Güterbahnhof am Wilhelmsburger Spreehafen: Die Container mit Uranzerzkonzentrat aus Namibia und Kasachstan, die mit den Schiffen Sheksna und Green Mountain vor einige Tagen in Hamburg angekommen sind, sind auf Schiene verladen und auf dem Weg nach Maschen. Foto: Impi
Der Atomtransport mit Uranerzkonzentrat ist auf einen Güterzug verladen und auf dem Weg zum Rangierbahnhof Maschen. Impis Blog berichtet, dass er am Wilhelmsburger Spreehafen eine Zug mit 36 Containern gesehen hat. Von ihm stammen die Fotos der Container mit Radioaktivitäts-Zeichen. Per Mail bestätigt Impi, dass er diese Fotos heute am Nachmittag gemacht hat.
Die Wagons werden dann vermutlich heute Abend zu einem Güterzug zusammen gestellt und könnten gegen Mitternacht die Weiterfahrt Richtung Bremen – Münster – Köln – Bonn antreten. Mehr dazu hier:
Radioaktives Uran so weit das Auge reicht. Über Maschen geht die Reise vermutlich gegen Mitternacht weiter quer durch Deutschland zur nächsten Zwischenstation nach Narbonne, Südfrankreich. Foto: Impi
Auch die Links-Fraktion aus der Hamburgischen Bürgerschaft hat sich heute noch einmal zu Wort gemeldet – allerdings bevor der Atomzug losfuhr. In der PM (PDF) heißt es mit Blick auf die Falschaussagen des Senats zu vier Uran-Containern, deren Weitertransport weg aus Hamburg die Innenbebehörde schon von Wochen unzutreffenderweise vermeldet hatte: „Senat verkauft Öffentlichkeit für dumm: Atom-Container lagern seit Juli im Hamburger Hafen“. Dora Heyenn, Fraktionsvorsitzende sagte: „Dieser Vorgang lässt die Skepsis gegenüber der Informationspolitik des Senats leider noch mehr wachsen“. Über die jüngsten Vorgänge kündigte sie eine weitere Kleine Anfrage an.
Ausgesperrt: Beschäftigte der Uranfabrik von Honeywell in Metropolis, USA. Foto: USW
Uran-Geschäfte der anderen Art: In den USA kämpfen die Beschäftigen einer Anlage zur Herstellung von Uranhexafluorid (UF6) – einem Zwischenprodukt auf dem Weg zur Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke – seit Jahren für bessere Tarifbedingungen und besseren Gesundheitsschutz. Wieder einmal hat die zum Honeywell-Konzern gehörende Geschäftsleitung im Werk in Metropolis, Süd-Illionois, die Belegschaft ausgesperrt. Darüber berichten US-Medien und The Militant.
Herstellung von Uranhexafluorid: Honeywill, Metropolis, USA. Foto: Ncollida1106
Seit Jahren gibt es bei Honeywell Metropolis Probleme: Insgesamt 14 Monate dauerten in den Jahren 2010/11 die Auseinandersetzungen zwischen den rund 350 Beschäftigten mit der Konzernleitung um die Tarifverträge. Mit Hilfe von angelernten Streikbrechern sorgte die Konzernleitung dafür, dass zumindest ein Teil der Uranproduktion fortgesetzt werden konnte. Die zuständige Gewerkschaft, die United Steel Workers (USW), Local 7-669 warf der Konzernleitung wiederholt vor, damit die Sicherheitsstandards zu gefährden und schwere Unfälle in Kauf zu nehmen.
Im September und Dezember 2010 kam es während der Aussperrung zu Explosionen im Werk. The Militant berichtet: „In September 2010, a hydrogen explosion rocked the plant after the company started up production with replacement workers during the lockout. A second release of hydrogen fluoride used in uranium enrichment took place on Dec. 22 that year. “
Zu einer Schließung des Werks kam es nach der Katastrophe von Fukushima. Die US-Regierung hatte Nachrüstungen angeordnet, z.B. weil es Risiken bei der Erdbeben- und Tornado-Auslegung der Anlage gab. (Honeywell Metropolis makes earthquake modifications) Zwischen 2012 und 2013 ging die Anlage für neun Monate offline, mit der Folge, dass ein Teil der Beschäftigten in dieser Zeit kein Gehalt bekamen.
Auf der Homepage der lokalen Stahl-Gewerkschaft wird in einer Übersicht dargelegt, worum es bei den Auseinandersetzungen geht: „What We Are Fighting For!“ Die lange Liste, in der es auch um Fragen des Gesundheitsschutzes im Zusammenhang mit der Radioaktivität und Krebserkrankungen geht, zeigt, wie massiv der Konflikt ist.
