Gegen Menschenrechte und Umwelt: Deutschlands bittere Kohleimporte
Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen urgewald und FIAN haben die Lieferwege deutscher Steinkohleimporte sowie die ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Auswirkungen unseres Kohleverbrauchs recherchiert. Die Ergebnisse haben sie in dem Dossier „Bitter Coal – Deutschlands Steinkohleimporte“ zusammengefasst, das sie heute präsentieren. Über 75 Prozent der Steinkohle, die von RWE, E.ON, STEAG, EnBW und Vattenfall verfeuert wird, stammt aus dem Ausland, und zwar vornehmlich aus Kolumbien, Russland, USA, Polen und Südafrika. Für den Betrieb deutscher Kraftwerke werden jährlich 34 Millionen Tonnen Steinkohle importiert. Mehr dazu auf der Homepage von Urgewald.
Vor wenigen Tagen ist eine Initiative für mehr Transparenz bei den Kohleimporten im Bundestag gescheitert: Kohleimporte: Herkunft bleibt weiter verschleiert
Zu den gesundheitlichen Folgen der Kohleverbrennung siehe hier: Kohle macht krank.
In Hamburg mobilisiert die Kampagne Gegenstrom13 gegen Vattenfall. Der Konzern erzeugt mehr als 80 Prozent seines Stroms mit Kohle. Die Kampagne kritisiert auch, dass Vattenfall nicht nur das Klima schädigt, sondern auch immer wieder in Kolumbien Kohle einkauft, wo auch Menschenrechte verletzt werden: “Die Kohle ist blutbefleckt” – Die Zeit über die andere Seite der Kohleverstromung.
Urgewald und Fian schreiben dazu: „In Kolumbien geht es nicht nur um schwerwiegende Umweltfolgen, sondern auch um Menschenrechtsvergehen. Der US-amerikanischen Firma Drummond, einem der wichtigsten Kohleproduzenten Kolumbiens, wird vorgeworfen, jahrelang eine paramilitärische Einheit finanziert zu haben, die nicht nur Mine und Bahnlinie von Drummond schützte, sondern gleichzeitig hunderte Morde beging und tausende Menschen vertrieb. Im Januar 2013 wurde Jaime Blanco Maya, ein Sub-Unternehmer von Drummond, von einem kolumbianischen Gericht zu 38 Jahren Haft verurteilt. Er war Hauptangeklagter im Prozess um den Mord an zwei Gewerkschaftsführern. „Das Gericht ordnete an, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen weitere Verdächtige einleiten möge, darunter ehemalige und nach wie vor aktive Führungskräfte von Drummond“, erklärt Petra Langheinrich, Mitarbeiterin des kolumbianischen Anwaltskollektivs, das die Familien der ermordeten Gewerkschafter vertritt. „Trotzdem halten die deutschen Energieversorger RWE, E.ON und EnBW weiterhin an ihrer Zusammenarbeit mit Drummond fest“, so Langheinrich.“
Die Studie „Bitter Coal“ steht hier als PDF zum download bereit.





