Zum Nachhören: Urananreicherung URENCO Gronau – Reden vom Ostermarsch 2014

Anthony Lyamunda aus Tansania, wo der Einstieg in den Uranbergbau geplant ist
URENCO-Gronau, Ostermarsch 2014: Anthony Lyamunda aus Tansania, wo der Einstieg in den Uranbergbau geplant ist

Vor der Urananreicherungsanlage der URENCO in Gronau begannen in NRW die Ostermärsche 2014. Hintergrund dafür: Keine andere in Deutschland in Betrieb befindliche Atomanlage verkörpert die Brisanz zwischen kommerzieller und militärischer Nutzung der Atomenergie so sehr, wie die Urananlage in Gronau.

Zwei der auf der Kundgebung in Gronau gehaltenen Reden sind per Audio online auf Anti-Atom-Aktuell (Link zur Fotoseite über die Kundgebung) nachzuhören. (Die Rede von Angelika Claußen von der IPPNW ist hier nachzulesen: Von Uranmunition, Atommüll, Militäreinsätzen und einer Uranfabrik in Gronau – IPPNW-Vertreterin beim Ostermarsch)

Dirk Seifert, ROBIN WOOD: „Die UAA gehört damit zu den brisanten, militärischen Atomanlagen, mit der die Bundesrepublik ihren Status als potenzielle Atommacht unterstreicht“ Foto: aaa-West_PubliXviewinG
Dirk Seifert, ROBIN WOOD: „Die UAA gehört damit zu den brisanten, militärischen Atomanlagen, mit der die Bundesrepublik ihren Status als potenzielle Atommacht unterstreicht“, Foto: aaa-West_PubliXviewinG

Die beiden folgenden Links führen zu den Audio-Dateien im Format .wma und können direkt vom Server von Anti-Atom-Aktuell angehört werden:

Rede Anthony Lyamunda/Tansania Ostermarsch 2014 vor der Urananlage bei URENCOGronau

Dirk Seifert, Energiereferent ROBIN WOOD über die Militärische Brisanz der URENCO-Urananreicherung in Gronau, Ostermarsch 2014

RWE-Braunkohle und Hambacher Forst: Sie sind wieder da!

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RWE – Braunkohle – Klimakatastrophe: Hambacher Forst erneut besetzt.

Und wieder ist der Hambacher Forst besetzt. „Knapp 4 Wochen nach der letzten Räumung, haben Aktivisten aus aller Welt den Wald wieder besetzt – getreu ihrem Motto: „Nach der Räumung ist vor der Besetzung““, schreiben die „Netzfrauen“ und berichten: „Der Hambacher Forst ist einer der letzten großen Naturwälder in Deutschland. Von den ursprünglich 5.500 ha Wald, sind heute nur noch knapp 1.500 ha übrig. 4.000 ha sind dem Braunkohletagebau des RWE bereits zum Opfer gefallen. Seit Jahren kämpfen Aktivisten für die Erhaltung des Restwaldes, der neben seltenen Baum- und Pflanzenarten auch vom Aussterben bedrohte und geschütze Tierarten beherbergt.“ Auch die Klimaretter haben über die erneute Besetzung am Wochenende berichtet.

Videos und Fotos von der erneuten Belebung des Hambacher Forsts und viele mehr über die dortigen Aktivitäten finden sich im Blog der AktivistInnen.

Von Uranmunition, Atommüll, Militäreinsätzen und einer Uranfabrik in Gronau – IPPNW-Vertreterin beim Ostermarsch

Angelika Claußen, Ärzte gegen den Atomtod, IPPNW auf der Ostermarsch-Kundgebung in Gronau vor der dortigen Uranfabrik
Angelika Claußen, Ärzte gegen den Atomtod, IPPNW auf der Ostermarsch-Kundgebung in Gronau vor der dortigen Uranfabrik

Auf der Kundgebung zum Ostermarsch vor der Uranfabrik in Gronau sprach auch Angelika Claußen, Vertreterin der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW). Ihre Rede wird hier gleich im Anschluss dokumentiert. Einen Bericht über den Ostermarsch am letzten Freitag in Gronau gibt es hier: Uranfabrik Gronau: “Atomanlage, mit der die Bundesrepublik ihren Status als potenzielle Atommacht unterstreicht”

Unsere Zukunft ist offen! Wir, die Antiatom- und die Friedensbewegung, wir mischen uns ein!

