umweltFAIRaendern auf „Herbstreise – Lieder zur Lage“: Die Schmetterlinge – Guter Mond, du hängst so stille

cover6Lieder zum Erinnern, Lieder, die Mut machen. UmweltFAIRaendern setzt die Veröffentlichung des Albums „Herbstreise – Lieder zur Lage“ von den Schmetterlingen aus dem Jahr 1979 fort. Nach den Songs „Auf unserem langen Weg“ und „Ein leises Lied“ folgt nun der dritte Titel „Guter Mond, du hängst so stille“ als Video mit Erlaubnis der Band. „umweltFAIRaendern auf „Herbstreise – Lieder zur Lage“: Die Schmetterlinge – Guter Mond, du hängst so stille“ weiterlesen

Nein zum Atom-Wahnsinn: Belgischer Riss-Reaktor Tihange muss abgeschaltet bleiben!

Tausende von Rissen im Reaktordruckbehälter, deren Ursachen bislang nicht wirklich geklärt sind und die im Betrieb gewachsen sind: Dennoch soll der Block 2 des belgischen Atomkraftwerks in Tihange, unweit der deutschen Grenze, offenbar am Wochenende wieder in Betrieb genommen werden.

  • UPDATE nach der Notabschaltung im Block 1 von Tihange hier: „Jetzt muß Tihange abgeschaltet werden“ – Demonstration in Aachen

Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter aus NRW und Sprecher für Atomausstieg der Fraktion DIE LINKE: „Die belgische Regierung spielt mit ihrer Zustimmung zum Wiederanfahren des AKW Tihange Atom-Roulette. Ich teile die Sorgen der inzwischen über 170.000 BürgerInnen im Länderdreieck Belgien, Niederlande und Bundesrepublik, die mit einer Online-Petition die endgültige Stilllegung dieses maroden Reaktors fordern! Die Bundesregierung, aber auch die Landesregierungen in NRW und Rheinland-Pfalz sollten jetzt entschieden widersprechen und darauf drängen, dass Tihange abgeschaltet bleibt.“

Die Schmetterlinge: Herbstreise – Lieder zur Lage – Die Songtexte – Seite 1

cover-herbstreise-lieder-zur-lage-schmetterlingeDie Geschichte lässt sich singen. Neben Ton Steine Scherben dürfte im deutschsprachigen Raum vor allem die „Proletenpassion“ als herausragendes Album der Schmetterlinge ein Meilenstein dafür zu sein. 1979 erschien von den Schmetterlingen das Album „Herbstreise – Lieder zur Lage“. UmweltFAIRaendern veröffentlicht jetzt nach und nach die im Internet bislang nicht verfügbaren Songtexte dieses Albums und wird die Lieder auch als Videos präsentieren. Das Album ist ein unglaubliches Schlaglicht auf die Zeit Ende der 70er Jahre in Westdeutschland. Nicht nur inhaltlich, mit den Texten von Heinz R. Unger, sondern auch musikalisch ist das Album herausragend.

Die Songs sind nicht nur ein wichtiger Teil Zeitgeschichte, sie sind ebenso ein bis heute wichtiger und immer noch aktueller Beitrag der Kämpfe nicht nur der Anti-AKW-Bewegung. Für die Erlaubnis, dieses Album komplett online zu bringen, bedanke ich mich bei den Schmetterlingen Georg Herrnstadt (Musik), Beatrix Neundlinger (Gesang) und Heinz R. Unger (Texte).

Die damalige BRD war geprägt von den Kämpfen der Anti-Atom-Bewegung um Brokdorf, Grohnde und Kalkar. Sie war geprägt, von den alten Nazis, die den Aufbau der BRD aktiv mitgestalten konnten – ohne sich darüber sorgen zu müssen, für ihre Verbrechen im Faschismus angeklagt zu werden.

Im Kontext der internationalen Befreiungsbewegungen und dem Vietnam-Krieg, den Folgen der 68er und die Kämpfe um „mehr Demokratie“, um Befreiung, die Entführung und Ermordung von Schleyer durch die RAF, die Entführung der „Landshut“ und die staatlichen Reaktionen im „Kalten Herbst“ – und vieles mehr – Wegmarken, die für die gesamte Linke in Westdeutschland prägend waren. Die Stahlarbeiter – damals noch eine wichtige deutsche Industrie – streikten viele Wochen lang für die Einführung der 35 Stunden Woche und bestimmten mit den Streiks, die bis heute einzigartig geblieben sind, die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Freiheit.

