Naturschutzbund Hamburg und der Volksentscheid Energienetze: Öffentliche Netze sind Chance für die Energiewende

Auch der NABU Hamburg unterstützt den Volksentscheid.
Hamburger NABU Chef für den Volksentscheid.

Vor wenigen Tagen berichtete ich hier, dass auch der Hamburger Naturschutzbund als eine der größten Umweltorganisationen den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ unterstützt und sich für die vollständige Rekommunalisierung der Energienetze ausspricht. Jetzt hat der Vorsitzende und ehemalige Umweltsenator Alexander Porschke die Position des NABU in einem Beitrag für das Hamburger Abendblatt ausführlich dargelegt. (Es lohnt sich unbedingt, das gesamte Interview unter dem angegeben Link zu lesen!)

Der NABU hat sich lange Zeit schwer getan, den Volksentscheid zu unterstützen und deswegen eine lange Diskussion geführt. Erst im März 2013 führte diese interne Debatte zu einem Beschluss, dem Volksentscheids-Bündnis beizutreten.

In seinem Artikel zeigt Alexander Porschke auf, in welchem Zusammenhang die Energienetze im Rahmen der Energiewende zu sehen sind. Er kritisiert Vattenfall und E.on, die bis heute an der Energiewende kein Interesse zeigen, ihren Strom immer noch vor allem in Großkraftwerken produzieren und damit das Klima anheizen oder für atomare Risiken sorgen. Vor allem Vattenfall hat enorm hohe CO2-Emissionen. Porschke: „Von diesem Unternehmen die Förderung der Energiewende zu erwarten, erscheint mir deshalb ziemlich illusorisch.“

Siehe auch:

Mit einer dezentralen Energiewende mit erneuerbaren Energien haben diese Unternehmen nichts zu tun. Um immer mehr dezentrale Energien einzuspeisen, braucht es den Umbau in den Netzen und mehr Steuerung: „Für diesen Ausgleichsbedarf werden die Energienetze gebraucht. Der Netzbetreiber muss dabei zwar bestimmte Regeln beachten, hat aber immer noch ausreichend Möglichkeiten, die Einbindung von erneuerbaren Energien oder industrieller Abwärme zu fördern oder zu hintertreiben. Für eine wirkungsvolle Energiewende wird deshalb ein Netzbetreiber gebraucht, der ein Interesse hat, die Energiewende voranzubringen.“

Siehe: Volksentscheid Energienetze Hamburg – Keine halben Sachen machen!

Auch der Hamburger SPD-Senat kommt bei Porschke mit seiner (fehlenden) Klimaschutz-Politik nicht gut weg: „Leider hat aber auch der amtierende SPD-Senat bisher wenig Ambitionen gezeigt, die nötige Energiewende tatsächlich voranzubringen. Die für Klimaschutz vorgesehenen Haushaltsmittel wurden drastisch zurückgefahren. Der Verkehrsbereich wurde von Sparvorgaben praktisch ausgenommen. Klimaschutzprojekte an Schulen wurden beendet. Dazu passt dann auch, dass das Ziel zur Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes, welches der Senat bis 2020 erreichen wollte, reduziert wurde. Das Bündnis von Vattenfall und Senat steht deshalb nicht dafür, die nötige Energiewende entschlossen zu vollziehen.“

Dazu auch: Vattenfall gegen Klimaschutz: Kohlekraftwerk Moorburg geht schrittweise in Betrieb und SPD Bürgermeister Scholz findet das hochleistungsfähig!

