Während sich AKW-Betreiber und Regierungen gern geordnet geben, geht es in Sachen Atommüll-Lagerung eher chaotisch zu. Nicht nur, dass nach über zwei Jahren Suche immer noch nicht wirklich klar ist, wohin der Atommüll aus der Wiederaufarbeitung im Ausland gehen soll. Auch das Urteil, mit dem die Genehmigung für das Castor-Lager am AKW Brunsbüttel aufgehoben wurde, wirft erhebliche ungeklärte Fragen auf. Außerdem stehen in Jülich 152 hochradioaktive Castoren, die entweder vor Ort bleiben oder in die USA oder aber in das Zwischenlager nach Ahaus sollen. Nichts ist klar, aber die Behörden haben natürlich alles im Griff. Anti-Atom-Initiativen warnen jetzt davor, dass es zu hunderten von Castor-Transporten nach Ahaus kommen könnte: Aus Garching, aus Jülich und aus Frankreich. Ergänzen lässt sich noch: Auch der hochradioaktive Atommüll aus dem Berliner Forschungsreaktor könnte in Ahaus landen. umweltFAIRaendern.de dokumentiert die Presseerklärung der Initiativen …
„Garching-Castoren sind nur die Spitze des Eisberges / Über 300 weitere Castoren sollen nach Ahaus
Die Anti-Atom-Initiativen im Münsterland weisen darauf hin, dass in den kommenden Jahren nicht nur 17 Castoren aus Garching in das sogenannte Zwischenlager Ahaus eingelagert werden sollen, sondern noch mit rund 300 weiteren Castoren gerechnet werden muss. Dabei handelt es sich um verschiedensten Atommüll in verschiedensten „Castor“-Behältern. Gegen die sinnlosen und gefährlichen Atommülltransporte kündigen die Initiativen massiven Widerstand an. Unterstützung erhalten sie u. a. von den Umweltverbänden BUND und BBU.
Zur Zeit werden beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Transport-Anträge für 17 Castoren aus Garching, für ca. 150 Castoren aus La Hague sowie für 152 Castoren aus Jülich bearbeitet. Diese sollen in den nächsten 10 Jahren im sogenannten Zwischenlager Ahaus eingelagert werden obwohl das Ahauser Lager nur eine Genehmigung bis in das Jahr 2036 hat.
Die 152 Jülicher Westcastoren sollten ursprünglich in die USA verlagert werden. Offiziell ist dies die bevorzugte Variante der Landes- und Bundesregierung, Genehmigungsanträge liegen jedoch nur für die Ahaus-Option vor. Auch die Option des Neubaus eines erdbebensicheren Zwischenlagers in Jülich wird momentan nicht konkret verfolgt.
Zudem sollen ab 2025 weitere ca. 150 Castoren mit mittelradioaktivem Abfall und bitumisierten Flüssigabfällen aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Ahaus kommen. Die genaue Anzahl ist noch unklar, denn es müssen für den Atommüll aus La Hague noch neue Behälter entwickelt werden. Ebenso sind die Castoren für den Garchinger Atommüll noch nicht fertig entwickelt, das jetzige Modell gilt als nicht mehr sicher genug.
2030 muss die Betreiberfirma des Zwischenlagers Ahaus, Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) bereits bekannt geben, wie der weitere Verbleib des gesamten in Ahaus liegenden Atommülls geplant ist – denn 2036 läuft die Genehmigung für das Ahauser Atommülllager aus.
Castortransporte werden NRW innenpolitisch lahm legen
„Die Castoren aus Garching sind nur die Spitze des Eisberges. Auf die Bundesrepublik und insbesondere Ahaus rollt in den kommenden Jahren eine massive Atommüllwelle zu“ erklärt Falko Tetzlaff von der Initiative „Kein Castor nach Ahaus“. „Diese Transportwelle dürfte das Land NRW aus innenpolitischer Sicht lahmlegen, wenn nicht endlich ein sinnvolleres Konzept zum Umgang mit dem Atommüll statt des stetigen Atommülltourismus von A nach B entwickelt wird“ ergänzt Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).
