Querstellen gegen Castoren aus Jülich: Initiativen kündigen massive Proteste an

Brennelementkugeln des Hochtemperaturreaktors. In der aufgeschnittenen Kugel ist die Innenzone mit den Brennstoffpartikeln erkennbar. Quelle Forschungszentrum Juelich
Kleine Kugeln ganz groß: Hochradioaktive Probleme mit der Sicherheit der Castorbehälter in Jülich. Foto: Betreiber

Sicherheitsbedenken hat es schon lange gegeben. Seit Anfang Juli hat das nun auch endlich die zuständige Landesregierung in NRW zur Kenntnis genommen: In Jülich lagern 152 Castor-Behälter mit fast 300.000 hochradiaktiven Brennelemente-Kugel aus dem ehemaligen Hochtemperatur-Reaktor AVR. Nach wiederholten Notgenehmigungen hat die zuständige Atomaufsicht nun den Betreiber aufgefordert, ein Räumungskonzept vorzulegen. Das Lager ist weder gegen Flugzeugabstürze noch gegen Erdbeben ausreichend ausgelegt. Geplant wird offenbar, den Atommüll in die USA abzuschieben. Seit 2012 laufen entsprechende Verhandlungen. Auch wenn das Zwischenlager in Ahaus derzeit nicht als Option genannt wird. AtomkraftgegnerInnen befürchten, dass diese Variante demnächst ins Spiel kommen könnte.

Doch genau diese Transporte nach Ahaus hatte die rot-grüne Landesregierung per Koalitionsvertrag als „unsinnig“ erklärt. Nach einem Ratschlag in Düsseldorf haben Anti-Atom-Initiativen aus NRW und dem Bundesgebiet heute per Pressemeldung klar gemacht: Wenn der Castor rollt, stellen sie sich quer!

Die PM als Dokumentation: Massive Proteste im Falle von Jülicher Castor-Transporten angekündigt!

„Umwelt- und Anti-Atom-Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet kündigen für den Fall von Castortransporten vom AVR-Zwischenlager aus Jülich massive Proteste entlang der gesamten Strecke an.

In Jülich lagern 152 Castoren mit hochradioaktivem Müll aus Brennelementen. Offensichtlich ist das Forschungszentrum Jülich (FZJ) bisher weder in der Lage, eine rechtssichere Genehmigung für das Zwischenlager noch eine Transportgenehmigung für die Castoren zu erwirken. Ob dieser Zustand durch das FZJ bewusst herbeigeführt wurde oder auf Inkompetenz zurückzuführen ist, kann nur vermutet werden.

Aktuell versucht das FZJ in Zusammenarbeit mit dem Land und dem Bund, den Atommüll zur Wiederaufarbeitung in die USA zu verschieben. Juristisch ist ein Export von Atommüll aber nur für Forschungsreaktoren zulässig. Der AVR ist jedoch ein Versuchsreaktor zur kommerziellen Stromerzeugung (1967 – 1988). Somit ist der Export illegal. Um das geltende Atomgesetz zu umgehen, soll nun die dreiste Umdeklaration des AVR (Arbeitsgemeinschaft VersuchsReaktor) in einen Forschungsreaktor erfolgen. Gleiches gilt für die 305 Castoren aus dem stillgelegten Kugelhaufenreaktor Hamm-Uentrop, die derzeit in Ahaus lagern. Diese sollen laut öffentlicher Bekanntmachung des US-Energieministeriums gleich mit in die USA geschickt werden – auch dies ist illegal!
Scheitern die USA-Pläne, droht weiterhin eine Verschiebung der „Westcastoren“ in das Zwischenlager Ahaus. Schon 2013 mussten diese Pläne aufgrund von Protesten aufgegeben werden. Die Lagerhalle in Ahaus ist nicht wesentlich sicherer als die in Jülich, hat nur eine längere Genehmigung bis 2036. Der Müll muss zu einem späteren Zeitpunkt für eine Endlagerung konditioniert werden, dies ist in Ahaus nicht möglich, wohl aber in Jülich. Grundlage jeder Planung muss die Vermeidung von Atomtransporten sein und damit eine unnötige Gefährdung der Bevölkerung.

Das Motto „Nichts rein! Nichts raus!“ ist Konsens bei den Unterzeichnern. Jeglicher Atommüll-Transport wird grundsätzlich abgelehnt, solange kein bundesweites Atommülllager existiert. Stattdessen wird der Verbleib des Atommülls in einem erdbebensicheren und zugelassenen Zwischenlager am Standort Jülich gefordert.
Bei einem bundesweiten Treffen der Anti-Atom- und Umwelt-Organisationen wurde beschlossen, im Falle der Castortransporte den gesamten bundesdeutschen AKW-Widerstand auf die Transportstrecken zu verlagern. Schwerpunkte werden dabei Jülich und das Ziel Ahaus (bzw. Nordenham beim USA-Export) sein. Aber auch auf den möglichen Transportrouten werden lokale Initiativen die gesamte Bandbreite des Widerstandes auf die Straße bringen – nach dem Vorbild der erfolgreichen Aktionen in Gorleben.

