Wärme Dialog: Hamburg weiter vorn? Hoffentlich auch beim Klimaschutz!

MathiasEderhoff
Wie geht es weiter mit dem Ersatz des Fernwärme-Kohlekraftwerks in Wedel und den Alternativen für mehr Erneuerbare? Ein Beitrag im Wärme-Dialog von Matthias Ederhof.

Seit nunmehr über einem Jahr läuft in Hamburg der sogenannte Wärme-Dialog, der nach dem erfolgreichen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ zur vollständigen Rekommunalisierung der Energienetze in Gang gekommen ist. Im Zentrum steht dabei vor allem der Ersatz des alten und ersatzbedürftigen Kohleheizkraftwerks in Wedel, mit dem die Fernwärmeerzeugung für den Hamburger Westen betrieben wird. Die Anlage ist nicht nur marode, sondern auch klimapolitisch von vorgestern. Ehemals hatten Vattenfall und die Stadt dort ein großes neues Gaskraftwerk vorgesehen. Doch nach dem Volksentscheid und der kommenden vollständigen Übernahme der Fernwärme ist nicht nur die Rekommunalisierung auf dem Weg, sondern es geht auch um neue Formen demokratischer Mitwirkung. Umweltbehörde, Gutachter, Vertreter von Energiefirmen, Energieinitiativen und Umweltverbände verhandeln bzw. debattieren seither über die Alternativen. Dezentrale und Erneuerbare Energien sind dabei ebenso Thema, wie andere Standorte jenseits von Wedel. Inzwischen gibt es einen rot-grünen Senat und in der Umweltbehörde haben die Grünen das Ruder übernommen. Natürlich gibt es in so einem Prozess, der vergleichsweise neu ist, auch Probleme. Matthias Ederhof, aktiv z.B. bei der Hamburger EnergieNetz-Genossenschaft, ist an dem Dialog beteiligt. Hier sein Beitrag zur Lage der Dinge, zu den Chancen und Risiken. „Wärme Dialog: Hamburg weiter vorn? Hoffentlich auch beim Klimaschutz!“ weiterlesen

Olympia Hamburg: Preisabsprachen im „Grenzbereich“ – Bußgeld für Chef des Olympischen Sportbundes

Wer zahlt für den Atommüll? Konzerne oder BürgerInnen?
Rechtswidrige Preisabsprachen? DOSB-Chef Hörmann akzeptiert Bußgeld und spricht von „Grenzbereich“

Alles nicht so ganz sauber hier: „Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, zahlt wegen illegaler Preisabsprachen aus seiner Zeit als Geschäftsführer eines Baustoffunternehmens 150.000 Euro Bußgeld. Seine damalige Rolle bezeichnete er als „schwer einzuschätzende Gratwanderung“. In Zeiten der Glaubwürdigkeitskrise des Sports könnte das Hörmanns Vorbildfunktion schaden.“ So berichtet der Deutschlandfunk auf seiner Seite. Der Vorgang spielt in einem Kartellverfahren. Das Bundeskartellamt hat für die Creaton AG, bei der Hörmann Geschäftsführer war, ein Bußgeld von insgesamt 66 Millionen Euro – ausgesprochen. Dagegen klagt das Unternehmen. Das Verfahren hat am letzten Montag in Düsseldorf begonnen. Dadurch, dass Hörmann das Bußgeld akzeptiert, braucht er nicht vor Gericht zu erscheinen. Allerdings: Es könnten unter Umständen später zu weiteren Schadensersatzforderungen gegen ihn kommen. Insgesamt sind sechs Unternehmen an dem Vorgang beteiligt und Bußgelder in Höhe von 165 Mio. Euro verhängt worden. „Olympia Hamburg: Preisabsprachen im „Grenzbereich“ – Bußgeld für Chef des Olympischen Sportbundes“ weiterlesen