Die vorsätzlich gegen die Vorgaben des Atomgesetzes und der Strahlenschutz-Verordnung erfolgte „Behandlung“ des Atommülls durch die Bundesregierungen der letzten 50 Jahre lässt keinerlei Aussicht auf sachgerechtes Handeln erkennen. Die weitere Produktion von Atommüll muss sofort gestoppt werden, um das Problem eines noch immer nicht vorhandenen Endlagers nicht noch weiter zu vergrößern. Dazu gehört z. B. die sofortige Stilllegung der Atomanlagen in Gronau, Lingen, der AKW und des Garchinger Forschungsreaktors.
„Ahaus wird zur bundesweiten Atommüllkippe der gesamten Republik, während man kopflos versucht, eine Entsorgung vorzutäuschen. Wir kündigen schon jetzt massive Proteste gegen jeden weiteren Transport an und fordern die Verursacher auf, den Müll dort bestmöglich zu lagern, wo er entsteht“, ist sich Willi Hesters vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen mit den anderen Initiativen und Umweltverbänden einig.
Weitere Informationen: www.kein-castor-nach-ahaus.de, www.bund-nrw.de/ueber_uns/arbeitskreise/ak_atom, www.bbu-online.de, www.bi-ahaus.de, www.sofa-ms@web.de
Hochradioaktiver Atommüll, der außerdem hochangereichertes und damit militärisch brisantes Uran enthält, soll ab 2018 aus dem Forschungsreaktor Garching bei München in das Zwischenlager Ahaus in NRW transportiert werden. Das ergibt sich aus den Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (PDF) des linken Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel. Ein Castor-Behälter mit fünf abgebrannten Brennelementen aus dem Forschungsreaktor Garching wird rund 300 Kg hochangereichertes und damit waffenfähiges Uran enthalten, aus dem mehrere Bomben gebaut werden könnten.
Update 22/12/2014: Auch der Bundestag berichtet auf seiner Homepage über diese Atomtransporte und die Kleine Anfrage von Zdebel: Brennelemente: Lagerung in Ahaus
Der Betrieb des Forschungsreaktors in Garching ist auch wegen der verwendeten hochangreicherten Brennelemente bis heute international umstritten. Die USA hatten sich massiv gegen den Betrieb mit derartigen Brennelementen ausgesprochen und sich geweigert, den Reaktor in Garching zu beliefern. Weltweit wird im Zuge der Minimierung von Risiken für den militärischen Missbrauch von Kernbrennstoffen versucht, auch Forschungsreaktoren nur noch mit Brennelementen unterhalb einer Anreicherung von 20 Prozent des spaltbaren Uran 235 zu beliefern. Dies soll vor allem nukleare “Newcomer” davon abhalten, mit atomwaffenfähigem Material zu hantieren. Für den Betrieb von Garching wurden diese Bemühungen schließlich ignoriert und Verträge mit Russland für die Lieferung von hochangereichertem waffenfähigen Uran für die Brennelemente abgeschlossen.
Das jeweils 53 Kilogramm schwere Brennelement enthält insgesamt jeweils 8,1 kg hochangereichertes Uran (93 Prozent U-235, 7 Prozent U-238). Derzeit verbleibt ein solches Kompaktbrennelement 60 Tage im Reaktor (früher 52 Tage). Vier solcher Brennelemente kommen pro Jahr zum Einsatz. Die Kosten je Brennelement belaufen sich für Brennstoffbeschaffung, Lagerung sowie Fertigung und Transport auf 1,1 Millionen Euro. Die Herstellung erfolgt laut Aussagen der Bundesregierung in Frankreich. Nach dem Einsatz im Reaktor soll das abgebrannte Brennelement nach 60 Tagen Volllast noch einen Anreicherungsgrad von 88 Prozent Uran 235 haben.
In Garching ist lediglich eine “Abklinglagerung” vorgesehen. Bereits vor dem Betriebsbeginn in Garching soll eine Zwischenlagerung des hochradioaktiven Atommülls im Zwischenlager in Ahaus vertraglich geregelt worden sein. Eine Zwischenlagerung vor Ort ist offenbar nie geprüft worden.