Sinngemäß heißt es dort u.a.: „UnsereMitglieder arbeitenmit einigen dergefährlichsten Chemikalienauf dem Planeten undKrebs verursachendenUran undsollte ein angemessenesGesundheitswesenerwarten. Unser Vorschlagzielt darauf ab, einen Kompromiss mit dem Unternehmen inüber ein „Sub-Standard-Gesundsheitsprogramm“ zu erreichen, aber das Unternehmen hat sich geweigert,ernsthafte Verhandlungen darüber zu führen. “ Auf die Forderung nach verbessertem Gesundheitsschutz reagiert der Konzern mit dem Vorschlag, die Gehälter zu senken, um die Kosten nicht übernehmen zu müssen.
Unfälle bei der UF6-Herstellung jedenfalls kommen vor. Auf dieser Seite von Energy-Net.org ist zu lesen, dass es im Dezember 2003 zu einem Feuer in der Anlage kam, bei dem efl Arbeiter „kontaminiert“ wurden : „There was a December 2003 fire at the 1,100 acre facility that required public evacuation of the nearby area. Eleven workers were contaminated by a UF6 leak.“
Anlagen zur Herstellung von Uranhexafluorid
Informationen über die Anlagen zur Herstellung von Uranhexafluorid gibt es vergleichsweise wenig. Vielleicht auch, weil es weltweit nur wenige gibt. Diese befinden sich in Kanada, Großbritannien, Russland, Frankreich, China (im Aufbau) und eine kleine Anlage in Brasilien. Außerdem die Anlage in Metropolis, USA. Converdyn ist der offizielle Name der dortigen Fabrik, die zu jeweils 50 Prozent den Konzernen Honeywell und General Atomic gehört. Etwa 15.000 Tonnen Uran als UF6 hat die Anlage bei einer Auslastung von rund 70 Prozent laut Angaben der World-Nuclear.org jeweils pro Jahr in den letzen Jahren hergestellt.
Ausgangsprodukt für die Herstellung von Uranhexafluorid ist das aus den Uranminen stammende Konzentrat, so genanntes Yellow Cake. Der Uranbergbau gilt als besonders umwelt- und gesundheitsschädigend.
Wikipedia schreibt über das Uranhexafluorid: „Es ist ein farbloser, kristalliner Feststoff, der leicht flüchtig, radioaktiv und äußerst giftig ist. Es ist eine sehr aggressive Substanz, die nahezu jeden Stoff und auch jedes biologische Gewebe angreift. Uranhexafluorid ist beständig in trockener Luft, reagiert jedoch sehr heftig mit Wasser. In den meisten Fällen wird es aus Uran(IV)-fluorid (UF4) durch Umsetzung mit elementarem Fluor (F2) gewonnen. Bei Normaldruck und einer Temperatur von 56,5 °C geht Uranhexafluorid durch Sublimation direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über.“ Kontakt mit dem Gas kann unter bestimmten Wetterbedingungen nach einem Unfall noch im mehreren hundert Meter tödliche Folgen haben.
Atomtransporte: Uran von Honeywell für Anreicherung in Gronau!
Die Anlage in den USA ist auch im großen Stil Lieferant für den deutschen Uranmarkt. In einer aktuellen Schriftlichen Kleinen Anfrage (Drucksache 18/01726, PDF) des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel vom Juni 2014 taucht Honeywell bei den Einfuhren von Natururan in Form von Uranhexafluorid zwischen 2007 und 2012 mit großen Liefermengen auf (Siehe dazu Bild mit Tabelle gleich unten). Erkennbar ist auch, dass die Mengen sich zwischen 2010 und 2012 auf jeweils rund 197.000 kg Uran gegenüber den Vorjahren reduzierten und in 2013 überhaupt keine Einfuhr erfolgte.
Ob dies mit den Arbeitskämpfen und den sicherheitstechnischen Nachrüstungen in Verbindung steht, muss offen gelassen werden. Denkbar wäre auch, dass sich die Importe aus anderen Gründen verschoben haben (z.B. Kosten).
Der größte Anteil der Einfuhren steht im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau bei Münster. Hier wird das UF6 benötigt, um den Anteil des spaltbaren Uran 235 auf das für den Betrieb in Atomkraftwerken erforderliche Niveau von rund o,7 Prozent (Natururan) auf 3 – 5 Prozent zu erhöhen. Die Anlage in Gronau ist ebenso wie die Brennelemente-Fabrik in Lingen vom Atomausstieg ausgeschlossen und verfügt über eine unbefristete Dauergenehmigung. In Gronau ist die Gewerkschaft IG BCE zuständig. Ob die sich in irgendeiner Weise mit den Arbeitskämpfen bei Honeywell in Metropolis befasst hat, ist mir derzeit unbekannt.
Ohne Atomtransporte wäre der internationale Uranhandel natürlich nicht denkbar. Viele dieser Transporte gehen durch den Hamburger Hafen, wo AtomkraftgegnerInnen derzeit aktiv sind.