Der gescheiterte hochkontaminierte AVR-Behälter soll in Kürze um 90 Grad gekippt und anschließend um ca. 200 Meter in ein eher behelfsmäßiges Zwischenlager verschoben werden. Alternativen zu diesem weltweit einmaligen und hochgefährlichen Vorhaben wurden nicht ausreichend untersucht! Auch auf Grund des neuen Erdbebengutachtens ist eine Verschiebung des Reaktors abzulehnen. Warum der verseuchte Reaktor in Jülich bleiben soll, die Castoren wegen angeblicher Erdbebengefahr aber unbedingt weg müssen, bleibt schleierhaft.“

Unterzeichner (alphabetisch):
Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie – www.anti-akw-ac.de
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen – www.keincastornachahaus.de
Aktionsbündnis Stop Westcastor – www.westcastor.de
AntiAtomBonn – www.antiatombonn.de
Anti-Atom-Bündnis Niederrhein – www.antiatom-buendnis-niederrhein.de
Anti-Atom-Gruppe Osnabrück – www.antiatomgruppe-osnabrueck.de
Anti_Atom_Plenum Köln – www.antiatomkoeln.de
Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad – www.ag-schacht-konrad.de
Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau – www.aku-gronau.de
Atomfree Japan e.V. – www.atomfreejapan.org
Atomkraftfreie Welt-Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V. – www.sayonara-genpatsu.de
Attac Inde-Rur – www.attac-netzwerk.de/inde-rur/
Attac-Mönchengladbach – www.attac-netzwerk.de/Moenchengladbach
BUND für Umwelt und Naturschutz Landesverband NRW e.V. – www.bund-nrw.de
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) – www.bbu-online.de
Bündnis Strahlenzug Mönchengladbach – www.strahlenzug.de
Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ – www.bi-ahaus.de
Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm – www.reaktorpleite.de
Cattenom Non Merci e.V. – www.cattenom-non-merci.de
“freischaffende AtomkraftgegnerInnen Moers”
Länderübergreifendes Bündnis „Stop Tihange“ – www.stop-tihange.org
Leute vom „widerStandsNest Metzingen“ – www.netzwerk-antiatom.de/l/widerstands-nest
Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG) – http://de.indymedia.org/2013/10/349101.shtml
Redaktion der „anti atom aktuell“ – www.anti-atom-aktuell.de
SofA Münster (Sofortiger Atomausstieg) – www.sofa-ms.de
umweltFAIRaendern.de – www.umweltfairaendern.de
Wegberger Montagsspaziergänger gegen Atomkraft

Unterstützung aus den USA:
Savannah River Site Watch, Columbia, South Carolina (USA) – www.srswatch.org

Kontakt: Tom Clements tomc@srswatch.org

Pressekontakt:
Siegfried Faust (Stop Westcastor/Jülich)
Willi Hesters  (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen)

Castoren in Jülich: Bundesrepublik zahlt zehn Millionen für Atommüllforschung in den USA

AVRJuelich
Atommüll aus Jülich in die USA? Die ersten zehn Millionen Forschungsgelder für US-Forscher sollen zugesagt sein. Foto: Betreiber

Die Bundesregierung hat einem Artikel von „The State“ zufolge seine Bereitschaft erklärt, 10 Millionen Dollar für die Atommüll-Forschung in den USA zu bezahlen. In Jülich lagern derzeit 152 Castor-Behälter mit fast 300.000 hochradioaktiven Kugel-Brennelementen. Angesichts von Sicherheitsdefiziten, hat  die Landesregierung die Räumung des Lagers verlangt und den Betreiber aufgefordert, ein Konzept vorzulegen. Eine der Optionen, die seit einiger Zeit verfolgt wird, ist der Abtransport des Atommülls in die USA. Ziel ist die Savannah River Site, eine Atomschmiede aus dem Kalten-Krieg. Dort sollen die aus einem Gemisch von Uran und Graphit bestehenden Kugeln aufgearbeitet werden, heißt es.

Das Problem: Ein großtechnisches Verfahren dafür gibt es gar nicht und muß erst teuer entwickelt werden. Die genannten 10 Mio. Euro wären dafür nur ein kleiner Anschub. Der Spiegel hatte vor einiger Zeit von geschätzten Gesamtkosten in Höhe von fasst 500 Mio. Euro gesprochen.

Ein solcher Atommüll-Export stößt auf massiven Widerstand. Nicht nur, weil mit den Transporten extreme zusätzliche Risiken eingegangen werden und auch in den USA letztlich keine Lösung für die Atommülllagerung vorhanden wäre. Würde die rot-grüne Landesregierung diesen Weg gehen, würden möglicherweise auch andere künftig auf den Gedanken kommen, Atommüll einfach ins Ausland zu verschieben. Russland – wo bereits abgereichertes Uran aus der ebenfalls in NRW befindlichen URENCO-Anlage in Gronau lagert – wird dazu immer wieder ins Gespräch gebracht.

 

 

 

Atommüll in Not: Hochradioaktiver Abfall in Jülich nun amtlich ein Sicherheitsrisiko und ab sofort illegal

irgendwo-atommuell-umweltfairaendernDie rot-grüne Landesregierung in NRW verweigert die weitere Genehmigung zur Lagerung von 152 Castor-Behältern mit hochradioaktiven Brennelemente-Kugeln am ehemaligen Atomforschungszentrum in Jülich. Darüber berichten u.a. die Westfälischen Nachrichten. Auch nach einer zweimaligen Notverordnung konnte der Betreiber die erheblichen Sicherheitsmängel bis heute nicht beseitigen. Wegen der weiterhin fehlenden Erdbebensicherheit hat jetzt das zuständige Wirtschaftsministerium die weitere Lagerung in Jülich untersagt. Nur: Was mit dem Atommüll jetzt passieren soll, hat sie vergessen zu erwähnen. Den es gibt eigentlich auch sonst keinen wirklich sicheren Ort, wo das atomare Erbe aus dem Versuchsreaktor gelagert werden könnte. Immer mehr steht die atomare Entsorgung vor dem Kollaps.

Denn nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Schleswig ist auch die Sicherheit der Castor-Lager an den AKW-Standorten nicht gewährleistet. Im Sommer 2013 hatte das Gericht die Genehmigung für das Castor-Lager am Vattenfall-AKW Brunsbüttel aufgehoben und erklärt, dass Sicherheitsnachweise entweder falsch oder mangelhaft erbracht worden sein.  Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, weil Betreiber und die Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Strahlenschutz auf eine Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht klagen. Doch allzu groß sind die Hoffnungen nicht, dass diese Klage Erfolg haben wird. Bestätigt das BVerwG das Schleswiger Urteil, dann befindet sich die gesamte Atommülllagerung von hochradioaktiven Abfällen quasi im „rechtsfreien Katastrophenzustand“. Auch für die Castor-Halle in Esenshamm steht noch ein Urteil im Verfahren um Sicherheitsmängel aus, das am OVG in Lüneburg anhängig ist.

