Die Handelskammer Hamburg und das Elend mit der Transparenz

mehr-demokratieDie Handelskammer Hamburg ist eine der mächtigsten Wirtschaftsvertretungen in der Hansestadt. Gegen ihre Interessen und Kampagnen hat bislang kaum ein Senat je standgehalten. Ohne sie gäbe es derzeit keine Olympia-Bewerbung. Und sie war es, die sich mit viel Geld und Macht z.B. (erfolglos) gegen den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ gestellt hat und die Atomkonzerne Vattenfall und E.on vor der Rekommunalisierung der Energienetze schützen wollte. Das Verhalten der Handelskammer beim Volksentscheid hat ein Reformbündnis in die Welt gebracht: „Die Kammer sind WIR“ kandidierte zur Plenumswahl und ist seit Frühjahr 2014 mit 13 der 66 Sitze im Plenum vertreten. Seitdem spitzen sich die Konflikte um Transparenz und Demokratisierung der Handelskammer zu. Zuletzt scheiterte eine geplante Satzungsänderung. „Die Handelskammer Hamburg und das Elend mit der Transparenz“ weiterlesen

Kein Klima mit Braunkohle – Arbeitsplätze für Klimaschutz

Anti-kohle-kette-2Die Gewerkschaften machen mobil für den Erhalt der Arbeitsplätze in den (Braun)Kohlegebieten von Vattenfall, RWE und den anderen Stromkonzernen. Am kommenden Samstag – wenn im Rheinland die Anti-Kohle-Kette stattfindet – wollen sie in Berlin demonstrieren. Anlass für diese Aktionen von Verdi und IGBCE sind Pläne von Wirtschaftsminister Gabriel, eine Kimaabgabe einzuführen, die bei älteren Kohlekraftwerken zu einer stärkeren wirtschaftlichen Belastung und ihrer Stilllegung führen würde. Damit will Gabriel erreichen, dass die Klimaschutzziele der Bundesrepublik eingehalten werden können. Außerdem dürfte nebenbei ein Beitrag dazu geleistet werden, die hohen Stromkapazitäten abzubauen.

In der Welt ist zu lesen: „Am Ende steht der soziale Blackout ganzer Regionen“, heißt es bei der Gewerkschaft IG BCE: „Wer kurzfristig aus der Kohle aussteigen will, riskiert eine sichere und bezahlbare Energieversorgung.“ Mit einer Großdemonstration will die Gewerkschaft deshalb am 25. April vor dem Bundeskanzleramt gegen Baakes Kohlepläne mobilmachen. Erwartet werden mehr als 10.000 Teilnehmer: „Es reicht, wir wehren uns!“, heißt es in dem Aufruf.“

Ja, gut gebrüllt. Nur, wer will eigentlich kurzfristig aus der Kohle aussteigen? Die Bundesregierung und Gabriel jedenfalls nicht. Aber richtig ist: CO2-Emissionen sollen mit einer Klimaabgabe belastet werden. Das würde vor allem ältere Kohle-Kraftwerke mit höheren Emissionen aus dem von großen Überkapazitäten geprägten Strom-Markt drängen.

Die Klimaretter loben die Pläne von Gabriel in einem Beitrag von Benjamin von Brackel in hohen Tönen: „Eines muss man Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) lassen: Raffinierter hätte er den Einstieg in den Kohleausstieg kaum in die Wege leiten können. Zwar laufen in diesen Tagen Gewerkschaften, Unternehmen und Politiker von Union und SPD inklusive der Landeschefs von Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen Sturm gegen seinen Vorschlag eines „Klimabeitrags“, den die Energieunternehmen für ihre ältesten und ineffizientesten Kohlekraftwerke entrichten sollen, damit Deutschland noch seine Klimaziele für 2020 erfüllt. Allerdings fällt es Gabriels Gegnern sichtlich schwer, stichhaltige Argumente gegen den Plan zu finden. Sie beißen sich die Zähne aus.“ Andere wie Franz Alt sprechen auf der Sonnenseite vom Endspiel um die Kohle.