Ausdrücklich hatte Zdebel die Bundesregierung nach den Proliferationsrisiken der hochangereicherten Uran-Brennelemente aus Garching (Frage 6) und einen möglichen späteren Export in die USA (Frage 8) gefragt. Die Bundesregierung verweist lediglich auf Kontrollen durch die IAEO und Euratom. Mit keinem Wort geht sie auf die Frage zur Möglichkeit eines späteren US-Export ein. Sie stellt aber fest: “Nach der Zwischenlagerung ist eine Endlagerung der bestrahlten Brennelemente als wärmeentwickelnde, radioaktive Abfälle geplant. Eine Konditionierung ist bislang nicht vorgesehen.” (Antwort auf Frage 9)
Derzeit plant die Bundesregierung, die vor ihr als Proliferations-Risiko bezeichneten verbrauchten Brennelemente aus dem Atomkraftwerk AVR Jülich als eine bevorzugte Option in die USA zu exportieren.
Dounreay im äußersten Norden von Schottland. Einer der dreckigsten Atomstandorte der Welt. Die Strände sind verstrahlt, seit Mitte der 90er Jahre werden radioaktive Hotspots gefunden. Kleine Teilchen, die hochgradig strahlen. Teilchen, die möglicherweise auch aus der Aufarbeitung von hochradioaktiven Brennelementen aus deutschen Atomforschungsreaktoren stammen. Zwischen 1992 und 1996 wurde in der Plutoniumfabrik in Dounreay der Strahlenmüll aus diesen Reaktoren wiederaufgearbeitet. Der gesamte Atommüll aus dieser Aufarbeitung lagert noch dort, muss aber von Deutschland zurück genommen werden. Dass soll bald passieren, aber ganz anders als gedacht. Der Müll wird „geswapt“, verwandelt sich von viel leichtaktiv zu weniger hochradioaktiv und wird nicht aus Dounreay sondern aus Sellafield kommen. Eine komplizierte Geschichte aus der unendlichen Serie ungelöster Atommüllprobleme.
Immer wieder tauchen diese radioaktiven Hotspots an der Küste von Dounreay auf, auch unter Wasser in der Nähe der Küste. Von den Unmengen radioaktiver Ableitungen in die Nordsee ist hier gar nicht die Rede. Warnschilder entlang des Küstenvorlandes weisen auf radioaktive metallische Partikel hin, erklären, dass man diese nicht mit den Augen erkennen könne und dass man besser weder Sand noch Steine einsammeln sollte. Atomare Hinterlassenschaften der besonderen Art – verstrahlt mit deutscher Unterstützung.
Vor allem der hochgiftige Bombenstoff Plutonium war jahrzehntelang das Hauptgeschäft der Atomanlagen in Dounreay. Jahrelang wurden hier schnelle Brüter getestet und eine Wiederaufarbeitungsanlage betrieben. Dounreay gehört zum militär-zivilen Kernbereich des britischen Atomprogramms zwischen Atomwaffen, Stromerzeugung und atomar angetriebenen U-Booten. Jahrzehntelang wurde der Umgang mit den radioaktiven Abfällen nicht sonderlich ernst genommen (Spiegel 1997). Anfang der 2000er sind die Anlagen schließlich aus „wirtschaftlichen“ Gründen stillgelegt worden (Die Zeit). Nicht nur in Dounreay, auch in Windscale/Sellafield zeigt sich, wie leichtfertig die britische Regierung mit dem Atommüll hantierte.
Return to sender: Deutscher Atommüll aus Schottland
In dieser Plutoniumfabrik ließen die deutschen Forschungsreaktoren jahrelang ihre hochradioaktiven Brennelemente aufarbeiten (siehe dazu unten). Dazu mussten sie sich verpflichten, auch die radioaktiven Abfälle die dabei entstehen, zurück zu nehmen. In einem Bericht (PDF) aus dem Jahr 2012 teilt das Bundesamt für Strahlenschutz mit: „Bestrahlte Brennelemente aus deutschen Forschungsreaktoren (PTB Braunschweig, TU München, GKSS Geesthacht, HMI Berlin, FZJ und FZK) mit einer Gesamtmenge von ca. 1810 Mg wurden zur Wiederaufarbeitung in die britische Anlage in Dounreay, Schottland, verbracht und zwischen 1992 und 1996 aufgearbeitet. Die nach Auflösung in Salpetersäure entstandenen flüssigen Abfälle werden in Dounreay durch UKAEA mittels Zementierung konditioniert. Diese zementierten Abfälle müssen nach Deutschland zurücktransportiert werden.“
Klingt einfach, ist es aber nicht. Wie das ganze mit den Rücktransporten laufen sollte, hatten Marion Tholen und Wilhelm Bollingerfehr von der DBE in einer „Vorstudie über die Rückführung der Wiederaufarbeitungsabfälle von Brennelementen deutscher Forschungsreaktoren aus der WA in Dounreay, Schottland (RETURN)“ (PDF) aufgeschrieben. Die Studie stammt vermutlich aus dem Jahr 2007, eine Datumsangabe fehlt allerdings. Dort berichteten die AutorInnen, dass der flüssige Atommüll in unterirdischen Tanks lagere, aber im Jahr 2008 fertig verpackt sein würde. Zwischen 2018 und 2022 müssten dann die Rücktransporte stattfinden.
