„Albtraum Uranabbau – Wachsender Widerstand gegen drohenden Uranabbau in Mali“

MaliUranbergbau in Mali: „Die Wahrheit kam nur scheibchenweise ans Licht: Bereits 1970 hat der französische Atomkonzern Areva – damals noch Cogema – in der Region Falea im äußersten Südwesten Malis Uran-, Kupfer- und Bauxitvorkommen entdeckt. Im Jahre 2007 erhielt die kanadische Firma „Delta Exploration“ von der malischen Regierung eine Konzession für den Abbau dieser Rohstoffe – ein Recht, das sie kurz darauf an die ebenfalls in Kanada registrierte Firma „Rockgate Capital“ weiterverkaufte. Betroffen sind 21 Dörfer auf einem Hochplateau mit reichhaltigen Wasserressourcen und einzigartiger  Biodiversität im Grenzgebiet zu Guinea und Senegal.“ So beginnt der Artikel in der Zeitung von „Afrique-Europe-Interact“ (Nr. 4, S.2, hier als PDF). Afrique-Europe-Interact ist ein transnational organisiertes Netzwerk, das Anfang 2010 gegründet wurde. Beteiligt sind BasisaktivistInnen vor allem aus Mali, Togo, Deutschland, Österreich und den Niederlanden – unter ihnen zahlreiche selbstorganisierte Flüchtlinge, MigrantInnen und Abgeschobene.

Der Artikel berichtet über die Hintergründe der Planungen internationaler Konzerne, in Mali künftig Uranbergbau zu betreiben und über den Widerstand: „Um so vielversprechender ist, dass der Widerstand gegen den in Falea geplanten Uranabbau seit 2010 erheblich an Schwung gewonnen hat, insbesondere durch die enge Kooperation zwischen dem ARACF und dem Europäischen BürgerInnenforum (EBF), von dem einzelne Mitglieder auch bei Afrique-Europe-Interact aktiv sind“.

Auch die Internationale Konferenz 2012 nennt der Artikel: „Im März 2012 organisierte
der ARACF zudem in Kooperation mit den „ÄrztInnen gegen den Atomkrieg“ (IPPNW) und dem „uraniumnetwork“ eine internationale Konferenz in Bamako unter dem Titel „Uran, Gesundheit und Umwelt“. Ergebnis dieser und weiterer Bemühungen war, dass der Widerstand immer breiter getragen wurde. So haben sich alle 12 Bürgermeister in der Region Falea schriftlich gegen den Uranabbau ausgesprochen.

Denn die Menschen wissen mittlerweile um dessen ökologische, soziale und gesundheitliche Gefahren. Und somit auch um den Zynismus der beteiligten Firmen, die zwar ihre eigenen Arbeiter aus Europa bzw. Nordamerika umfassend geschützt, afrikanische Beschäftigte indes noch nicht einmal über die Strahlenbelastung an den Bohrlöchern unterrichtet haben. Vor diesem Hintergrund dürfte es auch kaum überraschen, dass sich die Regierung inzwischen gezwungen sieht, mit dem ARACF zusammenzuarbeiten, anstatt diesen – wie noch in den ersten Jahren – öffentlich zu diffamieren.“

Mehr zum Thema Uran, Mali, die Sahelregion und die internationalen Konflikte um Rohstoffe:

Konflikte um Rohstoffe und Uran: „Münchhausen in Mali“

Unwweit von Mali: Uranmine der AREVA  bei Arlit im Niger. Foto: Davin Francois
Unweit von Mali: Uranmine der AREVA bei Arlit im Niger. Foto: Davin Francois

Die Konflikte um Rohstoffe nehmen zu, immer öfter auch militärisch. Anfang 2013 schickte Frankreich Soldaten zum als Anti-Terror-Kampf deklarierten Einsatz nach Mali. Rund ein Jahr später wird Deutschland sein „Engagement“ in dieser Region Afrikas ausdehnen und Frankreich „unterstützen“. Was will die Bundeswehr in Mali? Andreas Buro (Wikipedia), renommierter Friedensforscher und Menschenrechtler schreibt darüber als „Lügengeschichte des Monats Februar 2014“ unter dem Titel: „Münchhausen in Mali: Ganz im Sinne der sich einschleichenden Beteiligung der EU-Staaten an der militärischen Kontrolle West- und Nordafrikas wird aktuell von der Bundesregierung die Verlegung von Bundeswehreinheiten nach Mali vorbereitet.