Die Gewerkschaften IG BCE und Verdi jedenfalls geben Alarm für die Arbeitsplätze. Vor allem in der Lausitz (Vattenfall) und in NRW (RWE) werden massive Auswirkungen befürchtet, denn die dortigen Braunkohetagebaue sind direkt mit dem Betrieb der  Kraftwerke verknüpft. Die Stuttgarter Nachrichten: „Von den 38 Kraftwerksblöcken, die derzeit Braunkohle verstromen, würden die allermeisten unprofitabel, wenn Gabriels Plan eines Klimaschutzbeitrages umgesetzt wird. Dies geht aus Berechnungen hervor, die die IGBCE anhand von Daten der Industrie angestellt hat und Gabriel gestern zukommen ließ.“ Selbst Verdi geht nun in die Vollen: „Nach ostdeutschen Länderchefs hat sich jetzt auch ver.di-Chef Frank Bsirske entschieden dagegen ausgesprochen. Die Abgabe bedrohe bis zu 100.000 Arbeitsplätze, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Pläne könnten zu einem „tiefgehenden Strukturbruch“ in den Braunkohlerevieren führen“, berichtet die Tagesschau. Demnach sollen 30.000 Arbeitsplätze direkt und 70.000 indirekt von den Plänen Gabriels betroffen sein.

Abgesehen davon, dass diese Zahlen weit übertrieben sein dürften. Dass Gewerkschaften wie Verdi und IG BCE nun langsam mitbekommen, dass es einen massiven Strukturwandel in der Energiewirtschaft gibt, der auch vor der Braunkohle nicht halt macht, ist wieder einmal ein Hinweis, der vor allem eines zeigt: Die Hilflosigkeit und Konzeptlosigkeit von IG BCE und Verdi in dieser Frage. Die jetzt von Gabriel vorgeschlagene Abgabe ist bei weitem kein Strukturbruch, sondern bestenfalls eine gewisse Beschleunigung, eher aber eine Lenkungsmaßnahme. Der eigentliche Strukturwandel ist längst im Gange und hat mit dieser Maßnahme nichts zu tun.

Keine Frage: Soziale Sicherheit für die Beschäftigten gehört ganz weit nach oben auf der Skala der zu schützenden Interessen in der Energiewende. Aber das darf nicht gegen die Klimakatastrophe gestellt werden. Übersehen werden darf nicht: Seit vielen Jahren sind die Kohle- und Stromkonzerne dabei, ihre schweren Investitions- und Strategiefehler unter anderem mit massivem Stellenabbau ein wenig zu korrigieren. So um die 20.000 Arbeitsplätze dürften durch diese Sanierungspolitik der Chefetagen in den Konzernen in den letzten Jahren abgeschafft worden sein. Das läuft weitgehend „sozialverträglich“ ab. Laute öffentliche Proteste sind von den Gewerkschaften dazu kaum zu vernehmen.

Die Energiewende ist über ein Jahrzehnt alt und spätestens in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre wurde Schritt für Schritt erkennbar, dass die „Großen Vier“ zunehmend Probleme bekamen. Finanz- und Wirtschaftskrise einerseits – ein erheblich schneller wachsender Markt erneuerbarer Energie mit neuen Akteuren andererseits. Das Scheitern der Laufzeitverlängerung nach Fukushima war vor allem das Scheitern der Sanierungsstrategie der Konzerne. Die Milliarden-Beträge aus der Atomenergie sollten den längst überfälligen Umbau finanzieren. Daraus wurde nichts.

Die Stromerzeugungskapazitäten sind viel zu groß und die Konzerne ruinieren sich selbst die Preise. Die Blockade gegen die Erneuerbaren ist auf der ganzen Linien gescheitert. Nach und nach gehen derzeit neue Kohlekraftwerke ans Netz und erhöhen die Kapazitäten noch einmal. Da hilft auch nicht, wenn Atomkraftwerke viel zu langsam abgeschaltet werden.

Es gibt sicher viele Wege, die CO2-Emissionen zu senken. Allerdings gibt es keinen Weg daran vorbei, den extrem umweltschädlichen Braunkohletagebau und die besonders klimaschädliche Braunkohleverstromung Schritt für Schritt zurückzufahren. Die Konzerne selbst haben noch vor Jahren immer wieder beteuert, dass ihre vermeintlich hypermodernen neuen Kohlekraftwerke dafür sorgen, dass ältere und klimaschädlichere Kohlekraftwerke aus dem Markt gedrängt würden. Auch aus gewerkschaftlichen Reihen sind damals entsprechende Argumente bekommen. Die Strompreise sind im Keller und werden es langfristig wohl auch bleiben. Und an einem kleinen Punkt wird die Stellschraube jetzt mit der Klimaabgabe ein wenig gedreht.

Längst hätten die Gewerkschaften sehen können, wie massiv der Strukturwandel sein wird. Seit vielen Jahren fordern Umweltverbände die Politik und die Betroffenen auf, diesen Strukturwandel zu planen, den Umbau zu organisieren. Unter anderem, damit die sozialen Folgen besser gemeistert werden können. Doch statt diese Debatte zu führen und konkrete Maßnahmen zu betreiben, wurden Umwelt- und Klimaschützer lieber beschimpft und verunglimpft. In der Lausitz ebenso wie im Rheinland.