Wie umfangreich und gravierend die aktuellen Atommüllprobleme sind, zeigt auch ein interner Bericht aus Baden-Württemberg. Dort wird zusätzlich zu den wachsenden Mängeln bei den hochradioaktiven Abfällen auch das Desaster bei dem leicht- und mittelaktiven Atommüll ausführlich dargestellt (Die Anti-Atom-Initiativen haben eine Atommüllbilanz als Sorgenbericht vorgelegt, siehe dazu unten.).

Atommüllentsorgung am Abgrund: Ein Lagebericht aus dem grünen Umweltministerium Baden-Württemberg.

Auch das Zwischenlager in Ahaus, unweit von Jülich und ebenfalls in NRW gelegen, dürfte diese Sicherheitsmängel haben. Dennoch dürfte die Landesregierung nun die Einlagerung der Jülich-Castoren in Ahaus auf die Tagesordnung setzen . 152 Transporte mit hochradioaktiven Brennelementen müssen dann auf den Autobahnen von Jülich nach Ahaus transportiert werden – von einem unsicheren Zwischenlager zum nächsten unsicheren Zwischenlager.

Vor allem diese Transporte hatte die rot-grüne Landesregierung im Koalitionsvertrag ausgeschlossen. Der Atommüll in Jülich sollte nur noch einmal transportiert werden – nämlich in ein Endlager. Das gibt es bis heute nicht und der Jülich-Betreiber hat die erforderlichen Sicherheits-Nachrüstungen bis heute nicht auf die Reihe bekommen. NRW ist auch die zuständige Atomaufsichtsbehörde und muss sich daher auch fragen lassen, wie das eigentlich passieren konnte.

Weil es für die Entsorgung dieses Atommülls keinerlei Konzepte und schon gar kein Endlager gibt, hatte die rot-grüne Landesregierung in den letzten Jahren verstärkt an einer weiteren Lösung gearbeitet, die die beteiligten Parteien sonst immer ausgeschlossen hatten. Der Atommüll soll möglichweise zur vermeintlichen „Wiederaufarbeitung“ in die USA abgeschoben werden.

Während von Atommüll-Standort zu Atommüll-Standort die offiziell als Zwischenlagerung deklarierte Aufbewahrung hochradioaktiver Abfälle angesichts bestehender Sicherheitsmängel oder falscher Nachweise zusammenbricht, sitzt in Berlin eine Kommission, die sich um ein künftiges Endlager Gedanken machen soll. Ob man sich in dieser Kommission auch über die heutigen Probleme mit den radioaktiven Abfällen Gedanken machen wird, steht noch in den Sternen. Umweltverbände haben das als dringend erforderlich verlangt, konnten sich damit aber gegen einen Parteien-Konsens von Grünen, SPD, CDU/CSU und FDP nicht durchsetzen. Rechtlich soll sich die mit dem Standort-Auswahl-Gesetz eingesetzte Such-Kommission nur um Endlager-Möglichkeiten kümmern, nicht aber um die heute akuten Probleme. Dabei gäbe es wahrlich genug zu tun. Auf der letzten und zweiten Sitzung diskutierte der Kreis erstmal in aller Ausführlichkeit eine Geschäftsordnung.

 

Echt bombig: Grüne und Atommüll-Exporte aus Jülich in die USA

Brennelementkugeln des Hochtemperaturreaktors. In der aufgeschnittenen Kugel ist die Innenzone mit den Brennstoffpartikeln erkennbar. Quelle Forschungszentrum Juelich
Klein, aber oho: Hochradioaktive Brennelemente aus Jülich sollen in die USA abgeschoben werden. Foto: Forschungszentrum Jülich

„Wir GRÜNEN wollen, dass der Atommüll bis zum Transport in ein Endlager in Jülich verbleibt und damit überflüssige Atommüllfahrten verhindert werden.“ Das sagten die NRW-Grünen 2011 und schrieben das auch in den Koalitionsvertrag (S. 41, „Wir wollen, dass die Castoren, vor allem die in Jülich lagernden, nur noch einmal transportiert werden – nämlich zu einem Endlager, wenn hierfür ein Standort gefunden ist“.) mit der SPD. Doch in der Realität ist die rot-grüne Regierung derzeit damit beschäftigt, eben diesen Atommüll für den Abtransport in die USA vorzubereiten. Weil dort das gesuchte Endlager ist? 152 Castoren mit hochradioaktiven Brennelement-Kugeln aus dem Versuchsreaktor Jülich lagern derzeit am Rande der Legalität in der alten Atomforschungs-Schmiede. Für eine reguläre atomrechtliche Genehmigung hat das dortige Lager zu viele Sicherheitsmängel.

Für die Aufsicht in Jülich zuständig: Das rot-grüne Bundesland NRW! Außerdem ist das Land NRW als Eigentümer neben dem Bund Betreiber in Jülich. Bereits zwei mal wurde eine Art Notverordnung für weitere Lagerung der Brennelemente in Jülich vom Land erlassen, damit zumindest der Eindruck von Rechtsstaatlichkeit aufrechterhalten werden kann. (Die Genehmigungsbehörde für die Lagerhalle, das Bundesamt für Strahlenschutz, berichtet hier über die Lage im Atommüll-Zentrum Jülich.) Ende Juli 2014 wird diese Regelung erneut verlängert werden müssen, weil der Betreiber es mit der überfälligen Nachrüstung von Sicherheitsmaßnahmen nicht sonderlich eilig hat. Stattdessen sondieren rot-grüne Landesregierung und Bundesministerien eine Verschiffung der strahlenden Fracht in die USA. Bis zum Juni 2016 – so berichtet die Aachener Zeitung – sollen die Atomtransporte per Schiff in die USA erfolgen.