Von der „Herbstreise – Lieder zur Lage“ sind auf umweltFAIRaendern als Video bereits die Lieder der Seite 1 veröffentlicht:


  • Auf unserm langen Weg (Herrnstadt – Resetarits/Unger) (4:48)
  • Ein leises Lied (Herrnstadt – Resetarits/Lieckfeld) (2:52)
  • Guter Mond, du hängst so stille (Herrnstadt – Resetarits/Unger) (1:51)
  • Klein, aber geheim (Herrnstadt – Resetarits/Unger) (2:45)
  • Lied des Richters (Tampier/Unger) (3:53)
  • Warte, warte nur kein Weilchen (Meixner/Lieckfeld) (2:43)
  • 3 rote Pfiffe (Herrnstadt – Resetarits/Unger) (4:17)
  • Hände über Hönnepel (Herrnstadt – Resetarits/Unger) (7:04)
  • Liebesgrüße aus Österreich (Herrnstadt – Resetarits/Unger) (5:21)
  • Der große Stahlarbeiterstreik 1978/79 (Herrnstadt – Resetarits/Unger) (5:12)
  • Das letzte Lied (Herrnstadt – Resetarits/Unger) (2:42)

Komponiert, arrangiert, gesungen und gespielt von den Schmetterlingen


BEATRIX NEUNDLINGER Flöte, Gesang
GÜNTER GROSSLERCHER Akustische Gitarre, Aufnahmeleitung
GEORG HERRNSTADT
Klavier, akustische Gitarre, Gesang
ERICH MEIXNER Bass, Akkordeon, Gesang
WILLI RESETARITS Schlagzeug, Gesang
HERBERT ZÖCHLING-TAMPIER Elektrische Gitarre, Gesang

HEINZ R. UNGER Text-Schmetterling


©1998 Franz DECKENBACH

 

HERBSTREISE – LIEDER ZUR LAGE

Musik: Schmetterlinge
Texte: Heinz R. Unger,
außer * von C.P. Lieckfeld

Seite 1

Die Lieder dieser Platte sind Auswertungen
unser Erfahrungen auf vielen Tourneen,
Ergebnisse vieler Diskussionen. Einige dieser
Lieder sangen wir schon auf unser
„Herbstreise“, andere – etwa „Der große
Stahlarbeiterstreik 1978/79“ – entstanden
erst durch die konkreten Erlebnisse dieser
Fahrt.

Sie winkten uns mit der MP
Und sahen nach unseren Bärten
Als wir in aller Herrgottsfrüh
Den Grenzstrich überquerten.
Wir reisten eilig und mit Hast,
und keinem war nach Singen,
ein fetter Adler saß am Ast,
mit kurzgestutzten Schwingen.
Der Schwung der Hügel wirkte noch
Wie vor der Grenze auch,
doch jeder schlug den Kragen hoch,
es kam ein kalter Hauch.

Auf unserm langen Weg

Wir haben den kalten Wind auf den Straßen mitbekommen
Auf unserem langen Weg von Stadt zu Stadt
Und wir haben, was wir sahen, eingepackt und mitgenommen
Doch wir haben, was nicht für jeden hier ein Lied parat.
Denn so ein Lied, damit ihrs wisst,
ist was einfaches, was schwer zu machen ist.

Die Zeit ist kalt und manchen fuhr das Zittern in die Knochen
Und mancher, den wir kannten, hat sich still verkrochen
Und hat mit der Kälte arrangiert
Doch viele sehen. Da braucht es Gegenwehr,
und die sich wehren werden immer mehr.

Ja, es wird auch gesungen in den finstren Zeiten,
das sind die Lieder vom vorenthaltnem Lich.
Wenn wir nicht nur mit unsren Liedern streiten,
bekommen unsre Lieder erst Gewicht.
Denn eins ist klar, so darfs nicht weiter gehen,
laßt uns gemeinsam an die Arbeit gehen.

Ein leises Lied*

Liebling, dies Lied nicht so laut;
Dies ist sozialer Wohnungsbau.
Oder dreh die Bässe rein,
dann hört man den Text nicht so genau.
Der nebenan ist Amtmann.
Man weiß nicht so genau,
was der in seinem Amt kann,
und – du kennst ja seine Frau.

