Stilllegung AKWs Brunsbüttel und Krümmel – Vattenfall sucht billige Lösung

Voller Saal, viele Fragen – kaum Antworten – Vattenfall sagt nicht, wie es mit den AKWs Brunsbüttel und Krümmel weiter geht. Foto: Dirk Seifert

Was Vattenfall mit den beiden stillgelegten Atommeilern Krümmel und Brunsbüttel vor hat war auch gestern auf der Veranstaltung der Stadt Geesthacht nicht zu erfahren. Während EnBW, E.on und RWE bereits entschieden haben, ihre stillgelegten AKWs zurückzubauen, hält sich Vattenfall noch alles offen.

Ingo Neuhaus, der bei Vattenfall für die Stilllegung zuständig ist, hatte den weit über 200 BürgerInnen im überfüllten Ratssaal wenig konkretes zu sagen: Vattenfall prüfe derzeit, ob der Rückbau oder der „sichere Einschluss“ die für das Unternehmen beste Lösung sei. Dabei betonte er immer wieder, dass dabei selbstverständlich auch wirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle spielten.

Fricke, Kraftwerksleiter Krümmel und Neuhaus, zuständig für Stilllegung bei Vattenfall. Klare Antworten fehlten…. Foto: Dirk Seifert

Viele ZuschauerInnen – das zeigten die Fragen – bekamen immer mehr den Eindruck, dass Vattenfall vor allem auf Zeit spiele und möglicherweise darauf hofft, zumindest das AKW Krümmel solange im einem fast betriebsfähigen Zustand zu halten, bis das Bundesverfassungsgericht über die Klage der Atomkonzerne entschieden hat. Der Eindruck, dass Vattenfall die billigste Lösung für die Stilllegung der Atommeiler suche, wurde auch durch eine Entscheidung des Konzerns vor wenigen Wochen unterstützt: Vattenfall wandelt seine Atombeteiligungen zu einer GmbH um. Entscheidend dabei ist, dass damit der bisher bestehende Beherrschungsvertrag mit der Vattenfall AG (Schweden) aufgelöst wird. Damit entzieht sich der Gesamtkonzern auch der finanziellen Verantwort für die Kosten bei der Stilllegung oder im Falle schwerer Unfälle. Reichen die Einlagen der GmbH nicht aus, ist nicht mehr der schwedische Mutterkonzern in der Pflicht, sondern der deutsche Steuerzahler.

Die wohl zunächst wichtigste Information, die Neuhaus geben konnte: Vattenfall wird zunächst eine Entscheidung für das AKW Brunsbüttel treffen, danach erst für Krümmel. Wann das sein wird, sagte er trotz Nachfragen nicht.

Das ist – auch mit Blick auf die Entschädigungsklagen von Vattenfall – wirtschaftlich durchaus einleuchtend. Brunsbüttel ist deutlich älter als Krümmel und hat mit rund 700 MW nur die halbe Leistung im Vergleich zu Krümmel, bei fast gleicher Anzahl von Beschäftigten. Der Reaktor, der immer wieder wegen Sicherheitsmängeln teilweise über Jahre nicht am Netz war und seit 2007 keinen Strom mehr produzieren durfte, stand wirtschaftlich ohnehin vor dem Aus: Noch vor der Laufzeitverlängerungsentscheidung der Bundesregierung hatte E.on – mit einem Drittel am AKW Brunsbüttel beteiligt – relativ unmißverständlich deutlich gemacht, dass der Konzern für den maroden Reaktor wirtschaftlich keine Zukunft mehr sehe. Die Vattenfall-Entscheidung, nun zunächst die Stilllegung des AKW Brunsbüttel vorzubereiten, bevor man sich bei Krümmel entscheide, sorgte für erheblichen Unmut bei den ZuhörerInnen und unterstützte die vorhandenen Zweifel, dass Vattenfall Krümmel so lange wie möglich betriebsbereit erhalten wolle.

