Lesen gegen Vattenfall – mit Literatur für den Hamburger Energie Wechsel (HEW)

Mit Literatur gegen Vattenfall – Lesen ohne Atomstrom und für den Hamburger Energie Wechsel. Foto: Dirk Seifert

Die HEW sind zurück – und das dürfte den Atom- und Kohlekonzern Vattenfall mächtig ärgern. Gemeint sind nicht die Hamburgischen Electricitäts Werke (HEW), die Vattenfall um das Jahr 2000 gekauft hatte, in den Konzern integrierte und damit das 100 Jahre alte Label für die Stromversorgung der Hansestadt abschaffte. Die Beschäftigten fragten damals: Aus HEW wird Vattenfall – und was wird aus uns?

Jetzt wird HEW neu gemacht und ganz anders. Statt mit Technik und Bilanzen, wollen die neuen HEW die Energiewende mit Buchstaben, Papier und Stimme voranbringen: Mit Literatur nämlich, die sich für den Hamburger-Energie-Wechsel einsetzt. Damit geht nun ein weiteres Projekt gegen die offiziellen Lesetage des Vattenfall-Konzerns an den Start. In den letzten Jahren sorgten schon die Projekte „Lesetage selber machen“ und „Lesen ohne Atomstrom“ dafür, dass sich Vattenfall immer weniger an ihren mit den Gewinnen aus überhöhten Strompreisen zum Zwecke der Imageverbesserung organisierten Lesetagen erfreuen konnte. Jeweils im April führt Vattenfall diese Lesereihe durch.

HEW hat jetzt vor wenigen Tagen die ersten Highlights ihres Programms für Mitte April 2013 bekannt gegeben: „„Wir freuen uns sehr über die Zusagen von Ingo Schulze, Friedrich Ani und Harry Rowohlt. Ganz besonders ehrt es uns, dass die französische Krimiautorin Dominique Manotti unser Lesefestival beleben wird“, heißt es in einer Pressemitteilung von HEW-Lesetage – Lesen gegen Vattenfall.

Dabei kritisieren die OrganisatorInnen auch die Politik der Hansestadt Hamburg und vor allem die Kulturbehörde scharf, weil diese weiterhin einseitig die Vattenfall-Lestage hoffieren: Es ist „eine einseitige und unnötige Parteinahme für einen Wirtschaftskonzern, wenn die Kulturbehörde deren Pressekonferenz im Rathaus stattfinden lasse sowie Fördergelder an die Vattenfall-Lesetage ausschütte. Darüber hinaus sei es unverständlich und ebenso einseitig, dass die Vattenfall-Programme über die Schulbehörde direkt an die Schulen verteilt würden, nicht aber die Programme der anderen, gleichzeitig stattfindenden Lesetage, die ohne Gelder und Logo des Energieriesen auskommen.“ Getragen wird HEW vom Nautilis-Verlag, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) und der GWA St. Pauli (Gemeinwesenarbeit, Kultur- und Sozialarbeit St.Pauli).

Leseprojekte gegen Vattenfall – Gegen Greenwashing

Bereits in den letzten beiden Jahren gab es literarische Gegenaktionen: Mit Günther Grass und Nina Hagen am Start sorgte bereits 2010 das Anti-Vattenfall-Projekt „Lesen ohne Atomstrom“ direkt vor den Toren des AKW Krümmel für viel Aufsehen und stellte die offiziellen Vattenfall-Lesetage fast in den Schatten. Auch das Projekt „Lesetage selber machen – Vattenfall tschüss sagen“ sorgen mit vielen selbst organisierten Lese-Veranstaltungen quer durch die ganze Stadt für viel Aufsehen, sehr zum Ärger von Vattenfall.

Die massiven und künstlerisch spannenden Gegenaktionen kosteten das Unternehmen nicht nur Schlagzeilen. Unter dem enormen Druck der Anti-Vattenfall-Lese-Aktionen musste der NDR sich als Medienpartner von Vattenfall zurückziehen und stellte die Kooperation ein. Veranstaltungshäuser, die Vattenfall bislang genutzt hatte, sagten ihre Teilnahme ab. Stattdessen übertrug der NDR drei der Gegen-Leseveranstaltungen live!

