Vattenfall Kraftwerk Wedel – Es wird erörtert

Es wird erörtert: Vattenfall (Foto) und die Stadt Hamburg wollen unbedingt ein neues Kraftwerk, das viele für überdimensioniert halten. Und klimapolitisch sinnvolle Alternativen sind nie geprüft worden. Foto: Dirk Seifert

Für das von der Stadt Hamburg und Vattenfall geplante neue Kraftwerk in Wedel zur Fernwärmeversorgung der Hansestadt hat heute der Erörterungstermin begonnen. Wie leider immer noch üblich, begann der Termin während der Arbeitszeit um 10 Uhr, so dass für viele EinwenderInnen und BürgerInnen die Teilnahme nur im Rahmen von Urlaubstagen möglich war.

Dennoch waren rund 250 Menschen gekommen, um ihre Kritik gegen das völliger überdimensionierte Kraftwerk einzubringen.

Insgesamt hatten fast 1.300 BürgerInnen und Umweltorganisationen Einwendungen erhoben. Gleich 18 Vattenfall-Beauftragte sitzen als Antragsteller auf der einen Seite und bis zu 16 VertreterInnen der Stadt Wedel und der Genehmigungsbehörde auf der anderen.

Der erste Tag der Erörterung behandelt vor allem bauplanerische Belange und den Standort. Am Nachmittag soll es dann um den Lärmschutz gehen.

Wesentliche Fragen, die mit dem energie- und klimapolitischen Umfeld der Kraftwerksplanung zu tun haben, sollen zwar am Rande behandelt werden. Wiebke Hansen von „Unser Hamburg Unser Netz“ kritisierte aber, dass viele der in den Einwendungen genannten Kritikpunkte in der Tagesordnung gar nicht auftauchen. So werden Aspekte wie die fehlende Transparenz der Planungen und Fragen nach der Wirtschaftlichkeit der Planung nicht aufgeführt.

Im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes geht es vor allem um Aspekte wie den Lärmschutz, der Luftbelastung und ähnliche Fragen. Relevante Bereiche, wie z.B. der Klimaschutz oder der konkrete energiewirtschaftliche Bedarf spielen rechtlich kaum eine Rolle.  Dabei drängen sich hier erhebliche Fragen auf:

Während Vattenfall und die Stadt Hamburg von einem Innovationskraftwerk für die Energiewende sprechen, wird genau das von den Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen massiv bestritten. Hintergrund ist, dass Vattenfall und die Stadt Hamburg das neue Kraftwerk einfach „aus dem Hut gezaubert“ haben. Eine Prüfung von Alternativen unter der Fragestellung, wie die Fernwärmeversorgung mit möglichst viel Klimaschutz gewährleistet werden kann, um das alte kohlebefeuerte Heizkraftwerk endlich vom Netz nehmen zu können, hat es bis heute nicht gegeben. Für Kritik sorgt seitens der Umweltorganisationen und Initiativen auch, dass das neue Kraftwerk fast doppelt so groß gebaut werden soll, wie das bisherige Heizkraftwerk.

Im Rahmen der in Hamburg laufenden Debatte zur vollständigen Rekommunalisierung der bislang noch von Vattenfall und E.on betriebenen Energienetze – dazu zählt auch die Fernwärmeversorgung  – hat sich die alleinregierende SPD im Sommer 2012 nur zu einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent an den Gesellschaften von Vattenfall und E.on entschlossen. Ein Schritt, den viele kritisieren, weil diese Maßnahme nur die Atomkonzerne Vattenfall und E.on unterstützt, ihre Marktmacht weiter zu stabilisieren. Mit der nächsten Bundestagswahl im September 2013  wird es daher in Hamburg zu einem Volksentscheid kommen. Dann geht es darum, dass Hamburgs BürgerInnen selbst entscheiden, ob Vattenfall und E.on weiterhin für die Netze zuständig sein dürfen oder ob es tatsächlich zu einer Energiewende kommt. (Stand: 15.00 Uhr, 28.11.2012)

Zu dem Erörterungstermin hat auch UNSER HAMBURG – UNSER NETZ eine Pressemitteilung herausgegeben, die es hier gibt:

Kraftwerk Wedel: Hamburg investiert 100 Millionen in ein fragwürdiges Kraftwerk

Erörterung über „Innovationskraftwerk“ startet / 1.600 Einwendungen / Vattenfall-Monopol soll festgeschrieben werden

Bei der heute startenden Erörterung zum geplanten Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) in Wedel vertritt die Volksinitiative UNSER HAMBURG – UNSER NETZ ihre Einwendung gegen das Vorzeige-Projekt des Netze-Deals zwischen Vattenfall und dem Hamburger Senat. Erst kürzlich hatte die Stadt Hamburg 325,05 Mio. Euro für die 25,1 %-Beteiligung an der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH gezahlt. Im Kaufpreis waren bereits etwa 110 Mio. Euro für die anteilige Investition für das noch nicht genehmigte GuD enthalten (Drs. 20/3766).