Ich hörte gestern sie im Flur.
Sie sang mit der von oben
Die ganze schränke Partitur
Vom „roten Feind“ in Moll und Dur.
Und als ich freundlich grüßend dann
Mit Plastiktüten schwer bepackt
Vorbeiging, schwiegen beide. Mann,
die Blicke brannten im Kreuz.

Liebling, bist du so naiv,
die Zeitung hier zu abonnieren!
Die haben dafür ein Archiv,
in das sie alle einsortieren.
Und unserem Kind bring bitte bei,
dass es nicht so viel fragen soll.
Wer weiß, wohin die Fragerei
Uns sonst am Ende bringen kann.

Vielleicht liegt es auch nur daran,
daß man mal dreißig wird, mein Schatz,
und daß man mehr verlieren kann
als Träume – seinen Arbeitsplatz.
Sag nichts! Sag bitte nichts!
Verdammt, die Platte nicht so laut!
Du bringst uns alle in den Knast.
Vielleicht sind Wanzen eingebaut…
In mein Gehirn. Ich glaub es fast.

Guter Mond, du hängst so stille

Guter Mond, du hängst so stille
Runter von`nem deutschen Ast.
Hast du ängstliche Gefühle,
weil du eine Sichel hast?
Weiß du, wieviel Sternlein wimmeln?
Doch kein einzige blitzt rot,
denn das hätt´ an deutschen Himmeln
sicherlich Berufsverbot.

Deutschland – Wintermärchen,
krümme mir kein Härchen,
in bin klein, mein Herz ist dein,
laß mich nicht verdächtig sein.

Klein, aber geheim

Dort, wo sich Mengen drängen,
muß ich mich dazwischenzwängen,
lausch Gesprächen und Gesängen
auf den Plätzen und in Gängen.
Ich bewege mich im Volke,
wie ein Vogel in der Wolke!

Klein, aber geheim, das kommt vom Haferschleim.
Klein, aber oho, ich liebe die FDGO.

In Kneipen, wo die Linken trinken,
und auch die, die links nur blinken,
rieche ich mit meinem Zinken
Gedanken, die zum Himmel stinken.
Ich bin in dem geheimen Plan
der freien Welt ihr Riechorgan!

Klein, aber geheim. Ich wär´ gern bei der GSG 9.
Klein, aber oho, ich schütze die FDGO.

Auch wo die Emanzen tanzen,
muß ich meine Wanzen pflanzen,
hinter Pflanzen mich verschanzen
oder unter Teppichfransen.
Ich fall nicht auf, ich tret nicht vor.
Ich bin der freien Welt ihr Ohr!

Klein, aber geheim, ich wär gern bei der GSG 9.
Klein, aber oho, ich schütze die FDGO.

Lied des Richters

Die Zeiten haben sich überpurzelt
Ich stand wie ein Felsen im Fluß.
Im Boden des Rechtsstaats verwurzelt,
weil einer ja fest bleiben muß.

Schon jung hab´ ich Läuse vernichtet
Gestützt auf das harte Gesetz.
Ich habe damals gerichtet,
und richte auch hier und jetzt.
Deutschland, jetzt schlägts aber dreizehn,
sie sagen, sie trennen die Spreu jetzt vom Weizen.
Im Namen des Rechts und der Rechten.

Deutschland, sie wollen dich knechten
Kuschende Bürger, das ist´s was sie möchten,
die ängstlich an allem vorbeisehn.

Ich sing noch die zackigen Chöre,
und habe die Zeit nicht verschlafen.
Die Meinhof war noch eine Göre,
da gabs schon Gewaltparagraphen.

Sie ducken sich und sie flüstern.
Und das war ja schließlich bezweckt.
Sie schweigen und blähen die Nüstern.
Jetzt haben sie wieder Respekt.

Deutschland, …

Der Verteidiger fällt aus der Rolle,
na, so wird er halt ausgeschlossen.
Und lockerer sitzt die Pistole.
Gesetzlich gedeckt wird geschossen.

Wir haben Berufsverbotslisten
Und Radiakalenerlässe gedruckt.
Das trifft nicht die paar Terroristen,
sondern jeden, der sich kratzt wenns ihn juckt.

Deutschland, …

Warte, warte nur kein Weilchen*

Diesen Text fanden wir in dem Gedichtsband
„Gedichte unter Zeitdruck“ von C.P.Lieckfeld
(Oberbaum Verlag, Berlin 1977). Später lernten wir
C.P. in Hamburg persönlich kennen und begannen, auch
Andere Texte von ihm zu vertonen.

