E.on Hanse und das Hamburger Gasnetz: Arbeitsplatzabbau in Vorbereitung – Betriebsrat ist informiert

In Hamburg mobilisieren GewerkschafterInnen für den Volksentscheid von Unser Hamburg - Unser Netz mit einem Aufruf, denn man hier unterschreiben kann.

JETZT unterschreiben: GewerkschafterInnen für den Volksentscheid von Unser Hamburg – Unser Netz

Bei der zu E.on gehörenden „Hamburg Netz Gmbh“ werden Arbeitsplätze abgebaut. Das geht aus dem Geschäftsbericht 2012 der Gesellschaft hervor. Die Betriebsräte, die überwiegend zu Verdi Hamburg gehören, sind dem Bericht zu Folge bereits einbezogen. An der Netz-Gesellschaft, die das Hamburger Gasnetz betreibt, ist nach einem SPD-Mehrheitsbeschluss in der Bürgerschaft auch die Stadt Hamburg mit einem Minderheitsanteil von 25,1 Prozent beteiligt. Mit dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ strebt ein breites Bürgerbündnis an,  das Gasnetz von E.on und die Strom- und Fernwärmenetze von Vattenfall vollständig zu rekommunalisieren. Dagegen wenden sich die Gewerkschaftsspitzen in Hamburg, angeblich aus Angst vor einem folgenden Arbeitsplatzabbau. Zu der tatsächlich stattfindenden Arbeitsplatzvernichtung bei Vattenfall und E.on aber schweigen diese Gewerkschaftsvertreter.

Im gesamten E.on-Konzern läuft ein Kosteneinsparprogramm mit dem Ziel, allein in Deutschland 6.000 Arbeitsplätze abzubauen. Im Geschäftsbericht 2012 der Hamburg Netz GmbH ist zu lesen: „Die erforderlichen Maßnahmen werden nicht ohne Arbeitsplatzabbau umsetzbar sein. Dabei wurde frühzeitig der konstruktive Dialog mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen, um diesen Prozess so sozialverträglich wie möglich zu gestalten.“ Gespräche mit dem Betriebsrat haben dazu stattgefunden.

Angaben darüber, wie viele Arbeitsplätze konkret wegrationalisiert werden, macht der Bericht nicht. Auch bei Vattenfall werden massiv Arbeitsplätze abgebaut, ohne dass sich die Gewerkschaften, hier vor allem die Hamburger IG Metall, in der Öffentlichkeit dazu äußern.

Doch während sie dazu schweigen, werden sie nicht müde, öffentlich immer wieder pauschal vor dem Volksentscheid zur vollständigen Rekommunalisierung der Energienetze zu warnen, weil dieser angeblich Arbeitsplätze gefährden würde. Konkret nachvollziehbare Belege dafür haben bislang weder die Gewerkschaften noch die Betriebsräte vorgelegt. Auch in einem Positionspapier des Fachbereichs 02 – Ver- und Entsorgung – von Verdi Hamburg ist dazu jenseits von Behauptungen nichts nachzulesen. Siehe: Volksentscheid Energienetze in Hamburg – “Verdi-Fachbereich Versorgung” legt Positionspapier vor

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thies Hansen gehört zu einem der gewerkschaftlich heftigsten Kritiker des Volksentscheids „Unser Hamburg – Unser Netz“. Auch als Vertreter des Fachbereichs 02 von Verdi Hamburg (Ver- und Entsorgung) tritt Hansen auf vielen Veranstaltungen auf und warnt davor, dass die vollständige Rekommunalisierung Arbeitsplätze gefährden würde. Über die derzeit tatsächlich stattfindenden Rationalisierungen, die offenbar auch E.on Hanse und Hamburg Netz GmbH, in deren Aufsichtsrat er ebenfalls sitzt, schweigt der Gewerkschaftsvertreter jedoch.

