Hamburg gebaut (1986) ist die AO erst nachträglich zum Atomfrachter umgebaut worden. Dazu sind zwei zusätzliche Schotts eingebaut worden, die verhindern sollen, dass das Wasser bei offener oder defekter Heckklappe sich ungehindert im gesamten Innenraum ausbreiten kann.

Diese Heckklappen stellen ein enormes Sicherheitsrisiko dar; erinnert sei an die katastrophalen Fähr-Unglücke mit der Estonia und der Harald of free Enterprise.

Auch die Alantic Osprey hatte offenbar schon Probleme mit der Heckklappe: „Im Mai 2009 konnte im Hafen von Dünkirchen (Frankreich) offensichtlich die Heckklappe nur mit Hilfe eines externen Krans geöffnet werden“, berichtet  die Homepage „Cuxhaven bleibt atomstromfrei“ mit Verweis auf  contratom.de (Leider konnte ich die Quelle noch nicht überprüfen!). (Quelle, bzw. direkt das PDF-Dokument; der Bericht ist in einigen anderen Teilen sicherlich äußerst „spekulativ.)

Im Jahr 2002 ist auf der Atlantic Osprey – allerdings ohne atomare Fracht – ein Feuer ausgebrochen, das erst im Hafen gelöscht werden konnte.

Bis vor kurzem haben die britischen Reeder der Atomtransporte-Flotte Schiffe, die älter waren als 25 Jahre, aus Sicherheitsgründen ausgemustert. Seit 2010 weicht die INS von dieser Praxis ab – aus Kostengründen, wie es in einem vertraulichen Bericht heißt. Betroffen von dieser neuen Praxis ist nicht nur die inzwischen 26 Jahre alte Atlantic Osprey, sondern auch die schon stillgelegte und unter dem neuen Namen  reaktivierte (doppelwandige) Oceanic Pintail.

Als Gründe für die bisherige Praxis, die Schiffe ab einem Alter von 25 Jahren auszumustern, nennt „atomtransportecuxhaven.jimdo.com„:

„Durch die permanente Einwirkung radioaktiver Strahlung und die Einwirkung von Salzwasserkorrosion (z.B. durch doppelte Schotts, die mit Meerwasser gefüllt sind) auch und gerade auf Strukturen im Inneren des Schiffes, korrodiert der Stahl und die Festigkeit nimmt ab. Dies wurde bei den anderen Schiffen mehrfach durch die Klassifizierungsgesellschaft (Lloyds of London) festgestellt. “

Weitere Informationen zu dem Schiff gibt es auf der Seite der britischen Umweltorganisation CORE (Cumbrians Opposed to a Radioactive Environment).

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