Siehe auch Labournet.

Kosten der Atommülllagerung: Unternehmen an die Leine legen – BUND fordert Haftungssicherung

vielgeld2Dokumentation: BUND legt Analyse der Atom-Rückstellungen vor – Bundesregierung muss für Transparenz sorgen und Rückstellungen schnell sichern: Die Atom-Rückstellungen der Energiekonzerne RWE, Vattenfall, Eon und EnBW für Stilllegung und Rückbau der Atomanlagen sowie für die Atommülllagerung beliefen sich bis Ende des Jahres 2014 auf insgesamt 37,8 Milliarden Euro. Dies geht aus einer aktuellen Analyse hervor, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erstellt hat.

Die Analyse zeigt, dass die Kraftwerksbetreiber nur unzureichend informieren, für welchen genauen Zweck, für welches Kraftwerk und für welchen Zeitpunkt die Rückstellungen vorgesehen sind. Auch über Beweggründe für Aufstockungen oder Auflösungen von Rückstellungsbeträgen veröffentlichen die Energiekonzerne nur wenige Informationen. Zudem sind Niveau, Entwicklung und Struktur der Rückstellungen sehr unterschiedlich.

So lagen die Rückstellungen für Atomkraftwerke in Betrieb Ende 2013 zwischen rund 1.300 Euro/kW (AKW Emsland) und 2.100 Euro/kW (AKW Brunsbüttel). RWE hat Atomrückstellungen von rund 1.300 Euro/kW gebildet, Vattenfall von über 2.000 Euro/kW.

Unterschiedliche Methoden bei der Bilanzierung der Atomrückstellungen in den Geschäftsberichten schränken den Informationswert und die Vergleichbarkeit der Angaben stark ein. „Es ist zweifelhaft, ob diese Unterschiede sachlich gerechtfertigt sind. Mit den neuesten Veröffentlichungen zum Bilanzjahr 2014 hat die Intransparenz sogar noch zugenommen“, sagte der BUND-Atomexperte Thorben Becker.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte Mitte März angekündigt, die Atom-Rückstellungen erstmals einem Stresstest unterziehen zu wollen. „Es braucht dringend eine unabhängige und transparente Kostenschätzung. Die Bundesregierung muss nach jahrzehntelanger Intransparenz schnellstens klären, welche Rückstellungen wo und zu welchem Zweck vorhanden sind“, sagte Becker. Nach Einschätzung des BUND-Atomexperten ist die Finanzierung der Folgekosten der Atomenergie infrage gestellt, sofern die bisher gebildeten 37,8 Milliarden Euro Rückstellungen in der Hand der Stromkonzerne verbleiben.

„Die Rückstellungen für die Lagerung des Atommülls müssen schnellstens in einen öffentlich-rechtlichen Fonds überführt werden“, sagte Becker. Es bestehe akuter Handlungsbedarf, auch weil Eon gerade seine alten Kraftwerke ausgliedere und Vattenfall seine Braunkohlesparte verkaufe. Die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke hätten in den zurückliegenden Jahren mit den Rückstellungen für die Atommüllentsorgung Zusatzprofite in Höhe von rund 80 Milliarden Euro erwirtschaftet. Diese Gelder seien jedoch in den Bilanzen und Gewinnen der AKW-Betreiber verschwunden.

„Die Gefahr ist groß, dass die Rückstellungen schon bald nicht mehr verfügbar sind. Es müssen zusätzliche Maßnahmen zur Haftungssicherung eingeleitet werden. Die AKW-Betreiber müssen nicht nur die vorhandenen Rückstellungen in den öffentlich-rechtlichen Fonds einbringen, sondern auch für zu erwartende Kostensteigerungen haften“, forderte Becker.

Die Analyse „Atomrückstellungen für Stilllegung/Rückbau und Entsorgung – Analyse der Rückstellungen Ende 2014 – Konzerne und einzelne Kraftwerke“ des FÖS im Auftrag des BUND kann als PDF heruntergeladen werden.