Auszug aus dem Geschäftsbericht der Hamburg Netz GmbH 2012: „Diese werden in Gesprächen mit Vertretern der kommunalen Aktionäre der E.ON Hanse AG weiterentwickelt. Die in Diskussion befindliche Struktur soll die Voraussetzungen zur Erreichung der E.ON 2.0-Einsparziele schaffen. Die erforderlichen Maßnahmen werden nicht ohne Arbeitsplatzabbau umsetzbar sein. Dabei wurde frühzeitig der konstruktive Dialog mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen, um diesen Prozess so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Die im Interessenausgleich mit dem Betriebsrat definierten Personalmaßnahmen umfassen im Wesentlichen Vorruhestandsvereinbarungen, Abfindungs-zahlungen und die Möglichkeit des Wechsels in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft. Für die aus den Umsetzungsschritten zu erwartenden finanziellen Belastungen ist bei der Gesellschaft ausreichende bilanzielle Vorsorge im Jahresabschluss getroffen worden.“

Vattenfall und der Volksentscheid: „Die Netze als rettender Anker“.

strommast moorburg 03Während die Hamburg-SPD nicht müde wird, den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ über die derzeit noch von Vattenfall und E.on betriebenen Hamburger Energienetze zu diffamieren und für sinnlos zu erklären, bezeichnet das Manager-Magazin diese als „rettenden Anker“ für den angeschlagenen Vattenfall-Konzern.

„Quartal für Quartal schreibt Vattenfall auf seine deutschen Kraftwerke hohe Beträge ab, die sich mittlerweile auf 2,3 Milliarden Euro addieren. Operativ rutschte der Konzern in Deutschland zuletzt in die roten Zahlen“, stellt das Magazin fest. Weiter heißt es: „Abgesehen vom Vertriebsgeschäft bereiten den Skandinaviern fast nur noch die monopolähnliche Fernwärme und das staatlich regulierte Geschäft mit den Netzen Freude. In guten Jahren sind dreistellige Millionengewinne in diesen Bereichen locker drin. „Die Netze sind uns sehr wichtig“, sagt ein Vattenfall-Sprecher.“

Die SPD in Hamburg versucht seit Monaten, mit einer Debatte über zu hohe Kosten und vermeintliche Risiken von diesen enormen Gewinnen durch den Netzbetrieb abzulenken.  Doch fast alle Wirtschaftsexperten sehen in dem Netzbetrieb ein überaus lukratives Geschäft mit wenig Risiko. Das haben nicht nur Gutachten der Volksentscheids-Initiative aufgezeigt und selbst von der SPD-Fraktion benannte Experten während der Bürgerschafts-Anhörungen bestätigt. Siehe: SPD und Energienetze Hamburg – Machtpolitik statt gute Geschäfte für die Stadt Hamburg und die BürgerInnen! Außerdem: Volksentscheid Energienetze Hamburg – Ein Faktencheck der “Welt”

Zwar wird die „monopolartige Fernwärme“ in dem Artikel des MM  erwähnt, die Vattenfall „Freude“ mache. Nicht aber benannt wird, dass vor allem sie es ist, die den größten Anteil der jährlichen Gewinne für den Konzern einfährt. Ca. 60 Millionen Euro trägt sie zu den Gewinnen von insgesamt rund 100 Millionen Euro jährlich bei den drei Netzen für Strom, Fernwärme und Gas bei.

Das Manager-Magazin bestätigt, dass auch die Stromnetze gute und sichere Gewinne darstellen – trotz der Regulierung: „Im Fall der Stromnetze legt die Bundesnetzagentur die Kapitalverzinsung fest. „Trotz mancher Schwankungen ist der Netzbetrieb eine sichere Bank, die das übrige Geschäft stützt“, sagt Energiewirtschaftsexperte Thorsten Pape von der Unternehmensberatung PA Consulting mit Blick auf alle großen Versorger.“

Von Risiken ist bei Pape nicht die Rede, dafür sagt er dies: „Konzerne, die effizient wirtschaften, können im Netzgeschäft Kapitalrenditen um die 5 Prozent erzielen. Nicht wirklich viel – aber eben verlässlich. „Im Netzgeschäft ist die Verzinsung derzeit höher als bei der Erzeugung“, sagt Pape. „Das hat es nicht oft gegeben.““

Als „Kronzeugen“ führt das Manager Magazin sogar den E.on-Chef Teyssen an: „Eon erwirtschaftet mit dem deutschen Verteilnetz inzwischen einen höheren operativen Gewinn als mit der konventionellen Stromerzeugung in ganz Europa. „Das regulierte Geschäft, vor allem das Verteilnetzgeschäft in Deutschland, Schweden und Tschechien, hat sich auch im ersten Halbjahr als stabile Säule unseres Ergebnisses behauptet“, strich Eon-Chef Johannes Teyssen heraus, als er jüngst den Zwischenbericht präsentierte.“