Olympia, der Hafen und wie das gehen soll – Stadtumbau und ein „bisschen Sport“

ZumAusgangGehenAlles nicht so einfach, mit dieser Olympia-Bewerbung. Darüber berichtete Hamburg1 zum Hafengeburtstag in einer Sendung von Herbert Schalthoff mit Christine Beine, Geschäftsbereich Infrastruktur Handelskammer Hamburg, Gunther Bonz, Präsident Unternehmensverband Hafen Hamburg e.V. und Anjes Tjarks, B´90/Die Grünen, Fraktionsvorsitzender. Da die Sendung viele wichtige Fragen vor allem mit Blick auf die Um- und Neuansiedlung der Betriebe im Hafen, aber auch auf Fragen zur Finanzierung und den Problemen zwischen Wohnen und Hafen diskutierte, haben wir uns mal die Mühe gemacht, einen Teil der Sendung zu verschriftlichen. Im Zweifelsfall ist es sicher sinnvoll, den Beitrag von Hamburg1 als Video anzuschauen.

Für Christine Beine aus dem Geschäftsbereich Infrastruktur der Hamburger Handelskammer ist Olympia: „Ich glaube, mit Olympia haben wir die Chance, die Stadt umzubauen und ein großes Stadtentwicklungsprojekt zu realisieren. Und auf dem Weg dorthin machen wir ein bisschen Sport.“ Und in diesem Zusammenhang muss auch der Hafen „ein bisschen umgebaut“ werden. Das mit dem Hafen dürfte keine einfache und keine billige Sache werden. Günther Bonz, Chef des Unternehmens-Verbandes Hamburger Hafen sieht in der Umsiedlung der betroffenen Hafenbetriebe und den gesamten Umbau im Hafen eine „sportliche Herausforderung“ und das sei inzwischen auch in den Hamburger Behörden angekommen. Die Zeitachse bis 2024 ist sehr sehr knapp, stellt er fest, wenn man große Betriebe verlagern will und für die man erstmal Ersatzflächen finden und bereitstellen muss.

Bonz sagt, die Betriebe im Hafen wären Feuer und Flamme für Olympia, allerdings unter der Voraussetzung, dass es Ersatzflächen „ohne irgendwelche wirtschaftlichen Nachteile“ gäbe. „Und da hakt es noch“.  Dabei vergleicht er die Situation für die Betriebe mit Bewohnern eines Hauses, dass abgerissen werden soll, ohne das klar wäre, wo sie danach wohnen sollen. Daher seien die Unternehmen „in Sorge“. Dem „großen städtischen Unternehmen habe man eine Rahmenvereinbarung zugesichert und auch abgeschlossen, die in Ordnung ist“ – gemeint ist die HHLA – „und wir erwarten, dass diese 1-1, gerade auch für die Mittelständischen gilt, aber da hakt es noch, wir wissen nicht warum“.

Während der Grüne Fraktionsvorsitzende sagt, es würde derzeit viel „gequatscht“, sieht die Handelskammer im westlichen Bereich des Kleinen Grasbrooks „sensible Nutzungsmischungen, auf die wir aufpassen müssen“.  Bis November müsste ein fertiges Verlagerungskonzept in einem ambitionierten Prozeß vorliegen. Da habe die HPA jetzt einen nicht ganz einfachen Job, sagte Beine.

Bonz reagiert darauf mit „Man könne dazu nur den Kopf schütteln“. Damit reagiert er auf die Ansage, dass möglicherweise Betriebe, die heute eine bestimmte Fläche nutzen, künftig auch effizienter sein könnten und mit weniger Fläche auskommen. Bonz hält das für eine Unterstellung. Derartiges müsse man zwar untersuchen, es könne aber nicht Grundlage sein. Außerdem verwies er darauf, dass mit der HHLA eine Vereinbarung geschlossen wurde, dass diese 1:1 Ersatzflächen bekomme. Das sei zunächst auch den mittelständischen Unternehmen zugesagt worden, aber: „Dieses wurde jetzt eingefordert, aber abgelehnt. Da stimmt irgendetwas nicht“.

Und er droht: „Wenn man nicht mit Ehrlichkeit mit diesen Unternehmen umgeht, dann werden diese aus dem Olympia-Paket aussteigen“.

Beine fordert, dass alle Kosten für die Umlagerung der betroffenen Betriebe vom Bürger übernommen werden müssen. Herbert Schalthoff fragt nach, ob das nicht für die Betriebe auch als große Chance genutzt werden könnte, um damit verbunden eine auf Kosten der Steuerzahler finanzierte Modernisierung vorzunehmen. Bonz weist das zurück, die Betriebe sind modern und sollen aus der Umsiedlung keine Vorteile ziehen oder einen Reibach machen.Wohin diese Betriebe umgesiedelt werden können, ist offenbar in keiner Weise klar. Bestenfalls gibt es einige Ideen.