Pressekontakt: Thorben Becker, BUND-Atomexperte, E-Mail: thorben.becker@bund.net bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586-425/-489, E-Mail: presse@bund.net

Jutta, die Streitbare, geht – Politik ist berechenbar

Jutta Blankau  © DBT
Hört auf. Jutta Blankau (SPD) © DBT

Neulich sorgte die Überschrift „Grüner Erfolg in Hamburg – Jutta Blankau (SPD) bleibt Umweltsenatorin“ für Irritationen. Offenbar glaubten viele LeserInnen, dass dies möglich wäre. Nun kommt aber die Meldung, die lange zu erwarten war: Die streitbare ehemalige Chefin der IG Metall Küste, Jutta Blankau, wird demnächst Ex-Senatorin sein. Das meldet u.a. der NDR. Bereits im August soll sie Olaf Scholz mitgeteilt haben, dass sie für eine weitere Legislatur nicht zur Verfügung stünde. Angesichts der geplanten Koalition von SPD und Grünen ist das nicht weiter überraschend. Mit Umweltpolitik fiel die Senatorin in den letzten Jahren eher weniger auf. Stattdessen dürfte man sie als Bausenatorin in Erinnerung behalten. So bitter das klingen mag: Für die Umweltpolitik könnte allein der Abgang von Blankau, völlig unabhängig eines rot-grünen Koalitionsvertrags, eine deutliche Verbesserung darstellen.

Aufatmen dürfte es auch in den Umwelt-Abteilungen der Behörde geben. Dort hatte es in den letzten Jahren mächtig Frust ob des Stils und den Schwerpunkten der Senatorin Blankau gegeben.

Und nicht vergessen werden darf ihr betont intensives Zetern gegen den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“, der die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze forderte und per Volksentscheid auch durchsetzte. Als ehemalige IG-Metallerin war sie gegenüber einem Unternehmen wie Vattenfall meist – sagen wir mal – weniger kritisch eingestellt. Während andere führende SPD-Politiker nach dem Volksentscheid auf Kooperation umschalteten und sich an die Umsetzung machten, unterließ es Blankau selten, auch im Nachhinein festzustellen, dass der Volksentscheid nicht so ganz ihre Auffassung von sinnvoll wäre.

So oder so: Eine wirklich streitbare Politikerin steigt damit aus der Hamburger Senatspolitik aus.

Atomkonzern AREVA: Krise und Stellenabbau in Deutschland

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Atomenergie in schwerer Krise: Der Stellenabbau bei AREVA geht weiter. Foto: Dirk Seifert

Die schwere Krise des französischen Atomkonzerns AREVA mit zuletzt einem Verlust von über vier Milliarden Euro wird nun auch für die Beschäftigten Folgen haben. Aus den Reihen der IG Metall kommen Meldungen, dass möglicherweise bis zu 1.500 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden sollen. Nicht nur die Standorte in Erlangen und Offenbach sind betroffen. Auch bei der Brennelementefabrik in Lingen, ebenfalls zu 100 Prozent im Eigentum von AREVA, werden weitere Stellenkürzungen erwartet.

Die NOZ berichtet: „Lingen. Die nochmals verschärften Sparpläne des französischen Atomkonzerns Areva werden auch dessen Tochtergesellschaft Advanced Nuclear Fuels (ANF) im emsländischen Lingen treffen. Ein Unternehmenssprecher sagte am Freitag, am Standort Lingen sei mit weiteren „Einschnitten“ beim Personal zu rechen.“  Weiter heißt es dort: „Bereits seit 2011 werden bei ANF im Zuge eines Sparprogramms 50 von damals 350 Stellen abgebaut. Am Donnerstag erfuhren die ANF-Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung Näheres über den nun verschärfte Kurs des Konzerns. Er dürfte einen Stellenabbau auf weniger als 300 zur Folge haben. Angaben zum Ausmaß der Stellenreduzierung machte der Areva-Sprecher nicht.“

Bereits vor einigen Tagen meldete die FAZ: „Auf dem Weg in die politisch gewollte Energiewende bleiben auch namhafte Unternehmen zurück. Beim Kernkraftwerksbauer Areva in Offenbach stehen abermals Arbeitsplätze auf dem Spiel. Vielleicht ist sogar der Standort gefährdet.“ Und das Handelsblatt: „Der staatlich kontrollierte französische Atomkonzern Areva streicht erneut zahlreiche Stellen in Deutschland: 1500 Jobs sollen wegfallen. Vier Jahre nach dem Unglück von Fukushima kämpft Areva mit schwindendem Absatz.“  Dort wird ergänzt: „Bereits 2011 hatte Areva in Deutschland 1500 Menschen entlassen. Derzeit sind hierzulande 5100 Menschen angestellt. Weltweit beschäftigt der vom Staat kontrollierte Konzern 45.000 Personen.“