Zu E.on siehe auch hier: Energiekonzern E.on – Höhere Gewinne und Chefgehälter – 3000 Arbeitsplätze weniger

Weitere Aspekte, die der Besitz der Energienetze für Vattenfall von Bedeutung macht: „“Jedes profitables Geschäft, das eine Gegenposition zur defizitären Stromerzeugung darstellt, ist derzeit ein herbeigesehntes Geschäft“, sagt Analyst Erkan Ayciycek von der Landesbank Baden-Württemberg. So stärken die Netze auch die Position gegenüber den zuletzt immer lauter mäkelnden Ratingagenturen.“ Das macht dringend benötigte Kredite für Vattenfall günstiger! Der Konzern ist in den letzten Jahren in seinem Ranking bereits herabgestuft worden!

Ansonsten bestätigt auch das Manager-Magazin, dass alle Zeichen bei Vattenfall auf Rückzug aus dem deutschen Markt stehen. Siehe hier: Vattenfall-Chef spricht von “existenzieller Krise” – Deutschland-Geschäft nur noch 3-4 Jahre?

Weitere Texte auf umweltfairaendern.de zu Vattenfall und den Energienetzen:

Galerie der Tschüss Vattenfall SagerInnen: Bundesweit Volksentscheid in Hamburg unterstützen

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Sagt Tschüss Vattenfall… auf das Bild klicken und mitmachen.

Die Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD hat die Online-Aktion „Tschüss Vattenfall sagen“ gestartet. Bundesweit können AtomkraftgegnerInnen und Energiewende-AktivistInnen mitmachen und ihre Abschiedsgrüße an Vattenfall online veröffentlichen. Mit der Tschüss-Aktion soll der Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ unterstützt werden. Ziel des von einem breiten Bürgerbündnis getragenen Volksentscheids ist es, am 22. September den Konzernen Vattenfall und E.on die Energienetze abzunehmen und diese wieder vollständig in städtische Hand zu übernehmen. Die Galerie der Tschüss-Vattenfall-SagerInnen steht hier online.

Ein weiterer Volksentscheid gegen Vattenfall wird am 3. November in Berlin stattfinden. Dort soll das bisher von Vattenfall betriebene Stromnetz zurück in die öffentliche Hand und ein Stadtwerk für Erneuerbare Energien gegründet werden.

Per Foto, Zeichnung, Video oder Versen, Sprüchen und Reimen können bundesweit UnterstützerInnen des Volksentscheids mitmachen: Von der Lausitz über Berlin bis Hamburg, von Flensburg bis nach Garmisch. Time to say Tschüss, wie man in Hamburg sagt. Das ganze findet hier statt: www.robinwood.de/tschuess-vattenfall. Einfach mitmachen und Tschüss Vattenfall sagen!

 

Vattenfall-Chef spricht von „existenzieller Krise“ – Deutschland-Geschäft nur noch 3-4 Jahre?

Vattenfall sagt immer deutlicher Tschüss
Vattenfall sagt immer deutlicher Tschüss

„You never know“, antwortete Tuomo Hatakka auf die Frage, ob ein Rückzug von Vattenfall aus Berlin und Deutschland denkbar sei. Und er spricht von einer „existenziellen Krise“, die der Konzern mit „Konsolidierung“ zu überstehen versuche: Kosten runter, Abbau von 1500 Arbeitsplätzen in Deutschland, weniger Investitionen und Verkauf von Randbereichen. So zitiert der Berliner Tagesspiegel den Vattenfall-Chef. Und weiter: “ „Auf absehbare Zeit“, und damit meint er drei oder vier Jahre, werde der schwedische Staatskonzern hierzulande wohl noch präsent sein. Trotz bedrohlicher Bedingungen.“

Das alles sagt der Deutschland-Chef von Vattenfall vor der Presse und das sagt er, um zu retten, was noch zu retten ist und um die bevorstehenden Verkäufe von Konzernteilen in Deutschland noch halbwegs vernünftig abwickeln zu können. Die Äußerungen machen klar: Bei Vattenfall „brennt die Hütte“.