Auch das spielte für diesen Eindruck eine Rolle: Je später Vattenfall sich für eine Stilllegungsvariante entscheidet, desto länger kann das Unternehmen steuerfreie Entsorgungs-Rückstellungen bilden und je später Maßnahmen angegangen werden, desto später müssen Zahlungen aus diesen Geldern getätigt werden, was für Vattenfall auch deutliche Zinsvorteile bringt. Konkrete Antworten zu diesen Thema gab es – richtig – von Vattenfall nicht.

Wolfgang Cloosters (li) von der Atomaufsicht Schleswig-Holstein kritisierte Vattenfall scharf, kann aber wegen Lücken im Atomgesetz nichts machen…. Foto: Dirk Seifert

Wolfgang Cloosters, Chef der Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein, kritisierte dieses Zögern von Vattenfall in Sachen Stilllegungsantrag mehrfach scharf, verwies aber auch darauf, dass das Atomgesetz hier eine große Lücke aufweise: Die Atomaufsicht hat derzeit nicht das Recht, Vattenfall eine Frist zu setzen oder Anordnungen zur Vorlage eines Stilllegungskonzeptes zu erteilen. Erst eine bundesgesetzliche Änderung könnte dies ermöglichen. Gleichzeitig forderte Cloosters, dass nur der sofortige Rückbau sinnvoll sei und kündigte an, dass die neue Landesregierung über den Bundesrat eine Initiative plane, das Atomgesetz in der Weise zu ändern, dass der Rückbau vorgeschrieben und der Einschluss untersagt werde.

Wolfgang Neumann von der Intac Hannover: Keine Pauschallösungen, sondern sicherheitsorientierte Analysen und Bürgerbeteiligung, bevor Entscheidungen getroffen werden. Foto: Dirk Seifert

Wolfgang Neumann von der INTAC, ehemals Gruppe Ökologie und unabhängiger Atomexperte, warnte allerdings, pauschale Lösungen anzustreben. Vielmehr sei aus ökologischen und Strahlenschutzgründen erforderlich, die Möglichkeiten und Alternativen genauestens zu betrachten. Auch eine Mischung aus Rückbau und Einschluss sei eine Möglichkeit, die nicht von vornherein auszuschließen ist. Wichtig sei es vor allem, der Öffentlichkeitsbeteiligung einen großen Raum zu geben, um die jeweiligen Alternativen umfangreich und kritisch zu diskutieren, bevor dann am Ende eine Entscheidung durch die Behörde getroffen würde.

Die Fakten, die Vattenfall zu nennen wusste, sind überaus spärlich: Kraftwerksleiter Torsten Fricke erklärte, das die rund 800 bestrahlten Brennelemente aus dem Reaktor von Krümmel inzwischen allesamt in das Nasslager überführt worden sind und der Reaktor damit keine Brennstoffe mehr enthält. Im Nasslager befinden sich jetzt ca. 1000 bestrahlte Brennelemente. Zu der Frage, wann denn endlich die Castor-Behälter zur Verfügung stünden, damit die Brennelemente vom Nasslager in das Standortlager – und damit raus aus dem AKW – überführt werden können, konnte oder wollte er keine Angaben machen. Unklar blieb auch, wie das Unternehmen mit defekten Brennelementen und mit solchen Brennelementen umgehen will, die nur kurz im Reaktor waren. Konkrete Zahlen wollte er nicht nennen.

Bei den Castorbehältern für die Siedewasserreaktoren scheitert es derzeit nicht nur, weil die Fertigungskapazitäten beim Hersteller GNS viel zu klein sind: Der neue Castorbehälter für höher abgebrannte Brennelemente ist immer noch nicht genehmigt, so dass die Fertigung noch nicht einmal anlaufen kann. (Vermutlich erst nächstes Jahr wird das zuständige Bundesamt für Strahlenschutz eine solche Genehmigung erteilen, wenn der Behälter die Sicherheitsanforderungen für die mehr Wärme und höhere Strahlung erzeugenden Brennelemente erfüllt.)

Zum AKW Brunsbüttel erklärte Neuhaus, dass es dort 13 defekte Brennstäbe gäbe und das die Castorbehälter inzwischen fest bestellt sind. Wann die jedoch geliefert würden, konnte er nicht sagen.