Bonz kritisierte auch früher Umbauten im Hafen unter Schwarz-Rot, die rund 140 Mio Euro gekostet hatten und so heute nicht mehr erforderlich sind.

Auch die Wohnungsbebauung war Thema. Die Hafenwirtschaft ist hier wenig amüsiert, dass Wohnen näher an die Hafenbetriebe heranrücken soll, weil das auch mit Betriebseinschränkungen und kostenträchtigen Auflagen verbunden sein kann.Beine spricht davon, ähnlich wie bei der Hafen-City, eine Vereinbarung anzustreben, die die Duldung der Emissionen der Hafenbetriebe zu akzeptieren habe. Es dürfe keine Veränderungen gegenüber der jetzigen Situation geben. Auf die Frage, ob die Duldung eines schlechten Umweltstandards der Weg sein könnte, sagt Tyarks: Wir sind bereit für das Problem eine Lösung zu finden. Der Hafen solle ein „bisschen ökologischer und grüner werden“. Über Gebühr sollen die Betriebe aber nicht belastet werden. Bonz: Das Thema Duldung wird nicht funktionieren, weil im Zweifelsfall später Gerichte feststellen werden, dass die Nachtruhe der Bewohner Vorrang vor den betrieblichen Interessen einer nächtlichen Produktion. Das wäre eine Abwägung zum Gesundheitsschutz. Deswegen, so Bonz, habe der Senat auch schon mal angedeutet, das Baugesetzbuch zu ändern, um so was besser zu ermöglichen. Außerdem sei der einzige Weg, in der Nachnutzung einen Riegel zwischen dem Wohnbereich und den Hafenbetrieben zu errichten. Das aber hätte zur Folge, dass die geplante Anzahl von Wohnungen auf der Fläche gar nicht unterzubringen wären, so Bonz.

Schon länger gäbe es Debatten um eine Nicht-Hafennutzung auf dem Grasbrook. Bonz spricht „mit allem drum und dran“ von rund 2400 Arbeitsplätzen, die derzeit mit den Betrieben auf dem Grasbrook verbunden. Von der HHLA, so Anjes Tyark, neuer Fraktionsvorsitzender von den Grünen, sei bislang immer von 1.100 Arbeitsplätzen, die einen Großteil der Fläche auf dem Grasbrook nutzt. Er sagte auch, Moorburg dürfe für die Umsiedlung nicht angetastet werden, das sein „ausgeschlossen“. Steinwerder, Trave-Hafen könnte einer der Zielorte sein, so Tyarks.

Bonz sieht erhebliche Probleme, weil bei der Umsiedlung immer auch andere Betriebe betroffen sind. Er spricht von einem „Domino-Verlagerungs-Effekt“ und kritisiert, dass hier nicht zu ende gedacht wurde. Er sieht insgesamt nicht, dass man langfristig an Moorburg vorbei komme, auch wenn das wegen 2024 wohl nicht passieren dürfte.

Es wird einen umfangreichen Finanzbericht zum Referendum geben, aber keine Zahl, so Tyarks. Daher sollen Risiken und Chancen und auch Refinanzierungsmöglichkeiten aufgelistet werden. Auch externe Möglichkeiten müssen berücksichtigt werden, zum Beispiel vom IOC.

Bonz kritisiert dies, auch mit Blick auf den Bund. Die Kosten müssten am Anfang klar ermittelt werden. Er verweist auf frühere Kosten im Zusammenhang mit dem Mühlenberger Loch, wo rund 1,1 Mrd MARK eingesetzt werden mussten. Gegenüber der jetzt anstehenden Planungen für den Graasbrook sei das ein eher kleines Projekt gewesen. „Ich prophezeihe einmal… dass wir beim Kleinen Graasbrook für die Flächenbereitstellung und -Aufbereitung bei dem doppelten dieses Betrags liegen werden.“ Das wären dann also 1,1 Mrd Euro für diese Umsiedlung. Mit allen erforderlichen Maßnahmen wäre man schnell bei ein bis zwei Milliarden Euro, sagte Bonz.