Die eher als industriefreundlich geltende Gewerkschaft IG BCE geht schon seit Monaten davon aus, dass Vattenfall noch im Laufe des Jahres 2014 den mehr oder weniger vollständigen Rückzug aus dem Braunkohlegeschäft in der ostdeutschen Lausitz verkünden wird. Siehe: Vattenfall Deutschland zerfällt: Verkauf der Braunkohle-Sparte bis Ende 2014

Schon im Frühjahr hat Vattenfall angekündigt, ein Braunkohlekraftwerk bei Lippstadt verkaufen zu wollen – für Viele in der Branche ein Pilotprojekt, mit dem Vattenfall den kompletten Ausstieg vorbereitet. Siehe: Keine “Mördergrube”: Vattenfall irritiert die gesamte Lausitz. Möglicherweise orientiert sich Vattenfall am E.on-Konzern.

Der Konkurrent E.on ist derzeit dabei, seine Braunkohlesparte abzustoßen und will seine Anteile am Kraftwerk Buschhaus und dem dazugehörigen Braunkohlegebiet an einen tschechischen Konzern verkaufen.

Während Vattenfall also einerseits auf Ausstiegskurs ist, erklärt Hatakka andererseits, dass der Konzern in Berlin weiter daran festhält, dass Stromnetz betreiben zu wollen und wendet sich damit entschieden gegen den dort laufenden Volksentscheid für die vollständige Rekommunalisierung. Und auch in Hamburg agiert der Konzern mit aller Macht gegen einen Volksentscheid von „Unser Hamburg – Unser Netz“.

Die Hamburger SPD erklärt den auseinander brechenden Konzern Vattenfall ausdrücklich sogar als Partner für die Energiewende und hat sich mit einem Minderheitsanteil von 25,1 Prozent – auf Gedeih und Verderb – an den Fernwärme- und Stromnetzen von Vattenfall beteiligt.

Was Vattenfall von der Energiewende hält, die den Konzern in eine schwere wirtschaftliche Krise gebracht hat, sagt Hatakka dem Berliner Tagesspiegel zufolge auch:

„Nach der Bundestagswahl müsse schleunigst der Ausbau der Erneuerbaren gestoppt werden, denn mit dem jetzigen Ausbautempo wären sonst im Jahr 2020 Erzeugungskapazitäten von 220 000 Megawatt installiert – rund zweieinhalbmal so viel, wie tatsächlich gebraucht werde. Kürzlich hatte Hatakka im Zusammenhang mit den Erneuerbaren von einem „Monster“ gesprochen.“ Siehe dazu: Vattenfall-Chef über Solarenergie-Ausbau: “Wir haben ein Monster auf die Beine gebracht”

Gute Idee von der Hamburger SPD, mit so einen Unternehmen die Energiewende zu machen. Irgendwie echt überzeugend.

Volksentscheide in Berlin und Hamburg – Die Netze für alle!

Nicht nur in Hamburg wird per Volksentscheid über die Energiewende abgestimmt. Auch in Berlin kommt es zum Volksentscheid. Allerdings nicht wie in Hamburg am 22. September, dem Tag der Bundestagswahl, sondern nach Tricksereien des rot-schwarzen Senats wird in Berlin erst am 3. November abgestimmt.

In beiden Fällen geht es darum, die Energienetze (Strom, Wärme, Gas in Hamburg) bzw. das Stromnetz von Vattenfall (Berlin) vollständig zu rekommunalisieren. Bundesweit gibt es 170 erfolgreiche Rekommunalisierungen lokaler Netze.

Während in Berlin die SPD den Volksentscheid unterstützt, ist sie in Hamburg gegen das Bürgerbündnis.

Am 11. September wird der Sprecher des Berliner Energietisches, der den Volksentscheid auf den Weg gebracht hat, auf einer Veranstaltung gemeinsam mit Theo Christiansen von „Unser Hamburg – Unser Netz“ über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Volksentscheide und der politischen Ausgangslage diskutieren.

Einladung zu einer Diskussionveranstaltung: am Mittwoch, den 11.9.2013 um 19.00 Uhr

Stefan Taschner, Kampagnenleitung, Berliner Energie-Tisch

Theo Christiansen, Diakonie und Bildung des Ev.-Luth. Kirchenkreises Hamburg-Ost Vertrauensperson UNSER HAMBURG – UNSER NETZ

Gemeindesaal der Christuskirche Wandsbek Schloßstr. / Wandsbeker Allee (Nähe U-Bahnhof Wandsbek Markt)

Wir erwarten eine interessante Diskussion und laden Sie dazu recht herzlich ein.

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