Bei BR wird geschrieben „Der Atomkonzern Areva will in Deutschland 1.500 Stellen abbauen. Das hat der BR vom Areva-Beauftragte der IG Metall erfahren. Auch deutsche Standorte stehen auf dem Prüfstand.“ Weiter heißt es in der Meldung: „Das Management von Areva informierte die Mitarbeiter am Dienstag (10.03.15) in Offenbach über den geplanten Abbau der Vollzeitstellen. An der Veranstaltung nahm auch der Gewerkschaftsfunktionär Wolfgang Niclas teil. Bis 2017 will der Konzern aus den roten Zahlen herauskommen. Wie viele Arbeitsplätze in Erlangen gestrichen werden, ist noch unklar.  Am 14. April will die Geschäftsleitung dem Aufsichtsrat konkrete Pläne vorlegen, sagte Niclas. Heute Nachmittag (11.03.15) sollen die Führungskräfte in Erlangen informiert werden, sagte ein Konzernsprecher dem Bayerischen Rundfunk. Die 3.500 Areva-Mitarbeiter in der Hugenottenstadt bangen um ihre Arbeitsplätze. Die Stadt und die IG Metall befürchten deutliche Einschnitte am größten deutschen Standort.“

Das NetzwerkIT berichtet außerdem: „AKW-Neubauprojekte wird Areva nicht mehr durchführen, Areva will nur noch Komponenten liefern. Der Standort Offenbach hat keine Zukunft. In der Uranfabrik Lingen soll Personal abgebaut werden.“ Das Netzwerk bezieht sich auf eine leider kostenpflichtige Quelle: „In einem Gespräch mit der Financial Times (FT 15.3.2015) skizzierte der Areva Chef Philippe Knoche seine Geschäftsstrategie: Areva werde den AKW-Neubau aufgeben und sich auf Uranabbau, Wiederaufbereitung, Brennelementherstellung sowie AKW-Wartung konzentrieren. Die Lieferung von AKW-Komponenten sei noch ein Ziel, wenn auch von untergeordneter Bedeutung. EDF werde bei großen Neubauprojekten die Verantwortung übernehmen. Areva wolle sich weiterhin an Hinkley Point in Großbritannien beteiligen und Dampferzeuger und Kontrollsysteme liefern.“

Weiterhin heißt es dort: „AKW Jaitapur wird nicht von Areva gebaut: Entsprechend dieser Strategie hatte AREVA die Zertifizierung des EPR in den USA gestoppt. Auch die Lieferung von sechs EPR-Reaktoren ins westindischen Jaitapur hat keinen Platz in Knoches Geschäftsstrategie. Areva verhandelt mit der indischen Seite über Technologietransfers. Ob die indische NPCIL das Projekt in Eigenregie durchführen oder ob die EDF einsteigen wird, ob überhaupt EPR-Reaktoren gebaut werden – all das ist unklar. Nach Knoches Äußerungen ist nur soviel sicher, Areva wird das AKW Jaitapur nicht bauen.

IG Metall ahnungslos

Nach Arevas Milliardenverlusten im letzten Geschäftsjahr sollen Arbeitsplätze gestrichen werden, insgesamt 1.500 in Deutschland. Der Standort Offenbach mit 700 Beschäftigten steht zur Disposition. Die erste Bevollmächtigte der IG Metall in Offenbach hält dagegen: Wenn Areva einen namhaften Teil der Arbeitsplätze an der Kaiserleistraße abbaute oder den Standort ganz schlösse, gingen in der Folge jene Kompetenzen im Kraftwerksbau verloren, die das Unternehmen für das im Ausland gewünschte Wachstum nötig habe. (FAZ 22.3.2015). Damit bestätigt sie, mit Knoches Strategiewechsel wird der Standort Offenbach überflüssig. (Zu IGM und AKW: IG Metall für und gegen Atomkraftwerke)“

Über den Standort Erlangen berichtet die FAZ außerdem: „Überhaupt verfügt der Standort über eine lange Tradition. Einst wurde er vom Konzern AEG, der Siedewasserreaktoren herstellte, betrieben und ging später auf die Kraftwerksunion über, die seit 1977 eine Tochtergesellschaft von Siemens war. Die Franzosen kamen erstmals in den neunziger Jahren ins Spiel, als der Areva-Vorläufer Framatome mit der Kraftwerkssparte von Siemens einen Druckwasserreaktor entwickelte. Weil Kernkraft schon seinerzeit in Deutschland umstritten und die Auftragslage schlecht war, verabschiedete Siemens sich vor gut zehn Jahren weitgehend aus dieser Technik, seit 2006 firmiert der Kernkraftwerksbauer als Areva.“

(*) Der Autor ist wissenschaftlicher Referent bei dem Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg bei der Fraktion DIE LINKE.

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