Tyark will diese Zahlen nicht bestätigen und will derzeit keine Zahlen nennen. Erst am Ende des Planungsprozeßes könne man genaues sagen, spricht aber auch davon, dass man in der Lage sein müsse, trotz Planungskosten das Projekt zu beenden, wenn die Kosten zu hoch sind.

Beine verweist darauf, dass auch danach noch weitere Kosten auf dem Grasbrook entstehen, die bis zum November vorliegen müssen. Bonz verweist darauf, dass es unterschiedliche Aussagen des Senats gibt. Tyarks: Über 11 Olympia-Budgets werde es im vorgesehenen Finanzbericht Aussagen geben. 3,5 Mio. Euro kostet der Masterplan Olympia, der jetzt in Auftrag gegeben wurde.

Hamburger Handelskammer-Chef mobilisiert gegen „instrumentalisierte“ Abendblatt-Redakteure in Hamburg

Handelskammer und Senat: Vorderseite und Rückseite des Hamburger Rathauses. Foto: Dirk Seifert
Der Präses der Handelskammer Hamburg mobilisiert gegen die Berichterstattung im Abendblatt: Fritz Horst Melsheimer. Foto: Dirk Seifert

Da verstehen die Handelskammer Hamburg und ihr Präses keinen Spaß. In Sachen Olympia-Bewerbung von Hamburg verspricht sie uns jede Menge Transparenz. Wenn es aber um den eigenen Laden geht, wird mit harten Bandagen gekämpft. Das bekommen nun auch Abendblatt-Redakteure zu spüren. Offenbar hat ein erboster Handelskammer Präses Melsheimer als Reaktion auf die Berichterstattung im Abendblatt in einer Mail – deren Kopie umweltFAIRaendern vorliegt – an die NICHT-Mitglieder der „W-Gruppe“ geschrieben und diese aufgefordert, sich per Telefon oder Email an den Redakteur Jens Meyer-Wellmann, „der von der W-Gruppe offenbar instrumentalisiert wurde“, und den stellvertretenden „Abendblatt“-Chefredakteur Matthias Iken zu wenden und denen „Ihre Meinung“ direkt mitzuteilen.

Letzte Woche hatte Jens Meyer-Wellmann mit zwei Artikeln über das Scheitern einer Satzungsänderung im Plenum der Handelskammer im Abendblatt berichtet. Dort sitzen inzwischen auch „Rebellen“, die für mehr Transparenz und Demokratie in der Handelskammer streiten, unter dem Namen „Die Kammer sind Wir“ firmieren und seit dem Frühjahr 2014 für mächtig Wirbel sorgen.

In der Mail an die Plenumsmitglieder, die „nicht Mitglied der W-Gruppe sind“ ist die Rede davon, dass die „Tatsache der heutigen „Abendblatt“-Berichterstattung und die Umstände des gestrigen Nachmittags/Abends zeigen, dass von Seiten der W-Gruppe die Vertraulichkeit noch vor der Verabschiedung des offiziellen Sitzungsprotokolls einmal mehr bewusst missachtet worden ist, um eine einseitige, tendenziöse Informationspolitik zu betreiben. Sofern Sie persönlich in der Sitzung anwesend waren, werden Sie hierzu bereits eine eigene Bewertung vorgenommen haben. Für mich selbst ist leider festzuhalten, dass eine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der W-Gruppe nicht mehr gegeben ist.“ Die NICHT-WIR-Mitglieder werden dann aufgefordert: „Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Meinung dem Journalisten, der von der W-Gruppe offenbar instrumentalisiert wurde, und dem stellvertretenden „Abendblatt“-Chefredakteur direkt mitzuteilen (Hervorhebung umweltFAIRaendern.de). Sie erreichen beide wie folgt: (MAIL UND TELEFON (MOBIL) werden genannt und hier natürlich nicht veröffentlicht!). Für Ihr Feedback bin ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Fritz Horst Melsheimer Präses“.