AKW Krümmel – Vattenfall schweigt weiter

Wie geht es nach der Stilllegung mit dem AKW Krümmel weiter? Vattenfall schweigt. Foto: Dirk Seifert

Der Atomkonzern Vattenfall – ohnehin nicht für eine offene Informationspolitik bekannt – schweigt darüber, was mit den stillgelegten Atomkraftwerken in Krümmel und Brunsbüttel geschehen wird. Am morgigen Donnerstag (13. September) findet auf Einladung der Stadt Geesthacht für das AKW Krümmel eine Veranstaltung statt. Dort soll auch der Betriebsleiter des AKW Krümmel sich den Fragen der Abgeordneten und BügerInnen zum weiteren Vorgehen von Vattenfall stellen.

Politiker der Landesregierung haben mehrfach kritisiert, dass Vattenfall nicht darüber informiert, wie es mit den Atomanlagen weiter gehen soll. Die neue Landesregierung in Kiel hat sich außerdem für den sofortigen Rückbau der Anlagen ausgesprochen und will dies gegebenenfalls mit einer Atomgesetzänderung vorschreiben. Nach dem Atomgesetz ist das derzeit nicht geregelt. Ebenso ungeregelt ist, wann Vattenfall entscheiden muss. Derzeit befinden sich beide Atommeiler in der so genannten Nachbetriebsphase. Vattenfall hat – wie auch RWE und E.on – eine Entschädigungsklage vor dem Bundesverfassungsgericht eingereicht. Außerdem hat der Konzern die Bundesrepublik vor dem Weltbank-Gericht verklagt und fordert auch hier mehr als eine Milliarde Euro als Entschädigung. Spekuliert wird, ob Vattenfall zur Zukunft der Atommeiler schweigt, um so den Druck vor den Gerichten zu erhöhen.

Vattenfall teilt laut Medienberichten lediglich mit, dass derzeit noch beraten wird, ob man entweder den Rückbau der Anlagen oder aber einen „sicheren Einschluss“ anstrebt. Die Betreiber z.B. des AKW Biblis oder Neckarwestheim haben ihre Entscheidungen bereits getroffen und streben den sofortigen Rückbau an.

In jedem Fall wirft auch die Stilllegung der Atommeiler viele Sicherheitsfragen auf. Um die AKWs von der hochradioaktiven Fracht – den Brennelementen in den Reaktoren und Nasslagern – zu befreien, fehlen derzeit ausreichend CASTOR-Behälter. Daher müssen die Brennelemente zunächst weiter in den Reaktoren gelagert und mit aktiven Sicherheitssystemen gekühlt werden. Und das vermutlich noch für Jahre, denn der Castorhersteller GNS kommt mit dem Bau der erforderlichen Behälter bis heute nicht nach.

Aber auch danach gibt es noch genug Probleme. Ein Endlager für hochradioaktive Brennelemente gibt es nicht, daher bleibt der strahlende Müll ohnehin für mindestens 40 Jahre noch am Standort im sogenannten „Zwischenlager“. Und was mit dem schwach- und mittelaktiven Atommüll wird, ist auch noch unklar. Frühestens 2024 soll der dafür vorgesehene – aber ebenfalls nicht wirklich sichere – Schacht Konrard in Betrieb gehen. Außerdem droht ein großer Teil von belasteten Materialien durch sog. Freimessung aufgrund der Strahlenschutzverordnung von 2001 auf den Hausmülldeponien zu landen oder wird zu Bratpfannen verarbeitet.

 

Muss das AKW Brokdorf vom Netz? Sicherheitsleute drohen mit Streik.

AKW Brokdorf: Ohne Sicherheitspersonal wird abgeschaltet? Foto: Gabriele Planthaber / pixelio.de

Manchmal kommt es zu Konflikten bei der Atomenergie, die man gar nicht so recht auf dem Schirm hat. Ein solcher Konflikt bahnt sich gerade beim AKW Brokdorf an und könnte – glaubt man den Darstellungen des Schleswig-Holsteinischen-Zeitungsverlages – zur (vermutlich vorübergehenden) Stilllegung des Atommeilers führen.