Dieses Motto des Physikers und Träger des alternativen Nobelpreises Hans Peter Dürr, die Zukunft ist offen, macht uns Mut und Optimismus in einer Zeit, wo wir oft glauben, dass sich Energiepolitik und Friedenspolitik rückwärts entwickeln und dass unsere Wirtschaftsführer und Politiker in Deutschland und Europa es vorziehen „fossil“ zu bleiben: was die Energiepolitik betrifft, bei den fossilen Energieträgern und was ihr Denken betrifft, dass sie noch immer den Reaktionsmustern aus dem kalten Krieg verhaftet sind , in dem sie – siehe Ukrainekonflikt –auf Konfrontation statt auf Kooperation setzen.

Ich werde darüber reden wie Waffensysteme -Atom- und Uranwaffen- Krieg befördern und wie unsere Lösungsvorschläge, „den Frieden schaffen“ aussehen.

-Wie könnte die Zukunft der Urananreicherungsanlage hier in Gronau aussehen? Wird sich die Urananreicherung als Ewigkeitstechnologie erweisen?
-Oder ist die Bundesregierung willens, eine Stilllegung der UAA Gronau durchzusetzen samt der Ansiedlung z.B. von Alternativfirmen des ökologischen Recyclings oder von alternativen Energien?

Stellen wir uns einmal ein mögliches Negativszenario vor: der Verkauf der UAA Gronau an den französischen Atomkonzern Areva ist abgewickelt. Bundeskanzlerin Merkel und Energie- und Wirtschaftsminister Gabriel haben die Menschen hier in Gronau und in ganz Deutschland leider erfolgreich beschwichtigt: Sie sagen: Auf Frankreich und den französischen Atomkonzern Areva sei doch Verlass. Das mit den Sicherheitsauflagen und den Kontrollen durch die IAEO gewähre doch höchstmögliche Sicherheit. Schließlich sei die IAEO eine vertrauenswürdige Organisation, die hätten doch 2005 den Friedensnobelpreis erhalten. Und an die Vorschriften der IAEO würde sich Areva bestimmt halten.

Inzwischen hat sich der Konflikt in Mali zwischen den radikalen Islamisten im Nordosten des Landes und der Regierung wieder zugespitzt. In diesem Moment wird Frankreich von der malischen Regierung nochmals um Hilfe gebeten und Frankreich setzt gegen die Islamisten, die sich in Gebirgshöhlen des Nordosten verschanzt haben, mehrere Tonnen Munition aus abgereichertem Uran ein. Es ist genau das abgereichterte Uran, das die jetzige Firmenleitung von Urenco als sog. „Wertstoff“ deklariert.

Das Ergebnis: die eingesetzten Uranwaffen in Mali richten ähnliche Gesundheitsschäden an wie im Kosovokrieg und im Irak: Schon wenige Jahre nach dem Uranwaffeneinsatz häufen sich angeborene Fehlbildungen bei malischen Säuglingen und Krebserkrankungen. Ich warne, dieses Szenario ist durchaus möglich und wahrscheinlich.

Aber, denken wir daran: Unsere Zukunft ist offen! Wir können etwas beeinflussen! Deshalb demonstrieren wir heute hier!

Unser Protest gegen die UAA Gronau richtet sich an allererster Stelle an die Bundesregierung, die Verantwortung für das Hochsicherheitsrisiko Urananreicherungsanlage Gronau trägt. Wir tragen unseren Protest nach Berlin! Bisher hat sich die Bundesregierung gedrückt, sie hat geschwiegen zu den Privatisierungsplänen von RWE und EON und zu den Fragen des Atommülls hier in Gronau.

Denn das hier in Gronau gelagerte, abgereicherte Uran muss regierungsamtlich als das klassifiziert, werden, was es ist: Atommüll. Atommüll, der ein sachgerechtes Atommülllager braucht.

