Uranhexafluorid (UF6) auf einem LKW aus der Uranfabrik Gronau im Hamburger Hafen. Foto: ZDF
Tausende Atomtransporte rollen weiterhin über Autobahnen, Landstraßen und Schienen. Für viele dieser Transporte mit radioaktiven Stoffen ist der Hamburger Hafen eine bedeutsame Drehscheibe. Über diesen Hafen kommen und gehen diese Stoffe zu Atomanlagen in aller Welt – darunter auch die Uranfabriken in Gronau und Lingen. Selbst wenn das letzte AKW in der Bundesrepublik abgeschaltet ist, werden sie weiterhin Brennstoff für Atommeiler in Europa, Asien und den USA herstellen. Eine Dokumentation über „Deutschlands geheime Atomtransporte“ ist heute beim ZDF in der Sendereihe „planetE“ gezeigt worden.
Mit einer Aktion hat die „BI Kiel gegen Atomanlagen“ gestern im Rahmen der Kieler Woche gegen Atomtransporte durch den Nord-Ostsee-Kanal protestiert. Auf einem großen Transparent an der Gablenzbrücke war die Forderung zu lesen, die Atomtransporte durch den Kanal zu stoppen. Vor allem radioaktives und hochtoxisches Uranhexafluorid geht etwa einmal die Woche durch den vielbefahrenen Kanal, der Nord- und Ostsee zwischen Brunsbüttel und Kiel verbindet. Anti-Atom-AktivistInnen planen aus Protest gegen diese Transporte vom 9. – 16. August bei Kiel/Knoop ein Aktionscamp. Infos dazu gibt es hier.
Update: Laut einer Mitteilung des Energieministeriums in Kiel sind zwischen Januar und Mai 2014 insgesamt elf Transporte mit angereichertem Uranhexafluorid (Kernbrennstofftransporte) durch den Kanal transportiert worden. Ob auch weitere radioaktive Materialien mit nicht-angereichertem Uran (sogenannte sonstige radioaktive Stoffe) zwischen Kiel und Brunsbüttel unterwegs waren, konnte das Ministerium nicht sagen, weil es dazu keine Statistiken führt. Verwiesen wurde auf die veröffentlichten Listen des Bundesamts für Strahlenschutz. Diese Auszuwerten erfordert aber einiges an dedektivischem Arbeiten, weil aus Geheimhaltungsgründen bestimmte Angaben von den Behörden nicht gemacht werden. Außerdem verwies das Ministerium auf eine Liste in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage mit der Drucksachennummer 18/552 (PDF). Vorsicht: Die Drucksache hat über 1.000 Seiten!
Hier als Dokumentation die PM der Kieler BI zur Aktion. „Kurzfassung:
Am Dienstag, den 24. Juni 2014 erkletterten Atomkraftgegner*innen die Gablenzbrücke in Kiel, um auf die ständigen Atomtransporte durch den Nord-Ostsee-Kanal aufmerksam zu machen. Mit der Aktion und einem Anti-Atom-Camp vom 9. – 16. August am Nord-Ostsee-Kanal bei Knoop wollen sie zum sofortigen Stopp aller Atomtransporte und Atomanlagen beitragen. Am 10. Juli findet eine Veranstaltung zum Thema in Kiel-Holtenau statt.
Langfassung:
Am heutigen Tage (Dienstag, 24. Juni 2014) gegen 19 Uhr kletterten drei Atomkraftgegner*innen auf die Gablenzbrücke in Kiel und befestigten ein großes Transparent mit der Aufschrift „Stoppt Atomtransporte durch den Nord-Ostsee-Kanal“. Außerdem wurden Flyer mit Informationen zu den Gefahren der Atomtransporte verteilt.
Etwa wöchentlich fahren Schiffe mir radioaktiver Ladung durch den Nord-Ostsee-Kanal, ohne dass die ansässige Bevölkerung informiert wird. Sie dienen zur Versorgung der unbefristet laufenden Atomfabriken in Gronau und Lingen, die Atomkraftwerke in aller Welt mit Brennstoff versorgen. Vom angeblichen Atomausstieg ist auch in Kiel nichts zu merken. Die Gefahren bei Unfällen mit solchen Transporten sind groß, ein Unfall mit frei werdendem Uranhexafluorid beispielsweise könnte für viele tödlich enden. Bei viel Verkehr im Kanal und auf der Förde passieren häufig Unfälle – bislang glücklicherweise ohne radioaktive Fracht.