Der SHZ schreibt: „Sicherheitsleute fordern eine soziale Lösung für die Zeit nach dem Abschalten der Kernkraftwerke. Für Verdi ist ein Ausstand wahrscheinlich. Notfalls so lange, bis der Meiler vom Netz muss.“ Dabei geht es um die Sicherheitsleute, die für das AKW Brokdorf zuständig sind. Betroffen sind aber dem Bericht zu Folge auch das Sicherheitspersonal der stillgelegten AKWs in Brunsbüttel und Krümmel. Vattenfall hat offenbar damit begonnen, Personal abzubauen. Mehr zu dem Konflikt siehe unter dem angegebenen Link.

AKWs stilllegen – Sicherheit, Transparenz und Beteiligung

Bundesweit sind acht Atomkraftwerke nach der Katastrophe von Fukushima endgültig stillgelegt worden. Verniedlichend sprechen die Atomkonzerne gern von „grüner Wiese“ – doch die atomaren Hinterlassenschaften werden noch für viele Jahrtausende ein hohes ökologisches Risiko darstellen. Wie sieht der Prozess der Stilllegung aus? Welche Verfahren gibt es? Wie werden BürgerInnen und Öffentlichkeit beteiligt? Welche Gefahren sind damit verbunden? Und was passiert mit dem ganzen Atommüll?

Für die acht Atomkraftwerke, die nach Fukushima per Atomgesetz abgeschaltet wurden, ist die Betriebserlaubnis zur kommerziellen Stromerzeugung faktisch erloschen. Derzeit befinden sich die Reaktoren in der so genannten Nachbetriebsphase. Jetzt müssen die Betreiber entscheiden, wie sie weiter vorgehen wollen. Grundsätzlich stehen ihnen dazu bislang zwei Wege offen: Sie können entweder den Rückbau der Anlagen sofort beginnen oder zunächst den sog. sicheren Einschluss durchführen und den Rückbau dann erst später starten.

Welchen Weg die AKW-Betreiber gehen, ist im Atomgesetz nicht geregelt, grundsätzlich kommen daher derzeit beide Wege in Frage. Die neue Landesregierung in Kiel, die den sofortigen Rückkbau bevorzugt, hat aber inzwischen angekündigt, dass sie eine Gesetzesinitiative starten will, mit der das Atomgesetz künftig den Rückbau vorschreibt.

Im Koalitionsvertrag, der Grundlage für die seit Juni 2012 regierende Koalition aus SPD, Grünen und SSW ist, heißt es dazu: „Wir wollen den eingeleiteten Atomausstieg schnellstmöglich vollenden. Über eine Bundesratsinitiative und die Landesatomaufsicht wollen wir für den unverzüglichen Rückbau der stillgelegten Meiler sorgen. Um dieses sicherzustellen, muss die Option „sicherer Einschluss“ aus dem § 7 Atomgesetz gestrichen werden.“ (S.38)

Für die jetzt anstehenden Diskussionen und Entscheidungen in Sachen Stilllegung der AKWs gibt es bereits Erfahrungen. Wolfgang Neumann von der Intac aus Hannover (früher Gruppe Ökologie): „Es wurden bereits 19 Atomanlagen endgültig abgeschaltet
bzw. befinden sich in Stilllegung.“

Im Strahlentelex vom November 2011 findet sich ein ausführlicher Artikel von Neumann, in dem er über die grundsätzlichen Fragen einen Überblick gibt, aber auch zu derzeit laufenden Stilllegungsverfahren konkrete Hinweise gibt. (eine gekürzte Fassung gibt es hier als PDF).  Bereits 1999 hat sich Neumann in der Zeitung ak-analyse+kritik ausführlich mit der Frage nach Einschluss oder Rückbau auseinandergesetzt. (PDF)

Im Strahlentelex kommt Neumann zu einer kritischen Bilanz: „Die sicherheitstechnischen Anforderungen werden abgeschwächt und die Öffentlichkeitsbeteiligung wird ausgehöhlt.“ Er verweist vor allem auf das Stilllegungsverfahren für das AKW Obrigheim in Baden-Württemberg. Mit seiner Kritik steht er nicht allein. Bürgerinitiativen rund um Obrigheim haben inzwischen gegen den Rückbau des Atommeilers Klage eingereicht. Die Klage zielt auch darauf, dass bundesweit verbindliche Regelungen her müssen, in denen die Beteiligung der Öffentlichkeit in allen Rückbau- und damit verbundenen Gehnehmigungsschritten sicher gestellt werden.

