Mehr Demokratie für die Hamburger Energiewende: Politischer Stromnetzbeirat vorgestellt

HEW1Die Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ geht einen weiteren Schritt, diesmal in Sachen mehr Demokratie bei der Energiewende. Ohne Vattenfall bekommt Hamburg und auch die BürgerInnen mehr demokratische Möglichkeiten der Gestaltung zurück. Jetzt liegt ein Antrag für die Einrichtung eines „politischen Stromnetzbeirats“ auf dem Tisch. Schon seit Monaten haben dazu Gespräche stattgefunden. Jetzt wird es mit dem von den rot-grünen Regierungsfraktionen vorgelegten Antrag offiziell. Weitere Beiräte, die später zusammengeführt werden sollen, werden mit der späteren Übernahme der Fernwärme (Vattenfall) und des Gasnetzes (E.on) folgen. Über den jetzigen Vorschlag wird zu diskutieren sein.

Nicht nur unter den Fraktionen in der Bürgerschaft, sondern als Fortsetzung der bisherigen Ausschusssitzungen über die Fortschritte bei der Umsetzung des Volksentscheids. Daran sind dann auch auf dieser Ebene sowohl die den Volksentscheid tragenden Verbände wie der BUND beteiligt, außerdem Gewerkschafts- und  Wirtschaftsvertreter. Der Antrag steht hier als PDF zum download. Unten folgt die PM der SPD-Fraktion als Dokumentation.

Im Bürgerschafts-Antrag heißt es:

Der Senat wird aufgefordert,
A. die Einrichtung eines politischen Stromnetzbeirats noch vor der Sommerpause 2015 zu initiieren und dabei die folgenden Eckpunkte zu berücksichtigen:

1. Aufgaben des Beirats

a. Der Beirat berät Gesellschafterversammlung, Aufsichtsrat sowie Vorstand und Geschäftsführung der SNH. Er unterbreitet diesen nach eigenem Ermessen Vorschläge für in den jeweils zuständigen Gremien zu fassende Beschlüsse, soweit es sich um Angelegenheiten von grundlegender Bedeutung handelt. Folgt das jeweils zuständige Gremium den Beschlussvorschlägen nicht, hat es dieses gegenüber dem Bei-rat zu begründen.
b. Der Beirat nimmt eine vermittelnde Rolle wahr im Dialog zwischen SNH, Politik, gesellschaftlichen Gruppen und Öffentlichkeit über die Fortentwicklung des Hamburger Stromnetzes im Sinne einer sozial gerechten, klimaverträglichen und demokratisch kontrollierten Energieversorgung aus erneuerbaren Energien.
c. Die gesellschaftsrechtlichen Zuständigkeiten bleiben unberührt.

2. Zusammensetzung des Beirats
Der Stromnetzbeirat der Stromnetz Hamburg GmbH setzt sich aus Vertreterinnen bzw. Vertretern folgender Organe, Organisationen oder Gruppen zusammen:

a. Fraktionen der Hamburgischen Bürgerschaft
b. An dem Verbund „Unser Hamburg unser Netz“ beteiligte Organisationen
c. Verbraucherzentrale Hamburg
d. Gewerkschaften
e. Hamburger Wirtschaft bzw. deren Verbände
f. Energiewirtschaft, insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energien, bzw. deren Verbände
g. Hamburger Hochschulen

3. Satzung des Beirats
a. Die Amtszeit des Beirats beginnt und endet mit der Legislatur der Hamburgischen Bürgerschaft.

Dokumentation: Presseerklärung der SPD-Fraktion Hamburg, Sonntag, 17.05.2015

Die rot-grüne Koalition wird den Volksentscheid zum Rückkauf der Energienetze unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit und gesellschaftlicher Gruppen weiter umsetzen. So wird mit einer Initiative der Fraktionen von SPD und Grünen zur nächsten Bürgerschaft Ende Mai die Einrichtung eines politischen Stromnetzbeirats noch vor der Sommerpause auf den Weg gebracht. Dieser Beirat soll Gesellschafterversammlung, Aufsichtsrat sowie Vorstand und Geschäftsführung von Stromnetz Hamburg beraten.