Inzwischen tummeln sich bei den Anti-Vattenfall-Lesetagen bekanntere Namen, als Vattenfall zu bieten hat: Dieter Hildebrandt, Roger Willemsen, Frank Schätzing, Konstantin Wecker, Tobias Schlegl, Christian Quadflieg, Reinhold Beckmann und viele viele andere engagierten sich im Rahmen der Lesetage ohne Atomstrom gegen Vattenfall. Häuser wie das Altonaer Theater, die Fabrik, das Stadion des FC St. Pauli oder auch das Thalia Theater, das Deutsche Schauspielhaus und die Rote Flora gehören zu den Spielstätten. Immer häufiger bekommt Vattenfall die Rote Karte: Jetzt hat auch die Kampgnagel-Fabrik Vattenfall gekündigt und öffnet ihre Spielstätten für die HEW! Prima.

Dass Lesetage eine gute und förderungswürdige Sache sind, bestreitet niemand. Aber Vielen war und ist es ein Ärgernis, dass ausgerechnet der Pannen- und Skandalkonzern Vattenfall Literatur zum Greenwashing missbraucht: Pannenserien in seinen Atommeilern Brunsbüttel und Krümmel, jetzt Milliarden schwere Schadensersatzklagen, weil diese störanfälligen Reaktoren nach Fukushima endlich stillgelegt sind. Über 80 Prozent Stromerzeugung in besonders klimaschädlichen Braunkohlekraftwerken, für die der Konzern immer noch große Gebiete in der Lausitz im Braunkohletagebau zu Wüsten verwandelt, Menschen vertreibt und ganze Dörfer unterpflügt.

In Hamburg baut der Konzern derzeit an einem 1.600 MW Steinkohlekraftwerk mit enormen CO2-Emissionen. Von Energiewende ist da weit und breit bei Vattenfall nichts zu sehen. Und dennoch hält die in Hamburg allein regierende SPD an dem Konzern fest: Während ein breites Bürgerbündnis bei der anstehenden Konzessionsvergabe für die Strom- und Fernwärmenetze die vollständige Rekommunalisierung fordert und Vattenfall damit die Quittung für ihre Blockadepolitik gegen die Energiewende zeigen will, hat sich die Stadt Hamburg mit den Stimmen der SPD als Minderheitsaktionär bei den Vattenfall-Netzen untergehakt. Statt Energiewende, unterstützt Hamburg nun die wirtschaftlichen Interessen von Vattenfall.

Deshalb wird es im September 2013, parallel zur Bundestagswahl, zu einem Volksentscheid gegen Vattenfall und E.on Hanse (die das Gasnetz betreiben) kommen. Mehr unter: Vattenfall – kein Partner für Hamburg.

Locker bleiben – Dubtari

Wisst ihr noch was Daktari war? Und kennt ihr Dubtari? Die waren bei der Anti-Atom-Menschenkette zwischen den AKWs Brunsbüttel und Krümmel dabei, rockten nach dem Erfolg mit 120.000 Menschen den „Karl Marx Platz“ in Elmshorn, zusammen mit der Kleingeldprinzessin. Neulich haben Dubtari ohne schielenden Löwen ein tolles Konzert in der Fabrik in Altona eingespielt. Davon gibt es eine tolle DVD. Aber vor allem: Wir planen neue Dinge mit Atomausstieg, Energiewende und Dub! Die Wende wird tanzbar sein!

Gundermann: Alle oder keiner

Es ist immer zu viel los, immer wieder Themen, die es verdient hätten, kommentiert, diskutiert, kritisiert zu werden. Skandale, Sauereien, Unverschämtheiten großer Konzerne oder vermeintlicher Volksvertreter. Und machmal braucht es ein Innehalten, um in all dem Oben und Unten, dem Hin und Her, dem Sowohl als Auch, dem Einerseits oder Anderseits, das Grundsätzliche nicht aus den Augen oder – machmal viel besser – den Ohren zu verlieren.

Gundermann hilft z.B. dabei, dieses Grundsätzliche wieder zu finden, nicht zu verlieren, es bei sich zu behalten: Alle oder Keiner!

Alle oder Keiner? Ja, das war auch Ernst Busch. Sklave, wer wird dich befreien? Und Gundermann hat bestimmt dies und – na klar – Neil Young auf der Zunge und im Sinn! Rocking in the free world!

 

Stromnetze: Volksbegehren „Neue Energie für Berlin“ bewegt Politik zum Handeln

Berliner Stromnetze bald ohne Vattenfall?

Aktuelle Pressemitteilung: „Das Volksbegehren des Berliner Energietisches hat die Fraktionen von SPD und CDU unter großen Handlungsdruck gesetzt. Die Fraktionsvorsitzenden präsentierten heute einen eigenen Gesetzentwurf und einen Antrag zur Gründung eines Stadtwerkes als Tochterunternehmen der BSR. Zur Rekommunalisierung der Stromnetze hingegen findet sich in dem präsentierten Vorschlag nichts.