Inzwischen hat die grün geführte Landesregierung in Baden-Württemberg auf die Kritik der AtomkraftgegnerInnen reagiert und im Mai 2012 per Pressemitteilung zugesagt, mehr Öffentlichkeitsbeteiligung anzubieten „als vorgeschrieben“ und beteuert, dass die Sicherheit beim Rückbau „höchste Priorität“ habe.

Der Grüne Umweltminister Franz Untersteller versucht die Kritik abzuwiegeln: „Im Gegenteil, sagte der Umweltminister, die EnBW Kernkraftwerk GmbH (EnKK) tue sogar mehr als rechtlich erforderlich, um die Bevölkerung insbesondere in der Region am unteren Neckar zu informieren und einzubeziehen. Franz Untersteller: „Die EnKK führt vor der Erteilung der dritten Abbaugenehmigung freiwillig eine  Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit durch. Und wir wollen neue Aspekte, die sich eventuell bei dieser Veranstaltung ergeben, im weiteren Verfahren berücksichtigen.“

Aber genau hier zeigt sich das Problem: Die rechtlichen Ansprüche für eine umfangreiche Beteiligung sind derzeit zu vage und es hängt vom Good-Will einer Landesregierung oder Atomaufsicht ab, wie weit sie in Sachen Bürgerbeteiligung geht. Und wenn der AKW-Betreiber nicht will, hat er derzeit gute rechtliche Möglichkeiten, die Beteiligung auf einen schmalen Rahmen zu begrenzen.

Auch die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat per Koalitionsvertrag erklärt: „Wir werden für maximale Transparenz sowohl beim Rückbau der stillgelegten Meiler als auch bei Betrieb, Wartung und Störfällen des AKW Brokdorf sowie Atomtransporten sorgen.“ (S.38)

Was das genau bedeutet und in welcher Weise die neue Landesregierung die Bevölkerung nicht nur informieren wird, sondern ihr auch im Rahmen der Genehmigungsverfahren für die Stilllegung rechtliche Einflussmöglichkeiten einräumen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht wird auf der Veranstaltung der Stadt Geesthacht am 13. September 2012 über die Stilllegung des AKW Krümmel darüber mehr zu erfahren sein, denn dann könnte der Leiter der Atomaufsichtsbehörde in Schleswig-Holstein, Wolfgang Cloosters, dazu einiges darlegen. Inzwischen ist auch klar, wer für Vattenfall an dieser Veranstaltung teilnehmen wird: Dr. Neuhaus und Torsten Fricke vertreten das Unternehmen.

Auch für das AKW in Brunsbüttel ist die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein zuständig.

Für die beiden Atommeiler in Biblis hat RWE vor kurzem die Anträge für den Rückbau beim hessischen Umweltministerium eingereicht. Das HMU hat darüber öffentlich informiert und hat auf seiner Homepage auch einen Fragen-Antwort-Katalog veröffentlicht, der einen Überblick über den derzeit geplanten Ablauf und Umfang des Genehmigungsverfahrens und des anschließenden Rückbaus gibt.

In den Fragen/Antworten werden in Frage 4 zwar indirekt Hinweise gegeben, dass die Öffentlichkeitsbeteiligung erfolgen wird, zumindest im ersten Schritt. Unklar bleibt aber, wie sich das „gestufte Genehmigungsverfahren“ im einzelnen konkret darstellt und ob an allen einzelnen Schritten die Öffentlichkeit beteiligt wird. Genau das war beim Rückbau des AKW Obrigheim zum Problem geworden, wo ledliglich im ersten Schritt eine Öffentlichkeitsbeteiligung erfolgte, nicht aber mehr im zweiten.