Die Initiative kritisiert vor allem, dass keine umfassende Alternativenprüfung vorgenommen und zudem über die Köpfe der BürgerInnen hinweg geplant wurde. Auch der abnehmende Wärmebedarf im Hamburger Gebäudebestand fand bei der Dimensionierung des Kraftwerks offensichtlich keine ausreichende Berücksichtigung. Das geplante Kraftwerk sichert vielmehr das Vattenfall- Monopol im Fernwärmenetz und verhindert eine grundlegende Modernisierung der Wärmeversorgung.

Auch die auf Druck der Betroffenen veröffentlichten „Gutachten“ können diesen Vorwurf nicht ausräumen. Es wurde lediglich eine Plausibilitäts-Prüfung anhand der Unterlagen von Vattenfall vorgenommen.

Fragestellungen etwa zu einer dezentralen und klimapolitisch günstigeren Lösung wurden nicht behandelt.

Außerdem sind neue Fragen zur Dimensionierung des neuen Kraftwerkes in Wedel aufgetaucht. Vattenfall treibt nun den Bau von Heizkesseln mit 165 MW am Haferweg mit Hochdruck voran – dreimal so groß wie angekündigt. Ob mit diesem Heizkessel überhaupt noch die beantragte Wärmeauskopplung in Wedel notwendig und wirtschaftlich ist, bleibt zweifelhaft.

„Wenn der Senat so viel Geld für die Fernwärmeversorgung in die Hand nimmt, soll er das mit einem schlüssigen Konzept für die BürgerInnen und den Klimaschutz tun, nicht für die Wirtschaftsinteressen Vattenfalls,“ so Wiebke Hansen, Kampagnenleiterin UNSER HAMBURG – UNSER NETZ.

Für Rückfragen: Wiebke Hansen, T: 040 – 600 387-17

Organisationen im Trägerkreis  „UNSER HAMBURG – UNSER NETZ“ attac Hamburg, BUND-Landesverband Hamburg e.V., Diakonie u. Bildung des Ev.-Luth. Kirchenkreises Hamburg-Ost, Initiative „Moorburgtrasse stoppen!“, Robin Wood, Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

Dumm, Dümmer, Vattenfall – nach Panne bei Strompreiserhöhung versucht das Unternehmen sich rauszureden

Vattenfall: Nun wird wieder getrickst, um die Panne zu vertuschen. Foto: Dirk Seifert

„Doch hier macht das Unternehmen verwirrende Angaben“, beschreibt Spiegel-online die Reaktionen von Vattenfall auf die Panne bei der Strompreiserhöhung zum 1. Januar 2013. Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte berichtet, dass Vattenfall offenbar viele tausend KundInnen zu spät über die Strompreiserhöhung informiert hat. Um die Panne zu „korrigieren“, hatte das Unternehmen noch in der Nacht Mails verschickt, in der Hoffnung, niemand würde merken, dass man bei Vattenfall die Fristen verpennt hat. Doch selbst damit scheiterte das Unternehmen: Einen Link, der in den Mails enthalten war, konnten KundInnen nicht aufrufen, weil der Server gewartet wurde. So richtig Mega-Dumm gelaufen.

Doch statt nun einfach tapfer einzugestehen, dass man hier einen Bock geschossen hat, versucht Vattenfall sich rauszureden. Ok, so ist Vattenfall. Diese Panne kostet ja vermutlich einige hundertausende Euro, wenn nicht sogar mehr. Aber das kennen wir von Vattenfall: Zur Not werden auch schon mal die Öffentlichkeit oder auch  gleich Journalisten angelogen. Z.B. als 2007 der Transformator am AKW Krümmel in Flammen aufging, der Reaktor per Notabschaltung runter gefahren werden musste und in der Schaltzentrale das Personal mit Gasmasken arbeiten musste. Vattenfall teilte damals öffentlich mit: Der Brand war kein Problem und hatte keine Auswirkungen auf den nuklearen Teil der Anlage. Ok, war nicht ganz die Wahrheit!