Er muss nicht wieder braune Hemden tragen,
die rechte Hand bleibt an der Hosennaht.
Er muß nicht Juden, kann auch andre jagen,
vielleicht braucht es noch nicht mal Stacheldraht.

Er muß sich keinen rechten Scheitel richten
Und nicht in Knobelbechern stehn.
Er muß ganz sicher nicht gestabreimt dichten
Und nicht gestapohaft in Leder gehen.

Es liegt an uns, ob wir sie noch erkennen,
bevor sie sich mit unserem Blut beschmieren.
Es ist egal, wie sie sich heute nennen;
Nur was sie tun, darf uns interessieren.

Ganz offiziell kann er in Bonn aus Ämtern schreiten,
wie er es in Berlin bereits getan.
Er wechselt Kleider mit den Zeiten:
Man baut jetzt Rampen und nicht Autobahn.

Es liegt an uns ….

Drei rote Pfiffe

Wir trafen Helena K. in ihrem Heim im
slowenischen Teil Kärntens. Sie erzählte
uns ihre Lebensgeschichte. Unter dem
Namen „Jelka“ war sie als Partisanin an
der Befreiung Österreichs vom Hitler-
faschismus aktiv beteiligt. Heute, als alte
Frau, muß sie miterleben, daß alte und neue Nazis in Kärnten fröhliche Urständ
feiern, während die slowenische Minderheit
um ihre vorenthaltenen Rechte kämpfen muß.

(„Jelka“ erzählt, wie sie damals
Jemanden den Weg zu den Partisanen
beschrieb“)
„Du, Leppen nach Hrebelnik drüben
Haben sie an Bunker, zwei Fichtenstämme,
und rüber haben sie so schön – von Fichten, diese Skorjen
(Ringe) drüber, dort wirst sehen. Aber du mußt pfeifen
(pfeift), dreimal mußt pfeifen, sonst ist Alarm.“

Im Kreis ihrer Enkel die alte Frau
zeigt mit erhobener Hand
auf die Wälder, die dunklen, über der Drau:
Jetzt zeige ich euch euer Land.

Dort drüben da hab ich geschuftet am Hand,
als ich ein Kind noch war.
bei der Christmette mit Glockenklang
hing Eis von Rock und Haar.

Die Bergknappen kamen zum Lindenwirt,
und flüsterten heimlich, mit List,
daß sich in der Welt was ändern wird,
daß nicht bleiben muß, wie es ist.

Verschwiegene Bäume.
Verschworener Wald.
Und drei rote Pfiffe, drei rote Pfiffe,
im Wald.

Die Drau hinunter trieb Mond um Mond,
es brach der Faschistenkrieg aus.
Da hatte ich dann einen Mann der Front,
und hatte drei Kinder im Haus.

Wie tönte da markiger Nazigesang
von deutschem Boden und Blut.
Manch ein Bursch in die Berge entsprang.
Ich trug Flugblätter unter dem Hut.

Der Gestapo war kalt und der Gauleiter schalt:
Partisanen im eigenen Land!
Ich trug Geflüster und Brot in den Wald.
Sie haben mich Jelka genannt.

Verschwiegene Bäume…

Der Winter was naß und uns wärmte der Haß.
viele sind´s die die Erde heut birgt.
Wir haben gefochten, dort oben am Paß,
und an unsrer Befreiung gewirkt.

Der Krieg was vorbei, da war Stille im Land,
da waren die Lautesten leis,
sie nahmen das Hitlerbild von der Wand,
ihre Westen die wuschen sie weiß.

Ihr, meine Enkel, was hört ihr so stumm
die alten, die kalten Berichte?
Jetzt trampeln sie wieder auf euren Rechten herum –
erinnert euch meiner Geschichte!

Verschwiegene Bäume….

F5T30 – Tschernobyl – Fukushima – Internationaler Ärztekongress der IPPNW, Feb. 2016 Berlin

Fukushima-Tepco-110316_1f_sora_1In 2016 jähren sich die Atomkatastrophen von Fukushima zum fünften und von Tschernobyl zum 30. Mal (F5T30). Anti-Atom-Initiativen bereiten sich auf vielfältige Aktivitäten aus diesen Anlässen vor. Auch die Internationale Ärzteorganisation IPPNW, die im Februar einen großen Kongress über die Folgen der Atomenergie und die Gründe für den Ausstieg durchführen werden. Dazu gehört auch eine Bilanz der immer noch andauernden Atomkatastrophen.