Ferner soll der Beirat eine vermittelnde Rolle im Dialog zwischen Stromnetz Hamburg, Politik, gesellschaftlichen Gruppen und Öffentlichkeit über die Fortentwicklung des Hamburger Stromnetzes im Sinne einer sozial gerechten, klimaverträglichen und demokratisch kontrollierten Energieversorgung aus erneuerbaren Energien wahrnehmen.

Dazu Monika Schaal, umwelt- und energiepolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Wir halten Wort bei der Umsetzung des Volksentscheids. Einen solchen politischen Stromnetzbeirat gibt es nirgends in Deutschland. Er ist bisher einzigartig. Mit diesem Gremium schaffen wir ein Höchstmaß an Transparenz und Beteiligung bei der Umsetzung der Energiewende in Hamburg. So richten sich die öffentlichen Fragestunden nicht nur an Verbände, sondern sollen ebenso ein Forum für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt sein. Das ist vorbildlich. Ich bin davon überzeugt, dass die Rekommunalisierung der Netze nur im engen Schulterschuss mit allen Beteiligten erfolgreich abgeschlossen werden kann. Auch die Energiewende wird nur gelingen, wenn alle mitgenommen werden.“

Dazu Ulrike Sparr, umwelt- und energiepolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Das Stromnetz gehört der Stadt und damit den Hamburgerinnen und Hamburgern. In der Umsetzung des Volksentscheids war und ist uns Grünen Beteiligung und Transparenz besonders wichtig. Das erfüllen wir jetzt mit der Schaffung des Stromnetzbeirats. Dieses Gremium versammelt alle wichtigen Akteure in Sachen Netzerückkauf – von der Initiative ‚Unser Hamburg unser Netz‘ über die Wirtschaft und den Verbraucherschutz bis zur Wissenschaft.“

Hintergrund:
Dem Beirat sollen Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen der Hamburgischen Bürgerschaft, der Beteiligten des Volksentscheides, der Verbraucherzentrale, der Gewerkschaften, der Hamburger Wirtschaft beziehungsweise deren Verbänden, der Energiewirtschaft – insbesondere aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien – und der Hamburger Hochschulen angehören. Die Amtszeit des Beirats ist jeweils an die Wahlperiode der Bürgerschaft gebunden. Der Beirat tagt zweimal im Jahr und beginnt jeweils mit einer öffentlichen Fragestunde. Der Beirat und seine Mitglieder haben umfassende Informations- und Einsichtsrechte. Vorstand und Geschäftsführung von Stromnetz Hamburg informieren den Beirat laufend über alle Angelegenheiten, die von grundlegender Bedeutung sind. Im Zuge des Erwerbs des Gas- und Fernwärmenetzes soll bei diesen Gesellschaften ebenfalls ein solcher Beirat eingerichtet und alle Beiräte zu gegebener Zeit zusammengeführt werden.

Wärme Dialog: Hamburg weiter vorn? Hoffentlich auch beim Klimaschutz!

MathiasEderhoff
Wie geht es weiter mit dem Ersatz des Fernwärme-Kohlekraftwerks in Wedel und den Alternativen für mehr Erneuerbare? Ein Beitrag im Wärme-Dialog von Matthias Ederhof.