Ein wichtiger Hinweis auf die Sicherheitsfrage wird in der Antwort zur Frage 10 geliefert. Da es bundesweit an Castor-Behältern mangelt, stehen alle AKW-Betreiber derzeit vor dem Problem, dass die hochradioaktiven Brennelemente nicht schnell aus den Nasslagern und dem Reaktor herausgeholt und in Castorbehältern in die vorhandenen Standortzwischenlager transportieren werden können. Deshalb scheinen die Betreiber zu planen, den Rückbau zu beginnen, auch wenn die hochradioaktive Fracht noch im Reaktor steht. Das stellt ein enormes Risiko dar! Nicht nur in Biblis, auch in den AKW Krümmel und Brunsbüttel, Unterweser etc. dürfte es hier zu gravierenden Problemen kommen. Sicherer wäre in jedem Fall, das die Brennelemente vor einem Rückbau ausgelagert sind!

Aber auch zahlreiche weitere Probleme stehen bei der Stilllegung im Raum: Für leicht- und mittelradioaktive Atomabfälle soll der Schacht Konrad genutzt werden. Der ist zwar genehmigt, aber der Ausbau verzögert sich seit Jahren immer wieder. Eine Inbetriebnahme ist nicht vor 2019 zu erwarten. Bis heute bestehen beim Schacht Konrad massive Sicherheitsbedenken, vor allem was die Langzeitsicherheit und das Risiko von Wassereinbrüchen angeht. Aber auch die zahlreichen Atomtransporte zum Schacht Konrad stehen immer wieder in der Kritik. Zuletzt hatte die Nachbar-Stadt Salzgitter, die gegen das Atommülllager geklagt hatte, eine Studie veröffentlicht, in der über die massiven Unfallrisiken berichtet wurde (siehe auch hier).

AKW Krümmel – Wie geht abschalten?

AKW Krümmel – Auch die Stilllegung birgt viele Risiken, Foto: Dirk Seifert

Über das weitere Verfahren zur Abschaltung des AKW Krümmel lädt die Stadt Geesthacht zu einer Infoveranstaltung am 13. September 2012 ein. Während Betreiber Vattenfall sich in alt bekannter Manier bis heute nicht in die Karten schauen lässt, will die Stadt Geesthacht zusammen mit Vertretern aus der zuständigen Atomaufsicht im Kieler Umweltministerium, vom Bundesamt für Strahlenschutz und von der Intac (ehemals Gruppe Ökologie) über die Alternativen, die Verfahrensfragen und die Risiken des Abbaus des Atommeilers informieren und diskutieren. Offen ist scheinbar noch, ob jemand von Vattenfall kommen wird. Gleich um die Ecke des AKW Krümmel beginnt mit einer weiteren Veranstaltung auch der Rückbau der Forschungsreaktoren der GKSS.

Gegenüber der Atomaufsichtsbehörde hatte Vattenfall noch Ende letzten Jahres zugesichtert, bis zum März 2012 darüber zu entscheiden, was mit dem AKW geschehen soll, ob Vattenfall sich für den Rückbau entscheidet oder zunächst den „sicheren Einschluss“ favorisiert. Doch kurz vor Ablauf der Frist teilte Vattenfall mit, dass es bis zu einer Entscheidung noch dauern wird. Andere Betreiber, z.B. E.on für das AKW Biblis hat dies bereits vor Monaten entschieden und inzwischen sogar schon die ersten Anträge bei der zuständigen Behörde in Hessen eingereicht.

Allerdings: Ob Rückbau oder Einschluss: Die hochradioaktiven Brennelemente im Reaktorkern und im Abklingbecken werden so schnell nicht aus dem Atommeiler entfernt werden können. Denn es mangelt an den erforderlichen Castorbehältern. Können die Brennelemente nicht in die Castoren verpackt werden, müssen sie weiter aktiv gekühlt werden und damit müssen sie vorerst im AKW bleiben. Und es müssen aktiv Sicherheits- und Kühlsysteme in Betrieb bleiben.

Für die AKWs in Biblis wurde jüngst folgendes mitgeteilt, was auch für das AKW Krümmel relevant sein dürfte: Laut Mitteilung des hessischen Umweltministeriums werden die hochradioaktiven Brennelemente zunächst in den Reaktoren bzw. in den Abklingbecken verbleiben. Mit der Verladung der bestrahlten Brennelemente aus Block A in Castor-Behälter Richtung Zwischenlager sei laut des hessischen Umweltministeriums bis etwa Ende 2014, aus Block B etwa 2016 zu rechnen.