UmweltFAIRaendern.de dokumentiert die Einladung:
26.-28. Februar 2016, Berlin
5 Jahre Leben mit Fukushima – 30 Jahre Leben mit Tschernobyl

Internationaler IPPNW-Kongress

Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung
des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. | International Physicians for the Prevention of Nuclear War – German affiliate (IPPNW)

Programm

Anmeldung

Liebe Freundinnen und Freunde,
Liebe AktivistInnen und Interessierte,

vor 30 Jahren, am 26. April 1986, fand die Mär von der „sicheren Atomkraft“ mit dem Super-GAU von Tschernobyl ein abruptes Ende. Millionen von Menschen wurden direkt durch radioaktiven Niederschlag betroffen; viele starben und noch viel mehr leiden bis heute an den Folgen der Strahlung. Vor 5 Jahren, am 11. März 2011, zeigte sich, dass die Menschheit die Lektion von Tschernobyl  nicht gelernt hatte, als es in Fukushima zu einem mehrfachen Super-GAU kam. Auch hier sind wieder Millionen von Menschen betroffen.

Diese beiden Atomkatastrophen stehen stellvertretend für das enorme menschliche Leid, die generationsübergreifenden  gesundheitlichen Folgen und die ökologische Zerstörung, die in den letzten 70 Jahren durch die Nukleare Kette verursacht wurden. Denn vom Uranbergbau über die zivile und militärische Nutzung der Kernspaltung bis hin zum Atommüll, Fallout und radioaktiven Abraum schädigt die Atomindustrie Mensch und Umwelt.

2016 sind die Jahrestage von Tschernobyl und Fukushima „rund“. Aus diesem Anlass erneuern die internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) ihre Forderung nach einem sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Auf einem internationalen Kongress informiert die IPPNW darüber, was es für die betroffenen Menschen bedeutet, seit 30 Jahren mit den Folgen von Tschernobyl zu leben – und seit 5 Jahren mit den Folgen von Fukushima.

Namhafte WissenschaftlerInnen aus Japan, der ehemaligen Sowjetunion, Deutschland, den USA und aller Welt, engagierte AktivistInnen sowie HelferInnen, die seit vielen Jahren ehrenamtlich die Menschen in den verstrahlten Gebieten unterstützen, werden vom 26.-28. Februar 2016 in der Berliner Urania zusammen kommen, um gemeinsam den Blick nach vorne zu wagen. Denn aus der katastrophalen atomaren Vergangenheit lernen bedeutet, eine Welt ohne atomare Risiken zu denken – und umzusetzen.

Wir würden uns freuen, Sie dabei zu haben.

Bundesumweltministerium über die belgischen AKWs Doel und Tihange

Trotz tausender Risse in den Reaktordruckbehältern der belgischen Atommeiler Doel 3 und Tihange 2 hat die dortige Atomaufsicht FANC grünes Licht für die Wiederinbetriebnahme gegeben. Hubertus Zdebel und die Fraktion DIE LINKE hatten zur Sitzung des Umweltausschusses am Mittwoch, den 2.12.2015 das Bundesumweltministerium um einen aktuellen Bericht gebeten.Im folgenden wird der schriftliche Bericht hier dokumentiert.

„Bericht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit / der Bundesregierung 01.12.2015
„Bericht zur Darstellung, in welcher Weise die zuständigen Behörden in Deutschland über die Befunde an den belgischen Anlagen in Doel-3 und Tihange-2 informiert wurden.“

Auf Antrag der Fraktion DIE LINKE

 

Im Juli und September 2012 wurden bei einer Sonderprüfung am Reaktordruckbehälter (RDB) der Kernkraftwerke Doel-3 und Tihange-2 mehrere Tausend Ultraschallanzeigen gefunden. Die belgische atomrechtliche Aufsichtsbehörde Federaal Agentschap voor Nucleaire Controle (FANC) informierte umgehend andere Aufsichtsbehörden und Sachverständigenorganisationen darüber und bat um Unterstützung bei der Bewertung. Das Bundesumweltministerium begrüßte die Entscheidung der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde FANC, sich zur Klärung der Befunde einer internationalen Diskussion zu stellen. FANC hatte für diesen Prozess Expertengruppen eingerichtet.