Den Gesetzentwurf von SPD und CDU wird das Bündnis nun sehr genau prüfen. „Erst wenn wir wissen wie viel Energietisch im Vorschlag von SPD und CDU enthalten ist, können wir entscheiden, wie es mit unserem Volksbegehren weitergeht“, erklärt Stefan Taschner, Sprecher des Berliner Energietisches.

Das Bündnis will vor allem seine Ziele, eine demokratische, ökologische und soziale Umgestaltung der Berliner Energieversorgung verbindlich verwirklicht sehen. „ Allein mit der Gründung eines Stadtwerkes ist es nicht getan. Dieses muss so ausgestattet werden, dass es die ihm zugewiesenen Aufgaben erfüllen kann. Gleiches gilt für Berlin Energie, das sich um die Stromnetze bewirbt“, so Taschner weiter.

Aber auch der Senat ist nun gefordert sich endlich zu diesem für Berlin so wichtigen Projekt zu äußern. Außer einer ablehnenden Stellungnahme zum Gesetzentwurf des Energietisches vom August diesen Jahres, hat sich der Senat nicht klar zu den Plänen der Fraktionen von SPD und CDU positioniert.

Am 17. Dezember läuft die Frist ab, in dem sich das Abgeordnetenhaus mit dem Gesetzentwurf des Berliner Energietisches befassen kann. Anschließend hat das Bündnis vier Wochen Zeit den Antrag auf ein Volksbegehren zu stellen. Ab Februar 2013 müssten dann in vier Monaten 200.000 Unterschriften gesammelt werden. Dann wäre ein Volksentscheid zur Bundestagswahl  möglich.

www.berliner-energietisch.net

In Hamburg wird es ebenfalls einen Volksentscheid zur Rekommunalisierung der Energienetze geben. Dort geht es um die Strom- und Fernwärmenetze von Vattenfall und um das Gasnetz von E.on Hanse. Mehr dazu hier.

Alles zu den Netzen und Rekommunalisierung hier.

Holger Strohm, ein Brief an die taz und einige gute Neonazis

Auch die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg und Contratom haben sich von den Äußerungen Holger Strohms (Friedlich in die Katastophe, Buch und Film) distanziert: In einem Interview mit dem rechtsextremen Magazin “Umwelt & Aktiv” hatte Strohm davon gesprochen, dass es „selbst unter Nazis gute Menschen“ gäbe. Inzwischen hat sich Strohm in einem Offenen Brief an die taz geäußert (hier der Brief als PDF). Die taz hatte in ihrer Wochenend-Ausgabe über das Interview berichtet und Strohms dortige Äußerungen zitiert: “Es gebe „selbst unter Nazis gute Menschen“. Für ihn sei vielmehr „ein Maßstab, ob man gegen Atomenergie ist, ob man für die Menschheit ist“. Das Tun sei wichtig „und nicht, was man sagt“.” Siehe auch hier auf umweltFAIRaendern.de

In seinem Brief an die taz stellt Strohm fest, dass er „Jemandem“ ein Interview gab, der sich als „Vertreter einer Anti-AKW-Initiative“ vorgestellt hatte. Die Zusage dieser Person, dass „nur eine von mir autorisierte Fassung veröffentlicht wird“ würde, sei nicht eingehalten worden, was man an der „Fülle von Grammatik- und Sachfehlern“ erkennen könne.

Ok, könnte man nun sagen: Sowas kann schon mal passieren. Dann wäre es eigentlich einfach, dass Strohm das feststellt, sich distanziert und das Magazin auffordert, das Interview aus dem Netz zu nehmen. Aber nichts davon tut Strohm.

Aber davon abgesehen: Wieso eigentlich spricht Strohm gegenüber einem „Vertreter einer Anti-AKW-Initiative“ aus dem Wendland von den Nazis, dass einige von denen sogar gute Menschen wären? Im Wendland laufen nicht gerade sonderlich viele Nazi-Umweltschützer rum, schon gar nicht in Anti-Atom-Initiativen organisiert. Aus welchen Gründen also spricht Strohm seinen Gesprächspartner in dieser Weise an?

Statt einer Entschuldigung und Distanzierung, verschanzt sich Strohm in der Rolle eines zu unrecht Kritisierten: Dem Autoren Speit wirft er vor, dass „die taz arge Pirouetten schlagen“ musste, um aus „diesem sehr kritischen Interview aus dem Strohm ein Nazi zu stricken -wo ihn sich doch andere als Radikalkommunist wünschen“ … (einEN Nazi müsste es jetzt heißen…).