Genervte Handelskammer Hamburg: Alles Lüge

Handelskammer-Hamburg-Chef Fritz Horst Melsheimer: Genervt von der W-Gruppe. Foto: Dirk Seifert

Die Spitze der Hamburger Handelskammer ist total genervt. Über die Oppositionsgruppe „Die Kammer sind WIR“ im Plenum und auch über einen Abendblatt-Journalisten Jens Meyer-Wellmann, der die unglaubliche Frechheit besitzt, über das Scheitern der geplanten Satzungsänderung der Handelskammer auch dann zu berichten, wenn die Kammer dazu eigentlich nichts sagen will. Sowas geht ja gar nicht. Auf Facebook lässt sich dazu einiges lesen, was der Handelskammer vermutlich auch nicht gefällt. Transparenz ist jedenfalls nicht in der Handelskammer erfunden worden. Die geplante Satzungsänderung scheiterte unter anderem auch, weil mit neuen Regeln Sanktionsmöglichkeiten gegen Mitglieder des Plenums für Verstöße gegen die Vertraulichkeit eingeführt werden sollten. HK-Chef Fritz Horst Melsheimer soll davon sprechen, dass „eine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der W-Gruppe nicht mehr gegeben ist“.

Meyer-Wellmann hat im Abendblatt mit zwei Artikeln über die Streitigkeiten um die Satzungsänderung, das Gehalt des Geschäftsführers etc. berichtet. Zunächst wollte die Kammer auf die Nachfragen von Meyer-Wellmann über das Desaster während der letzten Plenarsitzung nichts sagen. Das änderte sich nach dem ersten Artikel im Abendblatt. In überaus heftiger Weise griff die Kammerspitze nun Vertreter der Oppositionsgruppe an. Von “wissentlich falsch”, “grob unseriös” ist die Rede und von “gezielte(r) Desinformation”.

Darüber berichtet Jens Meyer-Wellmann nicht nur im Abendblatt, sondern auch auf seinem Facebook-Account. Ausführlich nimmt er dort zum Rechercheverlauf Stellung und berichtet über die Handelskammer-Reaktionen. Beide Texte werden hier gleich dokumentiert – die Debatte selbst kann bei FB nachgelesen werden.

Die „Kammer sind WIR“ hat sich als Reaktion auf das Verhalten der Handelskammer beim Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ gegründet. Mit dem Volksentscheid war schließlich die vollständige Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze von Vattenfall und E.on durchgesetzt worden. Die Handelskammer hat sich massiv gegen den Volksentscheid eingeschaltet und damit viele Zwangs-Mitglieder gegen sich aufgebracht. Zu den anstehenden Plenarwahlen im Frühjahr 2014 kanditierte dann dieses neue Bündnis „Die Kammer sind WIR“. Seitdem sind sie mit 13 der 66 Sitze im Plenum vertreten.

Zum Recherche-Verlauf schreibt JMW auf FB:„Der Vorwurf, ich hätte die Regel „Audiatur et altera pars“ missachtet und unfair berichtet, ist haltlos.

Ich habe am Donnerstag kurz nach 13.30 Uhr den Kammer-Kommunikationschef Dr. Arfs angerufen und darauf hingewiesen, dass wir uns für die bevorstehende Plenarsitzung interessieren, auf der eine nach unseren Informationen umstrittene Satzungsänderung beschlossen werden sollte. Ich habe gesagt, dass mir eine ausgewogene Berichterstattung wichtig ist, und ich daher nach der Sitzung gerne eine Stellungnahme der Kammer, also entweder des Präses, des Hauptgeschäftsführers oder von Dr. Arfs hätte und auch gerne über den Verlauf der Sitzung sprechen würde. Dr. Arfs sicherte mir zu, dass wir nach der Sitzung noch einmal sprechen könnten, dass es möglicherweise auch eine Stellungnahme des Hauptgeschäftsführers geben würde. Er wolle das klären.

Ich habe dann später aus unterschiedlichen Quellen erfahren, was sich in der Sitzung zugetragen hat und wie die Abstimmungsergebnisse lauteten. Ich habe daraufhin bei Dr. Arfs nachgefragt, ob meine Informationen richtig seien. Herr Dr. Arfs hat mir eine offizielle Stellungnahme geschickt, die im Artikel vollumfänglich zitiert ist. Weitere Fragen wurde nicht beantwortet. Um 17.45 Uhr schickte Dr. Arfs mir eine Mail, in der es wörtlich heißt: „Wir werden heute keine weiteren Stellungnahmen abgeben.“ Ich nehme an, dass er damit eine Anweisung von Prof. Schmidt-Trenz umgesetzt hat. Mithin: Die Kammer hat jedes weitere Gespräch und jede Information über die Sitzung verweigert.