Seit nunmehr über einem Jahr läuft in Hamburg der sogenannte Wärme-Dialog, der nach dem erfolgreichen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ zur vollständigen Rekommunalisierung der Energienetze in Gang gekommen ist. Im Zentrum steht dabei vor allem der Ersatz des alten und ersatzbedürftigen Kohleheizkraftwerks in Wedel, mit dem die Fernwärmeerzeugung für den Hamburger Westen betrieben wird. Die Anlage ist nicht nur marode, sondern auch klimapolitisch von vorgestern. Ehemals hatten Vattenfall und die Stadt dort ein großes neues Gaskraftwerk vorgesehen. Doch nach dem Volksentscheid und der kommenden vollständigen Übernahme der Fernwärme ist nicht nur die Rekommunalisierung auf dem Weg, sondern es geht auch um neue Formen demokratischer Mitwirkung. Umweltbehörde, Gutachter, Vertreter von Energiefirmen, Energieinitiativen und Umweltverbände verhandeln bzw. debattieren seither über die Alternativen. Dezentrale und Erneuerbare Energien sind dabei ebenso Thema, wie andere Standorte jenseits von Wedel. Inzwischen gibt es einen rot-grünen Senat und in der Umweltbehörde haben die Grünen das Ruder übernommen. Natürlich gibt es in so einem Prozess, der vergleichsweise neu ist, auch Probleme. Matthias Ederhof, aktiv z.B. bei der Hamburger EnergieNetz-Genossenschaft, ist an dem Dialog beteiligt. Hier sein Beitrag zur Lage der Dinge, zu den Chancen und Risiken. „Wärme Dialog: Hamburg weiter vorn? Hoffentlich auch beim Klimaschutz!“ weiterlesen

Olympia Hamburg: Preisabsprachen im „Grenzbereich“ – Bußgeld für Chef des Olympischen Sportbundes

Wer zahlt für den Atommüll? Konzerne oder BürgerInnen?
Rechtswidrige Preisabsprachen? DOSB-Chef Hörmann akzeptiert Bußgeld und spricht von „Grenzbereich“

Alles nicht so ganz sauber hier: „Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, zahlt wegen illegaler Preisabsprachen aus seiner Zeit als Geschäftsführer eines Baustoffunternehmens 150.000 Euro Bußgeld. Seine damalige Rolle bezeichnete er als „schwer einzuschätzende Gratwanderung“. In Zeiten der Glaubwürdigkeitskrise des Sports könnte das Hörmanns Vorbildfunktion schaden.“ So berichtet der Deutschlandfunk auf seiner Seite. Der Vorgang spielt in einem Kartellverfahren. Das Bundeskartellamt hat für die Creaton AG, bei der Hörmann Geschäftsführer war, ein Bußgeld von insgesamt 66 Millionen Euro – ausgesprochen. Dagegen klagt das Unternehmen. Das Verfahren hat am letzten Montag in Düsseldorf begonnen. Dadurch, dass Hörmann das Bußgeld akzeptiert, braucht er nicht vor Gericht zu erscheinen. Allerdings: Es könnten unter Umständen später zu weiteren Schadensersatzforderungen gegen ihn kommen. Insgesamt sind sechs Unternehmen an dem Vorgang beteiligt und Bußgelder in Höhe von 165 Mio. Euro verhängt worden. „Olympia Hamburg: Preisabsprachen im „Grenzbereich“ – Bußgeld für Chef des Olympischen Sportbundes“ weiterlesen

Olympia, der Hafen und wie das gehen soll – Stadtumbau und ein „bisschen Sport“

ZumAusgangGehenAlles nicht so einfach, mit dieser Olympia-Bewerbung. Darüber berichtete Hamburg1 zum Hafengeburtstag in einer Sendung von Herbert Schalthoff mit Christine Beine, Geschäftsbereich Infrastruktur Handelskammer Hamburg, Gunther Bonz, Präsident Unternehmensverband Hafen Hamburg e.V. und Anjes Tjarks, B´90/Die Grünen, Fraktionsvorsitzender. Da die Sendung viele wichtige Fragen vor allem mit Blick auf die Um- und Neuansiedlung der Betriebe im Hafen, aber auch auf Fragen zur Finanzierung und den Problemen zwischen Wohnen und Hafen diskutierte, haben wir uns mal die Mühe gemacht, einen Teil der Sendung zu verschriftlichen. Im Zweifelsfall ist es sicher sinnvoll, den Beitrag von Hamburg1 als Video anzuschauen.