Diese strahlenden Abfälle aus Dounreay sollten im Schacht Konrad eingelagert werden. Doch das geplante Atommülllager steht wegen immer neuer Probleme beim Ausbau nicht zur Verfügung. Vor 2024 rechnet auch niemand mehr mit einer Inbetriebnahme. Abgesehen von diesem „kleinen Problem“ war sich das BfS aber offenbar nicht ganz sicher, ob die geplanten Verpackungsmaßnahmen und die zur Abschirmung eingesetzten Behälter auch wirklich ausreichend für eine Lagerung im Schacht Konrad wäre. In der RETURN-Studie hieß es daher: „Das BfS weist im Zusammenhang mit der Freigabe des Ablaufplans u. a. darauf hin, dass die Beurteilung des Verfahrens auf Basis der vorläufigen Endlagerungsbedingungen Konrad erfolgte und dass vor dem Hintergrund einer zukünftigen Einlagerung in ein Bundesendlager weitere Anforderungen an endzulagernde radioaktive Abfälle nicht auszuschließen sind, beispielsweise zusätzliche Deklarationspflichten für langzeitrelevante Radionuklide oder andere wasserrechtlich relevante Stoffe.“
Alles zum Thema rund um den Schacht Konrad auf dieser Seite
Die Studie zeigt eigentlich, dass es noch jede Menge Probleme mit dem Atommüll aus den deutschen Forschungsreaktoren in Dounreay gibt, bzw. gegeben hat. Die Wissenschaftler waren optimistisch: „In der Vorstudie wurde gezeigt, dass die Rückführung der Abfallgebinde mit zementierten WA-Abfällen aus dem schottischen Dounreay aus technischer und genehmigungstechnischer Sicht prinzipiell machbar ist.“ Gott sei Dank! Dann aber heißt es weiter: „Mit Blick auf die von UKAEA (Berteiber, Anm. UFAE) angekündigte Bereitstellung der Abfallgebinde zum Rücktransport ab dem Jahr 2008 und der erforderlichen Dauer für Entwicklung und Fertigung von Behältern sowie Einholung zugehöriger Genehmigungen wird empfohlen, zügig die notwendigen Entscheidungen hinsichtlich des Standortes für die Zwischenlagerung der Abfallgebinde bis zur Ablieferung an das Endlager Konrad zu treffen. Es sind die Voraussetzungen zur Einholung der erforderlichen Genehmigungen für Beförderung und Lagerung abzuklären. Im nächsten Schritt sollten die technischen Planungen (Konzept- und Entwurfsplanung) für Transport- und Endlagerbehälter begonnen werden. Weiterhin sind konkrete technische und logistische Beförderungsmöglichkeiten zu erarbeiten und die wirtschaftlichste Transportroute zu ermitteln.“
Theoretisch alles lösbar, nur praktisch hat man einfach über ein Jahrzehnt eigentlich nichts vorwärts gebracht. So könnte man das obige auch zusammen fassen.
