Insgesamt rund 12.000 Menschen demonstrierten heute in Berlin zu Wasser und zu Lande gegen das Ausbremsen der Energiewende durch die Bundesregierung. Mittendrin dabei auch ROBINA WALD, das Floss von ROBIN WOOD. Rund 120 Boote, Kanus, Schiffchen und andere schwimmenden Ereignisse eröffneten die Demo unter dem Motto „Die Energiewende nicht kentern lassen“. Unterstützung gab es auch durch die Bands Revolverheld und Seeed, die auf der Abschlusskundgebung vor der CDU-Parteizentrale zu hören waren. Die Presseerklärung der Veranstalter, zu denen auch ROBIN WOOD gehörte, ist hier online. Gleich unten gibt es Fotos von der heutigen Demonstration.
„Die von der Bundesregierung geplante Bremse für die Energiewende darf nicht durchkommen. Immer mehr klimaschädlicher Kohlestrom, immer noch Atomenergie, damit muss Schluss gemacht werden. ROBIN WOOD fordert grünes Licht für den Ausbau der dezentralen erneuerbaren Energien und die rote Karte für die Politik der Klimakatastrophe der Bundesregierung. Statt die Kosten weiter auf die Bürger und Bürgerinnen zu verteilen, müssen auch die Konzerne endlich zahlen. Die Bürger-Energie-Wende wird weitergehen“, so Dirk Seifert, Energiereferent von ROBIN WOOD.
Vattenfalls Talfahrt hält an, noch für Jahre. Foto: Dirk Seifert
Die wirtschaftliche Talfahrt bei Vattenfall geht weiter. Vattenfall – wie auch die anderen Stromriesen E.on und RWE – ist wirtschaftlich durch die Erneuerbaren Energien, Energiewende und erhebliche Fehlinvestitionen schwer angeschlagen. Schon im vergangenen Jahr hatte der Konzern hohe Verluste zu verdauen. Vier Milliarden Euro mussten im Frühjahr 2013 abgeschreiben werden; allein eine halbe Milliarde Euro für das überflüssige und obendrein klimaschädliche Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg, das im Laufe des Jahres mit rund zwei Jahren Verspätung in Betrieb gehen soll. Doch die Talsohle ist noch lange nicht erreicht, berichtet der Focus nach Meldungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Montag). Auch das Hamburger Abendblatt berichtet.
Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka geht davon aus: Bis „2016 wird die gesamte Branche einen weiteren Gewinnrückgang erleiden, das ist garantiert.“ Deshalb kündigte er weitere Sparmaßnahmen im Konzern an: „Unsere Kosten werden Ende des Jahres wenigstens 20 Prozent niedriger sein als im Jahre 2010″.
Hintergrund für die wachsende Krisenlage sind die niedrigen Strompreise an der Börse bzw. die Großhandelspreise. Diese sind über die nächsten Jahre aufgrund des hohen Stromangebots und großer Überkapazitäten im Keller. Eine Entwicklung, die Vattenfall wie auch die anderen Stromkonzerne lange ignoriert haben, weil sie vor allem auf die Laufzeitverlängerung ihrer Atommeiler und neue Kohlekraftwerk spekulierten. Außerdem hat die Finanz- und Wirtschaftskrise seit Mitte des letzten Jahrzehnts dazu geführt, dass viele Investitionen nicht funktionierten und einen hohen Schuldenberg auftürmten.
Der Focus berichtet weiter: „Auch nach 2016 rechnet der Vattenfall-Chef mit keiner wirklichen Besserung: „Wir sind darauf eingestellt, dass die Großhandelspreise bis 2020 niedrig bleiben.“ Wegen rückläufiger Erträge durch niedrige Preise an der Strombörse werde das Unternehmen weniger investieren. „Dramatisch, aber notwendig“, nannte Hatakka die geplanten Kürzungen.“
Schon jetzt läuft konzernweit der Abbau von insgesamt 2.500 Arbeitsplätzen, davon 1.500 in Deutschland. Vattenfall hat sich in Folge der Krise inzwischen aufgespalten und das skandinavische Geschäft vom kontinentalen getrennt. Für Insider ein Hinweis, dass sich Vattenfall möglicherweise komplett aus Deutschland verabschieden wird. Auch einige Verkäufe von Beteiligungen deuten darauf hin. Für den Braunkohle-Bereich, mit dem Vattenfall in Deutschland rund 80 Prozent seiner Stromerzeugung betreibt, ist entweder ein Ausstieg oder aber die Beteiligung eines strategischen Partners im Gespräch. Die brandenburgische Landesregierung soll sich sogar auf eine Übernahme des gesamten Geschäftsfeldes vorbereiten.