Das Motto: Mehr Verantwortung übernehmen. Der Grund hierfür ist angeblich die Entlastung des französischen Militärs, das im Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik interveniert. Gleichzeitig dehnt sich die deutsche logistische Hilfe weiter bis zu diesem Konfliktherd aus. Weshalb soll die Bundeswehr in Mali eingreifen?“ (aus: Aachener Friedensmagazin, www.aixpax.de)

Er beschreibt in dem Artikel die Vorgeschichte der Militär-Intervention Franreichs in Mali, um dann auf die Interessen Frankreichs, der EU-Staaten und der USA in dieser Region hinzuweisen: „Mali und die es umgebenden Länder sind sehr reich an Bodenschätzen. Zum Beispiel wird Uran in Niger durch den französischen Großkonzern Areva für die französischen Atomkraftwerke in großen Mengen abgebaut. Die Zusammenarbeit mit den korrupten Eliten ermöglicht günstige Konzessionen und Transportrouten. Diese müssen notfalls militärisch gesichert werden. Dazu unterhält Frankreich in seinen ehemaligen Kolonien militärische Stützpunkte in Niger, Mauretanien, Senegal, der Zentralafrikanischen Republik und Burkina Faso.“

Ungeachtet der Probleme mit der Bewertung der Konfliktparteien innerhalb Malis (Tuaregs, die MNLA, islamistische Gruppierungen etc., siehe dazu auch hier) erinnert Buro daran, dass  Frankreich schon seit einiger Zeit versucht, „die EU in diese Politik einzubinden. Anfang 2011 formulierte die EU bereits eine Strategie für Sicherheit und Entwicklung im Sahel.“ (Ebenso nennt er US-amerikanische Interessen).

Als Fazit stellt Andreas Buro fest: „Entsprechend werden nun Räume definiert, die mehr oder weniger zum militärischen Hinterhof der EU erklärt werden, oder, um es in den Worten des stellvertretenden Unionsfraktionschefs Schockenhoff zu sagen: wir müssen in Afrika im Rahmen der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union Schwerpunkte setzen. Wir müssen nicht nur überlegen, wie wir enger zusammenarbeiten können, sondern wir müssen uns auch fragen, in welchen geografischen Regionen denn die Sicherheit Europas gefährdet ist. Eine solche Region sei laut Schockenhoff der Sahara-Gürtel.7

(7 Marischka, Christoph, Akteur werden in Afrika, IMI-Analysen 3/2014)

Dies ist der Marsch des Westens in die Wüsten und Dschungel Afrikas, um wirtschaftliche Interessen militärisch abzusichern. Dies geschieht unter der Legitimationsideologie einer humanitären Intervention. So werden wir belogen.“

Unter dem Titel „Dossier VI – Der Mali-Konflikt oder: Der Kampf um die Kontrolle von Nord- und Westafrika“ ist ein 28-seitiger Aufsatz von Andreas Buro und Clemens Ronnefeldt im Sommer 2013 erschienen, der hier als PDF nachzulesen ist.

Siehe auch in diesem Blog:

Uranbergbau im Niger: Ärzte planen Konferenz über Folgen für Gesundheit und Umwelt

niger-uran-1Afrika und Rohstoff Uran: In Zusammenarbeit mit dem Uranium-Network planen Ärzte der IPPNW Schweiz eine internationale Tagung über die Risiken des Uranabbaus für Gesundheit und Umwelt im Niger. Nach den derzeitigen Planungen soll die Tagung Ende November in Niamy stattfinden. Eine Tagung in der Uranbergbau-Region rund um Arlit im Norden des Nigers ist aus Sicherheitsgründen derzeit kaum durchführbar. Das bisherige Programm ist hier online nachzulesen (PDF).