Was haben die Grünen für einen (berechtigten) Alarm gemacht, als Ende 2012/Anfang 2013 bekannt wurde, dass die Bundesregierung in Folge der Umsetzung einer EU-Richtlinie den Export von Atommüll im Atomgesetz verankern wollte. Die aus NRW stammende Bärbel Höhn z. B. in diesem Interview beim Deutschlandfunk. Glasklar stellte sie im Januar 2013 fest: „Das halte ich überhaupt nicht für eine gute Idee. Und interessanterweise ist es ja so, dass alle Fraktionen bisher in Deutschland gemeinsam klar hatten: Wir haben hier die Verantwortung für den Atommüll, wir müssen auch für eine sichere Endlagerung sorgen, und das kann hier nur in Deutschland passieren.“

Und während die NRW-Grüne das sagte, waren VertreterInnen der rot-grünen Landesregierung von NRW gemeinsam mit dem Bundesministerium unterwegs, um mit den USA über einen eben solchen Atommüll-Export aus Jülich zu verhandeln. Inzwischen liegen erste Absprachen vor, die in einem „Statement of Intent (PDF)“ im April 2014 in den USA veröffentlicht wurden. (Der Link verweist auf die Seite von SRS-Watch, einer atomkritischen Initiative in der Gegend der Savannah River Site, wo der Atommüll aus Jülich für den Fall einer Einigung hin soll. Auf deutscher Seite haben das Forschungsministerium in NRW und das des Bundes unterzeichnet. Eine Veröffentlichung durch die Ministerien in Deutschland ist mir nicht bekannt.)

AtomkraftgegnerInnen in den USA und Deutschland sorgten dafür, dass nun einige Einzelheiten über die Verhandlungen ans Tageslicht gekommen sind. In den Aachener Nachrichten heißt es: „Ein Transport der hoch radioaktiven Brennelemente aus dem 1988 stillgelegten AVR-Versuchsreaktor in die USA wird immer wahrscheinlicher; gewiss ist er aber längst nicht.“ Und das Blatt berichtet: „Wie das NRW-Wissenschaftsministerium unserer Zeitung sagt, ist beabsichtigt, die Brennelemente in das Atommülllager Savannah River Site in South Carolina im Osten der USA zu bringen. Allerdings „unter der Voraussetzung, dass ein Vertrag zur Rückgabe der Brennelemente geschlossen wird“. Auch am FZJ wird noch vorsichtig formuliert: Die Absichtserklärung sei „lediglich ein erster Schritt hin zu einem möglichen Rücktransport des Kernbrennstoffs in die USA“. Ein endgültiger Vertrag könne erst erfolgen, wenn an der Savannah River Site „die notwendigen Voraussetzungen für eine Annahme geschaffen worden sind“.“

Noch müssen eine Menge Probleme aus dem Weg geräumt werden. Denn eine Anlage, die im größeren Maßstab den äußerst kompliziert zu handhabenden Graphit-Atommüll verarbeiten kann, gibt es bislang noch nicht. Dennoch teilt die Aachener Zeitung mit, dass Behörden wie auch Betreiber davon sprechen, dass die Atomtransporte bis Ende Juni 2016 durchgeführt sein sollen. Statt Zwischenlagerung in Jülich wird dann bestenfalls nach hochriskanten Transporten eine weitere Zwischenlagerung in den USA erfolgen. Bis dahin ist zu befürchten: Der Atommüll wird noch einige Jahre per Ausnahmeverordnung in Jülich herumstehen. Proteste der Regierungs-Grünen in NRW gegen diese Planungen sind nicht bekannt.

Trotz der öffentlich dargebrachten Schimpferein der Grünen gegen Atommüll-Exporte ins Ausland: Als im Sommer 2013 das Endlager-Suchgesetz unter dem Jubel von SPD, CDU/CSU, FDP und Grünen mit massiver Kritik der Umweltverbände den Bundestag passiert, meldet der Spiegel: „Ein juristischer Trick könnte Export von Atommüll ins Ausland ermöglichen“ und schreibt: „Mit einem juristischen Trick ist es der Bundesregierung gelungen, den Export von Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich in die USA zu ermöglichen. In letzter Minute wurde eine entsprechende Passage in den Entwurf zum Endlagersuchgesetz aufgenommen. Darin wird die Ausfuhr von radioaktivem Abfall zwar verboten. Doch zugleich wurde mit Verweis auf eine EU-Richtlinie Atommüll aus Forschungseinrichtungen davon ausgenommen. Das Forschungsministerium als Haupteigentümer des ehemaligen Komplexes in Jülich verhandelt derzeit mit US-Behörden über den Export von abgebrannten Elementen. Passiert das Gesetz in der neuen Fassung am Freitag den Bundesrat, würde ein Tabu gebrochen. Vor zweieinhalb Jahren hatte der damalige Umweltminister Norbert Röttgen verhindert, dass Nuklearmüll aus dem stillgelegten Forschungsreaktor im sächsischen Rossendorf nach Russland transportiert wurde.“

(Siehe Paragraph 1 im StandAG der Hinweis auf die Richtlinie 2011/70/EURATOM des Rates vom 19. Juli 2011 über einen Gemeinschaftsrahmen für die verantwortungsvolle und sichere Entsorgung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle (ABl. L 199 vom 2.8.2011, S. 48). Die Richtlinie ist hier online).