Rekommunalisierung der Energiewende: Nicht nur in Berlin und Hamburg – auch Oldenburg will die Netze zurück in Bürgerhand

Nicht nur in Berlin und Hamburg gibt es starke Bürgerbündnisse für die Rekommunalisierung der Energiewende und die Energienetze. In Hamburg wird es dazu zu einem Volksentscheid kommen, in Berlin steht als nächster Schritt das Volksbegehren auf der Tagesordnung. In Oldenburg will eine Energie-Genossenschaft die Netze direkt übernehmen: Bereits Ende 2011 hat sich die Oldenburger Energie-Genossenschaft gegründet. Um die Beteiligungsmöglichkeiten noch zu erweitern, hat sich nun in Oldenburg auch ein Förderverein gegründet, in dem sich BürgerInnen schon mit fünf Euro an der Energiewende beteiligen können. Dazu gibt es hier demnächst mehr Informationen.

Was bislang geschah: Auf Initiative des Oldenburger Energierates wurde Ende September 2011 die oldenburger energie-genossenschaft eG i.G. gegründet. Mit der offiziellen Bekundung des Interesses an der Übernahme und dem Betrieb des Oldenburger Strom- und Gasnetzes gegenüber der Stadt Oldenburg hat die Genossenschaft den ersten Schritt unternommen, am laufenden Konzessionierungsverfahren teilzunehmen.

Ziele der Genossenschaft
Die Genossenschaft möchte in Oldenburg einen wesentlichen Beitrag zur Beschleunigung der Energiewende leisten. Dazu strebt sie die Übernahme des Strom- und Gasnetzes in Oldenburg an.

Bei dem zukünftigen Betrieb des Strom- und Gasnetzes steht neben der selbstverständlich höchstmöglichen Versorgungssicherheit die Weiterentwicklung leitungsgebundener Infrastrukturen in Kooperation mit anderen Netzbetreibern im Mittelpunkt.
Mit den durch den Netzbetrieb erzielbaren Überschüssen sollen Vorhaben der Energieeinsparung (zum Beispiel energetische Gebäudesanierung), effizienten Energiebereitstellung (zum Beispiel Kraft- Wärme- Koppelung) und zum Ausbau regenerativer Energien (zum Beispiel Photovoltaik- Anlagen) in Oldenburg entwickelt werden.

Der eigene Vertrieb von Strom und Gas ist vorläufig nicht beabsichtigt, wird jedoch später, auch im Zusammenhang mit eigenen regenerativen Anlagen geprüft.
In Kürze werden der Gesellschaft qualifi zierte Daten des Altkonzessionärs über die technische und wirtschaftliche Situation des Netzes vorliegen, die im Zuge des Konzessionsverfahrens seitens der Stadt Oldenburg auszuhändigen sind. Auf dieser Informationsbasis werden wir eine Bewertung des Netzes vornehmen und ein Angebot unterbreiten.

Kooperation mit erfahrenem Netzbetreiber
Die Aufnahme des Betriebes eines Energieversorgungsnetzes bedarf nach § 4 EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) der Zustimmung der zuständigen Landesbehörde. Als Antragsteller werden wir die personelle, technische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit nachweisen.

Dazu wird die Genossenschaft in der ersten Phase eine Kooperation mit einem bereits genehmigten und erfahrenen Netzbetreiber eingehen. Während der Kooperationsphase werden Vorkehrungen getroffen, um die Genehmigung selber zu erwirken.

Regionale Wertschöpfung
Der genossenschaftliche Ansatz führt zu einer erhöhten regionalen Wertschöpfung. Neben dem Netzbetrieb werden weitere Vorhaben zur Energieeffi zienz und Verbreitung der regenerativen Energien zu zusätzlichen Arbeitsplätzen und einer Zunahme der Steuereinnahmen in Oldenburg führen.

Die handelnden Personen
Der Vorstand der Genossenschaft wird gebildet durch Herrn Dipl. Vw. Meendert Buurman und Herrn Jens Giesemann. Herr Buurman verfügt über langjährige kaufmännische Geschäftsführungserfahrung im Bereich der regenerativen Energien. Herr Giesemann ist im Vorstand zuständig für die Bereiche Technik, Organisation und Marketing.
Im Aufsichtsrat der Genossenschaft sind mit Herrn apl. Prof. Dr. Niko Paech (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Herrn Prof. Dr.-Ing. Jan Middelberg (Jade Hochschule Wilhelmshaven Oldenburg Elsfleth) und Herrn Dr. Ulrich Schachtschneider (Energieberater und Autor) Oldenburger Persönlichkeiten vertreten, die für die Vereinigung von energietechnischer Expertise mit ökonomischem Weitblick und gesellschaftspolitischem Anspruch stehen.