Mit keinem Wort wirft ihm die taz jedoch vor, dass er ein Nazi ist! Die taz strickt auch gar nicht, sondern zitiert sachlich einwandfrei (samt der Fehler!) aus dem Interview. Die taz wirft ihm dann vor: „Seine Erkenntnis, dass Nazis sich „für die Menschheit“ einsetzten, ist, gelinde gesagt, ein Euphemismus. Mit dem Interview hilft er dem Magazin bei der Etablierung über die Szenegrenze hinweg.“ (Wenn Strohm keine Kenntnis davon hatte, wem er das Interview gegeben hat, wäre der zweite Vorwurf hinfällig, sofern sich Strohm distanzieren würde.)

Also: Die taz (und auch sonst hat dies m.W. keiner getan) sagt nicht, Strohm sei ein Nazi, sondern der Vorwurf lautet: Mit diesen Äußerungen in dem Interview verharmlost Strohm die Nazis!

Weiter schreibt Strom in Verdrehung der taz-Kritik: „Wahr ist: Ich habe vor Stalinisten und strammen Konservativen Vorträge gehalten. Jeder, der etwas dazulernen und klüger werden will, ist mir willkommen. Mir aber deswegen das Statement zu unterschieben alle Nazis seien gute Menschen, ist absurd.“

Was die ersten beiden Sätze mit dem dritten Satz zu tun haben, ist nicht nachvollziehbar. Aber, wieder unterstellt Strohm der taz etwas, was die gar nicht gesagt hat – und Strohm auch nicht im Interview sagt. Kritisiert wurde – siehe oben – das was Strohm in dem Interview schlicht wirklich gesagt hat, nämlich es gebe „selbst unter Nazis gute Menschen“. Also: Es geht um einen Teil der Nazis! Und diese Aussage muss man Strohm nicht „unterschieben“, sondern die steht – unwidersprochen vom Autor – online zum nachlesen!

Wer macht hier also Pirouetten?

In seinem Brief unterstreicht Strohm dann in der Folge auch genau diese „Teilmenge“:  „Apropos Nazis: 1938 waren mindestens 80 Prozent der Deutschen gute Nazis. Aber tausende von ihnen halfen jüdischen Mitbürgern unter Lebensgefahr oder waren selbst das Opfer einer verlogenen Propaganda. So wie heute, denn nicht jeder selbstgefällige Linke ist automatisch ein guter Mensch.“

Achtung: Die folgende Passage ist aufgrund einiger Hinweise korrigiert und geändert:

Es ist nicht ohne weiteres klar, warum Strohm ausgerechnet von 1938 schreibt. Vermutlich spielt er auf die Reichskristallnacht an, als überall in Deutschland Nazis jüdische Geschäfte überfielen und plünderten, Menschen jagten und Synagogen in Brand steckten. Spätestens mit diesen Ereignissen begann die systematische Vertreibung, Enteignung und dann Vernichtung der Juden aus Deutschland. Während laut Strohm 80 Prozent der Deutschen als „gute Nazis“ über die Juden herfielen, sollen einige Tausend Nazis als „gute Menschen“ ihnen geholfen haben. Sorry, aber wer angesichs derartiger Verbrechen, wie sie die Nazis begangen haben, noch Nazi ist, trägt Verantwortung.

Und von diesen Nazis, die „gute Menschen“ waren, sind dann Tausende “selbst das Opfer einer verlogenen Propaganda” der Nazis geworden? Selbst wenn das stimmen würde, was würde es für die heutige Situation bedeuten? Wo sind die heutigen Nazis, die sich als gute Menschen den bösen, weil Ausländer verprügelnden Nazis, in den Weg stellen? Aber darüber spricht Strohm dann gar nicht, sondern macht im folgenden Satz einen Schwenk oder soll ich Pirouette sagen?

„So wie heute, denn nicht jeder selbstgefällige Linke ist automatisch ein guter Mensch.“ Was haben diese selbstgefälligen Linken denn jetzt plötzlich mit den guten und nicht so guten Nazi-Menschen zu tun? Wer hat überhaupt behauptet, dass Linke gute Menschen sind? Was will Strohm eigentlich damit sagen? Was vergleicht er hier? Die NS-Verbrechen mit welchen heutigen Verbrechen selbstgefälliger Linken?

Sorry, Holger Strohm, aber die Pirouetten sind nicht bei der taz, sondern bestenfalls bei Ihnen selbst – und das wäre wohlwollend! Und der Offene Brief unterstreicht nur, was der Inhalt des Interviews schon zeigt: Sie verharmlosen die Verbrechen der Neo-Nazis!

 

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