Oliver Krischer, Bundestagsabgeordner der Grünen aus NRW nahm im September 2013 einen weiteren Spiegel-Artikel zum Anlass für eine schriftliche Anfrage (hier gehts zur Drucksache (PDF), siehe Seite 66). Der Spiegel hatte in der Ausgabe (36/2013) berichtet, dass die Kosten für den geplanten Deal bei rund 450 Millionen Euro liegen würden. Der Abgeordnete wollte wissen, wie sich diese Kosten zusammensetzen und „welche eigenen Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Gesamtkosten eines Transports und Abgabe der Jülicher AVR-Castoren an die USA?“ Die Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Rachel vom 9. September 2013 lautet: „Der Bundesregierung liegt bisher kein Angebot der amerikanischen Seite zum Transport der AVR-Brennelemente in die USA vor. Mit  einem entsprechenden Angebot ist auch nicht in nächster Zukunft zu rechnen, da zahlreiche Fachfragen, die Voraussetzungen für entsprechende Kalkulationen wären, noch nicht abschließend geklärt sind.“ Aha!

Bombentauglicher hochradioaktiver Brennstoff

Die Argumentation, warum die AVR-Brennelemente aus Jülich nun in die USA abgeschoben werden sollen, ist eine fast friedens- und abrüstungspolitische: Die Brennelemente-Kugeln, deren Uran-Anteil ehemals von den USA geliefert wurden,  enthalten nämlich bereits im Neuzustand teilweise Anreicherungen von über 90 Prozent des spaltbaren Uran 235 und wären in diesem Zustand tauglich, um daraus eine Atombombe zu bauen. Durch den Reaktoreinsatz hat sich der Anteil an Uran 235 zwar etwas verringert, aber zusätzlich sind u.a. Plutonium 239 und außerdem Uran 233 enstanden („erbrütet“ worden). Das Zeug ist also in der Tat atomwaffentauglich. Voraussetzung für eine militärische Nutzung aber wäre, dass der Brennstoff aufgearbeitet wird, also die „waffenfähigen Spaltstoffe“ aus der hochradioaktiven Matrix abgetrennt werden.

Aufgrund der Besonderheit der AVR-Brennelemente, etwa Tennisball-große Kugeln aus Graphit mit einem Gewicht von rund 200 Gramm, in denen der Brennstoff wiederum als kleinste Kügelchen eingebunden ist, stellen sie in gewisser Weise ein militärisches Sicherheitsrisiko dar. Mit entsprechendem Aufwand könnte der Spaltstoff aus seiner hochradioaktiven Matrix chemisch herausgetrennt werden. Genau das soll „kontrolliert“ in den USA erfolgen. Allerdings ist das sehr mühselig, angesichts der jeweils kleinen Mengen an waffenfähigem Material je Kugel – aber bei 300.000 Kugeln …

Ziel der geplanten atomaren Geisterfahrt ist die Sawanna  River Site (SRS), eine gigantische Atomanlage aus den 50er Jahren mit zahlreichen Reaktoren und Atommülltanks. Hier wurden die Atombomben der USA gebaut. Hier sollen die Brennelement-Kugel aus Jülich aufgearbeitet werden. Das Ganze erfolgt im Rahmen eines US-Programms, hochangereicherte Brennstoffe im Rahmen ihrer Nicht-Verbreitungspolitik („Non-Proliferation“) zurückzunehmen.

Widerstand auch in den USA

Nicht nur hiesige Anti-Atom-Initiativen kritisieren die Pläne der rot-grünen Landesregierung für derartige Atomtransporte, die offenkundig erst als „Lösung“ ins Spiel kamen, als die Sicherheitsprobleme für die Zwischenlagerung in Jülich immer offensichtlicher wurden.

Die Aachener Zeitung berichtet: „Offenbar regt sich in den Vereinigten Staaten jedoch heftiger Widerstand gegen die Pläne. „The Greenville News“, eine der größten Tageszeitungen in South Carolina, berichtete gestern über Kritik von Umweltschützern, die sich generell gegen eine weitere Aufnahme von Atommüll in der SRS wehren.

Tom Clements, Leiter der Gruppe „SRS Watch“ wird von der Zeitung mit dem Satz zitiert: „Der Vorschlag, hoch radioaktive, abgebrannte Brennelemente aus Deutschland in die SRS zu bringen, ist nichts anderes als das Verklappen von Atommüll unter dem Deckmäntelchen der Nicht-Verbreitungspolitik.“ Clements stellt augenscheinlich auch einen Zusammenhang zum deutschen Atomausstieg her: „Die wachsende Verlegenheit Deutschlands über den Umgang mit dem eigenen Atommüll darf nicht zu einem Müllbeseitigungsproblem der Savannah River Site werden“, sagte er.“

Die Brennelemente des AVR Jülich – Einige Fakten

BFS über das AVR-BE-Lager in Jülich. Dort findet sich auch als „Überblick zum Vorhaben der Aufbewahrung bestrahlter Brennelemente am Standort Jülich“ eine „Kurzbeschreibung (PDF, ca. 900 kB, Datei ist nicht barrierefrei), die im Oktober 1988 im Rahmen des damaligen Verfahrens zur Beteiligung der Öffentlichkeit (Erörterungstermin) erstellt wurde.“. Daraus stammt der folgende Auszug über die Art der Castor-Behälter und deren Inhalt: „Im Behälter befinden sich die Brennelementkugeln in zwei übereinanderstehenden Edelstahlkannen (AVR-TL-Kanne). Jede Kanne enthält max. 950 Kugeln. Die Brennelementkugeln des AVR-Reaktors haben einen Durchmesser von 6 cm und ein Gewicht von ca. 200 Gramm (Abbildung 7). Sie bestehen im wesentlichen aus Graphit, in dem der Kernbrennstoff in Form von kleinen, mehrfach beschichteten Partikeln gleichmäßig verteilt vorliegt. Die Abbildung 7 zeigt, daß die äußere Schale der Brennelementkugel, mit einer Stärke von etwa 0,5 cm, frei von Kernbrennstoff ist.
Das frische Brennelement enthält etwa 1 Gramm an spaltbarem Uran-235 und 5 bis 10 Gramm Thorium oder Uran-238.