Im letzten Oktober fand bereits in Tansania eine internationale Konferenz zu den Folgen des Uranbergbaus statt. Dort hat der Abbau noch nicht begonnen, aber die Regierung von Tansania plant an mehreren Orten in das Urangeschäft einzusteigen.

Im Niger, am Rande der Sahelzone, baut der französische Atomkonzern AREVA seit vielen Jahren Uran für die heimischen Atommeiler ab. Das hat nicht nur Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen.

Auch sozial bzw. ökonomisch hat die ehemalige französische Kolonie kaum Vorteile von diesem dreckigen Geschäft. Trotz jahrzehntelangem Uranbergbau gehört der Niger noch immer zu einem der weltweit ärmsten Staaten.

Deshalb versucht die derzeitige Regierung mit dem Atomkonzern neue Konditionen auszuhandeln. Dafür demonstrieren in den letzten Monaten immer wieder Menschen im Niger, fordern mehr Abgaben auf das Uran und bessere soziale Bedingungen. Doch davon will AREVA nichts wissen. Die Verhandlungen dauern immer noch an.

Im benachbarten Mali herrscht weiterhin Kriegszustand. Anfang 2013 intervenierten dort französische Truppen, nachdem Tuaregs und Islamisten den Norden des Landes abtrennen und einen eigenen Staat gründen wollten. Inzwischen ist vorgesehen, dass auch deutsche Bundeswehreinheiten den Einsatz Frankreichs unterstützen sollen.

Für Frankreich geht es in der Region seiner ehemaligen Kolonien nicht nur um Anti-Terror-Kampf, sondern vor allem auch um Einfluss und Macht. Mali hat viele Rohstoffvorkommen wie Uran, Gold und Öl. Gleich nach dem Kriegseinsatz wurden französische Spezialtruppen auch im Niger zur Sicherung der dortigen Uranbergwerke eingesetzt. Dennoch kam es im Sommer 2013 dort zu massiven Terroranschlägen mit zahlreichen Toten. Auch Geiselnahmen, von z.B. inzwischen freigelassenen AREVA-Mitarbeitern, finden statt.

Konflikte und Rohstoffe: Kein Frieden nach Frankreichs Kriegseinsatz in Mali

MaliMali rund ein Jahr nach dem Beginn des  Kriegseinsatzes französischer Truppen im März 2014: „Wir sind sehr enttäuscht von Frankreich, wir fühlen uns verraten. Die Franzosen haben mit ihrem Militäreinsatz den Weg freigebombt und die Islamisten verjagt, und dann durften sich die Tuareg-Rebellen hier breitmachen – nur weil Frankreich sich Hilfe bei der Befreiung von Geiseln verspricht, weil es unsere Bodenschätze will, weil es sich einwickeln lässt von diesen Leuten.“ Das sagt Tiefolo Coulibaly aus Kidal in einer Reportage von Alexander Göbel im DeutschlandRadio. Coulibaly arbeitet für eine Hilfsorganisation. „Er hat hier die Zeit unter den Islamisten von Ansar Dine erlebt, den radikalislamischen Tuareg, dann die Befreiung durch die Franzosen, und schließlich den Einmarsch der MNLA.“