SPD-Kampagne gegen den Volksentscheid: „Beleidigung des Urteilsvermögens der Hamburger“

Porschke geht auch auf die Kampagne der SPD gegen den Volksentscheid ein: „Die Kampagne der Gegner der Netzübernahme „Nicht mit meinem Geld“ empfinde ich als Beleidigung des Urteilsvermögens der Hamburger. Keine der schlecht gelaunt wirkenden Personen der Kampagne soll wirklich ihr Geld für das Netz geben. Tatsächlich sollte die Finanzierung der 100 Prozent für das Netz ähnlich verlaufen, wie schon der 25-Prozent-Anteil, den der Senat für angemessen hält: Ohne Haushaltsmittel und mit einer vernünftigen Dividende für die Stadt.“

Siehe auch: Vollständige Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg ist machbar

SPD weiter für Klimakatstrophe

Energiewende retten: Gegen SPD, CDU, FDP und Konzerne Foto: Sun Energy Europe GmbH
Energiewende retten: Gegen SPD, CDU, FDP und Konzerne Foto: Sun Energy Europe GmbH

Sie reden von Energiewende und meinen Kohlekraftwerke. Sigmar Gabriel (SPD) hat sich jüngst wiederholt für die Fortsetzung der Braunkohleförderung von Vattenfall in der Lausitz ausgesprochen, jetzt will er auch die Ausbaudynamik der Energiewende „kontrollieren“. Sprich: Ausbremsen! Darüber berichten die Klimaretter hier. Auch Hamburgs SPD-Bürgermeister Olaf Scholz hat kein Problem mit wachsenden CO2-Emissionen, wenn demnächst Vattenfalls 1.600 MW Steinkohlekraftwerk in Hamburg Moorburg ans Netz geht. Und in NRW steht die SPD ohnehin fest an der Seite von RWE, wenn es darum geht, das Klima weiter anzuheizen.

Dazu empfiehlt sich ein Blick in das Greenpeace-Schwarzbuch Kohlepolitik.

Wind-Offshore – 400 Beschäftigte demonstrieren – IG Metall Küste: „Planungschaos der Bundesregierung gefährdet tausende Arbeitsplätze“

Windrad_Mallorca2013Rund 400 Beschäftigte der Windkraftindustrie demonstrieren in Cuxhaven. Die IG Metall Küste teilt dazu mit: „Zu Beginn der Konferenz der norddeutschen Wirtschafts- und Energieminister in Cuxhaven hat die IG Metall Küste verlässliche Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windkraftindustrie gefordert. Rund 400 Beschäftigte aus Bremerhaven und Cuxhaven sowie Delegationen aus anderen Regionen beteiligten sich an einer Demonstration der Gewerkschaft für die Energiewende und für die Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Branche. “

Siehe auch: IG Metall: “200.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr – Deutschland braucht die Energiewende jetzt!”

Weiter heißt es in der Meldung der IGM Küste: „Von Cuxhaven geht ein deutliches Signal aus: Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften im Norden ziehen an einem Strang und machen sich gemeinsam für den weiteren Ausbau der Windkraftindustrie stark“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Der Gewerkschafter kritisierte die schwarz-gelbe Bundesregierung für die zögerliche Umsetzung der Energiewende: „Mit dem Planungschaos muss endlich Schluss sein, sonst bleiben weitere Investitionen in die Offshore-Industrie aus. Mehrere tausend Arbeitsplätze stehen dadurch an der Küste auf dem Spiel.“

Im heute vorgestellten Cuxhavener Appel (Deutschlands Windstärke – Chancen nutzen, jetzt handeln! PDF) fordern Landesregierungen, Industrie und IG Metall Küste die Bundesregierung auf, noch in 2013 planungsverlässliche gesetzliche Grundlagen zu schaffen, sei es im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) oder durch ein zeitlich vorgeschaltetes Übergangsgesetz, damit die notwendigen Investitionen in 2014 und 2015 ausgelöst werden können. „Um die Energiewende und die Zukunftsbranche Windkraft nicht zu gefährden, darf die Bundesregierung keine weitere Zeit verlieren. Die Lage hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch zugespitzt: Insolvenzen, Entlassungen und Standortschließungen sind schon jetzt Realität“, sagte Bezirksleiter Geiken.“

Weitere Artikel auf dieser Seite zu offshore – Wind – IG Metall

Energienetz-Genossenschaft und Zukunftsrat Hamburg: Kommunale Energienetze

robinwood-tchuess-vattenfallHamburg macht Volksentscheid für die Rekomunalisierung der Energienetze. Strom, Fernwärme und Gas sollen nicht länger von Vattenfall und E.on, sondern wieder vollständig von der öffentlichen Hand gemacht werden. Für die Energiewende, für mehr Transparenz und mehr Mitbestimmung. Auch die Energienetz-Genossenschaft und der Zukunftsrat Hamburg sind mit dabei. Und diskutieren auf einer Veranstaltung darüber.