Nach der Entnahme aus dem Reaktor enthält eine Brennelementkugel noch max. 0,75 g an spaltbarem Uran. Allerdings enthält das bestrahlte Brennelement eine höhere Radioaktivität als im frischen Zustand (im Durchschnitt ca. 2,2 TBq (60 Ci)), die im wesentlichen durch die Spaltung des Uran-235-Isotops entstanden ist. Zusätzlich werden durch die Aktivierung von Uran-238 und Thorium neue spaltbare Stoffe, nämlich Uran-233, Plutonium-239 und Plutonium-241, erzeugt. Die Gesamtmenge an Spaltstoffen, d.h. U-235 + U-233 + Pu-239 + Pu-241, liegt in jedem Fall unter 0,75 g pro Brennelement.“

Auch die ehemalige Atomforschungs-Schmiede in Jülich beschreibt den AVR-Atommüll. Dort heißt es zur Frage „Woraus besteht ihr Inhalt?“ im weiteren: „Im AVR-Reaktor wurden während der 20jährigen Betriebszeit unterschiedliche Brennelemente getestet, die auch unterschiedliche Anreicherungen hatten. In den ersten Jahren wurden ausschließlich Brennelemente mit hoch angereichertem Uran, so genannte HEU-BE, eingesetzt, später dann auch Brennelemente mit niedrigeren Anreicherungen, so genannte LEU-BE. Der Anreicherungsgrad bei den HEU-BE lag über 90%, bei den LEU-BE schwankte er zwischen 15% und 25%. Die HEU-BE wurden im Reaktor relativ hoch abgebrannt, der Abbrand der LEU-BE schwankt relativ stark, was auf unterschiedliche Betriebs- und Einsatzzeiten im Core zurückzuführen ist.

Die Brennstoffpartikel bestehen aus spaltbarem Uran (U-235) sowie dem nicht spaltbaren U-238. Ein Teil der Partikel enthält Thorium (Th-232) statt U-238. Im Laufe der Jahre waren in dem Reaktor zur Brennelemententwicklung unterschiedliche Brennelemente getestet worden. Die Partikel sind mit Siliziumcarbid beschichtet („coated particles“), um die Spaltprodukte zurückzuhalten. Da alle Brennelementkugeln (unterschiedlich lange) im Reaktor waren, enthalten sie – neben unverbrauchtem Kernbrennstoff – u.a. Plutonium (Pu-239, entstanden aus U-238) und Uran-233 (entstanden aus Th-232) sowie die Spaltprodukte.“

Rot-Grün in NRW: Atommüll-Probleme sollen abgeschoben werden

irgendwo-atommuell-umweltfairaendernAtommüll-Desaster – z.B. in Jülich. In der ehemaligen Kernforschungsanlage stehen 152 Castor-Behälter mit hochradioaktiven Brennelemente-Kugeln. Deren Lagerung wird nur noch per Notverordnungen durch die rot-grüne Landesregierung in NRW erlaubt – eine reguläre atomrechtliche Genehmigung gibt es aufgrund der Sicherheitsmängel der dortigen Lagerhalle nicht mehr (siehe: Hochradioaktiver Atommüll in Jülich lagert weiter per Ausnahmeverordnung). Ausnahmezustand bei der Atommüll-Entsorgung. Während sonst vor allem die Grünen immer wieder die nationale Verantwortung für den Atommüll einfordern und Exporten massiv widersprochen haben, will die Landesregierung das Problem nun einfach abschieben. Der Atommüll soll kurzerhand umdeklariert werden und dann per Schiff in die USA gehen. Dort ist die Lagerung zwar auch nicht sicher, aber das Problem ist wenigstens weit weg. Auf Telepolis ist ein ausführlicher Artikel von Elke Brandes und Ralf Streck erschienen, den umweltFAIRaendern mit freundlicher Genehmigung der Autorin hier in voller Länge veröffentlicht.

Deutscher Atommüll soll in die USA

Getarnt als Material zur Wiederaufarbeitung soll Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich ins US-Atomwaffenzentrum in South Carolina verschifft werden

Atomkraftgegner in den USA haben herausgefunden, dass es seit drei Jahren konkrete Verhandlungen darüber gibt, Atommüll mit hoch angereichertem Uran aus dem havarierten AVR-Kugelhaufenreaktor im Forschungszentrum Jülich ins Atomwaffenzentrum Savannah River Site in South Carolina zu bringen. Tatsächlich drängt die Zeit, denn in Jülich musste die Betriebsgenehmigung für die Lagerung schon zwei Mal außerordentlich verlängert werden. Dass Atommüll in den USA sicher gelagert werden könnte, daran werden die Zweifel angesichts der Vorgänge in einem Lager für mittelradioaktiven Müll immer größer.

Immer mal wieder fallen negative Schlaglichter auf den 1988 havarierten und stillgelegten AVR-Kugelhaufenreaktors im Forschungszentrum Jülich (FJZ). Eine Expertenstudie kam 2008 zu dem Ergebnis, dass der Reaktor einst nur knapp an einer Katastrophe „vorbeigeschlittert“ sei. Erst kürzlich wurde ein Bericht erstellt, der die wesentliche Kritikpunkte aus der Zeit bestätigte. „Der AVR hätte nie betrieben werden dürfen, weil er hochgradig unsicher war“, bekräftigt der FZJ-Sicherheitsforscher Rainer Moormann, der einst auf die gravierenden Probleme hingewiesen hatte.