Aktuell sorgen Vattenfall und Co höchstselbst dafür, dass die Krise sich verstärkt. Das berichtet z.B. das Handelsblatt im Januar: „Sinkende Energiepreise, taumelnde Versorger“, heißt es dort und: „Die Strompreise für den Großhandel sinken im laufenden Jahr voraussichtlich das vierte Mal in Folge. Die Versorger stocken die Kapazität von Kohle-Kraftwerken so stark auf wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.“ Der ohnehin schon hohe Preisdruck durch die Erneuerbaren Energien, die die Großhandelspreise deutlich absenken, wird nun noch durch die neuen Kohlekraftwerke von Vattenfall und Co selbst verstärkt.
Doch während die Großhandelspreise auf Tiefflug sind und die Konzerne über massive Gewinneinbrüche klagen, bleiben die Strompreise für Haushaltskunden hoch bzw. werden von Vattenfall und Co sogar noch erhöht. (Siehe hier das Abendblatt vom Februar 2014 zur Strompreiserhöhung von Vattenfall in Hamburg und Berlin.)
Zum Jahreswechsel hat der wirtschaftlich schwer angeschlagene Konzern Vattenfall seine Organisationsstrukturen verändert und entsprechend sein Management-Personal neu aufgestellt. Die Geschäftsbereiche jenseits von Skandinavien sind vom Konzern abgetrennt und verselbständigt worden. Für viele ein deutlicher Hinweis, dass der schwedische Staatskonzern sich aus Kontinental-Europa und England zurück ziehen will. Die Maßnahme gilt als Voraussetzung, um diese Konzernteile nach und nach zu verkaufen.
Hier die PM des Konzerns mit der Personalliste und den Funktionen: „Vattenfall ernennt Management Team für neuen Geschäftsbereich Kontinentaleuropa/Großbritannien (19. Februar 2014) Vattenfall hat sich zum 1. Januar 2014 in eine nordische und eine kontinentaleuropäische Einheit aufgespalten. Daraus resultierend wurden zahlreiche Management-Positionen im Geschäftsbereich Kontinentaleuropa/Großbritannien neu besetzt.
Tuomo Hatakka (57) ist nach der Reorganisation Head of Business Region Kontinentaleuropa/Großbritannien und bleibt wie bisher Deutschland-Chef. Zuvor war Hatakka Leiter der Business Division Production (2011 bis 2013). Zwischen 2008 und 2010 war er Head of Business Group Central Europe bei Vattenfall. Hatakka: „Ich freue mich auf eine erfolgreiche und konstruktive Zusammenarbeit mit allen neu ernannten Managerinnen und Managern in einem gewiss spannenden und herausfordernden energiewirtschaftlichen Umfeld.“
In den vier Stabsfunktionen von Kontinentaleuropa/Großbritannien berichten folgende Manager künftig an Tuomo Hatakka:
Catrin Jung-Draschil (37) ist neue Head of Staff Function Business Strategy. Davor war Catrin Jung-Draschil Head of Corporate Strategy Processes bei Vattenfall.
Rainer Schulze (46) wurde zum Head of Staff Function Human Resources ernannt. Vor der Umstrukturierung war Schulze Head of Human Resources der Business Division Production.
Peter Smink (48) ist neuer Head of Staff Function Finance. Zuvor war er im Unternehmen als Head of Business Division Sustainable Energy Projects beschäftigt.
Pieter Wasmuth (47) ist neuer Head of Staff Function Communications und bleibt wie bisher Generalbevollmächtigter für die Region Hamburg und Norddeutschland und Mitglied der Geschäftsführung der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH.
Die Führungspositionen der einzelnen Geschäftsgebiete (Business Units), die ebenfalls an Tuomo Hatakka berichten, wurden wie folgt besetzt:
Gunnar Groebler (41) führt die neu strukturierte Business Unit Renewables (Erneuerbare Energien). Er war zuvor Head of Hydro Germany (Wasserkraft) bei Vattenfall.
Martijn Hagens (42) ist neuer Head of Business Unit Heat (Fernwärme) und war zuvor Head of Business Unit Customer Service (Kundenservice).
Jan Homan (60) ist Head of Business Unit Projects (Planung und Realisierung von Grossprojekten). Davor hatte er die Position als Head of Business Unit Thermal Power & Heat inne.
Tessel Jarigsma (40) ist neue Head of Business Unit Sales (Vertrieb). In ihrer Verantwortung liegen die b-t-c und b-t-b-Geschäfte in den Niederlanden und Deutschland. Davor arbeitete sie als Head of Sales Business-to-Consumer Niederlande.