Und Atommüll lässt sich nur dann lagern, wenn die Regierung endlich bereit ist, alle in Deutschland laufenden Atomanlagen stillzulegen und in einen offenen Dialogprozess mit den beteiligten Bürgerinnen und Bürgern zu treten.

Wir Bürgerinnen und Bürger fragen uns: Wer entscheidet solch wichtige Fragen wie die der Privatisierung, wie die des Atommülls oder wie die der Energiewende eigentlich? EON/RWE oder die gewählte Bundesregierung?

Unsere Zukunft ist offen! Deshalb mischen wir uns ein:

Wir fordern die Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau. Gerade jetzt, wo RWE und EON verkaufen wollen ist der beste Zeitpunkt dafür.

Wir gehen zu den Europaabgeordneten und protestieren dort: Denn die Frage der Uran-Anreicherung ist ein gesamteuropäisches Thema. Und es ist Europawahl

Wir wollen den vollständigen Ausstieg aus der Atomtechnologie, zivil wie militärisch, denn beides sind nur zwei Seiten ein und derselben Technologie.

Gerade angesichts der beiden aktuellen und schweren geopolitischen Machtkämpfe in der Ukraine und in Syrien spüren wir, dass das Denken in Gewinner- und Verliererkategorien, das Streben n ach Macht und Beherrschung des Gegners, die Sprache der Drohgebärden nur in die Sackgasse führt.

Atomwaffen, Uranwaffen, chemische Waffen, militärische Aufrüstung und militärische Bündnisse blockieren jegliche Lösungen. Stattdessen sind Deeskalation, Abrüstung und Diplomatie das Gebot der Stunde. Dass der Genfer Krisengipfel die Kriegsgefahr in der Ukraine vorerst abgewendet hat, ist ein erster und sehr wichtiger Schritt. Jetzt muss es weitergehen mit der Durchsetzung der Entwaffnung der Milizen auf beiden Seiten, Diplomatie und Gesprächen, ganz in der Tradition von Willy Brandt.

Konflikte müssen mit friedlichen Mitteln bearbeitet werden, besonders Rohstoffkonflikte, die schnell in einen Krieg münden können. Deshalb brauchen wir ein Stopp der Waffenexporte!

Unsere Zukunft ist offen! Deshalb mischen wir uns ein:

Was unsere Energieversorgung betrifft, so fordern wir die dezentrale Energiewende auf der Grundlage von erneuerbaren Energien. Es geht um Energieautonomie. Es geht im das Ziel einer Gesellschaft, deren Energieversorgung nachhaltig, sauber und dezentral erfolgt, frei von Monopolen, Kartellen und Lobbyisten, frei von politischen Abhängigkeiten und von Ressourcenknappheit, zugänglich und erschwinglich für alle.

Wir sehen uns wieder am 10.05.2014 in Berlin zur großen Energiewendedemonstration.“

Gronau, den 18.04.2014, Dr. med. Angelika Claußen, IPPNW

Atomenergie und Atomwaffentechnik: Uranfabrik Gronau

Das Popmuseum und eine Uranfabrik: Gronau
Das Popmuseum und eine Uranfabrik: Gronau

(*) Der Auftakt des diesjährigen Ostermarsches in NRW beginnt am morgigen (Kar)Freitag an der Uranfabrik in Gronau. Bei der URENCO, an der die Atomkonzerne E.on und RWE mit einem Drittel beteiligt sind, wird Uran für den Betrieb von Atomkraftwerken angereichert. Je ein weiteres Drittel gehört der niederländischen und der britischen Regierung. Die bei der URENCO eingesetzte Technik ist allerdings grundsätzlich auch in der Lage, hochangereichertes Uran für die Herstellung von Atomwaffen zu produzieren. Die Anlage unterliegt deshalb strengen Kontrollen, damit das nicht geschieht. Aber: „Die Urananreicherung ist der einfachste Weg zur Atombombe“, stellte Michael Sailer, Mitglied der Reaktor-Sicherheitskommission und Vorsitzender der Entsorgungskommission, im April 2013 in der taz fest. Diese Gremien beraten die Bundesregierung. Grund genug also, für Frieden und Abrüstung in Gronau zu demonstrieren.