Hier die Ankündigung:

Netz-Rekommunalisierung für Klimaschutz und Energiewende?
Montag, 9. September 2013, 18.00 – 20.30 Uhr, Staats- und
Universitätsbibliothek Hamburg, Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg

Seit längerem wird in vielen Städten und Kommunen über die Rekommunalisierung
der Energienetze diskutiert. In Hamburg wird darüber am 22. September in einem
Volksentscheid abgestimmt. Dabei wird der Netzrückkauf von vielen
Altkonzessionären erschwert. Gleichzeitig werden regionale Ziele und Konzepte zum
Klimaschutz und der Energiewende festgelegt. Wie hängen Rekommunalisierung, die
Steuerung von Strom- und Wärmenetzen sowie Klimaschutz und eine zukunftsfähige
Energiestrategie mit einander zusammen? Anhand von Gutachten, Erfahrungen und
Projektbeispielen wollen wir diese Frage diskutieren.

Referenten:
· Oliver Wagner Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
· Dr. Manfred Körner, BUND Hamburg
· Dr. Peter Becker, EnergieNetz Hamburg eG
· Martin Rühl, Geschäftsführer Stadtwerke Wolfhagen und Stadtwerke Union
Nordhessen

Programm:
18.00 Uhr Begrüßung
18.15 Uhr Vorträge
19.00 Uhr Diskussion
20.30 Uhr Ende der Veranstaltung

Volksentscheid Energienetze Hamburg – SPD-Spitze zeigt dünne Nerven

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Die Hamburger SPD ist nervös – Hält das Nein zum Volksentscheid? Foto: Dirk Seifert

Die SPD-Spitze in Hamburg zeigt mit Blick auf die eigene Parteibasis ein recht dünnes Nervenkostüm in Sachen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“. Letzte Woche hatte ein kleiner Kreis von SPD-Linken mit einer Zeitung „Hamburger Diskurs Energiewende“ für ein Ja zur vollständigen Rekommunalisierung der Energienetze plädiert und kritisiert, dass es bislang keine wirklich offene Debatte dazu in der SPD gegeben habe. Den „Diskurs“ hatte ich hier auf umweltFAIRaendern.de veröffentlicht, zwei Tage später wurde die Broschüre auf der Homepage des SPD-Districts Eimsbüttel-Nord online gestellt. Tage später berichteten taz-Hamburg, Bild und andere über diesen Widerspruch zur Mehrheitsposition in der SPD. Siehe hier: Hamburger Diskurs Energiewende – SPD-Mitglieder für vollständige Rekommunalisierung der Energienetze

Obwohl die SPD-Führung versucht, die Broschüre als von zwei, drei fragwürdigen AbweichlerInnen erstelltes Machwerk abzuqualifizieren, die keineswegs für die Linken in der SPD repräsentativ sind, sind die Medienreaktionen doch heftig. „Zwei Genossen hatten mit einer Broschüre, dem „Hamburger Diskurs“, mächtig für Aufruhr innerhalb der SPD gesorgt, weil sie darin die Vorzüge für einen kompletten Rückkauf der Energienetze beschreiben“, schreibt das Abendblatt am letzten Samstag. Kein Wunder: Denn es ist klar, dass eigentlich viele in der SPD mit der Forderung des Volksentscheids nach einer vollständigen Rekommunalisierung der Energienetze sympathisieren und Vattenfall und E.on als „Partner der Stadt“ eher ärgerlich finden. Immerhin, so hatte das Abendblatt im Februar 2013 auf Basis einer repräsentativen Umfrage mitgeteilt: Rund 72 Prozent der SPD-WählerInnen würden dem Volksentscheid gegen Vattenfall und E.on positiv gegenüber stehen. (Siehe hier: Energienetze Hamburg – Mehrheit für vollständige Übernahme.)