Damit nicht genug, wurde auch bekannt, dass strahlender Müll aus dem Reaktor ebenfalls im einstürzenden und absaufenden „Versuchsendlager“ Asse versenkt wurde. Mehr als 100 Fässer mit verstrahlten AVR-Graphitkugeln wurden dort eingelagert. Es zeigte sich erneut, wie schlampig sowohl auf Seiten der Reaktorbetreiber und im Endlager Asse mit den hochgefährlichen Stoffen umgegangen wurde. So ist nur die Anzahl der gelieferten und eingelagerten Fässer dokumentiert worden.

Deshalb musste die Anzahl der verstrahlten Kugeln im Nachhinein geschätzt werden, die nun in der Asse auf die teure Rückholung warten (Hohe Radioaktivität in der Asse). Und 2011 kam es dann erneut zu Schlagzeilen, weil in Jülich sogar fast 2300 Brennstoffkugeln mit hoch angereichertem Uran „vermisst“ wurden.

Brennelementkugeln sollen in die USA verschifft werden

Klar ist, dass in einem Zwischenlager in Jülich derzeit in 152 CASTOR-Behältern fast 300.000 intakte abgebrannte Brennelementkugeln lagern und die sollen nun offensichtlich in die USA verschifft werden. Die Zeit drängt, denn die Betriebsgenehmigung für die Lagerung in Jülich ist schon vor fast einem Jahr abgelaufen und wurde zwei Mal noch bis zum kommenden Juli verlängert.

Telepolis liegt eine am 1. April unterzeichnete Absichtserklärung zwischen der US Energiebehörde (Department of Energy, DOE), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Nordrhein-Westfälischen Wissenschaftsministerium vor, die einen Export des Atommüll in die USA vorsieht.

Als Begründung für den Atommüllhandel wird darin unter anderem genannt:

Die Annahme des Brennstoffes würde durch die US-Richtlinie zur Minimierung von hoch angereichertem Uran (highly enriched Uranium, HEU) unterstützt. Mit dieser Richtlinie beabsichtigt die US Energiebehörde, HEU im zivilem Handel zu reduzieren und schließlich vollständig zu entfernen, indem sie das aus den USA stammende HEU in Brennstoffen aus Deutschland entfernt und zur sicheren Lagerung zurück in die USA bringt, wo es in eine Form umgewandelt wird, in der es nicht mehr für Atomwaffen oder anderes improvisiertes Gerät zur Verbreitung von nuklearem Material genutzt werden kann. Die Lagerung des Brennstoffes würde auch den Zielen des Atom-Sicherheitsgipfels in 2014 beisteuern.

Auf Anfrage von US-Umweltschützern und Umweltschützerinnen hatte die DOE mitgeteilt, dass ein Umweltgutachten für die Aufnahme von etwa 900 kg hoch angereichertem Uran in das Atomwaffenzentrum Savannah River Site (SRS) bei Aiken in South Carolina in Auftrag geben wurde.

Hintertüren

Dort soll der Atommüll laut der Vorvereinbarung angeblich zu seiner Aufarbeitung gelagert werden. Bestätigt wurde damit ein Bericht des Spiegels aus dem vergangenen Jahr, wonach deutsche und US-amerikanische Behörden über einen möglichen Export von knapp 300.000 abgebrannten Graphitkugeln aus dem AVR-Reaktor in Jülich verhandeln.

Nun ist klar, dass die Verhandlungen sich schon über drei Jahre hinziehen. Hier drängt sich geradezu der Eindruck auf, dass in den USA ein neuer Abnehmer für den strahlenden Müll gesucht wurde, nachdem die Versuche vor gut drei Jahren gescheitert waren, Atommüll in großem Stil nach Russland zu verfrachten.

Der Spiegel hatte auch darüber berichtet, dass dieser Atommüll-Export in die USA über eine Hintertür in dem im Sommer letzten Jahres verabschiedeten Endlagersuchgesetz möglich ist. Denn das lässt den Export von Atommüll aus Forschungszentren zu. Tatsächlich handelte es sich beim Jülicher AVR Reaktor aber ohnehin nicht um einen Forschungsreaktor.

Der Versuchsreaktor wurde von Energieunternehmen betrieben und speiste über 20 Jahre Strom ins Netz ein. Der AVR wurde zwar vom FJZ wissenschaftlich betreut und mit Betriebskostenzuschüssen unterstützt, war aber formal unabhängig.

Verhandlungen über weitere Abnahmen

Doch damit nicht genug, machen die lokalen Umweltschützerinnen und Umweltschützer von SRS Watch mit Bezug auf ihnen vorliegenden Daten deutlich, dass es bei den 152 Castoren mit dem Atommüll aus Jülich nicht bleiben soll. Denn verhandelt werde auch über die Annahme von weiteren 305 Castoren mit 605,000 Graphitkugeln aus dem THTR-300 in Hamm.

Dabei handelt es sich um das teure Debakel eines Atommeilers, der zwischen 1985 bis zur schnellen Stilllegung 1989 nur an 432 Volllasttagen in Betrieb war. Dafür wurde der Strom hoch subventioniert, denn neben offiziellen Subventionen gab es zudem für den erzeugten Strom eine Abnahmegarantie zu einem an der Steinkohleverstromung orientierten Preis, der damals um etwa 40 % über dem Abnahmepreis für andere Atommeiler lag.

Welche neue Hintertür gefunden wird, um auch diesen Müll in die USA zu schaffen, darauf darf man gespannt sein. Interessant ist vor allem die Argumentation der „Rücknahme“ des Brennstoffs durch den Hersteller USA, die immer wieder verlautet wurde und auch in der Absichtserklärung auftaucht. Mit der Argumentation könnte Deutschland praktisch seinen gesamten Atommüll loswerden, indem es ihn an die Hersteller und Lieferanten zurück gibt.