Für Christine Beine aus dem Geschäftsbereich Infrastruktur der Hamburger Handelskammer ist Olympia: „Ich glaube, mit Olympia haben wir die Chance, die Stadt umzubauen und ein großes Stadtentwicklungsprojekt zu realisieren. Und auf dem Weg dorthin machen wir ein bisschen Sport.“ Und in diesem Zusammenhang muss auch der Hafen „ein bisschen umgebaut“ werden. Das mit dem Hafen dürfte keine einfache und keine billige Sache werden. Günther Bonz, Chef des Unternehmens-Verbandes Hamburger Hafen sieht in der Umsiedlung der betroffenen Hafenbetriebe und den gesamten Umbau im Hafen eine „sportliche Herausforderung“ und das sei inzwischen auch in den Hamburger Behörden angekommen. Die Zeitachse bis 2024 ist sehr sehr knapp, stellt er fest, wenn man große Betriebe verlagern will und für die man erstmal Ersatzflächen finden und bereitstellen muss.

Bonz sagt, die Betriebe im Hafen wären Feuer und Flamme für Olympia, allerdings unter der Voraussetzung, dass es Ersatzflächen „ohne irgendwelche wirtschaftlichen Nachteile“ gäbe. „Und da hakt es noch“.  Dabei vergleicht er die Situation für die Betriebe mit Bewohnern eines Hauses, dass abgerissen werden soll, ohne das klar wäre, wo sie danach wohnen sollen. Daher seien die Unternehmen „in Sorge“. Dem „großen städtischen Unternehmen habe man eine Rahmenvereinbarung zugesichert und auch abgeschlossen, die in Ordnung ist“ – gemeint ist die HHLA – „und wir erwarten, dass diese 1-1, gerade auch für die Mittelständischen gilt, aber da hakt es noch, wir wissen nicht warum“.

Während der Grüne Fraktionsvorsitzende sagt, es würde derzeit viel „gequatscht“, sieht die Handelskammer im westlichen Bereich des Kleinen Grasbrooks „sensible Nutzungsmischungen, auf die wir aufpassen müssen“.  Bis November müsste ein fertiges Verlagerungskonzept in einem ambitionierten Prozeß vorliegen. Da habe die HPA jetzt einen nicht ganz einfachen Job, sagte Beine.

Bonz reagiert darauf mit „Man könne dazu nur den Kopf schütteln“. Damit reagiert er auf die Ansage, dass möglicherweise Betriebe, die heute eine bestimmte Fläche nutzen, künftig auch effizienter sein könnten und mit weniger Fläche auskommen. Bonz hält das für eine Unterstellung. Derartiges müsse man zwar untersuchen, es könne aber nicht Grundlage sein. Außerdem verwies er darauf, dass mit der HHLA eine Vereinbarung geschlossen wurde, dass diese 1:1 Ersatzflächen bekomme. Das sei zunächst auch den mittelständischen Unternehmen zugesagt worden, aber: „Dieses wurde jetzt eingefordert, aber abgelehnt. Da stimmt irgendetwas nicht“.

Und er droht: „Wenn man nicht mit Ehrlichkeit mit diesen Unternehmen umgeht, dann werden diese aus dem Olympia-Paket aussteigen“.

Beine fordert, dass alle Kosten für die Umlagerung der betroffenen Betriebe vom Bürger übernommen werden müssen. Herbert Schalthoff fragt nach, ob das nicht für die Betriebe auch als große Chance genutzt werden könnte, um damit verbunden eine auf Kosten der Steuerzahler finanzierte Modernisierung vorzunehmen. Bonz weist das zurück, die Betriebe sind modern und sollen aus der Umsiedlung keine Vorteile ziehen oder einen Reibach machen.Wohin diese Betriebe umgesiedelt werden können, ist offenbar in keiner Weise klar. Bestenfalls gibt es einige Ideen.