Grund genug also, sich in der SPD Sorgen zu machen. Am letzten Samstag hatte das Hamburger Abendblatt noch mal ausführlich über diesen Vorgang berichtet.

So schreibt das Abendblatt über Sönke Klages, Mitarbeiter im Büro des Abgeordneten Wolfang Rose: „…. das Vorstandsmitglied Sönke Klages, sah sich genötigt, in einem Schreiben an den Landeschef („Lieber Olaf“) und die übrigen Parteispitzen, sich zu distanzieren. In einer E-Mail schrieb er: „In ihrem ‚Hamburger Diskurs‘ zum Volksentscheid (…) erwecken Dietrich Lemke und Carola Ensslen den Eindruck, sie würden damit in irgendeiner Form ‚die‘ sozialdemokratische Linke repräsentieren. Als früherer Sprecher und Koordinator der ‚Hamburger Linken‘ ist mir die Feststellung wichtig, dass dies nicht der Fall ist.“

(Nun gibt es zwar die „Hamburger Linken“ eigentlich in diesem Sinn gar nicht mehr, Klages ist ja auch nur der EX-Koordinator und früherer Sprecher. So wenig wie sich andere daher zu „den Linken“ als eine organisierte Kraft in der SPD erklären könnten, kann Klages eigentlich auch nur für sich selbst sprechen.  Aber das ist vielleicht Nebensache. Komisch eigentlich, dass es DIE SPD-LINKE gar nicht mehr gibt! Gründe genug wären eigentlich vorhanden… Aber das ist ein anderes Thema.)

Auch der Fraktionsvorsitzende der Bürgerschaftsfraktion, Andreas Dressel, muss wohl ein wenig aus der Haut gefahren sein, denn das Abendblatt weiß zu berichten: „Andreas Dressel ist in der Zwischenzeit ein wenig gefasster“.  Interessant wäre jetzt, genauer zu erfahren, wie der Zustand vor „in der Zwischenzeit“ war, aber dazu schreibt das Abendblatt leider nichts.

Natürlich ist das jetzt nur Spekulation: Wenn aber das Abendblatt es für erforderlich hält, auf die Stimmungslage so ausführlich einzugehen, darf man wohl getrost spekulieren, dass möglicherweise noch andere VertreterInnen in der SPD-Spitze nicht nur „blanke Nerven“ nach der Veröffentlichung des „Diskurses“ zeigten. Dass der erwähnte Text auf der Homepage des Districts Eimsbüttel-Nord mehrfach umdatiert wurde, lässt vermuten, dass es auch massiven Druck gegen die Initiatoren des „Diskurses“ gab. (zu den Umdatierungen siehe hier: SPD Hamburg – Gibt es da etwa Ärger mit der innerparteilichen Demokratie?

Interessant ist in jedem Fall: Der Druck innerhalb der SPD, abweichende Meinungen zum Volksentscheid nicht zuzulassen, ist enorm und es wird mit schwerem Geschütz gearbeitet, sollte doch jemand den Kopf zeigen. Die Art und Weise, wie in der Bild (diffamierend, beleidigend und unter der Gürtellinie) aber auch im Abendblatt (tendenziös) über eine der am „Diskurs“ Beteiligten unter Berufung auf nicht genannte „führende“ SPD-Mitglieder (Bild) oder „anderer Sozialdemokrat“ (Abendblatt) schreibt, ist erschreckend. Vor allem deshalb, weil niemand in der SPD die GenossInnen kritisiert, die gegenüber Journalisten derartige persönliche Aussagen über die Betroffene gemacht haben.

Da möchte man doch Sönke Klages bitten, sich auch von den GenossInnen zu distanzieren, die derart böse in der Presse gegen ein Parteimitglied herziehen! Und auch ein Wort von Andreas Dressel wäre angebracht.

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