„Kein Einlagerungsplan“

Atomkraftgegner und Umweltschützer wehren sich auf beiden Seiten des Atlantiks vehement dagegen, deutschen Atommüll in die USA zu verschiffen. Der Leiter der lokalen Umweltorganisation Savannah River Site Watch und langjährige Atomkraftgegner, Tom Clements, macht klar, dass unter dem Vorwand der Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen nun Atommüll in den USA entsorgt werden soll.

Das deutsche Atommüll-Dilemma, wie mit dem Atommüll umgegangen werden soll, darf aber kein Atommüllproblem für Savannah River Site werden.

Deutschland müsse ihn selbst entsorgen und unsinnige und gefährliche Transporte verhindern.

Auf Anfrage von Telepolis zweifelte Tom Clements daran, dass es gelingen werde, über die Umrüstung einer bestehenden Aufarbeitungsanlage aus den abgebrannten Graphitkugeln neue Brennstäbe für US-Atomkraftwerke herzustellen.

Während unklar ist, ob ein so unüblicher hochradioaktiver Müll überhaupt im SRS verarbeitet werden kann, ist sicher, dass es keinen Einlagerungsplan für den Müll gibt.

Bislang wurde eine geplante Umwandlung nur mit geringen Mengen im Labor erreicht. Auch die Energiebehörde gibt zu, dass die Entwicklung längst nicht abgeschlossen sei. Bisher seien 1,5 Millionen Dollar in das Projekt geflossen, doch müssten weitere 8,5 Millionen Dollar für die Fortführung zur Verfügung gestellt worden. Und Clements nimmt es der Energiebehörde nicht ab, dass sie den Import von deutschem Atommüll als Maßnahme zur Anti-Proliferation plane.

Obwohl das DOE behauptet, dass das Material sicher entsorgt würde, gibt es keinen Entsorgungsplan für hochradioaktiven Müll, und daher geht es im Grunde um den Transport ins SRS zur langfristigen oder endgültigen Lagerung.

Der Leiter von SRS Watch geht davon aus, dass ein Geschäft gemacht werden soll, um viel Geld in die leeren Kassen der SRS-Betreiber zu spülen. SRS Watch weist auch darauf hin, dass auf dem SRS-Gelände längst Atommüll aus anderen Ländern gelagert werde. Plutonium sei unter anderem schon aus Kanada, Belgien, Italien und Schweden angeliefert worden. Dazu lagern auf dem Gelände 180 Millionen Liter flüssigen hochradioaktiven Abfalls aus der Atomwaffenproduktion der 1950er Jahre. Die Tanks beginnen längst undicht zu werden, weshalb der Müll unter hohem finanziellem Aufwand in neue Behälter umgefüllt werden muss.

Dass mit einer angeblichen Rückholung des Atommülls in die USA gegenüber dem Partner Deutschland argumentiert wird, entbehrt tatsächlich jeder Logik. Oder wird der Bundesrepublik unterstellt, Handel mit atomwaffenfähigem Material zu betreiben? Wohl kaum, ohnehin hätte Deutschland auch trotz der Rücknahme der Graphitkugeln noch ausreichend Material dafür auf Lager. Die USA müsste also das gesamte strahlende Material aus Deutschland abnehmen, wenn diese Begründung ernst zu nehmen wäre.

450 Millionen Euro Exportkosten?

So dürfte tatsächlich eher der enorme finanzielle Druck eine bedeutende Rolle spielen, unter dem der SRS-Komplex steht. So bot sich die SRS zuletzt auch als Zwischenlager für US-amerikanischen Atommüll an, was aber zunächst durch den Einspruch von besorgten Bürgerinnen und Bürgern verhindert werden konnte.

Der Spiegel hatte im September 2013 veröffentlicht, dass für den Export des Atommülls aus Jülich 450 Millionen Euro im Gespräch seien. Das wäre weitaus mehr als der Bau eines neuen Zwischenlagers dort kosten würde. Erweitert man das gedanklich auf die mehr als doppelt so große Menge Atommüll aus dem THTR, dann könnte es sich um eine Größenordnung von über einer Milliarde Euro handeln.

Und mehr als kurios ist auch, wenn in der Absichtserklärung von einer „sicheren Lagerung“ des Atommülls in den USA gesprochen wird. Bekannt ist, dass auch die USA – wie alle anderen Länder – über kein Endlager für hochradioaktiven Müll verfügen. Und die Vorgänge in der Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) im US-Bundesstaat New Mexico lassen erheblich Zweifel an einem verantwortlichen Umgang mit Atommüll in den USA aufkommen.

Dabei wurde in dem Salzstock nur langlebiger mittelradioaktiver Abfall aus der Atombombenproduktion eingelagert. Doch das Lager musste nach einem Unfall im Februar geschlossen werden, bei dem Plutonium freigesetzt wurde.

Aufplatzende Fässer

Inzwischen hat sich bestätigt, dass mindestens ein Atommüllfass wie erwartet aufgeplatzt ist, das aus der Atomwaffenfabrik Los Alamos kam. Die Inspektoren, die den Vorfall untersuchen, fanden heraus, dass zwar tatsächlich die Decke eingestürzt war. Aber das war offenbar nicht die Ursache für das Aufplatzen des Behälters, sondern es kam im Fass zu einer Explosion. Der Grund dafür war offenbar, dass falsches handelsübliches Katzenstreu beigemischt wurde.

Aufgeplatztes Fass; Foto: US Department of Energy

Mit anorganischem Katzenstreu sollen die Nitrate im radioaktive Material stabilisiert werden, so dass es nicht austrocknet und sich überhitzt.

Vermutet wird nun, dass aber auch organisches, aus Mais oder Weizen hergestelltes Katzenstreu verwendet wurde, was weitere Explosionen und damit die Freisetzung von Plutonium zur Folge haben könnte. Das große Problem besteht nun darin, heraus zu finden, welche Fässer mit dem falschen Katzenstreu befüllt wurden, die sich als explosive Zeitbomben im WIPP oder in den anderen Lagerstätten befinden.

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