Bonz kritisierte auch früher Umbauten im Hafen unter Schwarz-Rot, die rund 140 Mio Euro gekostet hatten und so heute nicht mehr erforderlich sind.

Auch die Wohnungsbebauung war Thema. Die Hafenwirtschaft ist hier wenig amüsiert, dass Wohnen näher an die Hafenbetriebe heranrücken soll, weil das auch mit Betriebseinschränkungen und kostenträchtigen Auflagen verbunden sein kann.Beine spricht davon, ähnlich wie bei der Hafen-City, eine Vereinbarung anzustreben, die die Duldung der Emissionen der Hafenbetriebe zu akzeptieren habe. Es dürfe keine Veränderungen gegenüber der jetzigen Situation geben. Auf die Frage, ob die Duldung eines schlechten Umweltstandards der Weg sein könnte, sagt Tyarks: Wir sind bereit für das Problem eine Lösung zu finden. Der Hafen solle ein „bisschen ökologischer und grüner werden“. Über Gebühr sollen die Betriebe aber nicht belastet werden. Bonz: Das Thema Duldung wird nicht funktionieren, weil im Zweifelsfall später Gerichte feststellen werden, dass die Nachtruhe der Bewohner Vorrang vor den betrieblichen Interessen einer nächtlichen Produktion. Das wäre eine Abwägung zum Gesundheitsschutz. Deswegen, so Bonz, habe der Senat auch schon mal angedeutet, das Baugesetzbuch zu ändern, um so was besser zu ermöglichen. Außerdem sei der einzige Weg, in der Nachnutzung einen Riegel zwischen dem Wohnbereich und den Hafenbetrieben zu errichten. Das aber hätte zur Folge, dass die geplante Anzahl von Wohnungen auf der Fläche gar nicht unterzubringen wären, so Bonz.

Schon länger gäbe es Debatten um eine Nicht-Hafennutzung auf dem Grasbrook. Bonz spricht „mit allem drum und dran“ von rund 2400 Arbeitsplätzen, die derzeit mit den Betrieben auf dem Grasbrook verbunden. Von der HHLA, so Anjes Tyark, neuer Fraktionsvorsitzender von den Grünen, sei bislang immer von 1.100 Arbeitsplätzen, die einen Großteil der Fläche auf dem Grasbrook nutzt. Er sagte auch, Moorburg dürfe für die Umsiedlung nicht angetastet werden, das sein „ausgeschlossen“. Steinwerder, Trave-Hafen könnte einer der Zielorte sein, so Tyarks.

Bonz sieht erhebliche Probleme, weil bei der Umsiedlung immer auch andere Betriebe betroffen sind. Er spricht von einem „Domino-Verlagerungs-Effekt“ und kritisiert, dass hier nicht zu ende gedacht wurde. Er sieht insgesamt nicht, dass man langfristig an Moorburg vorbei komme, auch wenn das wegen 2024 wohl nicht passieren dürfte.

Es wird einen umfangreichen Finanzbericht zum Referendum geben, aber keine Zahl, so Tyarks. Daher sollen Risiken und Chancen und auch Refinanzierungsmöglichkeiten aufgelistet werden. Auch externe Möglichkeiten müssen berücksichtigt werden, zum Beispiel vom IOC.

Bonz kritisiert dies, auch mit Blick auf den Bund. Die Kosten müssten am Anfang klar ermittelt werden. Er verweist auf frühere Kosten im Zusammenhang mit dem Mühlenberger Loch, wo rund 1,1 Mrd MARK eingesetzt werden mussten. Gegenüber der jetzt anstehenden Planungen für den Graasbrook sei das ein eher kleines Projekt gewesen. „Ich prophezeihe einmal… dass wir beim Kleinen Graasbrook für die Flächenbereitstellung und -Aufbereitung bei dem doppelten dieses Betrags liegen werden.“ Das wären dann also 1,1 Mrd Euro für diese Umsiedlung. Mit allen erforderlichen Maßnahmen wäre man schnell bei ein bis zwei Milliarden Euro, sagte Bonz.