Mehr Infos zur Demonstration gibt es hier. Auf der Kundgebung werden u.a. sprechen: Hannelore Tölke (Vorstandsmitglied der DFG-VK NRW), Angelika Claußen (IPPNW), Stefan Kubel (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen), Dirk Seifert (Robin Wood)  und Anthony Lyamunda von der Organisation CESOPE aus Tansania, wo die Regierung in den Uranbergbau einsteigen will.

Risiko Verbreitung von Atomwaffen-Technik

In der Wochenzeitung FREITAG zitierte der Journalist Felix Werdermann jüngst Wolfgang Liebert, Professor am Wiener Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaft mit den folgenden Worten: „Obwohl es sehr unwahrscheinlich ist, dass das in Gronau passiert: Wenn man die Verschaltung für einen kleineren Teil der Zentrifugen ändert und das geschickt anstellt, könnte man innerhalb von wenigen Wochen hoch angereichertes Uran für eine oder mehrere Kernwaffen produzieren. Vielleicht fällt das nicht einmal auf.“ Deutlicher lässt sich der Zusammenhang zwischen der kommerziellen und militärischen Nutzung der Atomenergie kaum aufzeigen.

Die URENCO steht derzeit zum Verkauf. Mit Unterstützung der Bundesregierung und der britischen Regierung sollen die insgesamt vier Uran-Fabriken der URENCO privatisiert werden. Weltweit gibt es Interessenten. Die niederländische Regierung hat zwar inzwischen unter dem Druck Deutschlands und Englands einem Verkauf grundsätzlich zugestimmt, doch selbst die Christdemokraten in den Niederlanden sprechen dabei von einem “Spiel mit dem Feuer“. Während in den Niederlanden das Parlament mit Runden Tischen über den geplanten Verkauf der URENCO diskutiert, schweigt die Bundesregierung zu diesem Thema.

Konflikte um Rohstoffe wie Uran nehmen zu

Doch nicht nur die Frage der Weiterverbreitungsrisiken für Atomwaffentechnik ist bedeutsam. Immer mehr wird der Rohstoff Uran zum Anlass von Konflikten bis hin zu Kriegseinsätzen. An den Uranminen im Niger sind seit dem Kriegseinsatz in Mali französische Militärs im Einsatz, um die Anlagen zu schützen. Dennoch gab es im Sommer 2013 Terroranschläge mit zahlreichen Toten in der Region bei Arlit, im Norden des Nigers. Dort betreibt der französische Atomkonzern AREVA den Uranbergbau und versorgt sich damit zu über einem Drittel mit dem Rohstoff. In Zeitungen wie dem Handelsblatt wird darüber berichtet, dass Frankreich auch zur Sicherung seiner Rohstoffquellen in der südlichen Sahara-Region militärisch interveniert. Seit dem Frühjahr 2014 ist bekannt, dass deutsches Militär den Einsatz Frankreichs z.B. in Mali unterstützen wird. (Siehe hier: Münchhausen in Mali). Auch die Ärtzeorganisation IPPNW spricht von wachsenden Risiken von Rohstoffkriegen.

Auch in Deutschland kommt dieses Uran zum Einsatz. Genaue Angaben zur Herkunft des in Deutschland eingesetzten Urans verweigert die Bundesregierung. Lediglich für 2005 liegt eine Zahl vor. Darauf hatten die Ärzteorganisation IPPNW und ROBIN WOOD vor kurzem in einer gemeinsamen PM hingewiesen: “Laut einer Analyse und Bewertung der Versorgungssicherheit in der Elektrizitätsversorgung im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums wurden im Jahr 2005 z.B. 8 % des Bedarfs aus dem Niger gedeckt”. Und außerdem: “Laut  EURATOM wurden 2012 13 % des Natururans für Europa aus dem Niger importiert”. Dass der Rohstoff Uran über den französischen Konzern AREVA also auch in der Uranfabrik in Gronau weiter verarbeitet wird, ist durchaus anzunehmen.

(*) Dieser Beitrag erschien zuerst bei ROBIN WOOD unter diesem Link

URENCO Gronau: Risiko Atomwaffen-Technik und die deutsche Atom-Politik

Am Haupteingang der URENCO - Der Konzern reichert Uran für die Herstellung von Brennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt her. Ohne jede Befristung durch das Atomgesetz.
Urananreicherung der URENCO in Gronau: Auch militärisch überaus brisant.