Die BI Kiel gegen Atomanlagen fordert den sofortigen Stopp der Transporte und die Stilllegung aller Atomanlagen.
Aus diesem Grund gibt es vom 9. bis 16. August bei Knoop ein Anti-Atom-Camp direkt am Kanal. Zu Workshops, Diskussionen, Kultur und Aktionen sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Bereits am 10. Juli findet eine Informationsveranstaltung zu Atomtransporten durch den Nord-Ostsee-Kanal um 19:00 Uhr im Gemeindehaus Holtenau statt (Kastanienallee 18, 24159 Kiel).
BI Kiel gegen Atomanlagen http://bi-kiel.blogspot.de, Facebook: Montagsdemo Kiel kielatom@posteo.de, Schweffelstraße 6 / Hinterhaus, 24118 Kiel
Droht ein Atommüll-Endlager durch die Hintertür? Uranfabrik in Gronau
Anti-Atom-Initiativen in Westfalen und Münster rufen zum Protest gegen ein neues Atommüll-Lager bei der Uranfabrik in Gronau auf. Dort sollen – ohne jede zeitliche Befristung – 60.000 Tonnen abgereichertes Uran eingelagert werden. Die Initiativen befürchten, dass hier durch die Hintertür ein Endlager entstehen könnte. Denn was eigentlich Atommüll ist, bezeichnet die URENCO mit Zustimmung der Landes- und Bundesregierung als „Wertstoff-Lager“. Das abgereicherte Uran könnte – so URENCO – ja irgendwann in ferner Zukunft mal wieder Verwendung finden. Konkrete Planungen dafür gibt es nicht und werden auch nicht verlangt. Das ist möglich, weil das Atomgesetz es erlaubt, radioaktive Stoffe zur Verwertung zu verwenden und dafür kaum ernsthafte Kontrollen vorsieht. Daher gibt es für das Atommülllager keinerlei Befristung – rechtlich ist es zulässig, den weiter anfallenden Atommüll aus der Uranfabrik Gronau ewig dort als Wertstoff zu lagern.
Bevor das Lager in der zweiten Jahreshälfte in Betrieb gehen wird, muss die zuständige rot-grüne Landesregierung in NRW das Lager noch „abnehmen“. In der Antwort auf eine kleine Anfrage des Linken Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (BT·Drucksache 18/1466, hier die PM als PDF) teilt die Bundesregierung mit, dass es am 25. Juni zu einer „Bauzustandsbesichtigung“ kommen wird.
„AtomkraftgegnerInnen werden am kommenden Mittwoch, 25. Juni, ab 8 Uhr vor der Urananreicherungsanlage Gronau gegen die drohende Inbetriebnahme des neuen Dauer-Zwischenlagers für 60 000 Tonnen Uranoxid demonstrieren. Aktueller Anlass ist eine sog. „Bauzustandsbesichtigung“ der neuen Lagerhalle durch Vertreter der Atomaufsicht in Düsseldorf, der Bezirksregierung Münster sowie der Stadt und Feuerwehr Gronau. Mit dieser „Besichtigung“ geht die technische Abnahme der neuen Lagerhalle einher. Danach kann Urenco die Inbetriebnahme des Uranlagers bei der Landesregierung beantragen.“ So ist es beim SOFA Münster, der Initiative für den Sofort-Ausstieg, zu lesen.
Weiter heißt es: „Doch die Lagerhalle ist weder gegen Flugzeugabstürze gesichert noch ist eine sichere Entsorgung des Uranmülls in Sicht. Urenco und Bundes- wie Landesregierung behaupten stur, der Uranmüll sei ein „Wertstoff“ bzw. „Reststoff“, der in ferner Zukunft wieder zur Anreicherung verwendet werden könnte. Doch ganz offensichtlich wollen sich alle Beteiligten auf Jahrzehnte hinaus um die unlösbare Frage einer sicheren Entsorgung drücken. Deshalb wurde für die Lagerung des Uranoxids KEINE zeitliche Befristung erteilt – es droht in Gronau also die Entstehung eines oberirdischen Quasi-Endlagers!
Und: Nach Berechnungen der Bundesregierung reicht die Lagerkapazität der neuen Uranoxid-Halle nur für zehn Betriebsjahren – bereits in wenigen Jahren droht also der Neubau einer zweiten riesigen Uranoxid-Halle in Gronau – das ist der totale Wahnsinn!