Statt Energiewende: Hamburg finanziert künftig dank SPD Vattenfalls neue Atomkraftwerke in Schweden

Die Stadt Hamburg beteiligt sich nach einem Beschluss der Bürgerschaft im Mai 2012 als Minderheitsaktionär an den Vattenfall-Gesellschaften für das Stromnetz und die Fernwärme in Hamburg. Außerdem an dem derzeit von E.on Hanse betriebenen Gasnetz.

Mit diesem Deal reagierte die alleinregierende SPD in Hamburg auf ein breites Bündnis von Organisationen, die eine 100 prozentige Rekommunalisierung der Energienetze für Hamburg anstrebt und damit Vattenfall und E.on Hanse den bisherigen Betrieb abnehmen will. An der Initiative „Unser Hamburg Unser Netz“ sind u.a. Umweltorganisationen, die Verbraucherzentrale, die Kirche sowie die Mietervereine in Hamburg beteiligt. Anlass dafür sind die in den nächsten Jahren auslaufenden Konzessionsverträge. Parallel zur nächsten Bundestagswahl wird darüber ein Volksentscheid stattfinden.

Nach der Beteiligung an der Stromgesellschaft von Vattenfall im Juni 2012 hat der Senat jetzt mitgeteilt, dass auch die Fernwärmegesellschaft mit Beteiligung der Stadt etabliert wurde. Der Kaufpreis für die Beteiligung mit 25,1 Prozent beträgt 325,1 Mio. Euro. Die jährliche feste Ausgleichszahlung (Dividende) an die Stadt beläuft sich auf 14,66 Mio. Euro. Die Minderheitsbeteiligung bei den Stromnetzen hatte einen Kaufpreis von 138,05 Mio. Euro, die jährliche feste Ausgleichzahlung an die HGV beläuft sich auf 5,773 Mio. Euro. Informationen zur Beteiligung an Gasnetz von E.on Hanse hier.

Die Gründung der Fernwärmegesellschaft mit Beteiligung der Stadt Hamburg ist überschattet von einem massiven Konflikt um ein neues Kraftwerk in Wedel, gegen das 1.300 Einwendungen erhoben wurden. Während die Stadt und Vattenfall von Energiewende sprechen, erzeugt Vattenfall weiterhin rund 80 Prozent seines Stroms aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle und nimmt derzeit ein neues Braunkohlekraftwerk in Boxberg in Betrieb.

Bei der anstehenden Konzessionsvergabe muss die Hansestadt europaweit den Netzbetrieb neu ausschreiben und Anbieter haben dann die Möglichkeit, sich zu bewerben, die Hamburger Strom- und Gasnetze zu übernehmen. Ein solches Verfahren muss transparent und diskriminierungsfrei erfolgen. Die Stadt Hamburg hat aber auch die Möglichkeit, die Netze selbst in Besitz zu übernehmen und eigenständig zu betreiben. Dies fordert die Initiative für den Volksentscheid.

Der jetzige Deal mit Vattenfall schürt erhebliche Zweifel, wie die SPD-geführte Stadt Hamburg die Anforderungen an ein transparentes und diskriminierungsfreies Verfahren betreiben will, wenn sie gleichzeitig am Vattenfall-Geschäft mit den Netzen direkt beteiligt ist und davon in Form von Dividendenausschüttungen verdient.

Doch nicht nur das: Mit dem Deal stärkt die Stadt Hamburg auch das angeschlagene Unternehmen und will damit verhindern, dass Vattenfall als Netzebetreiber sein Geschäftsfeld in Hamburg verliert. Damit sorgt die SPD dafür, dass künftig die Atom- und Kohlepolitik von Vattenfall  durch die Hamburger Strom- und Fernwärmekunden finanziert wird.

Erst vor wenigen Wochen hat der Vattenfall-Konzern sich eine neue Organisationsstruktur verordnet, in der die Atomenergie auch künftig eine maßgebliche Rolle spielen soll. In Schweden hat das Unternehmen bereits angekündigt, dass es an neuen Atomkraftwerken interessiert ist.

Außerdem verbündet sich Hamburgs SPD mit einem Konzern, der erst vor kurzem die Stadt Hamburg wegen zu hoher Umweltauflagen vor dem Weltbank-Gericht in Washington verklagt hatte. Das hatte zur Einschränkung der Umweltauflagen für das 1.600 MW Steinkohlekraftwerk geführt, das aufgrund zahlreicher Verzögerungen beim Bau ca. 2014 in Betrieb gehen soll. Außerdem hat Vattenfall nach der Stilllegung seiner maroden Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel in Folge der Katastrophe von Fukushima die Bundesrepublik Deutschland auf Schadensersatz sowohl vor dem Bundesverfassungsgericht als auch wieder vor dem Weltbankgericht in Washington verklagt.