Dr. Helmar Rendez (51) ist neu ernannter Head of Business Unit Distribution (Verteilnetz) und war auch davor Vorsitzender der Geschäftsführung der Stromnetz Berlin GmbH sowie der Stromnetz Hamburg GmbH.
Hartmuth Zeiß (59) bleibt Head of Business Unit Mining & Generation (Bergbau & Erzeugung). In seiner Verantwortung liegt das Management des Bergbaus, der Veredelung und der Stromerzeugung aus Braunkohle sowie die Pumpspeicherkraftwerke.
Ernst Michael Züfle(50) ist neuer Head of Business Unit Nuclear (Kernkraft). In seiner Verantwortung liegt die Betriebsführung der Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel. Zuvor war er Sprecher der Geschäftsführung der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH und bleibt auch deren Vorsitzender.
Weiteres Bildmaterial zu den neu ernannten Managerinnen und Managern finden Sie auf unserer Internetseite: http://corporate.vattenfall.de/newsroom/pressefotos/
RWE-Konzern mit hohen Verlusten … Foto: Ralf Schmitz_pixelio.de
„Die Lage beim Energiekonzern RWE spitzt sich weiter zu. Die Folgen der Energiewende zwingen den Essener Dax-Konzern erneut zu Milliarden-Abschreibungen auf seine Kohle- und Gaskraftwerke in Europa. Insgesamt kündigte der Energieriese Wertberichtigungen in Höhe von 3,3 Milliarden Euro an, die auch auf das Nettoergebnis für 2013 durchschlagen werden. Mit 2,9 Milliarden Euro entfällt der Großteil davon demnach auf die konventionelle Stromerzeugung. Eine schwache Nachfrage und der immer größere Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung schwächen die Ertragslage nachhaltig.“ So berichtet die Süddeutsche gestützt auf DPA über die schwere Krise beim Stromriesen RWE.
Die Krise bei RWE und den anderen Stromkonzernen ist aber eigentlich nur teilweise auf die Energiewende zurückzuführen. Sie ist vor allem auch Ergebnis einer ganzen Reihe von Fehlinvestitionen und Fehleinschätzungen der Konzernspitze. In dem Jahrzehnt ab 2000 hatten RWE, E.on und Co im Rahmen der Liberalisierung der Energiemärkte durch die EU einen großen Investitions-Feldzug durch Europa gestartet und zahlreiche Unternehmen aufgekauft. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise stellte sich jedoch heraus, dass Erwartungen nicht erfüllt und Schulden aufgebaut wurden. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Unternehmen wie RWE im heimischen Markt weiter auf die Atomenergie (Laufzeitverlängerung) setzten und die Entwicklungen im Bereich der Erneuerbaren Energien weitgehend ignorierten. Dadurch verschärften sich die Folgen nach der Katastrophe von Fukushima für RWE und Co.
Die Klimaretter betrachten die Probleme und Fehlinvestionen von RWE in diesem Artikel genauer: RWE macht sich den Markt kaputt
Auch Vattenfall und E.on sind massiv betroffen: Während Vattenfall angekündigt hat, sich aus Kontinental-Europa zurückzuziehen
Vattenfall verkauft die Netze für Strom und Fernwärme an die Stadt und sagt Tschüss!
Pokern, Verhandeln, Rätseln, Foto-Finish. Das Ergebnis steht fest: Vattenfall sagt in Hamburg – wie es sich gehört – Tschüss: Das Abendblatt meldet: „Vertreter beider Parteien sitzen beim Notar. Die Verträge sollen bis Mitternacht unterzeichnet werden. Der Kauf des Stromnetzes wurde zu einem festen Preis vereinbart.“ Die Mopo weiß: „Der Netze-Deal zwischen der Stadt und Vattenfall ist in trockenen Tüchern.“ Die taz schreibt: „Die Stadt Hamburg und Vattenfall einigen sich über Rückkauf von Strom- und Fernwärmeleitungen. Aber der Preis ist noch unklar.“
Auch Hamburg1 ist informiert: „Die Stadt Hamburg und der Energiekonzern Vattenfall haben sich über den Rückkauf der Energienetze geeinigt. Gegenüber Hamburg 1 bestätigte der Konzern, die Einigung stünde unmittelbar bevor – noch fehlten jedoch die Unterschriften unter dem Vertrag.“ Es ist vollbracht! Der Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ hat einen wichtigen Schritt für die Rekommunalisierung der Energienetze und für die Energiewende in Hamburg genommen. Vattenfall sagt Tschüss.
Am Donnerstagvormittag soll eine Pressekonferenz mit Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) stattfinden, auf der Einzelheiten über die Umsetzung des Volksentscheids, Teil 1, Übernahme der Stromnetzgesellschaft und Fernwärme von Vattenfall berichtet werden soll.