*UPDATE 11/3/14: Die Darstellung der Tuaregs in der Reportage von Göbel als Radikalislamisten ist nicht korrekt. Zwar ist die MNLA als eine der politischen Organisationen von Tuaregs mit islamistischen Gruppen zunächst ein Bündnis für die Unabhängigkeit des Nordens (Azawad) eingegangen, hat sich dann aber von ihnen distanziert und getrennt, als diese die Sharia einführten. Nicht erwähnt werden die Übergriffe der malischen Armee gegen Tuaregs. Im Windschatten der Intervention Frankreichs hatten malische Truppen willkürlich Hinrichtungen von Tuaregs und Arabern durchgeführt. (Darüber ist auch in deutschen Medien berichtet worden (siehe dazu die SZ und Telepolis) und das ist offenbar auch einer der Gründe, warum die malische Arme in der nördlichen Region von Frankreich zurückgezogen wurde.) Um die Konflikte besser zu verstehen, ist ein Artikel von Charlotte Wiedemann in der Zeit zu empfehlen: „Tuareg: Falsch verbunden„). Die Journalistin Charlotte Wiedemann betreibt auch einen Blog über die Situation in Mali.

Zu den Rohstoffen in Mali, ebenso wie z.B. im Nachbarstaat Niger, gehören u.a. Uranvorkommen, Öl und Gold. Kidal liegt auf dem gleichen Breitengrad wie das rund 600 km Luftlinie entfernte Arlit im Niger. Dort betreibt der französische Atomkonzern AREVA Uranabbau. Anfang 2013 griffen französische Truppen in Mali mit einem Kampfeinsatz ein, als zunächst Tuaregs und islamistische Gruppen eine Abspaltung des Nordens von Mali mit Waffengewalt umzusetzen versuchten und schließlich untereinander in Konflikt gerieten. Der Konflikt griff schnell auch auf den Norden des Niger über. Französische Truppen wurden rund um Arlit zur Sicherung der AREVA-Uranminen eingesetzt, konnten aber Terroranschläge mit zahlreichen Toten nicht verhindern.

Göbel hat als einer der wenigen Journalisten mit einer Militärkolone die Stadt Kidal in der nördlichen Region von Mali besucht. Eine durchaus lebensgefährliche Reise, denn erst im November 2013 sind zwei französische Journalisten entführt und ermordetet worden. (siehe: Deutsche Welle).

Göbel berichtet: „Anders als oft behauptet, hat sich die Lage in Kidal nicht verbessert, seit Frankreich die Islamisten bis ins Ifoghas-Gebirge vertrieben hat. Dschihadistische Gruppen sind zwar von der Bildfläche verschwunden – aber haben sich nur in kleinere Einheiten verwandelt – als Trittbrettfahrer der Tuareg. Jede Nacht ist rund um die Stadt Maschinengewehrfeuer zu hören, Granaten explodieren vor den Kasernen. Ende vergangenen Jahres hat ein Selbstmordattentäter vor einer Bank in Kidal senegalesische UN-Soldaten mit in den Tod gerissen. Französische Truppen haben gerade erst ein Lager mit Tonnen von Ammoniumnitrat entdeckt – und ein Trainingslager der Islamisten.“

Die Reportage beschreibt die schwierige Situation in der Region, in der nicht der malische Staat die Kontrolle hat, sondern vor allem Tuaregs der MNLA. Alle Konfliktparteien sind schwer bewaffnet, Entführungen, Morde und auch Vergewaltigungen weit verbreitet. Darüber berichten die Gesprächspartner, die Göbel zu Wort kommen lässt. Der gesamte Bericht ist hier nachzulesen und hier nachzuhören.

Rohstoffe, Uran, Konflikte: Niger will vom Uran-Abbau profitieren

niger-01„Niger will vom Uran-Abbau profitieren: Der französische Konzern Areva baut im Niger im großen Stil Uran ab. Viele Gebiete sind radioaktiv verseucht, die Bevölkerung profitiert kaum vom Ressourcenreichtum. Das soll sich ändern – ein Fall mit Signalwirkung.“ So titelt die „Deutsche Welle“ über die laufenden Verhandlungen zwischen der Regierung eines der ärmsten Länder der Welt und dem staatlichen Atomkonzern AREVA aus Frankreich.

Siehe auch: Rohstoff-Konflikte um Uran im Niger: Frankreichs Atomkonzern AREVA unter Druck

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