Das nehmen wir nicht hin – deshalb kommt am 25. Juni nach Gronau und/oder protestiert bei der Landesregierung in Düsseldorf sowie den Regierungsparteien SPD und Grünen gegen die drohende Inbetriebnahme des Uranmüll-Dauerlagers und für die sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage Gronau!“
Heute im Bundestag: Transport und Lagerung von Uran
2014-06-18 Die für die Brennstoffherstellung in Deutschland benötigten Natururanmengen werden fast ausschließlich über langfristige Verträge von Produzenten aus Frankreich und Großbritannien sowie Kanada und den USA bezogen. Der Handel erfolge in der Europäischen Union über die EURATOM-Versorgungsagentur, schreibt die Bundesregierung in einer Antwort (18/1726) auf eine Kleine Anfrage (18/1466, PDF) der Fraktion Die Linke. Abgereichertes Uranhexaflorid, das als Abfallprodukt der Urananreicherung entstehe, sei nach Frankreich, Großbritannien, Schweden, die USA und Russland geliefert worden.
Die Bundesregierung betont, dass die in Deutschland gültigen Vorschriften zum Transport gefährlicher Güter hohe Anforderungen für den Transport von radioaktiven Stoffen festlegten. Speziell bei Behältern zum Transport von Uranhexaflorid müsse sowohl die Radioaktivität als auch die ätzende Wirkung berücksichtigt werden. Auch müssten die Behälter nachweislich widerstandsfähig gegenüber Stößen, Druck und Feuer sein. Bei dem Brand auf der Atlantic Carrier am 1. Mai 2013 im Hamburger Hafen sei kein Gefahrgut freigesetzt worden, versichert die Regierung. Der Schutz von Mensch und Umwelt sei gewährleistet geblieben.“
„Vor Inbetriebnahme des neu errichteten Uranoxid-Zwischenlagers auf dem Gelände der Urananreicherungsanlage Gronau sei am 25. Juni 2014 eine Baustandsbesichtigung vorgesehen. Dabei solle abschließend überprüft werden, ob das Bauvorhaben entsprechend der Genehmigung verwirklicht worden sei und die Bauauflagen, zum Beispiel hinsichtlich des Brandschutzes, eingehalten wurden. Die Zuständigkeit dafür liege beim nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk (MWEIMH) als atomrechtliche Aufsichts- und Genehmigungsbehörde.
Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Betreiberfirma der Urananreicherungsanlage Gronau, URENCO, das bei der Urananreicherung entstehende Uran nicht als radioaktiven Abfall, sondern als Reststoff, der weiter verwertet werden könne, betrachte. Gleichwohl berücksichtige die Bundesregierung aus Gründen der Vorsorge die anfallenden Rückstände aus der Urananreicherung bei der Planung eines atomaren Endlagers.“
Ach, was ist denn da verrostet? Eins von vielen Atommüllfässern bei Vattenfall/AKW Brunsbüttel. Foto: Energieministerium SH
Ach, die Kommunikationsabteilung bei Vattenfall hat es wahrlich nicht leicht. Da gesteht sie vor wenigen Tagen ein, dass sie dringend Hilfe braucht und bei der taz um „Input zur Verbesserung unserer Öffentlichkeitsarbeit“ nachfragt, da kommt schon die nächste Panne: „Vattenfall sucht im Akw Brunsbüttel nach weiteren Rostfässern“, lautet die Überschrift im Hamburger Abendblatt und zahlreichen anderen Medien. Na, wenn man sonst nichts zu tun hat.
Na gut, eigentlich absolut kein Spaß: Vor rund zwei Jahren hat man im Vattenfall-AKW Brunsbüttel mal in die unterirdischen Kavernen geschaut. Da der Reaktor nach der Atomkatastrophe von Fukushima endgültig abgeschaltet wurde, hat man nun auch Zeit dafür. In den 70er Jahren hatte man damals in mehreren Kavernen Atommüllfässer abgelegt – und irgendwie vergessen – jedenfalls nicht mehr nachgeschaut, wie es denen so geht. Dann, vor rund zwei Jahren, machte Vattenfall mal die Deckel der Kellerkammern auf und wollte das leicht- und mittelaktive Zeug mal kontrollieren und in Behälter für ein Atommülllager im Schacht Konrad (das nicht vor Mitte 2020 in Betrieb sein wird) zurechtmachen. Doch – oh je – da gab’s ein Problem: Gleich zu Beginn des Umpackens löste sich ein kleines Atommüllfass irgendwie rostzerfressen auf. Opps. Wie konnte denn das passieren?