Alte Pläne – neue Pläne – Atommüll verwandelt sich
Wie gesagt, das – wenn man das so nennen kann – war der Plan! Inzwischen soll es aber alles anders kommen. Seit 2012 wurde der „Plan“ entwickelt, den Atommüll aus Dounreay gegen Atommüll aus Sellafield zu tauschen. Statt einer großen Anzahl von Atommüllbehältern mit mittelradioaktiven Abfällen soll nun lediglich eine hochradioaktive Glaskokille aus Sellafield nach Deutschland gebracht werden. In der Summe hat dieser „Swap“ das gleiche Aktivitäts-Inventar, vermeidet aber zahlreiche Atomtransporte.
Offiziell heißt es, dass die Briten mit diesem Angebot auf die Bundesregierung zu gekommen seien. Dass dieser Vorschlag eine Menge technische und logistische Probleme und vor allem auch weitere Kosten vermeiden dürfte, dürfte der Bundesregierung dabei wunderbar in den Kram passen.
Im Mai 2012 reagiert das Forschungszentrum Jülich auf eine Meldung der Aachener Zeitung mit dem folgenden Statement: „Die zementierten Fässer der deutschen Forschungsreaktoren sollen gegen eine volumenmäßig erheblich kleinere Glaskokille mit entsprechender Aktivität aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield (England/UK) getauscht und mit anderen Abfällen eines deutschen Energieversorgers in ein entsprechend genehmigtes Zwischenlager transportiert werden. Es ist nicht vorgesehen, diese Glaskokille in das Forschungszentrum Jülich zu verbringen, da hier keine entsprechenden Lagermöglichkeiten existieren.
Die Verhandlungen über einen „Waste-Tausch“ werden in den kommenden Monaten beginnen, nachdem ein öffentliches Beteiligungsverfahren zum Thema „Waste-Tausch“ in Schottland im Frühjahr positiv ausgefallen ist.“
Online verfügbare Informationen über die Verhandlungen und das Ergebnis gibt es offenbar nicht (??). Aber ein Ergebnis scheint vorzuliegen: Aus den insgesamt rund 86 m3 leicht-radioaktiver Abfälle aus Dounreay ist nun eine Kokille hochradioaktiven Mülls aus Sellafield geworden.
Diese Kokille ist Bestandteil der geplanten Rücktransporte aus Sellafield, die ehemals in das oberirdische Zwischenlager nach Gorleben sollten. Insgesamt 21 Castorbehälter, darunter eben die eine „Austausch-Kokille“ aus dem Deal zwischen den Forschungsreaktoren und der Plutoniumfabrik Dounreay.
Diese „Dounreay-Austausch-Kokille“ soll nun mit den insgesamt 21 ausstehenden Castor-Transporten aus Sellafield nach Deutschland zurückkommen. Wohin genau ist offen. Ein Endlager gibt es nicht und das ehemals vorgesehene oberirdische Zwischenlager in Gorleben soll nicht mehr genutzt werden, um mit der vermeintlich „ergebnisoffenen“ Endlagersuche voran zu kommen.
Dieser ganze Atommüll-Wahnsinn samt verstrahlter Strände ist aus deutscher Sicht zustande gekommen, weil die deutschen Forschungsreaktoren Anfang der 90er Jahre vor dem Aus standen. In den USA, die bislang die bestrahlten Brennelemente aus den deutschen Forschungsanlagen zurück genommen hatten, waren neue Umweltgesetze in Kraft getreten, die zu erheblichen Nachrüstungen führten. Die USA waren einstweilen nicht in der Lage, den Atommüll aus diesen Anlagen anzunehmen. Damit drohte die Abschaltung der Forschungsreaktoren, denn ohne Entsorgungsnachweis kein Betrieb einer Atomanlage, so heißt es klar im Atomgesetz. Vor diesem Hintergrund wurden schließlich die Wiederaufarbeitungs-Verträge mit der Anlage in Dounreay geschlossen.