Da mir gleichwohl sehr daran gelegen ist, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen, habe ich mich über die Pressestelle der Haspa bemüht, mit Herrn Dr. Vogelsang zu sprechen. Ein persönliches Gespräch war offenbar nicht möglich, die Pressestelle ließ mir aber ein Zitat von Dr. Vogelsang zukommen, das im Artikel abgedruckt ist. Im Ergebnis kommen in dem Artikel zwei Vertreter der „Wir-Gruppe“ und von der anderen Seite mit Herrn Dr. Arfs und Herrn Dr. Vogelsang ebenfalls zwei Vertreter zu Wort.

Zu den Fakten:
1. Die umstrittenen Satzungsreform ist gescheitert, weil sie keine ausreichende Mehrheit gefunden hat.
2. Die von Herrn Dr. Vogelsang geleitete Projektgruppe hatte zunächst geplant, alle Plenarier per Satzungsänderung künftig darauf zu verpflichten, die Mehrheitsmeinung des Plenums nach außen zu vertreten, auch wenn sie selbst diese nicht teilen. Bei Verstößen sollten die demokratisch gewählten Kammerparlamentarierer von der Mehrheit bzw. dem Präsidium von Sitzungen augeschlossen werden können. Die Aufsicht führende Wirtschaftsbehörde hat dieses Vorhaben gestoppt. Mir liegen die Unterlagen dazu vor. (In der Plenarsitzung am Donnerstag ist das Vorhaben von einem Kritiker, wie Sie sicher wissen, mit Regularien aus der Zeit des Nationalsozialismus verglichen worden, wie ich aus der Führung der Kammer erfahren habe.)
3. Die Projektgruppe ist aufgelöst worden, die Satzungsänderung ist gescheitert.

So haben wir es berichtet.

Übrigens, aber das nur am Rande: Mir ist kein demokratisches Parlament bekannt, in dem die Mehrheit Vertreter einer widerspenstigen Minderheit von Sitzungen ausschließen kann – auch keines, das die Meinungsfreiheit für seine Minderheiten oder die Opposition aufheben möchte. Ich weiß nicht, ob Sie selbst solche Ansätze als moderne und transparente Form der (Kammer-)Demokratie empfinden, lieber Herr … Ich persönlich werde mir auch fürderhin vorbehalten, mir eine eigene Meinung zu bilden und sie persönlich oder in Form von journalistischen Kommentaren zu äußern. Ich berufe mich dabei auf den Artikel 5 unseres Grundgesetzes.““

Reaktion der Handelskammer:

FB, JMW: Hier die Erklärung der Kammer: „Die heute im Abendblatt wiedergegebenen, die wirklichen Verhältnisse auf den Kopf stellenden Äußerungen des Plenarmitglieds Tobias Bergmann veranlassen uns zu folgenden Informationen, die sich an alle richten, die sich naturgemäß kein eigenes Bild des Ablaufs der gestrigen Plenarsitzung machen konnten.

Vorgelegt wurden die Ergebnisse der letzten Projektgruppe des insgesamt 5 Projektgruppen umfassenden Organisationsentwicklungsprogramms „Agenda HK350plus“.

Konkret ging es um die von Herrn Vizepräses Dr. Harald Vogelsang geleitete Teilprojektgruppe 3 „Prozesse und Verfahren“, die seit Sommer 2014 dreimal getagt und bis in die letzten Wochen Ergebnisse abgestimmt hat. In dieser Arbeitsgruppe waren auch Mitglieder der W-Gruppe gemäß ihres Anteils im Plenum integriert. Die dort einstimmig oder mit großen Mehrheiten entwickelten Vorschläge waren gedacht als ausgewogener Mix aus Öffnung der Satzung in Richtung verstärkter Mitgliederbefragungen, mehr Transparenz durch z. B. Veröffentlichung der Präsidialwahlergebnisse und Beteiligung an Volksbefragungen einerseits bei gleichzeitiger Verdeutlichung der Regeln der internen Zusammenarbeit im Plenum andererseits (Vertraulichkeit, Sanktionen).

