Zwei Tage, drei Veranstaltungen. Mit Musik, Lesungen und Kinderprogramm ging es am letzten Donnerstag und Freitag im Knust hoch her und für den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“. Die „Hamburger Unternehmen gegen Atomkraft“, u.a. beteiligt auch an „Lesen ohne Atomstrom“, hatten zu „Vattenfall fallen lassen“ geladen.
Hier ein paar Schnappschüsse …
Musikalische Lesungen der Unternehmen gegen Atomkraft
Zip Zap Zauber – Programm für Kinder bei den Lesungen
Antje von Stemm (be)zaubert und erzählt
Als Duo, das Falco Trio
Braasch im Interview. Ingo Werth von den Hamburger Unternehmen gegen Atomkraft fragt nach. Foto: Dirk Seifert
Ingo Werth und Wiebke Hanse
Sebastian Schlösser
Lesung als Improvisation oder umgekehrt? Schamoni und Pintschovius. Foto Dirk Seifert
Rauchende Vattenfall-Schlote zum Schutz des Deutschen Walds. Alles Klar?
Ein Zusammenhang zwischen einer 2,3 Millionen Euro Spende von Vattenfall und dem Beitritt der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in die Front der Volksentscheids-Gegner besteht nicht, berichtet heute das Abendblatt. Der Verband ist vor wenigen Tagen Mitglied des Clubs von Handelskammer und anderen, vor allem Wirtschafts- und Finanzverbänden geworden, die mit viel Geld gegen den Volksentscheid zur vollständigen Rekommunalisierung der Energienetze von Vattenfall und E.on mobilisieren. Der Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ findet am 22. September statt.
„Vor etwas mehr als einem Jahr hatte Vattenfall der SDW 2,3 Millionen Euro gespendet – für Bau und Betrieb des Hamburger Wälderhauses. Nun engagiert sich die SDW in der Initiative, die will, dass Vattenfall das Energienetz zu größten Teilen behält“, berichtet das Abendblatt.
Dabei kommt sofort der Verdacht auf, dass die SDW ihre Entscheidung vor allem aufgrund dieser großen Spendensumme getroffen hat. Dem Abendblatt ist zu entnehmen: „Ich glaub, ich steh im Wald“, sagte Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan. „Erst will sich Vattenfall mit einem 2,3 Millionen-Euro-Zuschuss für das Wälderhaus seine kohleschwarze Weste grün färben. Ein Jahr später erklärt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, dass Vattenfall die Netze behalten soll.“ Die Naturschutzorganisation lasse sich „vor den Karren eines Kohlekonzerns spannen und setzt damit ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel“. Kohlekraftwerke wie Moorburg verursachten sauren Regen und trügen damit zum Waldsterben bei, so Kerstan“.
Natürlich wird das alles dementiert und bestritten und ist in dem Artikel vom Abendblatt detailliert nachzulesen.
„You never know“, antwortete Tuomo Hatakka auf die Frage, ob ein Rückzug von Vattenfall aus Berlin und Deutschland denkbar sei. Und er spricht von einer „existenziellen Krise“, die der Konzern mit „Konsolidierung“ zu überstehen versuche: Kosten runter, Abbau von 1500 Arbeitsplätzen in Deutschland, weniger Investitionen und Verkauf von Randbereichen. So zitiert der Berliner Tagesspiegel den Vattenfall-Chef. Und weiter: “ „Auf absehbare Zeit“, und damit meint er drei oder vier Jahre, werde der schwedische Staatskonzern hierzulande wohl noch präsent sein. Trotz bedrohlicher Bedingungen.“
Das alles sagt der Deutschland-Chef von Vattenfall vor der Presse und das sagt er, um zu retten, was noch zu retten ist und um die bevorstehenden Verkäufe von Konzernteilen in Deutschland noch halbwegs vernünftig abwickeln zu können. Die Äußerungen machen klar: Bei Vattenfall „brennt die Hütte“.
Die eher als industriefreundlich geltende Gewerkschaft IG BCE geht schon seit Monaten davon aus, dass Vattenfall noch im Laufe des Jahres 2014 den mehr oder weniger vollständigen Rückzug aus dem Braunkohlegeschäft in der ostdeutschen Lausitz verkünden wird. Siehe: Vattenfall Deutschland zerfällt: Verkauf der Braunkohle-Sparte bis Ende 2014
Schon im Frühjahr hat Vattenfall angekündigt, ein Braunkohlekraftwerk bei Lippstadt verkaufen zu wollen – für Viele in der Branche ein Pilotprojekt, mit dem Vattenfall den kompletten Ausstieg vorbereitet. Siehe: Keine “Mördergrube”: Vattenfall irritiert die gesamte Lausitz. Möglicherweise orientiert sich Vattenfall am E.on-Konzern.
Während Vattenfall also einerseits auf Ausstiegskurs ist, erklärt Hatakka andererseits, dass der Konzern in Berlin weiter daran festhält, dass Stromnetz betreiben zu wollen und wendet sich damit entschieden gegen den dort laufenden Volksentscheid für die vollständige Rekommunalisierung. Und auch in Hamburg agiert der Konzern mit aller Macht gegen einen Volksentscheid von „Unser Hamburg – Unser Netz“.