Vattenfall war so erschüttert, dass man erstmal nicht darauf kam, die Öffentlichkeit zu informieren. Erst der TÜV teilte das der zuständigen Atomaufsicht ein paar Tage – oder Wochen? – später mit, die wiederum nachholte, was Vattenfall vor Schreck nicht eingefallen war. Kann ja mal vorkommen… Wie so oft, bei Vattenfall – ist halt ein etwas schreckhaftes Unternehmen!
Die Sache ging so seinen Lauf und es brauchte fast zwei Jahre, bis ziemlich komplizierte Technik entwickelt war, wie man in den tiefen, tiefen Kavernen, die vollgepackt mit diesem dummen, dummen Atommüll waren, die blöde blöde so hoch strahlen, dass man da besser keine Mitarbeiter reinschickt – einen ROBOTER entwickelt hat, mit dem geschaut werden kann, wie rostig es da im Keller sonst noch aussieht. In der nächsten Stufe empfehlen wir das hier:
Ach ja, und die aktuelle Meldung besagt laut Abendblatt: „Im stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel geht die Suche nach rostigen Fässern mit radioaktivem Abfall weiter. Betreiber Vattenfall kündigte am Mittwoch an, die Inspektionen in den unterirdischen Depots mit Hilfe einer eigens dafür entwickelten Spezialkamera würden am Donnerstag fortgesetzt. Dort lagern insgesamt 631 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Material. Die Inspektion der Kaverne 4 hatte Anfang des Jahres ergeben, dass 18 von 70 Fässern von Rost befallen sind, einige davon stark. Ein 1,10 Meter starker Betondeckel verhindere, dass Strahlung nach außen dringt.
Die Inspektionen gehen nun in Kaverne 5 weiter. Dafür sind zwei bis drei Wochen angesetzt. Dort lagern 27 Fässer. Die Kavernen waren zur Inbetriebnahme des Kraftwerks 1977 nicht für längerfristige Aufbewahrungen vorgesehen. Die Fässer sollten in ein bundesweites Endlager nach Schacht Konrad in Niedersachsen, das bis Ende der 90er Jahre fertig sein sollte. Das Bundesumweltministerium rechnet nun mit einer Inbetriebnahme zwischen 2021 und 2025. Die Inspektion aller Kavernen in Brunsbüttel soll in einigen Monaten beendet werden. Es ist vorgesehen, den Inhalt der Fässer in Spezialbehälter umzufüllen, die zur Endlagerung zugelassen sind. Bis sie in Schacht Konrad aufgenommen werden können, sollen sie in Brunsbüttel bleiben.“
Wie Vattenfall sich das ganze Problem mit der Bergung dieser Fässer denkt, hat der NDR neulich berichtet (Fotos). Vattenfall hat – ganz schlau – eine Umpack-Technik entwickelt. Die rostigen Fässer kommen in eine Plastiktüte und von da bringt man sie dann in neue Fässer. Toll. Weil dieser dumme Schacht Konrad aber immer noch nicht in Betrieb ist, hilft alles nichts. Der Rost-Fässer-Atommüll bleibt dann für einige Zeit in nicht-mehr-rostigen Fässern in Brunsbüttel stehen. Hoffentlich setzen die nicht wieder Rost an, bis es irgendwann mal ein Endlager gibt. Mal sehen, wie es weitergeht.
Risiko: Atomfrachter Atlantic Cartier und Kreuzfahrtschiff von AIDA in trauter Nachbarschaft im Hamburger Hafen. Foto: Dirk Seifert
Die ZDF-Sendung planet e. widmet sich mit einer Dokumentation über „Deutschlands heimliche Atomtransporte“ einem brisanten Thema (Erstausstrahlung Sonntag, den 29.06.2014 von 14:45 – 15:15 Uhr). Wochenlang recherchierte der Autor Björn Platz über die zahllosen – und immer geheimen – Transporte mit radioaktiven Stoffen, die per Schiff, LKW und Bahn kreuz und quer von den Uranbergwerken zwischen den Atomanlagen in aller Welt unterwegs sind. Planet e. zeigt das Ergebnis dieser Recherchen. Im Zentrum der Recherche stehen Atomtransporte über den Hamburger Hafen und die Uranfabrik in Gronau.