Die Notlage bestätigt das heutige Forschungszentrum Jülich auch in der erwähnten PM aus dem Jahr 2012: „Wegen fehlender Entsorgungsmöglichkeiten musste das Forschungszentrum Jülich zur Erfüllung der atomgesetzlichen Vorgaben 1992/93 176 abgebrannte Brennstäbe aus den beiden Forschungsreaktoren (DIDO und Merlin) zur Wiederaufarbeitung nach Dounreay (Schottland/UK) bringen. Neben dem Forschungszentrum Jülich haben auch die meisten anderen Betreiber deutscher Forschungsreaktoren ihre abgebrannten Brennstäbe nach Dounreay abgegeben.“
Über den Atommüll-Anteil aus Dounreay für die Jülicher heißt es dort: „Entsprechend der Verträge zwischen der Wiederaufarbeitungsanlage und den Betreibern müssen die in 560l-Fässer einzementierten Wiederaufbereitungsabfälle der deutschen Forschungsreaktoren von Deutschland zurückgenommen werden. Der Anteil der Jülicher Forschungsreaktoren beläuft sich voraussichtlich auf 55 Fässer. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung koordiniert die Aktivitäten zur Rückholung der entsprechenden Abfälle.“
Konflikte um Entsorgungswege
Als die US-Amerikaner schließlich 1996 erklären, künftig den verbrauchten Brennstoff wieder anzunehmen, kommt es offenbar zu Auseinandersetzungen unter den Forschungseinrichtungen. Mit dem neuen Forschungsreaktor in Garching kommt es nach einem Spiegel-Bericht (Mitte 1996) zu Versorgungsproblemen mit hochangereichertem Uran, das in Garching eingesetzt werden soll. Aus Dounreay könnte durch die Wiederaufarbeitung solches Uran aber beschafft werden.
Während andere Forschungsreaktoren entweder bereits auf hochangereichertes Uran verzichten bzw. die Umstellung gerade planen, soll Garching trotz massiver Proteste mit waffenfähigem Uran betrieben werden.
Im Spiegel heißt es: „In einer Entscheidungsvorlage für Forschungsstaatssekretär Gebhard Ziller von Anfang April votiert das zuständige Referat 415 („Reaktorsicherheit und Entsorgung“) folgerichtig dafür, die angehäuften Brennelemente aus deutschen Wissenschaftsreaktoren in der schottischen Wiederaufarbeitungsanlage Dounreay zu recyceln. Ausdrückliche Begründung: Flaute auf dem Brennstoffmarkt.“ Um die Versorgung mit Brennstoff sicher zu stellen, plädiert die Bundesregierung offenbar für die Fortsetzung der Verträge mit Dounreay und zeigt sich wenig interessiert für das Angebot der USA.
Der Spiegel: „Damit ist offener Zwist innerhalb der Forschergemeinde ausgebrochen. Die Reaktorplaner von Garching geraten in Gegensatz zu ihren Kollegen von den bereits bestehenden Forschungsreaktoren. „Wir sehen die US-Option als erste Priorität“, versichert etwa Gerd Thamm vom Forschungszentrum Jülich.
Gründe dafür gibt es genug: Die Reaktoren in Berlin, Jülich und Geesthacht sind schon oder werden demnächst auf nicht waffentaugliches Uran umgestellt. Aus Dounreay käme HEU-Uran zurück, für das dort keine Verwendung mehr besteht.
Außerdem fürchten sie die Lieferungen des Strahlenmülls, der beim Recycling anfällt und dann in Zementfässern oder Glaskokillen eingeschweißt wird. Für die Entsorgung müßten die deutschen Forschungszentren geradestehen. Der Akzeptanz an den Standorten, fürchtet Thomas Robertson vom Hahn-Meitner-Institut in Berlin, täte eine derart „unklare Entsorgungsoption“ nicht gut.“
Doch auch die hohen Kosten für die Wiederaufarbeitung in Dounreay werden laut Spiegel kritisiert: „Zudem ist die Wiederaufarbeitung teuer: „20 Kilogramm hochangereichertes Uran aus Dounreay“, schimpft Wilfried Krull, Leiter des Forschungsreaktors im GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht, „verursachen gegenüber der US-Option Zusatzkosten in einer Größenordnung von zehn Millionen Mark.“ 20 Kilo reichen gerade mal für einen etwa halbjährigen Betrieb des FRM II.“
Trotz der Widerstände der Forschungszentren gegen eine Fortsetzung der Verträge mit Dounreay setzt sich das Forschungsministerium zunächst darüber hinweg. Erst später muss das Ministerium sich dem auch internationalen Druck beugen. Die Verträge mit Dounreay wurden schließlich beendet, die hochradioaktiven Brennelemente aus den Forschungsreaktoren wieder in die USA geliefert.