Tyark will diese Zahlen nicht bestätigen und will derzeit keine Zahlen nennen. Erst am Ende des Planungsprozeßes könne man genaues sagen, spricht aber auch davon, dass man in der Lage sein müsse, trotz Planungskosten das Projekt zu beenden, wenn die Kosten zu hoch sind.

Beine verweist darauf, dass auch danach noch weitere Kosten auf dem Grasbrook entstehen, die bis zum November vorliegen müssen. Bonz verweist darauf, dass es unterschiedliche Aussagen des Senats gibt. Tyarks: Über 11 Olympia-Budgets werde es im vorgesehenen Finanzbericht Aussagen geben. 3,5 Mio. Euro kostet der Masterplan Olympia, der jetzt in Auftrag gegeben wurde.

Hamburger Handelskammer-Chef mobilisiert gegen „instrumentalisierte“ Abendblatt-Redakteure in Hamburg

Handelskammer und Senat: Vorderseite und Rückseite des Hamburger Rathauses. Foto: Dirk Seifert
Der Präses der Handelskammer Hamburg mobilisiert gegen die Berichterstattung im Abendblatt: Fritz Horst Melsheimer. Foto: Dirk Seifert

Da verstehen die Handelskammer Hamburg und ihr Präses keinen Spaß. In Sachen Olympia-Bewerbung von Hamburg verspricht sie uns jede Menge Transparenz. Wenn es aber um den eigenen Laden geht, wird mit harten Bandagen gekämpft. Das bekommen nun auch Abendblatt-Redakteure zu spüren. Offenbar hat ein erboster Handelskammer Präses Melsheimer als Reaktion auf die Berichterstattung im Abendblatt in einer Mail – deren Kopie umweltFAIRaendern vorliegt – an die NICHT-Mitglieder der „W-Gruppe“ geschrieben und diese aufgefordert, sich per Telefon oder Email an den Redakteur Jens Meyer-Wellmann, „der von der W-Gruppe offenbar instrumentalisiert wurde“, und den stellvertretenden „Abendblatt“-Chefredakteur Matthias Iken zu wenden und denen „Ihre Meinung“ direkt mitzuteilen.

Letzte Woche hatte Jens Meyer-Wellmann mit zwei Artikeln über das Scheitern einer Satzungsänderung im Plenum der Handelskammer im Abendblatt berichtet. Dort sitzen inzwischen auch „Rebellen“, die für mehr Transparenz und Demokratie in der Handelskammer streiten, unter dem Namen „Die Kammer sind Wir“ firmieren und seit dem Frühjahr 2014 für mächtig Wirbel sorgen.

In der Mail an die Plenumsmitglieder, die „nicht Mitglied der W-Gruppe sind“ ist die Rede davon, dass die „Tatsache der heutigen „Abendblatt“-Berichterstattung und die Umstände des gestrigen Nachmittags/Abends zeigen, dass von Seiten der W-Gruppe die Vertraulichkeit noch vor der Verabschiedung des offiziellen Sitzungsprotokolls einmal mehr bewusst missachtet worden ist, um eine einseitige, tendenziöse Informationspolitik zu betreiben. Sofern Sie persönlich in der Sitzung anwesend waren, werden Sie hierzu bereits eine eigene Bewertung vorgenommen haben. Für mich selbst ist leider festzuhalten, dass eine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der W-Gruppe nicht mehr gegeben ist.“ Die NICHT-WIR-Mitglieder werden dann aufgefordert: „Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Meinung dem Journalisten, der von der W-Gruppe offenbar instrumentalisiert wurde, und dem stellvertretenden „Abendblatt“-Chefredakteur direkt mitzuteilen (Hervorhebung umweltFAIRaendern.de). Sie erreichen beide wie folgt: (MAIL UND TELEFON (MOBIL) werden genannt und hier natürlich nicht veröffentlicht!). Für Ihr Feedback bin ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Fritz Horst Melsheimer Präses“.

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