Deutschland und die Weiter-Verbreitung von Atomwaffen-Technik: In Gronau steht die zur URENCO gehörende Urananreicherungsanlage. Sie stellt Uran-Brennstoff für den Einsatz in Atomkraftwerken her. Technisch aber ist sie in der Lage, atomwaffenfähiges Uran herzustellen. Sie ist damit auch unter militärischen Gesichtspunkten eine der brisantesten Atomanlagen in der Bundesrepublik. Ebenso brisant: Die URENCO soll verkauft und privatisiert werden. Derzeit gehört die URENCO der britischen und niederländischen Regierung sowie den beiden deutschen Konzernen E.on und RWE zu je einem Drittel. In allen drei Ländern sowie in den USA betreibt der Urankonzern entsprechende Anreicherungsanlagen. Die Links-Fraktion im Bundestag hat die Bundesregierung zum Stand der Verkaufsplanungen befragt. Die Antworten sind überaus spärlich (PDF).

Außenminister Steinmeier über das RISIKO Urananreicherung.

Wie brisant die Urananreicherungstechnik ist, die bei der URENCO im Einsatz ist, zeigt dieses Statement von Franz-Walter Steinmeier (SPD): „Die Urananreicherung ist ein klassischer Weg, um nuklearen Brennstoff herzustellen. Diese aufwändige Technologie ist aber auch der Schlüssel zu Atomwaffen. Man muss also Wege finden, wie jeder Staat Kernenergie uneingeschränkt friedlich nutzen kann, ohne dass damit der Griff nach der Bombe möglich wird. Der Atomwaffensperrvertrag geht auf dieses Problem bislang nicht ein.“ Das sagte Außenminister Steinmeier nicht als Antwort auf die Anfrage der Linken, sondern im Mai 2007 (ebenfalls als Außenminister, Quelle: Auswärtiges Amt) (siehe auch hier: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/044/1804433.pdf, das Interview ist beim Handelsblatt zu finden:  „Die Urananreicherung ist ein klassischer Weg, um nuklearen Brennstoff herzustellen. Diese aufwendige Technologie ist aber auch der Schlüssel zu Atomwaffen,“ schrieb Steinmeier (SPD), Gastkommentar Handelsblatt (2. Mai 2007)).  Nicht die URENCO war gemeint, sondern es ging um die international wachsenden atomaren Begehrlichkeiten des Irans und Nordkoreas und den Atomwaffensperrvertrag.

Steinmeier damals weiter: „Die Anreicherung von Uran beherrschen im industriellen Maßstab nur wenige Staaten. Es ist nachvollziehbar, dass immer mehr Länder sich aus der Lieferabhängigkeit von angereichertem Brennstoff befreien und selbst Uran anreichern wollen. Damit steigt aber auch die Gefahr des Missbrauchs.“

Weltweites Interesse an Kauf der URENCO

International ist das Interesse an der URENCO groß. Immerhin versorgt sie über ein Drittel des Weltmarkts mit Uranbrennstoff für Atomkraftwerke. Die VDI-Nachrichten berichteten bereits im Herbst 2012: “Die Liste potenzieller Käufer geht weiter über den kanadischen Uran-Trader Cameco bis hin zu Toshiba Westinghouse, dem britisch-japanischen Anlagenbauer und Konkurrenten von Areva beim Bau von Kernkraftwerken. Hinzu kommen seit Mitte Oktober Zeitungsberichten zufolge die Kapitalanleger Apax, KKR, Carlyle und CVC. Interesse hat auch Li Ka-shing gezeigt, ein Milliardär aus Hongkong, der in Großbritannien schon Netzbetreiber, Energieversorger und Wasserwerke im Wert von über 15 Mrd. € gekauft hat. Aber er kommt als Käufer wohl ebenso wenig infrage wie Tenex, die staatliche russische Uran-Anreicherungsfirma, oder Rosatom.” Selbst in Indien wird darüber diskutiert, ob ein Angebot zum Erwerb der URENCO sinnvoll ist.