Wo Behörden und Unternehmen schweigen, berichten AtomkraftgegnerInnen von verschiedenen Initiativen – darunter auch ROBIN WOOD – über ihre Erkenntnisse und zeigen, wo und warum die atomaren Frachten – oftmals über Hamburg und seinen Hafen – unterwegs sind. In der Ankündigung des ZDF heißt es u.a.: „“planet e.“ zeigt auf, dass die Bundesrepublik beim weltweiten Handel mit Kernbrennstoffen eine Schlüsselrolle spielt – und auch noch nach dem Atomausstieg spielen wird.“
Als Anfang Mai 2013 in Hamburg der Frachter Atlantic Cartier brannte verschwiegen die zuständigen Behörden wochenlang, dass auch radioaktives Material an Bord gewesen ist. Erst durch Informationen von AtomkraftgenerInnen und auf Nachfragen von Bürgerschaftsabgeordneten wurde bekannt, welch brisante Fracht damals an Bord des Frachters gewesen ist. Siehe dazu auch im aktuellen ROBIN WOOD MAGAZIN: Atomtransporte: Atomfrachter in Flammen (PDF).Die Ankündigung des ZDF zur Dokumentation hier in voller Länge:
„planet e. – Deutschlands heimliche Atomtransporte
Auf dem Gelände der Urananreicherungsanlage in Gronau lagern die Behälter mit hochgiftigem Uranhexafluorid unter freiem Himmel. Foto Quelle: ZDF und Boris Mahlau.
Am 30. Juni 2011 hat die Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Bis Ende 2022 sollen alle deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet sein. Doch der sogenannte Atomausstieg ist eine Mogelpackung. Wie „planet e.“ zeigt, wird Deutschland weiterhin eine entscheidende Rolle in der Kernenergie spielen – bei der Anreicherung von Uran und der Produktion von Brennstäben.
Ein LKW auf der A1 kurz hinter Hamburg. Die blauen Container auf dem Anhänger sehen aus wie tausend andere, die täglich den Hafen verlassen. Erst auf den zweiten Blick fallen die Zeichen auf der geriffelten Seitenwand auf: das Symbol für Radioaktivität und der orangefarbene Aufkleber für Gefahrgut. Begleitfahrzeuge oder besondere Sicherungsmaßnahmen gibt es nicht.
Jedes Jahr rollen rund 10.000 geheime Nuklear-Transporte durch Deutschland. Meist kommt die strahlende Fracht per Schiff in den Hamburger Hafen und wird von dort auf der Autobahn oder über die Schiene quer durch die Republik transportiert. Mal sind es Container mit Uranerzkonzentrat, das aus den Uranminen in der ganzen Welt nach Deutschland importiert wird, mal Tanks mit Uranhexafluorid, aus dem in Gaszentrifugen angereichertes Uran entsteht. Diese hochgiftigen Stoffe werden für die Herstellung von Brennstäben benötigt.
Ziel der Lieferungen ist unter anderem die Urananreicherungsanlage im nordrhein-westfälischen Gronau sowie die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen. Auch nach dem Abschalten der letzten Kernkraftwerke in Deutschland werden die Transporte radioaktiver Stoffe weitergehen, denn Anlagen wie die in Gronau und Lingen sind nicht auf den heimischen Markt angewiesen, sie produzieren für Kunden in aller Welt. Der geplante Atomausstieg in Deutschland betrifft sie nicht.
Alle Atomtransporte sind geheim. Der Grund: Schutz vor Terrorismus. Doch mit etwas Recherche und Hartnäckigkeit lassen sich die Routen nachvollziehen. Eine kleine Gruppe Hamburger Atomkraftgegner, darunter Dirk Seifert, Energieexperte von Robin Wood, hat sich das zur Aufgabe gemacht. Die Aktivisten wollen zeigen, wo und wie viele Kernbrennstoffe jährlich durch Deutschland transportiert werden.
„planet e.“ begleitet die Atomkraftgegner bei ihren Recherchen und ihren Protestaktionen. Im Film erklären aber auch die verantwortlichen Hafenfirmen und Behörden, was sie für die Sicherheit dieser Transporte tun. Außerdem ist es gelungen, Aufnahmen in Deutschlands einziger Urananreicherungsanlage zu machen. Auch der Betreiber der Anlage in Gronau kommt zu Wort.
„planet e.“ zeigt auf, dass die Bundesrepublik beim weltweiten Handel mit Kernbrennstoffen eine Schlüsselrolle spielt – und auch noch nach dem Atomausstieg spielen wird.“