Siehe auch: Vattenfall – kein Partner für Hamburg.

Alle Informationen zu Vattenfall und zur Rekommunalisierung auf umweltFAIRaendern.de hier. Auch in Berlin soll mit einem Volksentscheid Vattenfall als Betreiber der Stromnetze abgewählt werden.

Vattenfall: SPD-Senat zementiert Fernwärme-Monopol und kauft Katze im Sack

Hamburg ist nun Minderheitsaktionär bei Vattenfall-Fernwärme. Da hilft nur noch der Volksentscheid. Foto: Dirk Seifert

Gerade wird Vattenfall wegen unlauteterer Werbung abgemahnt, da verkündet der Hamburger SPD den Vollzug der Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent an der Fernwärmegesellschaft von Vattenfall. Nicht nur die GAL-Fraktion hat diesen Schritt jetzt scharf kritisiert.

Hintergrund ist, dass die SPD mit der Minderheitsbeteiligung versucht, einen Volksentscheid in Hamburg auszubremsen. Der fordert die 100 prozentige Übernahme der Strom- und Fernwärmenetze von derzeit Vattenfall und der Gasnetze von derzeit E.on (Hanse). Die Initiative „Unser Hamburg Unser Netz“ wird den Volksentscheid mit der nächsten Bundestagswahl, vermutlich im September 2013, durchführen. Streit gibt es über die Zusammenarbeit von Vattenfall mit dem SPD-Senat auch über ein neues Kraftwerk in Wedel, gegen das über 1.300 Einwendungen vorgetragen wurden.

Das Bündnis aus Umweltogranisationen, Verbraucherzentrale und Kirche hat heute in einer Pressemitteilung Vattenfall und den SPD-Senat kritisiert:

„Mit dem heute verkündeten Vollzug der 25,1%-Beteiligung der Stadt Hamburg an der
neuen Wärmegesellschaft gemeinsam mit Vattenfall verzichtet Hamburg zu Gunsten
Vattenfalls auf das Recht, die Fernwärmenetze jemals wieder in die eigene Hand zu
nehmen. Vattenfall hatte dies in den Verhandlungen im letzten Jahr zur Bedingung
gemacht. Die Volksinitiative UNSER HAMBURG – UNSER NETZ erklärt dazu: Nur ein
erfolgreicher Volksentscheid im September 2013 kann diese falsche Weichenstellung
wieder korrigieren und eine gemeinwohlorientierte Energieversorgung voranbringen.
Zudem liegt nach Angaben der Initiative keine transparente Wirtschaftlichkeitsprüfung für
das von dieser Gesellschaft zu bauende und zu betreibende neue Kraftwerk in Wedel vor.
Die Stadt Hamburg ist über den geleisteten Kaufpreis in Höhe von 325 Mio. Euro mit gut
100 Mio. Euro an dem geplanten Kraftwerksbau beteiligt. Auch die vertraglich fixierten
Ausgleichzahlungen fangen das Problem nicht auf, da diese nur bis 2017 festgeschrieben
sind. Das Kraftwerk würde voraussichtlich erst zu diesem Zeitpunkt den Betrieb
aufnehmen.

Die geplante Dimensionierung und die Wirtschaftlichkeit des neuen Kraftwerkes stehen
seit Monaten in der Kritik. Ein Gutachten der bekannten Beratungsfirma LBD hatte einen
wirtschaftlichen Betrieb unter den derzeitigen Bedingungen ausgeschlossen. Die
Fernwärmeversorgung in Hamburg muss sich in Folge der energetischen Sanierung auf
einen abnehmenden Wärmemarkt einstellen. Nach Expertenschätzungen wird sich der
Wärmebedarf für den Hamburger Gebäudebestand bis 2040 um ca. 30 % verringern.
Eine fundierte und nachvollziehbare Abwägung, ob zum Beispiel mit einem dezentralen
Ansatz eine flexiblere und klimapolitisch günstigere Lösung möglich wäre, hat nicht
stattgefunden, so der Befund der Volksinitiative. Sie betont: „Die Stadt kauft für viel Geld
die Katze im Sack und macht sich abhängig von Vattenfall – ohne Alternativen
ausreichend geprüft zu haben“.

UNSER HAMBURG – UNSER NETZ kritisiert zudem die Standortentscheidung für das
Kraftwerk. Diese sei über die die Köpfe der Anwohner in Wedel hinweg getroffen worden
und zeige, dass bei der angeblichen Hamburger Energiewende die Bürger nicht
mitgenommen werden.“

Zur Klimadebatte um das neue Kraftwerk siehe hier.

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