Daraus ergab sich ein satzungsänderndes Paket von 6 Abstimmungen, die einer ¾-Mehrheit bedurft hätten (bei weiteren 5 Punkten bedurfte es nur einer einfachen Mehrheit). Nachdem nach den ersten beiden Abstimmungen klar wurde, dass die W-Gruppe diesen Kompromiss nicht mitträgt, hat das Präsidium konsequenterweise den Antrag gestellt, darüber zu entscheiden, es bei der bestehenden und bewährten Satzung zu belassen und kein Aufschnüren des Gesamtpakets durch „Rosinenpickerei“ zuzulassen. Das Plenum hat sich mit großer Mehrheit für diesen Antrag des Präsidiums entschieden. Es hat darüberhinaus auf Antrag des Präsidiums entschieden, dass die Projektgruppe ihre Arbeit beendet.

Die heutige Satzung hat sich über viele Jahre bewährt und wurde stetig weiterentwickelt, zuletzt im letzten Jahr. Alles, was wir uns im Agenda-Prozess vorgenommen haben, lässt sich mit dieser Satzung umsetzen. Das gilt insbesondere für die Realisierung von mehr Teilhabe durch die Mitglieder, z. B. durch noch mehr Mitgliederbefragungen. Unsere Satzung wird sich auch künftig fortentwickeln, wenn es ausgewogene Kompromisse gibt, die die erforderlichen Mehrheiten finden und im Einklang mit den Gesetzen sind. Eine solche konstruktive Weiterentwicklung in Richtung mehr Beteiligung und Transparenz (insbes. der Präsidialwahlergebnisse) ist jetzt bedauerlicherweise durch die selbst ernannten Reformer – offenbar aus rein taktischen Erwägungen – selbst blockiert worden.

Zur Abstimmung stand im Plenum auch eine „Gehaltsrichtlinie“ für das Hauptamt der Handelskammer. Hierzu erklärt der Vorsitzende des Innenausschusses, Herr Vizepräses Andreas Bartmann: „Die im heutigen Abendblatt wiedergegebenen Aussagen von Herrn Bergmann sind wissentlich falsch und daher grob unseriös. Unser Hauptgeschäftsführer lehnt eine Veröffentlichung seines Gehalts nicht ab, im Gegenteil. Herr Prof. SchmIdt-Trenz hat mehrfach erklärt, und ich habe dies im gestrigen Plenum in Anwesenheit von Herrn Bergmann ausgeführt, dass er die Entscheidung über die Veröffentlichung seines Gehaltes in die Hände von Präsidium und Plenum legt. Der Präses hat zugleich mehrfach erklärt und auch gestern erneut zu Protokoll gegeben, dass eine solche Veröffentlichung nach Abschluss von Gesprächen mit dem DIHK noch in diesem Jahr erfolgt. Das entspricht auch dem Sachstand, der im Februar im Innenausschuss in Anwesenheit von Herrn Bergmann festgehalten worden ist. Vor diesem Hintergrund hat es das Plenum mit großer Mehrheit abgelehnt, sich mit dem Antrag von Herrn Bergmann zur Gehaltsveröffentlichung zu befassen. Die bewusste Verdrehung der Tatsachen durch Herrn Bergmann ist inakzeptabel.“

Entsprechend wurde die Gehaltsrichtlinie in der vom Innenausschuss und dem Präsidium erarbeiteten Fassung mit großer Mehrheit verabschiedet. Ein weiterer Änderungsantrag von Herrn Bergmann, die Vergleichsmaßstäbe der Gehaltsfindung betreffend, wurde gleichfalls mit großer Mehrheit abgelehnt.

Angesichts dieser Fakten handelt es sich bei den Äußerungen von Herrn Bergmann um eine gezielt
e Desinformation.


Wir danken der Projektgruppe 3 und dem Innenausschuss sehr für die geleistete Arbeit.

Falls Sie hierzu Fragen haben, laden wir Sie gerne ein, sich an uns zu wenden. „

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