Sicherheitstechnisch wäre eine schnelle Entladung der bestrahlten Brennelemente in Castorbehälter von großem Vorteil, da dann keine aktiven Kühlsysteme mehr erforderlich wären. Allerdings gibt es bei der Fertigung von Castoren derzeit Probleme: Jährlich sollen bei der GNS künftig rund 80 Castorbehälter hergestellt, zuwenig, um damit alle AKWs zu beliefern (siehe auch hier).

Daraus könnten weitere sicherheitsrelevante Probleme entstehen, denn möglicherweise wollen die Betreiber mit dem Abriss beginnen, während noch hochradioaktives Material in den Reaktoren bzw. den Abklingbecken lagert – so ist es z.B. bei dem AKW in Obrigheim der Fall .

Hinzu kommt: Selbst wenn die Brennelemente endlich in Castoren verpackt werden können – ein Endlager steht vor 2030/40 nicht zur Verfügung. Bis dahin werden sie auf dem AKW Gelände in der benachbarten Zwischenlagerhalle geparkt. Ungesichert gegen Flugzeugabstürze und Terrorangriffe. Siehe zur Problematik der Standortzwischenlager hier und auch hier.

Aber auch zahlreiche weitere Probleme stehen bei der Stilllegung im Raum: Für leicht- und mittelradioaktive Atomabfälle soll der Schacht Konrad genutzt werden. Der ist zwar genehmigt, aber der Ausbau verzögert sich seit Jahren immer wieder. Eine Inbetriebnahme ist nicht vor 2019 zu erwarten. Bis heute bestehen beim Schacht Konrad massive Sicherheitsbedenken, vor allem was die Langzeitsicherheit und das Risiko von Wassereinbrüchen angeht. Aber auch die zahlreichen Atomtransporte zum Schacht Konrad stehen immer wieder in der Kritik. Zuletzt hatte die Nachbar-Stadt Salzgitter, die gegen das Atommülllager geklagt hatte, eine Studie veröffentlicht, in der über die massiven Unfallrisiken berichtet wurde (siehe auch hier).

Vor diesem Hintergrund geht es also auch um die Frage: Abbau des AKW Krümmel und was passiert mit dem Atommüll?

Die Einladung der Stadt Geesthacht im Wortlaut:

„Deutschland steigt aus der Atomkraft aus. Das AKW Krümmel bleibt endgültig vom Netz. Und jetzt? Wie geht es weiter? Die Stadt Geesthacht lädt ein: Bürgerinformation zum Thema „Rückbau des AKWs Krümmel“

13. September 2012, 18.00 – 20.30 Uhr, Stadtverwaltung Geesthacht, Markt 15, Ratssaal

Experten beantworten Bürgerfragen:

• Dr. Cloosters und Dr. Karschnick, Atomaufsicht Kiel

• Dr. Hoffmann, Bundesamt für Strahlenschutz

• Wolfgang Neumann, Physiker vom Gutachterbüro „intac-Hannover“

• Eingeladen wurde auch ein Vertreter von Vattenfall.

Veranstalter: Stadt Geesthacht, angeregt durch: ElternInitiative Geesthacht u. BUND Ortsgruppe  Geesthacht, unterstützt durch den Umweltbeirat Geesthacht

Es gibt viele Fragen!

1.  Läuft das AKW Krümmel noch im „Stand-By-Modus“? Was heißt das eigentlich?

2.  Was heißt „Rückbau“ oder „Sicherer Einschluss“?

3.  Wann fällt diesbezüglich eine Entscheidung? Wie viele Jahre/Jahrzehnte dauert ein etwaiger Rückbau?

4.      Was passiert mit den radioaktiv kontaminierten Bestandteilen, die durch den Abbau anfallen? Werden sie im Zwischenlager des AKWs gelagert?

5.    Welche Sicherheitsrisiken bestehen im Moment? Welchen Einfluss haben 1100 Fässer mit radioaktivem Abfall auf unsere Sicherheit?

und und und….

Kontakt: info@elterninitiative-geesthacht.de, http://www.elterninitiative-geesthacht.de

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