Die Hamburger SPD erklärt den auseinander brechenden Konzern Vattenfall ausdrücklich sogar als Partner für die Energiewende und hat sich mit einem Minderheitsanteil von 25,1 Prozent – auf Gedeih und Verderb – an den Fernwärme- und Stromnetzen von Vattenfall beteiligt.
Was Vattenfall von der Energiewende hält, die den Konzern in eine schwere wirtschaftliche Krise gebracht hat, sagt Hatakka dem Berliner Tagesspiegel zufolge auch:
„Nach der Bundestagswahl müsse schleunigst der Ausbau der Erneuerbaren gestoppt werden, denn mit dem jetzigen Ausbautempo wären sonst im Jahr 2020 Erzeugungskapazitäten von 220 000 Megawatt installiert – rund zweieinhalbmal so viel, wie tatsächlich gebraucht werde. Kürzlich hatte Hatakka im Zusammenhang mit den Erneuerbaren von einem „Monster“ gesprochen.“ Siehe dazu: Vattenfall-Chef über Solarenergie-Ausbau: “Wir haben ein Monster auf die Beine gebracht”
Gute Idee von der Hamburger SPD, mit so einen Unternehmen die Energiewende zu machen. Irgendwie echt überzeugend.
Werbung für Kulturveranstaltungen zur Unterstützung des Volksentscheids „Unser Hamburg – Unser Netz“ müssen draußen bleiben. Jedenfalls bei der Hamburger U-Bahn. Mit der Begründung, einige Fahrgäste hätten „sich beschwert“, hat die Hamburger Hochbahn die Werbung im Fahrgast-TV stoppen lassen. Außerdem moniert wurde eine Vermischung von Kultur und Politik. Kurz und gut: Die Agentur, die das Fahrgast-TV in der U-Bahn betreibt, hat dem Volksentscheids-Bündnis „Unter Hamburg – Unser Netz“ mitgeteilt, dass die Werbung für „Musikalische Lesungen im Knust“ aus dem Programm „entfernt“ wurden. So einfach geht das!
Chef der Hamburger Hochbahn ist Günther Elste, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft. Bis Ende letzten Jahres war Hauke Eugen Wagner Referent bei Günther Elste. Heute ist Hauke Eugen Wagner bei Vattenfall und dort für den von der SPD-Hamburg in der Bürgerschaft durchgesetzten Minderheitsdeal bei den Stromnetzen und der Fernwärme zuständig. Außerdem ist Hauke Wagner Mitglied im Landesvorstand der SPD. (Siehe dazu: Vattenfall ist nun Mitglied im Hamburger SPD-Landesvorstand – Wie Filz geht!)
Nun aber nichts Falsches denken! Natürlich fahren – glaube ich jedenfalls – weder Elste noch Wagner mit der U-Bahn. Die haben sich sicher nicht beschwert, dass so eine Volksentscheid-Kultur-Werbung in der U-Bahn läuft und irgendwie gegen Vattenfall (und E.on) ist. Aber warum erwähne ich das eigentlich?
Immer mehr KünstlerInnen mischen sich ein – für den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“. Nachdem Rantanplan und der Netze-Chor mit einer – laut Abendblatt – „umstrittenen Coverversion“ vor zwei Tagen (Das ist unser Netz, Youtube) vorgelegt haben, sind heute Abend Rocko Schamoni, Joshka Pintschovius und das Falco Trio als Duo auf die Bühne gegangen, um den Abschied von Vattenfall und E.on zu unterstützen. Dafür hatte der Knust den Saal zur Verfügung gestellt und die Initiative „Hamburger Unternehmen gegen Atomkraft“ hatten geladen!
Lesung als Improvisation oder umgekehrt? Schamoni und Pintschovius. Foto Dirk Seifert
Die Initiative aus kleinen Hamburger Unternehmen – die auch das Projekt „Lesen ohne Atomstrom – Die erneuerbaren Lesetage“ mit ins Leben gerufen hat, mischt sich für den Volksentscheid unter dem Motto “Vattenfall vom Netz trennen“ ein. Eingerahmt zwischen Musik und Lesung interviewte Ingo Werth von der Unternehmens-Initiative auch Manfred Braasch von der Volksentscheids-Initiative zu den Hintergründen des Volksentscheids.
Am Freitagvormittag (also quasi gleich) gibt es ebenfalls im Knust ab 10 Uhr eine Lese- und Bastelreise mit Antje von Stemm für Kinder: „Zipp Zapp Zauber“ heißt das Buch von Stemm.
Braasch im Interview. Ingo Werth von den Hamburger Unternehmen gegen Atomkraft fragt nach. Foto: Dirk Seifert
Am Freitag Abend (also am 23. August) gehen dann Wiglaf Droste und Sebastian Schlösser an den Start, wiederum musikalisch unterstützt durch das Falco Trio (Duo). Alle Veranstaltungen sollen helfen, auch finanziell den Volksentscheid zu unterstützen. Alles im Knust Hamburg zum Unterstützer-Preis von 9 Euro und ermäßigt 6 Euro!