Ebenso kommt der französische Atomgigant AREVA als Käufer in Frage. Gemeinsam mit der URENCO betreibt AREVA bereits seit 2007 die Enrichment Technology Company (ETC). Dieses Unternehmen, ehemals eine 100 prozentige URENCO-Tochter, ist für die Forschung und Entwicklung sowie den Bau und die Wartung von Uran-Zentrifugen zuständig.

Atomwaffen-Technik an der Börse?

Ausdrücklich wird sogar ein Börsengang der URENCO nicht ausgeschlossen, jedenfalls nicht von der Bundesregierung: „Ein Börsengang ist weiterhin als mögliche Option für potentielle Anteilsveräußerungen bei URENCO im Gespräch“, heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage.

Bundesregierung und die Verbreitung von URENCO-Atomwaffen-Technik

Mit den Verkaufsplänen der URENCO steht die Bundesrepublik nun mitten drin in der Debatte um die Risiken der Weiterverbreitung von Atomwaffen-Technik. Und da hat auch Steinmeier ein gewichtiges Wort mitzureden: „Das Auswärtige Amt ist im Rahmen der regierungsinternen Abstimmung und Vertretung der Position der Bundesregierung beim Thema möglicher Anteilsveräußerungen bei URENCO maßgeblich beteiligt“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf die aktuelle kleine Anfrage des Abgeordneten Hubertus Zdebel. Insbesondere „mit Blick auf die nuklearen nichtverbreitungspolitischen Aspekte“ nimmt das Auswärtige Amt auch an den Gesprächen im Gemeinsamen Ausschuss teil und „beteiligt sich, soweit erforderlich, an Gesprächen mit Vertretern sonstiger Beteiligter“. Wer diese „sonstigen Beteiligten“ sind, geht aus der Antwort nicht hervor.

Und weiter: „Die Bundesregierung hat bereits verschiedentlich deutlich gemacht, dass möglichen Änderungen an der Anteilsstruktur von URENCO nur dann zugestimmt werden könnte, wenn vorher durch einen entsprechenden Rechtsrahmen für die zukünftige Struktur von URENCO klargestellt ist, dass auch weiterhin nukleare Nichtverbreitung, Sicherung der Technologie und wirtschaftliche Solidität bei URENCO sichergestellt sind“.

Diese Aussage wiederholt die Bundesregierung bereits seit vielen Monaten. Jetzt erklärt sie: „Sicherung der Technologie bedeutet dabei, das neben der Erfüllung der allgemeinen Vorgaben der nuklearen Nichtverbreitung der Zugriff anderer auf die Technologie ausgeschlossen ist.“

Mit Bezug auf die von der niederländischen Regierung in einem Brief vorgelegten Anforderungen und einer im niederländischen Parlament durchgeführten Anhörung (an der die Bundesregierung nicht teilnahm), stellt die Bundesregierung lediglich fest, die dort genannten Kontrollrechte seien „grundsätzlich alle wichtig“ und über die Ergebnisse der Parlamentsanhörung im Dezember 2013 sei man durch „Vertreter der niederländischen Regierung“ informiert.

Während in den Niederlanden das Parlament beteiligt wird, ist das in der Bundesrepublik aus Sicht der Bundesregierung nicht nötig: Erst „im Lichte der weiteren Entwicklungen“ will die Bundesregierung über die Unterrichtung des Deutschen Bundestages entscheiden.

Verwiesen wird in der Antwort der Bundesregierung mehrfach auf den Vertrag von Almelo. Der Betrieb der URENCO unterliegt dem 1970 zwischen den drei beteiligten Regierungen vereinbarten völkerrechtsverbindlichen „Vertrag von Almelo“ (PDF). Darin ist festgelegt, dass die Uran-Zentrifugenanreicherung einerseits kommerziell unterstützt wird, andererseits aber die Anreicherung von Uran lediglich für den Einsatz in Atomkraftwerken beschränkt bleiben soll. Waffenfähiges Uran darf nicht hergestellt werden. Im Rahmen des Vertrags von Almelo ist auch ein „Gemeinsamer Ausschuss“ geregelt, in dem die Vertragsstaaten alle relevanten Angelegenheiten der URENCO überwachen. Jede Regierung hat ein Veto-Recht. Auch für den geplanten Verkauf ist daher die Bundesregierung unmittelbar beteiligt.