In diesen ersten Expertengruppen, die am 16. Oktober 2012 und am 8.-9. Januar 2013 getagt haben, war aus Deutschland die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) vertreten. Eingehende Diskussionen im Rahmen der Expertengruppen veranlassten die zuständige FANC, der Einschätzung des Betreibers zu folgen, dass es sich um Wasserstoff-induzierte Trennungen im Werkstoff, sogenannte Wasserstoffflocken, handele, die schon bei der Herstellung entstanden seien. Mit Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage in der Drucksache 17/12975 vom 04. April 2013 wurde der damalige Sachstand zu den Befunden dargestellt.
Im weiteren Verlauf wurde FANC neben den anerkannten belgischen Sachverständigen-Organisationen auch von weiteren internationalen Experten in der Bewertung unterstützt. Im diesem „International Review Board“ (IRB) wurden international anerkannte Experten durch die FANC „ad personam“ berufen. Im IRB war die GRS nicht vertreten. Die FANC berichtete in Abständen über die weitere Entwicklung an die Mitglieder der WENRA (Western Nuclear Regulators Association). Der WENRA gehören die Leiter sämtlicher europäischer atomrechtlicher Aufsichtsbehörden an. Die WENRA nahm schließlich die Erkenntnisse aus den beiden belgischen Anlagen zum Anlass, im Sommer 2013 eine Empfehlung für entsprechende Überprüfungen an den Reaktordruckbehältern der in Europa bestehenden Kernkraftwerke auszusprechen. Die Ergebnisse dieser Überprüfungen sind im Bericht vom 17. Dezember 2014 „Activities in WENRA countries following the recommendation regarding flaw indications found in Belgian reactors“ dargestellt (http://www.wenra.org/media/filer_public/2014/12/26/flaws_in_
rpv_feedback_2014-12-19.pdf).

Neben der Mitwirkung in der WENRA ist Deutschland – ebenso wie Belgien – in den für die nukleare Sicherheit und den Strahlenschutz zuständigen europäischen Gremien und Gruppen – wie etwa ENSREG (European Nuclear Safety Regulators Group) und HERCA (Heads of the European Radiological Protection Competent Authorities) – vertreten. Ein Austausch mit Belgien findet zudem auf internationaler Ebene unter Nutzung der multilateralen Organisationen IAEO und der OECD/NEA statt. Das Bundesumweltministerium hat auch im Rahmen dieser Möglichkeiten den regelmäßigen Dialog mit den belgischen Vertretern gesucht und bei entsprechenden Gelegenheiten die deutschen Besorgnisse, die sich im Zusammenhang mit dem Sicherheitszustand der grenznahen belgischen Anlagen ergeben, zum Ausdruck gebracht.
Am 17. November 2015 hat FANC seine Entscheidung zur Zustimmung zum Wieder- anfahren der Anlagen Doel-3 und Tihange-2 bekannt gegeben. FANC kommt nach einer Würdigung der ihr vorliegenden Unterlagen zu dem Schluss, dass die Integrität der Reaktordruckbehälter der beiden Anlagen für einen 40-jährigen Betrieb nachgewiesen sei. Für eine transparente Erläuterung der Entscheidung hat FANC umfangreiche Unterlagen veröffentlicht(http://www.fanc.be/nl/page/doel-3-tihange-2-indications-de-defauts-dans-l-acier-des-cuves/1488.aspx).

Das BMUB hatte schon Ende Oktober 2015 über seine Vorgehensweise für den Fall einer Zustimmung der Behörde zum Wiederanfahren entschieden. Die Entscheidung der FANC soll unter Einbindung der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) und des Ausschusses Druckführende Komponenten und Werkstoffe (DKW) der Reaktorsicherheitskommission (RSK) ausgewertet werden. Mit der Auswertung durch die GRS und der DKW wurde begonnen, Ergebnisse stehen derzeit noch aus.
FANC hat angekündigt ihre Entscheidungsgrundlage im Rahmen eines Workshops mit atomrechtlichen Aufsichtsbehörden im Januar 2016 erläutern zu wollen. Das Bundesumweltministerium begrüßt, dass die atomrechtliche Aufsichtsbehörde FANC sich einer internationalen Diskussion zu den Entscheidungsgrundlagen stellen wird. Das Bundesumweltministerium wird sich an dieser Erörterung aktiv beteiligen.“

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