Über diese Verkaufspläne „erfolgt ein kontinuierlicher Austausch“ zwischen den Regierungen und seit August 2013 fanden regelmäßige Treffen der drei Regierungen sowie mit den Anteilseignern RWE und E.on statt. „Zuletzt war dies am 31. März 2014 und am 7. April 2014 der Fall“, teilt die Bundesregierung mit.

Dabei lässt sich die Regierung von den Rechtsanwaltskanzleien Osborne Clarke und Kirkpatrick & Lockhart Preston Gates Ellis LLP rechtlich beraten.

„Ordentliche Sitzungen“ im Rahmen des „Gemeinsamen Ausschusses“ nach dem Almelo-Vertrag hat es am 16. Oktober und am 1. April gegeben. Die Beratungen seien vertraulich, so die Bundesregierung.

Die Bundesregierung teilt außerdem mit, dass „das Thema einer möglichen Anteilsveräußerung bei URENCO .. verschiedentlich anlässlich von Treffen mit Vertretern der Regierung von Frankreich angesprochen“ wurde. Die Gespräche haben vermutlich den Hintergrund, dass der französische Atomkonzern sich mit der URENCO zu je 50 Prozent das Eigentum an der oben erwähnten ETC teilt. Diese Beteiligung ist durch einen weiteren völkerrechtsverbindlichen Vertrag zwischen den drei Almelo-Staaten und Frankreich im Vertrag von Cardiff (PDF) geregelt worden. Der Vertrag folgt in den Grundzügen dem Vertrag von Almelo. In einem „Quadripartie Committee“ sind die vier Regierungen im regelmäßigen Austausch und kontrollieren die Aktivitäten von URENCO und AREVA bei der ETC.

„Unabhängig von dem Thema möglicher Anteilsänderungen bei URENCO“, stehen die drei Regierungen von Deutschland, Großbritannien und der Niederlande „ständig in regelmäßigem Kontakt mit IAEO und EURATOM. Dabei nehmen Themen wie nukleare Nichtverbreitung eine wichtige Rolle ein. URENCO kommt als völkerrechtlich vereinbarter Unternehmenskonstruktion mit trinationaler Inhaberschaft, Verteilung auf Standorte in allen drei Ländern und mehrfach verschränkten Kontrollmechanismen eine internationale Vorbildfunktion im Hinblick auf die nukleare Nichtverbreitung zu.“

Damit bezieht sich die Bundesregierung auf die eingangs dargestellten Äußerungen von Außenminister Steinmeier und die Debatten um die wachsenden Begehrlichkeiten von immer mehr Staaten, einen eigenen nationalen Zugang zur Urananreicherung zu erlangen.

Wann ein Abschluss der laufenden Verhandlungen erfolgt, ist derzeit offenbar noch nicht absehbar. „Ein Enddatum …. lässt sich derzeit noch nicht genau vorhersagen“, teilt die Bundesregierung mit.

Unbefristeter Weiterbetrieb der URENCO-Anlage in Gronau erhöht Ansehen und Einfluss der Bundesrepublik

Auch unter der neuen Bundesregierung ist offenbar nicht vorgesehen, den Betrieb der Uranfabrik in Gronau zu begrenzen. Nach der Katastrophe von Fukushima ist der Betrieb der Atomkraftwerke in Deutschland befristet worden. In den Jahren 2021/22 werden die letzten sechs Atommeiler vom Netz gehen. Ausgenommen davon sind die Uranfabriken in Gronau und in Lingen (dort werden von AREVA Brennelemente für AKWs gefertigt).

Während die SPD in Nordrhein-Westfalen angeblich auf eine Stilllegung der Uranfabrik drängt und dazu nach Fukushima als (rot-grüne) Landesregierung einen entsprechenden Antrag in den Bundesrat eingebracht hat, will die SPD in der Bundesregierung davon nichts wissen. Im Gegenteil: Der Betrieb der URENCO-Anlage in Gronau „stärkt Ansehen und Einfluss Deutschlands im Kreis der Vertragsstaaten des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV)“.

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